Gießener Zeitung
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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alte amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei^
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen
Polizei-Amtes
Behörden Gberhessens
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lHaus Brüder Schmidt.)
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Nr. 214
Telephon: Nr. 302.
Dienslag, den 24. Oktober 1911.
Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg.
parteipolitischer.
Hessische Landtagswahlen 1911.
§ In Offenbach beschloß die Fortschrittliche Volkspartei für die Landtagswahl Stimmenfreigabe.
§ Im Landtagswahlkreise Groß en-Linden- Heuchelheim hat sich ein gemeinsames liberales Wahlkomitee gebildet, das als Kandidaten der Nationalliberalen und der Fortschrittlichen den Bürgermeister H r e i l r n g-Heuchelheim ausstellte.
Kn$ Stadt und Eaitd.
Gießen, 24 Oktober 1911.
* Nach amtlichen Erhebungen betrugen die in ev. ftirdjcii Hessens im Jahre 1910 erhobenen Kollek- 1 e 11 insgesamt 139 246 Mk., darunter 94 723 Mk. für kirchliche Armenpflege.
* Die preußisch-hessischen E i s e n b a h- n e ii haben im September gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ganz außergewöhnlich hohe Mehreinnahmen erzielt. Nämlich im Personenverkehr 3,7 Millionen Mark gleich 6,65 v. H., im Güterverkehr 12,0 Mill. Mark gleich 9,86 v. H., insgesamt einschließlich einer Mehreinnahme aus sonstigen Quellen 16,9 Millionen Mark gleich 9,08 v. H. Die außerordentlich starke Steigerung der Einnahmen aus dem Güterverkehr entspringt zu einem beträchtlichen Teil dem Verehr, der der Eisenbahnverwaltung infolge der Lahmlegung der Schiffahrt durch den ganz ungewöhnlich niedrigen Wasserstand zugeflossen ist.
Am nächsten Sonntag, vorm. 11 Uhr, findet im Rathaussaal zu Heppenheim a. d. B. der diesjährige Verbandstag der gemeinnützigen Bauvereine im Großherzogtum Hessen statt. Es wird u. a. ein Vortrag von Martin Hummel-Rüsselsheim gehalten über „Das Kleinhaus, sein ethischer und praktischer Wert".
* Die Vereinigung für geschichtliche Psychologie und Psychiatrie im Grohherzogtum Hessen hält am Samstag, den 4. November, in D a r m st a d 1 ihre 14. Hauptversammlung ab.
* Am Schlüsse des Sommersemesters 1911 haben 74 Kandidaten die Prüfung für das höhere Lehramt in Gießen bestanden.
* Die Pläne für die Hinterlandbahn nach dem Westerwald werden in den nächsten 14 Tagen fertiggestellt sein. Die Bürgermeisterei will dann ungesäumt an die Weilerbetreibung des Projekts herangehen.
* ) Z i g a r e t t e n st e u e r. Im Interesse unserer zahlreichen, mit der Zigarettensteuer unterliegenden Waren Handel treibenden Leser machen wir an dieser Stelle auf die einschneidende Bestimmung in § 15 des Zigarettensteuergesetzes besonders aufmerksam, wonach berjenige, der sich gewerbsmäßig mit dem Verkauf von Zigaretten, Zigarettentabak, Zigarettenhülsen und -Blättchen besassen will, dies vorher der Steuerbehörde anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat im Bezirk eines Steueramts bei diesem, im übrigen aber unmittelbar bei dem zuständigen Hauptsteuerami zu erfolgen. Die Beachtung dürfte umsomehr erforderlich sein, als Zuwiderhandlungen gegen die betreffenden gesetzlichen Vorschriften mit besonders hohen Strafen, bis zu 300 Mark, geahndet werden.
* S ch u l st r a f e n. Die Regierungen zu Wiesbaden und Kassel erlassen unter dem 11. Oktober eine gemeinsame Verordnung, nach der eine Schulversäumnis, wenn sie nicht in ausreichender Weise, eventt. aus Verlangen des Schulleiters durch Beibringen eines ärzt - lichen Zeugnisses spätestens nach 3 Tagen entschuldigt wird, mit Geldstrafe im Betrage von einer halben Mark bis zu drei Mark oder einer Haststrafe von einem Tag für jeden Tag, an dem eine Versäumnis stattfindet, geahndet wird.
n Gestern abend hatten die N a t i o n a l l i b e r a- len in Steins Garten eine Wählerversammlung einbe- rufen, zu der auch Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Osann aus Darmstadt gekommen war. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Professor Luley, der wiederholt um Sachlichkeit und Vermeidung der Schuldsragen ersuchte, ergriff Herr Fabrikant A d o l s K l i n g s p o r, der Kandidat der Nationallibe- ralen, das Wort, um in längerer Rede seine politischen Anschauungen zu entwickeln. Nach einer Reihe allgemeiner Erörterungen schritt der Redner zur Firierung bestimmter Ziele über. So betonte er die Notwendigkeit der Revision des Eisenbahn-Vertrages mit Preußen. Obgleich die Lösung wichtigerer Fragen nicht ausgeschoben werden könne, müsse doch nach Kräften gespart
| werden. Ein geeignetes Gebiet hierzu sei die Verein - fachung der Staatsverwaltung, doch dürfe man nicht alte Vorrechte verletzen. Der Redner betonte seine besondere Verbindung mit dem Handwerk, doch sei auch er nicht der Vertreter eines Standes, sondern der Allgemeinheit. Jnbezug auf das Submissionswesen verlange er die Hinzuziehung von Handwerkern bei Aufstellung der Voranschläge. Auch die Abschaffung des Stempels sei wünschenswert. Der Redner trat für die Erhaltung des konfessionellen Friedens ein. In der Schulsrage könne er, in Ermangelung genügenden Eindringens in die Materie, noch keine Stellung nehmen. Dann wies der Redner auf die Gefahren hin, welche der Gießener Universität und Stadt von der Errichtung einer Universität in Frankfurt drohen, und sagte seine Intervention zu. Die sozialen Pflichten der Stadt seien ihm bekannt. Er sei zu jeder Aufklärung Anfragen gegenüber bereit, wolle aber nicht mehr versprechen, als er halten könne. Er wolle sich nicht aufdrängen und verschmähe es, mit Schlagwörtern zu arbeiten. Er trete gerne zurück, wenn es nötig sei. Nachdem der Redner unter lebhaftem Beifall geendet, ergriff Herr Dr. Osann das Wort. Er begleite einen Kandidaten des linken Flügels der Nationalliberalen in den Kampf, dessen Anschauungen mit denen der Freisinnigen vollkommen übereinstimmen. Das Leitmotiv seiner Ausführungen war, daß die Nationalliberalen für sich das Verdienst in Anspruch nehmen können, positive Arbeit im Land - tag geleistet zu haben. Die Errungenschaften seien ohne Opfer nicht zu erreichen gewesen. Es sei ungerecht, die Nationalliberalen deshalb als Reaktionäre anzuschwärzen, weil sie es nicht verantworten könnten, die positi- oen Erfolge durch Verweigerung der Opfer in Frage zu stellen. Eine ganze Reihe der Ausführungen des Redners waren Gegenstand einer lebhaften Erörterung, zu der Vertreter beider liberalen Parteien wiederholt das Wort ergriffen. Dadurch, daß die Aeußerung des Herrn Justizrat Metz: „er sei hergekommen, evtl, vorgebrachte Unrichtigkeiten richtig zu stellen" von nationalliberaler Seite als Beleidigung aufgefaht und Herr Metz daraufhin etwas scharf angesaßt wurde, nahm die Debatte zeitweise eine stark persönliche Färbung an und verließ den Boden der Sachlichkeit. Die Erörterungen drehten sich, nachdem die Schuldfrage in den Einigungsverhandlungen durch Eingreifen des Vorsitzenden ausgeschattel war, um eine Reihe von Gesetzen 2C., die von der nationalliberalen Partei mit eingesührt und nun von ihr verteidigt wurden, während die Freisinnigen sie angriffen. Auf die Ausführung des Herrn Osann, der Eisenbahnvertrag habe finanziell nicht versagt, seine Partei würde erst prüfen, ehe sie die Revision befürworte, entgegnete Herr Kuhlmann, daß den 33 Millionen Einnahmen zirka 80 Millionen Ausgaben gegenüberständen, Ausgaben für Zwecke der Bahn, nicht der Allgemeinheit. Die durchschnittlichen Einnahmen entsprä-» chen gerade den zu zahlenden Zinsen, 1908 hätte man sogar zusetzen müssen. Herr Metz ergänzt, der Vertrag hätte damals vielleicht doch bessere Bedingungen bringen können, vor allem hätte man sich nicht für immer binden dürfen. Herr Osann verteidigte die Haltung seiner Partei in der Wahlrechtsfrage mit der Begründung, man hätte, um das so lang erstrebte direkte Wahlrecht zu erlangen, mit den Parteien der Rechten gehen müssen, also Opfer bringen, da aus den 17 National- liberalen, 5 Sozialdemokraten und 3 Freisinnigen keine zwei Drittel Majorität von 30 Stimmen gebildet werden konnte. Dem gegenüber stellt Herr Kuhlmann aus
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I der Presse und Stenogrammen fest, daß einerseits sowohl Zentrum als Bauernbund im Notfälle auch ohne die reaktionären Bestimmungen, z. B. Pluralwahlrecht 1 für das Gesetz, gestimmt hätten und andererseits Fortschritt und Sozialdemokratie zu einem Zusammengehen mit den Nationalliberalen bereit waren, selbst aus Kosten einiger ihrer Forderungen. Es hätte sich aus den 17 Nationalliberalen, 8 Zentrum, 3 Freisinnigen und 3 Wilden und zwei Drittel Mehrheit bilden lassen, aber die Nationalliberalen wollten nicht, um sich mit Zen - trum und Bauernbund nicht das Geschäft der Wahlkreiseinteilung zu verderben. Die Debatte erstreckte sich noch über die Angelegenheit Pagenstecher, die Haltung der natl. Partei in der Frage der Gleichberechtigung der Konfessionen, in der Schulfrage, in der die liberalen Anschauungen des Abgeordneten Bach denen einer Anzahl seiner Fraktionsgenossen ganz entgegengesetzt wären und anderes, und dehnte sich so bis gegen % 2 Uhr aus. Herr Professor Luley brachte im Schlußwort ein Hoch auf das Hessenland aus. Der letzte Teil der Erörterungen fiel leider dem wenig rücksichtsvollen Auf- brechen einer Anzahl der Teilnehmer zum Opfer.
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n Gewerbliche Revisionen. In den Monaten Juli, August und September wurden in Gießen revidiert: 1 Verschiedene Petroleumlager, 2. Benzin- u. Venzollager, 3. Die Feldziegeleien, 4. Borstenzurichter- eien, Bürsten- und Pinselmachereien, 5. Weihgerbereien inbezug auf Lagerung von Hautabfällen im Freien, 6. Weißbinder, Maler und Lackierer, 7. Verkaufsstellen, in denen Margarine, Margarinekäse oder Kunstspeisesett gewerbsmäßig hergestellt oder verkauft wird, 8. Mineralwasserfabriken, 9. Warenhäuser, 10. Baugruben, 11. Lumpenlager, 12. Die Steinbrüche und Sandgruben inbezug auf Lagerung von Sprengstoffen, 13. Die Warenhäuser und Verkaufsstellen inbezug auf Lagerung und Herstellung von Zelluloidwaren, 14. Die Fruchteishändler bezüglich Reinhaltung der Geräte und des Materials, 15. Die Steinbrüche und Steinhauereien, 16. Die Fabriken und Handlungen, welche Essigessenz führen und in den Verkehr bringen, 17. Biographen und Kinematographen, 18. Den 8 Uhr-Ladenschluß, 19. Die gewerbsmäßigen Güterhändler mit ländlichen Erundstük- ken, 20. Die Getreidemühlen, 21. Die hiesigen und auswärtigen Bäcker und Vrothändler auf Gewicht des Brotes und Namenszeichens und 22. Die Gast- u. Schankwirtschaften bezüglich Beschäftigung des fremden Personals, Einhaltung und Eintrag der Ruhezeiten in das zu führende Buch, sowie Führung von Weinbüchern und auch die Kolonialwarengeschäfte, welche Wein verkaufen.
n Die Herbst-Mitgliederversammlung des Vereins ehemaliger 116er fand letzten Sonnabend statt und wies einen zahlreichen Besuch auf.
n Auf dem letzten Markte war wieder ein Metzger aus dem Nassauilchen erschienen, der seine Wurst bedeutend wohlfeiler abgab und deshalb bald verkauft hatte.
n In unserer Stadt brachte der Blumentag für die Erweiterung des E h r i st i a n e n h e i m s 300 Mark ein.
n Da das erste Opern-Gastspiel, „Das Glöckchen des Eremiten", am 30. d. Mts. stattfindet, so muh die Ausführung von Aristophanes „Fröschen" verschoben werden.
Botschaft an Geschwächte.
Schwächezustand und Kräfteverlust beruhen auf einer mangelhaften Ernährung; die Speisen werden nicht in der Weise verdaut und assimiliert um dem Blute die nötigen Bestandteile zuzuführen, die notwendig sind, um dem Körper die nötige Kraft und Widerstandsfähigkeit zu leihen. Es gibt Personen, die viel und gut essen und sich dennoch körperlich und geistig schwach fühlen.
In solchen Fällen ist es die Aufgabe, die Verdauung und Assimilation zu regulieren und zu gleicher Zeit die dem Blute mangelnden Bestandteile zuzuführen, und dieses wird, wie von ärztlichen Autoritäten anerkannt, am sichersten durch Leciferrin erzielt, welches nicht nur ein Pâhrmittel allerersten Ranges und die Hauptbestand- teUe des Klutes besitzt, sondern auch äußerst günstig auf die Verdauung wirkt. Von Tausenden erprobt und von unzähligen Aerzten begutachtet.
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