»e-r ober minder schwer verletzt wurden. An dem Aufkommen von fünf schwerverletzten Personen wird gezweifelt.
Amerikanische Lynchjustiz. In Lake City in Florida wurden sechs Neger von einem Volkshaufen aus dem Gefängnis geholt und erschossen, weil sie im Verdacht standen, einen weißen Farmer erschossen zu haben.
Selbstmord auf dem Friedhof. In Patti bet Messina sanden Arbeiter auf dem Friedhof die Leiche eines etwa 40jährtgen Deutschen an einem Grabe inmitten einer großen Blutlache. Er hatte sich erschossen. Vorher hatte er nach den Umständen geforscht, unter denen die an dieser Stelle begrabene junge Dame gestorben war.
Schreckenstat einer Wahnsinnigen. Als ein bekannter Berner Fremdenführer nach Hause zurückkehrte, bot sich ihm ein furchtbarer Anblick dar. Seine Frau hatte in einem Anfall von Geistesstörung zwei von ihren vier Kindern den Hals durchschnitten, die beiden anderen schwer verletzt und sich dann selbst erschossen.
Vermischtes,
Die Herzogin von Hohenberg. Zwischen dem Kaiser Franz Josef und dem Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand besteht eine leichte Verstimmung, weil dieser eine neue Rangerhöhung seiner Gemahlin wünscht. Er verlangt, daß sie vor den unverheirateten Damen des Kaiserhauses rangiere. Der Kaiser verweigert aber die Erfüllung dieses Wunsches, weil dadurch wohlerworbene Rechte dieser Damen verletzt würden. Infolgedessen hat der Thronfolger, wie wir bereits früher meldeten, die Teilnahme an den Krönungsfeierlichkeiten in London verweigert, und mit der Vertretung des Kaisers ist der Erzherzog Josef beauftragt worden. Man nimmt an, daß der Thronfolger später als Kaiser die gewünschte Rangerhöhung durchführen wird, indem er sie zur Kaiseringe- mahlin ernennen wird. Trotzdem aber bleiben für die Zukunft Schwierigkeiten bestehen. In Ungarn ist sie vollgültige Königin, weil dort die Ebenbürtigkeit nicht verlangt wird. Trotzdem sind aber ihre Kinder nicht zur Thronfolge berechtigt nach der Bestimmung der pragmatischen Sanktion, daß nur der Erbe des Kaiserhauses die Stephanskrone tragen kann, der zugleich in Oesterreich erbberechtigt ist, und da nach dem Gesetz die Kinder aus der morganatischen Ehe von der Erbfolge ausgeschlossen sind. Auch als Kaiser hat der Thronfolger nicht die Möglichkeit, Veränderungen zu schaffen.
Zu den gemeldeten Unterschlagungen auf dem Gör- litzer Bahnhof in Berlin wird weiter berichtet, daß der verhaftete Assistent Heinze heißt. Er ist nach seinem Geständnis zunächst durch die Rot auf den Gedanken gekommen, sich an den amtlichen Geldern zu vergreifen. Die Krankheit eines Kindes, das er später durch den Tod verlor, brachte ihn in die erste Verlegenheit. Er sowohl wie auch die Assistentin Michaelis benutzten zu ihren Manövern die Fahrkarten, die nicht voll bezahlt werden, Kinderkarten usw. und verstanden es, die Kontrolle zu verschleiern. Als jetzt durch Stichproben Unregelmäßigkeiten in größerer Anzahl festgestellt wurden, bestellte man Heinze und die Assistentin auf den vergangenen Freitag zur Revision. Beide blieben aus. Es ergab sich, daß Heinze auch noch die letzte Tageskaffe eingesteckt hatte. Mit dieser irrte er in den Vororten umher, bis es ihn am Sonntag morgen nach seiner Familie zog. Die Assistentin, die ganz unabhängig von Heinze vorgegangen ist, hat die letzte Tageskaffe nicht angerührt. Sie hat schon wiederholt ihrer Schwester gegenüber Selbstmordgedanken geäußert. Wahrscheinlich hat sie denn auch den Tod gesucht.
Der Vater vom eigenen Sohne überfallen. Der 20- jährige Kellner Fischer in Hamburg stahl vor kurzem seinem Vater, der in einem Varietee Kassierer ist, 100 Ji aus dessen Kasse und ging damit nach Dresden. Hier lernte er den Klempner Gothmann kennen und beide planten nun einen neuen Raub an der Kaffe des Varietees. Sie fuhren wieder nach Hamburg und lauerten dem heim- kehrenden alten Fischer nachts im Hausflur auf. Hier warfen sie ihm eine Schlinge um den Hals, doch der Ueber- fallene wehrte sich so kräftig, daß die beiden Verbrecher entflohen. Es gelang indes alsbald den Sohn festzunehmen, sein Kumpan wurde am anderen Morgen verhaftet.
Der „wohlgelungene Bootsunfall". Ueber ein Bootsunglück auf der Oberspree berichteten am Montagmorgen einige Berliner Blätter. Am „Reuen Eierhäuschen" in Treptow, hieß es, kenterte ein mit drei Personen, zwei Herren und einer Dame, besetztes Ruderboot, weil die Jn- sassen während der Fahrt die Plätze wechselten. Alle drei Personen fielen in das infolge des böigen Windes bewegte Wasser usw. Ganz so gefährlich, wie es aussah, war aber die Geschichte doch nicht. Denn der Berichterstatter hat vergessen, hinzuzufügen, daß es sich nur um eine wohlvor- berèitete kinematographische Aufnahme handelte.
Ein verzweifelter Deserteur. Wie aus Posen gemeldet wird, war vor 22 Jahren der Unteroffizier Zborowski vom Ulanenregiment in Militsch nach Rußland desertiert. Zborowski kehrte jetzt in seine Vaterstadt Pleschen zurück und meldete sich als Deserteur beim dortigen Meledamt; er wurde in Haft genommen und am folgendemMorgen erhängt aufgefunden. In Rußland hat er eine Frau und fünf Kinder zurückgelassen.
Eine Frau als Zugabe. Auf eine nicht alltägliche Weise wird in einer großen Tageszeitung eine Heiratsannonce veröffentlicht. In dieser wird zuerst ein Gut von 500 Morgen Land angeboten. Dann werden die genaueren Verhältnisse des Besitzers angegeben, daß das Gut aus schönen Gebäuden besteht, rings um den Hof von Land umgeben und daß 50 Morgen schlagbaren Waldes, 60 Stück Rindvieh, 20 Pferde und 40 Schweine zu diesem gehören. Zuletzt wird dem eventuellen Käufer, der ein strebsamer Landwirt von höchstens 40 Jahren sein soll, die gute Gelegenheit in Aussicht gestellt, eine gebildete, hübsche Dame zwecks Heirat dabei kennen zu lernen. Und dies alles ist für den wohlfeilen Preis von 170 000 Mark zu haben. Hoffentlich findet sich bei den anscheinend so sehr günstigen Bedingungen recht bald ein paffender Reflektant, ver Gut und Mädchen erwirbt.
Das Niesenschulkind. Die Volksschule des kleinen Ortes Daun in der Eifel kann die Ehre für sich in Anspruch nehmen, dem größten Schulkind die Weisheit einzutrichtern. Das Riesenkind ist ein Mädchen von 13 Jahren, das 1 Meter und 72 Zentimeter mißt und 140 Pfund wiegt Für solche Dimensionen waren aber die Schulbänke in Daun nicht berechnet, sie waren zu ena und bedrückten den Körper des Riesenkindes so stark, daß dieses sich genötigt ab, während des Unterrichtes zu stehen. Da man eine olche Tortur auch von einem Riesenkind nickt verlangen 'ann, beantragte der Vater des Kindes die Schulentlaffung einer Tochter. Damit hatte er aber kein Glück. Die könig- iche Regierung in Trier hat nur eine zeitweilige Beurlaubung des Riesenkindes mit Rücksicht auf seine kranke Mutter gestattet.
Mas hat die neue Rheinbrücke in Cöln gekostet? Aus
schließlich der beiden Reiterstandbilder hat die Brücke 13,3 Millionen Mark gekostet. Das find kaum 1,5 Millionen Mark mehr als vor etwa 50 Jahren die alte Rheinbrücke, die früher an ihrer Stelle stand, gekostet hat, obwohl an der neuen Brücke allein die dreifache Menge an Eisenwerk verbaut wurde, obwohl fich auch der ganze Bau erheblich schwieriger gestaltete, die Arbeitslöhne seitdem um das Mehrfache gestiegen und der Geldwert um die Hälfte abgenommen hat. Den größten Anteil an dieser Verbilligung trägt die Verbesserung der Eisentechnik. Die neue Rheinbrücke hat bewiesen, daß man solche Bauten heute um das Dreifache billiger herstellt als vor 50 Jahren.
Ein 159facher Raubmörder. Aus Smyrna wird geschrieben: Dieser Tage wurde der berüchtigte Bandit Kara- Ali, ein Mitglied der Bande des „analolischen Räuberkönigs" Tschakirdschali vom Strafgericht zum Tode verurteilt. Nach den Gerichtsakten hat dieser Unhold während seiner zehnjährigen Räuberlaufbahn nicht weniger als 159 Menschen ermordet. Sein Häuptling Tschakirdschali selbst spottet freilich noch immer der jahrelangen Verfolgung durch die türkischen Truppen. Vor einigen Wochen glaubte der Muchtar (Dorfälteste) eines Bergnestes den Schlupfwinkel des größten Banditen des Jahrhunderts den Behörden verraten und die 1000 Pfund Kopfgeld verdienen zu können. Als die Truppen ankamen, fanden sie das Rest wieder leer, dafür aber den Angeber samt Weib und Kind ermordet. Man brauchte nicht zu fragen, von wem? Durch verschwenderische Freigebigkeit gegenüber seinen Hehlern, durch furchtbaren Terrorismus gegenüber Verrätern sichert sich Mehmed Tschakirdschali wohl noch auf lange die tatsächliche Herrschaft über das G.ebiergsland des Vilajets Smyrna- Aidin.
Wettrennen zwischen Schildkröten. Auf den Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie haben besonders die amerikanischen Passagiere infolge der Langeweile, die eine Seefahrt mit sich bringt, einen neuen Sport geschaffen, der bei den jungen Leuten der Reuyorker Lebewelt sehr schnell Eingang gefunden hat. Es ist dies die Veranstaltung von Wettrennen, die zur Abwechslung nicht zwischen den schnellsten Tieren, sondern zwischen den langsamsten und trägsten, nämlich den Schildkröten, veranstaltet werden. Die amerikanischen illustrierten Zeitungen (übrigens auch schon die deutschen) bringen Photographien von diesen eigenartigen Wettrennen, die folgendermaßen veranstaltet werden: Zwei oder mehrere riesige Schildkröten werden nebeneinandergesetzt; die Reiter oder Iokeys, die sie lenken, sind Knaben von 10 bis 12 Jahren, die die Tiere an Zügeln festhalten. Auf ein bestimmtes Zeichen geht das „Rennen" los. Die Knaben versuchen auf alle Art und Weise die Tiere zu etwas schnellerem „Galopp" anzuspornen, da natürlich auch hier derjenige der Sieger ist, ver sein „Roß" zuerst ans Ziel bringt. Die Hauptsache bei diesem Sport ist den Amerikanern der Umstand, daß er Wetten möglich macht. Es wird denn auch hier so viel gewettet, wie nicht einmal bei den Pferderennen, da hier die Aussichten noch viel unsicherer sind als bei den Pferden, bei denen man ungefähr nach Kenntnis ihrer Fähigkeiten und Leistungen den Ausgang des Rennens voraussehen kann. Bei den Schildkrötenrennen sind diese Berechnungen naturgemäß viel unsicherer. Das beste „Rennpferd" ist bisher die Schildkröte „Eondor", die einem Mitglieds der Familie Astor gehört. Sie hat schon mehrere Rennen glänzend gemacht und zeigt eine gewisse Kampfeslust. Die Rennstrecke beträgt 10 Meter, die durchschnittlich in vier bis sechs Stunden zurückgelegt wird.
Eine Wnrstrevolntion steht in Frankreich bevor: Der umhüllende Darm soll als unsauber und unhygienisch beseitigt werden. Was an Würsten in Frankreich gestopft wird, soll in neuer sauberer Hülle auf den Tafeln erscheinen. Das Lebensmittel-Syndikat hat nach zustimmenden Gutachten des Ackerbauministers beschlossen, daß künstliche Häute an Stelle der Därmen treten sollen. In Gaze stellen sich in Zukunft die Würste in Frankreich ein, ganz genau in der Gaze, welche die geschmeidigen Balleteusen umflattert, natürlich aber in einer besonderen Zubereitung. Die Gaze wird mit Gelatine überzogen, gepreßt und mit Alaun behandelt. So soll allen Gefahren der Bazillenübertragung gesteuert werden. Einen Nachteil hat ja diese Erfindung. Es gibt ja arme Schlucker, die ihr Wurstendchen mit allem Zubehör herunterzuschlucken pflegen: diese Armen werden natürlich in der Alaungaze eine sträfliche Beeinträchtigung ihrer Magenbedürfnisse sehen und die hygienische Erfindung als eine Gehässigkeit des kapitalistischen Regimes ver- fluchen.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Ein neuer Novellenband von Sudermann. Hermann Sudermann hat soeben bei Cotta in Stuttgart einen neuen Novellenband „Die indische Lilie" erscheinen lassen. Fast alle diese sieben, meist in knappen Umrissen gehaltenen Geschichten, deren erste dem ganzen Buche den Titel gibt, spielen in dem modänen Berliner Milieu, das der Dramatiker Sudermann einst mit so unerbittlicher Schärfe in „Sodoms Ende" zeichnete. „Die indische Lilie" ist eine Skizze aus der Aristokratenwelt, „Der Lebensplan" eine Studeutennovelle, „Das Stcrbelied" eine Krankengeschichte aus Nervi, „Die leidende Dritte" und „Herbst" zeichnen Typen aus der modänen Gesellschaft. „Fröhliche Leut" ist ein kurzes Kindergeschichtchen, und die letzte der sieben Novellen, „Thea", gibt sich als eine großstädtische Liebesphantasie, in der der Realismus der voraufgehenden No- vellen poetisch ausklingt.
Unsers Kaisers Tochter.
„Des Kaisers Tochter hat die Herzen der Londoner im Sturm erobert. Ueberall erregt sie Begeisterung durch ihr gewinnendes Lächeln und ist der Gegenstand höchsten Interesses für jeden, mit dem sie in Berührung kommt. Schön, blauäugig, über mittelgroß, von anmutig schlanker und dabei geschmeidig kraftvoller Gestalt, rasch in ihren Bewegungen und in ihrer Sprechweise, und mit einem Gesichtsausdruck, sobald sie mit jemand spricht, als wenn sie gerade mit dem bedeutendsten Jndividium der Welt in Unterhaltung wäre." Mit solchen Worten leitet „Margaretha von Königsberg" eine anschauliche Federzeichnung ein, die ne von der Persönlichkeit und dem Wesen der Prinzessin in einem Londoner Blatt entwirft.
„Meine Bekanntschaft mit der Prinzessin datiert schon von ihrer Kindheit her," heißt es weiter, „das erstemal kam ich mit ihr in nähere Berührung, als sie noch ein kleines Persönchen von vier Jahren war. Damals spielten ne nnö ihre Brüder zusammen auf den Sandhaufen im Park von Wilhelmshöhe. Sie führte über ihre Brüder ein strenges Regiment. Ihr leisester Wunsch galt als Gesetz, nnö alles, was sie tat, tat sie mit dem Stolz einer kleinen Königin, die sieht, daß ihr ihre Untertanen gehorchen. Um die Wahrheit zu sagen, der Kaiser verzog sie damals schrecklich, und die Kaiserin mußte cingreiscu, damit ihr nicht aller Willen gelassen würde. Die Kaiserin hat in der Tat ihre Tochter erzogen, denn sie wählte persönlich alles aus, was mit ihrer Bildung und mit ihrem Unterricht in Beziehung stand und empfing nicht nur wöchentlich einen Bericht über die Leistungen der Prinzessin, sondern war auch häufig im Schnlzim-
mer anwesend. Die Kaiserin fÜ, wie alle deutsche 8firf>fW** nen, sehr häuöUch. Deshalb hat sie eifrig dafür gesorgt,» daß ihre Tochter sich in derselben Weise betätigte. Eine Zeitlang wurde Tag für Tag damit verbracht, die Prinzessin in die Haushaltungspflichten ein-nweihen. So ist die Prinzessin so häuslich erzogen worden, wie irgend ein Mädchen ihres Landes.
Eins ihrer größten Vergnügen besteht darin, früh am Morgen den Platz ihrer Mutter einzunehmen, ihrem Vater den Kaffee zuzubereiten, und ihm die „Knüppel" zu streichen. bevor er seinen AuSritt unternimmt, wenn selbst der größte Teil bca früh ausstehenden Potsdam noch im Schlaf liegt. Wenn eS nötig wär könnte die Prinzessin ein recht anständiges Mittagessen kochen, denn sic versteht sich auf diese Kunst und hat bei der Zubereitung von Speisen das, was man mit einem kttchentcchnischcn Ausdruck „eine leichte Hand" nennt.
Wie in den häuslichen Tugenden, so hat die Prinzessin auch in der schweren Kunst der Sparsamkeit eine nute Schule empfangen. Weder der Kaiser noch die Kaiserin dulden irgendwelche Verschwendung und haben ihren Kindern den wahren Wert des Geldes erkennen gelehrt. So ist eS noch jetzt, obwohl die Prinzessin über ihre eigenen Reve- nüen verfügt, und ihre Toilette bis einem gewissen Punkte sich selbst auSwählen darf. Die Prinzessin hat wie ihr Vater Begabung für die Musik und die schönen Künste und ähnelt ihm überhaupt in vieler Hinsicht. Sie ist in vier oder fünf Sprachen trefflich zu Hause und spricht englisch mit einem Akzent, dem man kaum die Ausländerin anmerkt."
Zur Katastrophe bei Zssy
Wie von einer Pariser Zeitung berichtet wird, unterhielt sich Kriegsminister Berteaux am Freitag mit dem Deputierten Rabier über den Mettflug Paris—Madrid und äußerte dabei: Ich werd.' dem Start beiwohnen: aber ich bin nicht ohne Besorgnis Es wird eine große Volksmenge dort sein, und ein Unglücksfall ist immer zu befürchten. Wenn ein Flugzeug auf die Zuschauer stürzen sollte, es wäre entsetzlich. Ich wollte, der Sonntag wäre vorüber! Ein Berichterstatter erzählt, daß Berteanr, als er sah, wie die Truppen sich oft vergeblich abmübten, die Zu- schauermenge zurückzuhalten, zum Poltzeipräfekten sagte: Wie wäre es, wenn wir ein gutes Beispiel gäben und zu unseren Tribünen zurückkehrten! Einige Sekunden später ereignete sich die Katastrophe.
Die Beerdigung des Kriegsministers Berteanx ist für Freitag ang-setzt worden. Das körperliche und seelische Befinden des Ministerpräsidenten ist zufriedenstellend. Er ist fieberfrei und hat mehrere Stunden geschlafen. Monis unterhielt sich Montag vormittag bei großer Geistesklarheit mit dem Nnterstaatssekretär Constant über die Marokkoangelegenheit und erkundigte sich nach dem Befinden des Kriegsministers, den er schwer verwundet glaubt. Obwohl die Besserung im Befinden Monis die Besorgnisse seiner Umgebung zerstreut hat, wird versichert, der behandelnde Arzt Professor Lannelongue werde sich erst in drei Tagen endgültig über den Zustand des Verletzten äußern können.
Weitere Beilcidskundgebungen.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt ans Anlaß der Katastrophe vor den Wällen von Paris: „Es ist keineswegs nötig zu sagen, daß die deutsche Negierung und das deutsche Volk, durch dies menschlich erschütternde Unglück tief bewegt, die Trauer des französischen Volkes und dec französischen Regierung aufrichtig teilen."
Die russische Ncichsduma beauftragte nach Eröffnung der gestrigen Sitzung das Präsidium, dem befreundeten, verbündeten Frankreich aus Anlaß des Unglücks telegraphisch das Mitgefühl und Bedauern der ReichSduma auszudrücken.
Drahtnachrichten und neuestes.
Durch einen Polizeihund des MordeS überführt.
G-£ Merseburg, 23. Mai. In Hettstedt erschoß der 24» jährige Messingarbeiter Buettner gestern abend im benachbarten Walde seine Braut. Er ging darauf zur Polizei und gab an, daß im Walde die Leiche seiner Braut liege. Die Tat bestritt er entschieden. Ein Polizeihund nahm von dem Manne Witterung, stürzte sich auf ibn und warf ihn zu Boden. Vor Schreck gestand er nun die Tat ein, gab aber an, das Mädchen auf ihren eigenen Wunsch erschossen zu haben.
Furchtbare Tat einer Mutter.
»-» Plauen, 23. Mai. In der vergangenen Nacht durchschnitt in Brambach in der Nähe der böhmischen Grenze die Ehefrau des Hilfsweichenwärters Adler ihren ältesten Kindern im Alter von vier, sieben und acht Jahren mit einem Rasiermesser d'.e Kehle und ertränkte sich darauf mit ihren beiden jüngsten Kindern im Alter von wenigen Wochen und anderthalb Jahren im Mühlbach. Diebstahlsverdacht hat die Frau, die in einem Briefe ihre Unschuld beteuert, zu der furchtbaren Tat veranlaßt.
Opfer des Hochwassers in Schlesien.
Natibor 23. Mai. Bei dem Hochwasser der Oder sind der Gendarm Müller aus Mährisch-Ostrau und zwei andere Personen ertrunken. In Troppau ist ein Haus infolge des Hochwassers eingestürzt. Ter Schaden, der durch das Hochwasser angerichtet wurde, ist sehr groß.
Eine Gegenrevolution in Portugal?
^ London, 23. Mai. Wie ein hiesiges Blatt meldet, haben die hier lebenden Portugiesen die Nachricht erhalten, daß eine Erhebung gegen die Republik sorgfältig vorbereitet werde, deren Ausbruch in Lissabon unmittelbar bevorstehe. Die Monarchisten in Oporto sollen das Signal zur Erhebung geben________________ ____
Randel und Verkehr.
Frankfurt, 22. Mat. Viehmarktpreise vom 22. Mai. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen, a) vollfleischige, ausgemästcte höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgew.) ^ 49—54, iSchlachtgew.) Ji 89—93, noch nicht gezogen haben lungejocht) lLebendgew.) Ji 48—o3, iSchlachtgew.) .4 87—91, b) junge fleischige, nicht ausgemastete und älter' ausgemästete (Lebendgew.) JI 44—48, iSchlachtgew ) Ji 80—87, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere iLebendgew.) ^ 42—44, iSchlachtgew) 76 bis 81. B. Bullen, a) vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes iLebendgew.) Ji 45-49, iSchlachtgew.) Ji 75 bis 81, b) vollfleischige jüngere iLebendgewicht) 38—42 .« iScklachtgewicht) 63—70 JI. C. Färsen und Kühe: a) voll- fleischige ausgemästete Färsen Höchsten -Lchlachtwertes ix,e= bcndgewicht) 42—45 Ji, iSchlachtgewicht) 75—81 ^/ö) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren iLebendgew.) 41—44 Ji, iSchlachtgew.) 76-/9 c) 1. wenig gut entwickelte Färsen iLebendgew.) 39 41^, iSchlachtgew.) 75—79 Ji, do. 2. ältere auögemastete Kühe und wenig gut entwirf, jung. Kühe (Lebendgewicht) 3r bis 40 X iSchlachtgew.) «5-74 X d) mäßig genährte Kühe und Färsen iLebendgew.) 27-33 X iSchlachtgew.) 54-66 X e) gering genährte Kühe und Färsen iLebeudgew^) iSchlachtgew) 43—59 JI. D. Gering genabrtes Jungvieh iFresser) — X Kälber: a) Doppellender fein,te Mait - X b) feinste Mast- iVollmilch-Mast) und beste ^o.ugkalber iLe- bendgewicht) - JI. iSchlachtgew.) - JI, c) mMle^e Mast- und gute Saugkälber iLebendgew.) 50—55 X lSchlachtgew.) 83—91 Ji, d) geringe Saugkälber iLebendgew.) 48—51 X (Schlachtgew.) 81-80.