0
Giek-n-r Zeitung
Bezugspreis 40 pfg. monaUich
Enthält alle amtt.
otertebjährttch 1,20 Mk., vorau-zahlbar, frei ins HauS. Ab geholt in unserer (Spedition oder in den Zweig- auSgabesteUen omrieltShrttch 90 Pfg. — Erscheint DieuStags, Donnerstags, LamstagS. — Redaktion: Scller-weg 83. — Utr Aufbewahrung oder Rücksendung nicht vertârgurr Manuftripre wird nicht garantiert.
Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
Expedition:
iHauS Brüder Schmidt.)
des Grohherzogiichen Polizei-Amtes Behörden ©betreffens elter $ weg 83.
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 m» breite In s er>t«»-«t l e. — Stellen; Gesuche un- Kamiltena »zeige» 10 pfa. — mf 90 mm breite Zette im «etlamiteil V0 Pfg. _ Extrabeilagen werten nach WeuHrbt mb ®rtfr berechnet. Rabatt komm« bei HrtrrldywrtiBfi bei Zachtaays. jtdeâ (30 rage), bei .^chMcher ^KeMumg ob« bei KcxrturS in Wogfaü. Ptt^ooefch»tzfA« otmv SvtbMWett
Verlag der ..Gicfreaer Zetrnns" •. m. I. H
Nr. 241
Telep hon: Nr. 362.
Donnerstag, den 28. Dezember 1911
Ielc^on: Nr. 362. 23. Jühkg
i~ß in
SÄ
7 2.-
I
-L"
3
«»or
SSL
fw?
3 P 2
WS
2
/
1
Soziales.
Neichsversicherungs-Ordnuna und Allgemeiner Knappschafts-Verein.
Der Bergbauverein zu Essen nimmt in längeren Aus- sührungen zu der Frage der Ausrechnung der reichsgesetzlichen Leistungen der Hinterbliebenenversicherung aus die Knappschastsleistungen Stellung. Wir entnehmen den ^tabellarischen Uebersichten folgende Zahlen:
Für die Zwecke der Unfallversicherung bei der Sek- 2 der Knappschastsberussgenossenschast wurden im Mckl" ^^5-86 1,2 Mill. Mark, im Jahre 1910 14 ' ^k- aufgebracht. An Beiträgen für die Kassen 12 94^^ Ser°h" im Jah« 1892
chAck s ; ,WL- lo ^ahee 1910 55,02 Mill. Mark 77 2« m™ e,nC, Zunahme von 52 Mill. Mk. gleich 77 26 Proz. innerhalb 18 Jahren). Die gesamten bei Kiht e« j^pplchaftsvereins zufließenden Beiträge, 10 he'bt es in den Darlegungen wörllich jinb runääi von den Werken auszubringen. Diese lragen sie aber auch endgültig, sofern sie sie liicht im Wege der Lohnkürzung auf die Arbeiter abwälzcn. Es wird sich aber baTTel ff- .^T''5 führen lassen, daß im Ruhrberg- i“1' k® rtn "°"" sozialer Auslagen, wie jie die ^-^^ehnte häufig gebracht habeii, eine Abwälzung der Lasten aus die Arbeiter stattgefuuden Hat- da- her ist man zweifellos berechtigt, die gesamten an' die Kassen des Knappichaftsvereins abgeführteii Beiträge als En Bestandteil der Selbstkosten der Werke anzuspre- chen Die Beiträge sür die Knappschastsârussqenos- stnschaft wie die für ben Knappschaftsverein können so- Mit als allein ben Werken zur Last fallend angesehen werden. Sie betrugen zusammen in 1892 16,36 Mill und im Zähre 1910 69,50 Mill. Mark und sind also von 1892 bis 1910 um 53,14 Mill. Mark gleich 325 Proz. gestiegen. Zm weiteren wendet sich der Verein ausdrücklich gegen den von sozialdemokratischer Seite erhobenen Vorwurf, daß diese Beträge den Arbeitgebern nur diirch direkten Zwang hätten abgepreßt werden kön-
Dieser Vorwurf dürste schon durch die Tatsache hinlänglich widerlegt sein, daß der Knappschaftsverein in vielen Fallen über das gesetzliche Maß hinaus Mehrleistungen gewährt, die allein im Jahre 1910 den Betrag von 4,7 Millionen Mark erreicht haben.
Ferner bestehen auf den allermeisten Zechen noch besondere Unterstützungskassen, welche die Leistungender Knappschaftskasse in gewissem Sinne ergänzen. Diesen gingen zu im Jahre 1892 1,72 Mill. Mark, im Jahre 1909 10,6 Mill. Mk. Rechnet man diese Summen den gesetzlichen Aufwendungen hinzu, so ergeben sich die Gesamtbeträge, die für soziale Zwecke vom Ruhrbergbau aufgebracht werden. Sie betrugen 1892 18,07 Mill. Mark, 1909 78,87 Mill. Mark.
An Hand graphischer Darstellungen wird sodann darauf hingewiesen, wieviel besser eine Witwe des im Knappschaftsverein versicherten Bergarbeiters gestellt ist, als die Witwe des der Reichsversicherungsordnung unterstellten Arbeiters. Zunächst erhalten sämtliche Witwen, auch wenn sie nicht invalide sind, eine Rente, welche die reichsgesetzlichen Bezüge bei weitem übertrifft. Ferner sind auch die Renten für die invaliden Bergarbeiterwitwen bedeutend höher als die Renten der Witwen anderer Arbeiter.
Was im weiteren die finanzielle Tragweite der Reichsversicherungsordnung anlangt, so drückt sich diese in einer Steigerung der in Zukunft für die reichsgesetzliche Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung zu zahlenden Beiträge aus. Stellte sich dieser Beitrag früher auf wöchentlich 36 Pfg. für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, so tritt unter der Herrschaft der Reichsversicher - ungsordnung eine Erhöhung um 12 Pfg., also auf 48 Pfg. ein. Diese Erhöhung der Beiträge^hätte, wenn die Reichsversicherungsordnung schon im Jahre 1910 in Kraft getreten wäre, für beide beitragzahlenden Seiten zusammen rund 2,08 Mill. Mark, oder unter Berück - sichtigung der zulässigen Ermäßigungen der Knappschaftsbezüge 1,77 Mill. Mark betragen. — Sehr wichtig ist der Hinweis, daß die Vorschrift über die Auf - rechnung der knappschaftlichen und reichsgesetzlichen Renten mit der bestimmten Absicht in das Gesetz ausgenommen worden ist, den Bergbau nicht wiederum wie früher durch ^en Ausbau der Arbeiter-Versicherungsgesetze doppelt zu belasten. Der Bergbau hat als einziger deutscher Industriezweig bisher neben den landesgesetzlich vorgesehenen Lasten auch noch die Auslagen aus der Invaliden- und Altersversicherung tragen müssen. Um eine abermalige Doppelbesteuerung zu vermeiden, ist jetzt bei der reichsgesetzlichen Regelung der Hinterbliebenenfürsorge dem Bergbau, der diese schon von altersher durch-
I geführt hat, billigerweise die Möglichkeit gegeben wor- I chen angehalten hat, sind die Nebenflüsse des Rheins den, bie knappschaftlichen Bezüge gegen bie reichsgesetz- '
uchen Renten auszurechnen.
ReichStagSwahlen 1913.
— 2B e b I ar. Die Konservativen haben an stelle des juruefgetretenen Kandidaten v. Eichel den Landwirt « ch i n d l e r - Schöneberg als Kandidaten für den Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen ausgestellt.
,r-r~ m> V^"-I ^^^ Nationalliberalen des Wahl- 2® k)Jt£?b«r9=ftlr^^ haben jetzt cnd- gult.g beschlossen, von der Ausstellung eines eigenen Kam ""d bc" srelkonservaliven Kandidaten Prof. Dr. Bredt zu unterstützen.
— Siegen. Die Zentrumspartei des Wahlkreises Si°gen-H,nterland-Wil,g-ns,ein beschloß, bereits im ersten 9fln9« für den Kandidaten der christlich-sozialen ^i _Liz. Mumm, ernzutreten.
~ - ,ffenbach a. M. Im Wahlkreise Oftenbach- Drebmg sind jetzt 5 Kandidaten zum Reichstage aiifgc= Bürgermeister Brink für die nationallib. Pattei Messel für die Zentrumspartei, C. Ulrich für die ^ozialdemokratle, Rechtsanwalt Carnier für den Trei- |mn und Lehrer Dern für die Christlich-Sozialen
a ” kfu r t. Vom christlich-sozialen Verein für Frankfurt und Umgegend wurde der bisherige Reich^- lagsabgeordnete Franz Behrens-Essen (Ruhr) als Kan- kur Frankfurt ausgestellt. - Der Magistrat be- chloß, am Wahltage den städtischen Beamten und Ar- u?n nachmittags 2 Uhr ab freizugeben, um ihnen ue Ausübung ihres Wahlrechtes zu erleichtern.
. . “ mP adt. Von dem Vorstand der ch r i-st- l ch- und der d e u t s ch - s o z i a l e n Partei im Reichstage Wahlkreis Darmfiadt-Groß-Eerau wird folgende Erklärung erlassen: „Wir machen besannt, daß der von uns aufgestellte Kandidat, Herr Oberlehrer W e r n e r zu Butzbach, sich genötigt gesehen hat, seine Annahme zuruckzuziehen weil unsere Parteigenossen im Wahlkreise Fetzen-Grunberg besorgen, daß eine Doppelkandidatur die Tätigkeit Werners im dortigen Wahlkampf beeinträchtigen würde. Nach diesem uns am 19. Dezember mitgeteilten Entschluß haben wir Umschau nach einem Ersatzmann gehalten, was aber wegen der Nähe des Wahltages erfolglos geblieben ist. — Es würde uns angesichts der Haltung der Nationalliberalen, insbesondere im Wahlkreise Gießen, wo sie bereits im ersten Wahlgang für den Freisinnigen eintreten wollen, geboten erscheinen müssen, bei der Hauptwahl Enthaltung zu empfehlen, wenn sich nicht ein gewichtiges Bedenken dagegen erhöbe. Wir haben nämlich zu befürchten, daß dadurch der Sieg des Sozialdemokraten im ersten Wahlgange herbeigeführt würde, dessen Aussichten durch die heftige Agitation der Linksliberalen wohl noch gegen früher zugenommen haben. Unser dringender Rat an Mitglieder und Freunde kann also nur lauten, sich an der Hauptwahl zu beteiligen, um sowohl gegen den sozialdemokratischen als den freisinnigen Kandidaten abzustimmen."
— Darm ft ab t. In der letzten Sitzung der hiesigen Bezirksgruppe des Hansa-Bundes wurde einstimmig gegen die Reichstagskandidatur des F r e i h e r r n von Heyl- Worms im Wahlkreise Worms-Heppen - heim-Wimpfen entschieden Stellung genommen. Es wurde beschlossen, bei der kommenden Reichstagswahl für Rittergutsbesitzer Arthur Becker- Bensheim ein- zutreten, der als einziger Kandidat des Wahlkreises Worms-Heppenheim-Wimpfen die Gewähr dafür biete, daß er in seiner eventuellen parlamentarischen Tätigkeit die Grundgedanken des Hansa-Bundes vertreten werde.
— Mainz. Auf Veranlassung des Hansabundes hat eine Ausschußsitzung der Fortschrittlichen Volkspartei stattgefunden, in der mit großer Majorität beschlossen wurde, in neue Verhandlungen mit den Nationalliberalen wegen Ausstellung eines gemeinschaftlichen Neichstagskandidalen einzittreten.
Hessische Landtagswahlen 1911
§ Bingen. Das amtliche Wahlergebnis der Landtagswahl in Bingen-Stadt lautet: Soherr (Ztr.) 664, Gallus (Fr. Vp.) 172, Jbing (Soz.) 117 St.
Bus Stadt und Land.
Giehen, den 28. Dezemher 1911.
* Der Großherzog empfing u. a. den Redakteur Neurath, 1 Vorsitzender des Skiklubs in Gießen.
* Hochwasser in Westdeutschland. Da ein starker Regen seit mehreren Tagen fast ununlerbro-
um 50—60 Zentimeter gewachsen.
n Gießen. Der Großherzog hat den Regierungs- baumeister Dr.-Jngenieur August Walloth zu' Gießen ^^!"^o^ond eines Eisenbahnbetriebsamtes in der Hessisch Preußischen Eisenbahngemeinschaft ernannt.
n Gießen. Geh. Justlzral Professor Dr. Biel. m a n n ^at einen Ruf an die Universität Halle erhalten. Prof. Dr. med. Otto v. Franquee, Dirch tor der Frauenklinck in Gießen, Hal die Berufung an dle Universität Bonn angenommen.
. „ "^^'^°n. Eine Trauerseier für den Beigeordne- »^?^' 2ust>ZraI Dr. Schäfer fand bei zahlreicher Beteiligung in der Kapelle des neuen Friedhofs statt. Pfarrer Bechlolsheimer hielt die Gedächtnisrede und fdiil. oerte darin den Charakter und die rastlose Täliglei, des ^erstorbenen im Beruf, im öffentlichen Leben und im Kreise (einer Familie. Kranzspenden legten nieder Land g-nchtspraftd-nl Eüngerich für die richterlichen Kollegen Provinzialdlreltor Eeheimerat Dr. Usinger für die Kreis= und Provinzialverwaltung (der Entschlafene war noch am Vortage seines Todes in der Sitzung des Kreistages tätig), Oberbürgermeister Mecum für die 16jäl)nge Tätigkeit Dr. Schäfers als Stadtverordneter Geh Hofrat Prof. Dr. Behaghel für den oberhess. Ge- Ichichtsverein, dessen Vorstand Dr. Schäser 16 Jahre lang angehörtek Weitere Ansprachen hielten noch Rechtsanwalt Engisch für den Freundeskreis und Stadtverordneter Löber für die Altersgenossen des Entschlafenen.
n G i e h e n. Zur Weihnachtsfeier in der P r o v in- Zlal-Siechenanstalt waren Geheimrat Dr. Usinger, Beigeordneter Keller und Stadtv. Medizinalrat Dr. Häberkorn, sowie zahlreiche Ehrengäste erschienen. Au vier verschiedenen Stellen waren in recht geschickter Weise Gabentische aufgestellt. Im großen Männerbau, im großen Frauenbau, in der Männerbaracke und in der Frauenbarcycke brannten Lichterbäume. Nach einleitenden Weihnachtsliedern hielt der Direktor der Anstalt Kreisassistenzarzt Dr. Langermann eine Ansprache worauf die Verteilung der Geschenke erfolgte. Mancher der alten Leute hat auch von daheim eine Gabe erhalten oder konnte gar an den Feiertagen Besuch aus der Hei- mal empfangen. — In der Landes-Heil- und P f l e g e a n st a l t wurde zum ersten Male Weihnachten gefeiert und dabei zugleich die Kapelle eingeweiht. Den Weihnachtsabend leitete ein Gottesdienst ein, an dem der größte Teil der Kranken teilnahm. Während Pfarrer Adolph die Weihe vornahm und die Predigt hielt, trug ein Chor, der aus Insassen der Anstalt und dem Wärterpersonal gebildet war, Gesänge vor. In der Kapelle befand sich der Lichterbaum. Die Christbescher- ung an die Patienten sand in jeder Abteilung gesondert statt.
n Gießen. Von der philosophischen Fakultät der Universität wurde der Generalleutnant Mar Bahr- s e l d 1 zu Allenslein i. Ostpr., ein ausgezeichneter Kenner altrömischer Münzen, ehrenhalber zum Doktor ernannt.
n Gießen. Die beiden liberalen Parteien fordern in einem längeren gemeinsamen Wahlaufruf zur Stimmabgabe für ihren Kandidaten, den Gewerkschaftssekretär Erkelenz, auf.
n Gießen. Durch die außergewöhnliche Hitze in diesem Jahr war es der Verwaltung der Kläranlage möglich, schon im August und September etwa 1000 Kubikmeter Klärbeckenschlamm umsonst abzugeben. Dieser Schlamm ist ein wertvolles Dungmittel. Bei eintretendem Frostwelter werden weitere 4000 bis 5000 Kubikmeter unentgeltlich an der Kläranlage abgegeben.
o Watzenborn-Steinberg. Eine Anzahl bedürftiger hiesiger Bergmannsfamilien und Hinterbliebenen von Bergleuten erhielten auch dieses Jahr zu Weihnachten aus der E. W. Ferme'schen Verwaltung Unterstützungen.
5 D a r m st a d t. Auch hier werden nun, nachdem Das Reichsgericht sich gegen die Erhebung des Oktrois auf Wildpret und Geflügel ausgesprochen hat, an die Stadt Rückerstattungsansprüche gestellt. Ein hiesiger Händler will eine in die Tausende gehende diesbezügliche Forderung erheben.
! Worms. Für die Minderbemittelten werden bei Vorzeigung eines Scheines, der ihr Einkommen von oder unter 1500 Mk. bestätigt, Kartoffeln in großen und
kleinen Quantitäten bis zu 25 Pfund zum Preise 4 Pfg. das Pfund gegen Barzahlung abgegeben.
! Bensheim. Das hiesige L-Hrerseminar soeben bekannt, daß an Ostern 90 Zöglinge mehr Fortsetzung auf der 4. Seite.
von
gibt auf-