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Mangel geeigneter Winteruniformen zu leiten. Die Feuer­wehrleute froren so stark, daß es ihnen nur mit großer Ueberwindung möglich war, die vorgeschriebenen Uebun­gen auszuführen. Da auch in der Gemeindekasse Ebbe herrscht, so faßte der Leiter der Eichener Feuerwehr den Entschluß, sich an den Kaiser zu weden. Als der Kaiser kürzlich mit der Kaiserin zu Pferde die Hauptstraße des Dorfes passierte, trat ihm der Leiter der so mangelhaft bekleideten Feuerwehr entgegen und bat um eine Zuwen­dung zugunsten der frierenden Feuerwehrleute von Eiche. Jetzt hat die Zivilkanzlei des Kaisers der Feuerwehr in Eiche mittcilen lassen, daß zur Anschaffung neuer Uni­formen 300 X bewilligt worden sind.

Der Tod im Unterseeboot. Dem „B. L.-A." wird von fachmännischer Seite zu dem Unfall des Unterseebootes U 3 geschrieben: Nach der vorliegenden Meldung steht es fest, daß die im Turm Eingeschlossenen nicht durch das Wasser, sondern durch den Luftdruck ums Leben gekom­men sind. Zn dem Augenblick, da der Druckkörper des Un­terseebootes eine Verletzung erlitt, konnte ja Wasser in denselben eindringen und der innere und der äußere Druck sich ausgleichen. In einer Wassertiefe von auch nur zehn Meter beträgt aber der Wasserdruck schon das Doppelte des normalen Luftdrucks, und die im Turm Eingeschlossenen bekamen diesen Luftdruck wahrscheinlich im Laufe weniger Sekunden in voller Stärke zu fühlen, während die Mann­schaft, welche sich in dem wesentlich höher befindlichen Schisssvorderteil befand, sehr viel geringeren Ueberdruck zu spüren bekam. Nun beträgt der normale Luftdruck auf die Oberfläche eines menschlichen Körpers etwa 10 000 Kilo. Wir spüren diesen kolossalen Druck nicht, weil und) unsere inneren Organe mit Luft von demselben Druck durchzogen und gesättigt sind, Jo daß also innerer und äußerer Druck auf den menschlichen Körper sich unter nor­malen Verhältnissen aufheben. Wenn aber nun plötzlich noch eine weitere Atmosphäre Ueberdruck hinzukommt, so bedeutet das, daß ganz plötzlich eine Last von 10 000 Kilo, d. h. also von 200 Zentnern auf die Körperoberfläche drückt, nnd diesem Druck steht zunächst kein innerer Gegendruck gegenüber. Er wird also in dem Sinne wirken, daß er den Brustkasten gewaltsam zusammenpreßt und die Lungen und das Herz derart beschädigt, daß auch, wenn sich nach einigen Minuten der Druck innen und außen ausgeglichen hat, der betreffende Mensch doch nicht mehr zu retten ist, da er schwere innere Veretzungen erlitten hat.

Eine Rabenmutter. Zn Bramfeld bei Hamburg setzte eine Frau ihr zwei Jahre altes Söhnchen auf den glühen­den Kochherd, so daß das Kind entsetzliche Brandwunden erlitt. Die Frau warf dann das vor Schmerzen schreiende Kind aufs Bett, schloß das Schlafzimmer ab und ging nach Hamburg, um ftdi dort zu amüsieren. Auf das aus der Wohnung dringende furchtbare Kindergeschrei erbrachen die Nachbarn die Tür und fanden das verbrannte Kind, außerdem aber noch drei weitere Kinder, die völlig aus­gehungert waren. Die armen Kinder wurden einem Asyl übergeben, die entmenschte Mutter nach ihrer Rückkehr ver­haftet.

Ein arger Schwindler ist der „Bankier" Erich Schulze, der von mehreren Staatsanwaltschaften gesucht wird. Der 24 Jahre alte Mann, der sich stolz „Bankier" nannte, be­wohnte seit P/V Jahren in der Neuen Ansbacher Straße 3 im Erdgeschoß sechs Zimmer für 2000 Mark. Den Haus­halt führte ihm eine 25 Jahre alte frühere Buchhalterin, die er für seine Eefrau ausgab. Ob das Paar verhei­ratet ist, weiß man nicht. Er lebte auf großem Fuße und besuchte viel Theater und Konzerte. Die „gnädige Frau" hielt sich eine Köchin und ein Hausmädchen. Schulze hatte in seinem „Bankgeschäft" zwei Buchhalter und eine Buch­halterin angestellt. Auf seinem Türschild prangte die Auf­schrift: „Bankgeschäft Erich Schulze, Vertretung London und Paris". Mitte November v. I. verreiste Schulze unter dem Vorwande, daß er in Geschäften nach London fahren müsse. Seine Frau nahm er mit. Von dieser Reise kam das Paar nicht zurück. Die Angestellten mußten ohne Gehalt und Lohn ihre Stellungen verlaßen. Das Paar ist wirklich in London gewesen. Es lebte dort in Saus und Braus acht Tage in einem Hotel und verschwand dann, ohne die Rechnung zu begleichen. Kürzlich tauchte es in Pforzheim auf, wo Schulze sich mit wertlosen Wechseln uno Schecks für 6000 Mark Waren erschwindelte. Unter­dessen kamen Scharen von kleinen Beamten und Hand­werkern, die dem „Bankier" ihr Geld anvertraut hatten, nach der Neuen Ansbacher Straße, um ihre Forderungen geltend zu machen, fanden aber die Tür verschlossen. Erst gestern kam jemand, der 5000 Mark verloren hat. Im ganzen sind bis jetzt schon 70 000 Mark Forderungen be­kannt geworden.

Ein Ncvolverschuß gegen Zahnschmerzen. Von Zahn­schmerzen gequälte Leute sehnen sich mitunter, durch die sonderlichsten Mittel ihre Leiden zu vertreiben. Mit ei­nem ganz apparten Mittel versuchte es aber dieser Tage ein Knecht aus Wulmstorf bei Hamburg. Er steckte sich den Lauf eines Revolvers in den Mund und feuerte auf den bösen Zahn eine Kugel ab. Der Erfolg war nicht ganz zufriedenstellend, denn die Kugel hatte de nZahn nur leicht berührt, dafür eine schwere Halsverletzung im Gefolge. Der Knecht liegt jetzt noch unter dem Eindruck seiner Zahn­schmerzen im Krankenhause und büßt seinen klugen Ein­fall, da die Kugel bisher noch nicht entfernt werden konnte.

Bajuvarische Trinksestigkeit. In einer Berufungsver­handlung vor dem Oberkriegsgericht in München machte ein widerspenstig gewesener Reservist als Entschuldigung Trunkenheit geltend. Er habe 15 Maß Bier getrunken. Da er sich aber aller Vorgänge gut erinnerte und auch er­klärte, daß er schon 28 Maß Bier auf einen Sitz hinter die Binde gegossen habe, blieb die Berufung erfolglos.

Ein ganzes Warenlager gestohlener Gegenstände ist von der Hamburger Polizei ausgefunden worden. Boden­diebe unternahmen in den letzten Monaten reiche Beute­züge in den Vororten Hamburgs. Drei Männer und zwei 17jährige Mädchen wurden verhaftet, darunter eine Schneiderin, deren Mutter gegenwärtig eine Gefängnis­strafe wegen Kuppelei verbüßt. In der Wohnung dieser Schneiderin wurden schon bei der ersten Haussuchung zahl­reiche gestohlene Sachen aufgefunden; dann wurde die Wohnung polizeilich geschlossen. Viele Gegenstände waren bereits verkauft oder versetzt worden. Bei einer erneuten Haussuchung wurden jetzt für weitere 40 000 Mark Ge­genstände ausgefunden, die in der Wohnung so gut ver­steckt waren, daß sie nur bei ganz genauen und scharfen Nachforschungen zu finden waren. Die Verbrecher hatten regelrechte Wände gezogen, die aber hohl und mit Ta­peten verkleidet waren. Hinter diesen Wänden wurden die Sachen einfach aufgestapelt.

Eine moderne „Tochter des Regiments". Madame Le Breton, die Marketenderin des französischen ersten Hu­sarenregiments, die soeben arm und vergeßen im „Natio­

nalheim" in Vssinet gestorben ist, verdient nicht nur um ihrer außergewöhnlichen Karriere willen ein Wort der Hervorhebung, sondern auch wegen des Umstandes, daß sie, wie das „Petit Journal" mitzuteilen weiß, eine Ver­wandte der gegenwärtig regierenden schwedischen Königs­familie gewesen. War doch ihr Vater, der Artilleriemajor Bernadotte, ein Blutsverwandter jenes Feldmarschalls Bernadotte, der als Karl XIV. den schwedischen Königs­thron bestieg. Frau Le Breton, die 81 Jahre alt gewor­den, hatte noch vor drei Jahren die Marokkokampagne mit­gemacht, wo sie verwundet wurde und mehrere Wochen in marokkanischer Kriegsgefangenschaft zubrachte. Mit ih­ren fünf Feldzügen, zwei Verwundungen und drei Kriegs­medaillen repräsentiert die „Mutter der Zuaven" das Bild eines Lebensganges, wie ihn die kühnste Phantasie einer abenteuerlustigen Emanzipierten nicht romantischer zu er­träumen vermag. In einem algerischen Fort als Tochter einer wegen Tapferkeit vor dem Feinde mit der Ehren­legion ausgezeichneten Marketenderin geboren, hatte sie mit fünfzehn Jahren einen Soldaten der Ersten Zuaven geheiratet und war bei dem berühmten Regiment als Marketenderin in Dienst getreten. Sie erhielt ihre Feuer­taufe in der Krim und begleitete dann das Regiment nach Italien, wo sie in der Schlacht von Golferino mit der Tapferkeitsmedaille dekoriert wurde, und später auch in Mexiko, wo sie verwundet wurde. Im deutsch-französi­schen Krieg hat sie an mehreren Gefechten teilgenommen und war gefangen genommen worden. Zum Gedächtnis der tapferen Marketenderin soll ein Gedenkstein errichtet werden, für den die Mittel durch öffentliche Sammlung aufgebracht werden.

Der Stadtverordnete und das Restaurant mit der ro­ten Laterne. In der „Naumburger Allgemeinen Zeitung" findet sich folgendes Inserat in großer und fetter Schrift: „In der letzten Stadtverordnetensitzung haben Kommissi­onswahlen 'stattgefunden. Warum hat man eine Person in dieselbe gewählt, welche abends, wo diese Sitzungen gewöhnlich stattfinden, lieber in das Restaurant mit der roten Laterne geht? Mehrere Bürger." Das läßt tief blicken.

Anekdoten vom Grafen haeseler.

„Erzellenz Gottlieb", wie Graf Haeseler, der am 19. Ja­nuar seinen 75. Geburtstag feierte, im Bolksmunöe heißt, ist zweifellos unter allen deutschen Militärs unserer Zeit derjenige, von dem die meisten Anekdoten im Umlaufe sind. Schon um seine Verwundung im französischen Kriege hat sich die Sage gesponnen. Es hieß, er sei kugelfest, da kein Geschoßregen ihn vom Platze bringen konnte. Einmal, es war am 10. August 1870, tauchte in Frescaty eine preußi­sche Ulanenpatr'Juille auf. Die Franzosen bemerkten sie und verfolgten sie mit rasender Schnelligkeit. Der führende Ge­neralstäbler erhielt vier Schüsse. Trotzdem ritt er weiter, als wenn ihm nichts passiert wäre. Die vier Chassepotkugeln hatten ihm drei Rippen zerschmettert, Gaumen und Zähne ausgerissen, den linken Lungenflügel zweimal durchbohrt und das linke Schienbein durchbrochen. Der Offizier war Graf Haeseler. Daraus ergab sich die Erzählung, der Graf sei zwar geheilt worden) aber nun habe er nur noch einen Lungenflügel, die Nippen seien durch silberne ersetzt, Gau­men und Gebiß beständen aus Kautschuk, die Kniescheibe aus Gold. Für eine Bestätigung wurde gehalten, daß der Graf in strenger Diät sich von Aepfeln und Milch nährte, etwas nach links geneigt geht^ trotz seiner Größe nur niedrige Pferde reitet und mit einer kleinen Fußtreppe den Gaul besteigt.

Eine der hübschesten Haeseler-Anekdoten erzählt, wie unser Kaiser den Korpskommandanten von Metz gefangen nehmen wollte. Friedrich Sporleder berichtet sie in seinem Büchlein über den Grafen Haeseler folgendermaßen: Der Monarch sollte gewettet haben, er werde den Alten schon kriegen. Es war bei den Maiübungen, der Kaiser führte die Noten, Graf Haeseler die Blauen und verteidigte die Höhen des Forts Kaiserin gegen den anrückenden Monar­chen. Plötzlich brummte „Exzellenz Gottlieb": „Was ist das schon wieder für ein" unvorsichtige Kavalleriepatrouille, die Kerls haben cs, glaube ich, auf mich abgesehen. Schreiben Sie mal den Bauten des Regiments auf." Der General­stabsoffizier, an den sich Haeseler gewandt hatte, galoppierte mit einem halben Zuge Kavallerie hinter der Offizierspa­trouille her, da strauchelte das Pferd des letzten Mannes und stürzte. Der Generalstäbler hatte eine längere Unter­redung mit ihm und sauste wie der Blitz zurück. Nun wußte Haeseler Bescheid. Kurze Erklärung seiner Absicht, und der ganze Stab ritt, wie eine dichte Wolke den Grafen umgebend, direkt auf die vor dem Feinde liegende Ferme Leipzig zu. Hier verließ Graf Haeseler unbemerkt den Stab und stellte sein Pferd ein. Ein paar Minuten später rollte aus dem Tore ein Wagen, auf dem Strohbündel und alte Säcke lagen. Direkt am Kaiser fuhr der Wagen durch, und hielt einige Schritte hinter ihm. „Meine Herren, jetzt haben wir, glaube ich, Exzellenz Haeseler eingekreist. Es liegt mir daran, seiner Person habhaft zu werden. Allons marsch!" Fort war die Suite. Graf Haeseler krabbelte plötzlich zum größten Gaudium der hier lagernden Truppen unter den Säcken hervor und kletterte vom Wagen herab. „Was sind das hier für Truppen?" fragte er den hier haltenden Ge­neral. „Auf Befehl Seiner Majestät außer Gefecht gesetzt!" „Hahaha," lachte der Graf, „Herr General, auf meine Ver­antwortung treten Sie oen Marsch in den Rücken der Ro­ten an. Keine Widerrede." Der Kaiser war wie aus den Wolken gefallen, als er in seinem Rücken Vormarschsignale hörte. Schwärmen! Die Gläser richteten sich auf diese „wohl toll" gewordene Gesellschaft. Im gleichen Moment machte die blaue Armee eien Vorstoß, und Majestät befand sich derart in der Klemme, daß er das „Ganze halt" blasen ließ. Als er dann das Ulanenstückchen der alten Exzellenz erfuhr, soll er gelacht haben, daß ihm die Tränen über die Wangen liefen.

Auch auf Haeselers Ruhesitz in Haruecop umspinnen ihn immer noch launige Geschichtchen. Es kam einmal ein hö­herer Offizier nach Harnecop und wollte sich anmclden. Der Diener bedauerte, der Graf fei auf dem Felde, und der Be­sucher wollte ihn dort aufsuchen. Nach verschiedenem Quer­feldein gelangte der Besucher an einen Kartoffelacker, auf dem eine Anzahl Arbeiter Kartoffeln ausmachten. Der Be­sucher wollte seinen Augen nicht trauen, als er unter ihnen den Grafen bemerkte, der im Schweiße seines Angesichtes mit oen Arbeitern um die Wette arbeitete. Mit vollendeter Höflichkeit und echter Herzlichkeit begrüßte Exzellenz Gott­lieb den Ankommenden, bedauerte aber, augenblicklich gar feine Zeit und diese erst nach Schluß der Arbeit zu haben. Was war die Veranlassung, daß der Feldmarschall selbst die Kartoffelhacke schwang? Seine Arbeiter hatten ihn um eine Lohnerhöhung gebeten, und er wollte prüfen, ob es wirklich so anstrengend sei. Er hat ihnen dann im Schweiße seines Angesichtes zugestimmt.

MMmedricdkn und neuestes.

Die Einnahmen der Eisenbahn im Dezember.

Berlin, 20. Januar. Die Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen für Dezember 1910 betrugen aus dem Pcrso- neuverkehr X 57,266,189 oder X 3,534,883 mehr, d. i. pro Kilometer Jt 1125 oder X 55 gleich 5.14 Prozent mehr, aus dem Güterverkehr 147,716,875 Jt oder Ji 12,330,935 Ji mehr, d. i. pro Kilometer Jt 2835 oder X 202 gleich 7.67 Prozent mehr.

Die Aviatik und daS Heer.

Berlin, 20. Januar. Von der Militärverwaltung ist der Bau von wetteren sieben Flugzeugen in Auftrag ge. geben worden, da die vorhandenen fünf Lehrmaschinen zur Ausbildung der Offiziere zu Mtlitärpiloten nicht aus- reichen.

Die Geretteten von „U 3".

w> Kiel, 20. Januar. Die aus dem Unterseeboot U S Geretteten haben sich bis gestern nachmittag so weit erholt daß 21 von ihnen aus dem Lazarett entlassen werden konn­ten. Nur 2 der Leute sind noch im Lazarett geblieben, aber auch diese werden bereits heute entlassen werden können. Nachträglich verlautet von den Okrettcten, daß bei den Net« tungsarbeiten eine fortgesetzte Verständigung zwischen den Rettern und den im Bootsranm eingeschlossenen Mannschaf­ten ermöglicht wurde und zwar geschah d»eS dadurch, daß mit dem Hammer an die Schichtwand geschlagen wurde. Durch Zeichen dieser Art wurden auch, als daS Vorderschiff bereits gehoben war, die Eingeschlossenen aufgefordert, die Verschlußklappe des Rohres zu öffnen, und als dies ge­schehen war, krochen die Retter hinein. Das war eine keineswegs leichte Aufgabe, denn sie mußten sich durch das Rohr von 45 cm Weite über 6 Meter hindurch zwänaen. Eine gemeinsame Trauerfeier für die Opfer findet heute nachmittag in der Kapelle des Garnisoulazaretts statt.

Studenten als Wahlhelfer.

Königsberg, 20. Januar. Gegen die Studenten, die in Labiau-Weblau Wahlhilfe leisteten, ist der Hartungschen Zeitung zufolge vom UniverfitätSridjfcr ein Ermittelungs­verfahren eingeleitet worden. Es haben bereits zahlreiche Vernehmungen stattgefundcn.

Franzosenfreundc in Elsaß-Lothringen.

Metz, 20. Januar. Zwei Deutsche, die sich in der letzten Nacht mißliebig über die Vorgänge in dem französischen Sportverein äußerten, wurden von im Lokal anwesenden Mitgliedern des Vereins angegriffen und schwer mißhan­delt, so daß sie ins Spital gebracht werben mußten. Ein französischer Verein in Groß-Mopduvre beabsichtigt am Sonntag ein Konzert mit nur französischen Liedern abzu­halten, zu dem die Erlaubnis verweigert worden ist. Nian befürchtet, daß der Verein trotzdem versuchen wird, das Konzert abzuhalten.

Flüchtiger Rechtsanwalt

München, 20. Januar. Ein Rechtsanwalt der unlängst wegen Unterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis verur­teilt worden war, sollte sich vor Dem Landgericht verant­worten, weil er einander widersprechende Interessen zweier Parteien gleichzeitig wahrgenommen hatte. Der Rechtsan­walt erschien nicht vor Gericht. Er ist fluchtig geworden.

Die Bewegung unter den französischen Winzern.

Epcrnay, 20. Januar. Die lebhafte Erregung im Win- zergebiet der Champagne dauert noch an. Militär hält die Ordnung aufrecht und bewacht die Geschäftshäuftr. In der gestrigen Versammlung der Winzer in Venteuil erschien auch der Präfekt, der die Winzer zur Ruhe mahnte. Ent­sprechend dieser Anfsoroerung nahmen die Teilnehmer an der Versammlung eine Tagesordnung an, in der sie sich verpflichten, jeden Akt von Sabotage zu vermeiden und in der sie die Erwartung aussprechen, daß die Regierung ihren Forderungen gerecht werde. Um Mitternacht herrschte über­all Ruhe.

Nutzlose Demonstration

6-£ Paris, 20. Januar. Der Allgemeine Arbeiterver- band wird heute nacht einen Aufruf anschlagen, in dem gegen die Verurteilung japanischer Anarchisten Einspruch erhoben wird und die Verbandsnntglieöer aufgefordert wer­den, vor der japanischen Botschaft eine Protestkundgebung zu veranstalten.

Folgenschwerer Zugznsammenstoß in Frankreich.

G-£ Paris, 20. Januar. Im Bahnhof von Bourges stieß gestern ein Eilzug mit einem Güterzug zusammen. Zehn Reisende wurden schwer verletzt.

Bergarbeiterunruhen in Spanien.

»-£ Valencia, 20. Januar. Achthundert Bergleute sind in den Ausstand getreten, um gegen die Entlastung einiger Arbeitskollegen zu protestieren. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung ist Militär in das Ansstandsgcbict entsandt wor­den.

Unglück im Theater.

Neuyork, 20. Januar. Im Opernhause zu Hamilton in Kansas brach während eines orientalischen Tanzes die Klinge eines Schwertes, das ein Sänger schwang und flog ins Parkett, wo sie einem Zuschauer den Kopf durchbohrte. Der Theaterbesucher bemächtigte sich eine große Aufregung.

Berliner Getreide- und Zchlachtoiehmarktbericht.

Am Weltmärkte für Weizen hat sich in der am 18. Ja­nuar abgelaufenen d^erichtswoche eine leichte Neigung Aur Abschwächung bemerkbar gemacht, zu welcher der Beginn der australischen, westamerikanischen und argentinischen Ver­ladungen und die damit vielleicht zusammenhängende Zu­rückhaltung Frankreichs den Anlaß gegeben haben dürfte. Roggen hatte dank andauernder ziemlich reger Nachfrage für den Export im allgemeinen eine feste Haltung. Rus­sischer Roggen wurde bei reichlichem Angebot vielfach für den Jnlandskonsum gekauft. Die Lieferungspreise zeigen schließlich nach Schwankungen kaum eine Veränderung ge­gen die Vorwoche. Die Forderungen für Hafer wurden seitens der Provinz trotz stärkeren Angebots nicht ermäßigt: die Händler aber kauften nur vorsichtig, da der Konsum wenig geneigt ist, zu den hohen Preisen Anschaffungen zu machen. Russischer Hafer wurde in den letzten Tagen etwas billiger offeriert. Die Lieferungspreise weisen eine Aen­derung gegen die Vorwoche nicht auf. Auf die Maispreise drückt die große nordamerikanische Ernte. Auch Odessamais wurde billiger angeboten, doch ist diese Sorte hier wenig beliebt. Gerste ermattete nach anfänglicher Festigkeit infolge größeren Angebots. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Mai wie folgt: Weizen 206,75 Ji , Roggen 156,75 Ji, Hafer 155,50 Ji, Mais 135,00 Jt.

Preise des städtischen Schlachtvichmarktes. I. Ochsen: n) vollflecschige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höch­stens 6 Jahre alt 76 bis 81 Jt, 6) junge, fleischige nicht aus­gemästete und ältere ausgemästete — bis — X c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 71 bis 78 Jt, d) ge­ring genährte jeden ?llters 71 bis 76 Jt. II. Bullen: a) voll­fleischige höchsten Schlachtwertes 74 bis 78 Jt, 6) vollfleischige jüngere 70 bis 76 Jt, c) mäßig genährte jüngere und gut ge­nährte ältere 66 bis 72 Jt, d) gering genährte — Jt. TIL Fax. sen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höch­sten Schlachtwertes — Jt. 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt, 65 bis 72 Ji, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüneere Kühe 63 bis 71 Jt, d) mäßig genährte Färsen und *d^e 52 bis 65 Jt, e) gering genährte Färsen und KüHe bis 52 f) gering genährtes Jungvieh sFresser) 62 bis 70 Jt. IV. Käl­ber: a) Doppellender feiner Mast 104 bis 133 Jt, 6) feinste Mast iVollmilchmast) und beste Saugkälber 100 bis 107 Ji, c) mittlere Mast- und gute Saugkälber 88 bis 97 Ji, b) ge­ringe Saugkälber 82 bis 90 Jt. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 76 bis 84 Jt, b) ältere Mastham­mel, geringere Mastlämmer und gut genährte jüngere Schafe 71 bis 75 Ji, c) mäßig genährte Hammel und Schafe (März sch erfe) 65 bis 74 Ji. VI. Schweine: a) Fettschweins über 3 Zentner Lebendgewicht 55—58 Ji, b) vollfleischige der feineren Rassen und bereu Kreuzungen über 2% Zentner Lebendgewicht 54—56 Ji, c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzllngen bis 2^ Zentner Lebendge­wicht 51 bis 55 Jt, b) fleischige Schweine 48 bis 51 X, e) ge­ring entwickelte Schweine 52 bis 54 Jt, f) Sauen 42 bis 43 Ma^k.