Hietzener Zeitung
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Nr. 201» Telephon: Nr. 362.
WsStadi und Land.
Gießen, den 23. September 1911
Für die Hess. L a n d 1 a g s w a h l e n können nur diejenigen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, die in der Wählerliste stehen. Deshalb ist rechtzeitiges Nachsehen sehr wichtig.
In einer Vertrauensmänner-Versammlung des Wahlkreises Büdingen, die in Stockheim stattsand wurde einstimmig der seitherige Abgeordnete B ä h r - Herrnhaag wieder als Kandidat ausgestellt.
* * Schwurgericht. Die Sitzungen für das 3. Vierteljahr beginnen am kommenden Montag und dauern bis Samstag. Es wird über folgende Fälle verhandelt: Montag gegen Friedrich Döll, Gerichts - schreibergehilfe aus Friedberg wegen Verbrechen im Amt; Dienstag gegen Johann H ö h n, Knecht aus Ober-Hilbersheim wegen Notzucht; Mittwoch gegen J. Muth, Kutscher aus Hitzkirchen wegen Raub; Donnerstag und Freitag gegen Wilhelm E r b e aus Frankfurt a. M., Heinrich Wolf und Katharine W o l f aus Nieder-Mörlen wegen Raubmord 2c. und Samstag gegen August L e i ch n e r, Zuchthausrechner aus Rockenberg wegen Vergehen im Amt.
-nv- Die Hess. Missionskonferenz für H e i d e n m i s- si o n gedenkt ihre diesjährige Jahresversammlung am Montag, 30. Oktober, vorm. ^ 11 Uhr beginnend, in Frankfurt a. M., (Baseler Hof) abzuhalten. Missionsinspektor Lic. Frohemeyer-Basel wird über den Ertrag der Missionsarbeit in Indien sprechen. Mittags 3 Uhr werden Pfarrer Weber-Langgöns und Lehrer Gengnagel-Nieder-Ramstadt über „Missionskunde und Religionsunterricht" referieren.
* Am 5. Dezember 1913 wird das erste kurhessische Infanterie-Regiments Nr. 81 sein 1 0 0 j ä h r i g. Jubiläum feiern, zu dem schon jetzt die Vorbereitungen getroffen werden.
* Der Staatseisenbahnverein zu Gie- ßen veranstaltet am 7. Oktober im Stadt-Theater eine Vorstellung von „Glaube und Heimat".
* Anlagenmusik. Vorm. 11 Uhr in der Süd-Anlage. Programm: 1. „Er weicht der Sonne nicht", Marsch von E. Kaiser. 2. Ouvertüre zur Oper „Die Amazone" von W. Fr. v. Blon. 3. „Wer kann dafür?" Walzer a. d. Optte. „Die Polnische Wirtschaft" von I. Gilbert. 4. Armeemarsch Nr. 9 Herzog von Braunschweig.
* (Zirkus Mar k.) Seit Donnerstag gastiert in unserer Stadt der Zirkus Mark, der auf dem Oswaldsgarten Aufstellung genommen hat. Es ist in diesem Jahre der 4. Zirkus, der nach einem auf dem genannten Platze aufgestellten Zelte die Bewohner zum Besuche einladet. Und wer dieser Einladung Folge leistet, den wird das verhältnismäßig niedrige Eintrittsgeld nicht gereuen. Denn was hier geboten wird, ist erstklassig und übertrifft an Darbietung die bereits du- gewesenen Zirkusse. Vor der Vorstellung begrüßt die Anwesenden eine Zirkuskapelle mit verschiedenen Weisen, die auch etwas Kunstsinn zeigen. Diese gefällige Musik artet während der Vorstellungen auch nicht zur Radaumusik aus, was sonst der Fall anderer Wanderzirkusse ist. Und die Vorführungen selbst können sich mit denen der Zirkusse Berlins — Schumann und Busch — messen. Besonderen Beifall lösten die Einzel- und Massenfreiheitsdressuren des Herrn Georgie aus. Solimann von Herrn Georgie in der hohen Schule geritten, war eine Glanznummer des gebotenen Programms. Auch Clown Dassie zeigte mit seiner Hun- demeute sehr gute Leistungen, die auch der Komik nicht entbehrten. Des weiteren sahen wir ihn aber auch als einen braven Jokeireiter. Mit Ruhe kann den Damen am Seil zugesichert werden, das Lob einzig dastehender Leistungen entgegen nehmen zu dürfen. Wollte man weiterhin das Programm einzeln beurteilen, dann^ kämen immer nur Anerkennungsworte in Betracht. Deshalb sei am Schlüsse gesagt: Alles in allem: Ler Zirkus Mark, der im allgemeinen auch über ein gut geschultes Pferdematerial verfügt, zeigt seinen Besuchern ein vorzügliches Programm.
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* Sieben, 21. Sept. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung wurde dem Eichener K o n z e r t v e r c i n der seit Jahren an einem Defizit leidet, ein einmaliger Zujcyutz von 500 Mk. gewährt. Zu der dabei gestreiften yrage der Errichtung eines Konzelthauses oder «aa - baues erklärte Oberbürgermeister Mecum die ^tadt werde ein solches Projekt auf jede Art fordern, aber
Samstag, Pen 23. September 1911.
keinesfalls die Initiative ergreifen. — Wegen der Er richtung eines Lupusheims schwebten seit län gerer Zeit Verhandlungen zwischen dem Heilstättenverein für das Großherzogtum Hessen und der Stadt Gie hen, dis jetzt zu einem günstigen Abschluß geführt worden. Danach stellt die Stadt in der Nähe der noch zu crrid)tenbcii Hautklinik (deren Direktor lei.ender Arzt des Lupusheims werden soll) ein Gelände von 3500 Quadratmetern umsonst, einschließlich der Straßenkosten- beiträge. Das Geld für den Bau und die Einrichtung des Heims gibt die Landesversicherungsanstall zu 3^ Prozent Zinsen, und der Heilstättenverein bezahlt an die Stadt 6% Proz. dieses Kapitals als Miete einschließlich Wassergeld und Beleuchtung. Das Heim soll 24 Betten erhalten und der geringste Pflegesatz 4.50 Mark betragen.. Die Versammlung ist mit diesem Ab kommen einverstanden. — Schließlich wurde einstimmig beschlossen, ein Ersuchen an die Großherzogl. Regierung zu richten, sie möge im Bundesrat auf Aushebung der F u 1 1 e r m i t telzölle und aus Wiedereinführung des Identitätsnachweises bei der Getreideausfuhr hinwirken. Von weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung soll zunächst Abstand genommen werden.
=b= Gieße n. Am letzten Mittwoch tagte hier im Konsirmandensaale der Johanneskirche die diesjährige Synode des Dekanats Gießen. Die Eröffnungsaii- sprache hielt Pfarrer Barth von Großen-Buseck. Er mahnte zum kirchlichen Frieden und sprach sich auch über den Fall Jatho aus. Den Hauptvortrag hielt Pfarrer Köhler von Steinbach über Volkserziehung und Volkserholung. Bei seiner Betrachtung der Vottserziehung schaltete er absichtlich die Schule aus, da dies ein Kapitel für sich sei. Er redete besonders davon, was die Mitglieder der Synode für rechte Volkserziehung und Volkserholung tun können, indem er auf die grundlegende Wichtigkeit des christlichen Glaubenslebens und auf die seither an vielen Orten und auf allerlei Weise bewährten Mittel hinwies, mit denen die Kirche, die innere Mission, die Gemeinde- und Staatsbehörden das Schlechte einzudämmen und edle Erholung zu fördern bemüht gewesen sind. In der Aussprache hob ein Redner hervor, daß neben dem Mangel an Religiosität der Alkohol der schlimmste Feind des Volkswohles sei, da er in Deutschland über die Hälfte aller Verbrechen und fast die Hälfte der Geisteskrankheiten und der Fallsucht verursache. Nur durch das Vorbild der Nüchternheit könnten die höheren und niederen Stände unseres Volkes aus diesem Elend herausgehoben werden, wenn man den Wahn vertilge, daß ohne Alkohol keine Geselligkeit und keine Freude möglich sei. Zum Schluß nahm die Synode den Antrag des Pfarrers B e r n b e ck von Wieseck einstimmig an, das Kreisamt, bezw. den Kreisausschuß zu ersuchen, daß den jungen Leuten unter 17 Jahren der Besuch des Wirtshauses ohne Begleitung Erwachsener verboten werde, wie es in drei anderen Kreisen Hessens, z. B. im Kreis Worms, geschehen ist.
* ) Heuchelheim. Die Offenlegung des Grundbuchs und der Parzellenkarten der Gemarkung Heuchelheim bezüglich Flur 16 bis 21 ist vom Amtsgericht Gießen erfolgt. Die Beteiligten sind befugt, bi3 Grundbuch während der Zeit der Offenlegung im Amtszimmer der Bürgermeisterei einzusehen. Allen denjenigen, die sich bei den Angaben des Grundbuchs rücksichtlich des Besitzstandes und der Größenangaben für beschwert erachten, steht es frei, binnen einer unerstrecklichen Frist von sechs Monaten ihre Anstände geltend zu machen.
♦ Friedberg. An unserem neuen Bahnhof, der im Jahre 1913 dem Verkehr übergeben werden soll, wird eifrig gearbeitet. Hauptsächlich wird soeben am Güterbahnhof und an der Unterführung zwischen Personen- und Güterbahnhof gearbeitet.
* Laubach. Mit Beginn der Herbstferien tritt die langjährige verdiente Lehrerin unserer höheren Töchterschule, Fräulein Fink, in den Ruhestand.
* Alsfeld. Die diesjährige Oberh. Provinzial- Geflügelausstellung, die dem Kreisgeflügelzuchtverein Alsfeld übertragen ist, findet am 18. und 19. November im Saale des „Deutschen Kaiser" statt.
♦ Kirchhain Für den Ausfall der Kartoffelernte in hiesiger Gegend ist folgendes gute Ernteergebnis bezeichnend: ein Landwirt erzielte auf einem 9 Ar großen Acker 40 Zentner Kartoffeln, gute gesunde Knollen, von denen einzelne Eremplare das respektable Gewicht von ein und dreiviertel Pfund aus- weisen.
Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg.
• Gelnhause n. Der frühere Landrat unseres Kreises, Philipp von Baumbach, ist in Breslau einer schweren Krankheit erlegen.
D a r m st a d t, 22. Sep. Kommerzienrat W. L a n g e n b a ch ist in der letzten Nacht an ben Fol gen eines Schlaganfalles gestorben.
• K ö l n, 22. Sep. Wie man hört, will die n a tionalliberale Partei für die Düsseldorfer Stich wähl, zwischen Zentrum und Sozialdemokratie W a h I en 1 haltung proklamieren, um keinen Präzedenzfall für die allgemeinen Reichslagswahlen zu schaffen.
Mai n z. In Biebrich starb Generalleutnant z. D. Robert v. W u r m b im Alter von 76 Jahren.
* Rüsselshei in. Die von der Firma Opel ausgesetzte Belohnung von 2000 Rik. für Ermittelung des Brandstifters hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Ein junger Bursche aus einem hiesigen Eisgeschäst machte die Anzeige, daß ein früherer Kollege von ihm als mut mählicher Brand st ifter in Beiracht komme. Dieser war, wie feststeht, bis vor kurzem in der Fräserei der Opelwerke beschäftigt, entzweite sich jedoch mit seinem Meister und verließ am Tage des Brandes seinen Dienst. Obwohl er nach Saarbrücken fuhr, also angeb lich nicht in Rüsselsheim anwesend war, schrieb er doch an einen Freund sehr eingehend über den Brand, so daß er nur als Augenzeuge in Betracht kommen kann. Nach dem jungen Manne wird jetzt gefahndet. — Ge stern abend ist das Bootshaus der Rudergesellschaft „Undine" vollständig niedergebrannt. Die Entstehungsursache ist bis jetzt noch nicht ermittelt. Der Schaden beläuft sich auf etwa 3000 Mark.
* Bingen, 23. Sept. Ein seltenes Jubiläum begeht heute Karl Gräfs 1. 30 Jahre bekleidet er das Amt des ersten Schützenmeisters der Binger Schützenge sellschaft; 50 Jahre sind vergangen, seit der Jubiiar Jäger ist und 60 Jahre schaut er zurück als Geburtstagskind auf ein reiches Leben voller Erfolge.
* Vom Hunsrück. Das neu entdeckte Kohlenlager bei Argenschwang scheint aussichtsvoll zu sein. Dieser Tage wurde ein Waggon Kohlen nach Berlin verfrachtet, um dort untersucht zu werden.
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* Vetzberg. Bei der Anlage der Wasserleitung werden fortgesetzt interessante Attertumsfunde gemacht. Es handelt sich dabei meist um Bruchstücke aus früheren Kriegen und der Vetzburger Ritterzeit. Sämtliche metallenen Gegenstände sind mit starkem Edelrost über - zogen, während die Haushaltungsgegenstände vielfach nur Bruchstücke ausweisen. Lehrer Echternach hat sämtliche Gegenstände in seinem Schulsaal aufgestapelt.
* Kinzenbach. Bei der am Donnerstag stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden gewählt aus der dritten Klasse Gastwirt Heinrich Peusch, aus der zweiten Klasse Schmiedemeister Ferber; die Wähler der ersten Klasse traten geschlossen mit 9 Stimmen für den Vorsteher ein, welcher bereits 12 Jahre an der Spitze der Gemeinde steht.
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Vorsicht. Um sichere Gewähr dafür zu haben, daß man beim Einkauf der Düngemittel für die Herbstbestellung tatsächlich nur vollwertige Ware erhält, achte man besonders beim Thomasmehl auf die bekannten Schutzmarken und den Firmenausdruck aus den Säcken (vergleiche die Inserate in unserem Blatt) und auch darauf, daß stets ein bestimmter Phosphorsäuregehalt garantiert wird.
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