Gießener Zeitung
Vetuasvreis 40 ntn mAnnHiA ^nfhâii aHa At«#r 11 ’
Vezugspreis 40 pfg. monattich
-.-«etzithrlich 1,20 Mk., uorau^lbar, frei insHau» Sbe^elt in unserer ErpetMio» ober in ben tzwei«, au»8a6efic(kn -ierleljährtich 90 Pfg. _ Erschein, TieuütagS, Tounerötags, Samstags. — Redaktion. Setter-weg 83. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Gieheuer Zeitung" O. m. h. H.
Nr. 204
(L Blatt.)
Krieg zwischen Italien und der Türkei.
-Vri^h6"^ °? mand>cr geahnt, ist der europäische ?'"<hbrochcn worden. Nicht Marokko ist ber jot ap,el sondern das türkische Tripolis, worauf -Xialien Anrech, erheb,. Es liegen folgende Meldungen vor:
Sie Kriegserklärung
*)' Mont, 29. Sept. (Tel.) Da die otto- m «Nische Regierung die Forderun- gendes italienischen Ultimatums nicht angenommen hat, sind Italien die Türkei seit heute nachmit. ° 9 ^b Uhr i m Kriegszustände. Die -B I oetabe von Tripolis und Enre- na.lka wird den Mächten sofort noti- 1131 e r t werden.
er ^.°ust°ntinopel, 29. Sept. (Telgr.) ^nch ^" ist die Kriegserklärung be- lannt gegeben worden.
r, ®® 's* anzunehmen, daß die Landung des italieni- 19C LrlP‘r* l0oSt-0rp^ .'N Tripolis bereits erfolgt ist. " Nalicnische Kriegsschiffe warfen vor Tripolis Anker.
Eine Seeschlacht in Aussicht.
') Par i s, 30. Sept. Mehrere türkische Krieas - uitt^ Arll^en Bèiruth. Ein Renkonter mit der italie- mfebe Flotte wird für heute als wahrscheinlich betreib
Grstereefch auf der Wacht.
* ) Wien, 29. Sept. Die österreichisch-ungarischen Geschwader sind fast vollständig in den dalmatischen Gewässern stationiert und bewachen das ganze Küstengebiet.
*) Wien, 29. Sept. Nach griechischen Meldungen begannen von türkischer Seite Truppenkonzentratio- nen an der thessalonischen Grenze. 28 Kanonen sind in Elassona eingetroffen.
Was sagt Dentschland?
*) Berlin, 29. Sept. Der Reichskanzler von Vethmanw-Hollweg ist hier eingetroffen. Das Staats- ministerium ist heute zu einer Sitzung zusammengetreten. — Deutschland ist in diesem Streite zwischen Italien und der Türkei auf eine harte Probe gestellt.
Parteipolitisches.
Reichstagswahlen 1912
— Der Parteitag der Fortschrittlichen V o l k s p a r t e i ist auf den 20. Oktober nach Berlin einberufen worden.
— Hanau, 30. Sept. In dem Reichstagswahl - kreis Hanau-Eelnhausen-Orb wird mit Bestimmtheit der gesamte Liberalismus in einheitlicher Kampsform auf
marschieren. Die Fortschrittliche Volkspartei ist eine nationalliberale Kandidatur zu unterstützen.
bereit,
Hessische Landtagswahlen 1911.
§ Die Einigung der liberalen Parteien
für
die Landtagswahl in Gießen ist nicht zu Stande gekommen. Die Fortschrittliche Volkspartei beschloß bei der Wahl in Gießen-Stadt-Wieseck selbständig vorzugehen. Prof. U r st a d t wurde als Kandidat aufgestellt. — Für die übrigen für die diesmalige Landtagswahl in Betracht kommenden Bezirke des Reichstagswahlkreises ist eine Einigung der beiden liberalen Parteien erzielt worden und zwar auf der Grundlage, daß im Wahlbezirk Lich-Hungen die Fortschrittspartei, und im Wahlbezirk Nidda die nationalliberale Partei den Kandidaten stellt. Auch der im Wahlbezirk G^ohen-Linden-Heuche^heim von der fortschrittlichen Volkspartei in Aussicht genommene Kandidat wird von den Nationalliberalen unterstützt werden. Hierfür ist Fabrikant Adolf K l i n g s p o r in Aussicht genommen.
§ Im Wahlkreis Gernsheim-Pfungstadt scheint dort innerhalb der Ordnungsparteien eine Einigung auf einen Kandidaten bevorzustehen, um einen Sieg der Sozialdemokraten zu vermeiden.
§ .Im Wahlkreis Heppenheim-Viernheim wurde an Stelle des aus wichtigen Gründen von der wieder übernommenen Kandidatur zurückgetre-
Enthält alte amtl.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
des Großherzoglichen
Polizei- Amtes
Behörden Gberhestens
Expedition: Zeltersweg 83.
lHauS Brüder Schmidt.)
Samslag, den 30. September 1911
I lenen bisherigen Abg. Uebel-Dieburg Postmeister Wie- ^^?V,^^^^nheim als Kandidat der Zentrumspartei ausgestellt. W. nahm die Kandidatur an.
An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden der fort- schrrttlichen Volks pari ei in Mainr ^u. Arat Bürckel, wurde Rechtsanwalt Soldan nun Vorsitzenden gewählt. 6
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 30. September 1911.
hoi 5 rokherzog hat ben Slnatomiebiener m ?r 4.Sanbcsumocrf,to Heinrich Salfer auf fein Rachfuchcn, unter Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober 1911 an den Ruhestand^verfetzt unb als besten Nachfolger den nannT^ mCt Ct ^ °b $ 1 a 113 aus Biebesheim cr= M-.^L!" ?â des Hotels „Zum Einhorn" finden am Mittwoch, den 4 und Donnerstag, den 5. Oktober ds. ÖS- bie Aufführung der Original-Aufnahmen der Oberammergauer Paffiousfpicle in ^' /^'^" Projektionsbildern statt und zwar naefmut ags 5 Uhr für odjüler, abends 8% Uhr für Ste MCfe Führungen find von der auswar. igen Presse sehr günstig beurteilt worden. Den Vor- Ar dieser Aufführung hält Herr Ingenieur Haal ^^^^n ^' b°ann bui^ seine wissenschaftlichen Pro-
o) Friedberg, 28. Sept. Aus dem hiesigen Obst- ÄJS/WW^ pro 100 Pfd., Italienische Zwetschen 10, Hauszwetschen 6 bis 8, Pflaumen 8—10 Pfg. pro Pfund. Kelleräpsel 15—16 Mark pro Malter (100 Kilo) frei Bahnstation. o Lich, 29. Sep. Die hier seit 6 Jahren mit bestem Erfolg bestehendelandwirtschaftlicheWin- t e r s ch u l e beginnt am 6. November d. Js. einen neuen Winterkursus. Die Ueberzeugung von der Nützlichkeit einer weiteren sachberuflichen Ausbildung für unsere jungen Landwirte bricht sich immer weiter Bahn, so daß die landwirtschaftlichen Schulen in Hessen trotz deren großen Anzahl doch immer sehr gut besucht sind. Die Licher Schule ist mit Lehrkräften und Lehrmitteln sehr gut versehen, wie auch die Verpflegung der jungen Leute in soliden Bürgersfamilien billig ist. Anmeldungen sind an den Schulvorsteher Oekonomierat Weitzel in Lich baldigst zu richten.
o) Das Provinzial-Wasserwerk bei I n- Heiden ist jetzt vollendet und seit einigen Tagen ununterbrochen im Betrieb. Am 1. Oktober beginnt die Wasserlieferung für Frankfurt, Borsdorf und Ober - Wi-dersheim. Inheiden wird in wenigen Wochen angeschlossen und erhält das Wasser kostenlos.
!) Mainz, 29. Sep. In dem Prozeß der Polizeiassistentin Schapiro und dem Beigeordneten Berndt gegen den Chefredakteur des „Mainzer Neuesten Anzeigers", Hirsch, wurde heute vormittag 9 Uhr das Urteil verkündet. Hirsch wurde zu 6 Monaten Gefängnis, sowie zur Tragung der Kosten verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr 8 Monate beantragt. Der Verurteilte wird Revision einlegen.
Aus dem öerichtsfaal.
Schwurgericht
Gießen, 28. September.
Heute früh begann vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen den 17 Jahre alten Schneidergesellen Heinr. Wolf aus Nieder-Mörlen und den 23 Jahre alten Schlosser Wilhelm Erbe aus Frankfurt, sowie die 19 Jahre alte Schwester des Angeklagten Wolf, Katharina Wolf. Die beiden ersten Angeklagten sind beschuldigt, am 6. Juli die 61 Jahre alte Ehefrau Katharina Walther am hellen Nachmittag auf ihrem abgelegenen Gehöft bei Nieder-Mörlen vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet und sie um 350 Mk. und mehrere Wertsachen beraubt zu haben. Außerdem wird ihnen noch ein Einbruch in Nieder-Mörlen zur Last gelegt, den sie-vor der Mordtat ausgeführt hatten. Die Katharina Wolf ist wegen Beihilfe angeklagt; außerdem steht sie noch unter der Anklage der Hehlerei. Wolf macht einen lehr gedrückten und reuigen Eindruck und feine, Schwester weint unaufhörlich. Erbe dagegen trägt ein freches und zynisches Wesen zur Schau. Der Vorsitzende ermahnte
anjeigenpreis 15 pfg.
bic 44 mm breite Inseratenteile. — Stellen Besuche und Familienanzetgen 10 Pfg. — Die W mm breite Zeile im «cHametell öu Psg Extrabeilagen werden nach Gewicht mib Größe berechnet. Rabatt kommt bei Hederich rrinuig de-Zahlung», ziele- (30 tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei So.tkur- in Wegsall. Plahvorschriften ohne Verbindlichkeit.
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Telephon: Nr. 362. 23. Jühtg.
I ^ °.1 f'. bar Geständnis zu wiederholen, das er bereits in der Voruntersuchung abgelegt hatte. Wolf er- zahlte hieraus seinen Lebenslaus, erwähnte auch, daß sein Vater em entmündigter Truukenbold war nnb daß er !clbH früh in Fürsorgeerziehung kam und liach Be- cndtgung seiner Lehre von Ricder-Mörlen nach Frank fuil und Offenbach in Arbeit ging. In Offenbach ar- beitete er 14 Tage, bis er etwa Ende Mai stellenlos wurde. In jener Zeit lernte er den Chauffeur Erde
?" mü st'"" Schwester ein Verhältnis hatte. 2luf befragen des Vorsitzenden gibt er an, bah er mehrfach Gelder, die er von Verwandten zur Unterstütz ung erhalten hatte, an Erbe abgeben muhte der bas Selb durchbrachle. Wolf erzähllc ausführlich wie infolge des Geldmangels der ganze Plan gereift sei unb wie sie dann die Vorbereitungen zu dem Morde selbst trafen. Ueber die Ausführung der Tat erzählt er, ooß ne die Frail, die allein im Hause war im cr= sten Stock antrafen, als sie gerade ihr Zimmer verlassen wollte. Erbe sei sofort auf sie zugeeilt und habe sie mtt beiden Handen am Halse gepackt, dann habe erste zu Boden geworfen. Erbe kniete auf ihr und ries Wolf zu, den Stock zu nehmen und der Frau auf den Kopf ju schlagen. Dies führte Wolf auch mehrmals aus. Die ^rau schien daraufhin vollständig leblos. Erbe holte dann ein Stück Leinen herbei, wickelte es der Frau um den Hals und dann zogen beide an ben beiden Enden so lange, bis die Frau erdrosselt war. Dann durchsuch len die Mörder das Zimmer, fanden Geld und einige Wertsachen und machten sich davon. Im Walde ivar tete die Schwester Wolfs auf die Mörder. Mit ihr gingen sie nach Friedberg und fuhren dann alle drei nach layüftefigef ^efto die Vernehmung des angeklagten Erbe, der in außerordentlich selbstbewuß ter Weise auftritt und freche Antworten gibt. Die Beantwortung der Fragen nach seinen Familienverhältnissen verweigert er, da er das vor dem Publikum nicht nötig habe. Als er bei der Vernehmung über sein Liebesverhältnis fortwährend lachte und ihm das vom Vorsitzenden verboten wurde, antwortete er: „Ich bin halt ein lustiger Mensch".
Gießen, 29. Septbr.
Die Verhandlung begann heute früh nach 11 Uhr, da sich das Gericht erst mit den Verteidigern und dem Oberstaatsanwalt über die Schuldfragen einigen mußte. Es find im ganzen 4 1 Schuldsragen.
Gegen % 12 Uhr beginnt dann der O b e r st a a I ran w a l t sein Plädoyer, und zwar weist er darauf hin, daß sich die Tat ganz besonders durch die Frechheit und Scheußlichkeit, mit der sie verübt worden sei, auszeichne. Er seye sich deshalb veranlaßt, mit großer Entschiedenheit für die Bejahung der Schuldsragen nach Mord und Raub einzutreten. Beide Verbrecher hätten sich des schweren Raubes und Mordes schuldig gemacht. Für Katharina Wols sei die Frage nach Beihilfe und Hehlerei zu bejahen.
Das Urteil, das spät abends gefällt wurde, lautete gegen
Heinrich Wolf 11 Jahre (Gefängnis
Katharina Wolf 2 Jahre Gefängnis
Wilhelm Erbe zum Tode.
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