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Vezugspreir 50 pfg. monatlich oierteljährlich 1/>0 Mk., vorauszahlbar, frei ins HauS. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zwein- atlSgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. — Erscheint Mittags 3 Uhr. — Die „SUnftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. — Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Giestener Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen der Großherzoglichen ^AH des Großherzoglichen Dür germeislereiWUPolizei- Amtes sowie vieler anderer v^ d Behörden Gberhessens
Expedition: Zelters weg 83.
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Nr. 12L
Teleph on: Nr. 362.
Mittwoch, den 24. Mai 1911.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
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fiimmellabrtstag.
Vom Himmel ist er gekommen, und zum Himmel ist er aufgehoben. Zn der Schule lernen es die Kinder, in der Kirche vernehmen es die gläubig Andächtigen, in der Bibel selbst lesen es die Eifrigen nach: „.. . Und da er solches gesagt, ward er ausgehoben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg." Dieser religiöse Grundgedanke des Tages ward durch die Jahrhunderte hindurch weitergetragen. Er blieb unzerstört von der alles aufraffenden Zeit. Er leuchtet in die Gegenwart hinein und grüßt Dich in der Morgenstunde heute mit Sonnenlicht, das in schweren, goldenen Strahlen machtvoll hereinstutet in Dein kühles Gemach, auf daß Helligkeit verbreitet werde und wohlige Wärme. Eine tiefe Scheu vor der Wundertätigkeit der himmlischen Allmacht, die über diesen Tag das Buch der Bücher kündet, und dabei eine innige Freude über die Herrlichkeit des sieghaften Gedankens der Himmelfahrt erfüllen das Gemüt. Die Erhebung des Menschensohnes zum Throne Gottvaters ist die Krönung des irdischen Lebenslaufes des Erlösers, dessen segenspendende Kraft, die Anschauungen und Handlungen einer Welt umstürzte, ihnen für alle Zeit die Richtung wies. Den glaubensstarken Christen durchströmt heute das Gefühl eines' seligen Glückes.
Es ist etwas Fesselndes um die tiefgründige Bedeutung der religiösen Poesie. Ihrem Einflüsse unterliegt auch der, welcher sich innerlich „frei" glaubt von dem „Dogitta" der christlichen Konfessionen. Auch bei ihm gewinnt der Gedanke der Erlösung und der beruhigenden Hoffnung aus eine frohe Zukunft unwiderstehliche Macht. Wenn auch aus unterschiedliche Weise, so hofft doch jeder, dcrß auch ihm einmal ein Tag der Auferstehung beschieden sei. Die Idee der Erlösung, die Idee der Unsterblichkeit lebt in dieser oder jener Form in jedes Menschen Herzen.
Unterliegt der Mensch doch willig dem Einflüsse der Gegenwart. Und sie ist in einer zweiten Richtung nicht minder berauschend und beseligend: sie hat uns den Frühling gebracht. Wie sah es noch vor wenigen Wochen aus in der Natur? Kahl und öde, schier trostlos all überall. Da brach die Sonne hinter den weltenfernen Wolkenbergen hervor und übergoß mit neuer Kraft, was des Zauberkusses dieser Segenspenderin harrte. Von wundertätiger Hand geführt, entrollten sich die srischgrünen Blättchen, entfalteten sich die weißen und rosigen Blüten. Alles das knospete aus unscheinbarem Geäste hervor, strebt nun der Sonne entgegen. Gerüstet hat sich Mutter Natur auf den heutigen Tag. Und wer jetzt hinauseilt an den Fluß und im den Wald, genießt des in stürmischen Wintermonden entbehrten Bildes einer frohlockenden Lenzzeil. Als Religionsfest und als Naturfest spricht die Gegenwart eine gleich eindringliche Sprache.
Ja, im Frühling ist es eine Lust zu leben und man fühlt es dem Dichter nach, der gesungen hat: Wie ist doch die Erde so schön! Diesen Frühling noch recht ost erleben, wieder und immer wieder die Erde im Lenzschmuck bewundern und lieben dürfen, wer hätte nicht diesen Wunsch?
Und doch schleicht sich in diesen Wunsch, hier zu bleiben, ewig hier zu sein, jene leise Sehnsucht, die hinweg ruft von aller Erdenherrlichkeit. Nicht der Rus des unerbittlichen Mahners, der uns dereinst die abgelaufene Uhr vor Augen halten wird: „Deine Zeit ist da, mach anderen Platz." Nein, ein Gefühl des Heimwehs, ein Verlangen nach anderen Bildern, anderen Freuden, als die Erde selbst im Frühlingsglanze bieten kann. Wenn wir in stiller Nacht gen Himmel blicken, wo Millionen Sonnen seit Millionen Jahren ihre Bahnen ziehen, dann regt sich die Frage: ob du wohl einmal wohnen wirst aus einem dieser Sterne, ein seliger, verklärter Geist, erlöst von allem Druck des Erdenleids, befreit von allen' Leibessesseln? Oder:
Wenn im letzten Abendstrahl Goldene Wolkenberge steigen Und gleich Alpen sich erzeigen, Frag' ich ost mit Tränen: Liegt wohl zwischen jenen Mein ersehntes Nuhetal ?
Himmelfahrt möchten wir halten. Wohl missen wir, daß Wolken und Sterne nicht können unser Wohnplatz sein, aber doch ist uns noch heute der Himmel, der sich um die Erde spannt, das Sinnbild der Gegenwart Gottes, wie er den ersten Jüngern in Wirklichkeit die Stätte war, wo Sott wohnte und ihr Heiland hingmg. Und zu Sott, unserem Ursprung, zieht es uns ewig hm. Unsere Seele ist zu dir geschaffen und ruhet nicht, bis sie
I ruhet in dir." Mit diesen Worten hat Augustinus die uralte und ewig neue Sehnsucht der Menschenbrust ausgedrückt. Und sie nicht ersterben zu lassen, das Ziel unserer Erdenwanderung nicht zu vergessen, täglich Gott näher zu kommen, bis man endlich ganz Himmelfahrt halten kann, daran will uns der heutige Tag erinnern. Zu Weihnachten hat sich der Himmel zur Erde herab gesenkt. Zu Himmelfahrt hebt sich die Erde dem Himmel entgegen. Von Gott durch Gott zu Gott, das ist der Kreislauf, der unseres Daseins Gesetz bildet. Wer diese Bahn verläßt, der irrt, wie ein Komet, wie ein verlorenes Meteor im Wellenraum, durch das Leben hin und findet sein Ziel nicht. Wer aber den Zug nach oben sich bewahrt und in allen Lebenslagen ihm folgt, der hält schon jetzt, ja der hält täglich seine Himmelfahrt. -ck-
Deutscher Zuverlänigkeifsflug am Oberrhein.
Noch hastet die schreckliche sranzösische Flugkatastrophe bei Jessy les Moulineaur in aller Gedächt- * nis, und schon wieder setzt eine Unglücksbotschaft die Ge- i müter in Erregung:
Straßburg, 23. Mai. (Tel.) Der Flieger L a e m m l i n ist gegen 8% Uhr bei einem Schau- siuge aus dem Flugplätze Polygon bei Straßburg abgestürzt und war sofort tot. Der Apparat neigte sich bei einer Kurve links seitwärts, streifte an eine hohe Pappel ynb überschlug sich. Hierbei stürzte der Flieger heraus und erlitt so schwere Verletzungen, denen er sofort erlag. Vom Publikum wurde eine Frau am Auge verletzt.
Der Apparat ist vollkommen zerstört. Die Propeller ! sind in kleine Stücke zersplittert.
Aus Stadt und Land.
Gietzen, den 24. Mai.
Verkaufstag der Großherzogin.
Die Vorarbeiten für den Verkaufslag I. K. H. der Großherzogin sind soweit abgeschlossen, daß diese Woche schon mit der Ausführung der Einrichtung in Steins Garten begonnen werden konnte. Inzwischen haben die Vorstandsdamen der einzelnen Verkaussstände ihre Mitarbeiterinnen gewonnen und viele fleißige Hände rühren sich in emsiger Tätigkeit. Auch die Großherzogin unterzieht sich mit ihren Hofdamen der mühevollen Anfertigung von Handarbeiten und Einkäufen aller Art. Den Käufern wird viel interessantes und auch manche Ueberraschung geboten werden.
Es sind im ganzen neun Verkaufs st ände vorgesehen, die in den umfangreichen Lokalitäten des • Stein' schen Saalbaues und des Gartens eingerichtet ' rverden. Die Ausstattung der Stände erfolgt in verschiedenen Farben nach den persönlichen Angaben des Grohherzogs und wird einen äußerst reizvollen Eindruck machen. Mit der Ausführung des künstlerischen Arrangements wurde Architekt H. Meyer betraut, dessen De- 1 tailpläne die besondere Anerkennung des Großherzogs- paares fanden. Im großen Saal wird der V e r - -kaufsstand der Großherzogin eingebaut. Die Ausstattung ist in Weiß mit Gold unter bescheide- ; ner Verwendung von Grün gedacht. Daran schließt sich ' im kleinen Saal der „Lila-Stand" der Fürstin zu Lich. I Das jetzige Büfett im großen Saal wird in grünen Farben ausgestattet und wird hierin Frau Geheimrat Gail mit ihren Damen tätig sein. An Stelle der Bühne ! erfolgt die Einrichtung des „roten Standes", dem Frau "Präsident Güngerich vorsteht. Hieran reiht sich der I „blaue Stand" der Frau Bankdirektor Heichelheim, zur- 1 zeit vertreten von Frau Oberstleutnant Naumann.^Die übrigen Stände mußten ins Freie gelegt werden. Ihre ' Anlage ist so getroffen, daß auch bei ungünstiger Wit- ' terung ausreichend Schutz vorhanden ist. Zu diesem I Zweck wird auf die ganze Frontlänge des Gartens vor die vorhandenen Gartenhallen und dem Mujiktempel : eine etwa 50 Meter lange Vorhalle errichtet. Der „gelbe : Stand" der Frau Provinzialdireklor Usinger befindet sich dicht am Ausgang des Saales und diesem schließt sich der bunte Stand" der Frau Oberbürgermeister Mecum ' an. "„Das Büfett" wird in der großen Mufikhalle un- : tergebracht; die angrenzende Gartenlaube und der Garten - selbst werden für Sitzplätze zugezogen. Die Leitung des i Büfett* übernahm Frau Geheimrat Viermann. Gegen- ! Über dem Büfett wird Frau Major von Bibra mit ihren 'Damen den „Vielliebchen-Stand" einrichten.
I In den Verkaufsständen werden Gegenstände aller Art zum Verkauf angeboten. Neben vielerlei Hanbar beiten, die von dem Geschmack und Kunstsinn unserer Damen Zeugnis ablegen, werden Erzeugnisse der Kera nick, der Tertilbranche und des gesamten Kunstgewer- bes die Kauflust des Publikmns anlocken. Es sei besonders betont, daß an jedem Verkaufsstande schon von 10 Pfg. an Gegenstände erworben werden können, so daß jedermann Gelegenheit geboten wird, für wenig Geld ein nettes Andenken zu bekommen. Die vielfache!, falschen Gerüchte, als könne nur jemand mit goldgesüll tcn Taschen sich dort sehen lassen,sind keineswegs be rcchtigt, es wird jeder nach seinem Wollen und Können befriedigt von bannen ziehen, wenn er nur den guten Zweck der Sache bedenkt und bereit ist, ein paar Nickel für arme Kranke zu opfern.
Das Büfett soll für das leibliche Wohl der Käufer sorgen. Neben Tee und Kaffee werden Wein, Bowle und Mineralwasser kredenzt. Damit man auch dem Glücke die Hand bieten kann und der Humor zu seinem Rechte fommt, erhält man im Vielliebchenstand gegen geringes Entgelt Krachmandeln und für je ein gezogenes Vielliebchen einen Gewinn, der durch eine entsprechende Nummer für sich gezogen wird. Den Käufern ist Gelegenheit geboten, die erworbenen Gegenstände an einem besonderen Stand verpacken und aufheben oder mit Boten nach Hause senden zu lassen. So dürste für alles gesorgt sein, um den Gießener Verkaufstag seinen schönverlaufenen Vorgängern in Darmstadt, Mainz und Offenbach, die so reiche Früchte getragen haben, würdig zur Seite zu stellen.
Hoffentlich erfreut sich die Veranstaltung lebhaftesten Zuspruches, dann wird dem schönen Unternehmen, an dessen Spitze sich auch hier unsere Landessürstin stellt, der nötige klingende Erfolg nicht mangeln.
* S a m s 1 a g, den 27. d. Mts., vormittags 9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des P r o v i n - zial-Ausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Antrag der Gemeinde Reiskirchen auf Genehmigung der doppelten Zuchtrich- tung beim Faselvieh; 2. Reklamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Climbach; 3. Den Geisteskranken H. Vellmete von Gießen; 4. Klage der Schlosischen Arbeiferkolonie Wunscha gegen den Ortsarmenverband Hitz- kirchen wegen Unterstützung des K. Paulschinsky; 5. Wirtschaftsgesuch des I. Paul Zulauf in Leusel.
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* * Lich, 24. Mai. Der Kreis-Rinderzucht-Ver- ein für Simmentaler Vieh hielt Montag hier seine Hauptversammlung unter starker Beteiligung ab. Re- gierungsrat Welcker teilte mit, daß dem Verein jetzt 45 Gemeinden angehören; ins Herdbuch sind 675 Tiere eingetragen. Zur Beschickung der Jungviegweide Hungen ist ein zweiter Auftriebstermin für 1. Juni vorgesehen. — Die Kreisschau für den Kreis Gießen soll Mitte oder Ende September stattfinden. Als Ausstellungsorte kommen in Betracht Gießen, Lich oder Hungen. Die Kreisschau umfaßt Viehzucht, Geflügelzucht, Ackerbau, Obstbau und landwirtschaftliche Maschinen. Die Tierschau ist infolge der drohenden Maul- und Klauenseuche fraglich geworden.
- )(- Offenbach, 23. Mai. Vor der Darmstädter Strafkammer wurde gestern gegen den früheren Offenbacher Stadtverordneten Moller verhandelt, weil er in der Wahlbewegung dem Bürgermeister Dullo Aèan- gel an Pflicht- und Ehrgefühl vorgeryorfen hatte. Der Staatsanwalt hielt den Wahrheitsbeweis für mißglückt und beantragte wegen vorsätzlicher Beleidigung eine empfindliche Geldstrafe. Die Verkündigung des Urteils wurde auf 8 Tage verschoben.
♦ Darmstadt, 24. Mai. Die Erste Kammer stimmte gestern gemäß dem Antrag des Ausschusses den Beschlüssen der Zweiten Kammer betreffend die W a h l- reformvorlage in allen Punkten bei und vertagte sich nach Erledigung der Tagesordnung auf unbestimmte Zeit.
♦ Darmstadt, 23. Mai. Am 13. Juli d. Js. wird auf dem Truppenübungsplatz Darmstadt das erste Reserve-Jnfanlerie-Regiment des 18. Armeekorps zusam- mentreten und bis zum 26. Juli üben. Zum Führer des Regiments wurde Oberstleutnant v. Scherbening vom Jnf.-Rgt. Nr. 87 ernannt. Die Kompagnie-Offiziere werden dem akliven Dienststand entnommen und zwar sind u. a. bestimmt: vom Jns.-Rgt. Nr. 116 die Lts. Weimer, v. Nathusius, Hellwig und Wehrheim. Die Stärke der zwölf Kompagnien besteht je aus fünf Offizieren und 175 Unteroffizieren und Gemeinen.