Hietzener Peitnna
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Enthält alle amtt. Bekanntmachungen
des Großherzoglichen
sPolizei-Amtes
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
Expedition: Zeltersweg 83
B> Behörden Gberhessens
(Haus Brüder Schmidt.)
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die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Pelitzeile im N e k l a m e t e i l 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50" a Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Ghöbe berechnet. Rabatt kommt bei lleberschreitung deSZahlungs- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.
Gcsamtlcitung: Albin Klein.
Nr. 46
Telephon: Nr. 362.
Douiierslag den 23. Februar 1911
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
WcdNagzvadlvorbrreitungen?
* Alsfeld. Die Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte für den Kreis Alsfeld befaßte sich mit dem Ansuchen der nationalliberalen Parteileitung um Unterstützung der Kandidatur Haberkorn durch den Bund der Landwirte. 22 Teilnehmer stimmten für Bindewald, 8 für Haberkorn. — Kommenden Sonntag tagen noch 2 Versammlungen des Bundes der Landwirte in gleicher Sache für die Kreise Lauterbach und Schotten. Dann erfolgt erst die endgültige Stellungnahme des Bundes für die Reichstagskandidatur des 3. Oberhessischen Wahlkreises.
*
Man schreibt uns:
Im Wahlkreise Gießen — Grünberg — N i d- da ist die nationalliberale Partei nach wie vor eifrig bei der Arbeit. So hatte sie für Samstag und Sonntag insgesamt 19 Versammlungen, vornehmlich im nordöstlichen Teil des Kreises anbercumt. Während die Samstag nachmittag abgehaltenen Ver- [ammlungen insolge der ungünstigen Zeit nicht allzu zahlreich besucht waren, zeigte sich in den übrigen ein solches politisches Interesse, daß der größte Teil der Lokale bei weitem nicht für den Andrang ausreichte. In Gedern kam es zu einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem sozialdemokratischen Kandidaten Beckmann, der dabei ein geistig und politisches Niveau verriet, das für einen Vertreter des deutschen Volkes im Reichstage auch bei bescheidensten Ansprüchen nicht genügt. Während in den übrigen Versammlungen Gegner sich snicht zum Wort meldeten, ergab sich in Gelnhaar eine interessante Auseinandersetzung mit dem Freisinn. Als der freisinnige Redner die Behauptung aufstellte, Professor Gisevius habe dasi Programm des Bundes der Landwirte unterschrieben und sich überdies diesem gegenüber verpflichtet, weder Hakksa-, noch Bauernbund in Anspruch zu nehmen und, aus die 'Unrichtigkeit dieser Behauptung aufmerksam gemacht, sagte, er werde so lange an ihr sesthalten, bis der Kandidat ihm das Gegenteil bewiesen habe, sand er sogar bei seiner sozialdemokratischen Resonanz spöttische Mienen. Der nationalliberale Vertreter, Redakteur Ackermann wies die sonstigen Angriffe mit Nachdruck zurück. Als später der nationalliberale Kandidat Professor Gisevius ein- traf, nahm auch dieser selbst Gelegenheit, die oben wiedergegebene Behauptung für unwahr zu erklären. Dort düche daher der Freisinn sonderlich gute Geschäfte schwerlich gemacht haben, wie denn überhaupt überall auf dem Lande die Aussichten der Fortschrittlichen Kandidatur auf Stimmen nur durch eine Dezimalzahl ausgedrückt werden können.
Hur Stadt und £wd.
Giehen, den 23 Februar.
-ö- Gießen. Gelegentlich des am 6. Mai stattfin- denden allgemeinen hessischen Blumentages sollen kleine künstliche Blumen, die bereits gestiftet sind, auf der Straße an Passanten zum Preise von 10 Pfennig verkauft werden. Den Berkaus sollen junge Mädchen und Frauen aller Bevölkerungskreise übernehmen. Der Reinerlös findet bekanntlich zum Besten der Mutter- und Säuglingsfürsorge Verwendung und zwar in den Bezirken, wo er vereinnahmt wurde.
♦) Gießen. Die Hess. Vereinigung für Volks - künde hat sich bekanntlich die Sammlung der Flurnamen aller hessischen Gemarkungen zur Ausgabe gemacht. Tie neuesten Mitteilungen der Vereinigung darüber besagen, daß von den 1009 Gemarkungen Hessens noch 500 ohne Sammler sind, weiter, daß Oberhessen mit seinen 446 Gemarkungen noch der Bearbeitung von 168 Gemarkungen bedarf. .
* Hießen. Die neuerbaute Klinck jur innere Tierkrankheiten, Gewährfehler und Hautkrankheiten an der Franksurterstraße wurde am Dienstag durch einen internen Festakt ihrer Bestimmung übergeben. ^er Direktor des Instituts Professor Dr. Gmeiner sprach in seiner Festrede über die Entwickelung der Tierheilkunde an der Universität^ Gießen ^ Oberlehrerin an der Aliceschule, Frl. Moeser, gründete Ende vorigen Jahres unter Dem Namen „Gi-h-ner Fröbel-Seminar" eine mit «wer Pension verbundene Anstalt, welche berufen ist, günstig aus die Erziehung unserer Töchter zu wirten Das Semmar will jungen Mädchen Gelegenheit geben, sich für ben -Beruf einer Kindergärtnerin auszubilden, oder das zu lernen was eine jede Frau und Mutter als das wichtigste in ihrem Leben erkennen soll.
*) Gießen. Der neugegründete „Oberh. Verein für die Basler Missio n", veranstaltet am 5. März in den Gemeindesälen (Kirchstraße) seine erste Jahres - Versammlung, verbunden mit öffentlichen Vortrag des Pfarrers Dipper über „Lage und Aufgabe der Basler Mission in der Gegenwart".
* ) Gießen. Als der Kirchendiener unserer Stadt- kirche am Montag mit der Herrichtung für eine Konzertprobe beschäftigt war, erfolgte eine G a s - E r p l o- s i o n. Die vom Turm in die Kirche führende schwere Tür wurde eingedrückt und zwei Fensterscheiben zertrümmert. Der Kirchendiener erlitt im Gesicht und an den Händen erhebliche Brandwunden.
— Gießen, 23. Febr. Das eingetretene Tauwetter hat der Eisbahn ein schnelles Ende bereitet. Vor wenigen Tagen bot sie noch ein buntbewegtes'Bild, aber nun ist alles still. Das Eis geschmolzen, das Wasser abgelassen, hier und da einige'Wassertümpel, das lange Gasrohr zur Beleuchtungsanlage, welches sich lange Zeit diskret verborgen hielt, sichtbar, bietet sie jetzt einen trostlosen Anblick. Aber die Grasspitzen, die schon hier und da hervorlugen, lassen ahnen, daß bald ein grüner Rasenteppich Abwechselung in das monotone Einerlei bringen wird.
Wetzlar, 22. Febr. Der Regierungspräsident gibt den „Allerhöchsten Erlaß" betreffend die Carnegie- Stiftung für Lebensretter bekannt, dem wir folgendes entnehmen: Mit dem von Andrew Carnegie zur Verfügung gestellten Kapital von 1^ Millionen Dollar wird unter dem Namen „Carnegie-Stiftung f ü r^L e b e n s r e t t e r" eine Stiftung errichtet. Zweck der Stiftung ist die Linderung der finanziellen Wotftänbe, welche sich aus heldenmütigen Anstrengungen zur Rett- ung von Menschenleben im Gebiete des Deutschen Reiches und seiner Gewässer ergeben, sei es für die Lebensretter selbst durch deren vorübergehende oder dauernde Erwerbsunfähigkeit, sei es, im Falle des Todes derselben, für ihre Hinterbliebenen. In erster Linie sind dabei diejenigen Unglücksfälle ins Auge gefaßt, welche sich bei Ausübung friedlicher Berufe, z. B. derjenigen der Bergleute, Seeleute, Aerzte, Krankenpfleger, Feuerwehrleute, Eisenbahn- und Polizeibeamte, ereignen. Unter „Lebensrettern" werden auch diejenigen Personen verstanden, deren heldenmütige Anstrengungen zur Rettung von Menschenleben von Erfolg nicht gekrönt worden sind. Die von dem Kuratorium zu bewilligenden Beihilfen sind einmalige oder fortlaufende. Letztere sollen a) für Lebensretter auf die Dauer ihrer völligen oder teilweisen Erwerbsunfähigkeit, b) für Hinterbliebene von Lebensrettern und zwar für Witwen bis zur eventuellen Wiederverheiratung und für Kinder bis längstens zur Erreichung eines zur selbständigen Ernährung befähigenden Alters gewährt werden. Für besonders befähigte Kinder können zu ihrer Erziehung für einen gehobenen Beruf inbezug auf die Höhe und Dauer der Unterstützung außergewöhnliche Aufwendungen gemacht werden. Den Hinterbliebenen können gleich geachtet werden andere nähere Verwandte, welche mit dem Ver - storbenen einen Haushalt gebildet und in ihm den Ernährer verloren haben. Sämtliche Bewilligungen aus der Stiftung erfolgen unter Voraussetzung der Würdigkeit und Bedürftigkeit der Empfänger, die fortlaufenden dementsprechend mit dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr zutreffen. Vor Entziehung der Beihilfen soll den Empfängern jedoch Gelegenheit gegeben werden, sich wegen des ihnen zur Last gelegten Betragens oder der eingetrete- nen Aenderungen ihrer finanziellen Lage zu äußern. Vor der Bewilligung von Beihilfen ist seitens des Kuratoriums zu prüfen, ob den Empfängern gegenüber Behörden, Organisationen, Kassen, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen 2C. ihrer etwaigen Pflicht zur Gewährung einer Rente, Unterstützung oder Belohnung gerecht geworden sind. Nur insoweit die hierdurch erlangten Mittel für die Berechtigten nicht als ausreichend anerkannt werden, soll die Stiftung helfend eingreisen. Insbesondere soll von dem Kuratorium daraus gesehen werden, daß die bestehende Fürsorgepslicht des Staates, der Kommunen, Verufsgenossenschasten, öffentlichen Anstalten 2C. nicht durch die Tätigkeit der Stiftung in irgendeiner Weise beeinträchtigt oder abgeschwächt wird. Die Stiftung tritt mit dem Tage ihrer landesherrlichen Genehmigung in Kraft. Anträge auf Gewährung von Beihilfen an'Lebensretter oder deren Hinterbliebenen können bei den Ortsbehörden zur Weitergabe an das Kuratorium der Stiftung in Berlin, Wilhelmstrahe 64, gestellt werden.
• Rodheim. Nach einer Bekanntmachung der Handwerkskammer Wiesbaden finden die Frühjahrsge- sellenprüfungen statt: für Maurer, Zimmerer, Tüncher
vom 1. bis 15. Mai, für alle übrigen Handwerker vom
1. bis 30. April. Die Anmeldungen haben zu erfolgen bei den Vorständen der Prüfungsausschüsse, und zwar für Maurer, Zimmerer und Tüncher im Lause des Monats April, für alle übrigen Handwerker in der Zeit vom 1. März bis 1. April. Die Prüfungsgebühr beträgt 6 Mark und ist vor der Prüfung an die Handwerkskammer einzuzahlen.
* Löhnberg. Bei der Bürgermeister-Stellvertre- terwahl wurde das bisherige Gemeinderatsmitglied, Spar- und Darlehnskassen-Rendant Wilhelm Knögel von hier gewählt.
* Weilburg. Die Budgetkommission des Reichstages bewilligte für den Neubau und zur Ausstaltungs- ergänzung der U n t e r o f f i z i e r s ch u l e in Weil - bürg 1 100 000 Mark.
* Weilburg. Während des Jahres 1910 sind 1783 Ehejubiläumsmedaillen verliehen worden; davon entfallen auf die Provinz Hessen-Nassau 123, aus den Oberlahnkreis 3.
* Marburg. In einer Montag stattgesundenen deutsch-sozialen Wählerversauimlung sprach Reichstags - fanbibat Schneidermeister Rupp aus Niederwalgern über das Programm der wirtschaftlichen Bereinigung, und Reichstagsabgeordneter L a 1 t m a n n über die Finanzreform.
* Wiesbaden. Bürgermeister Rossel vom nahen Dotzheim wurde mangels Beweise sreigesprochen, Dittmar und Schmitz erhielten wegen Unterdrückung einer amtlichen Urkunde und Bestechilng je 1 Monat Gefängnis, Herborn wegen Bestechung 75 Mark Geldstrafe, Weiß und Jäger wurden ebenfalls freigesprochen.
Soziales.
($in gewerkschaftliches Fiasko hat der sozialdemokratische Metallarbeiterverband mit seiner bisherigen Finanzwirtschast gemacht. Mit einem Uebermaß im Unterstützungswesen versuchte er den andern Metallarbeiterverbändeil Schmutzkvllkurrenz zu machen, was ihm auch bei vielen von denen, die nicht alle werden, gelungen ist. Die Folge davon war, daß in den letzten Jahren stets mit Defizit abgeschlossen wurde. Jetzt geht es nicht mehr weiter so. Der Vorstand des Verbandes macht der Pfingsten in Mannheim stattfin- denden Generalversammlung zur Steuerung der Finanzmisere drei Vorschläge und zwar: 1. den Wochenbeilrag um 10 Pfg. zu erhöhen; 2. den Anteil der Lokalkasse am Wochenbeitrag von 14 auf 10 Psg. zu kürzen; 3. bei großen Aussperrungen soll fürderhin für die ersten zwei Wochen Streikunterstützung nicht gezahlt werden, für die folgende Zeit wird die Streikunterstützung auf die Sätze der Erwerbslosenunterstützung, etwa die Hälfte, ermäßigt.
Der sozialdemokratische Metallarbeiterverband scheint nach diesen Vorschlägen das Jahr 1910 ebenso wie seine beiden Vorgänger mit einem Defizit abgeschlossen zu haben. Die Jahre 1908 und 1909 brachtem dem roten Verband einen Vermögensrückgang von 769516 M. Der christliche Metallarbeiterverband hatte in derselben Zeit eine Vermögenszunahme von 265 557 Mk. Gehen die vom Vorstand des sozialdemokratischen Metallarbeiterverbandes gemachten Vorschläge durch, so erzielt dieser für seine Hauptkasse, wenn nur das unter 1 und 2 Gesagte berücksichtigt wird, eine jährliche Mehreinnahrne von zirka 2 Millionen Mark. Hoffentlich verstehen die christlichen Metallarbeiter allerorts dieses zu würdigen und durch vermehrte Agitation und Ausbau ihre Verbandsfinanzen ihre Position zu stärken.
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Antwort auf die in Nr. 34 unter gleicher Rubrik gestellten Anfrage: 1. Der Arzt ist nur dann, und zwar nur in dringenden Fällen, zur Hilfeleistung gesetzlich verpflichtet, wenn die Obrigkeit ihn dazu auffordert. Diese Verpflichtung trifft in gleichem Maße jeden Deutschen. Da aber bei Unglückssällen für gewöhnlich der Arzt als Fachmann am schnellsten helfen kann, so wird an ihn in erster Linie die polizeiliche Aufforderung ergehen, ob bei Tag oder Nacht ist gleichgültig. Ablehnen kann er die Hilse nur aus zwingenden Gründen, wie Krankheit oder wenn er anderweitig dringend verhindert ist. 2. Für die Nichtbesolgung der polizeilichen Aufforderung wird er, wie jeder andere, der nicht Arzt ist, zur Rechenschaft gezogen werden können. Es ist eine moralische Pflicht des Arztes, bei allen Notfällen die erbetene erste Hilfe zu leisten, eine gesetzliche Pflicht nur, wenn die Behörde ihn aufforbert. 4. Ist der Arzt vertraglich verpflichtet, wird die Sache selbstredend eine andere.