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Hietzener Jettung

Bejugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgcholt in unserer Expedition oder in den Zweig-

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk.

Erscheint

jeden Werktag früh. Die ^Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein & Otto Fischer.

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei sowie vieler anderer^

!|^ des Großherzoglichen

Polizei-Amtes P Behörden Gberhessens

Expedition: Selters weg 83

lHaus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50° o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung desZahlungö- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plapvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Gesamtleitung: Albin Klein.

Nr. 22. Tele phon: Nr. 362. Donnerstag den 26. Januar 1911

Telephon: Nr. 362. 23. Jahr«.

Kaisers Geburtstag

Kaiser Wilhelm vollendet morgen sein 52. Lebens­jahr. Ueberall in deutschen Landen herrscht froher Ju- bei; überall steigen Lob- und Danklieder, aber auch herz­liche Fürbitten empor zum Herrn aller Herren, dem Kö­nig aller Könige. Alles, was den deutschen Namen trägt, kennt nur den einen Wunsch:Vater, kröne Du mit Segen unseren Kaiser und sein Haus!"

Den Geburtstag unseres Kaisers zu feiern, ist das Recht des deutschen Volkes. Kaiser Wilhelm lebt in seinem Volke, sein ganzes Tun gipfelt in dem reinen Streben, den von seinen erlauchten Vorfahren überkom­menen Thron als Quell des reichsten Segens für sein Volk zu erhalten. Es ist darum wahrlich keine patriar­chalische Romantik, wenn das Volk in Liebe zu seinem Kaiser ausblickt. Nein, es ist ein tiesbegründetes Soli- daritätsgefühl zwischen der Nation und ihrem Ober­haupte, es ist die tiefe Ehrfurcht vor einem Leben, das frei und offen im Dienste des Vaterlandes sich redlich abmüht. Die Liebe, welche auf solcher Grundlage be­ruht, gereicht jedem Volke zur Ehre, und fest wird un­sere Nation auf eigenen Füßen stehen, solange es von solch wahrer Pietät erfüllt ist. Dieser ernste Gedanke wird morgen bei jeder Festfeier Mitschwingen, sei es, daß sich treue Herzen zum Gebete für des Kaisers Le­ben in Kirche und schule vereinen, sei es, daß sie sich nach des Tages Last und Mühen bei Gesang und Be­cherklang im weiten, geschmückten Saal zusammenfinden. Hoffnungsvoll wollen wir darum mit mutigem Herzen der dunklen Zukunft entgegenschauen, und was für Wol­ken am politischen Horizont sich bilden mögen:Wir Deutsche stehen treu zu Kaiser und Reich!" O. H.

Lokal -Nachrichten.

Gießen, den 26. Januar.

(*) Gießen. Die Nachwahl für unseren jetzt verwaisten Reichstagswahlkreis wird voraussichtlich Anfang März stattfinden.

-o- Gieße n, 24. Jan. Am Sonntag fand im Case Ebel die Generalversammlung de Ge­flügel- und Vogelzuchtvereins Gießen und Umgegend statt. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand der Bericht des Vereinsvorsitzenden über die Vorbereit­ungen der 5. Landesaus stellung hessischer Geflügelzüchter, die vom 11.13. März unter dem Protektorate des Großherzogs stattfindet. Das Mi­nisterium hat dem Verein eine Lotterie mit 10 000 Lo­sen freigegeben, deren Ausgabe in den nächsten Tagen beginnt. Wertvolle Ehrenpreise kommen zur Verteilung, u. a. ein silberner Frühstückskorb, gestiftet vom Protek­tor der Ausstellung, rc. Der Jahresbericht wies einen Bestand von 130 Mitgliedern auf.

-o- Gießen, 25. Jan. ImEinhorn-Hotel" fand am Montag nachmittag eine öffentliche Versamm­lung des Vereins der G a ft wirte statt, um ge­gen die durch Sperrung der Märk,e hervorgerufene Schä­digung der interessierten Kreise Stellung zu nehmen. In der lebhaften Debatte wurde betont, daß der Ausfall, den nicht nur die Gastwirte, sondern auch andere ge­werbliche Berufsstände von dem Verbot hätten, nicht zu gering zu veranschlagen sei. Eine ungefähre Ein­nahme von 252C.30 000 Mk., welcher jeder Markt der Stadt brächte, ginge verloren, und wenn das Markt­verbot in dieser schroffen Form weiter aufrecht erhalten werde, würde mancher Geschäftsmann vor dem Ruin stehen. Da Preußen die Märkte nicht gleichzeitig ge­sperrt habe, so sei die Steuerkraft dieses Staates auf Kosten der hessischen Bevölkerung gestärkt. Die in der Versammlung anwesenden Stadtverordneten machten der Versammlung die erfreuliche Mitteilung, daß die Markl­kommission die fragliche Angelegenheit schon eingehend behandelt habe, um eine Milderung der strengen Vor­schriften herbeizuführen. Es wurde darauf eine Resolu­tion gefaßt, in einer Eingabe das Ministerium zu er­suchen, den hiesigen Markt wenigstens für seuchensreies oberhessisches Vieh zu öffnen und Sperrungen in Zu­kunft nur von Fall zu Fall vorzunehmen.

(*) Gießen. Schlossermeister Hansel hat aus der internationalen landwirtschaftlichen Ausstellung in Buenos-Aires für seine forstwirtschaftlichen Maschinen einen 2. Preis erhalten.

-kp- Po st dien st an Kaisers Geburtstag. Wie uns mitgeteilt wird, sind am 27. Januar, Kaisers Geburtstag, die Postschalter nur in demselben Umfange wie an Sonntagen geöffnet, auch findet nur eine Brief­bestellung und keine Paket- und Geldbestellung statt. Te­legramme werden von 18 Uhr nachmittags auch beim Postamt 2 angenommen.

* Kommunalbeamte als Wahl-Agi­tatoren. Das Oberverwaltungsgericht hatte sich mit der recht umstrittenen Frage zu beschäftigen, ob Beamte, Bürgermeister 2c. Wahlagitation treiben dürfen. Nach

Ansicht des Oberverwaltungsgerichts dürfen Bürgermei­ster und Beamte ebenso wie andere Personen Wahl­agitation treiben und auf das Zustandekom­men von Wahlen hinwirken, welche nach seiner Ansicht günstig sind. Unzulässig ist nach Ansicht des Oberver­waltungsgerichts eine Wahlbeeinfluffung dann, wenn sie auch einen festen Mann zum Wanken bringen kann.

* Wetzlar, 24. Jan. Die Stimmen für und wi­der zum Bau einer Eisenbahn nach Hohensolms-Gla- denbach-Viedenkopf haben bei anderen Bewohnern un­seres Kreises auch den vielleicht berechtigten Wunsch aus­kommen lassen, die Bahn noch weiter ins Auge zu fas­sen. Es wäre außerordentlich wichtig, wenn ein An­schluß nach Frankenberg und Biedenkopf-Bestwig, der Endstation der Köln-Kasseler Linie erreicht würde.

-e- Ein Evangelischer P r e ß v e r b a n d für Deutschland ist vor kurzem ins Leben getreten. Er setzt sich zum Ziele, in der Presse,dem gewaltigen Kanzelredner, dem großen Prediger unserer Zeit", wie sie Rosegger nennt, evangelisch-christliche Weltanschauung in weitgehender und nachdrücklicher Weise zu vertreten und möglichst alle schon bestehenden Bestrebungen glei­cher Art zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuschließen. Die in Berlin unter dem Vorsitz Sr. Erzellenz des Ad­mirals a la suite des Seeoffizierkorps Büchse! ge­schaffene Zentrale, der zurzeit 42 Provinzialpreßverbände und Vereine angehören, will in voller Unabhängigkeit der deutschen Presse zu dienen suchen durch schnelle, um­fassende und zuverlässige Berichterstattung über die Le­bensäußerungen der evangelischen Kirche, sowie durch Darbietung sachkundiger Erörterungen im Sinne evan­gelischer Weltanschauung über aktuelle Fragen, wie so­zial-ethische Probleme,! Frauen-Frage, literarische Erschein­ungen, Kunst, Theater, Sittlichkeit, Alkohol, Wohnungs­frage 2c. Geschäftsführer des Preßverbandes ist Direk­tor Wilhelm Spiecker, Berlin-Steglitz, Hohenzollern- straße 7.

( *) Wetzlar. Der Winkler'sche Waisensond hatte am 31. Dezember 1910 einen Kassenbestand von 544,42 Mark. Die Einnahmen in 1910 betrugen 12 078,99 M. und die Ausgaben 11 534,57 Mk. Für die Waisenver­pflegung wurden einschließlich Schulgelder 2C., Schnei­derei, Schuhmacherei 2C. 4740,68 Mk. ausgegeben.

(*) Wetzlar. Die Diensträume des Landrats - amtesamtes, der Steuerverwaltung, der Kreissparkasse, des Kreisbaumeisters und die der Stadtverwaltung sind morgen an Kaisers Geburtstag geschlossen. Nur das Standesamt ist von 1112 Uhr vormittags ge­öffnet.

)( M ü n ch h o l z h a u s e n, 26. Januar. Ein junger Mann, der öfters den Weg nach Dutenhofen zurücklegt, hat letzter Tage unweit unseres Ortes hinter einer Hecke einen Korb mit frischen Würsten und etwas Fleisch lie­gend aufgesunden. Es ist nicht ausgeschloffen, lo wird uns geschrieben, daß diese Eßwaren als Diebstahl von einer Hausschlachtung herrühren.

( * ) Krofdorf. Die Schweineseuche ist hier bei je einem verendeten Schweine des Karl Bender und der Adam Wagner Witwe amtlich festgestellt worden.

( *) Ehringshausen (Kr. Wetzlar). Der Bür­germeister gibt bekannt, daß zur Entgegennahme der diesjährigen Militärreklamationen folgende Termine bestimmt wurden: Montag, 6. Febr. 1911, vorm. von 912 Uhr für Berghausen u. W e r- b o r f; Dienstag, 7. Febr. 1911, vorm. von 812 und nachm. von 25 Uhr für A ß l a r - A l t e n st ä d - t e n; Freitag, 10. Febr. 1911, vorm. von 912 Uhr für Ehringshausen; Samstag, 11. Febr. 1911, vorm. von 912 Uhr für Dillheim und Katzen- f u r t; Montag, 13. Febr. 1911, vormittags von 912 Uhr für Kölschhausen, Bechlingen, Brei­tenbach, Niederlemp und Dreisb ach. Die Familienverhältnisse des Reklamierten, Geburts- und Sterbedatum der Eltern, Geburtsdatum der Geschwister, wenn diese verheiratet, Tag der Verheiratung, Zahl und Alter der Kinder und Vermögensverhältnisse der Ge­schwister müssen genau angegeben werden, weshalb es notwendig sein wird, entsprechende Notizen Mitzubringen.

Biedenkopf, 22. Jan. Im hiesigen Bahn­hofshotel fand eine Besprechung wegen Erlangung einer Eisenbahnverbindung zwischen Biedenkopf und Batten­berg statt. An die von Bürgermeister Grünewald ge­machten Ausführungen schloß sich eine sehr lebhafte Aus­sprache. Man einigte sich zu folgender Resolution:Die heutige zahlreich aus Biedenkopf, dem Battenberger Amt und dem Kreise Marburg besuchte Versammlung spricht sich einstimmig für eine Eisenbahnverbindung Batten - bergBiedenkopf aus und erblickt in diesem Projekte als einem Teil der Gesamtlinie BromskirchenBattenberg- BiedenkopfGladenbachWetzlar die einzige Möglich­keit, Norden und Süden des Kreises gleichmäßig auf­zuschließen und mit der Kreisstadt gebührend zu ver­binden. Aus dieser Erwägung heraus richtet das Ko­

mitee an den Kreistag des Kreises Biedenkopf das drin­gende Ersuchen, soweit an ihm liegt, keinem Bahnpro- jekt seine Zustimmung zu geben, daß die Verbindung zwischen Wetzlar und der Bahnlinie Niederwalgern- Herborn westlich von Gladenbach etwa in der Richt­ung Bischoffen sucht." Darauf begann eine weitere Debatte über die Linienführung, die aus folgender Re­solution zu erkennen ist:Das vorliegende Projekt, das eine Eisenbahn-Verbindung zwischen Biedenkopf und Battenberg über Derbach, Frohnhausen und Laisa vor­sieht, findet im großen und ganzen die Zustimmung der Versammlung mit der Maßgabe, daß die Bahn näher nach Oberasphe gelegt wird, damit dieser Ort und Nie­derasphe Vorteile von der Bahn haben und ferner mit dem Vorbehalt, daß die Bahn von Battenberg aus tun­lichst nach Bestwig weitergeführt wird."

* Aus Oberhessen, 25. Jan. Die Neuzeit hat manch interessanter Hausindustrie die Wurzel abgegra­ben. Die L e i n e w e b e r e i, die hier früher in hoher Blüte stand, ist fast verschwunden; die Messerschmiederei in Ober-Ohmen, deren Erzeugnisse sogar nach Solingen gingen, um alsSolinger Fabrikate" weiter verkauft zu werden, ist ebenfalls nahezu eingegangen.

- o- Lollar, 24. Jan. Am 11. und 12. Februar veranstaltet der Geflügel- und Vogelzucht- Verein Lollar und Umgebung im Saale derGer­mania" eine Vezirks-Geslügelaus st ellung. Acht Preise im Werte von 120 Mk., gegeben von der Landwirtschaftskammer, sowie eine größere Anzahl Ehren­preise gelangen zur Verteilung. 14 Ortschaften gehören dem Verein an. (Lollar, Staufenberg, Ruttershausen, Daubringen, Treis, Alten-Buseck, Groß-Buseck, Mainz­lar, Annerod, Oppenrod, Trohe, Rödgen, Beuern und Wieseck.)

- w- Nieder-Ohmen, 26. Jan. Gestern fand hier Bürgermeisterwahl statt. Der bisherige Bürgermei­ster Neeb wurde mit 211 Stimmen wiedergewählt.

Friedberg, 24. Jan. DerH a s s i a"-Krie- gerverband hält hier am 25. Juni eine Versammlung ab.

Angersbach, 26. Jan. Heute abend referiert hier im Gasthause von Adrian Möller der Landwirt­schaftslehrer Heck-Alsfeld über das Thema:Die Be­deutung des Weideganges in der Viehzucht."

Frankfurt a. M. Die Erzeugnisse der Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen von Ph. Maysarth & Co. erfahren in der ganzen Welt die gleichgünstige Beurteil­ung. So wurden der Firma auch in Buenos-Aires auf der großen internationalen landwirtschaftlichen und in­dustriellen Ausstellung, welche von Amerika, England und Deutschland 2C. beschickt war, folgende Preise zu­erkannt : 3 G r o ß e Ehrenpreise höchste Auszeich­nung 1 großes Ehrendiplom, 5 Erste Preise, zu­sammen 9 Preise, die für die außerordentliche Leist - ungsfähigkeit der Firma ein glänzendes Zeugnis sind.

* Marienberg. Die Neubaustrecke Höhr- Grenzhausen-Hillscheid wird am 1. Febr. dieses Jahres eröffnet. Für die Inbetriebnahme der Strecke Marienberg-Langenbach-Erbach ist der 1. Mai, für die der Strecke Oberscheld-Wallau der 1. Juni vor­gesehen. Sämtliche Strecken liegen im Direktionsbezirk Frankfurt und sind als Nebenbahnen gebaut.

Hus dem Gericbtssaal. Strafkammer.

Gießen, 24. Januar 1911.

Der Arbeiter Anton Joses Schäfer aus Rockenberg war beschuldigt, etwa 150 Pfund Aepsel aus dem Lager der Gebrüder Ulrich zu Friedberg entwendet zu haben, indem er durch ein Fenster eingestiegen sei. Die Ver­handlung führte jedoch zur Freisprechung des Angeklag­ten, da es an Beweis mangelte.

Schon wiederholt haben Verhandlungen gegen den Weißbinder Heinrich Ulrich aus Wölfersheim stattgefun­den, der beschuldigt ist, nächtlicherweise einen Einbruch verübt zu haben. Er ist gesehen worden, wie er aus einem Fenster hinausflüchtete. Er leugnet jedoch die Tat und glaubt, es solle Rache an ihm genommen wer­den. Das Gericht hielt nur einen einfachen Diebstahls­versuch für vorliegend und erkannte aus eine Woche Ge­fängnis.

Der Steinrichter Johannes Dietrich 4. von Orleshau­sen wurde vom Schöffengericht Büdingen wegen gefähr­licher Körperverletzung zu 4 Wochen Gefängnis verur­teilt; drei Mitangeklagte wurden damals freigesprochen. Infolge Berufung des Dietrich, erfolgte ebenfalls seine Freisprechung, da von der Strafkammer Notwehr für vorliegend erachtet wurde.

Gestorbene.

Lehrer i. P. Heinrich Nürnberger in Fried­berg.