Vie Jubiläumsfeier in Italien
zur Erinnerung an das fünfzigjährige Bestehen des Mönig» reiches hat offiziell am Montag begonnen. Um Mitternacht wurde in Nom und den anderen Großstädten durch ,'einen Kanonenschuß das Zeichen für den Beginn der Festlichkeiten gegeben. Trotz der vorgerückten Stunde war die Stadt Rom sehr belebt, lleberall wurden Rufe laut: Es lebe Italien, es lebe Rom. In den Cafees und Restaurants wurden patriotische Kundgebungen veranstaltet: zahlreiche Häuser hatten illuminiert. Mit ungewöhnlichem Gepränge fand am Montag vormittag bei schönem Wetter i m S e- natspalast des Kapitols die -Festsitzung statt. Nachdem die Majestäten die Thronsitze eingenommen hatten, hielten die Präsidenten des Senats und der Kammer sowie der Bürgermeister unter lebhaftem Beifall Huldigungsansprachen; sodann ergriff unter begeisterten Kundgebungen -er Festversammlung der König das Wort zur Erwide- 'rung. Er legte das Gelübde ab, Italien groß und glücklich zu machen: er sprach von den unveräußerlichen Rechten, die das italienische Volk auf Rom als Hauptstadt hat, und betonte, daß es sich dieses Rechtes würdig gemacht habe durch den freiheitlichen Ausbau seiner Institutionen, durch den Schutz der Gewissensfreiheit und Verleihung voller Freiheit für alle Kirchen. Er erinnerte daran, daß die Weisheit der Duldung von dieser Stelle zuerst von Marc Aurel ausgesprochen wurde, und gedachte des Wortes seines Waters vom einst r ö m i s ch c n I t a l t e n und heute italienischen Rom. Das römische Italien sei der Ausdruck der Gewalt gewesen, das italienische Rom sei der Ausdruck des Rechtes. Frei nach innen und außen werde die Nation ihren Weg gehen. Von Satz zu Satz steigerte sich der Beifall der Zuhörer. Minutenlang mußte der König schweigen, als er auf die K u l t u s s r e i h e i t in Rom Pinwies. Unter dem Jubel der Bevölkerung kehrte das Nünigspaar nach dem Quirinal zurück.
Die Glückwünsche der Dreibundfürsten.
Das von Kaiser Wilhelm an den italienischen König gesandte Telegramm hat folgenden Wortlaut:
„Die Kaiserin und ich sind glücklich, Dir vom gastlichen Boden Deines schönen Landes unsere aufrichtigen und herzlichsten Wünsche auszudrücken, die wir mit ganz Deutschland für Dich und für die befreundete Nation zu der heutigen Feier des 50. Jahrestages hegen. Wir nehmen den lebhaftesten Anteil an der Erinnerungsfeier, die dem Werke Deines erlauchten Großvaters, des Schöpfers des Königreichs und der Einheit Italiens gilt. Wir bitten Gott, daß er all seinen Segen auf Dich. Dein Hans und Deine Regierung ausbreite und daß er stets seine mächtige Hilfe leihe zum wachsenden Gedeihen und zum Ruhme Italiens. Unsere herzlichen Grüße der Kö- it totn "
Vom Kaiser Franz Josef hat der König nachstehendes Telegramm erhalten:
„Die Feier der Proklamierung des Königreichs Italien gibt mir Gelegenheit, Ew. Majestät meine aufrichtigsten Glückwünsche mit den besten Wünschen für die Wohlfahrt Ihres Landes darzubringen. Ich bin überzeugt, daß die enge Freundschaft, die in so glücklicher Weise unsere Staaten verbindet, dazu beitragen wird, wie in Vergangenheit, so auch in Zukunft ihre gegenseitigen Beziehungen zu eutwickeln, und ein weiteres Unterpfand zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens sein wird." , _ , i
Der König erhielt auch eine Depesche vom Sultan der Türkei mit den herzlichsten Glückwünschen zum Jubiläum. Ferner sandten Telegramme die Könige von Dänemark und pon Montenegro, der Grotzherzog von Weimar und der Präsident von Chile.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Die Blöttermeldung über einen Zusammenhang der Hamburger Spionage mit dem Zuwelendiebstahl im Neichs- lanzlerpalais wird dementiert. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Meldung als unrichtig. Die Hamburger Verhaftung hat mit dem Pretiosendiebstahl nichts zu tun. Dokumente irgendwelcher Art sind im Reichskanzlerpalais überhaupt nicht abhanden gekommen.
In der Budgetkommission des Reichstags wurde am fOiontag ein sozialdemokratischer Antrag, der eine Million für infolge Aenderung des Tabaksteuergesetzes ar- beitslos Gewordene verlangt, gegen 4 Stimmen angelernt, nachdem der Neichsschatzsekretär erklärt hatte, von einem Notstand in der Tabakindustrie könne man jetzt nicht mehr sprechen. Es wäre geradezu verhängnisvoll und anderen Industrien gegenüber nicht zu verantworten, wollte man jetzt plötzlich wieder mit Unterstützungen beginnen. Ein anderer sozialdemokratischer Antrag, der 400 000 Mark für arbeitslos gewordene Zünd Holzarbeiter verlangt, wurde gegen 3 Stimmen abgelehnt, nachdem der Reicks- lchatzfekretär erklärt hatte, nach den Berichten sämtlicher Bundesregierungen seien jetzt nur noch sehr wenig Zündholzarbeiter arbeitslos.
Des Rätsels Lösung.
Roman von Ludwig B l tt m ck e.
1) Nachdruck verboten.
1. Kapitel.
Der Referendar Hans Raben stand vor dem großen Spiegel seines einfach möblierten Zimmers und gab sich verzweifelte Mühe, seinem gar zu widerspenstigen Schnurrbart eine tadellos moderne Form zu geben. Alles andere an ihm, der nagelneue Frack, die weiße Weste, Halsbinde, kurz alles war pickfein, so daß er, der Bescheidene, der bisher wenig Wert auf seinen äußeren Menschen gelegt, sein Ebenbild im Spiegel geradezu überrascht anstaunte. „So muß ich ihr gefallen!" murmelten dabei seine Lippen, und die großen, grauen Augen glänzten in kindlicher Freude.
„Potz, Blitz, Bomben und Pandektem altes Haus, was bedeutet das? Schnurrbartbinde in Deinem Philister- gesicht? überhörst mein Anklopsen?" — So polterte sporenklirrend ein Kürassierleutnant von riesiger Gestalt herein, stürzte sich auf den erschreckten Juristen, schloß ihn in seine muskulösen Arme und zerdrückte ihn fast. —
„Hardi — Du wieder hier? Um Gottes Willen, habe Erbarmen! Du siehst doch, daß ich —"
„Sehe alles und ahne auch, was Du vor hast. Du bist für heute abend zu Geheimrat Boltens geladen, nicht wahr? Auf Idas Veranlassung geladen! — Ja, alter Junge, meinen ehrlichsten Glückwunsch! Ist ein Prachtmädel, hat Geld außeroem, und der alte Herr wird für Deine Zukunft sorgen, wie es eben nur ein Geheimrat Bolten kann."
Damit warf der Leutnant Mütze und Reitpeitsche auf den Tisch, ließ sich auf das altertümliche Sosa fallen, daß es krachte und ächzte und schaute den vor Ueberraschung noch immer ganz verwirrten Freund mit seinen ehrlichen blauen Augen glückstrahlend an. Da war auch nicht ein Fünkchen von Reid und Mißgunst in seinem treuen Her-
Eln neuer Kolonialskandal? Eine betrübende Nachricht kommt aus Daressalam. Die offiziöse „Ostafrikanische Rundschau" veröffentlicht die Einleitung des Hauptverfahrens wegen Meineids gegen v. Wächter, den stellvertretenden ersten Referenten des Gouvernements; von Wächter war in dem bekannten Prozesse gegen den Herausgeber der „Deutsch-ostafrikanischen Zeitung" beschuldigt worden, anonyme Briefe an den Herausgeber v. Roy gerichtet zu haben, die den Verdacht eines Vergehens nach § 175 von ihm ablenken sollten und hat die Autorschaft abgeleugnet.
Für die Errichtung eines Kolonialkriegerdenkmals. Zur dritten Beratung des Etats für den Reichskanzler beantragt der konservative Abg. v. Treuenfels mit Unterstützung seiner Fraktion im Reichstage, den Reichskanzler zu ersuchen, den Beschlüßen des Reichstags vom 19. März 1908 und vom 3. Februar 1910 endlich Folge zu geben und bic* notwendigen Mittel zur baldigen Errichtung eines Kolonialkriegerdenkmals in der Reichshauptstadt bereit zu stellen.
Die Petit ionskommisfion des Reichstags hat Petitionen, die dahin gehen, den Flaschenbierhandel, sowie den Kleinhandel mit geistigen Getränken einer Konzession zu unterwerfen, dem Reichskanzler als Material überwiesen.
Bebels Reichstagsmandat. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins im Hamburg wurde August Bebel wieder als Reichstagskandidat für den ersten hamburgischen Wahlkreis aufgestellt. Bebel hat die Kandidatur angenommen. Er äußerte sich in einer längeren Rede über die politische Lage, wobei er sich über die Aussichten der Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen sehr zuversichtlich aussprach.
An der Privatbeamtenversicherungsvorlage, die durch Einbeziehung der Werkpensionskassen eine Umarbeitung erfährt, wird gegenwärtig im Bundesrat gearbeitet. Es kann erwartet werden, daß diese Arbeit bis Ostern beendet sein wird, so daß der Gesetzentwurf in den Osterferien dem Reichstage wird zugehen können, was den Wünschen der Regierung binsichtlich der Erledigung der Vorlage vor den Wahlen entsprechen dürfte. Voraussichtlich wird dann nach den Osterferien die Vorlage einer Kommission überwiesen werden. Die Erledigung durch das Plenum des Reichstages würde dann in der Herbsttagung gemäß den Beschlüssen des Seniorenkonvents erfolgen können.
Stolypin und sein Programm. Ministerpräsident Stolypin läßt ankündigen, sein neues Regierungsprogramm werde liberal gehalten sein. Man weiß noch nicht recht, was darunter zu verstehen ist. Es heißt, daß den Universitäten größere Freiheit gewährt werde und daß auch einzelne Härten des Judengesetzes gemildert werden sollen. Der Erfolg in dem Streitfälle mit China stärkt die Stellung Stolypins, der die Absendung des letzten scharfen Ultimatums veranlaßt hatte.
Ueber den Stand der Dinge zwischen Mexiko und den Bereinigten Staaten meldet der Sonderberichterstatter der „Kölnischen Zeitung" aus der Grenzstadt San Antonio unter dem 26. März: Die Lage wird hier widersprechend beurteilt. Der Glaube an die Erhaltung des Friedens ist indessen gering. Von unterrichteter Seite wird die Meinung vertreten, daß die einflußreichsten Kreise in Mexiko auf dem Rücktritt des Präsidenten Diaz bestehen; die dann unvermeidliche Anarchie würde den Anlaß zum Einschreiten geben. Hier liegt seit längerer Zeit ein fertiger Einmarschvlan vor. Das Militär atmet erleichtert. auf, weil endlich die Enscheidung naht. Die Ungewißheit und Untätigkeit wirken nervenaufreibend.
- Kleine MrlAttn,
Eine praktische Verwendung leerer Konservenbüchsen ist von der bayerischen Militärverwaltung ins Auge gefaßt worden. Es wurde verfügt, daß die Garnisonen des 1., 2. und 3. bayerischen Armeekorps ihre sämtlichen Vorräte an leeren Konservenbüchsen an eine Hauptsammelstelle in der Pfalz, Bad Dürkheim, abzugeben haben. Sie sollen zum Zwecke des Jnsektensanges in den Weinbergen anfgehängt werden.
Der Mainzer Dom gefährdet. Wie der Domkapitular Dr. Bendix in der Ersten hessischen Kammer ausführte, ist der Mainzer Dom insofern gefährdet, als die Grundpfeiler unterspült sind. Die Regierung wird an eine um- fafsende kostspielige Erneuerung denken müssen, um das bedeutsame Werk fernerhin zu sichern.
Ein kostbarer Fnnd wurde auf der Station Büchen gemacht. Von einem Schaffner des dieser Tage dort nm 6.50 Uhr von Berlin eingetroffenen Personenzuges wurde in einem Abteil zweiter Klasse eine Damenhandtasche gefunden, in der sich Wertpapiere im Nominalbeträge von 100 000 Mark befanden. Die Tasche mit ihrem wertvollen Inhalt wurde sofort dem Fuudbureau übergeben. Die Verliererin hat sich noch nicht gemeldet.
zen, er gönnte dem Freunde sein Glück und freute sich mit ihm.
„Aber nun sage mir doch nur um alles in der Welt, wie kommst Du so Hals über Kopf in unser erbärmliches Rest zurück?" fragte Hans Raben jetzt in seiner langsamen, gemessenen Art. „Woher weißt T)u meine geheimsten Heimlichkeiten? Ich kann das alles gar nicht verstehen."
Dabei entfernte er bedächtig die Binde von seinem überaus gutmütigen, nicht gerade schönen, aber doch recht sympathischen Gesicht. Der blonde, borstige Schnurrbart hatte freilich aller Kunst und Mode Trotz geboten. Run, das machte nichts. Man hätte sich den Referendar auch gar nicht ohne ihn in seiner Eigenart denken können. Ein Man'n wie Raben voll Geist, Verstand und Humor, zudem ein Muster von Solidität, konnte bei den Müttern und Töchtern von Thalbrücken auch so reüssieren. — Das bewies die heutige Einladung zu Geheimrats, der ersten Familie im Städtchen.
Hardi von Eschenholdt zog seine Zigarrentasche hervor, präsentierte sie dem Freunde, der dankend ablehnte, zündete sich selbst eine Havanna an, strich mit einem Bürstchen über seinen martialischen, wohlgepflegten Schnurrbart und begann dann in seiner lauten Art zu erzählen:
„Also, warum ich hier bin? — Sehr einfach; der Herr Papa hat es so gewollt und er ist allmächtig. Gebe gern zu, daß ich es in der Residenz etwas toll getrieben habe. Da kennst ja meine Passionen. — Na, auf einmal saß die Karre fest. — Papa haßt nichts tödlicher als schuldenmachende Leutnants, er kennt nur das eine, um das sich in seinem Leben alles dreht: strengste Pflichterfüllung. Er hat stets danach gelebt und es darum bis zum General gebracht. Ich habe es bisher nicht so sehr genau damit genommen, wie jedermann weiß. Genug, Papa bezahlte meine nicht unbeträchtlichen Schulden, ich gab ihm mein Wort, fortan ein solider Mann zu sein und wurde zur „verlorenen Schwaoron", wie man uns hier bezeichnet, versetzt, um bei dem strengsten u"d tüchtigsten Rittmeister
Ein schwerer Kirchenraub wurde in Hohensalza (Provinz Posen) verübt. In die dortige Nikolaikirche drangen Diebe ein und raubten vom Muttergottesbilde am Altar zwei goldene Ringe, mehrere hellrote in Gold gefaßte Korallen sowie drei silberne Medaillen. Die Diebe wurden bisher noch nicht ermittelt.
Ein mit größter Dreistigkeit ausgeführter Raubanfall war, wie gemeldet wird, die Veranlassung zu einer aufregenden Verbrecherjagd im Norden Berlins. Schließlich wurde der Räuber, ein Ziseleur, ergriffen und ihm die Bente, eine Tasche mit über tausend Mark, abgenommen.
Mit seinem Dienstgewehr erschossen hat sich in Mainz der Jnfanterieunteroffizier Retzlaff. R. sollte sich wegen Mißhandlung Untergebener und Mißbrauchs der Dienstgewalt verantworten.
Der Racheakt eines abgewiesenen Freiers hat in Lippstadt i. W. zwei Menschenleben gefordert. Der bei einer Witwe Thiemann beschäftigte Gehilfe, der mit der ^jährigen Tochter ein Liebesverhältnis angeknüpft hatte, tötete aus Rache dafür, daß ihm die Stellung gekündigt war, das Mädchen durch einen Revolverschuß und erschoß sich dann selbst. _____________________________________________________________
volkwirtschaftlicher.
Streiks und Aussperrungen. Nach amtlichen Zusammenstellungen wurden im Jahre 1910 2109 (im Vorjahre 1537) Streiks beendet. Davon wurden insgesamt 8269 (4811) Betriebe mit zusammen 372119 (253 831) beschäftigten Personen betroffen. Zum völligen Stillstände kamen infolge der Streiks 2209 (1387) Betriebe. Die Höchstzahl der gleichzeitig Streikenden betrug 154 693 (96 925) und die der gezwungen Feiernden 12 217 (10130). Die Streiks hatten in 409 (283) Fällen vollen, in 905 (520) Fällen teilweisen und in 795 (734) Fällen keinen Erfolg. Aussperrungen wurden im Jahre 1910 1121 (im Vorjahre 115) beendet. Davon wurden 10 831 (1749) Betriebe mit 314 988 (36 870) Arbeitern betroffen. Zum völligen Stillstand kamen infolge der Aussperrungen 3421 (225) Betriebe. Die Höchstzahl der gleichzeitig Ansgesperrten betrug 217'194 (22 924), die der ge= zwuugen Feiernden 8839 (904). Die Aussperrungen hatten vollen Erfolg in 122 (47), teilweisen Erfolg in 944 (50) und keinen Erfolg in 55 (9) Fällen. Die meisten Aussperrungen entfielen auf das zweite Vierteljahr 1910 mit 987 Fällen und 171611 Ausgesperrten.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Eine neue Operette von Paul Lincke. Im Cölner Metropoltheater erzielte Paul Linckes Operette „Grigri" bei ihrer Uraufführung einen durchschlagenden Erfolg. Die Handlung ist amüsant und mit vielen lustigen Szenen durchsetzt. Die Musik verrät iu jedem Takt deu alten Paul Lincke. Sie ist melodiös, gefällig, und namentlich der zweite Akt enthält wirkungsvolle Tauzduette und Walzer.
Keine deutsche Aufführung des „Rosenkavalier" in Paris. Die Pariser Aufführung des „Rosenkavalier" durch die Frankfurter Oper kommt nicht zustande. Nachdem bereits alle Vorbedingungen erfüllt und auch die Verhandlungen mit dem Solopersonal der Frankfurter, Dresdener und Münchener Oper zum guten Ende gediehen waren, hat Richard Strauß die deutsche Aufführung des „Rosenkavalier" in Paris aus prinzipiellen Gründen für diese Spielzeit abgelehnt.
Uermischtes.
Was an „Zugstücken" verdient wird. Am letzten Montag beendete Max Reinhardt seine erfolgreichen „Oedipus"-Aufführungen im Zirkus Schumann in Berlin. 30mal ist „Oedipus" in diesem Winter gegeben worden. Diese 30 Vorstellungen waren für den Leiter des Deutschen Theaters in Berlin ein sehr einträgliches Geschäft. Sie haben ihm, wie wenigstens der „Konfektionär" mit= teilt, eine Einnahme von 435 000 Mark gebracht. Reinhardt hat für jeden Abend, den er im Zirkus spielte, Herrn Kommissionsrat Schumann 5500 Mark bezahlt. Seine Einnahmen betrugen — der Zirkus faßt 4500 Personen — durchschnittlich für den Abend, da er immer ausverkaufte Häuser erzielte, 14 500 Mark, so daß ihm also ein Ueber- schuß von 9000 Mark pro Abend, für die Vorstellungen demnach 270 000 Mark blieben. Demgegenüber sind die Ausgaben verhältnismäßig gering. Bei den Kostümen und dem Szenenausbau handelte es sich um eine einmalige Ausgabe, — der Chor, der aus Studenten gebildet wurde, erhielt keine Bezahlung, sondern bekam als Vergütung Freikarten zum Deutschen Theater und zu den Kammerspielen.
Unterseeboot und Walfisch. Das japanische Untersee- ioot Nr. 9 hatte, wie eine japanisch-englische Marinezeit- chrift erzählt vor kurzer Zeit ein Erlebnis, das interes- ant genug ist, um hier wiedergegeben zu werden. Aus einer größeren Uebungssahrt fühlten die in dem Unterseeboot befindlichen Mannschaften plötzlich einen Zusammenstoß mit irgendeinem Körper, den sie nach der Art unseres Eliteregiments Raison zu lernen. — Kenne das ja alles aus meiner Junkerzeit und werde mich hier schnell wieder eingelebt haben. — In einer Stunde kann ich Wedelstein erreichen, unsern alten Stammsitz, das ist viel wert, denn, glaube mir, Hans, ich hänge an der heimatlichen Scholle. — Paß auf, ich werde ein ganz anderer Mensch, und Du sollst mir dazu verhelfen, Du Philosoph und Gelehrter auf allen Gebieten. — Wie geht es übrigens bei Euch zu Hause? — Was machen Eltern und Geschwister?"
„Danke, der Vater rentmeistert in Deines Vaters Diensten gewissenhaft weiter, genau, ganz genau, wie seit dreißig Jahren, Mütterle probiert immer neue Kuren gegen Nervosität und Eicht durch, Arzt und Apotheke reich machend, Erna ist wieder daheim und — Wilhelm — Du weißt wohl von der traurigen Geschichte — ja, der ist in Amerika, nachdem er durch den Bankerott seines großartigen Exportgeschäftes alles, was Vater mühsam erspart, verloren hat.--So steht es zu Hause.
„Hm, tut mir aufrichtig leid um den Wilhelm, um Deinen Vater, um Euch alle! — Der Junge steckte so voll hochfahrenden Ideen. Jeder prophezeite ihm eine glän- zenoe Zukunft. — Aber, ist das ein neues Familienbild da? Laß doch einmal sehen!"
„Wurde zur silbernen Hochzeit der Eltern gemacht. Ist wohlgelungen."
Der Leutnant war aufgesprungen und hatte die Photographie, die da in blinkendem Rahmen auf der Kommode stand, ergriffen und betrachtete sie mit einer so feierlichen Miene, daß Hans lächelnd fragte:
„Sind wohl gar zu ehrpusselige Gesichter, wie?"
„Sehr gut getroffen, die Eltern und Du wenigstens. Deine Schwester Erna habe ich ja seit Jahren nicht gesehen. Sieht sie wirklich so — so reizend aus?"
(Fortsetzu4->o folgt.)