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Gießener Bettung

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich

oiertcljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. — Erscheint Mittags 3 Uhr. — Die „Jlluftr. Wcltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. — Redaktion: Selteröweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag der „Gictzcuer Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amfl Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberheffens

Expedition: Seltersweg 83.

(Haus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Jnscratenzcilc. — Stellen­gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg. Die IX) mm breite Zeile im N e t l a m e t e i I 50 Pfg. — Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grütze berechnet. Rabatt tommt bei Ueberschreitung deSZahlung^ Zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung über bet Konkurs in Wegfall. Playvvrschriftcn ohne Verbindlichkeit.

Verlag der ,,Wietzener Zeitung" G. m. b. $>.

Nr. 145

Telephon: Nr. 362.

Freitag, den 23. Juni 1911

Telephon: Nr. 362.

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beicbsiagsvabivokberritungrn.

* Offenbach, 22. Juni. In einer Vertrauens­männer-Versammlung des Bundes der Landwirte für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg wurde die Unterstützung des Kandidaten der Wirtschaftlichen Ver­einigung, Lehrers Dern-Neu-Jsenburg, einstimmig be­schlossen.

*) Wetzlar, 22. Juni. Die „Nationalliberale Korrespondenz für die Rheinprovinz" hatte in ihrer Aus­gabe vom 16. Juni geschrieben, „daß die Einigung im Wahlkreise Wetzlar-Altenkirchen gerade durch die Fort­schrittliche Volkspartei aus dem Grunde unmöglich ge­macht wurde, weil sie sich vor Beginn ihrer Verhand­lungen mit den Nationalliberalen bereits mit den So­zialdemokraten verständigt hätte." Der „Nationalliberalen Korrespondenz" ging hierauf folgende Berichtigung zu: „Mit Bezugnahme auf die in der Nr. vom 16. Juni gebrachte Mitteilung bezüglich einer Verständigung zwi- schen Fortschrittlicher Volkspartei und Sozialdemokratie erklären wir: „Es ist unwahr, daß eine Verständigung stattgefunden hat. — Der Vorsitzende des Wahlkreisoer- bandes Wetzlar-Altenkirchen, gez. Ernst Leitz jr. Der Vorsitzende der Fortschrittlichen Volkspartei für die Rhein- provinz. gez. Professor Schloßmann."

* Die Fortschrittliche Volkspartei im Landtagswahlkreis Beerfelden-Neckarsteinach stellte ' den Lehrer Lang in Beerfelden als Kandidaten auf.

Bus Stadt und £and.

Gießen, den 23. Juni.

* Die Landes Universität hält am 1. Juli, vormittags 11% Uhr pünktlich, in der neuen Aula die Feier ihres Jahresfestes ab. Das Programm lautet: 1. Krönungsmarsch aus der Oper: „Der Prophet" von G. Meyerbeer. 2. „Herr, wir trau'n auf Deine Güte" von F. Mendelssohn. 3. Festrede des Rektors. 4. Chor aus dem „Magnificat" in D-dur von I. S. Bach. 5. Finale des 3. Aktes aus der Oper: „Rienzi" von Rich. Wagner.

* Man schreibt uns: In Rothenburg a. d. Tauber tagte zum vierten Male der Rothenburger E. E.

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(der Verband schlagender nichtsarbentragender Studen- ten-Korporationen mit Maturitätsprinzip). Seine Kor­porationen, von denen einige schon mehr als 50 Jahre alt sind, gehören den Universitäten und Technischen Hoch­schulen in Berlin, München, Halle, Leipzig, Bonn und Gießen an. Neben alten studentischen Sitten pflegen sie die Freundschaft und huldigen der Körper- und Geistes­pflege, ohne jedoch in die vielen Auswüchse des Men­sur- und Trinkwesens zu verfallen. Ein gesunder Fort­schritt auf allen Gebieten des Studentenwesens wird von ihnen eifrig gefördert, ohne jedoch in moderne Duselei zu verfallen. Das Verbandsfest war von etwa 260 Personen besucht, darunter viele Alte Herren aus allen Gauen Deutschlands. In der kurzen Zeit seines Beste­hens hat der Verband wegen seiner gesunden Prinzipien eine überaus rasche Zunahme zu verzeichnen gehabt.

* Stenographentag. Immer näher rücken die Tage heran, in denen der Hess.-Nass. (Main-Rhein­gau) Verband Gabelsbergerscher Steno­graphen seinen 32. Stenographentag, verbunden mit dem 50jährigen Stiftungsfest des Gabelsberger Steno- graphen-Vereins Gießen von 1861, in Gießens Mau­ern feiern wird. Zu verschiedenen Malen haben wir schon Gelegenheit gehabt, über die stenographischen und unterhaltenden Veranstaltungen des Festes, das sich oom 1.—3. Juli erstreckt, zu berichten. Emgelettet wird die diesjährige Tagung mit einer Vertreter-Versammlung am Samstag, den 1. Juli, abends % 9 Uhr im Sotc Großherzoa. Zahlreiche Anmeldungen für das am Sonn­tag den 2. Juli, im Kollegiengebäude der Unwertttat stattfinde,'.den Weltschreiben in den Abteilungen von 100 bis 350 Silben in der Minute sind bereits emge- laufen, und hierzu von hiesigen Behörden und priva­ten Personen 36 wertvolle Ehrenpreise gestiftet worden. Dem Weltschreiben schließt sich die öffentliche Festver - sammlung mit einem Vortrag des Vorsitzenden des Ste- nographenbundes Gabelsberger, Herrn Professor l'ü TV Darmstadt, mit dem Thema „Im Kampfe, um die Cm- Heitsstenographie" an. Nachmittags % 2 Uhr Festessen Steins Garten, hiernach gemeinsamer Spaziergang nach der Liebiashöhe. Die eigentliche Jubelfeier zum aOiabr. Stiftungsfest des Gabelsberger ^tenograpben^ Gießen findet Sonntag abend 8 Uhr in Siems Gari n statt, bei welcher Gelegenheit auch die Ergebmffe des Wettschreibens verkündet werden Auch das Programm für diese Feier ist in allen seinen Teilen bereits feftgelegl,

I außer von der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 116 ausgeführte Konzert, wird der Bauer'sche Gesang­verein einige Gesangsvorträge darbieten, unb schließt sich hieran der Ball an. Einen würdigen Abschluß erhält das in allen seinen Teilen großzügig angelegte Fest mit einem am Montag früh stattfindenden Frühschoppen mit darauffolgendem gemeinsamem Mittagsessen im Case Ebel und einem am Nachmittag 3 Uhr stattsindenden Ausflug mü Musik nach dem Schissenberg. Nach Rück­kehr vom Schiffenberg ist eine gemütliche Zusammen - kunst im Hotel Einhorn geplagt.

* Das zweite Abonnementskonzert unserer Jnsanteriekapelle fand gestern abend in Steins Garten unter Mitwirkung der Pistonvirtuosin Frl. Erna Finke statt. Als erstes Stück spielte Frl. Finke die „Fantasie brillante" von Arban, die wie der „Hilda- Polka de Bravour" von Rynand eine gute Beherrschung des Instrumentes zeigte. Der Beifall des zahlreich er­schienenen Publikums — wenigstens eines Teiles des­selben — war stürmisch, so daß zwei Zugaben erfolgten.

Wenn wir uns dem Orchester zuwenden, so wollen wir zunächst unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß die rührige und umsichtige Direktion kein Opfer scheut, die Abonnementskonzerte so interessant als mög­lich zu gestalten. Daß es natürlich nicht immer gelingt, ausgereifte Künstler wie L. Kümmel aus Darmstadt für die Abende zu gewinnen, ist selbstverständlich. Wir wol­len der Direktion durchaus keinen Vorwurf daraus ma­chen; auch „vorliegende Presseurteile" — und wenn sie durchweg günstig lauten — können täuschen.

Der erste Teil des Programms enthielt ^die Ouver­türe zur Oper „Rienzi" v. Wagner und die hier noch nicht gehörte Fantasie a. d. Oper „La Boheme" von Puccini, deren Wiedergabe unter der temperamentvollen Leitung als fein abgeftimmte bezeichnet werden kann. Leider dominierten bei dem Tutti vielfach die Blechin­strumente, sodaß die Melodienführung erdrückt wurde. Namentlich hätten sich die Tubabläser mehr Reserve aus­erlegen können. Die übrigen Stücke, die vorwiegend der „leichteren" Musik angehörten, wurden trefflich wie­dergegeben. Der nach jeder Nummer gespendete starke Beifall war herzlich.

* Das „goldene Kleid" der Großher­zogin. Von dem Kleide, in dem die Großherzogin den Krönungsfeierlichkeiten in London beiwohnen wird, ist in den Zeitungen viel die Rede. Das Unterkleid ist aus einem durchsichtigen, golddurchwirkten Stoff herge- [tellt, der von weitem den Eindruck eines völlig golde­nen Kleides hervorruft. Das eigentliche Kleid — ein Prinzeßkleid — ist aus weicher, malvenfarbener Liberty- Seide, eng und faltenlos, in den Hinteren Bahnen in eine 1% Meter lange Schleppe übergehend. Das Ueber- kleid ist vorn geteilt und wird auf der linken Schulter durch eine Brillantagraffe zusammengehalten und geht von der Taille ab offen, nach unten und hinten in leich­tem Bogen zu beiden Seiten in die Kleidschleppe über. Die vordere Rockbahn ist aus in Phantasie-Federmuster besticktem Goldstoff; Gold- und Perlenstickereien mar­kieren den Halsausschnitt. Von der Schulter herab fällt die 3% Meter lange Courschleppe aus schwerem, glan­zendem Goldstoff mit malvensarbenem Libertysutter. Die Schleppe wird von doppelhandbreiten, kostbaren Spitzen eingefaßt. Rüschen von Chiffon führen am Rande zur Farbe des Grundstoffes über.

-k- Rockenberg, 23. Juni. Erötzere Unlerjchla- aunqen wurden bei dem hiesigen hessisch e n ß a n = desruchihaus ausgedeckt. Der Rechner L. hat seit Zahlen an den Rechnungen gröherer Firmen, die Wa­ren rur Eesangenenarbeit lieferten, Unterschlagungen vor- genommen. Bis jetzt sind Unterschleise in Höhe von 12 000 Mk. sesigestellt worden. Heute sruh tras die Staatsanwaltschast ein und nahm L. in Verhör, der auch die Unterschlagungen zugab, woraus er in Hast ge­nommen wurde. ~ „ .

• Bad-Nauheim, 23. Juni. Die Kur der Zarin in Bad-Nauheim hat unser Bad in Ruhland einem gröberen Kreise bekannt gemacht, als es die beste Reklame ermöglicht hätte. Viele russische höhere Mili­tärpersonen sind hier zur Kur eingetroffen.

• ) Büdingen, 23. Juni. Wegen sortgesctzter Erpressungen an einem den ersten Ständen Berim an- qchörcndcn Herrn wurde der 27 Jahre alte Kausmann Karl Lahnstein aus Büdingen in Franksuri a. M. ver- hastet.

• Darmstadt, 22. Ium. Gegenstand der ge­strigen Sitzung des Finanzausschusses der Zweiten Kammer waren die neuerlichen Beschlusse des Ausschusses der Ersten Kammer über die E e -

m e i n d e st e u e r v o r l a g e. Aus diesen Beschlüssen gebt hervor, daß der Ausschuß aus seinem Standpunkt beharrt daß die Grundsteuer im allgemeinen nicht nach dem gemeinen Wert, sondern nach dem Ertragswert be­stimmt werden soll. Sodann wird sestgehalten an der G e w c r b e st e u e r, wie sie die Erste Kammer abge ändert hat; bezüglich der Warenhaussteuer und Filiâl steuer beharrt der Ausschuß ebenfalls auf den früheren Beschlüssen der Ersten Kammer.

Ueber diese dem Ausschuß gedruckt vorgelegten Be schlüsse, durch welche die endgiltige Herbeiführung einer Verständigung über diese wichtige Gesetzesmaterie nicht erleichtert wird, entspann sich zwischen den Regierungs Vertretern und den Ausschußmitgliedern eine recht leb haste Debatte. Den wichtigsten Punkt in diesen Ver Handlungen bildeten die Beschlüsse des anderen Ausschus­ses über die Grundsteuer. Man einigte sich schließlich da hin, gerade bezüglich der Grundsteuer nochmals mit dem anderen Ausschuß in Verhandlungen einzutreten, um zu erreichen, daß dort der Standpunkt des Ertragswer- tes ausgegeben oder doch in wesentlichen Punkten ge mildert wird. Man ging dabei allgemein von der An­sicht aus, daß die Gewerbesteuer, namentlich auch die Warenhaus- und Filialsteuer, besondere Schwierigkeiten in der Ersten Kammer trotz ihres zurzeit noch ablehnen den Standpunktes nicht verursachen werde. Die nächste Ausschußsitzung findet heute nachmittag statt.

-a- F r a n k e n b e r g, 22. Jyni. Der Landwirt Rumps aus Röddenau wurde beim Überschreiten des Bahngeleises von einem Rangierzuge ersaßt und getötet.

*) Aus Rheinhessen, 23. Juni. Das am 9. Juni über einen großen Teil der Provinz niederge gangene Unwetter, von dem 14 Gemeinden betrof­fen wurden, hat nach den Ermittelungen und Abschät­zungen einen Schaden von 1% Millionen Mark ver­ursacht. Fast alle Kornfelder und auch ein Teil der Sommersrüchte müssen umgepflügt und neu bestellt wer­den.

Sprachecke des Allg. Deutschen Sprachvereins.

„Literarische Straßenkehrerei" nannte kürzlich ein Herr, der es bisweilen liebt, den „Geistreichen" zu spielen, die Sprachreinigung. Gewiß, Kehricht und Schmutz Hal sich — das Gott erbarm'! — mehr als zuviel auf den Stra­ßen und Gassen unserer Verkehrssprache auf gehäuft, und wir Sprachreiniger arbeiten an seiner Beseitigung, da­mit Einheimische und Fremde sich von neuem an der Sauberkeit des Straßenbildes erfreuen können; aber sind wir wirklich weiter nichts als — Straßenkehrer? Ist die Muttersprache ein so geringes Ding, daß man so verächtlich von ihren Pflegern reden darf, ist die Reini­gung und Hebung der Sprache eine so minderwertige Tätigkeit, daß jener Herr gar keinen edleren Vergleich hätte finden können? O daß sich doch jeder Deutsche durchdringen ließe von dem Gedanken, daß die Mutter- sprache mehr ist als aller Besitz an Geld und Gut! Daß jeder erkennte, daß wir sie ebenso in Ehren zu halten haben wie die leibliche Mutter ! Daß doch jeder be­dächte, daß die Sprache von Unrat zu befreien ebenso nötig und wichtig ist wie die Reinhaltung von Haus und Hof! Daß jeder es als seine heilige Gewissenspslicht em- sehen lernte, auch an seinem Teile mitzuarbeiten an dem hohen Ziele, das den geschmähten „Straßenkehrern" vor­schwebt: dem der Wiedergeburt der deutschen Sprache zu neuer Schöne und Herrlichkeit!

R. Palleske, Landeshui in Schl.

— In den Thüringer Wald, den Vogels­berg und die Rhön führt das soeben neu erschienene Blatt 13 von G. Freytags Automobil- u. R ad- sa h r e r k a r 1 e. (Preis Mk. 1.35, aus Leinewand Mk. 2.60), Verlag von G. Freytag & Berndt, Wien 7 und Leipzig, das sehr übersichtlich und deutlich das ganze Straßennetz des Gebietes ersehen läßt. Jede Stra- ßenverzweigung ist leicht erkennbar, die Straßen nach ihrer Beschaffenheit unterschieden, die Bahnlinien einge­tragen, zahlreiche Orte bis zu den kleinen und kleinsten herab (auch einzelne Gehöfte, Gasthöfe rc.) ausgenom­men mit Angabe der Entfernung in Kilometern von Ort zu Ort. Dabei ist der Preis für das große Blatt so billig, daß wir für den Bereich von Kassel— Paderborn — Elbingerode— Göttingen—Marburg — Gießen — Fulda — Eisenachs—Langensalza—Erfurt —Meiningen — Hildburghausen 2C. dieselbe als ein wirklich preiswertes, gediegenes Orientierungsmittel für Automobil- und Rad­fahrer empfehlen können. Sowohl das neue Blatt, wie die früher erschienenen Nummern, sind von jeder Buch­handlung, eventuell auch direkt vom Verlage gegen Ein­sendung des Betrages zu beziehen.