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Gießener Weitung

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Verlag derGießener Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberheflens

Expedition: Seltersweg 83.

(Haus Brüder Schmidt.)

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Nr. 143

Telephon: Nr. 362.

Mittwoch, dcn 21. Juni 1911

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg

Reicbstagswablvorbereitungen.

Eine stark besuchte Verttauensmänner-Versamm- lnng der Volkspartei des 10. Württembergischen Reichs- tagswahlkreises Göppingen-Gmünd-Schor n- d o r f - W e l z h e i m, der durch das liberale Wahl - abkommen der Volkspartei zugewiesen ist, hat den Ge- meinderat Gunßer als Reichstagskandidaten ausgestellt.

Der Berliner Zeitungsstreik.

Solidaritätserklärung der Berliner Zeitungsverleger r- Veendigung des Streiks.

Die Verleger folgender Zeitungen erklären nach Kennt­nisnahme der Vorgänge in den Zeitungsdruckereien der Firmen Rudolf Mosse, August Scherl und Ullstein u. Co., daß sie die von den Geschästsleitungen getroffenen Maßnahmen in vollem Umfange billigen: Berliner Blatt, Berliner Börsenzeitung, Berliner Neueste Nach­richten, Deutsche Lehrerzeitung, Deutsche Warte, Deutsche Zeitung, Deutscher Volkssreund, Freisinnige Zeitung, Germania, Märkische Volkszeitung, Nationalzeitung, Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung, Nordische Volkszeitung, die Post. Staatsbürgerzeitung, Tägliche Rundschau, Vossi- sche Zeitung. Sie erklären ferner, daß sie daraus ver­zichten, aus dem erschwerten bezw. verringerten Erschei­nen der betroffenen Zeitungen geschäftliche Vorteile ir­gendwelcher Art für sich zu gewinnen. Ferner stellen sie ihre Bereitwilligkeit fest, sich nötigenfalls für die Dauer des aufgedrungenen Konflikts in gemeinschaft­licher Entschließung mit den betroffenen Firmen über ge­meinsame Abwehrmaßnahmen zu verständigen.

Die ausständigen Maschinenmeister haben ihre be­dingungslose Unterwerfung und die Firma Scherl da­gegen ihre Bereitschaft erklärt, 30 von den ausständigen 37 Maschinenmeistern wieder einzustellen. Von einer Geldsühne von 10 000 Mark, die die Firma Scherl ur­sprünglich gefordert hatte, nahm sie Abstand auf die Bitte des Zentralvorstandes der Gehilfenschaft, welcher erklärte, für die tarifmäßige Bestrafung der tarisbrüchi- gen 37 Maschinenmeister zu bürgen. Um 9 Uhr nah­men bereits 10 Mann der Maschinenmeister die Arbeit wieder aus unb 20 folgten gestern.

Hus Stadt und Land.

Gießen, den 21. Juni.

* Sommers Anfang. Heute Mittwoch be­ginnt kalendermäßig der Sommer, wenn auch erst am Donnerstag, um 3 Uhr nachmittags, die Sonne aus dem Zeichen der Zwillinge in das des Krebses tritt. Sie erreicht damit ihre größte nördliche Abweichung ^vom Aequator, sodaß wir den längsten Tag des ^al^ res haben. Der Sommer folgt einem Frühling, der reich war an Perioden heiteren, warmen und trockenen Wet­ters. Ein kurzer Rückblick auf den Verlauf dieses Früh­jahrs zeigt, daß diese Tendenz zu frühlingshaftem, zeit­weilig sogar hochsommerlichem Wetter von Anfang an erkennbar gewesen ist. Bemerkenswert war^ auch die während des ganzen Frühlings in Norddeutschland herr­schende Trockenheit. Zumal die vierzehntagige Pe­riode warmen Hochdruckwetters zu Ende Mai und An­fang Juni verlief im ganzen Norden des Reiches fast völlig regenlos, während Süddeutschland während­dessen ungemein zahlreiche Gewitter hatte. Erst in der zweiten Juniwoche brachten starke Landregen dem Aor osten des Reiches den dringend nötigen Niederschlag, wogegen weiter westlich auch jetzt noch Mangel an Re- 9011 ^IH e theologische Fak u l t ä t z u E l e- ß e n ersucht dieDarmst. Ztg." um Abdruck des sol- genden Antwortschreibens: .... M «*

An den Vorstand der kirchlich-poptwen einigung für Hessen, z. H- des Herrn Pfarrers um- M Dem Vorstand der kirchlich-positiven Vereinigung siir Hessen bestätige ich dankend den Empsang der an die einzelnen Mitglieder der theologischen Fakultät^ge­sandten Abzüge der Nr. 23 des Korrespondenzblat s d" Mi'"dem"Beschèid, welchen das Groszherzogliche Oberkonsistoriurn unter 'den: M Mm 1911 au bu Eingabe der kirchlich-posNwen ^u^ $« ist die Angelegenheit für bie Fakultät erledigt. - liegt ihr durchaus fern, in eine öffentliche Erörterung derselben einzutreten. unn vorzüglichst Hochachtung

D. M. Schi an, Dekan."

Die Hess. Zentrale für Säuglin gr­ünd Mutterschutz hielt heute ihre diesjährige Ver­sammlung im Saalbau zu Darmstadt unter Vorsitz des Fi­nanzministers Dr. Braun ab. Der Vorsitzende, sowie der Verwaltungsdirektor gaben ein ausführliches Bild über die Tätigkeit im letzten Jahre; es konnte ein er­freulicher Fortschritt konstatiert werden.

* Aus dem Militärwochenblatt. Nach­genannte Veterinärbeamte und Unterveterinäre aus Gie­ßen sind zu Veterinäroffizieren ernannt: zum Stabs - veterinär der Reserve: der Cbcrnetcrinär Dr. Knell; zum Stabsveterinär der Landwehr 1. Aufgebots: der Stabsveterinär Blume. Zum Oberveterinär der Garde-Reserve: Dr. Schweickert; zu Veterinären der Reserve: die Unterveterinäre der Reserve: Lüs - s e n h o p und Heine.

-b- Gestern vormittag tagte in Steins Garten die Oberhessische Superintendenturkonferenz, woran gegen 100 Geistliche Oberhessens teilnahmen. Nach einem von Dekan Schmidt-Schlitz gesprochenen Gebet eröffnete der Vorsitzende, Superintendent D. Petersen- Darmstadt, die Verhandlungen mit einer kurzen Be - grüßung der Anwesenden. Nachdem sodann der im ver­gangenen Jahre verstorbenen Konferenzmitglieder in der üblichen Weise gedacht worden war, hielt Pfarrer Köd- ding-Gelnhaar einen von großer Sachkenntnis und hei­ßer Liebe zur Heidenmission zeugenden, äußerst inte­ressanten Vortrag über die Frage:Auf welche Weise kann das Missionsinteresse in weitere Kreise getragen werden?" Redner will die Gebildeten unseres Volkes, die leider der Kirche vielfach fremd gegenüberstehen, zur Arbeit an dar Mission herangezogen haben. An den Vortrag schloß sich eine sehr rege Aussprache, die noch manche wertvolle Ergänzung zur Sache lieferte.

* Das Feuerbestattungsgesetz wurde ge­stern im Herrenhause in namentlicher Gesamt- a b st i m m u n g mit 90 Stimmen gegen 84 Stimmen definitiv in der Fassung des Abgeordnetenhauses a n= genommen.

* Sterblich koitszifser. Die ausnahms - weis hohe Sterblichkeit, die in der Woche vom 28. Mai bis 3. Juni aus den 5 großen hessischen Städten ge- metbet wurde, ist in der darauffolgenden Woche vom 4. Juni bis 10. Juni wieder wesentlich zurückgegangen. In Gießen, wo in der vorhergehenden Woche eine Totenziffer von 37,6 bei 23 Gestorbenen sestgestellt wurde, konnte in der Berichtswoche eine Sterblichkeits­ziffer von nur 18,3 bei 11 Toten verzeichnet werden.

* Der Professor für Kirchengeschichte an der Landesuniversität, Geheimer Kirchenrat Dr. Gu­stav Krüger, feierte ein in seiner Art seltenes Ju­biläum. Es waren nämlich 25 Jahre verflossen, seit er hier Privatdozent wurde.

* Innerhalb der evangl. Landeskirche Hessens be­stehen zur Zeit 210 K i r ch e n ch ö r e. Zählt man im Grohherzogtum 435 evangelische Gemeinden, so ist also jetzt nahezu die Hälfte mit Kirchengesangvereinen ausge­stattet. Die Dirigenten der Vereine sind zum großen Teil Angehörige des Lehrerstandes. Doch sind in neuester Zeit auch musikalisch befähigteLaien" mit der musikali­schen Leitung betraut worden.

* Die geplante Kreisausstellung für Ackerbau, O b st b a u und Viehzucht dürfte jetzt fast aussichtslos sein, da die Maul- und Klauen - seuche im Kreise ausgebrochen ist. Wahrscheinlich wer­den die Kreisschauen Büdingen und Gießen verlegt, sodaß Büdingen 1911, Gießen 1912 Kreisausstellung haben würden.

* Die Freifahrtscheine der Eisenbah- n e r sind abermals beschnitten worden. Nach einem Mi- nisterialerlah darf zu Versammlungen der Eisenbahnsach­vereine. wie zu Assistenten-, Zugführer-, Lokomotivfüh­rer-, Schaffner- 2C. -Versammlungen künftig nur je einem Vertreter von mindestens fünf Ortsvereinen die freie Fahrt zur Versammlung bewilligt werden.

Das 2. Abonnements-Konzert unserer Infanterie-Kapelle findet morgen abend unter Mitwir­kung der Pistonvirtuosjn Frl. Erne Finke in Steins Garten statt. Aus den uns vorliegenden Presseurteilen hat die noch jugendliche Künstlerin überall bei ihrem Auftreten starke Erfolge erzielt. Da auch das übrige Pro­gramm mit Geschmack zusammengestellt ist, so können wir den Besuch des Konzertes nur bestens empfehlen.

-)(- Großen-Linden, 20. Juni. Landtags- wahl. Im Wahlkreis Großen-Linden^Heuchelheim (frü­her Gießen-Land) beabsichtigt man, an dem seitherigen Abgeordneten Leun festzuhalten. Man betrachtet . es in den beteiligten Kreisen als eine Dankespflicht, ihn

wieder auszustellen, da es nur die Persönlichkeit Leuns war, die den seitherigen, äußerst gesährdeten Wahlkreis vor dem Ansturm der Sozialdemokraten gehalten hatte. Leun wird sich im Falle seiner Wiederwahl der wirt schastlichen Vereinigung anschließen.

-e- Lollar, 21. Juni. Die Buderus'schen Eisen werke Wetzlar beabsichtigen die Leitung einer lieber landzentrale Wetzlar-Lollar zu legen. Es' wurde 7 be teiligten Gemeinden ein Vertrag vorgelegt, der die Ab nähme von Licht und Kraft vorsieht. Das Ausstellcn der Maste ist von sämtlichen Gemeinden genehmigt, die Licht abnahme bis aus weiteres zurückgestellt.

* ) R o d h e i m a. d. Bieber, 21. Juni. Die ver­einigten Kirchengemeinden nahmen am Sonntag im Vor Mittagsgottesdienst die Einweihung einer Ehrentafel für die Kriegsteilnehmer von 1860 und 187071 vor, zu der die Kriegervereine Bieber-Rodheim vollzählig ' er­schienen waren. Aus der enthüllten Gedenktafel sind die Namen von 50 Kriegsteilnehmer (Bieber 12, Vetzberg 11 und Rodheim 27) zu lesen. An der Spitze steht der Name des 1866 gefallenen Leutnants van der Hoop unb Veteran PH. Becker-Bieber.

- 1- Butzbach, 21. Juni. Die 10. Landes-Ver­sammlung des Hessischen F e ch t v e r e i n sMai- senschutz" fand gestern hier unter Beteiligung zahlreicher Vertreter aus ganz Hessen statt.

* ) Bad-Nau hei m, 20. Juni. Bei den Gras- versteigerungen aus den städtischen und staatlichen Wie sen wurden Spottpreise erzielt. Es wurden für den kleinen Morgen durchschnittlich 20 Mark bezahlt. Im Sommer 1909 wurden dagegen 6075 Mark bezahlt. Selbst auf den besten Wiesen fehlt das Bodengras.

* ) Büdingen, 21. Juni. Unter Vorsitz des Für­sten Wolfgang zu Menburg-Büdingen hat sich hier ein vorbereitender Ausschuß zusammengesetzt, um eine fest­liche Zusammenkunft ehemaliger Schüler und Lehrer des Gymnasiums in die Wege zu leiten. Die Feier soll im August d. Js. stattfinden.

* Aus der Wetterau, 20. Juni. Zur Mäu- seplage hat sich noch die Ratten- und Hamsterplage ge­sellt. Die lästigen Nager richten allenthalben beträcht­lichen Schaden an. Vielerorts sind sie die Ursache, daß auf den Kartoffeläckern massenhaft die Kartoffelnaus­geblieben" sind, da die Setzkartoffeln total aufgefressen worden sind. Von den Gartenbesitzern ist dazu noch häufig beobachtet worden, wie die Ratten, die sonst im Felde doch nur selten austreten, auch die Erdbeeran­lagen beschädigen, indem sie die reisen Früchte weg­fressen.

* Darmstadt, 21. Juni. Der Mörder Heß, der am Samstag durch die Geschworenen trotz seines hartnäckigen Leugnens zu zwölf Jahren Zuchthaus ver­urteilt wurde, hat vor dem Richter seine Strafe aner­kannt.

- )(- Darmstadt, 21. Juni. Ein raffinierter Gau­ner wurde in der Person des 26 Jahre alten Taglöh­ners Johann Adam Verlieb aus Erbach von der Straf­kammer am Dienstag zu 1% Jahren Gefängnis ver­urteilt. Er war bei seinem Bruder in Stellung und ging, obwohl er verheiratet ist, mit der dort ebenfalls dienen­den Elise Schimpf ein Verhältnis ein. Nachdem er er­mittelt hatte, daß sie vermögend sei, veranlaßte er das Mädchen, ihrer Mutter ein Sparkassenbuch mit 600 Mk. zu stehlen. Er erhob das Geld und fuhr mit dem Mäd­chen nach Luremburg. Dort gab er ihr 30 Mark und ließ sie sitzen, während er das übrige Geld verjubelte. Er erhielt 1% Jahre, das Mädchen wegen Diebstahls unter mildernden Umständen 6 Monate Gefängnis.

- i- Mainz, 21. Juni. Es gibt Leute, die in einer bestimmten Stadt eine Anzeige aufgeben wollen, die dortigen Blätter aber nicht kennen, und so senden sie einfach ihre Anzeige nebst dem Geldbetrag nach M. an dasm e i st g e l e s e n e B l a 11". Die Post ist be­kanntlich äußerst findig, in normalen Fällen fällt es ihr auch nicht schwer, die richtige Zeitung zu finden. Aber kürzlich kam sie in eine arge Verlegenheit und es blieb ihr nichts übrig, als den Auftrag zurückzusenden. Wa­rum, ergibt sich aus dem Postvermerk, der so lautete: Wir haben hier 5 Zeitungen, die sämtlich am meisten gelesen sind!

Frankfurt, 21. Juni. Zu dem Unglücks- sall im Eronberger Zuge, der den Architekten Fink be­traf, teilen dessen Angehörige mit, daß sich dieser nicht zum Fenster hinausgelehnt habe und daß er nicht von einem Unwohllein betroffen worden sei. Fink habe nur am Fenster gestanden, sodaß kaum das Gesicht über das zur Hälfte hoch gezogene Fenster des D-Zugwagens hinausgeragt habe.