Trauertage unserer Marine.
Aus Anlaß der Unterseebootskatastrophe, die bei uns die erste ihrer Art war, sind bisher nur die Unterseebootskata- strophen anderer Länder verzeichnet worden. Da es sich aber nm ein Unglück in unserer Marine handelt, so wird vielleicht auch eine Uebersicht über die bisherigen deutschen Marinekatastrophen von Interesse sein. Die erste große Katastrophe nach dem Kriege 1870/71 war das Unglück des Panzerschiffes „Großer Kurfürst", der im Jahre 1878 im Kanal von Dover zu Grunde ging. Es kamen dabei 21 Mannschaften um. Das Schiff wurde durch ein anderes Schiff angerannt. Sieben Jahre später wurde die „Augusta", die sich auf einer Reise nach Australien befand, das Opfer eines furchtbaren Sturmes in der Nähe von Indien. Bei Samoa wurde der kleine Kreuzer „Eber" im Jahre 1889 von einem Sturme an die vielen dort befindlichen Riffe geschleudert und ging mit der ganzen Besatzung zu Grunde. Diese Katastrophe forderte 12 Menschenleben, darunter einen Offizier. Einen größeren Menschenverlnst hatte die Katastrophe des kleinen Kreuzers „Adler" im selben Jahre, bei der 20 Menschen den Tod fanden. Im Jahre 1895 starben 18 Mann bei dem Untergang des oeutschen Torpedobootes „8. 41" Sechs Mann wurden gerettet. Ein Jahr später hatte unsere Torpedoflotte ein neues Unglück zu beklagen, da das Torpedoboot „8. 48" untersank und sechs Mann mit sich in das nasse Grab hinabzog.
In aller Angedenken wird noch die vielbeschriebene und gerühmte Katastrophe des deutschen Kanonenbootes „I l - tis" sein, die sich gleicherweise im Jahre 1896 ereignete. Das Kanonenboot wurde von dem Kapitänleutnant Braun kommandiert. Als es an der chinesischen Küste von Schan- tung untersank, brachte bekanntlich der Kapitänleutnant Braun drei Hurras auf unseren Kaiser aus, in die die Mannschaft begeistert einstimmte. Unter Absingung des Flaggenliedes gingen dann 5 Offiziere und 66 Mann unter und starben den Heldentod für das Vaterland. Ein Jahr später ist wieder ein schwerer Verlust zu beklagen, der noch durch die Persönlichkeit eines dabei zu Grunde gegangenen Offiziers Aufsehen erregt hat. Es handelt sich um das Torpedoboot „8. 26", das im Jahre 1897 sank, und bei dem der Leutnant Herzog Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg- Schwerin mit 8 Mann seinen Tod fand. Drei Jahre später wurde das Schulschiff „Gneisen au" ein Opfer Der Wellen bei Malaga, und der Korvettenkapitän Kretschmar fand dabei mit einer großen Anzahl Seekadetten und Mann der Besatzung seinen Tod.
Von den letzten größeren Marinekatastrophen sind noch drei als schwer zu nennen. Das Kriegsschiff „W a ch t" sank im Jahre 1901 während einer Manöverübung in der Ostsee. Die Rettungsvorrichtungen und der Heldenmut der Kameraden machten es möglich, daß nicht ein einziger Mann des Schiffes sein Leben verlor. Diese Rettungstateu werden gleicherweise wie die Rettungsarbeiten bei dem Unterseeboot „U. 3" mit goldenen Lettern in das Buch der Marinegeschichte sämtlicher Völker eingetragen werden. Neben einer Explosion auf dem Kreuzer „Blücher" ist noch ein großes Unglück aus dem Jahre 1906 zu nennen, wo das Torpedoboot „8. 126" zu Grunde ging. Der Unglückssall, der sich im Dezember ereignete, wurde durch ein furchtbares Schneegestöber hervorgerufen, das eine Uebersicht nicht ermöglichte. Ein Panzerschiff, welches das Torpedoboot nicht sah, überrannte es, und dadurch wurde eine Kessclexplo- sion erzeugt, die den Verlust der gesamten Mannschaft und des Torpedobootes zur Folge hatte.
An Materialfehlern ist bisher noch kein deutsches Schiff zu Grunde gegangen, ebensowenig an Fehlern in der Leitung. Dafür aber haben gerade Schiffskatastrophen den Heldenmut unserer blauen Jungen im herrlichsten Lichte gezeigt.
Schi!kcktnte»!po in der Kerirtmig der Zuwachsstriier.
Die zweite Lesung des Zuwachssteuergesetzes erweist sich doch als zeitraubender, als man ursprünglich angenommen hat. Zwei Tage waren vorgesehen, aber schon den vierten Tag unterhält man sich über den Gesetzentwurf, der in seinem Grundgedanken so einleuchtend und klar, zugleich aber ein Beispiel für die Schwierigkeit ist, einen solchen Gedanken ohne Beeinträchtigung irgendwelcher berechtigter Interessen und unter Sicherung eines lohnenden Ertrages gesetzgeberisch auszugestalten. Hatte man unter Verzicht auf die Kommissionssitzung am Freitag auch schon um 11 Uhr vormittags begonnen, so ist man doch noch recht weit vom Ziel, und der Hindernisse sind mancherlei.
Schon bei Beginn der Sitzung drohte ein Zwischenfall. Es sollte geschäftsordnungsgemäß die Abstimmung über einen Antrag wiederholt werden, der gestern nur handschriftlich Vorgelegen hatte. Mehrheit und Minderheit hielten sich in dem vorläufig noch kaum besetzten Hause die Wage und es hätte Die Auszählung des Hauses erfolgen müssen, die unzweifelhaft Veschlußnnsähigkeit ergeben hätte, wenn das Bureau sich nicht noch im letzten Augenblick einig geworden wäre. So wurde der Antrag, während er am Donnerstag angenommen war, gestern verworfen.
Etwas lebhaft gestaltete sich die Situation sodann bei der Beratung der Steuerbefreiungen. Hier hatte die Kommission diejenige der Lanöesfürstinnen und Landesfürsten beseitigt. Ein konservativer Antrag, der vom Grafen v. Carmer begründet wurde, wollte sie wieder herstellen. Red-
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ver §amilienfchmuÄ der Wallutjeffr.
Kriminalroman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.
121 (Nachdruck verboten.)
„Ich werde aber die Polizei auf ihn aufmerksam machen, ehe ich abreise," erklärte Clairon. „Sie soll ein wachsames Auge auf den Kerl haben, der sehr berüchtigt ist. Ein wahrer Blutsauger, der die armen Leute prellt; auch Meunier mag ihn von dieser Seite kennen gelernt haben.
„Glauben Sie nicht, daß Meyer die Steine aus unserm Familienschmuck ausgebrochen hat, und sie einzeln zu verkaufen suchen wird?" fragte der Graf.
„Nein, die Goldschmiedearbeit, die Fassung ist zu kunstvoll", versetzte der Juwelier stolz, „der herrliche Schmuck würde viel an Wert einbüßen."
„Ich glaube aber, daß er die einzelnen Stücke zu verkaufen suchen wird," nahm Clairon das Wort, „das Per- lenkollier allein, die Diamantsterne einzeln und wahrscheinlich auch die Ohrgehänge."
„Aber wird es Ihnen möglich sein, das Geschmeide noch zu erkennen?" fragte Wallutjeff.
Wieder lächelte Clairon überlegen, er wandte sich an den Juwelier mit den Worten: „Bitte, sprich Du jetzt, Onkel."
„Ich will Ihnen ein Geheimnis verraten, Herr Graf," sagte Häuserling, „die Steine sind sämtlich gezeichnet von mir."
„Wie?" rief Wallutjeff betroffen.
„Ja, ich habe auf der Rückseite eines jeden ein Zeichen gemacht: zwei feine, übereinanderliegende Striche, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Nur durch eine haarscharfe Lupe sind sie zu erkennen, ich gebe diese Lupe meinem Neffen mit."
„Wie liebenswürdig Sie in der Fürsorge um unsern Talismann sind," sagte Wallutjeff warm. „Wußte meine Mutter darum?'
ner der Linken bemühten sich, den Kommifsionsbeschluß aufrecht zu erhalten, Reichsschatzsekretär Wermuth und der preußische Finanzminister Lentze, der das erste Mal im Reichstage auftrat, verwandten sich wiederholt und mit Nachdruck für die Aufrechterhaltung dieses Privilegs. Sie wiesen darauf hin, daß die Ausnahme der Landesfürsten aus staatsrechtlichen Gründen überall anerkannt würde, auch da, wo sie nicht gesetzlich festgelegt sei, daß die Frage nicht vom vermögensrechtlichen Staudpunkt betrachtet werden könne. Vom Zentrum schloß man sich dieser Auffassung an. Unmittelbar vor der Abstimmung verließen die Polen, die vorher eine erregte Aussprache in einer Ecke des Saales gehabt hatten, den Saal. Bei der Abstimmung erhoben sich für die Wiederherstellung der Steuerfreiheit des Landesfürsten und der Lanöesfürstinnen die Konservativen, die Reichspartei und die Reformpartei, das Zentrum mit einziger Ausnahme des Abg. Müller-Fulda, und der kleinere Teil der Nationalliberalen. Für den Kommissionsantrag stimmten die So- zialdemokraten, die Volkspartei, die Mehrheit der National- liberalen und die wirtschaftliche Vereinigung, sowie Abg. Müller-Fulda. Das war die Mehrheit. Die Stenerfreiheit des Landesfürsten und der Landesfürstin ist also abgelehnt.
Hiernach griff wieder die trockene Sachlichkeit Platz, die sich am besten dadurch kennzeichnete, daß der Saal ziemlich verödet war und sich nur, wenn die Glockenzeichen zur Abstimmung riefen, wieder füllte. Vorübergehend war die Besetzung so schwach, daß Vizepräsident Schultz die einfache Abstimmung über einen Antrag kaum vornehmen konnte. Dann gab es wieder eine Geschäftsordnungsdebatte, bei der es etwas lebhaft wurde, weil an dieselbe eine Abstimmung anznschließen pflegt, sich der Saal deshalb wieder füllt und sich bei Geschüftsordnungsfragen überhaupt die Gemüter leicht zu erhitzen pflegen. Meist wurden die Kommissionsbeschlüsse bestätigt und meist beteiligten sich wie schon an den vorhergegangenen Tagen fast immer dieselben Redner an der Debatte. Für die breite Öffentlichkeit sind die Verhandlungen fast ohne Interesse. Die Kosten der Steuererhebung wurden nicht, wie der Abg. Bürgermeister Enno gewünscht hätte, den Einzelstaaten, sondern den Gemeinden auferlegt: einem Antrag Gröber gemäß wurde für Streitigkeiten das Reichsgericht als oberste Instanz über die Verwaltungsgerichte gesetzt. Man kam bis zum Paragraph 49, der von dem Anteil Der Gemeinden handelt. Dann war das Haus erschöpft und vertagte sich auf Dienstag, wo man endlich hofft, die zweite Lesung der Zuwachssteuer zu beenden.
Rundschau vom tagt
Politisches,
Ein Wechsel im preußischen Kriegsministerium? Nach einer Berliner Meldung sollte Kriegsminister Frhr. von Heeringen amtsmüde und zu seinem Nachfolger der General v. Woyrsch in Breslau ausersehen sein. Er erklärte einem Vertreter des Breslauer „Generalanzeigers" auf seine Anfrage, daß ihm in dieser Angelegenheit keinerlei Mitteilung zugegangen sei, und daß er die Meldung als auf Irrtum beruhend ansehen müsse.
Für die Kandidatur Bassermanns bei den nächsten Neichstagswahlen ist nach der „Nationalztg." jetzt endgültig dèr Wahlkreis Saarbrücken ausgesucht worden, dessen nationalliberaler Vertreter Justizrat Boltz sich nicht wieder aufstellen lasten will. Er erhielt bei der letzten Wahl 21 334, der Zentrumskandidat 19183 und der Sozialdemokrat 2922 Stimmen. In der Stichwahl siegte Voltz mit 22 668 gegen 21 220 Zentrumsstimmen. Bastermann war schon früher einmal für Saarbrücken in Aussicht genommen.
Der aus dem großen Greifswalder Landratsprozesse bekannte Rittergutsbesitzer Becker wird Pommern verlasten. Er hat sich nach Besichtigung verschiedener Liegenschaften im Hessischen entschlosten, sich in der Villa Meckendorf in Bensheim an der Bergstraße niederzulassen. Becker hat bereits den Um^ug nach dem Süden angetreten und wird voraussichtlich dort bleiben, bis seine Prozeßsache entschieden ist, die bekanntlich nach eingelegter Revision jetzt das Reichsgericht beschäftigen wird.
Der Hauptausschuß des Vereins für Sozialpolitik hat beschlossen, die diesjährige Generalversammlung des Vereins Ende September oder Anfang Oktober in Nürnberg- Fürth abzuhalten. Themata für diese Tagung werden Referate über die Gemeindefinanzen und über Lebensläufe der mobernen Industriearbeiter sowie ihre Anpassung an di eArbeitsbedingungen der neueren Technik sein. Der Unterausschuß für Volkssparwesen stellt in seinem Berichte für die nächste Zeit die ersten Arbeiten über die Bedeutung und die Bedingungen der Spartätigkeit des deutschen Volkes in Aussicht.
Gegen die Petition aus Oberlehrer- und Lehrerkreisen, die sich gegen die Zulassung von Frauen zur Leitung von Mädchenschulen wendet, protestiert die organisierte Lehrerinnenschaft Preußens in einer Erklärung, in der es heißt: Wir bedauern, daß die Erziehung von Mädchen Männern
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„Nein, ich wollte es ihr selbst mitteilen, da kam das Unglück dazwischen. Aber jie sagten eben, der Schmuck sei ein Talisman. Wie soll icy dieses Wort deuten, Herr Graf?"
Wallutjeff zögerte erst, den beiden in seinem Interesse tätigen Männern die alte Sage zu erzählen. Endlich tat er es doch.
„Sie werden begreifen, wie viel mir an der Wiedererlangung liegen muß," schloß er seinen Bericht, „ich bin bereit, jeden geforderten Preis zu zahlen, wenn Sie in die Lage fommen, den Schmuck zurückzukaufen. Schon um meiner Frau willen, die, ich fürchte es, ungleich schwerer unter dem Verlust leiden wird. Sie war außer sich, als die Depesche ankam, die den Tod Andreis und den Verlust des Familienstückes meldete."
„Ich werde wohl einen gewiegten Detektiv zu Hilfe nehmen müssen, wenn ich erst weiß, wohin Meyer geflohen ist," sagte Clairon, „einen Mann, der genau über die fremde Stadt und seine Bewohner unterrichtet ist. Ich selbst darf um alles in der Welt meine Rolle nicht verraten und muß überall als harmlose Privatperson auftreten. Ich bin zwar mit Meyer an jenem Abend flüchtig zusammengeprallt, hatte aber den Hut tief ins Gesicht gezogen und den Regenschirm aufgespannt, so daß er mich kaum betrachtet haben kann. Als der Diener fortfuhr, traten Häuserling und ich in die Ladentür. Ich stand zum Glück hinter meines Onkels breiter Gestalt, sodaß Meyer mich auch da nicht gesehen haben kann. Zur Not würde auch ich eine Verkleidung annehmen, die mich unkenntlich macht, selbst für Augen, die mich oft gesehen haben."
„Ich bitte Sie noch einmal, Herr Clairon, meine Börse nicht zu schonen," sagte Wallutjeff. „Es kommt mir nicht auf das Geld an. Honorieren Sie diejenigen, die Ihnen zur Erreichung Ihres Auftrages notwendig erscheinen, reichlich. Ihnen werde ich mich immer tief verpflichtet fühlen?'
anvertraut ist, die eine solche prinzipielle Geringschätzung der Frau öffentlich bekunden. So sehr wir an sich diè gemeinsame Arbeit von Mann und Frau an der Mädchenerziehung wünschen, so überzeugt sind wir doch davon, daß Männer, die sich etwas zu vergeben fürchten, wenn sie die Leistungen einer Frau ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht rein sachlich anerkennen, nicht berufen sind, die weibliche Jugend für die Erfüllung der Aufgaben tüchtig zu machen, die der Frau heute im Familien- und Volksleben zufallen." Die Regierung des Großherzogtums Hessen hat erklärt, daß an der männlichen Leitung der Mädchenschulen festgehalten werden soll. Diese Entscheidung wird auf eine Eingabe an das Ministerium zurückgefübrt, die von sämtlichen Lehrern der höheren Mädchenschulen Reffens unterschrieben war.
Türkische Millionen in deutscher Verwaltung. Der türkische Finanzminister gab Anweisung, daß die zur Verfügung des Staates bei der Deutschen Reichsbank ruhenden Depots des abgesetzten Sultans im Gesamtbetrag von etwa dreizehn Millionen Mark, welche in deutschen, französischen und englischen Staatsfonds angelegt sind, an die Deutsche Bank übertragen werden, um dort für Rechnung des türkischen Staatsschatzes weiter verwaltet zu werden.
Kleine Ns»rlGkr«.
Ueber den ehemaligen Ncichstagsabgcordneten Schack teilt der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband im Briefkasten seines Organs mit, daß „Herr Schack nach seiner eigenen Erklärung sich demnächst selbständig machell wird." Danach hat Schack auf eine politische Betätigung für die Zukunft also verzichtet.
Dem Carnegie-Institut hat der Begründer Carnegie weitere 10 Millionen Dollars gestiftet. Damit beläuft sich die Gesamtsumme seiner Stiftungen für das Institut auf 25 Millionen Dollars.
Zu den Festlichkeiten in Peking alls Anlaß der Anwesenheit des deutschen Kronprinzen hat die Meißner königliche Porzellanmanufaktur das Tafelgeschirr geliefert. ES ist in 16 Kisten verpackt kürzlich nach Peking abgegangen. Auch andere Gegenstände zur Tafelausstattung, wie Silbergerät, Glas und Leinen, sind vom Pekinger Hof aus Dresden uno Berlin bezogen.
Der Briefkasten des Dienstmädchens. Bei einer Münchener Herrschaft hat sich das neu eingetretene Dienstmädchen, ohne vorher zu fragen, einen besonderen Briefkasten an dem Korridor anbringen lassen für ihre umfangreiche Privatkorrespondenz. Die Maid erklärte, daß sie es bei ihrer früheren Herrschaft auch so gehalten habe.
Große Unterschlagungen sind bei der Kreissparkaste in Zell a. d. Mosel aufgedeckt worden. Vor einiger Zeit ist der Gegenbuchführer Johannis nach Entnahme von 25 000 Mark aus der Kaste geflüchtet. Der Rendant der Kaste, Müller, hat jetzt eingestanden, daß er früher selbst 30 000 Mark unterschlagen habe.
Ein Grnbenunfall. der noch einen ziemlich glimpflichen Ausgang genommen hat, hat sich auf der Grube „Neue Hoffnung" in Pömmelte (Provinz Sachsen) ereignet. Durch Schlemmsand wurden sieben Arbeiter vom Rückweg abge- schnitten. Der Rettungsmannschaft gelang Die ungemein schwierige Rettung von sechs Personen. Ein Arbeiter war bei dem Eintreffen der Netter tot.
Unfall eines französischen Unterseebootes. Aus Toulon wird gemeldet, daß das Unterseeboot „Gaylustac" infolge eines verfehlten Manövers plötzlich nmkippte (?) und 20 Meter tief sank, aber dank der Geistesgegenwart des Kommandanten mit eigenen Mitteln wieder emporkommen konnte.
Einen Mordversuch gegen seine Brant unternahm ein Bergmann aus Essen, weil sie sich wegen seines schlechten Lebenswandels von ih mlosgesagt hatte. Er gab zwei Ne- volverschüsse auf sie ab, ohne zu treffen, und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in den Kopf.
Von einem Signalmast erschlagen wurde in Barmen ein verheirateter Rangierer. Er stieß mit dem Kopf so heftig gegen einen Signalmast, daß ihm der Schädel zertrümmert wurde.
Eine Dorstragödie spielte sich in der Nähe von Innsbruck ab. Eine Bäuerin erwürgte nachts ihre eigene sechzehnjährige Tochter, von der sie glaubte, daß sie mit ihrem Manne ein Liebesverhältnis unterhalte. Als die Mordtat entdeckt wurde, floh die Mörderin und beging Selbstmord. Die Schwester der Ermordeten wurde vor Schmerz wahnsinnig und mußte in eine Irrenanstalt gebracht werden.
443 Todesurteile haben die russischen Militärbezirksgerichte im Jahre 1910 gefällt. Von dieser Zahl ist der größte Teil in Zwangsarbeit und Deportation umgewandelt wor- den. Immerhin wurden noch 129 Urteile vollstreckt.
M§§emGM, Runst und Eüeraiur.
Ein neues Passronsthcater wird nach Beschluß des Theatervereins im schwäbischen Markt Waal bei Augsburg, dem Sitze des Fürsten von der Leyen, erstehen. In dem uralten Ort fanden schon lange Passionsspiele in einem steinernen Theater Üatt. Jetzt aber soll ein neues für 30?0 Zuschauer
Mit einem gewinnenden Ausdruck reichte Wallutjeff dem Geheimpolizisten die Hand, die dieser warm drückte.
„Noch eins bleibt mir zu tun übrig, sagte Clairon. „Ich werde jetzt zum Bahnhof gehen, um den Fahrkartenverkäufer über die alte Dame, alias Meyer, auszufragen. Ich möchte wissen, bis wohin der Mörder zunächst die Fahrkarte genommen hat."
„Ich bitte Sie beide, morgen nachmittag zu mir zu kommen," sagte Wallutjeff, „wir wollen meinem armen, treuen Andrei das letzte Geleit geben."
Häuserling und sein Neffe versprachen es. Dann trennte man sich.
Wallutjeff schrieb einen langen Brief an seine Frau und schiderte ihc alles, was sich zugetragen hatte. Er suchte sie zu beruhigen und sprach seine Hoffnung aus, daß es Clairon glücken werde, den gestohlenen Familienschmuck wiederzufinden. Jegor bat Maria zum Schluß, das Beste zu hoffen.
„Ich denke, in einigen Tagen abreisen zu können," so schloß Wallutjeff seinen Brief. „Ich bringe die Leiche unserer teuren Mutter nach Walkowa, dort soll sie in unserem Erbbegräbnis ruhen."
Um fünf Uhr nachmittags bewegte sich am nächsten Tage ein Trauerzug nach dem Luzerner Friedhof; man brachte den armen Ermordeten zur Ruhe. Jegor Alexejewitsch ging hinter dem Sarge her; es folgten Häuserling, Jrinja und Clairon, mehrere Bedienstete aus dem Hotel National, die den Verstorbenen in der kurzen Zeit seines dortigen Aufenthaltes kennen und lieben gelernt hatten. Auch viele Fremde und Neugierige schlossen sich an. — Langsam sank der lange, schwere Sarg in die Gruft, nassen Auges blickte Wallutjeff ihm nach.
„Ruhe im Frieden, du treuer Mann," dachte der Graf; „ich will nicht eher rasten, bis ich an Deinem ruchlosen Mörder Gerechtigkeit geübt habe." —
(Fortsetzung folgt.)