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Verlag derGie^eaer Zeitung" O. m. 6. H.

Enthält alte amtl. Bekanntmachungen der Grotzherzoglichen des Grofzhel-zoglichen Bür germeistereiDdäPolizei-Amtes sowie vieler anderer ^^^ Behörden Gberhessens Expedition: Selters weg 85.

tHauS ©ruber Schmidt.f

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Verlag der(Sießcucr Zeitung" 03. w. d. H.

Nr. 263.

Telephon: Nr. 302. Donnerstag, den 28. September 1911.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Parteipolitisches.

Neichstagswahlen 1912

Die Fortschrittliche Volkspariei und die National- liberalen Kurhessens haben sich dahin verständigt, ba^ sie bei den kommenden Reichstagswahlen sich ge­genseitig unterstützen, und zwar treten die Fortschrittler in Kassel-Melsungen und Hosgeismar-Riuteln-Wolssha- gen für die Nationalliberalen ein, während diese die Fortschrittler in Homburg-Fritzlar-Ziegenhain, Eschwege- Schmalkalden-Witzenhausen, Hersseld-Hünseld-Rotenburg und Waldeck-Pyrmont unterstützen.

* Weilburg. Die Fortschrittliche Volkspartei des 4. Nass. Reichstagswahlkreises (Weilburg-Limburg- Diez) hat ihre Mitglieder aus Sonntag, den 1. Oktober nach Limburg ins GasthausZur Alten Post" zur Besprechung über die Reichstagswahl eingeladen.

Hessische Landtagswahlen 1911

Am 3. November finden die Ergänzungswahlen für die ausscheidende Hälfte des Landtages, für die fünf neugeschaffenen Städtemandate und für die drei neuen ländlichen Bezirke statt. Zum ersten Male werden die Wahlen nach dem direkten Wahlrecht zur Anwen­dung kommen. Aus diesem Grunde ist es wünschens - wert, das sich die Wähler mit dem neuen Wahlrecht vertraut machen. Zunächst erhebt sich die Frage:

Wer darf wählen?

Wählen darf jeder hessische Staatsangehörige männlichen Geschlechts, der folgende drei Bedingungen erfüllt: er mutz 1) am Tage der Wahl das 25. Le­bensjahr vollendet haben; 2) am Tage der Wahl min­destens 3 Jahre in Hessen wohnen und f^it mindestens einem Jahre hessischer Staatsangehöriger sein; 3) seit Beginn des Rechnungsjahres, innerhalb dessen der Wahl­termin liegt, zu einer direkten Staats- oder Gemeinde - steuer herangezogen sein. Von der dritten Bedingung sind jedoch einzelne Kategorien befreit; es sind das Per­sonen, die wohl die beiden ersten Bedingungen erfüllen, die dritte aber um deswillen nicht, weil sie erstens. in bezug auf die Besteuerung mit anderen Personen zu­sammen als einheitlicher Steuerzahler betrachtet werden; zweitens als Militärbeamte oder Invaliden von der Einkommensteuer befreit sind; drittens weil in ihrer Wohngemeinde direkte Gemeindesteuern gar nicht oder wenigstens in ihrer Einkommensklasse nicht erhoben wer­den.

Hessischer Staatsangehöriger ist man entweder von Geburt durch Abstammung von hessischen Eltern, das heißt, wenn der Vater Hesse ist, oder durch Naturali­sation.

Neu ist ferner die Bestimmung, datz Söhne über 25 Jahre, die zusammen mit ihrem Vater (Haussöhne) in der Wirtschaft tätig sind, ohne zur Steuer herange- zogen zu sein, ebenso gut wie ihr Vater m i t w ä h l e n dürfen, was seither nicht der Fall gewesen ist. Ebenso darf ein Ehemann wählen, der mit seiner Frau gemein­schaftlich ein Geschäft betreibt, wobei die letztere als Steuerträgerin fungiert. Weiterhin ist ein Schwieger - sohn, der bei seinem Schwiegervater im Geschäft tätig und dessen Arbeitsverdienst zusammen mit dem seines Schwiegervaters besteuert ist, wahlberechtigt, und um­gekehrt. Kriegsinvaliden, Militärbeamte und Invaliden, deren Einkommen nur aus den Militärbezügen bezw. der Rente besteht, sind ebenfalls wahlberechtigt, auch wenn ihr Einkommen nicht so hoch ist, datz sie der Ein­kommensteuer unterliegen.

§ Im Wahlkreise Reichelsheim-Echzell stellten die Sozialdemokraten Lur-Niederflorstadt als Kandidaten auf.

Hus Stadt und Cand.

Gießen, den 28. September 1911.

* Die hessische Handwerkskammer hat be­schlossen, an unselbständige Personen des Handwerker­standes, Gesellen, Gehilfen 2C., welche mindestens 25 Jahre in ein und demselben Betriebe ununterbrochen tätig gewesen sind, als Anerkennung für die treue Ar­beit Ehren-Urkunden zu verleihen. Die Ver­leihung erfolgt alljährlich an Weihnachten. Die Anträge zur Verleihung sind von der gewerblichen Korporation, welcher der Arbeitgeber angehört, bei der Handwerks - kammer zu Darmstadt bis spätestens. 1. November jeden Jahres einzureichen. Den Anträgen ist ein ausführlicher Lebenslauf des zur Auszeichnung Vorgeschlagenen, so­

| Förderer aller sozialer Bestrebungen, herzlichen Dank aussprach. Die Weiherede, bei welcher die Sonne aus regengrauem Gewölk hervorbrach, und ihre Strahlen über die Festversammlung warf, hielt Herr Jos. Baum Wiesbaden, Dorf, des Präsidiums der D. G. f. K. E. Die mit großem Beifall ausgenommene, meisterhafte Rede machte durch ihren tiefen Inhalt aus alle einen nachhaltigen Eindruck. Hieraus erfolgte die Verlesung der Stiftungsuriunbe durch Herrn Assessor Dr. Xelgmaiub Wiesbaden. Den Weiheakt vollzog als Vertreter des Großh. Hess. Staatsministeriums Provinzialdirektor Dr. Usinger, dem sich Korporationen und die Vertreter der Behörden, der Kaufmannschaft uiib bes Vorstandes der D. G. f. K. E. mit je einem Weihespruch anschlos- fen. Bei dem Festmahl brachte der Vorsitzende Herr Jos. Baum-Wiesbaden das Hoch auf den Kaiser aus, .der mit wettschauendem Blick Handel unb Industrie die Wege geebnet und auf den Großherzog von Hessen, dem hochherzigen Stifter des Geländes aus. Kommerzienrat Motthan-Mainz brachte im Namen des Vorstandes der Mainzer Kaufleute bem Kaufmannsstande die Glück wünsche dar, daß derselbe aus eigener Initiative und Kraft es begonnen habe, diese segensreiche Bewegung ins Leben zu rufen und aus eigenen Mitteln durchzu führen. Provinzialdirektor Dr. Usinger sprach die Glückwünsche der Regierung und ihren Dank für die Einladung aus. Er knüpfte hieran die Worte der Freude, daß das erste Erholungsheim in Hessen errid) tet worden. Es sei ein gutes Zeugnis für die hessische Regierung, daß sie es verstehe, sozialpolitisch zu denken und zu handeln, und auch als erste die liefe Bedcutlttig dieser sozialen Bewegung ersannt habe. Es sprach bann Kommerzienrat Dr. Bamberger im Namen der Hatt delskammer Mainz, Oberst z. D. Weimer toastete aus die Enttvickelung des Bades Salzhailscit, das burd) das neue Heim bedeutend gehoben würde. Herr Baunt-Wies baden dankte für die anerkennenden Worte des Herrit Kommerzienrat Dr. Bamberger. Herr Bankier Adolph Neustadt sprach im Namett der Handelskammer-Frank furt auf das Präsidium der Gesellschaft. Herr Geh. Ober forstrat Dr. Walther-Darmstadt brachte in launiger Weise das Hoch auf die Damen aus, die, wenn auch nid)t sehr zahlreich vertreten, so aber doch durch ihre Quali tät hierfür entschädigten. Dankassessor Dr. Teigmann verlas die an den Kaiser, den Grotzherzog und an die Minister Dr. Braun und v. Homoergk abgefanbten Te legramme. Ein inzwischen vom Grotzherzog eingelau­fenes Danktelegramm wurde mit Jubel ausgenommen. Der Vizepräsident der 2. Hess. Kammer, Landtagsabg. Korell, brachte im Namen seiner Kollegen dem Un­ternehmen das größte Wohlwollen entgegen. Die wür­dige Feier hinterließ bei allen Beteiligten einen nach­haltigen Eindruck.

* Weilburg. Die diesjährige Ausschutzsitzung desL a h n - R e g a t 1 a - V e r b a n d e s" findet am ! 22. Oktober, nachm. 3% Uhr, im HotelTraube" da- l hier statt.

* Wiesbaden. Im ersten Bataillon des 80.

1 Infanterie-Regiments sind mehrere Typhusfälle vorge- t kommen. Ein Füsilier der 4. Kompagnie ist bereits ge- 1 storben.

' n- Schlüchtern. In dem Tale des bei der Stadt Steinau in die Kinzig mündenden Steinaubaches ist die Errichtung einer Talsperre geplant.

Nervöse Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit.

r Dieses find keine Krankheiten an sich, sondern nur , Erscheinungen infolge eines mangelhaften Blutzuftandes in welchem gewisse Bestandteile, wie Lecithin und Eisen nicht genügend vorhanden sind und dadurch die Nerven ; nicht genügend gespeißt werden. Die so oft angewandten 1 Beruhigungsmittel können im besten Falle nur vorüber- 1 gehend Linderung bringen, sind aber auch sehr oft von ' schädlicher Wirkung auf den Gesammtorganismus. Es ist c nun gelungen eine Verbindung von Lecithin und Eisen r herzustellen, welche von Autoritäten als die wertvollste c anerkannt wird und dieses glückliche Präparat haben wir 1 in Leciferrin, welches wegen seiner prompten Wirkung und seines angenehmen Geschmackes allgemein Anwendung findet. Von Tausenden mit Erfolg erprobt wenn andere Mit- tel erfolglos blieben.

e Leciferrin (Ovo-Lecithin-Eisen) kostet Mk. 3 die T Flasche. Beim Einkauf achte man genau auf das Wort ; Leciferrin. In Apotheken erhältlich, ganz sicher von:

Universitäts - Apotheke Gießen und Engel-Apotheke in a Frankfurt a. Main.

wie ein von dem Betriebsinhaber ausgestelltes, ortspo | lizeilich beglaubigtes Arbeitszeugnis, das gleichzeitig den Nachweis der 25jährigen ununterbrochenen Dienstzeit in ein und demselben Betriebe enthalten muß, sowie ein von der Polizeibehörde ausgestelltes Leumundszeugnis beizuschlietzen.

* V e r d i n g u n g s w e s e M Die Handwerks­kammer zu Darmstadt hat an die gewerblichen Korpo­rationen im Grotzherzogtum Hessen ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie auf den nunmehr im Druck erschie­nenen neuen Nachtrag vom Februar 1911 zu dem Erlaß des Verdingungswesens betr. vom .6. Juni 1893 hinweist und die Anschaffung der Druck achen, des Erlasses selbst, sowie des Nachtrages von 1911 nicht nur für die Bibliothek der verschiedenen Kor­porationen, sondern gleichzeitig auch für die einzelnen Bauhandwerker empfiehlt, da es im Interesse des ge= amten Vauhandwerks gelegen ist, wenn diese Vorschris- en mehr als bisher unter den Bauhandwerkern be - kannt werden.

* Für das 8., 11. und 18. Armeekorps erfolgt die Einstellung der Rekruten vom 2. bis 6. und vom 11. bis 14. Oktober. Die Eisenbahnverwaltung )at besondere Anordnungen getroffen, um die Rekruten pesördern zu können, damit der übrige Reiseverkehr keine Störung erleidet. Die Züge werden besondere Abteile, zum Teil besondere Wagen für die Rekruten führen.

* Im Sommersemester 1911 studierten am Land­wirtschaftlichen I n st i 1 u t G i e ß e n 60 Land­wirte von Beruf, von denen 51 in Hessen geboren wa- r.cn. Neu immatrikuliert wurden im Sommersemester 1911: 10 Studierende der Landwirtschaft. Das landw. Staatsexamen bestanden im Sommersemester 1911: 1. cand. agr. Wilhelm Amend aus Grotzen-Linden, 2. cand. agr. Heinrich Habermehl aus Wallenrod, 3. cand. agr. Georg Hopp aus Wenings, 4. cand. agr. Ernst Schneider aus Gießen. Das Pflanzenzuchtinspek- toreneramen bestand im Sommersemester 1911: Land­wirtschaftslehrer Jakob Trautmann aus Rimbach. Das Tierzuchtinspektoreneramen bestanden im Sommerseme­ster 1911: 1. approb. Tierarzt Dr. Ludwig Lost aus Gießen, 2. approb. Tierarzt Assistent Dr. Wilh. Schmidt aus Darmstadt. Bei der philosophischen Fakultät pro­movierten in Landwirtschaft als Hauptfach im Sommer­semester 1911: 1. Assistent Albert Boerger aus Foerde, 2. Schlachthoftierarzt Dr. Rotzkopf aus Schwabenheim, 3. Landwirtschastslehrer Jakob Trautmann aus Rim­bach.

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*) Gießen. Die Eisenbahnverwaltung bietet ihren Beamten für ihren Winterbedarf gute Etz-Kartof­feln den Zentner zu 2.50 Mk. ab Eisenbahnstation an und fordert zu Bestellungen auf.

* Lupusheim. Der Heilstättenverein für das Grotzherzogtum Hessen wird, wie schon berichtet, hier in Verbindung mit der Stadt ein Lupusheim errichten, das für 24 Kranke Raum bieten soll. Die Stadt stellt den Bauplatz unentgeltlich und errichtet das Gebäude. Die Landesversicherungsanstatt Hessen gibt das Geld für den Bau und die Errichtung des Heimes der Stadt zu 3% Proz., während diese als Miete 6% Prozent dieser Summe erhält. Leitender Arzt des Lupusheims wird der Direktor der Hautklinik, Professor Dr. Jezionek.

* Rüsselsheim. Zum zweiten Male inner­halb kurzer Zeit stattete der Grotzherzog von Hessen in Begleitung seiner Gemahlin der Brand­stätte der Opel-Werke einen mehrstündigen Besuch ab, um sich persönlich nach dem Stande der Aufräumungs­arbeiten und der bereits begonnenen Neubauten zu er­kundigen. Innerhalb kürzester Zeit wird anstelle der zerstörten älteren Fabrik eine großzügig angelegte neue Fabrik erstehen.

-k- Salzhausen, 24. Sept. Die Grundsteinleg­ung des ersten Erholungsheimes der Deutschen Gesellschaft für Kausmanns-Erholungsheime fand in feierlicher Weise am heutigen Sonntag, 11 Uhr vor­mittags, in Salzhausen (Oberhessen) statt. Für die große soziale Bedeutung dieses ersten Baues werktätiger Nächstenliebe sprach die ungeheuere Beteiligung, welche die Feier von allen Seiten fand. Nach den einleitenden Musikvorträgen der Kapelle des Großh. Hessischen Ar­tilleriekorps und des MännergesangvereinsOrpheus"- Geiß-Nidda, hielt Geh. Kommerzienrat Kalle-Biebrich, stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer Wies­baden und des Präsidiums der D. G. f. K. E. die Begrüßungsansprache, indem er allen denen, welche zum Gelingen des Werkes beigetragen, vor allem der Groß­herzoglich Hessischen Staatsregierung und ihrem erlauch­ten Landesfürsten, dem Grotzherzog Ernst Ludwig, dem