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»everr Arbeiter wieder einzustellen. Das Lanoaericht war zu der Ueberzeugung gekommen, daß es sich bei -er Boykottandrohung entschieden um die An-royung mit einem Vermogensnachteil, also um einen Erpres- sungSversuch handle. Das Reichsgericht kam zu der­selben Auffassung, indem es die Anschauung vertrat, kt6 durch die Drohung mit Boykott dem entlassenen Ar­beiter ein Vermögensvorteil verschafft werden sollte. Die Gefängnisstrafe wegen Erpressung blieb also be- stehen.______________________________________________________________

Hus dem Reiche der techniS.

Brttckenabbruch mittels Elektrizität. Eine englische Fachzeitschrift berichtet über eine interessante und neue Anwendung der Elektrizität, der man sich kürzlich in England bedient hat, um eine Brücke abzubrechen. ES sollte der hölzerne Neberbau einer Brücke durch einen eisernen ersetzt werden. Die Verwaltungsbehörden der betreffenden Grafschaft hatten beim käuflichen Erwerb der Brücke vom Eigentümer die Bedingung gemacht, daß das Holzgerüst innerhalb eines Monats entfernt sein sollte und die Ufermauern und Brückenpfeiler un­beschädigt bleiben müßten. Mehrere Abbruchunterneh- mer erklärten es nnn für unmöglich, in der verein­barten Zeit das Holzgerlist zu entfernen, ohne dir Brückenpfeiler zu beschädigen; beim bei Anwendung von Dynamit wären die Pfeiler kaum zu schützen ge­wesen, und hätte man Reiter anlegen wollen, so würde die enorme Hitze die Ufermauern stark beschädigt ha­ben. Da machte ein Elektrotechniker den Vorschlag, das Holzgertist mit glühenden elektrischen Drähten ab.zu­sägen. Jede Tragfläche der Brücke bestand von Pfeiler zu Pfeiler aus neun Reihen zu je drei Brettern. Man mutzte nun alle siebenundzwanzig Bretter zu gleicher Zeit durchsägen, so daß die Tragfläche auf einmal ins Wasser siel. Zu diesem Zweck legte man achtzig elek­trische Stromkreise für jede Tragfläche und leitete nun einen so hoch gespannten Strom hindurch, daß die Dräh­te in Rotglut versetzt wurden und das Holz an der Be- rührungsstellc zum Glimmen brachten. Eine Stunde vierzig Minuten später sank die erste Tragfläche genau zwischen den Pfeilern in den Fluß. Morgens fünf Uhr patte man begonnen und nachmittags um zwei Uhr fiel Die letzte Tragfläche.

Vermischtes.

Ein Anto vom Schnellzug zermalmt. Gestern er­eignete sich in Kalifornien nicht weit von der Bahn­station Saratoga ein entsetzliches Automobilunglück. Infolge der schlechten Chaussee nahm der Chauffeur den Weg auf den Eisenbahnschienen. In dem Automobil befanden sich vier junge Damen. Der Wagen war Ei­gentum der Tochter eines kalifornischen Millionärs. Das Automobil hatte auf den Schienen eine Panne und blieb stehen, gerade in dem Moment, als ein Schnell- zug mit großer Geschwindigkeit heranfuhr. Die In­sassen hätten sich rechtzeitig retten können, aber das Her- annahen des Zuges hatte sie so verschüchtert, daß sie im Wagen sitzen blieben. Die Lokomotive sauste in das Automobil hinein und zerschmetterte es vollständig. Nachdem der Zug zum Stillstand gebracht war, stellte es sich heraus, daß die vier jungen Damen total zer- malmt waren. Teile von ihren Körpern waren weit bis in die Reiber geschleudert. Der Chauffeur wurde schwer verwundet.

Wassernot in Ostfriesland. In ganz Ostfriesland ist das Regen- und Trinkwasser außerordentlich knapp geworden und stellenweise sogar ausgegangen. Sehr übel steht die Landwirtschaft bei der ungewöhnlichen Trockenheit da. Seit Wochen fahren die Landwirte in Kübeln und Raffern das notwendigste Wasser den Tie­ren zu. In der Umgegend von Emden sind die Land­wirte teilweise dazu übergegangen, aus dem Wasser­werk das Trinkwasser für ihr Vieh zu beziehen, wofür sie 1 .//, für das Kubikmeter bezahlen.

Die Rabrt des LuftschiffesSchwaben" nach dem Vierwaldstättersee und zurück nach Friedrichshafen ist ein glänzender Beweis für die außerordentlichen Fort­schritte, die die Zeppelingesellschaft seit der ersten Schwei­zer Fahrt am 1. Juli 1908 gemacht hat. Bei ähnlichen Wetterverhältnissen, leichtem Nordostwind, dauerte da­mals die Fahrt zwölf Stunden; jetzt durchfuhr man über Winterthur, Baden, Luzern, Schwm, Zug, Zürich und Schaffhausen eine Gesamtstrecke von 894 Kilometern trotz des Gegenwindes auf der Rückfahrt in nur sechs Stunden 35 Minuten. Das Luftschiff machte also fast genau 60 Kilometer in der Stunde, wobei hervorzuheben ist, daß man nur fünfviertel Stunden lang alle drei Motoren arbeiten ließ und mehr als 5 Stunden mit

nur zwei Motoren, also mit halber Krgs^ f^-. Dis Eiterung erLiLL-Nch ^umrmtltch fit Kn engen Tälern als ganz vortrefflich.

Die Schreckensfahrt einer Engländerin Eine 23- jährige Engländerin, Fräulein Balmer aus Sunder­land, die vor zwei Wochen auf einem Frachtdampfer eine Reise nach Lorient angetreten hat, mußte hierbei erfahren, daß cs französische Matrosen albt. die nichts von der vielgerühmten französischen Höflichkeit besitzen. Fräulein Balmer benutzte einen kleinen Frachtdampfer, um auf langsamer Fahrt durch den Kanal und ent­lang der französischen Küste die Schönheiten einer Mee­resfahrt recht genießen zu können. Sie war die ein­zige Dame auf dem Schiff. Anfangs begegneten die Matrosen ihr mit großer Höflichkeit. Eines Abends je­doch wurde sie plötzlich überfallen, mißhandelt, die Klei­der wurden ihr vom Körper gerissen und man tat ihr Gewalt an. Darauf schnitten ihr die Matrosen noch das lange goldblonde Haar ab. Fräulein Balmer hat in Lorient unverzüglich den Schutz der französischen Be­hörde wie des englischen Konsulats in Anspruch ge­

nommen .

Ein dreijähriger Mörder. Aus Clermont in Frank­reich wird die entsetzliche Tat eines dreijährigen Knr- ben gemeldet, die dieser in kindlichem Unverstand be­gangen hat. Das Ehepaar Suin hatte seine beiden ein HHö drei Jahre alten Kinder für kurze Zeit spielend al­lein gelassen, um einen Gang zu besorgen. Nachdem der dreijährige Knabe eine Zeitlang an der Wiege sei­nes kleinen Bruders gespielt hatte, lief er zur Nachbarin und erzählte ihr, daß sein Bruder nicht mehr mit ihm frielen wolle. Die Nachbarin ging mit dem Kleinen in die Wohnung und fand hier den einjährigen Knaben mit einem dicken Strick um den Hals leblos in der Wie­ge liegen. Sein Bruder erzählte auf Befragen, jener habe nicht spielen wollen, deshalb habe er einen Strick genommen und den in der Wiege Liegenden erdrosselt.

Die ewige Soldatenbraut. Dieser Tage wurde in die Versorgungsanstalt in Oberkunzendorf in Schlesien das bejahrte Fräulein Magdalena Hermann aus Gro­nau untere cbracht. Vor reichlich 20 Jahren lag in Gro­

nau untergebracht. Vor reichlich 20 _

nau Einguavtierung, und ein Artilleriesergeant erklärte Magdalene, daß er sie liebe und sie heiraten werde. Mag­dalene nahm die scherzhafte Aeußerung des Marsiün- gers wörtlich und ging von jenem Zeitpunkte ab zu lebem ankommenden Zuge auf den Bahnhof, ganz gleich, ob bei Tage oder bei Nachtzeit. Es bildete sich bei ihr die me Idee, daß ihr Albert wiederkommen und sein Versprechen einlösen werde. Als schließlich ihr Hoffen und Harren immer vergeblich war, gab sie sich dem

Wahn hin, daß die Behörocn ihrem Herratsprojekt nicht günstig gesinnt seien, und verfaßte deshalb jabr» aus, jahrein unzählige Beschwerden an die Behörden. Als auch darauf keine Antwort mehr erfolgte, beschul­digte sie die Post der Unterschlagung ihrer Briefe und schasste von da ab jeden Brief stundenweit auf andere Postämter; da in der letzten Zett ihr Zustand immer lästiger wurde, bat man ihr in der Bersorgungsanstalt ein Nuheplätzchen angewiesen.

Napoleon beim Zahnziehen. Auf einer Aurcgra^ phen-Versteiaerung in London wurde, der^oft" zu­folge, ein interessantes Schriftstück i n Dr. Antommar- chi, dem Leibarzt Napoleons auf St. Helena, für 300 Mark versteigert. In diesem Schreiben wird unter an­derem erzählt, daß Napoleon in der letzten Zeit vor sei­nem Tobe sich einen der sogenannten WetSheitszahne ansztehen lasten mußte. Es war die erste Operation in seinem Leben, bei der sich der Kaiser nicht sehr tapfer benommen hat. Der Arzt war gezwungen, ibn zu fes- felii unb auf den Boden niederzulegen. Später bcHaruo sich Napoleon über Schmerzen und ließ trotz der bethen IabreSzeit in sämtlichen Simmern große Rover an­stecken. Er erhitzte sich dann stundenlang, indent er seine geliebten heißen Bäder von 120 Grad Fahren­heit (48 Grad Celsius) nahm.

Eine amüsante Wette. In Berlin ist soeben eine amüsante Wette ausgetraaen worden, die einer gewis­sen Originalität nicht entbehrt. Einiae Herren unter- bielten sich darüber, ob Herren oder Damen mehr ver­lieren. Ein Herr proponierte schließlich eine Wette, daß er sofort binnen einer Stunde in Groß-Berlin mehr als 1000 Gegenstände, die Damen verloren haben, sin- den könne. Die Wette wurde angenommen und glän­zend gewonnen. Die Gesellschaft begab sich nach dem Reichskanzlerplatz im Westend. Dort und an her- berioer Heerstraße begann das Suchen, und innerhalb einer halben Stunde hatte "her Herr mehr als 1200 Haarnadeln, mehrere Haarschleifen, Kämme, einen Da- men schirm, einen Damenbandschuh, einen alten Pom­padour, ein Strumpfband und andere Gegenstände, bei denen es fraglich war, ob sie Herren oder Damen ge­hörten, aufgelcscn. Haarnadeln fanden sich in solchen Mengen vor, daß nur ein kleiner Teil mitgenommen wurde und die Unparteiischen schließlich auf die Mit­nahme verzichteten. Die flüchtige Zählung ergab, daß man innerhalb einer Stunde dort mehr als 3000 Haar­nadeln ohne große Müße sammeln kann. Der Ertrag der Wette wurde zu einem guten Zweck benutzt.

Ein Meltrctsender auf her Brautschan. Ein einer Wette wegen die Welt zn Fnß bereisender Amerikaner bat in Gottesgab an der böhmischen Grenze seine An­kunft bestätigen lassen. Auf dem dortigen Rathause fiel sein Ange auf die schöne Tochter eines dortigen Be­amten, an die er sein Herz verlor und desbalb nm ihre Hand anbielt. Da man ibn für einen nicht ernst zu nehmenden Abenteurer hielt, ließ er sich durch das amerikanische Konsulat rehabilitieren, und nun bat die bolde Maid mit Eintvilligung ihrer Eltern des Freiers Werbung angenommen. Die Trauung des glücklichen Paares erfolgt in den nächsten Tagen auswärts nach englischem Ritus. Hierauf reist das junge Paar nach der neuen Welt zuriick. Der schon jetzt nicht nnver- möaenbe junge Amerikaner wird nach Empfangnahme des beträchtlichen Gewinnes der Wette seinen eigenen Hausstand mit der schmucken Deutsch Böhmin be­gründen.

Weibliche Logik. Es gibt Männer, die den Frauen die Logik abstretten. Su Unrecht. Sie haben Logik, nur eine andere als wir. Einen Beweis dafür lieferte einem Mitarbeiter derKöln. Ztg." wieder einmal eine dieser Tage in der elektrischen Babn aufaefanaene Be­merkung ans schönem Munde. Eine elegante Dame trug einen Hut von so riesigem Umfang, daß sie damit bei normaler Kopfhaltung nicht durch die Tür in den Wagen gelangen sonnte; erst nach allerlei anstrengenden Halsverrenkungen gelang das schwierige Kunststück. Als sie dann Platz nahm, sagte sie zu dem ihr solgen- den Gatten mit dem Ausdruck innerlichster Ueberzeu­gung:Die dumme Tür!"

Ein Meister der Schaufensterbekoratton. In un­seren Tagen -es künstlerischen Ehrgeizes ist der Deko­ration von Schaufenstern mag ein lustiger Fall aus dem Londoner Geschäftsleben erzählt sein, der in einer englischen Wochenschrift wiedergegeben ist. Zwischen Chef und Bewerber entspinnt sich folgender Dialog: Haben Sie in Ihrer Kunst auch Erfahrungen und Er­folge?"In meiner jetzigen Stellung habe ich erst in dieser Woche ein Fenster arrangiert, an dem nicht eine einzige Frau vorüberging: eine jede mußte stehen blei­ben und hineinschauen."Das will schon was heißen," meint der Chef beifällig nickeyü. ,,Sie sinh fliesn MavN^ I^-L^lch-E OTt^e Wârett un? was baßen Sie in das Fenster gestellt?" Lakonisch kam die Antwort: Spiegel"

Die Zahl -er Briefmarken. Es gibt in der gan­zen Welt rund 20 000 verschiedene Briefmarkenarten, die zur Ausgabe gelangt sind, seitdem in England zum ersten Mal vor 70 Jahren die erste Marke erschien. Anfänglich waren es 810 Staaten, die Briefmarken aus- gaben, aber im Laufe der Jahre haben 69 Staaten die selbständige Ausgabe eingestellt, die meisten, weil sie in größere politische Gemeinwesen aufgingen. Von 1900 bis 1908 sind noch 31 neue Staaten auf dem Schauplatz erschienen, die selbständig Briefmarken eingeführt haben.

Betrunkene Rehe und Hasen. Ein eigenartiger Jagdfrevel, dem man im letzten Winter auf die Spur gekommen ist, wird demnächst seine gerichtliche Sühne lieben. In der Nähe von Seltinghof war das Wud- Ölebwesen sehr stark verbreitet, sodaß die Aussicht in den Wäldern stark vermehrt worden ist. Die Wilddiebe hat­ten also jetzt keine Gelegenheit mehr, ihrem verbreche­rischen Treiben nachzugehen, da jeder Schuß von den Aufstchtsbeamtèn sofort gehört worden wäre, und die Gefangennahme der Wilddiebe hätte erfolgen können. Trotzdem sahen die aufsichtsführenden Förster die ihnen als Wilddiebe bekannten Männer am frühen Morgen durch die Wälder streifen. Sie konnten ihnen aber nichts anhaben, da die Wilddiebe kein Gewehr bei sich hatten. Eines Tages überraschten zwei Förster einen Wilddieb, wie er ein Reh schnell forttragen wollte. Wie erstaunt waren, als sie die Entüeckima machten, daß das Reh scheinbar mit einer schweren Keule totgeschla­gen worden war. Die Keule, ein großes Eisenstück, hat­te der Wttddieb noch bei sich. Nun war aber die Frage, wie er an das Rey berangekommen war. Auch hier­für sollten sie bald eine Lösung finden; sie entdeckten nämlich, daß von dem Wilde ein durchdringender Al­koholgenuß ausströmte. Die Wilddiebe hatten näm­lich, um sich ein Stück Wildpret zu verschaffen, ohne ei­nen verräterischen Schutz abfeuern zu müssen, Kleebün­del mit Alkohol getränkt und an den Stellen im Wal­de verstreut, an denen das Wild vorüberkam. Später haben sie die berauschten Rehe und Hasen einfach er­schlagen .Der Wald wurde jetzt daraufhin abgesucht, ob sich ähnliche Jagdfrevel auch an anderen Stellen des Waldes vorfänden. Tatsächlich entdeckten sie noch meh­rere Kleebüschel, die mit Alkohol getränkt waren. So haben es die Wilddiebe mehrere Wochen lang verstan­den, sich durch einen eigenartigen Betrug ihr Wildpret I zu verschaffen.

Ter elektrisierte Etffel-Tnrm. Ein sehr merkwür- blaer Versuch soll mit dem Eissel Turm angestellt wer­ben, der schon so vielen Erocrimeuten auch wissen- fdhiftlifti.r Art, gedient hat. Ew französischer Gelehrter De Beauchan hat ihn nämlich dazu auserseben, PerlS selbst und vielleicht noch einen erheblichen Teil der Pm- aebnr,; vor Hagelschaden zu schützen Der Forscher hat /vor Versuche mit kleinenSäulen* von 30 Meter Vctc , . von, beiten er eine Elcktristernug mittettte. Er er .iJie dadurchaugeblich" eine Zerstreuung von Hageluullken in einem umkreis von etwas mehr als drei mk inctern. Wenn es glättet ist, dies Ergebnis einfach zu multtplizieren, so würbe der 300 Meter hohe CHsc m da-u f eignet sein dieselbe Wirkung in einem mnsi cw i> r Kilometern hervor w rufen und bamu die reiche Ianbwtrtfebaftliebe und gärtnerische Kultur in der Umgebung von Paris vor vielen Ver- luneu -u bewahren. Wie die Elektrisierung des Eissei- turmes ausgeführt werden soll, darüber fehlt es freilich noch an genaueren Angaben.

Auf der Kurpromenade. Herr:Meine Gnädige, soll Sie von jemand neulich grüßen. Raten éie mal, von wem!" Dome:Vom Grafen Katoin?" Herr:Nem!" Tarne:Vom Baron Bin enzki?" _ Herr:Nein'." -- Ta ne: ,Vom Herrn Assessor NNil- i H Herr:Nein!" Tante:Vom Herrn Tottor Blümel? Herr:Nein! Nun, meine Gnädige, Sie erraten eS doch nicht, ich wind Ihnen sagen: von Rbiein Mann!"

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DaS amerikanische KuIturbcwufUfeht im Süden der gereinigten Staaten begnügt sich nicht mehr mit den bisher üblichen, fast alltäglichen grausamen Ans- febreitungen der Volksjustiz: das einfache Erhängen der unglücHithcn Cofer der Volkserregung scheint die grau- sanie Schaulust der leicht entflammten Menge nicht mehr zu befriedige«. Erst vor wenigen Monaten er­fuhr man von einem Lyucbmord, bei dem man das hilf- lose Opfer im Theater auf der Bühne an Seilen auf- hing, hin und her schaukelte und die Anivefenben auf­forderte, auf dies penbelnbe menschliche Ziel mit Re­volvern zu schießen. Inzwischcu hat der blutige Walm- wih des Mob eine neue Heldentat vollbracht: man hat

die Anwendung der Lynchiustiz auf Kinder ausgedehnt. Die Stätte dieser neuen grauenhaften Verirrung des Volksempfindens ist die Stabt Thorn- è"le in Texas. Ein mexikanischer Knabe schlenderte in der Nähe dieser Stadt die Etsenbalmllntc entlang, blieb an einem Busche stehen und schnitt sich hier mit seinem Taschenmesser nach Iungenart einen Stock. PlölUtch ertönt aus der Nähe eine Stimme; der Runge t rädert gerade ein Liedcheu vor sich hin ,aber ein unwirscher Zu­ruf unterbrach ihn und befahl ihm, den Mund zu hal­ten und schleunigst wetterAugcben. Der Runge antwor­tet, er könne doch singen, so viel er wolle, und in diesem Augenblick springt auch schon der Ruser, ein gewisser Charles Zeischang, der in Thorndale eine kleine Farm besitzt, auf das Kind zu, reißt dem flnahen den Siock aus der Hand unb beginnt mit aller Wucht mit beut Holze auf den Kopf des Kindes los zn bauen. Der Junge taumelt, er sieht feinen Tod vor sich, und in einer Aufwallung von Verzweiflung sticht er blindlings mit dem Taschenmesser, das er noch in der Hand hält, auf den brutalen Fremden los. Das Unglück will, daß der Farmer beim ersten Stich in die Herzgegend getroffen wird: er fällt und bleibt tot liegen. Der Knabe ist ent­setzt, und verzweifelt flüchtet er, wie von Furien gehetzt, in das Dickicht des Waldes. Dort spüren zwei Polizisten das über seine Bluttat völlig verstörte Kiud auf, unb man schleppt cs in das Gefängnis von Thorndale, da­mit die Justiz ihr Wort spreche. Aber ben Behörden blieb diese Mühewaltung erspart, denn unter dem Ruse: Rache für Zeischang!" stürmt eine wütende Volksmen­ge das Gefängnis, schleppt den Knaben davon und fnüpft ihn, trotz des Weinens und der flehenden Bitten des Kindes

an den nächsten Telegraphenvfosten.

Hier belustigen sich einige damit, den zuckenden Körper hin und her schaukeln zu lassen, unb dies Schau­spiel fesselt stundenlang eine vielhundertköpfige Menge, die auf diese Weise immer von neuem mit dem längst entseelten Körper des ungllicksichen Kindes ihre Kurz­weil treibt. Die amertfaniseben Blätter, die über diese neue Heldeutat des Richters Lynch berichten, suchen ihr Schamgefühl unter bitteren Sarkasmen zu verbergen, und sie haben vielleicht nicht Unrecht, wenn sie in schmerzlicher Ironie behaupten, daß der kleine Mexi­kaner nicht ermordet wurde, weil er seinen Angreifer pte.testrerft£,_^ n.^ buTunr, weil es eiltFrem­der" ist und einer Rasse augehört, die die Amertkauer der Südstaaten mit Haß und Verachtung betrachten. Und da ein Knabe dieser Rasse es gewagt hat, sich gegen einen dreimal stärkeren und dreimal älterenAmerika­ner" zu verteidigen, mußte einErempèl^ statuiert werden!

DrabhtachrkMen und neuestes.

Generalmajor von Glasenapp.

w> Berlin, 22. Juli. Oberst von Glasenapp, der bekannte Schutztruppler, ist zum Generalmajor beför­dert worden.

Eine Proklamation des Exschahs.

t-t Teheran, 22. Juli. In einer von dem Exschah veröffentlichten Proklamation heißt es, er werde Per­sien nicht fremden Mächten ausliefern, sondern eine ak­tive Attslandspolitik treiben. Im Exil habe er es ken­nen gelernt, wie wertvoll eine Verbannung sei. Er werde Persien groß und unabhängig machen, die Räu­ber auSrotten, or: Steuerdruck lindern und wirtschaft­liche Reformen durchführen.

China und Japan. '

te* Wien, 22. Juli. DieWiener Allgemeine Ztg." erfährt aus unterrichteten russischen Kreisen, daß der Kaiser von Japan in diesem Herbst dem chinesischen Hofe in Peking einen offiziellen Besuch abstatten werde.

Ein neuer Zwischenfall in Elksar.

Paris, 22. Juli. Nach einer Meldung aus Elk­sar wurde Leutnant Thiriet, der Instrukteur der in Vuznah lagernden scherifischen Truppen bei einer Furt von einem spanischen Posten angehalten, der ihn zwin­gen wollte, vom Pferoe zu steigen. Als Thiriet sich weigerte, kamen Reiter mit blankem Säbel und eine Abteilung Infanterie mit aufgepflanztem Bajonett her­bei und versetzten ihm flache Säbelhiebe, wobei sie ihn mit den Schußwaffen ßebrobten. Thiriet wurde nach dieser Behandlung in das spanische Lager geführt, wo er eine Stunde zurückgehalten und von Oberst Sylvestre beschimpft wurde, sodann setzte man ihn wieder in Frei­heit. Diese Nachricht hat in Paris große Aufregung hervorgerufen.

Tödlicher Absturz einer Fliegerin.

^ Paris, 22. Juli. Auf dem Flugplatz von Etam- pes stürzte die Fliegerin Moore, die zum ersten Male einen Flug unternahm, mit ihrem Apparat aus einer Höhe von zehn Metern ab und erlitt einen Bruch der Wirbelsäule. Sie starb wenige Minuten nach dem Unfall.