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Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 2Rt, vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig-
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk.
Erscheint
jeden Werktag früh. — Die „Humoristischen Blätter^ liegen wöchentlich einmal gratis bei. — Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung ober Rücksendung nich t verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin SU ein & Cito Fischer.
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberhestens
Expedition: Seltersweg 83
(Haus Brüder Schmidt.)
Anzeigenpreis 15 pfg.
die 44 mm breite Pctitzeilc oder deren Raum, ausivnrls 20 Pfg.; die 90 mm breite Pelitzeile im Rekla m ereil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50" o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Überschreitung des Zahlungs- Zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.
Gcsamtlcituttg: Albin Klein.
Nr. 24. (2. Klatt)
Samstag dm 28. Januar 1911 T elephon: Nr. 362.
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mebr Mittelpartei.
Zu diesem Thema erhält die „südd. nationalliberale Korrespondenz" nachstehende Ausführungen von norddeutscher nationalliberaler Seite, die um so bemerkenswerter sind, als sie aus des Rechtsliberalismus bisher nicht suspekten Kreisen stammen:
„Mit Nachdruck ist in Kassel von allen Seiten betont worden, daß sestgehalten werden solle an dem traditionellen Charakter der nationalliberalen Partei als einer Mittelpartei, unabhängig gegen rechts wie gegen links. Und unzählige Male ist das draußen im Lande von Parlamentariern und anderen berufenen und unberufenen Leuten weiterkolportiert worden. Aber auch hier kann man erfahren, daß das Eoethewort von der grauen Theorie noch immer gilt und sich die Dinge in praxi ein wenig anders gestalten. Herr Träger meinte in seiner Glossierung des Kasseler Parteitages im „Berliner Tageblatt", ein Engagement zum Schunkelwalzer müsse der Freisinn ablehnen. Nun, seines Herzens Sehnen scheint sich zu er- fillen, das Sehnen nach dem Marschieren in gleichem Schritt und Tritt. Ueberall, wohin man sieht, sucht die nationalliberale Parteileitung Anschluß nach links, überall findet eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Parteien statt, so zwar, daß die na 1 io - nalliberale die Arbeit leistet und der Freisinn den Segen einheim st. Nicht als ob das Zusammengehen mit der Linken a tout prix zu verurteilen wäre, aber man bedenke doch auch hier, daß wir eine Mittelpartei sind, die ihre Front ändert, wenn sie einzig und allein nach links gravitiert. Diese enge Liaison ist einfach nicht mit den in Kassel betonten Grundsätzen vereinbar. Sie geht davon aus, die gesamte Rechte bewußter Weise zu ignorieren, die Gegensätze noch zu verschärfen, die ganze Partei einen Ruck nach links tun zu lassen. Wir verstehen unter einer Mittelpartei eine, die vermitteln will zwischen rechts und links, die das Vakuum ausfüllen will, das sonst zwischen den beiden großen entgegengesetzten Richtungen bestände, die daher aber auch Vertreter haben muß, die sich an die Rechte, wie solche, die sich an die Linke in ihren Anschauungen anlehnen. Und die in
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nach Wetzlar
Eines Tages erhielt ich einen Brief, der mich gewaltig aus dem seelischen Gleichgewicht brachte. Er fing an: „Schon seit langer Zeit verfolge ich mit dem gröh- 1m Interesse Ihre publizistische Tätigkeit. Sie sind der geborene Journalist! Vertauschen Sie den Lehrstuhl
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mit der Feder ! Je eher, je besser !" Der Rat war gut, die Ausführung schwer. Iournalistenlos! Ich kenne die Sache! Aber nach langem Hin- und Herüberlegen niste dennoch der Entschluß: Ich wag's!
Ich entschloß mich, nach dem Südwesten Deutsch - lands gehen, und zwar sollte die gute alte Stadt Dehlar der Mittelpunkt meiner ersten beruflichen jour- Mlistischen Tätigkeit werden. Um schon in der Heimat etwas Fühlung mit den noch unbekannten Verhältnissen zu gewinnen, revidierte ich meine geographischen und geschichtlichen Kenntnisse; aber trotz scharfen Grübelns Dollte außer einigen historischen Ereignissen aus Wetzlars Vergangenheit nichts über die Schwelle des Bewußtseins steigen. Dem sollte aber schnell abgeholfen werben. Aus dem Bücherschrank winkten mir in schmu- den Einbänden, tadellos ausgerichtet wie Soldaten auf dem Ererzierplatz, die einzelnen Teile von Meyers Kon- versations-Lerikon hilfreich entgegen. Band Nr. 17. Aach kurzem Hin- und Herblättern war das Gewünschte schnell gefunden: Wetzlar, Kreisstadt, 145 Mir. ü. d. Meeresspiegel, hat ein Gymnasium, Amtsgericht, zwei Lberförstereien, 3 optische Institute, Wollspinnerei, Hand- schuhfabriken, ein Walzwerk, und so ging es noch eine , halbe Spalte in monotoner Weise weiter. Meine hung- I rige Seele verlangte mehr: Fleisch, Blut, Leben Nicht trockene Aufzählungen! Und so suchte ich mir im ©ei|te das Fehlende auszumalen. Herrliches Lahntal. ^mmi dieser einzige Begriff zauberte tausend farbenfrohe Bilder vor mein geistiges Auge: Im Tale das lieblich gewundene Silberband der Lahn, zu beiden Setten bewaldete Höhen mit malerischen Rundblicken zu Fußen das schmucke Städtchen mit seiner bienenfleißigen Bevölkerung, dort fruchtbares Ackerfeld. . . .. .
Jedoch nun in die rauhe Wirklichkeit Zurück Klatt sitzend schlugen die Regentropfen gegen die Fensterschei-
schuldiger Rücksichtnahme auf diese ihre Zusammensetzung nicht einfach der Rechten den Rücken wenden kann und nur noch Geschäfte mit der Linken machen, und ebensowenig umgekehrt. Aber die Dinge, wie sie sich jetzt vorbereiten, und die aus eine regelrechteJsolierung aller rechts- st ehenden Gruppen herauslaufen, sie bedeuten eine Verletzung dieser schuldigen Rücksichtnahme, eine Brüskierung der ihrer Art und Provenienz nach den zu isolierenden Gruppen nahe st ehenden Parteifreunde. Nun geht man immer wieder krebsen mit dem Gezeter über die Finanz-Reform, über die Fehler, die die konservative Politik gemacht hat. Gegenüber der Aufforderung zur Versöhnung wird immer gesagt, damit sei nicht gebient, daß-man sich nun wieder die Hände reiche, erst müsse man eine Besserung sehen können, erst müßten die Fehler abgeändert, die Mißstände beseitigt sein. Was man sich dabei wohl so denkt. Die nationalliberale Partei soll also noch solange in dem rühmlich st bewährten Schmollwinkel stehen bleiben, bis die Konservativen in reumütiger Zerknirschung dem ehemaligen Blockgenossen die gebührende Genugtuung gegeben haben, vielleicht durch Annahme der Erbschaftssteuer oder etwas Aehnliches. Die nationalliberale Partei soll also auch fernerhin ihre vermittelnde Tätigkeit darin sehen, daß sie sich gemeinsam mit demFreisinn in die Ecke stellt und von der Schlechtigkeit der übrigen politischen Welt nichts sehen will. Es hat Zeiten gegeben, wo solch kindlicheAnsichten kaum e i n e n V e r- fechter in der Partei gefunden hätten. Und daswaren nicht die schlechte st e n Z e i- t e n.
Aber schließlich ist auch das Theorie und die Sache wäre immerhin noch verständlich, wenn in der Praxis etwas für die Partei herausspränge. Wie wenig gangbar aber der Weg des ausschließlichen Anlehens nach links ist, wie schwach die Hilfe, die unserer Partei von dort erwachsen kann, davon, möchten wir vermeinen, Haber wir schon Proben gehabt. Im Jahre 1908, vor den preuhi-
I ben, und ein scharfer Wind pfiff draußen seine grausen I Melodien. Unter diesem furioso der Natur suchte ich Königs Kursbuch — selbstverständlich neueste Auslage — aus dem Schreibtisch hervor, studierte Abfahrls- und Ankunftszeiten, Anschlüsse, die Anzahl der Kilometer und stellte statistische Berechnungen über den Fahrpreis an. Die Bilanz, die sich mir nach wenigen Minuten repräsentierte, hatte ein verteufelt schlechtes Aussehen 1 14 Stunden Bahnfahrt, 2 Stunden Wartezeit auf den verschiedenen Bahnhöfen, fast ein halbes Dutzend mal Umsteigen, dazu zwei dickleibige Koffer und ein weiteres Paket, in dem weibliche Fürsorge und Sparsamkeit allerhand schöne Sachen für den „ersten Angriff" auf der weiten Reise verpackt hatte. Die Perspektiven für eine „angenehme" Körpermassage standen also nicht schlecht!
Am übernächsten Tage wurde nach herzlichem Abschied von den teuren Familienmitgliedern die Reise angetreten. Nur dem verwöhnten Liebling des Hauses konnte ich nicht mehr in die Aeuglein schauen. In süßem Schlummer lag er bei der Abschiedsstunde noch in seinem warmen, molligen Bettchen und streckte behaglich seine kleinen Aermchen über die schneeige Decke. Ein Kuß auf die rundlichen Patschhändchen, ein liebevoller Blick über die kleine süße Gestalt und dann eilige Plazierung auf dem schon bereitstehenden Wagen, einem flotten Einspänner, der mich nach der 10 Kilometer entfernten Bahnstation bringen sollte.
Das Wetter hatte sich völlig geändert. In der ganzen vergangenen Woche hatten Wind und Regen das Szepter geschwungen — Schnee hat die norddeutsche Tiefebene fast noch garnicht gesehen — und heute lachender Sonnenschein! E'n ^r'iblingsahnen^ ging burch die schlummernde Natur. ^n leiser Nachtfrost hatte dre schmutzigen Wasserlachen aus Weg und Steg erstarren lassen- auf den Feldern lag ein zarter we,her Schierer, der aber unter dem belebenden Blick der warmen Sonne bald verschwand, und sieghaft drängte sich das frische Grün der Wintersaaten in den Vordergrund. In kurzer Zeit hatten wir die Station erreicht. Nachdem die,^uo- li*en Formalitäten" erledigt waren, brauste der Zug heran, ein kurzes knarrendes Geräusch, der ersengepan-
schen Landtagswahlen war die Lage ähnlich. Auch damals warnten einsichtige Leute, die die Stimmung richtig einschätzten, nachdrücklich vor der einseitigen Frontnahme gegen rechts, der Erfolg gzab ihnen recht, denn um 1 3 Mandate ge - schwächt kehrte die Land 1 a gssrak 1 ion zurück. Damals glaubte man in der Wahlreform eine auf die Massen wirkende Wahlparole gefunden zu haben und mußte erleben, daß sie keinen Hund hinter dem Ofen vorlockte. Heute wird genau derselbe Fehler gemacht; man glaubt mit einer Steuerparole wirken zu können und wird freilich zu spät einsehen, daß Steuerfragen anders als gehofft auf die Massen wirken.
Man treibe doch ein klein wenig auch praktische Politik. Auch bei den nächsten Wahlen wird der liebe Gott mit den stärksten Bataillonen sein, und d i e sind nicht bei der Linken. Man wird immerhin annehmen dürfen, daß der Zuwachs, den die Sozialdemokratie erfahren wird, in erster Linie ihr aus den benachbarten Reihen kommt. Und was von rechts absplittert, was dort seiner Verärgerung Lust machen will, das wird auch in 9 von 10 Fällen nicht dem Liberalismus, sondern den extremsten Radikalen zu gute kommen. Es ist in der Beziehung zweifellos ein Fehler gewesen, die Finanzreform agitatorisch auszuschlachten, wie es vielfach geschehen ist; dem Liberalismus ist keine Stärkung daraus geworden. Und überdies hat d i e A u s- schlachlung der Finanzreform zumTeil zu einer Unaufrichtigkeit und Unwahrhaftigkeil der Agitation geführt, die zwar den meisten garnicht bewußt, die aber deshalb nicht minder zu bedauern i st. Und durch rückschauendes Lamento ist noch nie etwas gebessert worden. In diesem Fall verschlechtert es sogar insofern, als es die Möglichkeit der Heraufführung besserer Verhältnisse erschwert, indem der Antagonismus zwischen rechts und links immer wieder aufs neue betont wird. Wenn diese Politik der Verärgerung noch lange getrieben werden soll, dann schadet sich die nationallib.
zerte Renner hielt, die Kupeelüren wurden aufgerissen und schnell verstaute ich mich in ein Nichtraucherkupee. Von Uelzen benutzte ich den D-Zug. In sausender Fahrt ging es durch die mit intimen Reizen ausge- stattete Lüneburger Heide. Grohe braune Heideflächen, die durch die trockenen Blüten einen rötlichen Unterton erhielten, wechselten mit geschlossenen Kiefernwaldungen ab, zwischen die sich ab und zu die weißstämmige Birke drängt. Dort eine kahle Fläche mit einer gelblichen Nu-
ance. Der „Bocksbart" hatte hier
Hannover war bald erreicht, änderte sich. Fruchtbares, ebenes zu beiden Seiten der Eisenbahn.
die bestimmende Note.
Das Landschastsbild Ackerland erstreckte sich
Von Brüggen bis
Ahlseld bot sich dem Auge ein wundervolles Panorama: im Vordergründe die Leine, dahinter in fast regelmäßigen Abständen 8—10 imposante, mit Buchen bewaldete Bergkuppen, welche durch die sinkende Sonne wirkungsvoll beleuchtet wurden. Von Göttingen ab fuhr ich allein. Es fing an langweilig zu werden, da wegen der immer mehr zunehmenden Dunkelheit wenig zu sehen war. Nebelhaft, in verschwommenen Umrissen, tauchten die Ausläufer des Harzes aus der Ferne auf. —
Frische Impulse erfuhr der Verkehr durch das Zusteigen zweier Ausländer. Wie ich erfuhr, waren es Dänen. Der eine erregte mein besonderes Interesse. Da sein Handkoffer zum Verpacken seiner ganzen Habe wohl nicht ausreichte, hatte der Pfiffikus einen originellen Ausweg gefunden. Seine anscheinend neuesten Anzüge hatte er beide übereinander gezogen und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Einmal verschonte er die Kleidungsstücke vor den infamen Quetschfalten, zum anderen seine Geldbörse vor einer unliebsamen Ausgabe. Sollte sich diese Beförderungsweisein Deutschland einbürgern; dann ginge mancher Koffersa- brikant schweren Zeiten entgegen 1
Nach einer Viertelstunde war Gießen erreicht. Da der Körper von der langen Fahrt sehr angestrengt war, so beschloß ich, erst am anderen Tage nach Wetzlar zu fahren. Welche Eindrücke ich dort beim ersten Aulentt I hatt empfing, darüber werde ich später berichten. -ck-