Hießener Iertung
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Verlag der ,,Wietzener Zeitung" G. m. b. H.
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der Großherzoglichen
Bürgermeisterei^
sowie vieler anderer ^
des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberheffens
Expedition: Selters weg 83
jHauS Brüder Schmidt.)
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Nr. 216. (L Blatt.)
Samstag, den 28. Oktober 1911.
Telephon: Nr. 369.
23. Jahrg.
Bon der G^nndbuchanlegung für die Ttadt Gießen.
Die Arbeiten für die Anlegung des Grundbuchs der Stadt Gießen, bei deren Beginn wir eingehend auf die dabei von den Beteiligten zu beachtenden Punkte hingewiesen haben, nehmen einen geregelten Fortgang. 3m Anschluß an die Flur 1 werden nunmehr die Ermittelungen hinsichtlich der Fluren II bis VI vorgenommen, und die Eigentümer der in diesen Fluren gelegenen Grundstücke vernommen. Für die Flur I selbst ist das Ermittelungsverfahren im Wesentlichen durchgeführt. Doch ist damit noch nicht der Zeitpunkt für die Benutzung des neuen Grundbuchs dieser Flur gekommen. Es muß vielmehr zunächst noch der Ablauf einer Frist, der sogenannten Anm eldungsfrist abgewartet werden, die das Amtsgericht für die Zeit vom 1. November 1911 bis 31. Januar 1912 bestimmt hat. Zweck dieser Frist ist, einem Jeden, dessen Recht an einem Grundstück durch die Einführung des neuen Grundbuchrechts beeinträchtigt werden kann, Gelegenheit zu geben, das Recht noch rechtzeitig im neuen Grundbuch wahren zu lassen. Nun werden ja wohl alle Rechte dem Amtsgericht im Ermittelungsverfahren bekannt gegeben und von ihm eingetragen worden sein. Es ist aber immerhin möglich, daß jemand ein Recht an einem Grundstück oder eine Einwendung gegen die Gültigkeit, den Fortbestand oder den Rang an einem anderen Recht geltend zu machen hat, die noch nicht in dem neuen Grundbuch eingetragen worden sind. Solche Rechte und Einwendungen, sowie auch Eigentumsansprüche, über die bisher noch nicht verhandelt worden ist, müssen vor dem 31. Januar 1912 bei dem Amtsgericht angemeldet werden. Wer diese Frist versäumt, kann eine Berücksichtigung seiner Ansprüche oder Einwendungen im Anlegungsverfahren überhaupt nicht mehr verlangen. Die Fristversäumnis hat aber außerdem den Nachteil, daß das nicht angemeldete Recht seinen Vorrang gegenüber den in das Grundbuch einzutragenden Rechten verliert, deren Anmeldung nicht versäumt worden ist. Das kann von weittragender Bedeutung sein. Unter diesen Umständen kann ein nicht rechtzeitig angemeldetes Recht überhaupt nicht mehr eingetragen werden. Soweit aber auch nach der Anlegung des Grundbuchs ein vorher erworbenes Recht noch eingetragen werden kann, ist dies doch mit Kosten ver- knüpft. Es empfiehlt sich daher, daß jedermann alsbald nachprüft, ob alle seine Rechte an fremden Grundstücken in dem neu anzulegenden Grundbuch für die Flur 1 gewahrt sind. Die Gläubiger haben, soweit sie nicht von dem Amtsgericht über die Eintragung ihres Rechts mündlich bedeutet worden sind, eine schriftliche Mitteilung erhalten. 3m Zweifelsfalle wird der Anlegungsrichter Aufschluß erteilen, zu dessen Protokoll auch die Anmeldungen am dessen erklärt werden. Grunddienstbarkeiten, das sind Rechte, die dem jeweiligen Eigentümer eines Grundstücks an einem anderen Grundstük zustehen, wie z. B. das Ueberwandlungsrecht, brauchen nicht angemeldet zu werden, da sie, auch ohne im neuen Grundbuch eingetragen zu sein, wirksam bleiben.
Parteipolitisches.
Hessische Landtagswahlen 1911
§ Die Fortschrittliche Volkspartei in Worms hat den Rechtsanwalt Soldan in Mainz als Kandidaten auf- gestellt.
Mr Stadt Md Und.
Gießen, 28. Oktober 1911.
n In nichtöffentlicher Sitzung der Stadtverordneten wurde Stadtv. Geh. Iustizrat Dr. Schäfer zum u n- besoldeten Beigeordneten gewählt und Herr Geh. Iustizrat Dr. Gutfleisch zum Ehrenbürger ernannt.
* Die Hess. Landeshypothekenbank hat den Satz der Eeldbeschaffungskosten für die vom 1. Nov. 1911 ab bei ihr eingehenden Anträge auf Gewährung von Hypothek- und Kommunal-Darlehen vorläufig auf 1% Prozent festgesetzt.
n Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten erklärte sich mit dem Abkommen zwischenher Bürgermeisterei und den hiesigen Kartoffelhändlern, wonach sich diese verpflichteten, bei Bestellung durch die Bürgermeisterei den Zentner Kartoffeln für 3.50 bis 4 Mark zu liefern, einverstanden.
n Die Gesellschaft für Erd- und Völ
kerkunde begann gestern ihre Vortragsserie. Dr. K. Wegener-Göttingen sprach über Samoa.
n Die Besuchszeiten in der Heil- und Pflegeanstalt sind täglich von ^2—5 Uhr.
n Der letzten Dienstag stattgefundene Vortrag im , “ V h «llverein, bei dem Fräulein M. Paeß- S!1“ über Frauenleiden sprach, fand sehr großen Beifall so daß ein weiterer Vortrag geplant wird.
. 1 November ab zahlen die in Betracht kommenden hessischen Kassen und Reichsbankstcllei, die am !b' ^ov-mber fälligen Zinsen der Slaatsschuldbuchfor- bfrungen. Gleichzeitig beginnt die Begleichung der durch den Zhisen^" ° Reichsbank-Girokonto zu übcrweiscn-
ii Kiirz nach % 12 Uhr stieß einStraßenbahn- wagen der grünen Linie in der Bahnhofstraße mit einem Fuhrwerk der Jhring'schen Brauerei-Lich zusam- men, der gerade aus der Löwengasse kam. Der Vierwagen erhielt nur leichte Beschädigungen.
„ " Der früher in Gießen stationiert« Bahnhossvor- teher Otto Hagen ist sür den nächstens in den Ruhe- ^uub tretenden Bahnhofsvorsteher Dörhöfer von Vilbel nach Grunberg versetzt.
n Heute fand hier die R e k r u t e n v e r e i d i a - u n g statt. a
n Die Anlagen musik morgen Sonntag findet vormittags ll^ Uhr statt. Es wird gespielt: 1 Hymnus „Die Himmel rühmen" v. L. v. Beethoven, 2 Große Fantasie aus dem Musikdrama „Die Walküre" von R. Wagner, 3. Ouvertüre z. Optte.: „Die schöne Hclciia" von I. Offenbach und 4. „Einzug schneidiger Truppen!", Marsch (neu) von W. Löber.
') Eroßen-Buseck. Die bisher älteste Frau unserer Gemeinde und wohl auch der weiteren Umgebung, Frau Walter von hier, ist im Alter von 96 Hahren gestorben.
o Ober-Mörlen. Ein Landwirt wollte hier mit seinen zwei Kühen aufs Feld gehen und führte die Tiere über einen alten zugedeckten Brunnen. Die Decke des Brunnens vermochte die Last nicht zu tragen, lind beide Kühe stürzten in den Brunnenschacht. Die beiden Kühe, von denen eine Verletzungen erlitten hatte, mußten mit einem Flaschenzug aus der Grube gehoben werden. Die Rcttungsarbeiten an dem Brunnenschacht nahmen beinahe drei Stunden in Anspruch.
o Bermutshain. Gestern verunglückte tätlich der Arbeiter Rockel von hier in Dirlamen, wo er bei Herstellung eines Hochbehälters beschäftigt war. Infolge Entfernens von Stützen stürzte der unfertige Bau zusammen. Rockel war sofort tot, er hinterläßt Frau und Kinder.
o Bermutshain. In Bermutshain hatte ein erbitterter Bürgermeisterwahlkampf stattgefunden. Es war der alte Bürgermeister mit nur 9 Stimmen Mehr- heit gegen den Agenten Iakob Laufer gewählt worden. Einer Zuschrift entnehmen wir, daß für den Bürger - meister alle Gemeindebeamten stimmten. Aus dem Kriegerverein sind 20 Mann ausgetreten. Der Dorffrieden litt sehr unter der Wahl. So duldete z. B. der Nachbar des Lehrers nicht mehr die Hühner in seinem Grasgarten und erstattete Anzeige bei dem Flurschützen.
o U l r i ch st e i n. Landtagsabg. M e i s k i begeht am 1. November sein 25jähriges Dienstjubiläum als Rechner der Gemeinden Altenhain, Feldkrücken, Rebges- Hain und Kölzenhain sowie der Kirchen Ulrichstein und Feldkrücken. — Das bei der hiesigen Spar- und Leihkasse verwaltete Aktiv- und Passiv-Kapital hat sich durch seine 30jährige rege Arbeitsamkeit mehr als verzehnfacht.
o Lauterbach. Eine Anzahl hiesiger Landwirte, die trotz des Weideverbots ihr Vieh zur Weide getrieben hatten, wurden zu der gesetzlichen Mindeststrase von einem Tag Gefängnis verurteilt.
s Dorheim im Ried. Ein Landwirt pflügte mit zwei Pferden. Als plötzlich eine Anzahl Raben aufflogen, scheuten die beiden Pferde; das eine riß den Pflug in die Höhe. Das Pflugschar ging dem jüngeren Pferd in die Brust, so daß es tot zusammenstürzte. Das Pferd hatte einen Wert von etwa 900 Mark.
s D a r m st a d t. Am 3. November begeht der auch in unserer Gegend bekannte Gendarmerie-Oberwachtmeister E. Lepper mit seiner Gemahlin das Fest der Goldenen Hochzeit.
s D a r m st a d t. An dem 14. Kursus der Schutzmannsschule in Darmstadt nimmt unter 11 Schutzleuten auch einer aus unserer Stadt teil.
* Limburg. Die von der Stadt beschafften Kartoffeln werden zu dem billigen Preise von 3.30 Mk. an die Besteller abgegeben. Es ist dies eine ganz bedeutende Differenz gegen die hiesigen Markt
preise. Bis zum Schlußtermin waren 500 Ztr. Kartos- fein zum Bezug angemeldet. Die Kartoffeln werden den Bestellern in den Keller geliefert.
):( R o d h e i m. Durch die Firma Schroeder in Frankfurt a. M. wurde der Anschluß einer neuen Quelle an die gemeinsame Wasserleitung für Bieber-Rodheim ausgesührt. Die Firma, welche auch für Vetzberg und Hohensolms die Ausführung in Händen hat, hofft bis zum 15. November die Leitung für Vetzberg betriebe- ertig zu stellen.
):( M a r b u r g. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten fand ein Antrag der Beamtenvereinigung, daß die Stadt Seefische beziehen und die Metzgerinnung ersuchen soll, die Fleischpreise herabzusetzen eventuell einen städtischen Fleischmarkt einzurichten,Zustimmung. Dadurch, daß man 7000 Zentner Kartoffeln bestellt hat, die zu 3.40 Mark geliefert werden, sind die Kartoffel - um 1 Mark gefallen.
):( Nassau. Gestern Abend sand eine Konferenz zur Sanierung des in Konkurs befindlichen Spar- und Kreditvereins Nassau statt. Die zur Deckung des Fehlbetrages erforderlichen 50 000 Mk. sollen durch srei- willige Beiträge der Mitglieder gedeckt werden. Diese sollen bei Minderbemittelten die Mindesthöhe von 100 Mk. betragen und bei den Bessersituierten nach der Steuerveranlagung festgesetzt werden.
ßefcbätilicbes.
)( Vuk. Eins der schwierigsten Probleme persönlicher Sicherheit ist noch immer die S e l b st Verteidigung. Aus dunkler Landstraße und bei jeder Art von Uebersall ist der Uebersallene durch die Ueberrasch- ung und dadurch, daß der Angreifende die Waffe für sich hat, zunächst im Vorteil. Die wirksamste, aber auch die gefährlichste Verteidigung war bisher der Revolver, aber welche Verantwortung birgt es in sich, daß man zum eigenen Schutze fremdes Menschenleben gefährden muh! Es ist daher eine neue Erfindung mit Freuden zu begrüßen, von der in diesen Tagen die erste Nachricht durch die Zeitungen läuft. Buk, d. h. betäubt und kampfunfähig, ist eine Waffe, die sich in äußerlicher Gestalt in keiner Weise vom wirklichen Revolver unterscheidet, im Gegner also vollkommen das Gefühl wachruft, als trete man ihm mit tötlicher Waffe gegenüber. Statt dessen aber entwickelt Buk mit furchtbarem Knall aus seinen Patronen nur starke Gasdäm- pse, die den Feind absolut „betäubt und kampfunfähig" machen, ohne sein Leben oder seine Gesundheit im geringsten zu gefährden. Dieser neue wichtige Fortschritt auf dem Gebiete der Selbstverteidigung wird zweifellos von allen, die es angeht, auf das Freudigste begrüßt werden. Näheres im Inseratenteil.
)( D i e F u t t e r n o t hat in diesem Herbste viele Landwirte gezwungen, ihre Wiesen abweiden zu lassen, da es sich nicht verlohnte, einen zweiten Schnitt zu nehmen. Auf diese Weise erhielt das Vieh noch etwas Futter. Im allgemeinen ist aber den Wiesen hiermit nicht gedient. Im Gegenteil, ein zu starkes Beweiden, noch dazu bis in den Spätherbst hinein, schwächt die Wiesenpflanzungen. Es darf dies eben nur ausnahmsweise einmal als Notbehelf in futterarmen Jahren ausgeführt werden. Damit nun die Wiesen und Weiden im kommenden Jahre nicht im Ertrage zurückbleiben und auch eher neues Futter geben, muß dies Jahr die Düngung mit Thomasmehl und Kainit nicht nur kräftiger bemessen, sondern auch zeitiger als sonst gegeben werden; am besten schon jetzt im Herbst, sobald das Vieh nicht mehr ausgelrieben wird. Zeitig im Herbst gedüngte Wiesen, Weiden und Kleefelder überstehen nicht nur den Winter besser, sondern beginnen auch im Frühjahr ihr Wachstum zeitiger und geben eher neues Futter als später oder gar nicht gedüngte Flächen.
Thomasmehl und Kainit können zweckmäßig kurz vor Ausstreuen gemischt werden, und zwar für sandige und Moorböden etwa zu gleichen Teilen, während für lehmige und tonige Böden die Thomasmehlgabe höher zu bemessen ist.
Wichtig sür Asthamatiter.
Die Erfahrung des Herrn Hermann van der Berg in Wesel mist em Trost für alle Afthamatiker sein, indem lhnen ein Weg ge eiqt , wodurch dieses lästige Uebel sofort gelindert werden kann.
Ec schreibt: ,,«fimol-Asthma-Pvlv:r bat bei mir vorzügli^ gewirkt. Ich hatte oft schwere Anfälle von Atemnot, sobald lch aber dieses Pulver gebraucht batte, spürte ich sofort große Erleichterung und werde es jedem Afthmaleidenden empfehlen.
Astmol Asthma Pvlver kostet die große Blechdose M. 2 50, in Apothtken erhältlich. Wo nicht vorrätig wende man sich an die Engel-Apotheke, Frankfurt u<