Hietzenee Zeitung
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Herausgeber: 2llbin Klein & Cito Fischer.
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
des Großherzoglichen
Bürgermeisterei^UPolizei- Amtes
sowie vieler anderer
Behörden Gberheffens
Expedition: Seltersweg 83.
(Haus Brüder Schmidt.)
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die 44 mm breite Petitzeile oder deren Nanni, auswärts 20 Pfg. r die 90 mm breite Petitzeile un Neklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50" o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröbe berechnet, Rabatt kommt bei lleberschreitung deSZnhlungs- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.
Gesamtleitung: Albin Klein.
Nr. 44
Telephon: 92r. 362.
Dienstag den 21. Februar 1911
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg
Heimarbeiter-Hoffnungen.
Fräulein M. Behm, die Vorsitzende des Gewerkvereins christlicher Heimarbeiterinnen und bekannte Vorkämpferin des Heimarbetterschutzes, widmet dem am 12. Januar in Berlin veranstalteten Heimarbeitertag in der Sozialpolitischen Rundschau einen längeren Rückblick, der in dem Gedanken gipfelt: Ohne L o h n s ch u tz kein H e i m a r b e i 1 e r s ch u tz. Mit dem Verlaus und dem Eindruck des Tages ist die Verfasserin durchaus zufrieden.
„Und der Erfolg? Den wird erst die Zukunft klar erkennen lassen", schreibt sie zum Schluß. „Aber selbst, wenn das Hausarbettsgesetz die sehnlich erwünschten Lohnämter noch nicht in der Form bringen sollte, wie die Tagung sie erhoffte, irgend eine Art von Lohnschutz kann nach dieser machtvollen Kundgebung kaum aus- (leiben. Vertreter des Reichskanzlers, des Reichsamtes des Innern, des preußischen Handelsministeriums, der württembergischen und der badischen Regierung, des Magistrats von Berlin, Professoren wie Schmöller, Herkner, Sombart, die gesamte Gewerbeinspektion, außerordentlich zahlreiche Reichstagsabgeordnete und 18 Unternehmerverbände waren zugegen. Sollten diese alle die oft so schlicht und bescheiden geschilderte Not umsonst kennen gelernt, sollten sie die mancherlei Beleuchtungen der Gesetzesparagraphen aus dem praktischen Leben her- aus umsonst angehört haben? Wir glauben es nicht. Der Heimarbeitertag wird für manchen Kommissions - beschluß, der erneuten Angriffen ausgesetzt war, das Siegel geworden sein. Er wird mancher Kann-Vor - schrift zum „Muh" verhelfen. Er möge auch dazu beitragen, daß die Hauptfrage der Heimarbettresorm, die Lohnregulierung, so oder so von der Gesetzgebung in Angriff genommen werde, allen zu Nutz, den deutschen Heimarbeitern aber zu wirksamer Hilse."
Bus Stadt und C^d.
Gießen, den 21. Februar.
*) Maul- und Klauenseuche. Als verseucht gelten zurzeit alle östlich der Elbe gelegenen Gebietsteile des Deutschen Reiches. — N e u e A u s b r ü ch e der Seuche sind gemeldet aus: 1. Hummendorf, Bezirksamt Kronach, Regierungsbezirk Oberfranken; 2. Kreuzwald, Kreis Bolchen, Bezirk Lothringen; 3. Buschhütten, Kr. Siegen, Regierungsbezirk Arnsberg; 4. Gültlingen, Oberamt Nagold, Württemberg.
* Gießen. Im Jahre 1910 wurden an der Lan- desunversität promoviert 2 Lizentiaten der Theologie, 16 Doktoren der Rechtswissenschaft, 50 Doktoren der Medizin, 96 Doktoren der Tierheilkunde und 52 Doktoren der Philosophie.
( ♦ ) Gießen, 20. Febr. Am Sonntag veranstaltete die Schule für höheres Klavierspiel von M i u n a Körner ein Konzert in der großen Aula der Uni- verjität. Aussührende waren die fortgeschritteneren Schüler der Schule unter Mitwirkung von Math. Petri aus Frankfurt a. M. (Gesang) und Renzo Giulini (Cello). Trotz der vielen und mannigfaltigen Konzerte und Veranstaltungen, deren sich unsere Stadt in den letzten Wochen zu erfreuen hatte, war der Saal gut besetzt — was in Allbetracht des wohltätigen Zweckes — der Ertrag des Konzertes ist für die beiden hiesigen Schwesternhäuser bestimmt — doppelt freudig zu begrüßen war. — Mit Interesse und Beifall lauschte man den musikalischen Darbietungen. Das reine, technisch gut ausgearbeitete Spiel, der fein nuancierte Anschlag, die überaus sorgfältige Tonbildung legten Zeugnis ab von dem Ernst und der Gediegenheit des Unterrichts. Von falschem Pathos und Effekthascherei war ebensowenig zu merken, wie von trockenem, rein schulgemäßem Herunterspielen. Man meiste es dem Spiel an: hier war dem Studium jedes einzelnen Stückes ein sorgfältiges Sichvertiefen in den Geist der Komposition vorausgegangen. So hatte man denn — um nur einiges hervorzuheben — eine reine Freude an Bach s edlem Es-moll Präludium, an Chopins schwermütig-graziösem Larghetto aus dem F- mülbRomeri, an Schubert's brillantem Impromptu, an Weber's Rondo» und Mendelssohns reizendem Scherzo. Das Programm war gut zusammengestellt und reichhaltig, leider müssen wir es uns versagen, aul je= des einzelne Stück einzugehen. Erwähnt sei noch das sehr interessante Col nidrei für Cello und Klavier von M. Bruch, das von den Herren Renzo Giulini und Curt Blumenau wirkungsvoll vorgetragen wurde. Col nidrei („alle Gelübde") sind die Anfangsworte eines hebräischen Gebetes, mit welchem der jüdische Versöhn- unaslaq in der Synagoge eingeleitet wird. Frl. Math. Petri sang mit sehr sympathischer, gutgeschulter und
wohllautender Stimme 2 Lieder von Schumann und tn^-r*rU C ?°" B"ch°°°m Den Schluß bUbclc, pham ~ j' ^1 9enial, in allen Farben sprühend und funkelnd Schumann 5 Carnaval, der von Herrn Curl Blumenau iALbr^*nbeniSroe^ Technik und vollendet künstlerischem Schwung gespielt wurde. Ebba Sch
Gießen. Der zweite Familicnabcnd des Ev Bundes wird am sonntag in Steins Garten abgehal- ™ . Ter Ev. Kirchengesangverein hat seine Mitwirkung Zugesagt, außerdem halt Oberlehrer Schmoll einen Bor^ trag über: „Freiherrn von Stein".
~ e ^ I a r, 20. Febr. Am Sonntag wurde im schleusenkanal eine bereits stark in Verwesung übcrgc- gangene männliche Leiche ausgefunden. Aus den Pa- sT.- ^^de sestgeslellt, daß cs sich um den Friseur schick el- Niederselters handelte. Der ,ioch in jungen stehende Mann hat wahrscheinlich aus Angst vor Bestrafung s,ch das Leben genommen, da ein Verfahren wegen Bedrohiing gegen ihn schwebte.
-sch- Eh r i n g s h a u s e n (Kr. Wetzlar). Die Fn- nenèinrichtnng des Kaiserin Augusla-Viktoria-Hauses stellt höhere pekuniäre Anforderungen, als bisher angenom- men wurde. An Zuwendungen gingen von der Frau- enhulfe hier 100 Mk. ein. Von außerhalb erhielt der Vorstand eine Gabe von 1000 Mk. und 2000 Mk deren Geber nicht genannt sein wollen.
* W e i l b u r g. Der Einbrecher, der im hiesigen Krewhause eine Kassette mit 2100 Mark in Bar und Wertpapieren gestohlen hatte, hat diese Kassette mit fänit= "chen Wertpapieren von Frankfurt a. M. aus an den die Kasse verwaltenden Kreisausschuß-Assistenten zurückgesandt. In Barein hat der Einbrecher nur 85 Mark erbeutet. Der Einbrecher ist der Sohn eines am Landratsamt angestellten S u b a l 1 e r n b e a nl - t e n, ein junger Mann von zirka 20 Jahren, der das Gymnasiunl bis Obersekunda besucht hat. Schon längere Zeit trieb er sich vagabondierend in der Welt her- um und bereitete seinen Eltern dadurch viele Sorgen. Er hat sich seines Raubes nicht lange erfreuen können. Er wurde in Homburg verhaftet.
* Weilmünster. Gelegentlich des letzten Vieh- inarktes trug sich folgendes heitere Stückchen zu: Komint da ein Viehhändler aus dem Nachbarkreise mit seinem jugendlichen Sohn zum Markte, um einige Stück Vieh aufsutreiben. Am Markteingang werden die Tiere, um die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche 311 verhindern, untersucht. Der Sohn des Händlers, welcher seinem Vater vorausging, wird von dem zur Beaufsichtigung des Marktes kommandierten Beamten unter Hinweis auf das Rindvieh ausgefordert, das Maul aufzumachen. Der junge Mann bezieht die Aufforderung jedenfalls auf sich und reißt zum Ergötzen der Zuschauer den Mund sperrangelweit auf. Ueber seinen Irrtum aufgeklärt, kommt er der neuerlichen Aufforderung des Beamten nach. Dann aber hält er es für besser, so schnell wie möglich von dem Schauplatz zu verschwinden.
* Kassel. Um wegen des Ausfalls des Klauenviehs eine möglichst große Beschickung der landwirtsch. Ausstellung mit Pferden herbeizuführen, ist der Anmeldetermin für die Pferde bis 1. April verlängert worden.
* Marburg. Dr. Böhme, unser seitheriger Reichstagsabgeordneter, der bekanntlich seinen bisherigen Wahlkreis aufgegeben hat, ist im Wahlkreis Salzwedel- Gardelegen vom Deutschen Bauernbund gegen v. Krö- cher (k.) aufgestellt worden.
* Biedenkopf, 20. Febr. Die Stelle eines Tierzuchtinspektors in Biedenkopf wird zum 1. oder 15. Juli d. Js. ausgeschrieben. Bewerber, die eine vierjährige Praris, ein ausreichendes Studium und das nötige Tierzuchtinspektoren-Eramen nachweisen können, wollen ihre Meldungen an die Landwirtschasts - kammer einsenden.
* Frankfurt a. M. Der hiesige Zentrumswahl- verein hat beschlossen, einen eigenen Kandidaten auszustellen.
* Darmstadt, 20. Febr. Die Großherzogl. Herrschaften begaben sich gestern vormittag 8,30 Uhr im Auto nach L i ch und kehrten abends 11,30 Uhr wieder hierher zurück.
Landesverbandes des
Eine Vorstandssitzung des Hess. Deutschen Flo 11 enver -
eins beschäftigte sich mit der Gründung eines Altersund Jnvalidenheims für deutsche Seeleute und die im Auslandsdienste Verwendung findenden Teile des Landesheeres, sowie mit der Landeshauptversammlung in Hessen für das Jahr 1911. Diese findet am 17. September in Auerbach statt.
* Darmstadt. Die Landwirtschaftskammer für Hessen hält am 28. Februar in Friedberg eine öffentliche Versammlung ab, in der Dr. Hamann-Darm- stadt im Hotel „Drei Schwerter" einen Vortrag über „Fortschritte aus dem Gebiete des Getreidebaues und Erfahrungen aus dem Gebiete der Saat und Pflege der Hackfrüchte".
* Darmstadt. Eine neue, recht schlimme Enttäuschung haben die letzten Wochen vielen "hessischen Lehramtsreferendaren dadurch gebracht, daß jetzt die preußische Regierung ihre höheren Lehranstalten fast ausnahmslos den hessischen Bewerbern verschließt. Man erklärt dies dahin, daß Preußen für die aus dem eigenen Lande zu erwartenden Anwärter genügend Stellen os fen halten will, um nicht auch in die gleiche Gefahr der Ueberproduktion an höheren Lehramtskandidaten wie Hessen zu geraten.
-pt- Homberg. Ein scharfer Zusammenstoß zwischen dem neuen Bauernbund und den Anhängern des Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg fand am 13. Februar im nahen Verna statt. Von beiden Seiten waren die Anhänger zahlreich, über 300 Mann, erschie- nen und es lag von vornherein Kampsesstimmung in der Luft. Generalsekretär Hestermann vom liberalen Bauernbunde versuchte sein Programm zu entwickeln, wobei er seine eigene Persönlichkeit sehr stark in den Vordergrund schob. Lebhafter Widerspruch machte sich bemerkbar, gleichzeitig konnte Herr Hestermann überhaupt nicht wettersprechen und die Erregung gegen ihn wurde schließlich so stark, daß er seine Versammlung schloß, bevor er seinen Vortrag beendet hatte. Dann nahm Herr Generalsekretär Henningsen von der deutsch- sozialen Partei das Wort und erklärte, daß für den Abend auch eine deutsch-soziale Versammlung angemeldet sei. Er bäte Freunde und Gegner dazubleiben und sich seinen Vortrag anzuhören. Auch Herrn Hestermann, der fortgehen wollte, bat er zu bleiben, um sich zu verteidigen. Generalsekretär Henningsen fand für seine Ausführungen gegen den Vauernbunb und für die Empfehlung des Herrn Liebermann von Sonnenberg anhaltenden, stürmischen Beifall. Die Versammlung fiel schließlich, obgleich auch noch Herr Hestermann sprach, so ungünstig für den neuen Bauernbund aus, daß die nachstehende Entschließung einstimmig angenommen wurde: „Die heute, 13. Februar 1911, in Verna nach vorzeitiger Beendigung der liberalen Bauernbundsversammlung stattgefundene öffentliche Versammlung der Deutsch-sozialen Partei spricht nach Anhörung des liberalen Bauernbundredners Schloßbesitzer Hestermann, sowie des deutsch-sozialen Redners Generalsekretär Henningsen ihre schärfste Mißbilligung über die Kandidatur Hestermann aus. Diese Kandidatur und die Arbeit des liberalen Bauernbundes ist nur geeignet, Zwietracht und Ver - hetzung in die Kreise der bürgerlichen Wähler des Wahlkreises Fritzlar-Homberg-Ziegenhain hineinzutragen. Die Versammlung ist davon überzeugt,, daß die Tätigkeit des Herrn Hestermann und seiner Hintermänner nur in einseitiger Weise zum Schaden der gesamten ehrlich schaffenden Arbeit in Stadt und Land und zum Nutzen des spekulativen Großkapitals ausschlagen wird. Deshalb geloben die zahlreich versammelten Wähler ihrem bisherigen bewährten Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg unverbrüchliche Treue und versprechen, daß sie im bevorstehenden Wahlkampfe mit aller Kraft für ihn arbeiten werden."
Soziales.
* Frohe Gewerkschaftshossnungen, lchreibt die „Hilse" Nr. 4 1911, schöpfen die Fachblätter der beiden größten Organisationen, der sozialdemokratischen und christlichen Verbände, aus den Rückblicken aufs abgelaufene Jahr. Einig sind sie in der optimistischen Beurteilung der wirtschaftlichen Konjunktur und der damit zusammenhängenden Milgliederzunahme. Die zweite Million überschritten zu haben, rühmen sich die freien Gewerkschaften, während die christlichen stolz darauf Hinweisen, daß sie die 300 000 erreichten. (In Wirklichkeit beträchtlich überschritten. Red.) Wo bleiben die deutschen (Hirsch-Dunckerschen) im Wettbewerb der großen Verbände?
Holzverkäufe u. -Versteigerung.
Bürgermeisterei Waldgirmes: Donnerstag, den 23. Febr., vorm. 10 Uhr, Distr. Köhlerwald, Pfingstweide,' und Fichtenpracht. Zusammenkunft Distrikt Köhlerwald an der Atzbachergrenze.
Gemeindewald Neukirchen: Donnerstag, 32. Fbr., nachm. 1 Uhr. Distr. Grube, Häuserberg u. Tannen- garten.