Line englische Narretei.
Deutschland der Anstiftung des Arbester streiks verdächtigt.
Der Zusammenhang zwischen den englischen Ausständen und der diplomatischen Lage ist allen Ernstes in mehreren französischen Zeitungen gesucht worden und auch jetzt, nachdem dieser Arbeitskonflikt in der Hauptsache beigelegt worden ist, fährt man darin fort. Das Wunderbarste in dieser Hinsicht leistet ein Korrespondent des „Echo de Parts", der in Dinard die Herzensergüsse eines inzwischen in seine Garnison Portsmouth berufenen englischen Obersten entgegennahm. Dieser Oberst ließ folgende Weisheiten und Drohungen vernehmen:
Man muß einen engen Zusammenhang -wischen der Art und der Bedeutung der gegenwärtigen Bewegung und der diplomatischen Lage feststellen, wie sie durch die Kolontalansprüche Deutschlands entstanden ist. Man muß notgedrungen in dieser Krise eine fremde Hand erblicken, da sie der Leitung und den gewöhnlichen Methoden der Trabe Union ganz ent- schlirpft. Die Aufreizungen, die sofort in Meutereien ausgcartet sind, richteten sicl an die Hefe der Bevölkerung, besonders in Liverpool, wo eine große Zahl von verdächtigen Individuen aus dem Auslande sich befindet. Wir wißen sehr wohl, wo diese Aufreizungsherde zu suchen sind. Seit einigen Jahren haben sich in unseren großen Häfen und Industriezentren Bars auf- getan, wo der Docker, der Arbeiter auf Kredit trinken rann, ohne daß man ihm je etwas abverlangt. In diesen Bars halten die Aufheber, die nichts mit den englischen Arbeiter-Organisationen gemein haben, ihre Sitzungen ab. Alle diese Leute arbeiten zum Nutzen jemandes und wir beginnen zu vermuten, wessen. Wir haben in den letzten Jahren überall diese tückischen Machenschaften gegen die englische Macht wiedergefunden. Bet jedem Beginne innerer Schwierigkeiten sahen wir sogenannte nationalistische Bewegungen gleichzeitig in Indien, in Persien, in Aegypten und selbst in unserer Kapkoloni^ austauchen. Heute arbeiten nun die Geheimagenten unter unseren Arbeitern. Jetzt, da wir wissen, woran wir fhtb, werden wir nicht straflos die Ueberlieferungen der Ordnung zerstören lassen, die die Größe unserer Nation bilden, wir werden nicht zugeben, daß unsere Polizei beschimpft und daß an dem Prinzip der Autorität gersihrt wird. Das Werk, daS man bei uns einzufüßren sucht, kennen wir zu klar aus den Ergebnissen, die bei Ihnen, unseren französischen Freunden, erzielt worben sind, wo es seit Jahren funktioniert. Bevor man Antipatriotismus in England treibt, werden wir abrechnen und sehr hart auf die Hand schlagen, die die Fäden aller Puppen der Propaganda hält und die diese bezahlt. Wenn der Tag gekommen sein wird, um auf die Hand zu schlagen, wer- ven wir keine Handschuhe anzichen.
Deutschland als Anstifter des englischen Streiks, das hat noch gefehlt. So narrenhaft die ganze Sache klingt, so ist sie doch als Symptom nicht unbedenklich.
Französische Borbereitungen?
Daß man sich in Frankreich mit dem Gedanken vertraut macht, die politischc Situation könne sich unter Umständen bedenklich verschlechtern, geht aus folgender Meldung hervor: Der Seepräfekt in Ealais gab im Auftrage des Marineministcrö den Arsenalarbeitern bekannt, daß sie befind Instandsetzung der Untersee- Und Torpedoboote UsVerftunden zu machen hätten. Gleichzeitig wurde vier Unterseebooten, die im Hafen von Cherbourg Uebungen vornehmen, de"' Befehl ereilt, unverzüglich nach Calais ihrer? ständigen Hafen, ich zu beneben. Auch eine Rede der IranzöfU ch c n K riegSmin isters vom Sonntag ist bemer- 'enSwert. Der Minister wieS nach einer Meldung der „Voss. Ztg." darin auf die „Kraft der Nation" hin und streifte die "Möglichkeiten der Zukunft". „Ich habe daS Bewußtsein," so sagte er, „eine Aufgabe übernommen au haben, die im Hirr bl ick auf die Ereignisse sehr drückend geworden ist. Denn ich habe die Pflicht, der Nation volles Vertrauen auf ihr Geschick und ihre Kraft einznflößen. Diese Kraft besteht wirklich. Ich fühle sie tu allen Zeugnissen derer, Hoher wie Niedriger, die unter meinen Befehlen stehen. Ich fühle sie noch stärker tu unserem Lande vibrieren, das sich in Sien Unterhaltungen, die ich täglich mit den Bürgern iahe, so fest patriotisch zeigt. Gewiß sind wir eine fried- 5 erttge Nation, aber wir bleiben stolz auf unseren vergangenen Ruhm Wir wollen auf keine unserer schH neu Ueberlieferungen verzichten. Dies Vertrauen, wir in die Zukunft unseres Landes haben, steht itt nichts hinter der Wirklichkeit des TageS und beu Möglichkeit e n d e r Zukunft zur Ü ck. Ich trinke auf das republikanische ^ranfreid), das seit einigen Monaten der Welt ein so schönes Beispiel deS nationalen Stolzes, der Energie und der Größe gibt."
Wetterwolken.
Roman von M. v. B tt ch.
4) (Nachdruck verboten.)
Neberasi sah man daS Malten fleißiger Hände, die nichts gespart hatten, um das Palais auSzuschmücken und für den Empfang erlauchter Gäste vorzubcretten.
Und hohe Gäste wurden erwartet.
Die Majestäten König August von Polen, Kurfürst von Sachsen, und seine Gemahlin Maria Josepha hatten für heute eine Einladung deS Ministers Heinrich von Brühl zum Diner angenonnnen.
Im Speisesaal waren bereits alle Vorbereitungen vollendet. Auf den mit zarten;, seidenglänzenbem Damast belegten Tischen blitzte Kristall und Silber und stand herrliches Rteißner Porzellan. Die kostbarsten Stücke befanden sich auf den Gedecken der Majestäten.
Die Dienerschaft war bereits tm Galaanzug. Allein es gab für den Empfang so hoher Gäste doch noch immer viel zu tun. Der Herr Minister dv kleiner behäbiger Herr, stmtd in einem braunen, über und über mit Goldstickereien besetzten Rock im Treppenhause, um noch dinmal mit kritischen Augen die Ausschmückung zu besichtigen. Er entdeckte Fehler, die er in aller Eile gut- ^umacben suchte. Er ließ hier eine Girlande tiefer, dort ein wenig höher hängen, ließ hier einen Orangenbaum fortnehmen und dort einen neuen hinstellen. Der Gärtner, der die AuSschnttickung besorgt, bekam Schelte uub der Haushofmeister dem fortwährend Befehle an den gepuderten Kopf flogen, wußte schließlich nicht mehr, wo ein noch auS und sah so aus, als wäre er am liebsten 6t die Elbe gesprungen.
Heinrich von Brühl war erregt, und die Lannen des lperrn mußten die Diener auSbaden. Der einzige, mit
Rundschau 00m Cage.
Politisches.
Die Dauziger Aaisertage. Wie die „Danziger Allgemeine Zeitung" erfährt, wird die Uebernahme des ersten Leibhusaren-Regiments durch den Kronprinzen am Freitag, 15. September, in Tanzig-Langfubr erfolgen. Sowohl der Kaiser, als auch der Kronprinz werden an diesem Tage dort eintreffen.
Um zu der augenblicklichen Gestaltung unserer auswärtigen Politik und zur Marokkofrage Stellung zu nehmen, sind, wie die „Nationalztg/ erfährt, die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei ausBerltn und der Provinz Brandenburg zum Sonntag zusammenberufen woroen. — Ter fortschrittliche Abgeordnete Heckscher sollte nach Meldungen mehrerer Blätter in einer Marokkoversammlung zu Berlin als Redner auftreten. Heckscher erklärt nun demgegenüber, daß er das Ansinnen des betreffenden Ausschußes abgelehnt
habe.
Die kommunale Handwerksförderuug bildete das Thema des ersten Vortrags auf dem deutschen Handwerks- und Gewerbekammertage in Düsseldorf. Tie Forderungen des Referenten, denen zugestimmt wurde, gipfelten in den Wünschen auf Errichtung von Handwerker- und Gewcrbeansschttssen mit demBürgermeister an der Spitze, Mitwirkung der Volksschulen bei der Lehrstellenvermittelung, Errichtung von Fortbildungsund Fachschulen, Jugendfürsorge^ Veranstalttlug von großen Menterkursen, Schaffung guter Gewerbemuseen, Regelung des Verbindungswesens, Unterlassung gc- tndlicher Regiebetriebe, Verbot der Beteiligung der
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Beamten ar Konsumvereinen, aus den Bau von Wcrk- stättenhäusern, Unterstützung bei Befriedigung des Kre- ditbcdUrfnisses und endlich auf Ersatz der staatlich veranlagter: Gewerbesteuern durch eine besondere Gemein
öe-Gewerbesteucr.
Die Natiouallibcralen verlangen eine nachdrückliche Verfolgung her Marokkopolitik. Auf dem Vertretertage der uaifonantberalcu Partei des Siegerlandes wurde nach bei: Vorträgen mehrerer Abgeordneten über bk deutsch - französischen Verhandlungen gefordert, daß eine nachdrücklichere Betonung der Machtmittel, über die Deutschland verfüge, durchaus am Platze sei. ES dürfe bei den anderen Mächten nicht die Ueberzeugung Platz greisen, alS ob Deutschland den Frieden um jeden Preis wolle. In der Marokkoangelegenheit stehe Deutschland nicht mehr an der Stelle, die es einnehmen müßte. Marokko habe für Deutschland als ein fruchtbares und metallreiches Land eine große Bedeutung. Auf Kompensationen dürfe sich die deutsche Regierung nicht cinlasscn. M „
Das deutsch-russische Abkommen über Persien und die Bagdad-Bahn bietet nach Londoner Presseänßerun- gen keinen Anlaß zu Befürchtungen in England. Deutschlands Handel wird natürlich gewisse Vorteile aus dieser Zugangsstraße nach Persien und durch das gegenseitige Abkommen zwischen den beiden Ländern über den Handel tu Persien ziehen, aber die schließliche Redaktion des Abkommens scheint mehr die englischen und französischen Interessen zu berücksichtigen, als dies der Fall war, als die Verhandlungen begonnen wurden. — Der türkische Minister rat betonte in seiner gestrigen Sitzung, daß das deutsch-russische Abkommen türkische Interessen nicht gefährde.
Kein deutsch-russisches Nebenabkommeu. Von einer den amtlichen Pariser Stellen nahestehenden Seite wird die von Wiener Blättern erhobene Behauptung, daß zwischen Deutschland und Rußland eine mündliche Ver- etnbantna getroffen worden sei, wonach beide Mächte sich verpflichtet hätten, an keiner gegen eine von ihnen gerichtete Kombination teilzunehmen, durchaus unzutreffend genannt. Auch die russische Botschaft dementiert jene Behauptungen, die, wenn sie zutreffend wären, einen Bruch des französisch-russischen Bündnisses und der dreifachen Verständigung bedeuten würden. Es wird betont, daß die deutsch-russischen Abmachungen in keiner Weise das System der Bündnisse berühren. — Trotz dieser Dementis darf man annchmen, daß das deutsch-russische Persienabkommen gewisse geheime Klauseln enthält.
Botschafter Cambon ist am Montag nachmittag in Paris etunctroPen. Er wird heute nachmittag eine Besprechung mit dem Minister des Acußern und dann gerneinsam mit diesem eine Konferenz mit dem Mtnister- prästbenten haben. Nach diesen Konferenzen wirb ber Zeitpunkt des nächsten Ministerrates festgesetzt werden.
Kleine nsArlAten.
Unter den typischen Erscheinungen der Maul- und Klauenseuche ist auf einem Gehöft bet Bergheim tm Rheinland ein Viehknecht schwer erkrankt. Das ganze Mundinnere war stark auaeschwollen. Der Mann fieberte und hatte heftige Schmerzen. Wie sich herausstellte, hatte der Patient von der ungekochten Milch der an Maul- und Klauenseuche erkrankten Kühe des HofeS getrunken.
dem er zufrieden schien, war der neue, vor wenigen Wochen auS Wien eingctroffcne Lakai. DaS war ein merkwürdiger Mensch. Dem Küchenchef hatte er zu dem heutigen Diner Rezepte zu Speisen gegeben, die sich als hervorragend im Geschmack erwiesen, ja er hatte selbst die Bereitung einer Pastete übernommen, die der Minister, ein Feinschmecker ersten Ranges, für ausgezeichnet erklärte. Dann hatte Franz Glasau beim Decken der Festtafel ausgezeichneten Geschmack bewiesen, und jetzt bei der Handanlegung der letzten Vorbereitungen war er an seinem Platz. Er sah alles, er bemerkte alles, jeden Augenmink seines Herrn verstand er und erfüllte ibn prompt . . .
Endlich, endlich war Heinrich von Brühl mit den Vorbereitungen zufrieden. Nun war alles ohne Tadel, die Räume würdig, Majestäten aufzunehmen.
AlS letzte Anordnung wurden kostbare Teppiche vor den Hotelschwcllen auSgebrcitet, auf deren weichem Putsch die Füße der höchsten Herrschaften das PalaiS betreten sollten.
Brühl sah nach seiner kostbaren Uhr.
In einer Viertelstunde mochten die Sänften mit dem Hof und den geladenen Großwürbenträgern eintreffen.
Er erstieg die Treppe und begab sich in die im ersten Stocke gelegenen Gesellschaftszimmer.
In einem in zartblauen Tönen gehaltenen Salon war die Herrin des Hauses anwesend. Gräfin Brühl geb. Antonte von Kolowrad war eine noch immer schöne Frau, die durch daS Anlegen einer prächtigen Toilette ihre Reize wirksam unterstützt hatte.
Galant küßte ihr der Graf die Hand. „Ich glaubte Sie noch in Ihren, Zimmer und bin nun entzückt, Sie bereits hier zu finden. Und wie schön Sie sind, meine Teure . . . Lasten Sie eS mich wiederholen, daß Sie schön finb*
ReichSgefetzlicher Sckntz deS BienenhontgS. Wie eine Berliner Korrespondenz mitteilt, soll bei der bevorstehenden Reform deS NahrungsmittelaesetzeS auch der Bienenhonig gegen Nachahmung geschützt werden.
Ein entsetzlicher Uuglücksfall ereignete sich auf dem Bahnhof von Blague bei Bordeaux. Eine rangierende Lokomotive stürzte in einen Karml. Man suchte den Lokomotivführer, besten Kopf und Arme aus dem Wasser heransragten, zu retten, doch waren seine Füße in der Maschine feftncflcmmt. In diesem Augenblick stteg daS Wauer und man mußte zusehen, wie der Unglückliche errrank.
Das Opfer einer Automobilkatastrophe wurde der in Paris lebende Industrielle Louis Loewe, ein Sohn des verstorbenen Berliner Großindustriellen gleichen Namens. Er hatte in Gesellschaft zweier englischer Da- men eine Automobilfahrt nach Dieppe unternommen. Unterwegs platzten beide Vorderreifen, wodurch der Magen gegen einen Baum geschleudert wurde. LoutS Loewe war sofort tot, das Steuerrad hatte ihm den Brustkasten vollständig eingedrückt. Eine der beiden Damen wurde schwer, die andere leicht verwundet.
Eine eigenarttge Explosion ereignete sich in dem oberpfälzischen Dorfe Waldmünchen. Ein Bauer füllte seine Scheune derart mit Getreide an, daß daS Gebäude nachts, wobl infolge der sich entwickelnden Gase, unter einem furchtbaren Krach auSeinanderbarst. DaS ganze Dorf fuhr erschreckt auS dem Schlafe.
Ein reicher Schutzmann. $wn einem vor einiger Zeit in Australien verstorbenen Onkel, einem geborenen Schlesier, her in Australien die Goldgräberei betrieb und 1,500 000 Dollar hinterließ, fällt einem Ratiborer Schutzmann namens Noak die hübt die Summe von 800 000 Mark zu. Der größte Teil der ganzen Hinter- lassenschaft gebt nach Schlesien.
Ein mit seiner Familie in Unfrieden lebender Vaner hat in Rottenacker (Oberschwaben) sein HauS angezündet und sich in die Flammen gestürzt, nachdem er zuvor das HauS verkauft und den Erlös dafür In Papiergeld zu sich gesteckt hatte. DaS gesamte Anwe- sen ist uicberaebrannt. Der in den Flammen Umge» kommene hinterläßt eine Frau mit sechs Kiuderu.
Ein Zusammenstoß zwischen einem SchlächterwaZ gen und einem Straßenbahnwagen erfolgte gestern abend in Berlin. Der Kutscher des Wagens würbe auf den Fabrdamm geschleudert, wo er bewußtlos liegen blieb. Das Pferd geriet unter den Straßenbahnwagen und wurde getötet. Zu der Fortschaffung des Kadavers mußte die Feuerwehr in Anspruch genommen werben. Eine Dame, die Zeuge des Vorfalls war, fiel in Ohnmacht.
Hut den Oerichts<äkn.
Ein aufsehenerregender FälschnngSvrozetz gelangte am Montag vor der Strafkannuer In Coburg zur Verhandlung, in den auch die herzoglichen Höfe von Eobnrg und Gotha in unliebsamer Weite bineingezogen worden sind. Im November vorigen Jahres fand in Eoburg ein Mobltätigkeitsfest Aununfteu der Armen statt. Ta- ran nahm unter anderem das HerzogSpaar, die Herzogin-Witwe Marie, das Großfürstcnpaar Kyrill von Rußland und das Prinzenpaar AlfonS von Bourbon teil. Einige Zeit darauf verbreitete sich in Coburg ein auch von der Presse aufgenommencs Gerücht, daß von den Erträgnissen des Festes der in guten Verhält- nisten lebende Hofbuchhändler Seitz in Coburg ROO Mark erhalten habe. Im Coburger „General-Anzeiger" wurde nun kurz daraus ein Brief veröffentlicht, der angeblich von Seitz stammen sollte, unb in dem dieser angab, von einer höheren Gönnerin — gemeint war die Herzogin-Witwe Marie — unterstützt worden zu fein, u. a. auch die 800 Mark empfangen zu haben. Dieser Bries war eine Fälschung. Als sein Schreiber wurde ber 65jährige Kaufmann A. Gölkel ermittelt, der früher mit Seitz befreundet, später aber infolge ber Konknr- renz, die ihm Seitz bereitete, mit diesem tu bittere Feindschaft geraten war. Gölkel würbe wegen schme« rer Urkundenfälschung zu sechs Monaten GesäntzniS und 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe beantragt.
Vermischt«.
Kälte in Stidwestafrika. ?lus Grootfontein wird der ,.Frkf. Ztg." geschrieben: Während man daheim tm lieben deutschen Vaterland große, ja man könnte wohl sagen afrikanische Hitze hat, an die man tm deutschen Reiche durchaus nicht gewöhnt ist, dürste eS doch von großem Interesse fein, zu erfahren, daß eS auch im fernen deutschen Gübweft tu diesem Jahr Temperaturgegensätze gegeben hat, wie sie seit Menschengcdenken nicht vorgekommen sind. Die rcichsdentschen Zeitungen, die wir hier zu Gesicht bclommen. wissen unS ja genug von der tropischen, der afrikanischen Temperatur zu berichten, unter der die Bewohner deS Mutterlandes zu leiben haben. Wir leiden aber hier tu ben letzten Tagen so sehr unter der deutschen Kälte, daß tm Bezirk
Die Gräfin war nicht unempfindlich gegen diese Schmeichelet. Sie lächelte, obgleich sie dem Gatten mit dem Finger drohte.
„Ich bin Ihnen sehr verbunden über Ihre gute Meinung über mich, mein Freund,' aber sagen Sie, was gab es vorher? Ich hörte Sie tm Treppenhause mit den Domestiken schelten, der Lärnr hat mich höchlich irritiert."
„Habe ich Sie etwa gestört? Bitte, verzeihen Sie mir!" rief Heinrich von Brübl. „Die Gärtner hatten ihre Sache nicht so mit gemacht, wie ich wünschte, und so gab es allerlei Aenderungen zu treffen, zum Schluß ist glücklicherweise noch alles gut geworden. Glücklicherweise sage ich, denn hätte mir Franz Glasau nicht noch geholfen —"
Die Gräfin unterbrach ihn.
„Hören Sie, mein Freund, ich bin längst nicht so enchanttert von diesem Menschen, wie Sie eS sind. Ein geschickter Schlingel, daS ist wahr; aber einer, der allen Mädchen die Köpfe verdreht. Seitdem er hter im Hause ist, richtet er nichts alS Unheil an. Bor allem hat er meine Kammerjungfer Anna, die Tochter vom alten Menzel," schaltete sie ein, „ganz rabiat gemacht. DaS ist mir unangenehm; denn gerade der Kleinen gegenüber fühle ich mich ein wenig verpflichtet. AlS ich vorher mein Festkleid anlegte, hat mich der Alte zu sprechen begehrt, nub ich fürchte —"
In diesem Augenblick öffnete einer der Lakaten die Türe.
„Verzeihen Exzellenz diese Störung. Die Sänften der Allerhöchsten Herrschaften sind in Sicht, — sie biegen aus dem Portal des Georgentores. Die Läufer kommen . .
Brübl winkte mit der Hand und eilte dann die Treppe hinab, um die Majestäten, die ihren Diener mit einem Besuch auSzeichneten, in aller Ehrfurcht zu begrüßen.