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Gießener Peilung

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Verlag derViestcuer Zeitung" G. m. b. H.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

Behörden Gberhestens

Expedition: Zeltersweg 83.

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Verlag derGicstcncr Zeitung" G. in. b. H.

Nr. 100

12. Blatt.)

Samstag, den 29. April 1911

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg

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Jahresbericht des Gießener Eierschutzvereius für das Jahr 1910.

Vorstandssitzungen wurden im verflossenen Vereins- jjrhre am 23. Juni, 17. Oktober, 5. Dezember und 13. Februar abgehalten. Die beiden ersten Versammlungen Binden in der Brauerei Denninghoff, die zwei letzten im Ml Kaiserhof statt. Um einigen vielbeschäftigten Vor- ^londsmitgliedern den Besuch der Sitzungen zu ermög- lidjen, tagte der Vorstand ausschließlich montägig. Mit ci Durchsicht der Satzungen, deren Reubrud sich als notwendig erwiesen hatte, betraute er einen dreigliedri­gen Ausschuß. Neben rein äußerlichen Aenderungen t rächte er die Wahl eines zweiten Schriftführers sowie ie Anpassung des Rechnungsjahres an das Kalender­uhr in Vorschlag. Der Vorstand stimmte ihm zu und beantragte diese Abänderungen, worauf sie in der Haupt- ersammlung vom 23. Juni 1910 beschlossen wurden, luf der Generalversammlung des Hauptvereins, die in Schotten abgehalten wurde, war der Gießener Zweig- erem durch seinen Vorsitzenden sowie durch Rentner D. 5«! vertreten.

Vom Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen ezogen wir 480 Stück seiner Allgemeinen Tierschutz - jeitschrist, sodaß die Mitgliederzahl unseres Vereins im letzten Jahre etwa 480 betragen haben muß. Nach der Mgliederliste gehören ihm dagegen zurzeit 504 Per- Men an. Nun hat der Vorstand erst vor geraumer Zeit .CO Stück Anmeldungskarten und die gleiche Anzahl Mitgliedskarten drucken lassen, selbstredend in der Er- oartung, daß Gießens Bürgerschaft von beiden wett- ichendsten Gebrauch mache, nicht nur der hilflosen Tier- ueh wegen, sondern auch um ihrer selbst willen: denn Tiere schützen, heißt Menschen nützen.

Aenderungen innerhalb des Vorstandes wurden durch ie Versetzung des Polizeiamtmanns Reinhart veran- âtzt. An seine Stelle trat Regierungsrat Gebhardt. Ferner gehörten dem Vorstand durch Neuwahl der Di- 'ieftor des städtischen Schlachthoses, Herr Modde, und Lehrer H. Müller an.

Zahlreiche Flugblätter, Jahresberichte und Zeitschrif- en wurden in den Vorstandssitzungen in Umlauf ge- ch, wobei Artikel von besonderem Werte zur Verlesung amen. Lehrer Krug teilte uns interessante Beobachtun­gen aus dem Tierleben mit, während Lehrer Müller einen Hörern auseinandersetzte, was den Grafen Bod­ner veranlaßt hatte, den Vorsitz im Wiesbadener Tier- chutzverein niederzulegen.

(Alten Brauches gemäß unterzog sich Lehrer Fritzel Dieberum der Beurteilung der Tierschutzkalender. Auf ein eingehendes Gutachten hin bezogen wir vom Ber­ber Tierschutzverein 2640 Kalender, die den hiesigen Überen Schulen und den Oberklassen der Volksschulen lberwiesen wurden. Beim Verbände der Tierschutzver- iiie des deutschen Reiches bestellten wir 2200 Kalender, «unseren Mitgliedern und den Volksschülern der Un- rer und Mittelklassen zugestellt wurden.

An Prämien bewilligte der Vorstand 279 Mk. Die Gendarmerie wurde mit 60 Mk. und die Schutzmann- llhast mit 120 Mk. bedacht. Die Verteilung dieser Sum­men überliehen wir ihren Vorgesetzten mit dem Ersu- chen, uns die Verteilungspläne zuzustellen. Die Schutz- Ieilte erhoben 24, die Gendarmerie 18 Anzeigen; in 33 fallen verhängte der Richter Geldstrafen von 6 Mk. bis /a 40 Mk., während er in 4 Fällen auf Hast von fünf Lagen bis zu 14 Tagen erkannte. Vier Flurschützen wurden Prämien von je 6 Mk. bewilligt, weil sie wil­dernde Katzen, Raubvögel und anderes Raubzeug ab- ^[chofjen hatten. Für schonende Behandlung und gute Hege der Pferde wurden 55 Mk. ausgesetzt. Dieser Be­trag kam in Gaben von je 5 Mk. zur Verteilung. Ihre 'èierliche Ueberreichung erfolgte am 2. Weihnachtsfeier- age durch den Vorstand. Gleichzeitig händigte der Vor- i^enbe dem Fuhrmann B. Stier, anläßlich seiner 25- âhrigen Dienstzeit bei der Firma J. Kann Söhne, eine Ehrenurkunde ein. 4 Metzgerburschen, die beim Töten 'er Tiere möglichst human verfuhren, brachte der Vor­land seine Anerkennung durch Gaben von je 5 Mark iim Ausdruck. Besondere Verdienste erwarb sich der Üoischlagsausschuß, bestehend aus den Herren Heil, ^, Löber und Modde, dadurch, daß er sich der mühe­vollen Aufstellung der Listen bereitwillig unterzog.

Der Vorsitzende, dem das Gr. Polizeiamt den Enl- vurs der neuen Polizeiverordnung für die Stadt Gie- zen zur Begutachtung zugestellt hatte, bat um Aufnahme ines Paragraphen, der Radfahrern verbietet, ihre Hunde neben den Fahrrädern herlausen zu lassen. Der Vor­land machte außerdem eine Eingabe an obige Behörde,

worin er um Maßnahmen zur Verhütung von Tier - quälereien auf den hiesigen Vonnärkten bat.

Besonderer Fürsorge bedurfte unsere heimische Vo­gelwelt im Dergangenen Jahre. Groß war ihre Not; denn der Winter war lang und streng. Doch brauchten unsere Vögel nicht zu darben, da die Bürgerschaft Gie­ßens mit dem Tierschutzverein wetteiferte, ihren Hunger zu stillen. Verfüttert wurden unsererseits 3 Zentner und 13 Pfund Vogelsutter. Außerdem bereitete ihnen der Vorstand vier köstlicheTischlein deck dich". 4 Fichten- väumchen, die ihm die Stadt,,in dankenswerter Weise überlassen hatte, ließ er in Futterbäume umwandeln und eine flüssige Mischung, bestehend aus 3 Kg. ausgelass­enem Hammeltalg, 500 Gramm Spratts Crissel, 400 Gramm Hanfsamen, 200 Gramm Mohn, 100 Gramm Mohnmehl, 200 Gramm Hirse, 100 Gramm Hafer, 100 Gramm getrocknete Holunderbeeren, 100 Gramm Son­nenblumenkerne und 100 Gramm Ameiseneier, aus die Zweige und Aeste schöpfen, wo sie rasch erstarrte, um dann von den heimischen Vogelarten gierig weggepickt zu werden.Wer vieles bringt, wird jedem etwas brin­gen", bewahrheitete sich somit auch hier. Gesuchen seitens unserer Mitglieder, ihnen Futterhäuschen zu überlassen, konnte der Vorstand entsprechen, da er 25 Stück von M. Peterseims Blumengärtnerei zu Erfurt bezogen hatte. Bei Heinemann in Erfurt bestellten wir ein selbsttätig wirkendes Futterhäuschen mit Schlafraum und bei Pa- rus in Hamburg 4 Meisendome, um mit eigenen Au­gen zu beobachten, wie sie sich bewähren. Aus der Fa­brik von Berlipscher Nisthöhlen zu Büren in Westfalen bekamen wir 12 Stück Nisthöhlen A und ebensoviele Nisthöhlen B, womit wir annähernd die Wünsche un­serer Mitglieder erfüllen konnten.

Die Vezirkssparkasse Gießen bewilligte unserem Ver­ein aus dem Reingewinn pro 1909 eine Unterstützung von 100 Mk., während Justizrat Grünewald und Ge­heimer Kommerzienrat Heichelheim ihm 5 bezw. 20 Mk. spendeten. Wir danken ihnen herzlich für ihre Gaben. Rentner Daniel Heil stiftete dem Verein ein schönes Pro- lokollbuch, das wir mit warmem Danke annahmen.

Am 13. Februar legte Prokurist Wolff die Rechnung vor, die in Einnahme mit 1369,70 Mk., in Ausgabe mit 1362,68 Mk. abschloß. Der Vermögensbestand des Vereins beträgt gegenwärtig 2058,33 Mk. Die Rech­nung wurde von'den Lehrern Fritzel und Krug geprüft und richtig befunden, worauf der Vorsitzende dem Rech­ner im Namen der Hauptversammlung dankend Ent­lastung erteilte.

Alles in allem kann man sagen, daß der Tierschutz­verein im abgelaufenen Jahre wieder sehr tätig war und recht segensreich gewirkt hat. Groß sind aber die Aus­gaben, die unserer noch warten. Darum ergeht an die noch Fernstehenden die dringende Bitte, uns in der gu­ten Sache zu unterstützen, indem sie dem Tierschutzverein als Mitglieder beitreten.

Hus Stadt und Cand.

Gletzen, den 29. April 1911.

* Schont d ie Frühlingsblumen! Ein Aufruf zur Schonung der Pflanzenwelt, den dasWest- preußische Provinzialkomitee für Naturdenkmalpflege" er­lassen hat, verdient in diesen holden Frühlingstagen der Oeffentlichkeit näher gebracht zu werden. Verödet doch in der Umgebung der Städte die Pflanzenwelt immer mehr, verschwinden doch seltene, durch große Blüten ausgezeichnete Pflanzen allmählich ganz durch den Zer- störungslrieb der Großstädter! Ernst und eindringlich mahnt der Aufruf:

Schone die Pflanzen, schone vor allem die Früh­lingsblumen ! Brichst Du Blumen, sei bescheiden, nimm nicht gar so viele fort! . . . . Ein Sträußlein am Hute ziert den Wanderer, ein Riesenbusch kenn­zeichnet den rücksichtslosen Plünderer. Schneide Blu­men und Zweige stets vorsichtig mit einem scharfen Messer ab; die übriggebliebenen Teile entwickeln sich dann weiter! Niemals Pflanzen mit den Wurzeln ausgraben, keine Zweige von den Bäumen abreihen, sondern behutsam abschneiden, nicht die Rinden der Bäum" als 'Stammbuch benützen !"

* Der Hess. Landeskriegerverband veröffentlicht nachstehende Preisbewerbung betreffend Aufsätze über Gegenstände der Bürger­kunde: Das Präsidium fordert hiermit auf, unter den nachfolgenden Bedingungen ihm Aufsätze einzureichen, welche geeignet sind, im Sinne der Ausführungen in der Einleitung des vorigjährigen Rechenschaftsberichtes der Haffia, als Vorträge in den Vereinen zu dienen. Ein

solcher Vortrag soll dieDauer von 35 bis 45 Minuten nicht überschreiten. Die Behandlung des Stosses mutz volkstümlich und auch für den gemeinen Mann gut ver stündlich sein. Statistisches Material ist aus ein möglichst geringes Maß zu beschränkn. Jeder Vortrag soll mit kurzer Nutzanwendung im Sinne unserer monarchisch - vaterländischen und kameradschaftlichen Bestrebungen schließen. Für die beste Bearbeitung jedes Vortrags gegenständes wird ein Preis von 50 Mk. ausgesetzt. Der Aussatz wird damit Eigentum des Verbandes. Die Arbeiten sind bis zum 1. September an den mitunter zeichneten Schriftführer Med.-Rat Dr. Vogt-Butzbach, Oberhessen, einzureichen. Die Zuteilung des Preises er folgt durch den geschästssührenden Vorstand. Aussätze, welche nicht preisgekrönt werden können, erhalten die Verfasser, unter Zusicherung strengster Diskretion, zu­rück. Es sind Arbeiten über die nachstehenden Gegen - stände erbeten: 1. Rechte und Pflichten des deutschen Staatsbürgers, 2. Finanzwesen des Reiches, Zölle, Steu ern, Schulden. 3. Freihandel. Schutzzoll.

* Von der Klauenseuche. Zu dem Sper­ling, der mit Recht oder Unrecht als ein Verbreiter der Maul- und Klauenseuche an den Pranger gestellt wurde, ist nun ein neuer Sündenbock getreten: der brave Landbriesträger. Der Oberpräsident der Pro­vinz Sachsen hat sich nämlich mit der Postbehörde in Verbindung gesetzt, damit auch diese zu den Verhütungs­maßregeln beitrage, die gegen die erwähnte Seuche er­griffen werden. Die Regierung erblickt eine Gefahr der Weiterverbrettung der Seuche darin, daß die Landbrief- träger verseuchte und unverseuchte Gehöfte betreten. Der Postbehörde wird anheim gegeben, diesen das Betreten der mit den bekannten Tafeln versehenen Gehöfte zu ver­bieten. Die Postbehörde wird natürlich erst mit dem Publikum Fühlung nehmen müssen, das aus Grund des allgemeinen Postgesetzes die Bestellung der Postsendun­gen zu Händen des Empfängers verlangen kann.

* Es wird uns geschrieben: Zu dem Artikel Zur Geschichte der Apotheken in Gießen" in Nr. 84 die­ser Zeitung ist nachzutragen, daß nicht, wie der Verfasser nach den ihm seinerzeit gewordenen Angaben vermuten mußte, das Original des Nebelschen Brieses, son­dern nur dessen Abschrift dem jetzigen Besitzer der Pelikanapotheke, Herrn H. Dornberger, von dritter Seite überlassen wurde. Herr Dornberger hat also diese Ab­schrift nicht selbst vorgenommen und ebenso war ihm natürlich die Herkunft des Schriftstückes ganz unbekannt geblieben. Etwas Gegenteiliges betreffs dieser beiden Punkte ist in dem Artikel übrigens garnicht be­hauptet; um jedes Mißverständnis auszuschließen, wird aber auf Wunsch des Herrn Dornberger die Tat­sache hierdurch nochmals festgestellt.

* Marburg, 27. April. Da die durstige Mai­weinzeit heranrückt, erläßt die Marburger Polizei an die Musensöhne die Mahnung, daß in der Mainacht Um­züge mit Musik, »Gesang oder in sonstiger ruhestörender Weise nicht geduldet werden können.

-r' Bischofsheim, 26. April. Ein Bubenstück schlimmster Art wurde in einer der letzten Nächte im Gatten des blinden Schuhmachers Michael Weller ver­übt. Demselben wurden 6 der schönsten Obstbäume mit einem großen Bohrer angebohrt und die Bohrlöcher mit einer Säure gefüllt, sodaß die Bäume zugrunde gehen müssen.

Zur Pflege -es Haares

wird neuerdings das nachstehend verzeichnete Rezept em­pfohlen, da es sich vortrefflich zur Förderung des Haar­wuchses, zur Beseitigung der Kopsschuppen und damit zur Vorbeugung der Kahlköpfigkeit eigne.

1 Gramm kristallisiertes Menthol wird zunächst in 85 Gramm Bay-Rum aufgelöst, alsdann füge man 30 Gramm Livola de Composee hinzu und falls man einen Wohlgeruch gern hat ein Teelöffelchen voll eines besseren Parfüms.

Das Ganze wird tüchtig durcheinandergeschüttett und ist dann nach etwa halbstündigem Stehen gebrauchsfer­tig. Die Anwendung geschieht durch leichtes Einreiben in die Kopfhaut, morgens und abends.

Da vielleicht andere Leser dieses Rezept gerne auch probieren möchten, sei hier noch erwähnt, daß dasselbe von jedem Apotheker oder Drogisten nach obigen An­gaben leicht zusammengestellt werden kann. Bei Ver­wendung der richtigen Bestandteile in den genannten Quantitäten sollte die Mischung von klarer, goldgelber bis lichtbrauner Farbe sein und ihr Herstellungspreis ungefähr 3 Mark betragen.