Der Reichèkriegrschatz im Iuliusturm
-er in einer Höhe von 120 Millionen Mark für die ersten Bedürfnisse eines Krieges aufbewahrt wird, hat M jüngster Zeit wieder durch die Ausführungen des Herrn von Gwinner im preußischen Herrenhause, der für eine Vermehrung eintrat, die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Es wird darum vielleicht die Mitteilung von Interesse sein, wie dieser ungeheure Reichtum an barem Golde aufbewahrt, und behütet wird. Der Schatz befindet sich in der Zitadelle des Juliusturms zu Spandau, und zwar in zwei Stockwerken. Es sind nämlich nicht weniger als 1200 große Holzkisten nötig, um diese riesige Goldmenge zu fassen. Jede Kiste enthält 100 000 Mark in Gold, so daß alle 1200 Kisten zusammen 120 Millionen Mark in sich bergen. Uebereinander sind immer 30 Kisten aufgeschichtet im Werte von 3 Millionen Mark und 40 derartige Schichten sind vorhanden. Der Verschluß der Golokammer ist folgendermaßen: Die Zimmer der Zitadelle sind durch drei Türen abgeschlossen, von denen jede einzelne mehrere Schlösser hat. Die Schlüssel zu den Schlössern befinden sich in den Händen verschiedener höherer Beamter des Kriegsminsteriums, sodaß einer allein in die Kammer nicht gelangen kann. Die Türen sind aus Stahl mit Eichenholzfüllung. Jede Tür hat allein das Gewicht von 26 Zentnern. Daraus ist auf ihre Festigkeit zu schließen. Das Gold liegt nicht einfach über- einandergeschichtet, sondern befindet sich in Beuteln. Jede der 1200 Kisten hat 10 solche Beutel. Die Kisten selbst sind auch derart eingerichtet, daß ein Diebstahl unmöglich erscheint. Jede einzelne Schraube, mit der die Holzteile zusammengehalten sind, ist versiegelt, so daß ein Bruch ausgeschlossen erscheint. Es würde jedenfalls sofort bemerkt werden müssen. Das Gewicht der Beutel ist festgestellt, gleicherweise wie auch das Gewicht der Kisten selbst bis auf einzelne Gramm angegeben ist. Eine Nachprüfung der ungeheuren Masse von Goldstücken kann durch Nachzählung natürlich nur sehr selten erfolgen. Trotzdem läßt das Neichsschatzamt alljährlich mehrere Revisionen ausführen, bei denen Stichproben gemacht werden. Die Kisten werden daraufhin untersucht, ob alle Siegel völlig unverletzt sind, sie werden aus ihr Gewicht hin der Reib6 nach geprüft und einzelne Kisten werden sogar geöffnet. Aus diesen Kisten werden die Golösäcke entnommen und die Goldstücke nachgezäblt. An der Prüfung beteiligen sich des öfteren auch Reichstagsmitglie- öer. Die Sicherheitsmaßnahmen sind also sehr groß und es erscheint ausgeschlossen, daß jemals auch nur der geringste Diebstahl hier versucht wird. Es erübrigt sich, mitzuteilen, daß bisher auch tatsächlich nicht das Geringste gefehlt hat.
Am der Verhandlung gegen Jatho
Persönlich sei ihm Gott nur chen persönlich wirke. Den Kirche lehnt Jatho ab;
der
ist noch folgendes nachzutragen: Wie ein Zuhörer der Verhandlungen, der kirchenpolitisch rechts steht, der „Kreuzzeitung" über die Verhandlungen gegen Jatho mitteilt, hat sich Jatho über seinen Gottesbegriff folgendermaßen geäußert: „Einen Gott außerhalb der Welt könne er nicht anerkennen. Einen Gott, den jeder in seinem Herzen erkenne, gestehe er zu, nicht aber einen Weltschöpfer. Persönlich sei ihm Gott nur soweit, als er im Menschen persönlich wirke. Den Gottesbegriff : _ „ :_ ' . 7.7 ' 2'7 er sieht in jeder Religion eine Offenbarung Gottes. Die andern Religionen enthielten nicht bloß Irrtümer, sondern auch Wahrheitsmomente. Er halte es in dieser Beziehung mit Lessing und könne das Christentum nicht als die absolute Religion anerkennen." Dr. Hausleiter sagte zu Jatho hierauf: „Sie sind Monist?" Dies bestritt aber Jatho, wie sein Verteidiger Traub. Dr. Dryander fragte Jatho, ob ihm denn bei seiner ganzen Stellung nicht das Bewußtsein gekommen sei, daß er mit seiner Lehre nicht mehr in die Kirche passe? Dies verneinte Jatho. Wenn er auch ohne Jesus auskommen könne, und den Namen Christus gar nicht brauche, so wäre ihm Christns immerhin die Idee des Genius der Menschheit.
Zu dem Urteil sagt das offizielle Organ des Vereins für evangelische Freiheit in Cöln: „Uns schaudert vor oer Verantwortung des Spruchkollegiums. Seine Entscheidung wird einen Sturm entfesseln, der den Grundfesten der evangelischen Kirche gefährlich werden kann. Uns Freunden der Freiheit bangt nicht am Tage des Urteilsspruches: er soll uns als ein Tag des Heils erscheinen, und er wird es in noch höherem Maße werden, nachdem Jatho sein Amt verloren, als wenn er es behalten hätte. Viele werden erwachen, die bis heute noch schliefen; sie werden zu Streitern werden, wie wir es sind." Prof. Baumgarten, den Jatho sich bekanntlich als ersten Beistand erwählte, erklärte nicht nur, daß Jathos Lehre etwas vom Bekenntnis der Kirche abweiche, sondern gab seine Theorie überhaupt preis mit den Worten: Ich kann mit Jathos Theorie nichts anfangen. Er wünschte nur, daß sich eine hinreichend starke Minderheit im Spruchkollegium finden möchte, die bei allen in der Sache begründeten Bedenken über die Vereinbarkeit der Jathoschen Lehre mit dem Grundgedanken des Evangeliums mit Rücksicht auf den großen seelsorgerischen Erfolg doch nicht über sich gewinne, die Landeskirche durch seine Ausstoßung in eine unabsehbare Verwirrung zu versetzen.
Und dennoch.
Novelle von E r n st V u s o l t.
10) (Nachdruck verboten.)
Als Viryinie vom Abreisen hörte, zog ein Schatten über ihre Strrn; augenscheinlich wollte sie sprechen, allein Scheu hielt sie zurück.
„Virginie," rief Adrian, ihre Sorge verstehend, „kannst Du Dich so rasch bereit machen, in einer halben Stunde mit mir zu kommen? Du könntest neuen Belästigungen ausgesetzt sein. In unserer Nähe ist eine von einer alten Französin geleitete, behagliche Pension; ich kann Dich täglich sehen, bis alles zu unserer Trauung vorbereitet ist."
Virginie errötete und wurde dann sehr ernst. Adrian sah, daß alle Heiterkeit von ihr gewichen war. „Adrian," kam es sehr leise von ihren Lippen, „Du hast mich erlöst, beseligt, ich habe alles vergessen, was ich gelitten, aber Deine Eltern?" Sie drückte die schwere, dunkle Flechte vor die Augen, ihre Stimme erstickte. Dann blickte sie zu Adrian auf. Er sagte nichts. Es gibt Augenblicke, in denen der Ausdruck des Auges beredter ist als die Sprache.
*
Trotz der anstrengenden Eisenbahnfahrt war Virginie auf dem Bahnhöfe in Berlin noch so frisch und elastisch, als hätte sie ihr Zimmer nicht verlassen. Nur der dritte Reisende, der alte Bonifaz, war froh, endlich ein Plätzchen für seine müden Glieder zu finden.
Etwas später stand Adrian seinem Vater gegenüber. Der alte Herr schien mehr erstaunt als erfreut, oen Sohn zu sehen. Warum man überhaupt depeschierte? Er habe es für sehr unnütz gehalten. Und dann kamen die ge
Ueber -en Empfang Jathos in Cöln
: Trotzdem die Ankunftszeit ien war, hatte sich eine nach
meldet der „Hann. Cour."
Jathos sorgsam verschwiegt ^— . .. _ .
Tausenden zählende Menschenmenge auf dem Bahnhöfe eingefunden, die beim Einlaufen des Zuges dem Pfarrer Jatho eine derartige Huldigung brachte, daß dieser, seine Familie und seine ihn begleitenden Freunde vor Rührung überwältigt, nicht fähig waren, ein Wort über die Lippen zu bringen. Die Bahnhofspolizei hatte bei Unterstützung durch die Kgl. Polizei große Mühe, einen Weg für Jatho zu bahnen. Unaufhaltsame Hochrufe geleiteten Jatho bis zum Vorplatz des Bahnhofs, wo wiederum Tausende von Menschen die angrenzenden Straßen besetzt hielten. Ein Schutzmannsaufgebot mußte hier für freie Passage sorgen, so daß es Jatho endlich, eskortiert von vier berittenen Schutzleuten, gelang, einen Wagen zu besteigen, um nach Hause zu gelangen. y
Rundseba« vom Cast
Politisches.
Der Kaiser verlieh Pierpont Morgan den Roten Adlerorden 1. Klasse und schenkte dem amerikanischen Konteradmiral Badger sein Bild. Aus Anlaß des amerikanischen Flottenbesuches in Kiel fand zwischen dem Kaiser und dem Präsidenten Taft ein überaus herzlicher Depeschenwechsel statt.
Vom Hansabund. Dem Präsidium des Hansabundes sind anläßlich des Austritts des Landrats a. D. Rötger weiter Zustimmungserklärungen zugegangen, aus dem westfälischen Industriegebiet von der Ortsgruppe Lippstadt und der großen Bezirksgruppe Bielefeld. Gleichfalls zugestimmt haben die Ortsgruppe Stettin sowie die Leitung des pommerschen Provinzialverbandes des Hansabundes unter Teilnahme führender Industrieller.
— Wie die „Post" behauptet, hat der Bankier Delbrück, Mitglied des Herrenhauses, für sich persönlich und seine beiden Firmen Delbrück, Schickler u. Co. und Gebr. Delbrück den Austritt aus dem Hansabunde erklärt ♦— Nach einer Meldung aus Dessau hat der Landtagsabgeordnete Kommerzienrat Hallstroem in Nienburg a. d. Saale den Vorsitz der Ortsgruppe Nienburg des Hansabundes niedergelegt. Er begründete seinen Rücktritt damit, daß er sich mit den Aeußerungen Rießers vom 12. Juni in Berlin nicht einverstanden erklären könne, weil er Mitglied des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie und des reichstreuen Wahlvereins Bernburg sei.
Der deutsche Aerztetag, der in diesen Tagen in Stuttgart getagt hat, nahm eine Resolution an, in der er bet- der Neufassung des Strafgesetzbuches eine Ausdehnung der gesetzlichen Schweigepflicht über Privatgeheimnisse auch auf Angestellte privater Versicherungs- Lräger für erforderlich erachtet. Zur Begründung verweist er auf die Gewohnheit der privaten Versicherungsgesellschaften, ärztliche Gutachten über Personen, die sich zur Aufnahme meldest, unter einander auszutauschen. Es könne den Aerzten nicht gleichgültig sein, daß ohne ihr Wissen private Geheimnisse der Patienten an dritte unbekannte Stellen geraten.
Der 8. Deutsche Gewerkschaftskongreß hat unter Beteiligung von etwa 400 Delegierten in Dresden begonnen. Der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Legien, eröffnete die Tagung und erstattete den Rechenschaftsbericht der Generalkommission. Der Redner legt das Hauptgewicht auf die Verabschiedung der Reichs- versicherungsördnung, die, wie er sagte, „den Höhepunkt der arbeiterfeindlichen Gesetzesmacherei des Reichstages" gebildet habe. Die Regierung und die zu einem „Block für Arbeiterentrechtung" vereinigten Parteien hätten alles daran gesetzt, um die Reichsversicherungsordnung noch durch diesen Reichstag fertigstellen zu lassen.
Eine Denkschrift an den Eisenbahnminister haben die Eisenbahnassistenten gerichtet, worin sie ihn bitten, im Abgeordnetenhause dafür zu plaidieren, daß das Gehalt der Assistenten, das jetzt 1650—3300 Mark beträgt, in Zukunft auf 1800—3600 Mark, erreichbar in 18 Dienstjahren sestgesetzt werde.
Ein französischer Gewaltakt gegen Dentsche? Nach einer Drahtmeldung aus Tanger wurde ein den deutschen Firmen Brand u.Thöl und Karl Ficke gehörendes Terrain in Casablanca, das von der französischen Militärbehörde beansprucht wird, von den Franzosen beschlagnahmt und mit einer Truppenabteilung belegt. Der deutsche Konsul soll sofort gegen diese Vergewaltigung protestiert Hgben, die unter den Deutschen in Casablanca große Aufregung hervorgerufen hat. An amtlicher Stelle liegen noch keine Nachrichten über einen solchen Zwischenfall vor.
Die österreichische Ministerkrisis. Kaiser Franz Josef hat dem Ministerpräsidenten Freiherrn v. Bie- nerth die erbetene Entlassung erteilt. Freiherr von Gautsch wurde zum Ministerpräsidenten designiert. Er
schäftlichen Angelegenheiten an die Reihe. Adrian hatte die größte Mühe, den alten Herrn am Ende zu bewegen, für beute alle§ ruhen zu lassen und sich niederzulegen. Obwohl er seiner Mutter beruhigend geschrieben, traf diese kauâ zwei Tage später ein.
Adrian saß mit dem Vater in dem großen, mit den alten Porträts geschmückten Wohnzimmer, als seine Mutter eintrat. Aus dem Wege vom Bahnhöfe hatte sie kaum ein Wort gesprochen, was Adrian nicht entgangen war.
„Konstanze hat Dich nicht begleitet, Wilhelmine?" fragte der alte Herr übellaunig nach der ersten Begrüßung.
„Konstanze bleibt dort bei Bekannten, die sie gefunden. Pieter, für uns ist Konstanze verloren."
Der alte Herr schaute sie mit seinen großen, grauen Augen unwillig erstaunt an. „So?"
„Adrian weiß es, Pieter. Und auch Adrian ist für uns verloren."
„Nur gemach, Wilhelmine, ich liebe meine gute, alte holländische Gemütlichkeit."
Der Sohn wollte des Vaters Hand ergreifen, der alte Herr zog sie jedoch rauh zurück. „Was soll das alles?" stieß er zornig hervor.
„Eine Frau will er sich holen von der Landstraße," rief die Mutter außer sich.
„Laß uns in Ruhe reden," entgegnete der Vater, „ich werde aus alledem nicht klug."
„Vater," begann der Sohn, „laß mich sprechen."
„Werde zuerst Deine Mutter hören; es ist bester, Du läßt uns allein. Erst die Mutter, dann Du, so erscheint mir's in der Ordnung."
wird versuchen, mit dem Kabinett in der bisherigen Zusammensetzung das Arbeitsprogramm für die nächste Session aufzustellen. Wann die Eröffnung des Reichsrats stattfinden wird, hängt von den Besprechungen mit den Parteiführern ab.
Der deutsche Gesandte in Mexiko verlangt, wie der „Frankf. Ztg." aus Neuyork gemeldet wird, Genugtuung für die dem deutschen Ingenieur Franz Reiter in Vega angetane Unbill. Der Ingenieur mußte barfuß einer Gruppe von Revolutionären Kellnerdienste leisten und es wurde auf ihn geschossen. Die Warenniederlage der Gesellschaft, die ihn beschäftigte, wurde beraubt. Reiter gibt an, er habe nur die Abteilung Insurgenten, deren Gegenwart Anlaß zu Ruhestörungen gab, ersucht, sich zu entfernen.
kleine Nachrichten
Der Ertrag der beiden Margaretentage in Großck Berlin am 24. und 25. Juni beläuft sich auf etwa Mill. Mark. Die vorhandenen 3 Millionen Margareten sind fast sämtlich verkauft worden. Die Nachfrage nach den Postkarten war so stark, daß der Ve- stand von 300 000 Stück nicht ausreichte.
Der Flug München-Berlin. Der Flieger Hirth, der gestern den Flug um den Kathreinerpreis von München aus angetreten hat, mußte wegen Motordesekts bei " ingen landen.
aus anw
Treuchtli
Eine Abstimmung der Eltern über die ungeteilte Unterrichtszeit in den Volksschulen ergab in München eine überwältigende Mehrheit zugunsten der einheitlichen Unterrichtszeit. 40197 stimmten mit Ja, 26170 mit Nein. In der Schulkommission war vorher ein Antrag auf Abschaffung des Nachmittagsunterrichts abgelehnt worden.
Besuch eines chinesischen Kriegsschiffes in Deutsch-, land. Einen sehr seltenen Besuch wird der Hafen Zop- pot um die Mitte des Juli ausweisen. Der chinesische Kreuzer „Hat-Tschi", der augenblicklich bei der Flotten-. Parade zu Spithead China in England vertritt, wird vor seiner Heimreise Deutschland anlaufen und in Zop- pot einen Besuch machen. Kommandant des Kreuzers ist der ehemalige Verteidiger der Takuforts, Admiral Tschin.
Die Gemahlin des Erzherzogs Franz Salvator, Erzherzogin Marie Valerie, ist Montag früh von einer Prinzessin entbunden worden. Das Kind ist nachmittags infolge plötzlich eingetretener Herzschwäche gestorben.
Nachbesteuerung einer Millionenhinterlassenschaft. Die königliche Regierung in Arnsberg (Wests.) hat von den Erben des verstorbenen Dortmunder Industriellen
August Klönne, der ein Vermögen von 5 Millionen M. hinterlassen hat, für die Jahre 1905 bis 1908 die Summe von 19 500 Mark als Nachsteuer reklamiert, weil Klönne bei Einschätzung seines Einkommens unrichtige Angaben gemacht haben soll.
Großer Petroleumbrand. Wie das Reuter-Bureau aus Port Arthur in Texas meldet, brach in den Tanks der Texas Oil Company Feuer ans, das auf zwei Speicher und eine Anzahl in der Nähe verankerter Schiffe überging. Es erfolgten Explosionen. Ein Schiffskapitän und zwei andeve Personen wurden getötet. Nach den bisherigen Verlusten wird der Schaden auf eine Million Dollars geschätzt.
Ein schweres Automobilunglück wird ans St. Vith (Eisel) gemeldet. Sonntag nachmittag stürzte infolge Versagens der Bremse das Automobil des Fabrikanten Josef Bönsch um. Bönsch, dem der Brustkorb eingedrückt wurde, starb nach kurzer Zeit, Frau Bonsch wurde lebensgefährlich verletzt. Der Chauffeur und zwei Kinder blieben unverletzt.
Die alte Geschichte. In Lösau bei Halle wurde gestern der 14 Jahre alte Schulknabe Becker, der mit einem dreijährigen Kinde auf dem Hofe spielte, von dem 11jährigen Schüler Müller mit einem Tesching, das dieser im Scherze auf Becker anlegte, durch einen Schuß in den Kopf getötet.
Vater und Sohn. In Hamborn bei Duisburg , lauerte der achtzehnjährige Sohn des Bergmanns Duö- zinski seinem Vater auf, weil dieser ihm Vorhaltun- gen wegen Arbeitsscheu gemacht hatte und versetzte ihm vier Messerstiche. Der Vater ist tödlich verletzt, der Täter ging flüchtig.
Karbolsäure statt Rizinusöl. Der Frau eines Banköirektors in Budapest wurde am Sonntag vom Hausarzt Rizinusöl verschrieben. Durch ein Versehen des Apothekers hatte die Frau dafür Karbolsäure erhalten und davon getrunken. Sie ringt im Spital mit dem Tode.
^ssemcbaft, Runs! und Literatur.
Der Brief Luthers an Karl V. Der von dem Amerikaner Morgan vor kurzem bei einer Versteigerung in Leipzig für 102 000 Mark erworbene Brief Luthers an Karl V. wurde von Morgan, der jetzt in Kiel weilt und dort auch vom Kaiser auf der „Hohenzollern" empfangen wurde, an den Kaiser abgetreten und von öre- sem für Wittenberg bestimmt. Es ist hocherfreulich, daß auf diese Weise der wertvolle Brief für Deutschland gerettet worden ist. ________________
Adrian war sehr entschlosten, als er sich auf sein Zimmer zurückzog. Er konnte den Eltern sein Lebensglück nimmer opfern; aber er würde einen schweren Kampf zu bestehen haben, — das wußte er. Die Uhr schlug leise und schläfrig sieben, als der Diener den Herrn Konsul zum Tee bat.
Adrian ging langsam die Treppe in seinem Vaterhaus hinab. Wie lange wohl noch dies Haus sein Vaterhaus sein wird?
„Weiß jetzt alles, mein Sohn," eröffnete ihm der Vater, als Adrian eintrat, „weiß auch, wer die Dame ist, die uns unser Sohn als Schwiegertochter ins Haus bringen will — es ist eine heidnische Sache. Fürchte sehr, daß Dir's gehen wird wie so manchem mit jenen neumodischen Möbeln: nicht lange, und Sprünge sind da, und altes, wurmstichiges Holz kommt zum Vorschein. Deine zukünftige Frau hat einen Fleck auf ihrer Ehre, einen Fleck, den nicht ein Ozean wegspülen kann."
„Sie ist das schuldlose Opfer eines Verbrechens," sagte Adrian einfach und mit großer Ruhe.
„Mag sein, aber ein Fleck ist einmal da. Ueberlege Dir die èache, Adrian."
Adrian richtete sich hoch auf; ruhig und zuversichtlich und dabei so hell und freudig, daß seine Eltern ihn erstaunt anblickten, klang es durch das weite Gemach: „Und dennoch!"
Ende.