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(Wetzlarer Tageblatt) Nationale Tageszeitung für die schaffenden stände in stadt und Land

(Wetzlarer Nachrichten)

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Nr. 94. (2» Blatt.) Samstag den 22. April 1911 r-lepho»: Nr. ass. 4 Jahrg.

Ergänzungen und Kerichtgu»gen zu freisinnigen Reden.

In der freisinnigen Wählerversammlung, die am 7. April in Wetzlar stattfand, hat der freisinnige Reichs - tagsfanbibat Herr Professor Schloßmann laut Be­richt desWetzlarer Anzeigers" u. a. ausgeführt:

Der Abgeordnete Behrens ist gegen die Koali­tionsfreiheit der (Staatsarbeiter eingetreten."

Durch diesen Satz soll zweifellos der Eindruck erweckt werden, die Fortschrittliche Volkspartei nehme in der Frage^ der Koalitionsfreiheit der Staatsarbeiter eine an­dere Stellung ein als ich. Die Angelegenheit kam beim Etat der Reichseisenbahnen am 28. März 1911 im Reichstage zu Sprache. Nachdem ich meine Stellung zu der Frage gegenüber den Sozialdemokraten dargelegt und nachgewüfen hatte, daß die Koalitionsfrei­heit mit S 1 r e i k r e ch 1 (denn darum handelt es sich) für die Staatsarbeiter wertlos und schädi­gend und nur eine sozialdemokratische bombastische Phrase sei, nahm der Redner der Fortschritt!. V o l k s p a r 1 e i, Abg. C a r st e n s, das Wort, um zu erklären:

Meine Herren, ich hatte mir das Wort erbeten, um gegen die unmotivierten Angriffe des Herrn Ab­geordneten Emmel über meine Haltung in der Streik- frage der Eisenbahnarbeiter Stellung zu nehmen. Nach den Ausführungen des Kollegen Behrens kann ich darauf verzichten. Ich möchte nur betonen, daß auch die Majorität der Eisenbahnangestellten ihrerseits auf dem vernünf­tigen Standpunkt steht, daß sie e i n S 1 r e i k - recht für sich nicht beanspruchen will." Als nächster Redner nahm der Abgeordnete Hor­mann (Bremen) von der Fortschritt!. Volks­partei das Wort und erklärte:

Kleine Herren, ich identifiziere mich durchaus mit den Ausführungen des Herrn KollegenCarstens. Auch wir stehen bezüglich des Streikrechts der Staatsarbeiter auf dem von ihm und Herrn KollegenBehrens bargelegten Standpunk t."

Der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei in Wetzlar-Altenkirchen sollte doch wenigstens wissen, wel­che Stellung die Fraktion der Fortschritt!. Volkspartei im Reichstag einnimmt zu einer so wichtigen Frage. Wenn er es aber wußte, dann ist es charakteristisch, daß er aus mich Steine zu werfen ver­suchte, die ihn schließlich doch selbst mittreffen müssen.

Zur Frage des Vereinigungsrechts der Staatsarbeiter führte ich am 28. März 1911 im Reichs­tage aus:

Für das Vereinigungsrecht fordern wir natür­lich alle Sicherheiten für seine Ausübung."

In derselben Versammlung der Fortschrittlichen Volkspartei in Wetzlar sagte nach dem Bericht des Wetzlarer Anzeigers" Herr Fabrikant A. Pfeiffer:

So habe der Abgeordnete Behrens in Ulm ge­sagt, die Freisinnigen hätten die Absicht, den Bau­ern die Ställe zu verseuchen."

Diese Behauptung des Herrn Pfeiffer ist u n w a h r. Ftanz Behrens, M. d. R.

Zur Pflege des Haares

wird neuerdings das nachstehend verzeichnete Rezept em­pfohlen, da es sich vortrefflich zur Förderung des Haar­wuchses, zur Beseitigung der Kopsschuppen und damit zur Vorbeugung der Kahlköpfigkeit eigne.

1 Gramm kristallisiertes Menthol wird zunächst in 85 Gramm Bay-Rum ausgelöst, alsdann füge man 30 Gramm Livola de. Lomposee hinzu und falls man einen Wohlgeruch gern hat ein Teelöfselchen voll eines besseren Parfüms.

Das Ganze wird tüchtig durcheinandergeschüttelt und ist dann nach etwa halbstündigem Stehen gebrauchsfer­tig. Die Anwendung geschieht durch leichtes Einreiben in die Kopfhaut, morgens und abends.

Da vielleicht andere Leser dieses Rezept gerne auch probieren möchten, sei hier noch erwähnt, daß dasselbe von jedem Apotheker oder Drogisten nach obigen An­gaben leicht zusammengestellt werden kann. Bei Ver­wendung der richtigen Bestandteile in den genannten Quantitäten sollte die Mischung von klarer, goldgelber bis lichtbrauner Farbe sein und ihr Herstellungspreis ungefähr 3 Mark betragen.

Nur Stadt und Land.

Wetzlar, den 22. April.

. Die Betriebseinnahmen der p r e u- ßlsch-hessifchen Staatseisenbahnen er­gaben im März 1911 gegenüber März 1910 im Per­sonenverkehr 3,4 Millionen oder 6,94 Prozent weniger ber Güterverkehr 16,1 Millionen oder 14,50 Prozent

""ch Abzug der Mindereinnahmen von 3,3 Millionen bei den sonstigen Einnahmen 9,3 Mil­lionen oder 5,27 Prozent mehr. Bei der Beurteilung des Ergebnisses ist zu berücksichtigen, daß in diesem ^ahre das Osterfest nicht, wie im Vorjahre, in den März sondern April fiel, sodaß die Märzeinnahmen dieses Jahres aus dem Personenverkehr um den vollen Be­trag der Ostereinnahmen hinter denen des Vorjahres zu­rückblieben. Da andererseits der März in diesen! Jahre zwei Werktage mehr hatte als im Vorjahre, so erklärt sich hieraus die beträchtliche Mehreinnahme aus dem Güterverkehr. Ueber die Mindereinnahmen bei den son­stigen Einnahmen ist zu bemerken, daß ein Teil dieser Einnahmen, wie Wagenmieten, Altmaterialienerlöse, je nach dem Stande der Abrechnungsarbeiten und der Ma- tcrialienabnahme bald früher, bald später eingeht. Im Vorjahre ist ein beträchtlicher Teil dieser Einnahmen erst im März zur Kasse geflossen.

Von d e r P o st. Briefmarken in R o l- lenform hat die Reichspost seit einiger Zeit einge- führt. Diese Freimarkenrollen wurden bisher mit einem Aufschlag von 25 Pfg. für das Stück von der Post ab­gegeben. Das Reichspostamt hat soeben angeordnet, daß die Rollen vom 1. Mai an zum Nennwert, also ohne den Aufschlag, an das Publikum abgegeben werden. Rol­len mit Marken zu 3, 5 und 10 Pfg. enthalten je 1000, die mit Freimarken zu 20, 25, 30, 40, 50 und 80 Pfg. je 500 Stück. Diese Rollen werden auch für die Post­wertzeichen-Automaten verwendet.

Neue Fernsprech-Apparate für feuchte Räume. Da sich nicht immer vermeiden läßt, daß Fernsprechapparate bei Teilnehmerstellen in feuchten Räumen untergebracht werden, unter dem Ein­stuß der Feuchtigkeit aber in den Apparaten erhebliche Störungen entstehen, will die Postverwaltung für solche Näume besondere Apparate zulassen, ähnlich denjenigen, die für die Kolonien angefertigt werden. Bei diesen Ap­paraten sind die Eisen-- und Stahlteile verkupfert und mit Lack überzogen, die Holzteile wasserdicht lackiert, die übrigen Teile sind mit imprägnierter Umspinnung um­zogen. Für die neuen Apparate müssen die Teilnehmer einen einmaligen Beitrag von 15 Prozent zu den Be­schaffungskosten leisten.

Mit der Beseitigung der Reklame­schilder an den Eisenbahnstrecken geht man jetzt ganz energisch vor. Soeben wird eine Polizeiverordnung vom Regierungspräsidenten zu Potsdam veröffentlicht. Da­nach ist die Anbringung solcher Reklameschilder, die das Landschastsbild verunzieren, außerhalb der geschlossenen Ortschaften auf beiden Seiten der Eisenbahnstrecke Ber­lin-Halle und Iüterbogk-Treuenbrietzen verboten, und zwar darf kein solches Schild in einer Entfernung von je 300 Metern, vom Rande des Bahnkörpers ab ge­rechnet, angebracht werden. Bereits bestehende Anlagen dieser Art müssen bis zum 15. Mai beseitigt werden.

-h- Gießen, 22. Aprii. Im bevorstehenden Som­merhalbjahr wird an der hiesigen Universität Gießen wieder ein wissenschaftlicher Fortbildungskursus für die Volksschullehrer eingerichtet werden. Die Vorlesungen werden in der zweiten Maiwoche beginnen und, wie in den Vorjahren, jeden Mittwoch von 46 Uhr nach­mittags stattsinden. Es werden lesen die Herren Geh. Kirchenrat Prof. D. Krüger überDie Entstehung der kirchlichen Glaubenslehre", Prof. Dr. Sommer, Direktor der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, und Dr. Dannemann, dessen Themen noch bekannt gegeben werden. Meldungen sind an Valentin Müller, Frank- surterstraße 86, zu richten.

* Gießen, 22. April. Der die Aufsicht über das hiesige Standesamt führende Amtsrichter hat im Jahre 1909 eine Verfügung erlassen, wonach es dem Stan­desbeamten verboten war, eine ganze Reihe von ge­bräuchlichen Vornamen, darunter unter anderen Minna, Erna, Anneliese und Lieselotte, als Eintrag in das Ge­burtsregister vorzunehmen. Nach dieser Verfügung soll­ten alle abgekürzten und zusammengezogenen Vornamen als Verkürzung der richtigen Namen nicht eintragungs­fähig für neugeborene Knaben und Mädchen sein. Nun hat im Januar der Oberregisseur Bakoff, dem man für sein Töchterchen den Namen Lieselotte nicht eintragen wollte, dagegen Beschwerde erhoben. Er beantragte, die ganze schwarze Liste von Vornamen zurückzuziehen, evt.

wenigstens den Namen Liselotte für eintragssähig zu erklären. Das Amtsgericht wies den Vater mit seinem Antrag glatt ab, das Landgericht aber trat zwar der Ansicht des Vordergerichts bei, daß dem Beschwerde - führer die Legitimation fehlte, zu verlangen, daß die ganze schwarze Liste zurückgezogen werde, doch wurde in dem erlassenen Beschluß anerkannt, daß es der amts­richterlichen Verfügung und dem Verbot der darin an­gegebenen Vornamen an jeder gesetzlichen Grundlage fehle. Der Name Lieselotte wurde für eintragungsfähig erklärt, und zwar mit der Begründung, daß der Vater berechtigt sei, seinem Kinde einen Namen zu geben und dabei gesetzlich durch nichts beschränkt sei. Allerdings habe er Rücksicht zu nehmen, daß der gewählte Name nicht unanständig sei, nicht gegen die guten Sitten und auch nicht gegen die Religion verstoße, dies alles treffe auf den übrigens längst eingebürgerten Namen Lieselotte nicht zu, der auch keine Verketzerung der beiden richtigen Namen enthalte, wie das Amtsgericht behauptet.

Bluterneuerung.

Substanzzuführnng der sich be­ständig abnutzenden Nerven.

Es sivd dies die absolut not­wendigen ForderunKen der Neu­zeit bei Ueberanstrengung durch mechanische sowie geistige Leistungen. Als Mittel zur Hebung des Ernährungszu­standes im Allgemeinen, zur Entwickelung des Hämoglobin gehaltes im Blute und zur Kräftigung der Nervensubstauz, steht heute im Vordergrund Leeiserrin, welches bei den Aerzten sowie im Allgemeinen reichen Anklang findet.

Uammerherr Freiherr v. M. in V. äußert seine Erfahrung mit Leciferrin: Von Leciserrin habe ich jetzt 2'|2 glasen eingenommen, schon nachdem ich die erste Zlasche genommen hatte, zeigte sich bei mir wesentliche Besserung im Allgemeinbefinden ; die große Müdig­keit, die ich seit langer Zeit Nach­mittags und besonders abenös fühlte, zeigte sich nicht mehr, und besonders ist der mich peinigende schmerz in beiden Zchläsen, der sich abends immer einstellte, gänzlich geschwunden. Ich kann nur sagen, daß ich mich durch Gebrauch dieses Mittels direkt verjüngt fühle."

Leciferrin enthält Ovo-Lecithin 0.5. Eisen als Eisenoxydhydrat an Zucker gebunden 0.75, aromatische Bestandteile in Cognac und Alkohol 40.0, Rest destilliertes Wasser

Der Preis von Leeiserrin ist Mk. 3 die Flasche:

In allen Apotheken erhält­lich, ganz sicher von: Univerfitäts- Apotheke, Gießen und Engel-Apotheke in Frank­furt a. Main.