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Hretzener Bettung

Bejugspreis 50 Pfg. monatlich oierteljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierieljährlich 1,20 Mk. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die ^Jlluftr. Weltruudschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: SelterSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag derGießener Zeitung" E. m. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

Behörden Gberheffens

Expedition: Seltersweg 85.

(Haus Brüder Schmidt.)

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Nr. 12,3

Telephon: Nr. 362.

Samstag, den 27. Mai 1911

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Das Privatbeamten Versicherungs- Gesetz

Der Entwurf des Privatbeamten-Versicherungs-Ge- setzes ist im Reichstag an die Abgeordneten verteilt wor­den. Der Inhalt seiner 389 Paragraphen ist im wesent­lichen von der früheren Veröffentlichung bereits bekannt neu sind nur die Bestimmungen über die Ersatz- kassen.

In der Begründung der Vorlage wird hinsichtlich dieser Ersatzkafsen betont, daß den weitergehen­den Wünschen auf Zulassung von Pensionseinrichtun­gen als Ersatzkassen nur insoweit entgegengekommen werden könne, als nicht die Interessen der Allgemein­heit geschädigt werden. Die Zulassung müsse auf solche Einrichtungen beschränkt werden, die bei Verkündung des Gesetzes bereits bestehen. Wollte man weiter gehen, so würde dadurch der Reichsversicherungsanstalt eine schwere Schädigung zugesügt werden. Die Interessen der Allgemeinheit würden weiterhin geschädigt werden, wenn den bereits bestehenden Kassen zugestanden würde, daß sie eine Risikenauswahl treffen können.

Im übrigen sind Bestimmungen getroffen, die die Freizügigkeit im Umfang der reichsgesetzlichen Leistungen nach dem Inkrafttreten des Gesetzes sichern. Zu diesem Zweck wird vorgeschrieben, daß bei Berech­nung der Wartezeit, des Ruhegeldes und der Renten für den reichsgesetzlichen Anspruch die nach dem In­krafttreten des Gesetzes bei Ersatzkassen und bei der Reichsversicherungsanstall zurückgelegte Beitragszeit an­gerechnet wird. War der Versicherte bis zum Eintritt des Versicherunjgsfalls immer bei derselben Ersatzkasse versichert, so kommt die Reichsversicherungsanstalt weder für die Festsetzung, noch für die Zahlungen der Leist­ungen in Frage. Beide richten sich alsdann nach der Kassensetzung. Der Entwurf nimmt im Gegensatz zum österreichischen Gesetz davon Abstand, beim Uebertritt von einer Ersatzkasse zu einer anderen oder zur Reichsver­sicherungsanstalt oder umgekehrt, einen Ausgleich durch Ueberweisung der zur Deckung des Anspruchs rechne­risch erforderlichen Prämienreserve herbeizuführen. Der Entwurf schreibt vielmehr vor, daß jede Ersatzkasse beim Austritt eines Kassenmitgliedes der Reichsversicherungs­anstalt eine Bescheinigung zu übersenden hat, die über die Dauer der Mitgliedschaft bei Inkrafttreten des Ge­setzes und über die Gehaltsklassen Auskunft gibt, in die das Mitglied während dieser Mitgliedschaft einzureihen gewesen wäre. Diese Bescheinigung soll dazu dienen, beim Eintritt des reichsgesetzlichen Versicherungssalles die reichsgesetzlichen Leistungen und den Anteil festzu­setzen, den hiervon die beteiligten Ersatzkassen zu tragen haben.

Reicbstagswablvorbereitungen.

Oldenburg, 26. Mai. Der geschästssüh- rende Ausschuß der nationalliberalen Partei hatten an Landgerichtsdirektor Erk als den Vorsitzenden der na- tionalliberalen Partei Oldenburgs das dringende Ersu­chen gerichtet, in den oldenburgischen Wahlkreisen 1 und 2 aus eigene nationalliberale Kandidaturen zu ver­zichten und so in Wahrung des Besitzstandes der Fortschrittlichen Volkspariei derselben die Wahlkreise zu überlassen. Trotzdem hat jetzt die nationalliberale Par­tei in Oldenburg beschlossen, an der bisherigen Stel­lungnahme festzuhalten. Es bleibt sonach für den ersten oldenburgischen Wahlkreis (Oldenburg, Birkenfeld und Lübeck) bei den nationalliberalen Kandidaten Dr. Stöver.

Hus Stadt und Cand.

Gießen, den 27. Mai.

* D i e e r st e Ballonfahrt des neu begrün­deten Gießener Luftschifsahrtsverein fand heute statt. Gegen 9 Uhr erhob sich der BallonM a r b u r g" un­ter Führung eines Marburger Herrn und flog in west­licher Richtung davon. Drei Gießener Herren fuhren als Passagiere mit.

* Als Lehrer der 1. Klasse der S 1 a d t Mäd­chen s ch u l e wurde Johannes Reul aus Annerod vom Stadtvorstand bestätigt.

Die 21. Hauptversammlung des B u n- des Deutscher Bodenresormer sindet vom 4. bis 7. Juni in der Vortragshalle der Internationa­len Hygiene-Ausstellung in Dresden statt.

Die diesjährige G e n e r a l st a b s r e i s e des 18. Armeekorps wird unter Leitung des Chefs des Generalstabs des 18. Armeekorps, Oberst v. Hofacker,

in der Zeit vom 7. bis 20. Juni d. Is. erfolgen. Das Kommando wird in einer ungefähren Stärke von 30 Offizieren, 3 Unteroffizieren, 45 Gemeinen und 50 Pfer­den ausrücken, und die Kreise Hanau, Gelnhausen, Marburg und Biedenkopf berühren.

Unsere gestrige Plauderei über den Ausflug nach dem Dünsberg hat einen entschlos­senen Liebhaber gefunden. Mit einem Messer war der Bericht am Aushängebrett gegen Abend abgetrennt wor­den. Wir verzeihen dem Uebeltäter die Schuld und hof­fen, daß'ihm in der Nacht die Verdauung des Lese­stoffes keine schweren Träume verursacht hat.

* Das Programm des Hansa-Tages. Der am 12. Juni 1911 im Sportpalast in Berlin stalt- ftndende Hansatag beginnt um 2 Uhr nachmittags. Der Vorsitzende des Präsidiums des Hansa-Bundes, Geh. ^ustizrat Professor Dr. Riesser, wird die einleitenden und Schlußworte sprechen. Als Referenten sind die Ab­geordneten Kaemps, Dr. Stresemann und Rahardt ge­wonnen worden. Am Abend wird für die Mitglieder und Freunde des Hansa-Bundes im Landes-Ausstel­lungspark eine gesellige Zusammenkunft veranstaltet.

* Die Sektionsversammlung der V a u- g e w e r k s - B e r u f s g e n o s s e n s ch a s t, Sektion 6, Gießen, findet morgen nachmittag 2 Uhr im Hotel zum Goßberg in Frankenberg statt. Wad) der Tagung wirb eine Wagensahrt nach der Edertalsperre unternommen.

Eine furchtbare Hitzwelle macht sich in den Vereinigten Staaten bemerkbar. Erfahrungsge­mäß trifft in solchen Fällen die Erscheinung etwa 14 Tage später meist auch in Europa ein.

* Der Saaten st and. Mitte Mai war der Stand der Getreidearten laut amtlicher Mitteilung im Durchschnitt ein guter. Sowohl Weizen und Spelz, als auch Roggen, Gerste und Hafer, standen über Mittel. Ebenso Klee und Wiesen. Während der Monate April bis Mitte Mai war das Wetter im ganzen Reiche vor­wiegend trocken und warm, zeitweise sogar sommerlich heiß. Die strichweisen Gewitterregen genügten meist nicht, um den Pflanzen die für ein freudiges Wachs­tum nötige Feuchtigkeit zuzuführen. Für die Durchfüh­rung der Frühjahrsbestellung erwies sich die Witterung sehr förderlich. Der Mäuseplage wurde in manchen Ge­genden durch Gift und Fallen einiger Abbruch getan, vielerorts herrscht sie noch ungemindert weiter. Die we­niger auf eigentliche Winterschäden als auf Frühjahrs- sröste und Mäusefraß zurückzuführenden Umpflügungen nahmen in verschiedenen Gebieten, besonders in Mittel­und Süddeutschland, einen recht bedeutenden Umfang an. Die Wintersaaten haben sich in manchen Gegenden kräftig entwickelt, in vielen anderen lassen sie, vor allem die späteren Saaten, manches zu wünschen übrig. Som- werhalmsrüchte waren Mitte Mai erst zum Teil ausge­laufen. Die Kartoffeln sind im weitaus größten Teil noch nicht ausgegangen, die Errechnung einet Reichs - note muhte daher unterbleiben. Der Stand von Klee und Luzerne findet trotz der warmen Witterung größ­tenteils keine besonders günstige Beurteilung. April- fröste, vor allem der starke Mäusefraß, führten vielfach zu Umpflügungen oder zu einem lückenhaften Bestände. Die Begulachtungsziffern von beiden Wiesenarten sind fast allgemein wesentlich günstiger als im Vormonat.

* * Ehrung der bei Frohnhofen ge­fallenen Hessen. Die Zweigvereine Offenbach und Hanau vom Vogelsberger Höhenklub kamen am Himmelsahrtstage auf einer Spessartwanderung durch die Rückersbacher Schlucht über Johannesberg nach Frohnhofen. Der Vorsitzende des V. H.-El.-Hanau, 'H. H e u s o h n, hielt einen ausführlichen Vortrag über die Gefechte bei Frohnhofen und Laufach, worauf der Offenbacher Vorsitzende, Lehrer Dern, im Namen der beiden Zweigvereine einen Kranz mit entsprechender Widmung an dem Hessendenkmal niederlegte und dabei der tapferen Gefallenen ehrend gedachte. Auch ein Ver­treter von Büdingen legte einen frischen Eichenkranz nie­der. Ein PistonsoloDas Gebet", schloß die einfache, aber würdige Feier, die den Beweis erbrachte, daß Wan­derungen durch die Natur mit der Pflege der Heimat- liebe und Heimatgeschichte in harmonischster Weise ver­bunden werden können.

- r- Bettenhausen, 26. Mai. In unserem Orte findet am 16. und 17. Juli das oberhessische Bauern- und Volksfest statt. Die Vorbereitun­gen hierzu sind im vollen Gange und dürfte sich die­ses Fest den vorhergegangenen Bauernfesten würdig an­reihen. Bettenhausen ist von der Station Langsdorf in 20 Minuten, von Station Muschenheim in einer hal­

den Stunde und von der Station Obbornhosen Bel lersheim in dreiviertel Stunden zu erreichen.

Friedberg, 26. Mai. Die Renovationsar- beiten des durch das B o m b e n a 1 t e n 1 a t beschä­digten Friedberger Rathauses sind jetzt abgeschlos­sen worden. Die Fenster sind wiederum in altdeutschen! Geschmack ausgesührt. Die Schrift der Erinnerungsta­fel an den Besuch des Kaisers Wilhelm 1. am 11. Sep­tember 1874 hat eine Auffrischung erhalten. Das über dem Eingang angebrachte städtische Wappen ist ebenfalls ausgebessert worden.

- k- Grebenhain, 26. Mai. In Nieder-Moos wurden die Veteranen P. Dahmer, Johs. Prang, Gg. Dickel und G. Beyer zu Ehrenmitgliedern des dortigen Kriegervereins ernannt.

- k- M e r k e n f r i tz, 26. Mai. Der hiesige Ort ent­wickelt sich nun ebenfalls zu einem Industrieort, da ne­ben dem im vorigen Jahr angelegten Steinbruch (Unternehmer Zipf von Gelnhausen) nun auch der Un­ternehmer Krebs von Offenbach ein zweites Basalt- werk angelegt hat. Der Basalt ist von ausgezeichneter Güte. Da sich der hiesige Bahnhof im Lause der Jahre für den Güterverkehr als zu klein erwiesen hat, so ist eine Erweiterung desselben vorgesehen.

- k- O r t e n b e r g, 26. Mai. Die Spar- und Dar­lehenskasse zu Ober-Seemen hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab. Der Reingewinn vom abge- lausenen Geschäftsjahr betrug 1400 Mk. Es werden 6 Prozent Dividende verteilt. Der Gesangverein zu B obenhausen seiert am 25. und 26. Juni seine Fahnenweihe.

- k- O r 1 e n b e r g, 26. Mai. In unserem Rachbar- dorse Eckartsborn brütete die Henne eines dortigen Land­wirts ein Hühnchen aus, daß vier Flügel und vier Beine hatte.

* ) Büdingen, 25. Mai. Für den hiesigen Be­zirk wurde zu der bevorstehenden Landtagswahl von der Wirtschaftlichen Vereinigung der seitherige Abg. Bähr wieder ausgestellt. Außerdem werden als Kandidaten genannt Oekonomierat Andrae- Büdingen und Pfar­rer Len z-Rohrbach.

- w- Weilburg, 26. Mai. Die Vorstände des Ro­ten Kreuzes und des Vaterländischen Frauenvereins be­schlossen, der vom Zentralvorstand des Roten Kreuzes in Berlin gegebenen Anregung zur Abhaltung eines Kornblumentages am 16. Juni, dem Tage des Einzuges der Truppen in Berlin, nachzukommen. Da der 16. Juni aber auf einen Werktag fällt, so be­stimmte man Sonntag, den 11. Juni als Kornblumen­tag.

- l- Limburg, 26. Mai. Zwei gefährliche E i n= brecher sind aus dem Zentralgefängnis bei Freien­diez entwichen. Sie nahmen ihren Weg nach Lim­burg und der Lahn zu. Als ihnen ihre Verfolger auf den Fersen waren, durchschwammen sie die Lahn und entkamen dann in der Richtung auf W e i l b u r g zu in dem hochstehenden Getreide.

- )(- Diez, 27. Mai. Im benachbarten Nieder­neisen fiel der 43 Jahre alte Wilhelm Diehl beim Futterholen von einer Heiter, wobei er das Rückgrat brach. Er hinterläßt Frau und sieben Kinder.

- r- F r a n k s u r 1, 27. Mai. Frhr. v. Wechmar, Oberst und Kommandeur des Husarenregiments Kaiser Nikolaus 2. von Rußland (1. Westfäl.) Nr. 8, wurde mit der Führung der 21. Kavalleriebrigade beauftragt.

- m- Frankfurt, 26. Mai. Hier fand im Kauf­männischen Verein der Verbandstag hessen-nassauischer gewerblicher Genossenschaften statt. Nach dem vom Vor­sitzenden Topp-Franksurt erstatteten Geschäftsbericht zählt der Verband 24 Genossenschaften. Regierungsrat Dr. v. Conta-Wiesbaden teilte mit, daß der Minister dem Ver­band eine einmalige Staatsbeihilfe von 800 Mark be­willigt hat. Eine längere Debatte entstand über die Frage der Vergebung von Arbeiten der Staats- und Kommunalbehörden an Genossenschafts­mitglieder. Es sind Fälle vorgekommen, daß Behörden Handwerker nicht berücksichtigten, weil sie der Genossen­schaft angehörten. So läßt die hiesige Justizbehörde ihre Vuchbinderarbeiten in einer Strafanstalt bei Breslau Herstellen. Regierungsrat Dr. v. Conta empfahl in Fäl­len, in denen man glaube, daß durch Behörden zu Un­recht die Interessen der Genossenschafter nicht beachtet wurden, sich an die vorgesetzte Behörde oder an den Regierungspräsidenten zu wenden. Nachdem die Wah­len vorgenommen waren, hielt zum Schluß Direktor Korthaus-Berlin einen Vortrag über genossenschaftliche Fragen.