Gießener Peilung
Bezugspreis 50 psg. monatlich vierteljährlich 1,50 DIL, vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- nuögabesleUeti vierteljährlich 1,20 Mk. — Erscheint Mittags 3 llhr. — Die ^Uuftr. Weltruudschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. — Redaktion: SelierSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Viestcuer Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen
Polizei-Amtes
Behörden Gberhestens
Expedition: Zeltersweg 83.
lHaus Brüder Schmidt.)
Anzeigenpreis 15 pfg.
bie 44 mm breite Inseraten zette. Stellengesuche und Familien an zeigen 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im R e k l a m e 1 e i l 50 Psg.
Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grütze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahlungö- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschristen ohneBerbindlichleit.
Verlag der „Gicstcncr Zeitung" G. in. b. H.
Nr. 100
12. Blatt.)
Samstag, den 29. April 1911
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg
KN ipenfl echte Qsschllft, isse
flre, Ader- e WmM kkif • ^â noch eilte bewAhrtee
BE
.Libt,m cacknne mit Um» WelBhWe. ii lartiek.
trat», B^- lerpfl.W aryur. «4 fotheia. •
«lei tiwmer« im troße H) W
inlage 31.
58 Psg-
digè BeiliH en beittiKWi* durcbT Rlno-T«> »berichten.«
k*ff .^^ ' flechte« * X^t»
S- Ä*
Jahresbericht des Gießener Eierschutzvereius für das Jahr 1910.
Vorstandssitzungen wurden im verflossenen Vereins- jjrhre am 23. Juni, 17. Oktober, 5. Dezember und 13. Februar abgehalten. Die beiden ersten Versammlungen Binden in der Brauerei Denninghoff, die zwei letzten im Ml Kaiserhof statt. Um einigen vielbeschäftigten Vor- ^londsmitgliedern den Besuch der Sitzungen zu ermög- lidjen, tagte der Vorstand ausschließlich montägig. Mit ci Durchsicht der Satzungen, deren Reubrud sich als notwendig erwiesen hatte, betraute er einen dreigliedrigen Ausschuß. Neben rein äußerlichen Aenderungen t rächte er die Wahl eines zweiten Schriftführers sowie ie Anpassung des Rechnungsjahres an das Kalenderuhr in Vorschlag. Der Vorstand stimmte ihm zu und beantragte diese Abänderungen, worauf sie in der Haupt- ersammlung vom 23. Juni 1910 beschlossen wurden, luf der Generalversammlung des Hauptvereins, die in Schotten abgehalten wurde, war der Gießener Zweig- erem durch seinen Vorsitzenden sowie durch Rentner D. 5«! vertreten.
Vom Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen ezogen wir 480 Stück seiner Allgemeinen Tierschutz - jeitschrist, sodaß die Mitgliederzahl unseres Vereins im letzten Jahre etwa 480 betragen haben muß. Nach der Mgliederliste gehören ihm dagegen zurzeit 504 Per- Men an. Nun hat der Vorstand erst vor geraumer Zeit .CO Stück Anmeldungskarten und die gleiche Anzahl Mitgliedskarten drucken lassen, selbstredend in der Er- oartung, daß Gießens Bürgerschaft von beiden wett- ichendsten Gebrauch mache, nicht nur der hilflosen Tier- ueh wegen, sondern auch um ihrer selbst willen: denn Tiere schützen, heißt Menschen nützen.
Aenderungen innerhalb des Vorstandes wurden durch ie Versetzung des Polizeiamtmanns Reinhart veran- âtzt. An seine Stelle trat Regierungsrat Gebhardt. Ferner gehörten dem Vorstand durch Neuwahl der Di- 'ieftor des städtischen Schlachthoses, Herr Modde, und Lehrer H. Müller an.
Zahlreiche Flugblätter, Jahresberichte und Zeitschrif- en wurden in den Vorstandssitzungen in Umlauf ge- ch, wobei Artikel von besonderem Werte zur Verlesung amen. Lehrer Krug teilte uns interessante Beobachtungen aus dem Tierleben mit, während Lehrer Müller einen Hörern auseinandersetzte, was den Grafen Bodner veranlaßt hatte, den Vorsitz im Wiesbadener Tier- chutzverein niederzulegen.
(Alten Brauches gemäß unterzog sich Lehrer Fritzel Dieberum der Beurteilung der Tierschutzkalender. Auf ein eingehendes Gutachten hin bezogen wir vom Berber Tierschutzverein 2640 Kalender, die den hiesigen Überen Schulen und den Oberklassen der Volksschulen lberwiesen wurden. Beim Verbände der Tierschutzver- iiie des deutschen Reiches bestellten wir 2200 Kalender, «unseren Mitgliedern und den Volksschülern der Un- rer und Mittelklassen zugestellt wurden.
An Prämien bewilligte der Vorstand 279 Mk. Die Gendarmerie wurde mit 60 Mk. und die Schutzmann- llhast mit 120 Mk. bedacht. Die Verteilung dieser Summen überliehen wir ihren Vorgesetzten mit dem Ersu- chen, uns die Verteilungspläne zuzustellen. Die Schutz- Ieilte erhoben 24, die Gendarmerie 18 Anzeigen; in 33 fallen verhängte der Richter Geldstrafen von 6 Mk. bis /a 40 Mk., während er in 4 Fällen auf Hast von fünf Lagen bis zu 14 Tagen erkannte. Vier Flurschützen wurden Prämien von je 6 Mk. bewilligt, weil sie wildernde Katzen, Raubvögel und anderes Raubzeug ab- ^[chofjen hatten. Für schonende Behandlung und gute Hege der Pferde wurden 55 Mk. ausgesetzt. Dieser Betrag kam in Gaben von je 5 Mk. zur Verteilung. Ihre 'èierliche Ueberreichung erfolgte am 2. Weihnachtsfeier- age durch den Vorstand. Gleichzeitig händigte der Vor- i^enbe dem Fuhrmann B. Stier, anläßlich seiner 25- âhrigen Dienstzeit bei der Firma J. Kann Söhne, eine Ehrenurkunde ein. 4 Metzgerburschen, die beim Töten 'er Tiere möglichst human verfuhren, brachte der Vorland seine Anerkennung durch Gaben von je 5 Mark ’iim Ausdruck. Besondere Verdienste erwarb sich der Üoischlagsausschuß, bestehend aus den Herren Heil, ^, Löber und Modde, dadurch, daß er sich der mühevollen Aufstellung der Listen bereitwillig unterzog.
Der Vorsitzende, dem das Gr. Polizeiamt den Enl- vurs der neuen Polizeiverordnung für die Stadt Gie- zen zur Begutachtung zugestellt hatte, bat um Aufnahme ines Paragraphen, der Radfahrern verbietet, ihre Hunde neben den Fahrrädern herlausen zu lassen. Der Vorland machte außerdem eine Eingabe an obige Behörde,
worin er um Maßnahmen zur Verhütung von Tier - quälereien auf den hiesigen Vonnärkten bat.
Besonderer Fürsorge bedurfte unsere heimische Vogelwelt im Dergangenen Jahre. Groß war ihre Not; denn der Winter war lang und streng. Doch brauchten unsere Vögel nicht zu darben, da die Bürgerschaft Gießens mit dem Tierschutzverein wetteiferte, ihren Hunger zu stillen. Verfüttert wurden unsererseits 3 Zentner und 13 Pfund Vogelsutter. Außerdem bereitete ihnen der Vorstand vier köstliche „Tischlein deck dich". 4 Fichten- väumchen, die ihm die Stadt,,in dankenswerter Weise überlassen hatte, ließ er in Futterbäume umwandeln und eine flüssige Mischung, bestehend aus 3 Kg. ausgelassenem Hammeltalg, 500 Gramm Spratts Crissel, 400 Gramm Hanfsamen, 200 Gramm Mohn, 100 Gramm Mohnmehl, 200 Gramm Hirse, 100 Gramm Hafer, 100 Gramm getrocknete Holunderbeeren, 100 Gramm Sonnenblumenkerne und 100 Gramm Ameiseneier, aus die Zweige und Aeste schöpfen, wo sie rasch erstarrte, um dann von den heimischen Vogelarten gierig weggepickt zu werden. „Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen", bewahrheitete sich somit auch hier. Gesuchen seitens unserer Mitglieder, ihnen Futterhäuschen zu überlassen, konnte der Vorstand entsprechen, da er 25 Stück von M. Peterseims Blumengärtnerei zu Erfurt bezogen hatte. Bei Heinemann in Erfurt bestellten wir ein selbsttätig wirkendes Futterhäuschen mit Schlafraum und bei Pa- rus in Hamburg 4 Meisendome, um mit eigenen Augen zu beobachten, wie sie sich bewähren. Aus der Fabrik von Berlipscher Nisthöhlen zu Büren in Westfalen bekamen wir 12 Stück Nisthöhlen A und ebensoviele Nisthöhlen B, womit wir annähernd die Wünsche unserer Mitglieder erfüllen konnten.
Die Vezirkssparkasse Gießen bewilligte unserem Verein aus dem Reingewinn pro 1909 eine Unterstützung von 100 Mk., während Justizrat Grünewald und Geheimer Kommerzienrat Heichelheim ihm 5 bezw. 20 Mk. spendeten. Wir danken ihnen herzlich für ihre Gaben. Rentner Daniel Heil stiftete dem Verein ein schönes Pro- lokollbuch, das wir mit warmem Danke annahmen.
Am 13. Februar legte Prokurist Wolff die Rechnung vor, die in Einnahme mit 1369,70 Mk., in Ausgabe mit 1362,68 Mk. abschloß. Der Vermögensbestand des Vereins beträgt gegenwärtig 2058,33 Mk. Die Rechnung wurde von'den Lehrern Fritzel und Krug geprüft und richtig befunden, worauf der Vorsitzende dem Rechner im Namen der Hauptversammlung dankend Entlastung erteilte.
Alles in allem kann man sagen, daß der Tierschutzverein im abgelaufenen Jahre wieder sehr tätig war und recht segensreich gewirkt hat. Groß sind aber die Ausgaben, die unserer noch warten. Darum ergeht an die noch Fernstehenden die dringende Bitte, uns in der guten Sache zu unterstützen, indem sie dem Tierschutzverein als Mitglieder beitreten.
Hus Stadt und Cand.
Gletzen, den 29. April 1911.
* Schont d ie Frühlingsblumen! Ein Aufruf zur Schonung der Pflanzenwelt, den das „West- preußische Provinzialkomitee für Naturdenkmalpflege" erlassen hat, verdient in diesen holden Frühlingstagen der Oeffentlichkeit näher gebracht zu werden. Verödet doch in der Umgebung der Städte die Pflanzenwelt immer mehr, verschwinden doch seltene, durch große Blüten ausgezeichnete Pflanzen allmählich ganz durch den Zer- störungslrieb der Großstädter! Ernst und eindringlich mahnt der Aufruf:
„Schone die Pflanzen, schone vor allem die Frühlingsblumen ! Brichst Du Blumen, sei bescheiden, nimm nicht gar so viele fort! . . . . Ein Sträußlein am Hute ziert den Wanderer, ein Riesenbusch kennzeichnet den rücksichtslosen Plünderer. Schneide Blumen und Zweige stets vorsichtig mit einem scharfen Messer ab; die übriggebliebenen Teile entwickeln sich dann weiter! Niemals Pflanzen mit den Wurzeln ausgraben, keine Zweige von den Bäumen abreihen, sondern behutsam abschneiden, nicht die Rinden der Bäum" als 'Stammbuch benützen !"
* Der Hess. Landeskriegerverband veröffentlicht nachstehende Preisbewerbung betreffend Aufsätze über Gegenstände der Bürgerkunde: Das Präsidium fordert hiermit auf, unter den nachfolgenden Bedingungen ihm Aufsätze einzureichen, welche geeignet sind, im Sinne der Ausführungen in der Einleitung des vorigjährigen Rechenschaftsberichtes der Haffia, als Vorträge in den Vereinen zu dienen. Ein
solcher Vortrag soll dieDauer von 35 bis 45 Minuten nicht überschreiten. Die Behandlung des Stosses mutz volkstümlich und auch für den gemeinen Mann gut ver stündlich sein. Statistisches Material ist aus ein möglichst geringes Maß zu beschränkn. Jeder Vortrag soll mit kurzer Nutzanwendung im Sinne unserer monarchisch - vaterländischen und kameradschaftlichen Bestrebungen schließen. Für die beste Bearbeitung jedes Vortrags gegenständes wird ein Preis von 50 Mk. ausgesetzt. Der Aussatz wird damit Eigentum des Verbandes. Die Arbeiten sind bis zum 1. September an den mitunter zeichneten Schriftführer Med.-Rat Dr. Vogt-Butzbach, Oberhessen, einzureichen. Die Zuteilung des Preises er folgt durch den geschästssührenden Vorstand. Aussätze, welche nicht preisgekrönt werden können, erhalten die Verfasser, unter Zusicherung strengster Diskretion, zurück. Es sind Arbeiten über die nachstehenden Gegen - stände erbeten: 1. Rechte und Pflichten des deutschen Staatsbürgers, 2. Finanzwesen des Reiches, Zölle, Steu ern, Schulden. 3. Freihandel. — Schutzzoll.
* Von der Klauenseuche. Zu dem Sperling, der mit Recht oder Unrecht als ein Verbreiter der Maul- und Klauenseuche an den Pranger gestellt wurde, ist nun ein neuer Sündenbock getreten: der brave Landbriesträger. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen hat sich nämlich mit der Postbehörde in Verbindung gesetzt, damit auch diese zu den Verhütungsmaßregeln beitrage, die gegen die erwähnte Seuche ergriffen werden. Die Regierung erblickt eine Gefahr der Weiterverbrettung der Seuche darin, daß die Landbrief- träger verseuchte und unverseuchte Gehöfte betreten. Der Postbehörde wird anheim gegeben, diesen das Betreten der mit den bekannten Tafeln versehenen Gehöfte zu verbieten. Die Postbehörde wird natürlich erst mit dem Publikum Fühlung nehmen müssen, das aus Grund des allgemeinen Postgesetzes die Bestellung der Postsendungen zu Händen des Empfängers verlangen kann.
* Es wird uns geschrieben: Zu dem Artikel „Zur Geschichte der Apotheken in Gießen" in Nr. 84 dieser Zeitung ist nachzutragen, daß nicht, wie der Verfasser nach den ihm seinerzeit gewordenen Angaben vermuten mußte, das Original des Nebelschen Brieses, sondern nur dessen Abschrift dem jetzigen Besitzer der Pelikanapotheke, Herrn H. Dornberger, von dritter Seite überlassen wurde. Herr Dornberger hat also diese Abschrift nicht selbst vorgenommen und ebenso war ihm natürlich die Herkunft des Schriftstückes ganz unbekannt geblieben. Etwas Gegenteiliges betreffs dieser beiden Punkte ist in dem Artikel übrigens garnicht behauptet; um jedes Mißverständnis auszuschließen, wird aber auf Wunsch des Herrn Dornberger die Tatsache hierdurch nochmals festgestellt.
* Marburg, 27. April. Da die durstige Maiweinzeit heranrückt, erläßt die Marburger Polizei an die Musensöhne die Mahnung, daß in der Mainacht Umzüge mit Musik, »Gesang oder in sonstiger ruhestörender Weise nicht geduldet werden können.
-r' Bischofsheim, 26. April. Ein Bubenstück schlimmster Art wurde in einer der letzten Nächte im Gatten des blinden Schuhmachers Michael Weller verübt. Demselben wurden 6 der schönsten Obstbäume mit einem großen Bohrer angebohrt und die Bohrlöcher mit einer Säure gefüllt, sodaß die Bäume zugrunde gehen müssen.
Zur Pflege -es Haares
wird neuerdings das nachstehend verzeichnete Rezept empfohlen, da es sich vortrefflich zur Förderung des Haarwuchses, zur Beseitigung der Kopsschuppen und damit zur Vorbeugung der Kahlköpfigkeit eigne.
1 Gramm kristallisiertes Menthol wird zunächst in 85 Gramm Bay-Rum aufgelöst, alsdann füge man 30 Gramm Livola de Composee hinzu und — falls man einen Wohlgeruch gern hat — ein Teelöffelchen voll eines besseren Parfüms.
Das Ganze wird tüchtig durcheinandergeschüttett und ist dann nach etwa halbstündigem Stehen gebrauchsfertig. Die Anwendung geschieht durch leichtes Einreiben in die Kopfhaut, morgens und abends.
Da vielleicht andere Leser dieses Rezept gerne auch probieren möchten, sei hier noch erwähnt, daß dasselbe von jedem Apotheker oder Drogisten nach obigen Angaben leicht zusammengestellt werden kann. Bei Verwendung der richtigen Bestandteile in den genannten Quantitäten sollte die Mischung von klarer, goldgelber bis lichtbrauner Farbe sein und ihr Herstellungspreis ungefähr 3 Mark betragen.