Meide dich nie schlottrig und nachlässig, das verrät immer einen trägen und schwachen Geist.
(Cervantes: Don Luichote.)
Das Reid) der frau.
3E
Was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Änftand.
(Seneca: Croades.)
ii, vni.
Der Bofenrock.
Wir haben bereits unseren Leserinnen einen der neuen, bas Tagesgespräch bildenden Hosenröcke im Bilde vorgeführt. Er wurde in England auf einer Bühne gezeigt und erregte dort Sensation. Inzwischen hat dieser Hosenrock seinen Heldzug angetreten und außer den Bühnensternen und den Probierdamen, die in Paris und Berlin die Mode einzuführen haben, hat man bereits auf den Straßen einiger Modestädte an Damen den Hosenrock bewundern können. Bewundern? Mit Spott und Hohn wurden die Trägerinnen überschüttet, sodaß sie von der Straße verschwinden mußten. Doch von wem ging der meiste Spott aus? von den Männern. Sie bekämpfen nicht die Rivalin auf dem Gebiet ihrer Kleidung, sondern sie fürchten mit der Hose, die bisher ihr Vorrecht war, auch so manches andre aus ihren Händen ent- gleiten zu sehen. Ich glaube jedoch, daß der Sinn jener Stauen, die mit soviel Begeisterung dieser Variation der Hose ent- gegenjubeln, wohl nicht allzusehr nach den Rechten des Mannes steht.
Merkwürdig I Im gewöhnlichen Leben benützen wir das Wort Beinkleid. Keine gutgewöhnte Waschfrau würde in unserer Gegenwart Hose oder Unterhose sagen, plötzlich steigt ein neuer Begriff auf, und das Wort „Hose" hat seine Anstößigkeit verloren, wenn die Männer eine ganze
Schleuse von mehr oder weniger spitzigen Bosheiten über uns loslassen, können wir uns kaum wehren. Das kommt davon, weil Poiret die ganze antike Welt ab suchte nach Motiven für unsere Erscheinung, und da kam er eben auch an die Hosen. Die Stauen der arktischen Völker benutzen sie immer, die Sennerin auf der Alm auch, ohne klassische Studien und aus praktischen Gründen. Tragen die Sennerinnen von Unterinntal und Schliersee die Beinkleider nur zur Arbeit auf der Alm, so sehen wir die Stauen von Champery im Kanton Wallis nur in den Beinkleidern und zwar sind es die gleichen wie die ihrer Männer. Aber der Grient liefert uns viele Exempel, weil man dort von seßhafteren Gewöhn- Heiten und Gedanken ist, und sich Trachten erhalten, die weit zurück verfolgt werden können und zugleich zu bestimmten Merk- malen von Rassearten sich ausgebildet haben. So trägt sich die Stau von Nordchina anders als die in den südlicheren Provinzen, die von Japan anders als die Koreanerin. Dann teilt sich die Tracht wieder durch Ltandesunterschiede, die in jenen Ländern
Der Straßen-Dosenrock nach Poiret.
Der Salon-DosenroL.
feststehende Gesetze sind. Die uns zunächst lebenden Türkinnen tragen ebenfalls Beinkleider aus Leide und bis zum Knöchel reichend.
Natürlich erscheint auch diese neueste Modeschöpfung in den verschiedensten Variationen und in Paris streiten sich bereits die Modekünstler, wer ihn zuerst herausgebracht hat.
jper oben erwähnte englische Hosenrock ist dem geteilten Reitrock, der für den Herrnsitz erforderlich ist, naajgearbeitet nur natürlich bedeutend enger. Der französische zeigt teilweise dieselbe Grundform; darüber fällt ein kurzer, fußfreier Rock, der zu beiden Seiten bis oben geschlitzt ist und dadurch den Eindruck von zwei Schürzenteilen erweckt. Line weitere Variation bildet der pascharock, dem sich das echte Turkenbeinkleid gesellt, wie wir es auf der Abbildung ersehen. Dieses Beinkleid wird größtenteils unten eingereiht, weshalb es nur aus Seide oder ähnlichen leichten Stoffen gearbeitet werben kann. Der darübertretende Rock ist lang und entweder an den Seiten geschlitzt oder die Ränder treten in der vorderen Mitte breit übereinander, wodurch das Beinkleid nur im Sitzen be. sonders hervortritt. "
Poiret, der in letzter Zeit so viel genannte Modeschöpfer, schlitzte einfach die Röcke in der vorderen und hinteren Mitte und verband durch eingesetzte Keile die Hälften zum Beinkleid. Ob er siegen wird der Hosenrock? 0
Einige der vornehmen französischen Geschäfte lehnen ihn vollständig ab mit den Worten: „Sein ^VlrT fxT b-stnnmte brauen, die ebenfalls nur durch die Sensation bestehen.' Damit ist er auch wohl für den größten Teil der deutschen Stauen abgetan nf,^r^cnn)iÄÄ‘ (mü gleicher Entrüstung, so doch immerhin entrüstet wurde der Kumpelrock abgelehnt. Und das Resultat? Sah man ihn nicht allenthalben?
Mir dünkt der Kosenrock, bei dem das Beinkleid durch den Rock gedeckt wird, in mancher ÄÄpTÄ f "spannte Rock, der schon lange getragen, wird, 7nd
Ein Wort zum Schulbeginn an die Mütter!
Mit dem Beginn der Schulzeit, wenn die kleinen Erdenbürger zum ersten Male dem Schul- 8 < ude zueilen, dann beginnen für die Eltern, besonders aber für die Mütter, neue Pflichten UNV Aufgaben.
x ^/^ das game Linnen und Denken des kleinen Menschenkindes ganz allein bet ^Uutter und feinen Spielsachen. Mit dem Eintritt in die Schule öffnet sich ihm jedoch eine
Drei Punkte sind es, die dem Kinbe beim Schulbeginn am markantesten entgegentreten: der Lehrer, die Mitschüler und endlich die Regelmäßigkeit der Stunden und damit die des ganzen Tages.
Zu gleicher Stunde geht es täglich zur Schule, zur selben Stunde kommt es nach Hause. Damit nun das Kinb keinen körperlichen Schaden erleidet, muß auch die Zeiteinteilung zu Hause geregelt sein. Stets zu gleicher und sehr früher Stunde muß das Kinb zur Ruhe gebracht werden, und stets regelmäßig müssen die Mahlzeiten eingenommen werden. Hier sündigen viele Mütter an ihren Kinbern, indem sie diesen zu jeder Stunde und sehr oft kurz vor den Mahlzeiten etwas Eßbares in die Hände geben, wie kann auf diese weise der Körper an regelmäßiges Essen gewöhnt werden, bas für ein gesundes Leben unbedingt notwendig ist?
Sremb ist dem Kinbe der Lehrer, der leider von so vielen Eltern als Schreckgespenst hingestellt wird, statt dem Kinbe Liebe und vertrauen zum Lehrer einzuflößen, wie ist aber eine ersprießliche und erfolgreiche Tätigkeit möglich ohne gegenseitiges vertrauen? Und woher kommt das Mißtrauen? Wer trägt Schuld daran? Die Mutter, die so gern das Wort, „wenn du erst in der Schule bist", als Mittel gebraucht, um das Kinb zum Gehorsam zu zwingen. Arme Mutter, die eines solchen Mittels bedarf.
Neu ist dem Kinbe der Verkehr mit den vielen gleichaltrigen, aber so verschieden gearteten Mitschülern und Mitschülerinnen. Jetzt heißt es, sich einfügen, sich unterordnen. Hier sind nun zwei Hehler, vor denen die Mutter ihr Kinb aufs strengste bewahren muß, weil man so leicht, ohne daß man es merkt, diesen Hehlern verfällt, Hehler, die später so schwer auszurotten sind und so großen Schaden zufügen können. Es sind die Unverträglichkeit und die Maschsucht. Besonders Kinber, die zu Hause allein sind oder leichter Kränklichkeit wegen von der Mutter zu sehr verwöhnt werden, neigen stark zu Unverträglichkeit. Sie sind gewohnt, stets das Wort zu führen, zu tun, was sie wollen und ihre Wünsche erfüllt zu sehen. Im Hause sind sie gewöhnlich der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Nun kommen sie zur Schule, wo sie sich zunächst mit schwerem Herzen der Ordnung und dem Lehrer fügen müssen und sich nun auch beim Spielen so manchem Wunsch eines Mitschülers unterordnen sollen, wieviel Streit und Zank wird durch solche Unverträglichkeit hervorgerufen, und wie manches Kinderherz verbittert und verhärtet sich. Und gibt es ein größeres Hemmnis im Sieben des Menschen als die Unverträglichkeit? Sache der Mutter ist es nun, das Kinb energisch und zielbewußt darauf hinzuweisen, daß jeder Mensch, ob groß oder klein, sich unterordnen muß, und daß nur der einst zu herrschen versteht, der zu gehorchen gelernt hat. Außerdem muß man ihm das wohltuende eines friedfertigen Herzens vorstellen.
Der zweite Hehler ist die Matschsucht, der sich meistens die Uebertreibung zugesellt. Und gerade die kleinen Kinber fallen so leicht in diesen Hehler. In dem verlangen, altes, jede geringste Begebenheit in der Schule der Mutter zu erzählen, ist es selbstverständlich, daß sie auch die Dinge erzählen, die die anderen Kinber angehen, und daß sie dabei leicht die Grenzen der Wahrheit über, sehen. Hierbei ist es nun ein leichtes, das Sinnen und Denken des Kinbes in die richtigen Bahnen zu lenken, und ihm zu zeigen, wie unschön es ist, wenn man über die Hehler der anderen spricht und wie leicht das Geschehene übertrieben wird. Ein vorzügliches Mittel ist, wenn man das Kinb immer wieder an das bekannte Sprichwort erinnert: „Was du nicht willst, daß man dir tut, das füg' auch keinem andern zu." Doch das beste und eindringlichste Mittel bleibt stets das gute Beispiel, wenn ein Kinb von seinen Eltern nie häßlich über andere sprechen hört, sondern sieht, daß man eventuell Hehler zu entschuldigen sucht, wie soll ein solches Kinb dazu kommen, in den häßlichsten aller Hehler zu fallen? Darum, liebe Mütter, hütet eure Zungen und gebt euren Kinbern ein gutes Beispiel. G-
Wann sollen wir unsere Kleinen zur Schule schicken!
Diese Hrage scheint insofern müßig, als ja durch das Gesetz der Eintritt in die Schule geregelt ist, und zwar bestimmt es für Norddeutsch land das vollendete sechste, für Süddeutschland das vollendete siebente Lebensjahr. Die verschiedene gesetzliche Auffassung läßt die verschiedenen Ansichten der Eltern begreiflich erscheinen. Mit diesen Gesetzen ist der Zeitpunkt gegeben, nach dem das Kinb eingeschult werden muß. wir wollen uns hier mit der Stage beschäftigen, wann es eingeschult werden soll; denn mit dem Beginn des betreffenden Atters kann es die Schule besuchen. So kann z- B. ein Kinb, das im Sommer bas 6. bezw. 7. Jahr vollendet, bereits von Ostern ab die Schule besuchen.
Bei jeder Sache, die wir in einer Angelegenheit des Kinbes vornehmen, fragen wir uns, ober sollten es wenigstens tun, ist dies sein Bestes und ist es unbedingt notwendig für das Kinb. Merkwürdigerweise wird diese Hrage so oft da am wenigsten beachtet, wo es sich um das notwendigste des Kinbes handelt, um sein körperliches und geistiges Wohl. Bestimmte Regeln lassen sich natur« gemäß hier nicht aufstellen, dazu ist eben die Beschaffenheit der Kinber zu verschieden.
Zwei Punkte pflegen die Beweggründe für den allzufrühen Schulbesuch unserer Kleinen zu sein: die Eitelkeit und die Bequemlichkeit; die einen sind stolz, wenn ihre Kinber recht früh zur Schule gehen, die andern, hier handelt es sich um die Mütter, sind froh, wenn sie die Kinber für einige Stunden des Tages los sind. Dieser Beweggrund ist der schlimmste, denn entweder ist er das Produkt der Verhältniße , so daß die Mutter glücklich ist, für einige Stunden ruhig arbeiten zu können, oder er ist das Produkt der Erziehung, d. h., daß die Mutter mit dem Kinbe nicht mehr fertig wird.
Der frühe Schulbesuch ist auf keinen Hall von Vorteil; direkt schädlich wird er, wenn das Kinb körperlich zart und deshalb auch geistig nicht so rege ist, wie ein körperlich gesundes Kinb. wie oft verlieren die Kleinen nur allzu schnell ihren guten Appetit, ihre frische Sarbe. Was bedeutet ein Jahr in der Erziehung des Kinbes, das für ein ganzes, nicht immer leichtes Leben gerüstet werden soll. Und lehrt nicht die Erfahrung, daß sich so oft zum Nutzen des Kinbes die Natur selbst hilft? war und ist nicht so manche Krankheit, die das Kind in früher Jugend befällt, nur die Holge des zu frühen SchuLefuches? Glücklich das Kind, wenn es sich ohne dauernden Schaden hindurcharbeitet. Und nehmen wir nicht jedem Kinde, das zu frühe zur Schule muß und dem deshalb die geistige Beweglichkeit fehlt, jede Sreube am Lernen und am Studium?
Hur die Arbeit trägt gute Hrüchte, die freudig getan wird. Und wenn das Kind nun doch nicht mitkommt, selbst bei Hilfsstunden, muß dann nicht das Jahr doch geopfert werden? So manches, das zu Anfang, trotz des besten Willens nicht iu den besten Schülern gehörte, ist nach einem solch erzwungen wiederholten Jahre für immer der Erste geworden.
Ein weiterer Grund, der den späteren Schulbesuch befürwortet, ist der, daß das Kind für den Schulbesuch vorbereitet werden muß, soll er von Erfolg begleitet sein. Diese Vorbereitung darf aber nicht darin bestehen, daß Lehrer und Lehrerin als Menschen hingestellt werden, die das Kind nur quälen und fortwährend den Stock in der Hand haben. Wie oft muß man hören, daß die Schule als Schreckmittel für ungezogene und unerzogene Kinder gebraucht wird.
Die lUutter soll das Kinb vorbereiten, indem sie es selbständiger werden läßt, sich nicht den ganzen Tag mit ihm beschäftigt und in allem nur seinen willen tut; sie soll täglich, wenn auch nur eine halbe Stunde lang, mit ihm arbeiten und es dadurch an Aufmerksamkeit uyd ruhiges Sitzen gewöhnen. Ein Jahr lang täglich in dieser weise mit dem Kinde gearbeitet und das scheinbar verlorene Schuljahr bringt tausendfachen Nutzen. Und mit welcher Sreube geht dann ein solches Kinb zur Schule!
Nur wo das Kinb statt auf die Mutter, auf fremde Menschen angewiesen ist, ist der frühere Schulbesuch vorzuziehen, gute Gesundheit auch hier vorausgesetzt. P. G.
Ständer für Dutnadeln.
Die langen Hutnadeln mit ibten großen, oft schweren Köpfen erfordern zur Aufbewahrung einen besonderen Ständer, der von geschickten Händen leicht selbst hergestellt werden kann. Die Vorlage unserer Abbildung war zirka 18 cm hoch und hatte etwa 5 cm Durchmesser. Als Unterlage kann eine vorhandene Schachtel oder Büchse dienen, andernfalls schneidet man sich vier gleich große Pappteile, die an ihren Längskanten durch angeklebte Papierstreifen verbunden werden. In gleicher Weise hat man auch den Boden zu befestigen; zuvor müssen die Pappteile von innen mit hellem Glanzpapier bekleidet werden, während man den Boden mit einer etwa 2 cm hohen Watteschicht belegt und mit Sutter bezieht. Die äußere Bekleidung setzt sich aus verschiedenen Phantasieborten zusammen, deren Breite so eingerichtet werden muß, daß die Nähte stets an die Kanten treffen. Die nähte werden mittelst überwendlicher Stiche ausgeführt. Den oberen Rand deckt grober HUettüll am besten in gold, der den Pappteilen aufgeklebt wird. Die oberen Bortenränder sind dann dem Tüllrand anzunähen. Nach Belieben kann man den Rand mit einem Spitzchen begrenzen.
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„Amiam Leiung