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Gießener Leitung

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Verlag derGieHeuer Zeitung" G. m. b. H.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer

Expedition:

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

^ Behörden Gberhessens Selters weg 83.

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Nr 171

Telephon: Nr. 362.

Montag, den 24. Juli 1911.

Teleph on: Nr. 362.

23. Jahrg

Selbstvertrauen u 6emein[cban$defubl.

Bei der Eröffnung der Krefelder Handwerks-, ^m bu[tne= und Kunst-Ausstellung Hal der Öbcrpräfidcnl'dcr WKtnpromnj, Frhr. v. Rhcinbaben, eine treffliche Rede über die Aufgaben und Ziele des Handwerks gehalten er hat dann u. a. ausgeführt: Der Gedanke: Alle für einen und einer für alle, der das landwirtschaftliche Ge­nossenschaftswesen so in die Höhe gebracht hat muh auch jeben Handwerker tief durchdringen." ' $ . /®as hier der Vertreter der preußischen Ncaieruna insbesondere dem Handwerk ans Herz legt CAbslven ^^JhcLÄ Hauptbedingungen °» Fortschritts zu betätigen, gilt tm allgemeinen für Ile stände und Klassen. Selbstvertrauen und Selbst -

T6 mV' b0S "l'" sein. Sie bildet die Grund - lag leder Arbeit, der Wirksamkeit im Hause und in der m?â»kn^ ^ "". lnl ossentlichen, politischen wie ff i^h ^İ"' 111 der Gemeinde und im Staate. Wenn das alte Wort, die tapfere Losung des Selbst- bewußtseins: ^eder ist seines Glückes Schinied, fid) noch nit^h bewahren soll, so kann das nur in dem Sinne geschehen daß jeder zunächst und allermeist der eigenen »Ä ?n? ^"â)l>g eit vertraut und auf eigenen Füßen steht, daß er zu allererst durch sich und seine Leistungen vorwärts zu kommen strebt. Die Hauptsache ist und Tun ^J ^,n daß den Kamps ums Dasein jeder selbst fuhren muh, daß sich jeder, an welcher Stelle er |id) auch bcsinden mag, des Leitgedankens bemüht blci= beii so , was er ist und wird, verdanke er sich selber. UeberaU bestätigt die Erfahrung immer aufs neue die Tatsache, daß die größten einschneidenden Taten und Erfolge aus dem Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen der Anregung und dem Willen einzelner hervoraeaan- gen sind.

Aber Selbstvertrauen, Selbsthilfe allein reicht nicht immer aus, um sich zu behaupten, um den harten Da­seinskampf zu besteheii. Dèr Mensch ist von Haus aus ein soziales, genossenschaftliches Wesen und auch über die Zeit seiner Unselbständigkeit und Erziehung hinaus auf die Zusammenarbeit mit anderen, auf die Gemein­schaften angewiesen, in der er von Geburt an hineinge­stellt wird, und in denen er zu wirken berufen ist. Selbst­hilfe ist zwar eine wesentliche aber nur die eine Vor­aussetzung ergibt sich aus dem Gemeinschaftsgefühl, aus dem Gemeinschaftswillen. Zur Selbsthilfe muß sich die Eenossenschaftshilfe gesellen, wenn berechtigte Forderun­gen durchgesetzt werden sollen, zumal heute fast auf allen Gebieten Schwierigkeiten und Hindernisse die Kraft und Macht des einzelnen übersteigen und nur durch das Zusammenwirken vieler überwunden werden können. Der Gedanke, die einzelnen zu einem Ganzen, zu einer Genossenschaft oder zu einer Gewerkschaft zusam- menzuschlietzen, die Zusammengehörigen zu großen fe­sten Verbänden und Körperschaften zusammenzusassen und so einen starken Gemeinschaftswillen herzustellen, beherrscht allenthalben das Leben der Gegenwart. Jeg­licher Stand und Beruf ist heute zur Erfüllung politi­scher, wirtschaftlicher, kirchlicher, gesellschaftlicher Aufga­ben organisiert. Unser Zeitalter kennzeichnet die genossen­schaftliche Arbeit, der der Gedanke zugrunde liegt, daß Einigung und Einheit stark machen. Selbstvertrauen und Gemeinschaftsgefühl gehören zusammen, müssen sich er­gänzen.

Reicbstagswablvorbereitungen.

* Wie aus dem Bezirk Höch st- König berich­tet wird, hat sich Bürgermeister Meisinger in Kirch - Brombach bis jetzt zur Annahme des Mandats nicht entschließen können. Die Zeitungsmeldung, daß von nationalliberaler Seite als Reichstags-Kandidat für Bensheim-Erbach nunmehr auch Schloßhaupt- mann Baur-Lindenfels vorgeschlagen werden soll, be­ruht lt.Erb. Kreisbl." auf einem Irrtum. Als offiziel­ler nationalliberaler Kandidat wurde seinerzeit in der Darmstädter Vertrauensmänner-Versammlung des Wahl­kreises Herr Friedrich S c i o r-Erbach mit erdrückender Mehrheit aufgestellt. Da dieser nicht daran denkt zurück- zutreten, so kann von einer anderen nationalliberalen Kandidatur keine Rede sein.

* Bei den Kompromitzverhandlungen zwischen den oberschlesischen Polen und dem Zen­trum bietet nach der Breslauer Zeitung die Zentrums­partei jetzt den Polen Wahlhilfe in vier Wahlkreisen Westpreußens an: in Eraudenz und Thorn gegen die Nationalliberalen und in Marienwerder und Lobau gegen ihre konservativen Freunde.

Zur Stadt und Cand.

Giehen, den 24. Juli.

U e b e r t r a g e n wurde dem Schulanttsaspi - ranten Wilhelrn Grieb aus Ober-Hörgern, Kr. Gie tzen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu K ö d d l n g e n, Kr. Schotten.

Flug tag. Dem Sportverein von 1900 kann man mit seiner gestrigen flugsportlichen Veranstaltung einen vollen Erfolg buchen. Tausende von Menschen hielten trotz der sengenden Hitze das Flugfeld besetzt

um rF UU°?C Elchen 5 und 6 Uhr stattfinden, bes lebhaften Windes wegen wurde aber der Start aus V rl1^-^^ ^urz nach 6% Uhr erhob sich der zierüche Eindecker leicht und elegant in die Lüste. Nach b-^r"-^" ?^° der Pilot zurück und landete sicher an der Ausstiegstelle. Lebhafter Beifall wurde dem gcwand- cn Flieger zu teil. Es wurden noch zwei Flüge ab­solviert, die beide ebenfalls vorlresflich gelangen.

Dem Sportverein aber gebührt aufrichtiger Dank daß er diese Veranstaltung zustande gebracht hat unb ma n Jann nur wünschen, daß trotz der vielenZaun- gaste auch in finanzieller Hinsicht ihm ein voller Er­folg beschieden ist.

* Die dritte diesjährige Tagung des S ch w u r- gerichtes beginnt am Montag, den 25. September, jum Vorsitzenden des Schwurgerichtes für Oberhessen wurde Landgerichtsrat Brül in Gießen, für Starken­burg Landgerichtsrat Nagel in Darmstadt, für Rhein­hessen Landgerichtsrat Stiegel ernannt.

Das Infanterie-Regiment Kaiser Milhelm Nr. 116 beabsichtigt am 4., 5.f 8., 9. 11. unb 12. August d. J. von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags im Gelände hart westlich Gr. Rech­tenbach mit der allgemeinen Schußrichtung gegen die Hohe Birken" ein g e f e ch t s m ä ß i g e s S ch i e tz e n Mit scharfer Munition abzuhalten. Das gefährdete Ge­lände, insbesondere die Straßen WetzlarWeidenhausen- Volpertshausen und WetzlarReiskirchen werden an ben genannten Tagen von 8 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags innerhalb des Schußbereiches abgesperrt.

* Die große Dürre als Folge der tropischen Hitze macht sich von Tag zu Tag stärker bemerkbar. Das Sommerkorn bekommt die Notreife, das Gemüse geht zu Grunde, und auch die Kartoffeln leiden schweren schaden. Immer schaut man zum Firmament empor, aber Tag für Tag strahlt die Sonne mit unverminder­ter Gewalt vom stahlblauen Himmel. Durch die Stra­ßen und über die Felder geht ein Glutwind, als ob er aus einem Backofen käme. ' Alle Wetterzeichen, die sonst mit Sicherheit auf Regen deuten, schlagen in diesem Jahre fehl. Es hilft nichts, daß der Rauch niederschlägt und daß die Schwalben am Boden fliegen, selbst das Feuchtwerden des Salzes, ein Zeichen auf das die Haus­frauen so viel geben, hat in diesem Jahre keine Bedeu­tung. Während die Landleute sorgenvolle Gesichter ma­chen, freuen sich die Sommerfrilchler. Am Meer und im Gebirge muß es jetzt herrlich sein. So gehts im Leben:Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall".

-d- Bad-Nauheim, 24. Juli. Die Erweite­rungsbauten unseres Bahnhofes nehmen einen raschen Fortgang. Während der ganze Bahnhof bis zum Herbst 1912 fertig sein wird, wird die Güterhalle mit Abfertigungsgebäuden schon im nächsten Monat vollendet sein.

* Offenbach, 24. Juli. Die bekannten Vor­gänge in den letzten Stadtverordneten-Sitzuugen haben zwei weitere Mitglieder der Stadtverordneten veran- laßt, ihr Mandat niederzulegen: Die Herren L. Feyh und Christ. Schmidt.

* Darmstadt, 20. Juli. Einen schönen und dankenswerten Wohltätigkeitsakt hat gestern nachmittag derHessische Automobilklub" zur Ausfüh­rung gebracht. Er hatte durch Vermittelung der Bür­germeisterei resp, der städtischen Schulen sämtliche Kin­der, deren körperliches Gebrechen ihnen eine Bewegung in der freien Natur nur selten und unter großen Schwie­rigkeiten gestattet, zu einer Automobil-Spazierfahrt ein­geladen. Zur festgesetzten Stunde fanden sich etwa 60 solcher Kinder armer Eltern, meist von diesen getragen, gefahren oder geleitet, am Klublokal (Hotel Britannia) ein, und unter dem Jubel der zahlreich versammelten Zuschauer wurden die Kleinen in 16, von den Klub­mitgliedern zur Verfügung gestellten und mit Fähnchen geschmückten Automobilen, diemeist von ihren Besitzern

I persönlich geführt wurden, nach einer Rundfahrt durch die ctabt und die waldige Umgebung über Messet nach der Sommerfrische Einsiedel geleitet, wo sie aus Kosten des Klubs mit Kaffee und Kuchen, Ntilch u[id. bewir tet und obendrein noch mit schönen Büchern beschenkt wurden. Es war für jeden Zuschauer eine Freude, die dankbaren, glückseligen Gesichter der kleinen Automobil fahrer zu beobachten, wie sie sich's im Anblick der herrlichen Waldlandschast gut schmecken ließen und in ihrer Freude fröhliche Lieder sangen. Gegen 6 Uhr abends waren die Kinder wieder am Ausgangspunkt zurück und wurden von ihren Angehörigen in Empfang genommen.

-m Darmstadt, 24. Juli. Ain Sonntag mittag entstand im Walde bei Jagdschloß Wolfsgarten aus bis jetzt unaufgeklärter Ursache ein Waldbrand, der zirka 15 Morgen Tannen und Bllchenbestand einäschertè. 500 Mann Militär aus Darinstadt, sowie die freiwilligen Feuerwehren der benachbarten Orte dämmten das Feuer bald ein, sodaß keine Gefahr besteht. Der Grotzhcrzog erschien persönlich auf dem Brandplatz und beteiligte sich lebhaft an der Bekämpfung des Feuers.

*) Mainz, 24. Juli. Die Bürgermeisterei zu Mainz wandte sich mit einem Rundschreiben an die rheinhessischen Städte und an die Stadt

Wiesbaden und fragte darin an, ob sie mit der Ein führung der vollständigen Sonntagsruhe einverstanden seien. Die ........

sich ablehnend geäußert, dazu bereit erklärt.

* Biedenkopf, für Jugendpflege

rheinhessischen Städte haben dagegen hat sich Wiesbadeli

24. Juli. Ein Kreisausschuß

hat sich hier unter bem Vor sitz des Landrats Dr. Daniels gebildet. Von den Mk.

15 000, die der Regierung zu Wiesbaden zur Unter­stützung der Jugendfürsorge überwiesen sind, hat der Kreis Biedenkopf 600 Mark erhalten.

-l- Weilburg, 24. Juli. Die Stadtverordneten beschlossen die Ausnahme einer Anleihe von 70 000 M. zwecks Ankaufs des Bauplatzes für die neue Unterof fizierschule. Der Magistrat hat namens der Stadt an die Intendantur des 18. Armeekorps, sowie an das Militär-Bauamt Gesuche gerichtet, bei der Erbauung der Unteroffizier-Vorschule auch die heimischen Handwerker und Gewerbetreibenden bei Vergebung der Arbeiten zu berücksichtigen.

* Dillenburg, 24. Juli. Die Rettungsmc daille am Bande wurde dem Fräulein Bubenzer in Freudenberg verliehen, die im Februar dieses Jahres auf dem Asdorfer Weiher den Lehrer Uffelmann mit eigener Lebensgefahr vor dem Ertrinken rettete.

* Limburg, 24. Juli. Eine Anzahl Blätter hatten jüngst die Nachricht verbreitet, daß der katholische Pfarrer Schneider von Arnstein im Lahntal ohne Vor­wissen des Kirchenvorstandes und des Fiskus, welch letzterer Kirchenpatron von Kloster Arnstein ist, Alter - tümer aus dem alten Kloster Arnstein von hohem ar­chäologischen Werte heimlich an einen Wiesbadener Kunsthändler verkauft habe, um Geld für den Kirchen - bau von Saulbach zu gewinnen. Der angegriffene Pfar­rer erklärt nunmehr in der Oeffentlichkeit, daß die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende verleumderische Er­findung sei, und daß ihm, da jene Blätter ihm sogar die Aufnahme einer Berichtigung verweigert hätten, nichts anderes übrig bleibe, als gegen alle jene Zeitun­gen die Verleumdungsklage anzustrengen.

* ) N a s s a u a. d. L., 24. Juli. Die Mauern der Ruine des im 12. Jahrhundert erbauten Ahnenschlosses des Frhrn. von Stein in Nassau a. b. L. sind nachts eingestürzt. Weitere Einstürze drohen noch. Das in der Nähe stehende Denkmal des Frhrn. v. Stein ist nicht gefährdet. Der Platz ist abgesperrt.________________

* Auszeichnung. Dem Seniorchef der Firma Henkel & Co., Fabrikantin des selbsttätigen Waschmit- telsPersil" und von Henkels B l e i ch s o d a, Herrn Fritz Henkel senior, ist der Charakter als Kommer­zienrat verliehen worden.

Literarisches.

Die gehaalte G'schwister. Volksstück in 3 Akten von Greta Vickelhaupt. Mit einem Gruppen­bild. Verlag H. L. S ch l a p p-Darmstadt. Preis 1 Mk. Die Verfasserin hat das Leben und Treiben der Oden- wälder, ihre Freuden und Leiden selbst miterlebt und darum leben auch ihre Gestalten und zaubein uns ein Stück echten Erbacher Volkslebens auf die Bühne.