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Verlag derGießener Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

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Verlag derWiesener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 144. Telephon: Nr. 362.

Donnerstag, den 22. Juni 1911.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

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Der Verlag der Gießener Zritnug

(Gießener Neueste Nachrichten)

G. m. b. H.

Bus Stadt und Cand.

Gießen, den 22. Juni.

* Der Zweiten Ständekammer sind fol­gende Drucksachen zugegangen: 1. Bericht des Er­sten Ausschilsses über die Vorstellung von Einwohnern zu Birkenau und anderer Orte, betr. Errichtung einer Haltestelle in Birkenau-Tal. Der Ausschuß teilt den ab­lehnenden Standpunkt der Negierung und beantragt, der Vorstellung keine Folge zu geben. 2. Bericht des Drit­ten Ausschusses über die Vorstellung des Vorstandes des Verbandes Hessischer Privatarchitekten, be­treffend Beseitigung der Privatarbeiten der Baubeamten im Großherzogtum Hessen. Der Ausschuß beantragt, die Vorstellung für erledigt zu erklären. 3. Bericht des Vier­ten Ausschusses über 1. den Antrag der Abg. Ulrich u. Genossen, betr. Trennung von Schule und R i r d) e; 2. die Vorstellung des Landes-Lehrervereins, betr. Aufhebung des Artikels 5 0 des Volks- schulgesetzes. Der Ausschuß beantragt mit 4 gegen 1 Stimme: 1. den Antrag der Abgg. Ulrich u. Genossen mit Ausnahme der Ziffer 2 des Antrages abzulehnen;

2. die Vorstellung des Landeslehrervereins, sowie die Ziffer 2 des Antrages Ulrich u. Genossen anzunehmen.

4. Dringliche Anfrage der Abgg. Noack u. Genossen, be­treffend die Verbesserung des K u r s st a n - des der Hessischen Staatspapiere.

* 3 u y em Streit um das theologische Fakultäts-Eramen in Gießen hat auch die Freie Landeskirchliche Vereinigung für das Großherzog- tum Hessen das Wort ergriffen in einer in denSüdd. Blättern für Kirche und freies Christentum" erschienenen Erklärung, die gleichzeitig als Flugblatt verbreitet wird. Diese Erklärung, die Angriffe des Vorstandes der Kirch­lich-positiven Vereinigung auf die angeblichvorwiegend negativ-kritische und zum Teil bewußt unkirchliche Gei­stesrichtung" der Gießener theologischen Fakultät einer scharfen Kritik unterzieht, stützt sich aus das Gutachten eines hervorragenden auswärtigen Theologen, der auch ein genauer Kenner hessischer Verhältnisse ist und nach­weist daß die theologische Prüfungsordnung in Hessen die weitaus beste" von allen im deutschen Neiche ist, weil sie die wissenschaftlich-theologische von der aus dem Predigerseminar zur erwerbenden praktisch-kirchlichen Aus­bildung streng scheidet und in vorbildlicher Weise sowohl der Wissenschaft gibt, was der Wissenschaft ist, als der Kirche was der Kirche ist; demgemäß steht am Rb- schlutz der wissenschaftlichen Ausbildung das Eramcnan der theologischen Fakultät, am Abschluß der prâch- kirchlichen die Amtsprüfung an der Krrchenbehorde. ^cdc Aenderung! dieses wohldurchdachten Aufbaues wurde einen Rückschritt bedeuten und außerdem zu Konsequen- nführen die mit der Würde der hessischen Landeskir­che unvereinbar wären. Die Erklärung wendet ßH sclüießlicb gegen den Antrag der Gießener Fakultät, daß das Versahren bei der theologischen Prüfung in Sieben einer ein- oder mehrmaligen Revision seitens der Kirchcnbèhörde unterzogen werden möge mit so - qcnden Worten:Uns scheint selbst dann noch ein z_ weitgehendes Entgegenkommen S^nubet ^ der Positiven zu liegen. Denn das ^akultatsera lersteht soweit es mündlich ist, der Kontrolle der Oe- ientlickkeit die Akten werden der Kirchenbehorde emge- es hat zu Beschwerden bisher nicht den ge-

?? nicht den Schatten eines Beweises beinibrinaen bah lr9cnb einer der Eraminatoren es an der erforS WA? ^biektivltät habe fehlen lassen oder sogenannte ».mr""^^ ^" W die Kandidaten gestellt hätte. =ic milfen sich begnügen mit der ganz vagen Behauvtuna Ärl '" "n°" Studenten, der auf einer S ..-»odlfdjnie po|itio gerichtete Lehrer gehabt hat mißUch sei vor einemanders gerichteten Lehrkörper" das Eia- men abzulegen. Mißlich ist ein Eramen für den Prüf- . 9 ^o^ unter allen Umständen, von wem es auch H* Cb? Apn werden mag. Daß es für einen Wissenschaft! lia) beschlagenen Studenten vor der Gießener Fakultät noch mit besonders starken Mißlichkeiten verknüpft sei i^ K ^ ^"^"^" bewiesen werden. Solange solche Tatsachen nicht beigebracht werden können, scheint uns eine Revision des Fakultälseramens durch einen Abgeordneten des Oberkonslstoriums gegenstandslos und somit überflüssig zu sein. Auf ein bloßes Mißtrauens- Dotum einer kirchenpolitischen Partei hin sollte man un- seres Erachtens keine amtlichen Verfügungen treffen.

, , * Die Wanderversammlung der Ge­sellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht wurde in der Zeit vom 19. bis 21. d. Mts. im Landw. Institut der Universität abge- halten. Ain 18. Juni fanden vormittags in der Uni­versität Vorträge über die Förderung und Hebung der deutschen Pflanzenzucht statt. Es referierten Professor Dr. Gisevius-Gießen, Geh. Hosrat Pros. Dr. Kraus - München, Negierungsrat Dr. D. Appel-Dahlem bei Steglitz-Berlin, Privatdozent Dr. Nöhmer-Gießen. Am nachmittag des 19. fand eine Generalversammlung in der Universität statt. Am 20. Juni nahmen die Vorträge vormittags ihren Fortgang und zwar sprachen Profes­sor Dr. Kießling-Weihenstephan bei Freising i. V., Dr. Lang-Hochburg bei Emmendingen, Nittergutsbesitzer und Domänenpächter W. Nimpau-Schlanstedt (Provinz Sach­sen) und cand. agr. Schneider-Gießen, bèachmittags sand eine Besichtigung der Versuchsfelder des Jnstituss und der Gutswirtschaft des Brauereibesitzers Bickler-Gießen statt. Gestern wurden das Landw. Institut und die Aus­stellung von Apparaten zur Pslanzenzüchtung einer Be­sichtigung unterzogen.

* Heute findet in Steins Garten der 3. Ver­bandslag der hessischen Hebammen statt. Verschiedene bedeutende Mediziner halten Vorträge, die für Hebammen wichtige Gegenstände behandeln.

* Die Herb st Manöver im 18. Armee­korps. Das Korpsmanöver findet in diesem Jahre vom 19. bis 20. September bei Kirberg statt; ihm gehen voraus die Manöver der 21. Division vom 11. bis 16. September bei Idstein und die Manöver der 25. Division, der unser Infanterieregiment angehört, bei K a- tzenellnbogen.

* Die Füchse des Regiments. Auf dem Griesheimer Exerzierplatz herrscht seit langem Klage über die vielen Fuchsbauten, durch die schon manche Pferde mit ihren Reitern gestürzt und zu ^Schaden gekommen sind. Vor einigen Monaten hoben Soldaten eine Fuchs­höhle mit vier jungen Füchsen aus, die der Grohherzog den Offizieren der 115er überließ, damit sie alsRegi- mentssüchse" aufgeeogen würden. Aus den kleinen Ker­len sind nun ansehnliche Füchse geworden, die einen nicht geringen Appetit entwickeln. Täglich zieht eine An­zahl 115er, die sich diese Abwechselung im Dienst gern gefallen lassen, ins Feld oder in den Wald und stellt den Raben nach, die von den Füchsen bis aus die Fe­dern vertilgt werden. In ungünstigen Jagdzeiten wird Kommißbrot mitMäusebeilage" gereicht.

Ausflug von Kassel nach dem G r o ß h e r - zogtum Hessen (Vogelsberg, Wetterau, Rhein- Hessen, Odenwald) am 25. bis 29. Juni 1911.~ Die Neise führt von Gießen nach Lauterbach, wo die Jung- viehweiden des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen besichtigt werden und geht dann durchs den Vogelsberg weiter über Stockheim, Nidda, nach Fried­berg. Am zweiten Tag wird der Wetterau, und zwar dem südlichen Teil derselben in der Umgegend von Friedberg ein Besuch abgestattet. Der nächste -tag führt nach Rheinhessen zum Studium des dortigen Weinbaues und wird sowohl der Keller der Großherzoglichen Do­mäne in Mainz, sowie die Anlagen der Obst- und Wem- bauschule in Oppenheim besichtigt. Den Schluß des Tages macht der Besuch der Einrichtungen der landw. Versuchsstation in Darmstadt. Die Reise wird unter Lei­tung des Sekretärs der Landwirtschastskammer für das Großherzogtum Hessen, Dr. Hamann zur Aussührung gebracht. Diejenigen, welche an diesem Ausflug tei - nehmen wollen, können ihre Teilnahme bei der Deut­schen Landwirtschafts-Gesellschaft in Berlin ^W. 11,

Dessauerstraße 14, aber auch noch in Kassel und zwar an den ersten beiden Ausstcllu,igstage,i bis Freitag, ben 23. Juni abends bewirken.

* Das Ronneburgfest. Am letzten Sonn­tag fanden während des ganzen Nachmittags Proben des F e st s p i e l e s statt. Der innere Burghof bot ein malerisches Bild. Es wurde eine Reihe photographischer Aufnahmen gemacht.

'H' schotte n, 22. Juni. Seine goldene Hochzeit feierte das Ehepaar Joh. Knapp. Der Großherzog hat sein Bild als Geschenk gesandt.

*) Bad-Nauheim, 22. Juni. Die jüngste Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung stand im Zeichen der Beschlußunsähigkeit, da der'achte Mann fehlte. Da das Telephon nichts erzielte, so wurde der Stadtdiener ausgeschickt, den fehlenden Mann herbesu schaffen. Er hatte das Glück, einen Stadtvatcr aus sei nem Kartoffelacker zu treffen und aus das Rathaus zu begleiten. Die Sitzung konnte jetzt beginnen.

- i- Friedberg, 22. Juni. Zur Zeit finden hier Uebungen der Telegraphen-Abteilung aus Koblenz statt. Gestern wurde ein Fesselballon losgelassen und eine drahtlose telegraphische Verbilldung mit Hadamar, Kob lenz und Karlsruhe hergestellt.

- d- Büdingen, 22. Juni. In hiesiger Stadt wurde am 15. b. Mts. der 2. Kursus der 1. deutschen Blumenbindekun st schule mit 15 Schülern er öffnet.

* Offenbach, 22. Juni. Die Arbeiter der Ost fenbacher Gummiwerke, G. m. b. H., haben am Mitt­woch wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt.

-m- D a r m st a d 1, 22. Juni. Der Hess. Zentralver ein für billige Wohnungen (Ernst £ubmig herein) tagte gestern unter bem Vorsitze des Freiherrn von Heyl im städtischen Saalbau. Die Zahl der hessischen Baugenos senschasten ist jetzt auf 42 gestiegen, die bisher 760 Hält ser mit einem Kapital von 8 Millionen Mark errichtet haben. Trotz der mustergültigen hessischen Gesetzgebicng sei zu bedauern, daß die hessische Regierung den Be­strebungen bei der Beschaffung von Geld Schwierigkei­ten mache. In Preußen und in anderen Teilen des Reiches verfahre man anders. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Formalitäten folgten Vorträge überWoh­nungsfrage und gemeinnützige Bautätigkeit" von Bür­germeister Trautmann in Ninlbach i. Od. und Pfarrer Loos in Butzbach und überWohnungsfrage und Jugendfürsorge" von Lehrer Stork in Altenstadt.

* Darmstadt, 21. Juni. Der Finanzausschllß der Ersten Kammer hat sich in seiner letzten Sitzung mit den Rückäußerungen der Zweiten Kammer über die G e- meindeumlagen-Vorlage beschäftigt.. Der Ausschußreserent Freiherr Heyl zu Herrnsheim stellte fest, daß die Zweite Kammer in den prinzipiellen Fragen an ihrem früheren Standpunkte festgehalten habe. Die Gründe für dieses Festhalten erschienen indessen nicht geeignet, die Auffassung des Ausschusses von der Zweck­mäßigkeit und Durchsührbarkeit seiner Vorschläge zu er­schüttern. Bezüglich der Grundsteuer habe der Ausschilß- bericht den Nachweis erbracht, daß die Besteuerung der landwirtschaftlich benutzten Grundstücke nach dem Er­tragswert in der Wissenschaft als richtig und gerecht an­erkannt worden sei und sich auch gesetzlich in den mei­sten Staaten Bahn gebrochen habe. Auch in Bayern sei eine starke Strömung dafür vorhanden, und in Preil- ßen sei die Durchführbarkeit dieser Vesteuerungsart durch den Abschluß der ersten Veranlagungsarbeiten erwiesen worden. In Hessen könnten fast in allen Gemeinden Durchschnitts-Pachtpreise sestgesteltt werden, und in Preu­ßen würden ausdrücklich zur Feststellung der Reinerträge die Pachtpreise herangezogen. Betreffs der Gewerbe - steuer habe die Zweite Kammer den Beschlüssen der Er­sten Kammer nichl zugestimmt, weil bei deren Annahme den Gemeinden zu große Steuerausfälle entstehen wür­den. Es müsse der gerechte Ausbau der Steuer unter Berücksichtigung der Verhältnisse unserer Nachbarstaaten in den Vordergrund gestellt werden und eventuell ein- tretenbe Ausfälle bei dieser Steuer könnten durch Er­höhung des Koeffizienten ohne Benachteiligung der Nur- Einkommensteuerpsttchtigen wieder wettgemacht werden. Da auch der von der Ersten Kammer angenommene Tarif im wesentlichen den Vorschlägen sämtlicher hessi­scher Handelskammern entspreche und Abweichungen nur im Interesse des Mittelstandes und des Kleingewerbes erfolgten, so habe für den Ausschuß keine Veranlassung Vorgelegen, von den früher gefaßten Beschlüssen abzu­gehen. Der Dritte Ausschuß der Zweiten Kammer hielt gestern eine kurze Sitzung ab. in der einige Petitionen ohne allgemeines Interesse erledigt wurden.