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Gießener JeiLnng

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Verlag derGießener Zeitung" G. m. b. H.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei^

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

^ Behörden Gberhessens

Expedition: Zeltersweg 83

(Haus Brüder Schmidt.)

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die 44 mm breite In s era tenzei l e. Stellen­gesuche und Familien an zeiget! 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im R e k l a M e 1 c i l 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Neberschreitung deSZahlung-- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschristen ohneBerbindlichlett.

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Nr. 95

Telephon: Nr. 362.

Montag Den 24. April 1911

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg

Iflebr Jnnenkulhir.

Unsere materielle Kultur hat eine ungeahnte Höhe erreicht. Die Lebenshaltung aller Stände ist gestiegen. Die Zahl der Millionäre ist in stetigem Wachsen be­griffen. Ein übertriebener Lurus nimmt überhand. Wer das Leben in denerstklassigen" Hotels der Großstädte kennt, der weiß davon ein Lied zu singen. Mit der Ge­selligkeit der sog. vornehmen Stände sind aufs höchste gesteigerte Genüsse verbunden, Genüsse, die große Sum­men verschlingen, über die tausende seufzen, die man aber nicht weglassen darf, will man nicht gesellschaftlich unmöglich werden.

Wir^.haben Ueberlandzentralen und Telephone, Autos und Aeroplane. Hat mal all ter äußeren Erleichterung und Verfeinerung des Lebens auch die Innenkultur Schritt gehalten?

Man verweist uns auf das Heldentum, das sich zeige auf hoher See, wie kürzlich beim Untergänge der Preußen", oder auf der Lokomotive oder aus dem Dachgiebel bei Feuersbrünsten, und man führt diesen Heroismus zurück auf die treffliche materielle Kultur, die uns die äußeren Sorgen abnehme, unsern Verstand verfeinere und die Wege ebne zu höherem Dasein. Man vergißt, daß jene Heldentaten noch gar keine Ausflüsse der wahren, der Herzensbildung zu sein brauchen. Man übersieht auch die Schattenseiten unseres Kulturlebens, den Niedergang der sittlichen Kräfte. Man halte sich doch nur gegenwärtig die wachsende Untreue von Beamten, die sittlichen Defekte in den führenden Kreisen, die Gleich­gültigkeit dem Leben gegenüber, wie sie in der Steige­rung der Selbstmorde (man nennt es so schönFreitod") zum Ausdruck kommt, an die Herrenmoral mit ihrer mit ihrer brutalen Selbstsucht, an die mangelnde Begei­sterung für große Zwecke. Ob nicht die Schattenseiten der materiellen Kultur überwiegen ? Das eine ist sicher: eine nur äußerliche Kultur verflacht und verödet die Men­schen, läßt sie mit innerer Leere, mit sittlichem Banke­rott enden. Alle, die ihr Volk lieb haben, müssen ernst­lich daran denken, unseren Volksgenossen große, sittliche Gedanken in die Seele zu werfen, sie noch mehr zur Selbstzucht und Pflichtgefühl zu erziehen, ihnen die höch­sten Lebenswerte und Ewigkeitswerte in Herz und Ge­wissen zu pflanzen, damit sie den großen Aufgaben der Zeit gewachsen sind, und nicht am Besten und Wertvoll­sten, dn ihrem Innenleben verkümmern. Kurz zu den wichtigsten Forderungen des Tages gehört die Forde­rung: Mehr Innenkultur!

UHiranen-für sorge.

Zur Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer sind in den Reichshaushaltetat für 1911 28,6 Millionen Mark eingesetzt. Die für die Verleihung vom Bundes­rat erlassenen Aussührungsbestimmungen besagen, daß in erster Linie die Unterstützungsbedürftigkeil der Nach­suchenden zu berücksichtigen, ein bestimmter Grad von Erwerbsunfähigkeit aber nicht mehr zu fordern ist. Die Unterstützungsbedürftigkeit muß durch eine nicht bloß vorübergehende Ursache begründet sein, also durch hohes Alter, Siechtum, unheilbare Krankheit oder andere Ge­brechen; bei Prüfung der Bedürftigkeitssrage sind die persönlichen Verhältnisse des Veteranen und die ört­lichen Umstände besonders zu berücksichtigen. Die Bei­bringung eines ärztlichen Zeugnisses ist nur dann er­forderlich, wenn erhebliche Zweifel bezüglich der Er­werbsunfähigkeit bestehen. Da die verfügbare Summe jene des vorausgegangenen Rechnungsjahres um fünf Millionen Mark übersteigt, so werden unter Berücksich­tigung der steten Verminderung der schon Bedachten im laufenden Jahre rund 50 000 Veteranen mehr als bis­her Beihilfen erhalten können.

Bei dem Reichslagsabgeordneten Behrens wurde nun in letzter Zeit vielfach angefragt, ob neuerdings auch an solche Veteranen Beihilfen gezahlt würden, die nicht in Feindesland waren. Auf Wunsch eines Ve­teranen hat Abg. Behrens eine Anfrage an das Reichsschatzamt gerichtet. Die Antwort, die weitere Ve- teranenkreise interessieren dürfte, lautet:

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das gefällige Schreiben vom 7. April 1911 zu erwidern, daß nach § 1 der Ausführungsbestimmungen über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer nur solche Personen des Unteroffizier- und Mann- schaftsstandes für die Bewilligung der Beihilfe m Frage kommen, welchein dem Feldzüge 18/0 1871 oder in einem von deutschenSt aa­len vor 1870 geführtenKriege z u k r r e- g e r i s ch e n Zwecken die f e i n d l i ch e G r e n z e überschritten oder im eigenen oder be­

ziehungsweise verbündeten Lande an kriegerischenOperationenoderKä m= pfen teilgenommen haben."

Hiernach können denjenigen Veteranen, welche aus Anlaß der Feldzüge 1866 und 1870-71 eingezogen, aber nicht i nF eind eslan d waren, son­dern lediglich Gefangene bewacht h a- b e n, Beihilfen nicht gewährt werden.

Im Auftrage: Kühn.

JluslSiaduuiOand

Gießen, den 24. April.

1 ® i c ^ e n, 24. April. Die alten Postanwei­sungen betrifft eine Verfügung des Reichspostamts. Seit dem vorigen Sommer sind bekanntlich neue Postanwei- sungsformulare im Verkehr, welche an der rechten Seite deii Einlieferungsschein tragen, der im Interesse einer Entlastung der Schallerbeamten vom Geldeinzahler selbst auszufüllen ist. Die alten Postanweisungen, zu denen der Posteinlieserungsschein vom Schalterbeamten ausge- ferligt werden muß, können nur noch bis zum 30. Juni 1911 benutzt werden. Vom 1. Juli an werden sie nicht mehr angenommen und auch nicht mehr gegen neue umgetauscht.

- r- Gießen, 24. April. Der Hassiabezirk Gießen von der Kriegerkameradschaft Hassia hält am 7. Mai im Lenzschen Felsenkeller seinen Frühjahrsbezirkstag ab. Den wichtigsten Teil der Tagesordnung bildet die Be­ratung der Anträge für den Delegiertentag der Hassia in Friedberg.

* Gießen, 24. April. Die Vorbereitungen zum Allgemeinen hessischen Blumen tag sind auch auf dem Lande in vollem Gange. Im Kreise Lauter­bach wird in sämtlichen 67 Gemeinden Blumenverkaus stattsinden, ebenso in sämtlichen Gemeinden des Kreises Heppenheim, Mainz und Dieburg. Nicht die kleinste Gemeinde hat sich davon ausgeschlossen. Auch in den Kreisen Friedberg und Schotten scheinen Veranstaltungen in allen Gemeinden ohne jede Ausnahme zustande zu kommen. Die Nachrichten aus den anderen Kreisen lau­ten ebenfalls sehr günstig.Keine Gegend des Hes­senlandes will" wie ein Komitee schreibtan Ge­meinsinn und sozialem Pflichtgefühl hinter der anderen zurückbleiben". Kommt doch auch der Ertrag immer der Zweigstelle desjenigen Kreises zugute, in dem er= eingeht. Besonders erfreulich ist der Umstand, daß täg­lich in größerer Zahl Material für Vorträge über die Mutter- und Säuglingsfürsorge bestellt wird. Es wer­den sehr viele derartige Vorträge gehalten werden. Der ideelle Gewinn des Blumentages für den Gedanken der Mutter- und Säuglingsfürsorge wird deshalb allein schon ein schöner Erfolg sein. Doch ist nach dem Stand der Dinge die Hoffnung berechtigt, daß auch der mate­rielle Erfolg nicht ausbleiben wird.

* Gießen, 24. April. DerHessische Gau-Ver­band gegen den Alkoholismus" wird am 30. April in Mainz seinen dritten Gautag abhalten. Vormittags 12 Uhr wird in den von der hessischen Regierung zur Ver­fügung gestellten Räumen des früheren Justizpalastes eine Ausstellung über den Alkoholismus eröffnet wer­den, wozu die Militär- und Zivilpersonen eingeladen sind. Besonderes Interesse dürfte der um 5 Uhr nach­mittags imFrankfurter Hof" stattsindende öffentliche Vortrag mit anschließender freier Aussprache überWein­bau, Landwirtschaft und Alkoholfrage" in Anspruch neh­men. Der Vortragende, Landwirt und Geschäftsführer der Obstverwertungsversuchsanstall in Ehlingen, v. Ei- zycki, wird über eine heue zweckmäßige und vorteilhafte Verwertung von Trauben und anderem Obst unseren hessischen Weinbauern und Landwirten Ausschluß geben. Der Eintritt zu dem Vortrag ist unentgeltlich.

Wetzlar, 24. April. Am 1. Mai wird der öffentliche Wetterdienst; wiedei ausgenommen. Gegen Mit­tag werden die Wettervorhersagen an den Posthäusern ausgehängt. Aus Verlangen wird jedem Fernsprechteil­nehmer die neueste Prognose gegen eine Einzelgebühr von 10 Pfg., die von dem Inhaber der Sprechstelle mittelst einer. Postkarte als Porto eingezogen wird, auch zugesprochen.

Wiesbaden, 24. April. Der Kaiser trifft zu den Maifestspielen, wie nunmehr feststes, am 10. Mai früh 8 Uhr von Straßburg hier ein.

- m- Aus der W e t t e r a u, 24. April. In schön­ster Blütenpracht stehen gegenwärtig die zahlreichen Kir­schenanlagen bei Rendel, Ober-Rosbach, Ockstadt und Friedberg. Der große Kirschenwald am Taunusabhang bei Rosbach, dessen Ertrag den Bewohnern jährlich

Tausende von Mark einbringt, bildet in seiner weißen Blütenpracht ein herrliches Bild.

* Marburg, 20. April. Anläßlich seines 70. Geburtstages hat Brauereibesitzer Heinrich Bopp dem hiesigen Altertumsverein 20 000 Mk. und zur Versorg­ung der Arbeiter und Angestellten seiner Brauerei 10 000 Mark gestiftet.

- l- Ruppertenrod, 24. April. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern hier am Mittwoch Herr Lehrer Strack und Frau.

* D a r m st a d 1, 24. April. Der Wahlrechtsaus- schuß der ersten Kammer trat Freitag unter Vorsitz des Fürsten von Leiningen zu einer Beratung zusammen, um sich mit den Rückäußerungen der Zweiten Kammer über die Wahlrechtsvorlage zu beschäftigen. Der Ausschuß be­schloß nach kurzer Erörterung, dem Kammerplenum den Beitritt zu den unwesentlichen Abänderungsanträgen der Zweiten Kammer zu empfehlen. Im Anschluß an diese Beratung fand ebenfalls unter Vorsitz des Fürsten von Leiningen eine Sitzung des Gesetzgebungsausschusses der Ersten Kammer statt, der sich in erster Linie mit den Ab- anderungsbeschlüssen der Zweiten Rammer an den Ver­waltungs-Gesetzentwürfen beschäftigte. Der Ausschuß ent­schied sich dahin, sowohl bezüglich der Städteordnung, wie der Landgemeindeordnung, den wenigen, von der Zweiten Kammer getroffenen Abänderungen an den Rück- äußerungen der Ersten Kammer zuzustimmen, desglei­chen den Beschlüssen der Zweiten Kammer über den Ge­setzentwurf betr. die Verwaltungsrechtspflege und der vom anderen Hause unverändert angenommenen Vor­lage betreffend die Kreis- und Provinzialordnung. Wenn, wie mit Sicherheit zu erwarten ist, das Plenum der Ersten Kammer den Anträgen des Ausschusses zustimmt, so sind die genannten vier Gesetzentwürfe damit end­gültig von den Landständen genehmigt. Neben der Er­ledigung verschiedener kleinerer Vorlagen stimmte der Ausschuß dann noch dem von der Zweiten Kammer un­verändert angenommenen Gesetzentwurf betr. die Ober- rechnungskammer zu. Wie die zweite Kammer, so wird dem Vernehmen nach auch die erste Kammer noch in der zweiten Hälfte des Monats Mai eine kurze Tagung ab= halten und sich mit den vorerwähnten Gesetzentwürfen beschäftigen, auch über die alsdann inzwischen von der zweiten Kammer gefaßten Beschlüsse über die Abänder­ungsvorschläge inbetreff her Gemeindesteuervorlage in Beratung treten. Wenn nicht ganz unvorhergesehene Hin­dernisse eintreten, so hofft man, daß die Schließung der 34. Legislaturperiode des Landtags um die Mitte des Monats Juni erfolgen wird.

* Büdingen, 24. April. Auf Anregung meh­rerer Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs soll am Himmelfahrtstag auf der Ronneburg bei Büdingen ein volkstümliches Festspiel ausgesührt werden. Der Stoff des Festspiels behandelt geschichtliche Vorgänge aus dem 17. Jahrhundert, in deren Mittelpunkt Graf Wolfgang Ernst von Isenburg-Büdingen steht.

* Dillenburg, 24. April. Wegen der großen Seuchengefahr infolge des starken Auftretens der Maul- und Klauenseuche im Regierungsbezirk Wiesbaden und im Kreise Siegen ordnete der Landrat an, daß bis auf weiteres Viehmärkte im Dillkreise nicht abgehalten werden dürfen.

* Nieder-Ingelheim, 24. April. Bei einer Anfuhr von über 10 Zentner Spargeln wurde der trotz seines kurzen Bestehens schon in ganz Deutschland zu hoher Bedeutung gelangte Ingelheimer Spargelmarkt er­öffnet.

Citerariscbes.

J. F. Kleine. Die Heilung der gich­tisch-rheumatischen Erkrankungen ge­mäß der erfolgreichst bewährten Methode des Dr. med. M. I. Kittel in Franzensbad. Verlag v. Kleine & Stapf, Berlin W. 15. Preis geh. 3,50 Mk. Der Verfasser, welcher lange und schwer an dieser Krankheit gelitten und sie eingehend studiert hat, führt in dem Buche aus, wie durch die Forschungen von Dr. Kittel nunmehr festgesteltt worden ist, daß die Veranlassungs­ursache dieser Erkrankungen in Zirkulationsstörungen be­steht: fast ausnahmslos sind es Erkältungen, insbeson­dere Durchnässungen und plötzliche Abkühlung nach Schweißbildung, welche die Grundbedingung für die Ent­stehung der Krankheit herbeiführen.

Wie sollen wir unsere Kinder stra- s e n? Ueber dieses wichtige Thema sollte man den ausgezeichneten Artikel in der neuesten Nummer der Fa­milien- und ModenzeitschriftMode und Haus" (Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57) lesen.