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iHaus Brüder Schmidt.s
Verlag der „tviefteucr Zeitung" L« w. d H.
Nr 177.
Telephon: Nr. 362.
Monlag, den 31. Juli 1911.
Telephon: dir. 362.
23 Jahrg.
Die Steuemrieilung im Reicht
Ueber die Frage der Steuerverteilung im Reiche hat der Abg. Erzberger Material mitgeteilt, in dem bewie- fen wird, baß Deutschland die gerechteste Sleuervertei- lung unter allen Großmächten besitzt, daß es Frankreich gegenüber ungemein überlegen ist und daß auch England keine besseren Verhältnisse ausweisen kann. Die Unterlagen zu diesem Material lieferten Arbeiten des Reichsschatzamtes, welche der Budgetkommission vorgelegen haben.
'Neuerdings behandelt Professor Wittschewsky in den „Annalen des deutschen Reiches" dasselbe Thema. Der Gelehrte stellt dabei zwei Entwickelungen an: wie die Bevölkerung nach der Einkommenshöhe geschichtet ist, und welcher Anteil am Steueraufkommen auf die verschiedenen Einkommensstufen entfällt. Nun ist aber eine brauchbare Stufenleiter der Einkommensgrößen für das Reich nicht zu beschaffen; in einzelnen Staaten wird das Einkommen, und zwar nach recht ungleichartigen Grundsätzen, für ^teuerzwecke allerdings veranlagt, doch hieße es den tatlächlichen Verhältnissen Gewalt a'ntun, wenn man diese Steuerergebnisse für alle Reichsteile verallgemeinern wollte. Selbst wenn aber eine solche- Rangordnung nach dem versteuerten Einkommen für die (Sefamtbeoölferung als zulässig befunden werden sollte, so wäre es doch schlechterdings unmöglich, die bunte Vielheit der Reichs- und Staatssteuern nach einem festen Schema so zu verteilen, daß die Steuerhöhe für jede Einkommensstufe erkennbar wäre. Trotzdem kann die steuerliche Belastung nur im Vergleich mit dem Einkommen richtig beurteilt werden, daher ist -eine Klassifizierung nach dem Einkommen unentbehrlich. Der Verfasser glaubt den Schwierigkeiten wenigstens teilweise ausweichen zu können, falls an Stelle jeder weiteren Differenzierung einfach zwischen den untersten, also den wirklich unbemittelten Volksklassen, einerseits, und allen anderen Einkommensgruppen andererseits unterschieden wird. Als Grenzscheide wird ein Steuereinkommen von 1500 Mk. empfohlen. Bei einer solchen Zweiteilung in eine Ober- und Unterschicht würden, wie näher dargelegt wird, 75 Proz. der Bevölkerung der Unterschicht zuzuweisen sein; das Stärkeverhältnis zwischen oben und unten stellt sich hernach wie 1:3. Run kommt aber die große Schwierigkeit: der Einklang der Steuersätze für jede der beiden Klassen. Der Verfasser setzt, um einen positiven Ueberblick zu gewinnen, an Stelle der hier und da gewählten Konsumschätzungen das Umlagever- fahren, d. h. er sucht die effektive Steuersumme nach der größeren oder geringeren Wahrscheinlichkeit zwischen den beiden oben konstruierten Volksschichten aufzuteilen. Sem subjektiven Ermessen bleibt bei solchen Schätzungen immer ein weiter Spielraum; es wird von Voraussetzungen ausgegangen, deren Richtigkeit gewiß ange - zweifelt werden kann, ohne deren Einstellung in die Rechnung man aber völlig im Dunkeln tappen würde. Als Ergebnis wird festgestellt, daß die vom Verfasser auf rund 1500 Mill. Mark bezifferte Reichssteuerlast zu fast gleichen Teilen auf die 75 Prozent der Unterschicht und 25 Prozent der Oberschicht entfällt. Wenn die beliebte Methode nach der Berechnung der Kopfzahl angewandt wird, so zeigt sich für die Belastungshöhe das umgekehrte Bild: das einzelne Individuum der Oberschicht ist mit 75 Prozent, der Unterschicht mit 25 Proz. belastet, richtiger: 46,5 und 15,6 Mk. Das hier gekennzeichnete Lastenverhältnis erscheint für die ärmsten Gesellschaftsklassen ungünstig, sofern die staatlichen und kommunalen Steuerlasten zu den Reichsauflagen nicht hinzugerechnet werden. Wenn das aber geschieht, dann verteilt sich die mit 3% Milliarden Mark angenommene Last etwa wie folgte ein Drittel — 1,1 Milliarden Mk. fallen auf die unteren 75 Prozent und zwei Drittel — 2,35 Milliarden Mark fallen auf die oberen 25 Proz. der Bevölkerung.
Aus diesem Steuerverteilungstableau erhellt, daß die Reichsfinanzpolitik keineswegs von einer Tendenz zur Schonung der stärkeren Schultern beherrscht sei. Der Anteil der dünnen Oberschicht auch nach den Reichsabgaben abgaben sei nach den vorliegenden Zahlen nicht so gering, wie ohne Kenntnis des Materials bisweilen angenommen wird. Damit werde auch der Legende, daß die indirekten Reichssteuern zu weitaus dem gröhlen Teil von den ärmsten Volksklassen getragen werden müssen, der Boden entzogen. Der Reichsfinanzpolitik werde daher mit Unrecht vorgeworsen, daß sie ohne Verständnis für die Erfordernisse fatalen Ausgleichs ihres Amtes walte. Diese Zahlen werden m der Wahlbewegung gut zu gebrauchen sein und sie gehalten, den unverantwortlichen Sehern entgegenzutreten.
LanätagrwadlMbemiungen
• Die Fortschrittliche Volkspar 1 ei hat im Wahlkreise Bensheim-Zwingenberg Professor Fleglcr - Bensheim und im Wahlkreise B i schossheim -Rüsselsheim BürgermeisterHüh- n e r k o p s als Landtagskandidaten ausgestellt.
Bus Stadl und Land.
Giebel», den 31. Juli.
* Der Großherzog empfing am 29. Juki den Landgerichtsrat Dr. jur. Friedrich, außerordentlichen Professor an der Universität Gießen, die Professoren Dr. Versluys, Dr. Thomas und Dr. Glaun von der Universität Gießen.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ernst Ploch aus Romrod, Kr. Alsfeld, die vierte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu G r-ü n - b e r g, Kr. Gießen.
-k- Der MitteldeutscheSängerverband hielt gestern unter zahlreicher Beteiligung von auswärts seinen 2. Liedertag ab. Der 1. Vorsitzende, Provinzialdirektor Dr. Usinger begrüßte die Anwesenden und erinnerte wieder, daß gerade durch das Lied und speziell durch das Volkslied die Liebe zu Heimat und Vaterland gepflegt und gefördert wird. Sie' nun folgenden Gesänge zeigten, daß im Kreise Gießen die Vereine an ihrem technischen Ausbau fleißig arbeiten. Es fangen 13 Vereine. Der Verbandschormeister Professor Trautmann gab zum Schluß des offiziellen Teiles bekannt, daß der heutige Tag wieder gezeigt habe, daß die Vereine immer wieder hinzulernen können. Es folgte der gemütliche Teil; Konzert der Gießener Regimentskapelle. Zwischendurch wurden dann von einigen besonders gut geschulten Vereinen noch Kunstchöre zum Vortrag gebracht. Lange blieb man bei einander unter bem Eindruck des Gehörten, so daß der Zweck des Tages vollauf erreicht war.
* Kaiser-Truppenschau in Mainz. An der Truppenschau vor dem Kaiser am 11. August auf dem großen Sand bei Mainz nehmen, wie jetzt endgültig vom Generalkommando des 18. Armeekorps festgesetzt wurde, teil: die Infanterie-Regimenter Nr. 80, 81, 87, 88, 115, 116, 117 und 118, die Unteroffizierschule in Biebrich, das Brandenburgische Fußartillerie- Regiment Nr. 3, die Pionierbataillone Nr. 21 und 25, das Magdeburgische Dragonerregiment Nr. 6, die erste Abteilung des Fußartillerie-Regiments Nr. 27 und die zweite Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 63, ferner die hierzu gehörigen Divisions- und Brigade - stäbe.
* Zuschlagskarten für Schnellzüge. Die preußische Staatseisenbahnverwaltung erläßt folgende wichtige Anordnungen: „Reisende, die mit einer für Eil- und Personenzüge gültigen Fahrkarte einen zuschlagpflichtigen Zug benutzen und über die Bestimmungsstation der Fahrkarte hinaus ihre Reise fortsetzen wollen, haben außer der für die Weiterreise zuzulösenden Anschluhkarte nur eine bis zur Bestimmungsstation der Anschlußkarte gültige Schnellzugsfahrkarte ^u lösen." Hierdurch soll vermieden werden, daß der Zuschlag innerhalb derselben Zone doppelt erhoben wird.
* Milchpreiserhöhung. Wegen der knappen Futterverhältnisse und der bereits in den Nachbarstädten vorausgegangenen Preis-Erhöhung beschlossen die Milchhändler und Produzenten, vom 1. August ab das Liter Milch von 20 auf 22 Pfg. zu erhöhen.
* Eine betrübende Erscheinung bieten jetzt auf unseren Schmuckplätzen und Promenaden, in Parkanlagen und Privatgärten zahlreiche Bäume: das Laub, namentlich der unteren Zweige, hängt schlaff herab, teilweise ist es verdorrt, zum Teil schon gänzlich vergilbt. Die große Hitze und anhaltende Trockenheit hat den Bäumen, deren Lebenshaltung die Stadt- verhältnisse ohnehin auf einen kärglichen Etat stellen, außerordentlich geschadet, und die künstliche Bewässerung, die man ihnen zu Teil werden ließ, hat die natürliche Labung nicht zu ersetzen vermocht. Man sieht Sträucher und kleine Bäume vielfach wie abgestorben: die zarten Blätter sind von der Sonnenglut total verbrannt. Wenn da noch der Wind knisternd über die dürren Halme streicht und die gelben Blätter in raschelnden Wellen vor sich hertreibt, dann gewinnt man einen recht herbstlichen Eindruck. Die Gewitter der letzten Tage vermochten den Schaden nicht gut zu machen; was sie an Feuchtigkeit brachten war wie der Tropfen auf den heißen Stein. Es werden ganz ergiebige Regen
güsse dazu gehören, die erschlaffte Vegetation nachhaltig zu erquicken.
t Bettenhausen, 31. Juli. Hier ist die Maul unb Klauenseuche in 5 Gehöften ausgebrochen. Daß die Seuche durch Besucher des oberheffischen Bauernfestes hier verbreitet wurde, trifft nach neueren Feststellungen nicht zu.
-n- Aus dem O h m 1 a l, 29. Juli. Ein schreck liches Unwetter wütete am Mittwoch in unserer Ge gend. Gewitterregen mit furchtbarem Sturm und Hagel richteten großen Schaden an. Seit Jahren ist es" wie der das erste Unwetter, das mit solch verheerender Ge walt ausgetreten ist. Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt, Aeste abgerissen und meterweit sortgeschleu dert. Das konnte man in den Dörfern beobachten, so weit ein Beobachten bei dem ungeheuren Staub, der bie Lust erfüllte, möglich war. Im Felde wurden die Kornhaufen auscinanbergcriffen, die Gebunde in die Höhe gehoben, herumgewirbelt und mehrere Meter (oft bis zu 150 Meter) fortgeschleudert.
- -d- N i d d a, 30. Juli. Aus der Bahn Nidda - Schotten wurden Freitag abend an einem Bahnüber gang bei Ober-Schmitten einer Frau beide Beine abgefahren. Die Frau ist alsbald gestorben.
-d- Vad-Nauheim, 31. Juli. In der 'Nacht von Samstag auf Sonntag gegen % 1 Uhr brach in dem südlichen Teile der Fabrik feuer und säurefester Produkte (Ehamottefabrif) Fr. Siem e n s A.-G. in Dresden Feuer aus. Die Feuerwehr war dem sich durch die herrschende Trockenheit rasch ausdehnenden Feuer gegenüber ziemlich machtlos. Mit kaum zu beschreibender Geschwindigkeit hatte das Feuer fast sämt liche Gebäude ergriffen; prasselnd stürzten, Mauer auf Mauer ein, so daß sich die Spritzenmannschasten mit nur größter Mühe retten konnten. Dabei war in den Hydranten durch den Wassermangel und die Ver sagung der staatlichen Wasserleitung fast gar kein Druck vorhanden. Das Wasser mußte allein von der kleinen städtischen Wasserleitung geliefert werden. Glücklicher - weise brachte es die brave Löschmannschaft fertig, den nur unter 2 Atmosphären stehenden Dampsdruckkessel durch fortwährendes Bespritzen von einer Erplosion, die angesichts der tausenden und abertausenden von Kurgästen und Einheimischen .und die Nähe eines großen Schlotes entsetzliche Folgen gehabt haben würde, zu retten. Sonntag früh gelang es endlich, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, ohne daß ein Menschenle den gefährdet wurde. Mit Ausnahme der etwas abseits liegenden Bureauräume ist die Fabrik ein Trümmerhaufen. Maschinen, Kessel, welcher noch glücklich entleert werden konnte, Schreinerei, Formerei x. alles ist vernichtet. Der Schaden ist bedeutend.
- d- Büdingen, 29. Juli. In Vonhausen bei Büdingen brannte gestern infolge Blitzschlages die der Witwe Weinel gehörige Scheune nieder. Langanhaltende schwere Gewitter zogen die ganze Nacht über die hiesige Hegend hin.
* Worms, 29. Juli. Bei dem gestern Nachmittag über Worms und Umgegend niedergegangenen Gewitter wurden zwei Monteure der Rheinischen Schuckert- Gesellschaft, welche in Bechtheim mit der Legung der Stromleitung beschäftigt waren, auf dem Dache eines Hauses vom Blitz getroffen. Der eine erlitt am, Fuße Verbrennungen nicht schwerer Natur. Der Blitz sprang auf den anderen Monteur über und warf ihn tot vom Dache. Der Getötete wollte in 8 Tagen seine Hochzeit feiern. _______________________ __________________
* Das Wichtigste beim Einmachen. Ich kannte eine äußerst tüchtige und praktische, dabei aber auch sehr selbstbewußte Hausfrau, die immer behauptete daß ihr niemals etwas mißlingen könne. So wäre es bei ihr ganz ausgeschlossen, daß ihre eingemachten Sachen verdürben, das könne ihr einfach nicht passieren. Grenzenlos war deshalb ihr Erstaunen und ihr Aeger, als ihr dennoch eines guten Tages alle so sorgfältig eingemachten Früchte 2C. verschimmelt und in Gährung übergegangen waren. Sie hatte nämlich das Wrchttgjte und Unentbehrlichste beim Einmachen vergessen H a n - s a - S a l i c y l, dieses unbedingt sichert ernfache und Billige Schutzmittel gegen das Verderben alles Singe - machten. Wer also beim Einmachen ganz |id)er gehen und vor Schaden und späteren Enttäuschungen bewabrl bleiben will, der muß sich zunächst Hans a - alt» cinl holen, das überall zu haben ist; wo nicht, wende man sich wegen Ausgabe von Bezugsquellen direkt an die bekannte Nährmittelfabrik „Hansa , Hamburg 6.