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Gießener Bettung

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vierteljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint Mittags 3 Uhr. DieJlluftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bet. Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derGießener Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amtt

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer

Expedition:

Bekanntmachungen

des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberheffens Zeltersweg 85.

(Haus Brüder Schmidt.)

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die 44 mm breite J n seraienzei l c. Stellen ne suche und Familien an zeigen 10 Pfg. Die no mm breite Zeile im Ncklameleil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und GrStze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschrcitulig desZahlungo zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneverbindlichkeit.

Verlag derWicfcciicr Zeitung" GL m. b. H.

Nr. 149

Telephon: Nr. 362.

Mittwoch, den 28. Juni 1911

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg

Kleine Geister.

Wenn das bekannte Wort,Lächerlichkeit tötet", wahr wäre, müßten derVorwärts" und alle diejenigen, die nach seinem Sinne handeln, schon längst begraben und vergessen sein. Denn in dem Bestreben, nur ja nicht irgend einer Einrichtung des nationalen Gegenwarts - staates Anerkennung zu zollen, und in dem weiteren ängstlichen Bemühen, nur ja nicht die von ihm beherrsch­ten Arbeiterkreise merken zu lassen, daß eine Regierung vorhanden ist, die für die Bedürfnisse und Interessen der Arbetterbevölkerung Verständnis besitzt, gerät derVor­wärts und mit ihm die gesamte Sozialdemokratie ins Lächerliche, ins all zu Lächerliche. Man sehe sich diese Taktik, die derVorwärts" entwickelt und mit der er im SiNiie seines Programms zu handeln glaubt, an meh- rereii Vorgängen, die die letzten Tage gebracht haben, einmal etwas näher an. Als am letzten Sonntag die zur Kaiserregatta in Grünau fahrende Jacht des Kai­sers mit dem Kaiser an Bord bei Treptow vorüberkam, wo sich das Bootshaus des sozialdemokratischen Ruder­klubsVorwärts" befindet, wurde dieVorwäcks"-Flagge, die auf dem Bootshause wehte, niedergeholt und erst, nad)bcm dieAlerandria" vorüber war, wieder gehißt. Dasselbe Manöver wiederholte sich bei der Rückfahrt der Alerandria". Die Leute vomVorwär1s"-Voo1shause haben damit durchaus im Sinne des ungeschriebenen, aber umso strengeren Gebotes gehandelt, daß die Exi­stenz des.deutschen Kaisers und Königs von Preußen so viel als möglich negiert und ignoriert werden müsse. Also ein Hurra den zielbewußten Genossen, die durch ihreHeldentat" das Parteiprogramm gerettet haben! DerVorwärts" selbst leistet sich ähnliche Stücke. Seine Besprechung des ersten allgemeinen deutschen Hansata­ges, der am 12. d. Mts. in Berlin stattgefunden hat, gipfelt in einem scharfen Tadel, der die Teilnehmer am Hansatage deshalb ereilt, weil sie sich, als das Ant- worttelegramm des Kaisers verlesen wurde, von ihren Plätzen erhoben hätten. Bemerkenswert ist auch, wie derVorwärts" über den Zweiten Deutschen Wohnungs­kongreß in Leipzig berichtet. Die einleitenden Sätze, die er der ausführlich wiedergegebenen Rede des früheren Staatssekretärs des Reichsamts des Innern Grafen von Posadowsky über die Aufgaben der Wohnungsfürsorge und Baupolilik vorausschickt, erwähnen nicht mit einem Worte, daß am ersten Tage der Kongreßtagung Ver­treter der Reichsregierung und der einzelstaatlichen Re­gierung erschienen waren, um auch ihrerseits das In­teresse an der Wohnungsfürsorge der minder bemittelten Klassen, auf der im letzten Grunde alles physische und psychische Gedeihen beruht,' ,zum Ausdruck zu bringen. Der Bericht desVorwärts" tut den ersten Sitzungstag mit dem einzigen Satze ab:Die Sonntagstagung wurde buhxf) die üblichen Begrüßungsansprachen ausgesüllt." Von anderer Seite wird dagegen über die Eröffnung der Tagung in folgender Weise berichtet:Namens der Reichsregierung begrüßte Geheimrat Lewald vom Reichs­amt des Innern den Kongreß, in dem er betonte, daß die Reichsregierung den bevorstehenden Verhandlungen das lebhafteste Interesse entgegenbringe, zumal ihr früherer hervorragender Mitarbeiter Staatsminister Gras Posadowsky zu den Männern des Kongresses gehöre. Die Reichsregierung erblicke in der Wohnungsfrage und in ihrer Lösung eine ihrer allerwichtigsten Ausgaben, zu deren Mitarbeit das ganze deutsche Volk berufen sei. Die Reichsregierung selbst habe keine Mittel und We­ge in der Frage gesetzgeberisch etwas zu tun, wohl aber habe sie inbezug aus die Beamten die Wohnungsfrage zu regeln versucht und hierfür 41 Millionen Mark in den Etat eingestellt. Auch den Wohnungsgenossenscha,- ten sei das Reich helfend zur Seite getreten rndem es an 115 Genossenschaften Darlehen gab, die bei der Her­stellung von etwa 20 000 Wohnungen Verwendung fin­den Wenn auch die Lage der Reichsfinanzen eine wè,- tergèhendc Betätigung in der Wohnungsfrage nicht ge­stattete, so könne der Kongres; doch versichert sein, dah die Reichsregierung alles tun werde, um in der wich­tigen Wohnungsfrage auch weiterhin losend -mzugrci- sen. (©roher Beifall.) - Der Vorsitzende des Kon­gresses, Geheimer Regierungsrat Liebrecht-Hannover er­kannte dankbar die Mitarbeit des Reiches in der Woh­nungsfürsorge an und gab der Hoffnung Ausdruch daß das langerstrebte Reichswohnungsgesetz bald kommen werde." ~ ,

Das sind so einige Merkmale und Beispiele, wie der Vorwärts" seinen Gegensatz gegen.Regierungen land Be­hörden int Geltung zu bringen sucht, aber die Methode, der er sich dabei bedient, ist so kleinlich und zengt von so kindlicher Denkart, daß man darüber nur lachen kann

und diejenigen bedauern musi, die mit solchen Manö- vorn hinters Licht geführt werden.

Iwnifcbtr Landtag.

Die Erfte Kammer der Stände trat gestern % 11 Uhr zu ihrer Schlußtagung zusammen. Gras Solms-Lich präsidierte der Sitzung in Verhinderung des 1. Vorsitzenden Grafen Goertz. Vor Eintritt in die Ta­gesordnung gab der Vorsitzende bekannt, daß über ver­schiedene abweichende Beschlüsse der Zweiten Kammer eine Verständigung in gemeinsamen Sitzungen erzielt worden sei. Aus Wunsch des Grasen Erbach-Fürstenau wurde die Beratung des G e m e i n d e u m l a g en­ge s e tz e s zurückgcstellt. Eine Reihe von Eingaben und Anträgen wurde im Sinne der Ausschüsse erledigt. Da­runter befinden sich zahlreiche Eingaben von Beamten um Gehaltsaufbesserung. Ein dringlicher Antrag von Uebel und Genossen wegen des schwedischen Handels - Vertrages wird zurückgestellt. Bei der Vorlage über die Erhaltung des Liebig-Laboratoriums in Gießen beantragt Dr. Schmitt, daß das für die Wissenschaft wertvolle Laboratorium erhalten bleibt und betont, daß die Regierung die Pflicht habe, das In­stitut pekuniär zu unterstützen. Auch Fürst Isenburg - Virstein tritt für die Erhaltung ein. Die Kammer b e - schließt dementsprechend. Bei der Besprech­ung der Notlage der Winzer in Gau-Algesheim weist Freiherr v. Heyl daraus hin, daß die hessischen Winzer seit 10 Jahren von Mißernten verfolgt seien und daß bei einer Fortdauer der Notlage der Winzer ihre Steuerkraft ernstlich gefährdet sei. Er verlangt finan­zielle Beihilfe des Staates und Freilassung der Rod­grundstücke von der Besteuerung. Nachdem noch mehrere Vorlagen nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer er­ledigt worden sind, vertagt sich das Haus bis zum 4. Juli.

Hus Stadt und Land.

Gießen, den 28. Juni.

* Das 3. Abonnementskonzert unserer Jnfanteriekapelle findet morgen abend in Steins Gar­ten statt. Das interessante Programm enthält u. a.: die große Fantasie a. d. OperTiefland", einen Walzer aus demRosenkavalier" und das große Schlachtenpotpourri von Saro: Deutschlands Erinnerungen an die denk­würdigen Kriegsjahre von 1870-71. Wir können den Besuch des Konzertes nur bestens empfehlen.

* Der Gemeindehelfer Letmathe kehrte nach dreivierteljähriger Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde nach der Brüderanstalt Karlshöhe zurück.

* Die Hauptversammlung des Ober­hessischen Obstbauvereins wird in unseren Mauern abgehalten werden, da Gießen als zentraler Punkt von Oberhessen leicht mit der Bahn von allen Seiten zu erreichen ist. Die Versammlung findet am Sonntag, den 2. Juli, nachmittags 3% Uhr, im Saale desLenz'schen Felsenkellers", Ecke Liebigstraße und Bahnhofstraße statt. Aus der reichen Tagesordnung seien folgende Punkte hervorgehoben: 1. Geschäftliches; 2. Ergänzungswahl des Ausschusses; 3. Rechnungsvorlage und Voranschlag; 4. Statutenänderung des § 8; 5. Die Unternehmungen des Vereins mit der Landwirt - schaftskammer und ein Vortrag des bekannten Fachman­nes Herrn M. Denk, Leiter des Versuchsgarlens in Frank­furt a. M.Ueber die Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen des Obstbaumes nach eignen Versuchen". Vormittags findet wie üblich eine Baumwäckerversamm- lung statt, auf welcher die Vaumwärter interessierende Punkte Erledigung finden. Unter anderem wird Herr John-Friedberg über das Obstverbesserungsverfahren der Landwickschaftskammer referieren. Fahrt 4. Klasse wird den Vereinsbaumwärtern vergütet. Da die Hauptver­sammlung interessanten Vortrag bringt, so wäre schon aus diesem Grund ein reger Besuch der Versammlung erwünscht. Alle Freunde des Obst- und Gartenbaues sind herzlichst eingeladen.

Die Reichsversicherungsordnung, nebst Einsührungsgesetz wird sofort nach Bekanntgabe der hessischen Ausführungs- und Vollzugsbestimmungen, mit eingehenden Erläuterungen, nebst einem ausführ - lichen Sachregister versehen, bearbeitet von Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Dietz, Vorsitzender des Vorstandes der Landesversicherungsanstalt Gr. Hessen in Darmstadt, im Verlage von J. Diemer in Mainz erscheinen. Das Buch.ist in allen Buchhandlungen erhältlich.

-n- Die 5 0. Wanderversammlung des Oberhessischen Bienenzüchterv'ereins findet hier am 15.17. Juli statt. Mit der Jubiläums-

Versammlung ist eine Ausstellung von lebenden Bienen, Bienenerzeugnissen, Bienengeräten rc. verbun den. In der Generalversannnlnng spricht Lehrer Soni nier-Jnheiden über:Die Bedentung des Honigs als ^rahrungsmiltel".

* Das diesjährige H o h e r o d s k o p f s e st findet nächsten Sonntag, den 2. Juli, statt. Für llnterhaltnng und Bewirtung der Festgäste ist anss beste gesorgt.

* Die Pilzzeil hat wieder begonnen, also Ach hing vor giftigen Gewächsen! Es ist ferner daraufhin znweisen, daß man Pilze nicht mit der Wnrzel Herans reißen, sondern abschneiden soll; die Pilze sterben sonst aus.

* Vogelschutz! Vielfach werden eben ausge slogene, noch nicht sehr flugfähige junge Vögel von wohl meinenben Leuten mitgenommen, in der Annahme, daß sie aus dem Nest gefallen ober von den Eltern ver lassen seien. Der alte Vogel hört aber das Zirpen sei nes Kindes auf unglaublich große Entfernung. Wenn die Jungen sich zerstreut haben und hier und da eins in seinem Versteck sitzt, kann er nicht fortwährend da sein, sondern muß eins nach dem andern füttern. Gut gemeintes Eingreifen kann da leicht mehr schaden ak nutzen. Einen jungen Vogel zu Haus aitfzuziehen, ist eine sehr mühselige, zeitraubende Sache und erfordert viel Geschick und eingehendes Verftänbnis. Wenn Du also draußen ein Vogeljunges findest, dann überlasse es nur getrost der Fürsorge seiner Eltern. Höchstens setze man den kleinen Schreihals an ein sicheres Plätzchen. Hören werden ihn die alten Vögel schon.

* Papier statt Gold. Der preußische Fi nanzminister hat an alle untergeordneten Behörden einen Erlaß gerichtet, wonach in Zukunft bei Zahlungen so weit tunlich, Gold zurückgehalten werden soll; die Zahl stellen sind angewiesen, Barzahlungen in Kassenscheineil anstatt in Gold auszuführen.

* ) Butzbach, 28. Juni. Der ehemalige Rechner Heinzerling, der vor etwa 5 Jahren an der hiesigen Sparkasse sich große Unterschlagungen- hatte zu Schul den kommen lassen und deshalb zur Zeit eine Gefäng­nisstrafe von 7 Jahren in der Butzbacher Zellenstrasan statt verbüßt, wurde von dem Großherzog begnadigt.

* ) Wetzlar, 27. Juni. Im rüstigsten Mannes alter ist heute früh der Generaldirektor der Buderus - werke, Kaiser, an den Folgen eines Magenleidens gestorben. Die Stabt Wetzlar verliert in dem Verstor­benen seinen verdienstvollen Mitbürger. Er hat erst kürzlich die Mittel für die zahnärztliche Untersuchung der Schulkinder bewilligt, um eine geregelte Zahnpflege bei den Schulkindern durchzusühren. Im Frühjahr stiftete er 40 000 Mack zur Ausbildung begabter Arbeiterkinder der Buderuswecke.

) Marburg, 28. Juni. Dem Dichter Julius Rodenberg in Berlin wurde aus Anlaß seines 80. Ge- buckstages von der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität der Titel eines Ehrendoktors verliehen. R. war in den 50er Jahren Marburger Student.

Offenbach a. M., 28. Juni. Mit dem Ab­bruch der alten katholischen Notkirche in der Biebererstr. wurde am Montag begonnen.

Offenbach, 27. Juni. Ein schwerer Unfall eignete sich im nahen Froschhausen. Ein Landwick fuhr mit seinem mit Klee beladenen Wagen in den Hof. Als ine auf dem Wagen sitzende Frau und Tochter von dem Wagen absteigen wollten, zogen die Kühe an und Frau und Tochter stürzten ab. Während das Mädchen mit dem Schrecken davonkam, blieb die Frau tot am Platze.

Es wird Zeit,

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