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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

stertel^ührltch 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins HauS. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabeste gen vterielsShrttch 90 Psg Erscheint DieuötagS, Donnerstags, TamStags. Redaktion: SelterSweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung n tcht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derOiehener Zeitung" G. m. d. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberhestens

Expedition: Seltersweg 85

tHauS Brüder Schmidt.)

Nnrei-enprei« 15 Ptg.

die 44 mm breke Inseratenteile. ©teile*, gesucht und ^amilienanjeigew tu D^g DU 90 mm breite Zette im Seflaweteil » Vig Extrabeilagen worden nach Wenncbt und ib«^ berechnet. Rabatt kommt bei HebrrJdyveNwi! das flaOhmgg. zteleS (80 tage), bei gemchMcher Bâetlnaog »dar bei Konkurs in We^aLl Via^uorMmhen oDmOardUrdldchUtt

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Nr. 24«.

Telep hon: 9tr. 362.

Samslag, den 23. Dezember 1911.

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Reichstagswahlen 1918.

Gießen. Was die jetzt endlich zustande ge­kommene liberale Einigung ganz besonders wertvoll macht, ist der Umstand, daß die Grundlagen dieser Einigung ihr eine st ä n d i g e Dauer gewähr - leisten. Es sind alle auswärtigen Einflüsse, die ja bei der Landtagswahl die Einigung verhinderten, und auch diesmal zu gefährden drohten, ausgeschaltet: worden. Die Parteien haben aus eigener Kraft heraus einen mobus vivendi geschaffen. Die Nationalliberalen haben sich verpflichtet, falls der freisinnige Kandidat trotz ihrer tatkräftigsten Unterstützung nicht in die Stichwahl kommt, keine Stimme dem Kandidaten des schwarzblauen Blocks ZU geben. Die Landtagsmandate sollen geteilt wer­den. Auf diesem Wege sollte es sich wohl erreichen las­sen, daß Gießen im Landtag und Reichstag liberal ver­beten wird und bleibt, denn der langjährige unerquick­liche Bruderzwist im Liberalismus wird sicher man­chen Wähler zurückgestoßen haben, der jetzt wieder in den Wahlkampf und zur Urne eilt. Der Liberalismus wird so endlich den Segen des Wortes erfahren: Einig­keit macht stark.

Gießen. Der hiesige Reichstagskandidat der Wirtschaftlichen Vereinigung, Dr. Werner, hat seine Doppelkandidatur in Darmstadt zurückgezogen. Der dortige Bund der Landwirte beschloß den Nationallibe­ralen Dr. Osann zu unterstützen, um die Sozialdemo­kratie zu überwältigen.

Marburg. Zu den bisherigen Kandidaten: Bredt (sreikonservaliv'nationalliberal), v. Gerlach (de­mokratisch), Rupp (deutsch-sozial) kommt jetzt noch der ehemals hochgeseierte Dr. Böckel für die Deutschsoziale Partei.

Darmstadt. Das Großherzogliche Staats - Ministerium hat den Termin für etwa notwendig wer­dende Stichwahlen auf Montag, den 22. Januar, anbe­raumt.

Darmstadt. Das Großherzogliche Staa,s - Ministerium hat an sämtliche Behörden und Beamten ein Schreiben gerichtet, in dem es als eine patriotische Pflicht aller staatstreuen Bürger bezeichnet wird, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen von ihrem Wahl­recht Gebrauch zu machen.

Kreuznach. Der Bund der Landwirte stellte anstelle des zurückgetretenen Redakteurs Dr. Oertel-Ber­lin den Oekonomierat Lucke- Frankfurt als Reichstags­kandidaten auf für den Wahlkreis Kreuznach-Simmern.

Hus Sladl und Land.

Gießen, den 23. Dezemher 1911.

n Gießen. Die Errichtung eines Lehrstuhles für soziale Medizin und eines Kur- und Genesungsheimes ist von der hessischen Regierung in Erwägung gezogen worden.

n Gießen. Gestern vormittag 8 Uhr wurde der Chauffeur Wilhelm Erbe auf dem Hofe des Provin­zialarresthauses durch den sächsischen Scharfrichter Brand h i n g e r i ch t e t. Schon lange vorher hatten sich viele Zuschauer nach dem Arresthaus gedrängt, die durch eine Abteilung Schutzleute und Militär zurückgehalten wur­den. Zu der Hinrichtung selbst waren nur 60 Personen zugelassen. Erbe war vollständig gebrochen, weinte und rief wiederholt aus:Meine arme Mutter, meine arme Schwester ! Nach einem Gebet des Geistlichen über - nahm der Scharfrichter den Verurteilten, der noch hef­tiger weinte und jammerte und beim Gehen dem Staats­anwalt die Hände hinhielt mit den Worten:Adieu, Herr Oberstaatsanwalt P Der Staatsanwalt reichtechm die Hand. DaM wurde Erbe, der nochmalsEhre sei Gott in der Höhe" ausrief, rasch auf das Brett ge- schnallt, das Brett umgelegt und durch einen raschen Griff des Scharfrichters sank das Fallbeil herunter. Erbe war gerichtet. f, ..

n Gießen. P r i v a t b e a m 1 e n - Selbst­hilfe. Der auch am hiesigen Platze durch eine bedeu­tende Ortsgruppe vertretene Deutsche Gruben- und Fa- brikbeamten-VerbandE. V.", Sitz Bochum '"West,., zahlt diese Weihnachten etwa 75 000 Mk. laufende Wit-

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wen- und Waisenunterstützungen aus. Davon werden auch hiesige Angehörige von Gruben- und Fabrikbeam- ten mit ansehnlichen Beträgen bedacht. Die Sterbegeld­zahlungen des genannten Verbandes pro 1911 werden bis Ende des Jahres etwa 130 000 Mk. und die Stel- lenloftgkeitsunterstützungen, Genesungsbeihilfen und ein­maligen Unterstützungen in Fällen von Krankheit und sonstiger unverschuldeter Not etwa 10 000 Mk. betra­gen. Zu näherer Auskunft über Zweck und Ziele des Verbandes sind gerne bereit die Herren Hr. Stimmer, Nordanlage 18, Wilh. Thöt, Bleichstrahe 33 und Frdr. Schmerle, Liebigstraße 41.

! Mainz. Die elektrische Ueberlandzentrale im Ried soll bis zu den Weihnachtsfeiertagen in den Orten Stock- stadt, Goddelau, Erfelden, Leeheim und Wolfskehlen in Betrieb gesetzt werdenk

S Darmstadt.

Zehn Transportarbeiter, die sich

am 22. September d. Js. bei dem Streik der hiesigen Möbeltransportarbeiter durch Gewalttätigkeiten, Umwer­fen von Möbelwagen usw. hervortaten, haben größere Freiheitsstrafen erhalten. Drei Angeklagte erhielten drei Norite Gefängnis, drei andere vier Monate, einer 6 Mo ie, einer 7 Monate und ein Angeklagter, dem die Zubu ung mildernder Umstände verweigert wurde, 10 Monu.. Gefängnis.

Soziales.

Sozialdemokratische Taktik.

Die sozialdemokratische Partei verfolgt bei allen so­zialpolitischen Gesetzen die Taktik, das den Arbeitern ge­botene als vollkommen unzureichend hinzustellen. Im­mer wird ihnen vorgeredet, daß das Mindeste, was sie von der heutigen Gesellschaft zu verlangen hätten, die Erfüllung der Forderung sei, die die sozialdemokratische Reichstagssraktion in ihren Anträgen gestellt habe. Sol­che Anträge hat die Sozialdemokratie zur Reichsver­sicherungsordnung mehrere Hundert eingebracht, nach

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denen, wie die Hamburger Nachrichten auf Grund durch aus zuverlässigen Materials berechnet haben, insgesamt jährlich mehr als 2 Milliarden hätten ausgebracht wer­den müssen, wenn die in ihrer finanziellen Wirkung überhaupt abschätzbaren Anträge hätten verwirklicht wer den sollen. Dasselbe Beispiel, nur in engerem Nah« men, boten die Verhandlungen in der am 11. Dezem­ber abgehaltenen Generalversammlung des Allgemeinen Knappschastsvereins zu Bochum, in der in der Haupt­sache über die Frage der Ausrechnung der reichsgesetz­lichen Leistungen der Hinterbliebenenversicherung aus die Knappschaftsleistungen verhandelt wurde. Daneben aber waren 20 andere Anträge eingebracht worden, die eine jährliche Mehrbelastung von nicht weniger als 30 Mil­lionen Mark zur Folge haben würden. Berücksichtigt man, daß die Beiträge zum Allgemeinen Knappschasts- verein im Jahre 1892 12,94 Mill. Mk., im Jahre 1910 55,02 Mill. Mk. betrugen, also innerhalb der letzten 18 Jahre um mehr als 42 Mill. Mk. gestiegen sind, so kann man sich ein Bild von den maßlosen Forderun­gen der Knappschaftsältesten machen, die mit einem Schlag weit über die Hälfte an Leistungen mehr bean­spruchen, als die Beiträge für das letzte Jahr ausmach­ten. Das Verhalten der Knappschaftsältesten ist wieder­um ein eklatantes Beispiel, wie man in grundsätzlicher Mißachtung alles Rechten und Billigen die Begehrlich - keit der Massen zu reizen sucht, nur um die eine große Gefahr abzuwenden, aus die gelegentlich des diesjähri­gen Kongresses der Gewerkschaften Deutschlands in Dresden hingewiesen worden ist, daß alles, was an ge­setzgeberischen Versuchen aus sozialpolitischem Gebiete geschehe, nur den einen Zweck habe, die Fortschritte der Organisationen zu hindern.

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