Hreßener Jeitung
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Verlag der „Wietzener Zeitung" 0. m. b. H.
Enthält alte amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großhel-zoglichen
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Verlag der „Wietzener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 213, (L Blatt.)
Samstag, den 21. Oktober 1911.
Telephon. Nr. 362. 23. ^Q^FQ.
Millristalltlskongress des Banfabund.
Darüber wird uns folgendes geschrieben mit der Bille um Veröffentlichung:
Am 5. und 6. November findet zu Berlin ein Mit- lelstaudskougreß statt, den der Hansabund einberusen hat, um mit den Angehörigen der zum Mittelstände zählenden Berufsgruppen jene wichtigen gewerblichen und wirtschaftlichen Fragen zu besprechen, die für das Erwerbsleben der breiten Schichten des deutschen Volkes von großer Bedeutung sind. Es wird sich dabei Gelegenheit finden, den Mittelständnern Aufklärung zu ge- bcn über ihre wahren Freunde. Bekanntlich drängen sich aus den Lagern aller politischen Parteien geschäftige Agitatoren und wirtschaftliche Heuchler an den Mittelstand heran, um ihn einzusangen für die nackten und ost sehr egoistischen politischen Interessen.
Ein Meisterstücklein war der Kongreß in Dresden, um den Mittelstand dem Hansabunde zu entfremden. Es hat sich aber gezeigt, daß alle Versuche dem Hansabunde, der heute gefestigter dasteht als früher, keinen Abbruch tun können und der anfangs November in Berlin zusammentretende Mittelstandskongreß des Hansabundes wird dafür erneut den Beweis erbringen.
Auch der Landesverband Nassau des Hansabundes hat, wie bekannt, beschlossen, zahlreiche Handwerker und Detaillisten aus Kosten des Landesverbandes nach Berlin zu senden, denen sich viele Mitglieder des Landes - Verbandes anschließen, die aus eigene Kosten dem Kongresse beiwohnen werden. Die Vertretung des Landesverbandes wird deshalb seiner Stellung im Hansabunde und der Bedeutung des Kongresses angemessen sein.
Außerordentlich wichtig sind die einzelnen Beratungs- gegenstünde. Kleben den Fragen über die Hebung des kleingewerblichen Kredits (Reserent Direktor K n o b - l o ch) wird die Diskontierung von Buchsorderungen (Referent Stadtrat Jung aus Neisse) besprochen werden. Herr Neddermann aus Bremen wird über das Verhältnis des Hansabundes zu den Konsumver- cincn und Veamten-Konsumvereinen sprechen. Ueber die verschieden gestalteten Fragen des Detaillhandels wird Dr. K ö t h n e r aus Berlin referieren, indessen Herr P a r t s ch a 1 aus Königsberg die ernstesten Fragen des Handwerks sachkundig und weitausholend behandeln wird. Direktor Knobloch wird ein Referat über das Submiffionswesen erstatten, dessen Studium er bekanntlich schon lange zu seiner Ausgabe gemacht hat. Kommerzienrat Schmahl aus Mainz wird ausführlich das gewerbliche Bildungswesen behandeln und schließlich Direktor Knobloch in einem Schlußvor- irage einen Ausblick tun in die Entwickelung des deutschen Mittelstandes.
Parteipolitisches.
Hessische Landtagswahlen 1911.
5 Offenbach. Der hiesige Verein der Fortschrittlichen Volkspattei hat gestern abend beschlossen, von der Ausstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen und seinen Mitgliedern die Abstimmung sreizugeben.
§ Die Ehristlichsoziale und Deutschsoziale Parteileitung beschloß, in dem Landtagswahlkreise D a r m st a d t sowie in den Reichstagswahlkreisen Darmstadt und Mainz eigene Kandidaten aufzustellen. -
§ Ueber das für die bevorstehende Landtagswahl in Main z zwischen der Fortschrittlichen Volkspartei und den Nationalliberalen abgeschlossene Wahlbündnis erfährt die „Frks. Ztg." noch nachträglich, daß zwischen den beiden Parteileitungen vereinbart wurde, daß bei der diesmaligen Landtagswahl die Nationalliberalen für den Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspattei ein- treten, während diese sich verpflichtet, bei der in drei Jahren stattsindenden Landtagswahl für den Kandidaten der Nationalliberalen Pattei einzutreten.
§ In Alzey hat die Zentrumspattei den Oberpostassistenten Neundörfer in Worms als Land- tagskandidaten ausgestellt.________________
Hus Stadt und Land.
Gießen, 21. Oktober 1911.
* Die vierte Reihe der Darmstädter Lchloßsreiheits- Geldlotterie wird bestimmt am 15. November dieses Jahres in Darmstadt gezogen.
n Der Verein der Fortschrittlichen Volks- Partei z u Gießen hatte für gestern Abend nach Steins Gatten eine öffentliche Versammlung einberufen, die sich eines zahlreichen Besuches erfreuen konnte. Nach
einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Justizrat M e tz, ergriff Professor Dr. U r st a d t, der Kandidat der Freisinnigen für Gießen in den kommenden Land- lagswahlen, das Wort, um in längerer Rede den Wühlern seine politischen Anschauungen und Pläne vorzutragen. Er begann, so wird uns von einem Zuhörer geschrieben, mit der Kennzeichnung des reaktionären Kurses der letzten Jahre, der bedingt sei durch das Erstatten der 1. Kammer und die Schwachheit der 2. Kammer. Diese Reaktion wäre sogar soweit getrieben, daß sie neben ihren Erfolgen wie Pluralwahlrecht, Kautelen, Wahlkreiseinteilung, Hintertreibung der Gewährung des passiven Wahlrechts an Lehrer und Geistliche usw, selbst das absolute Budget-Verwersungsrecht der 2. Kammer, bestritten habe. Redner kritisiett dann das Verhalten der „hohen Herren" gegenüber Steuern, die nicht nur die Allgemeinheit, sondern auch sie selbst treffen könnten (Gemeindesteuer nach dem gemeinen Wett und auf Oekonomiegebäude). Die Reaktion macht selbst vor den Schulen nicht halt und bedrohe sogar die Universität, der man einen Kurator ausoktropieren wollte Redner wandte sich alsdann der riesigen Schuldenlast zu. Trotz ihrer Höhe seien neue Ausgaben unerläßlich so für Erhöhung der Veamtengehälter, Pensionen der Witwen und Waisen, besonders der unteren Beamten. Es müsse gespart werden am Verwaltungsapparat, aber nicht an den unteren Beamten mit den kleinen, sondern an den oberen mit den großen Gehältern. Eine größere Einnahmequelle müsse durch Revision des Eisenbahnvertrages mit Hessen beschafft werden. Der Redner kam auf das Handwerk zu sprechen und führte aus, daß der kleine Befähigungsnachweis wohl, der große aber schon wegen seiner technischen Undurchführbarkeit nicht annehmbar sei. Eine Besteuerung der Konsumvereine halte er für gerecht, ebenso eine Filialsteuer, obgleich diese Schwierigkeiten bereiten würde. Die Warenhaussteuer trüge die Gefahr in sich, daß sie auf die kleinen Leute abgewälzt werden könnte, auch wäre ihr Ertrag sehr problematisch. Forderungen seiner Partei seien die Förderung der allgemeinen Fachausbildung, den Gewerbeschulen und Fachschulen müsse die Erteilung des Einjährigen-Scheins zugestanden werden, Aenderung des Submissionswesens, Beschränkung oder Abschaffung der gewerblichen Arbeit beim Militär und in Gefäng - nissen, wo sie mit dem Handwerk in Wettbewerb tritt. Zum Schluß äußerte sich der Redner über sein Verhalten im Falle seiner Wahl, wobei er betonte, daß er durch öffentliche Aussprachen usw. stets mit allen Kreisen seiner Wähler in ständiger Berührung bleiben werde. — Nach ihm ergriff Pfarrer Korell das Wott und erläuterte zunächst, mit welcher Berechtigung und aus welchen Gründen er erschienen sei. Dann schilderte er die Einigungsverhandlungen und ihr Scheitern. In längeren Ausführungen beleuchtete er das Verhältnis zwischen den Freisinnigen und den Nationalliberalen, welch letzteren der Reaktion Vorspanndienste leisteten. Das geschlossene Zusammengehen der linken Front sei durch die Schuld der Sozialdemokratie verhindett worden. Redner forderte zum Schluß die Wähler auf, ihre Stimme dem freisinnigen Kandidaten zu geben. Zur Debatte über das eigentliche Thema ergriff nur Stadtverordneter Krumm das Wott. Er wandte sich scharf gegen die Nationalliberalen, denen seine Partei keine Stimme geben würde. Sollte der sozialdemokratische Kandidat nicht in die Stichwahl gelangen, würde die Partei geschlossen für den Freisinn stimmen. Im übrigen erklärte der Redner seine Zustimmung zu den meisten der Ausführungen des Vorredners.
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I Nachdem Landtagsabgeordneter Justizrat Grünewalds noch einige Ausführungen allgemeiner Natur und Prof. U r st a d 1 einige Schlußworte gesprochen hatten, schloß gegen 12 Uhr Justizrat Metz die Versammlung mit einem Hoch aus Gießen, und das Hessenland.
n Malermeister E. A h m a n n und Frau konnten gestern das Fest der Silbernen Hochzeit begehen.
n Der 7. Internationale Kongreß für Kriminal-Anthropologie wurde durch einen Besuch der Gießener Klinik für psychische und nervöse Krankheiten beschlossen. Professor Sommer hielt einen Vortrag über die Anwendung der psychologischen Untersuchungsmethoden auf dem Gebiet der Kriminalpsychologie. Die Laboratorien unb Unterrichtseinrichtungen wurden eingehend besichtigt.
n Militärisches. Zum Fähnrich befördert wurde der Unteroffizier v. Specht im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116. Dr. Lehr, Div.-Psarrer der 14. Div. in Wesel, ist in gleicher Eigenschaft zur 21. Div. nach Mainz versetzt.
n Der hiesige Gesangverein „H a r m o n i e" feiert heute sein 65. Stiftungsfest.
n Stadttheater. Bei der Aufführung von Aristophanes „Fröschen" am 31. Oktober sollen die Schüler der oberen Klassen gleiche Ermäßigung wie die Studierenden genießen.
n Das Programm der Anlage-Musik morgen Sonntag, mittags 12 Uhr, ist folgendes: 1. Schäfers Sonntagslied v. C. Kreutzer, 2. Ouvertüre zur Oper „DasGlöckchen des Eremiten" von A. Maillart, 3. Große. Fantasie aus G. Verdis Oper „Trovatore" von W. Löber, 4. Kinderlieder-Marsch von M. Ziehrer.
o A l s f e l d. In dem Holzlager der Firma Steuernagel brach am Mittwoch abend Feuer aus, das in einer gleichzeitig in der Nähe stattsindenden Theater- Vorstellung bald eine Panik hervorgerufen hätte.
o Bernsburg. Hier wurde durch Fertigstellung der neuen Verbindungskreisstraße zwischen Ruhlkirchen und Vernsburg ein kürzerer Weg nach Alsfeld geschaffen.
o O ck st a d t. Seit Mittwoch dürfen die hiesigen Landwirte wegen der in der Nähe herrschenden Maul- und Klauenseuche ihr Vieh nicht mehr nach Fttedberg fahren; auch dürfen sie nicht die restlichen Feldfrüchte von ihren Friedberger Feldern holen oder dott ihre Aecker versehen.
o D a r m st a d t, 20. Okt. Die Fürstin zu Solms - Lich, sowie Prinz Hermann zu Stolberg-Wernigerode sind gestern im Jagdschloß Wolssgarten eingetroffen unb reiften heute mit der Prinzessin Hermann zu Stolberg - Wernigerode wieder ab. — Prinz Heinrich von Preußen ist im Auto zum Besuch in Wolssgarten eingetroffen. — Der König von Preußen hat dem Garni- sonverwaltungsdirektor i. P. Adolf Dörr den Kgl. Kronen-Orden 3. Klasse verliehen.
! Bodenheim. Die Firma Krafft begeht morgen Sonntag das Fest ihres 100jährigen Bestehens als Weingutsbesitzettn von Bodenheim.
! Viernheim. Der Arbeiter Ignaz Riehl geriet beim Abspringen von der fahrenden Nebenbahn unter die Näder, wodurch ihm beide Beine abgefahren wurden.
! Mainz. Letzten Freitag wurde im Rangier - bahnhof Bischofsheim bei Mainz der Rangierer Heinr. Gimbel von einem Rangierzug erfaßt, überfahren und sofort getötet.
! Mainz. Ein Bäckergeselle bedrohte den Geistlichen Pros. Dr. Anton Kirstein, weil er ihm auf seine Frage, wie er sich die Stellung des Papstes denke, keine genügende Auskunft geben konnte. Der anscheinend Geisteskranke wurde verhaftet.
! H ö ch st a. M. Die Stadtverordnetensitzung bewilligte die Erweiterung des städtischen Krankenhauses, die ungefähr 700 000 Mark beanspruchen wird.
! W o r m s. In der Dampfmühle der Firma L. Landsberg brach Mittwoch früh Feuer aus, das sehr rasch um sich griff. Der Schaden wird auf über 300 000 Matt geschätzt.
Magenstörungkn, Verstopfung.
Es ist allgemein anerkannt, baS durch eine mebrwöchentliche Behand'.ung mit Dr. Wegeners Tee die hartnäckigsten Falle beseitigt werden.
Dr. Wegener's Tee wirkt sehr mild, dennoch gründlich und sollte in keiner Familie fehlen. Preis Mk. 1.50, in Apotheken erhältlich: wo nicht vorrätig wende man sich an die FerromanganingefeVschaft, Kronprinzenstratze SS, Frankfort a/M.