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Jen schienen, kamen die anderen bei dem Steinbruche be­schäftigten Arbeiter herbei und setzten sich durch eine schma­le, sreigebliebene Oeffnung mit den beiden Verschütteten in Verbindung. Da jeden Augenblick ein neuer Erdrutsch eintreten und auch diesen schmalen Schacht verschütten konnte, so sorgte man verständigerweise zunächst dafür, daß die unfreiwilligen Unlerweltbewohner bis zu ihrer Ret­tung keinen Mangel litten. Richt weniger als vierzehn Brote zu zehn Pfund, vierzig Liter Apfelwein, eine große Pastete, Butter, Eier sowie auch Tabak und Zündhölzer wanderten den Schacht hinab und gelangten in den Besitz der beiden Männer, die sich inzwischen dort unten ganz häuslich eingerichtet hatten. Dann begannen die Rettungs- arbeilen, die nun schon fast fünf Tage und ebenso viele Rächte ununterbrochen dauern, one jedoch bisher zum Ziele geführt zu haben. Fünf Rettungsschächte wurden in dieser Zeit gegraben, aber vier von ihnen wurden früher oder später durch eindringendes Wasser zerstört oder doch un­benutzbar gemacht, und erst beim fünften glückte es, gestern, bis auf zehn Meter Tiefe hinab zu gelangen. Es bleiben noch 16 Meter zu durchstechen, und man hegt lebhafte Be­fürchtungen, daß das Wasser, das das ganze Erdreich wie einen Schwamm durchtränkt, die Rettungsarbeiten noch­mals zunichte machen könnte. Wenn alles gut geht, hofft man in etwa einer Woche am Ziele angelangt zu sein und die beiden Verunglückten ans Tageslicht zurückzubrin­gen, falls sie bis dahin mit ihren 140 Pfund Brot und vierzig Liter Apfelwein gereicht haben.

Die Schätze einer Zigennerbande. Die Budapester Polizei nahm gestern einige Mitglieder einer Zigeuner- bande in ihrem Absteigequartier fest. Man fand bei ihnen in schmutzige Säcke genäht Goldstücke aus aller Herren Län­dern im Betrage von zweihunderttausend Kronen. Der Anführer der Truppe namens Adslbert Quec gab an, die Bande bestehe aus neun Familien, habe sich vor zwei Jahren in Warschau zusammengestellt und seither eine Rundreise durch Europa unternommen. Die Gesellschaft sei auf genossenschaftlicher Basis organisiert, die Männer fer­tigten kupferne Kessel an, die Frauen Teppiche. Ihr er­worbenes Geld trügen sie stets bei sich, weil sie zu den Banken kein Vertrauen hätten. Die Zigeuner werden vorläufig polizeilich überwacht.

Ein siebenfacher Lebensretter. Sieben Schulkinder vom Tode des Ertrinkens gerettet hat der Lehrer Schoen in Marienthal bei Fürstenberg i. M. Gelegentlich eines Spazierganges kam er an dem zugefrorenen Wentower See vorbei, auf dem sich eine Anzahl Schulkinder mit Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren vergnügten. Plötz­lich gab es ein verdächtiges Knacken und Knistern — sieben der Kinder waren eingebrochen. Lehrer Schoen rief den Verunglückten zu, sich möglichst an den Eisschollen fest­zuhalten und mit den Beinen recht tüchtig zu strampeln. Wer das tue, den würde er aus dem Wasser holen. Die Kinder befolgten diesen Rat, wodurch es dem Wackeren ge­lang, an alle sieben heranzukommen und sie nacheinander glücklich ans Land zu bringen.

Die Tortur der Zwerghnnde. In der vornehmen Ge­sellschaft der europäischen Hauptstädte herrscht seit einiger Zeit eine merkwürdige Vorliebe für Zwerghunde: die ele­gante Frau muß ein winziges Hündchen besitzen, das sich beim Spaziergange bequem im Muff tragen läßt. Aber die begeisterten Hundefreundinnen, die diese Miniaturhunde kaufen, pflegen und verhätscheln, wissen in den wenigsten Fällen, daß sie keineswegs eine kuriose Laune der Natur oder das Exemplar einer seltenen Hunderasse besitzen, son­dern wie die „Pall Mall Gazette" schreibt, nur die Produkte einer durch zielbewußte Grausamkeit künstlich hervorgeru- fcnen Degeneration und Verkümmerung. Die Züchter, die diese gebrechlichen Zwerghunde auf den Markt bringen, ge­winnen ihre Ware durch klug berechnete Kreuzungen, die von vornherein gewährleisten, da ßaus ihnen rhachitische und zwerghafte Geschöpfe hervorgehen werden. Die dege­nerierten kleinen Geschöpfe werden dann in ähnlicher Weise aufgezogen, wie die japanischen Gärtner Zwergbäume züch­ten: sic erhalten zu wenig Nahrung, um wachsen zu können. Das Hündchen erhält täglich eine einzige Mahlzeit: einen Teelöffel gehackten Fleisches, nicht mehr. Täglich werden die Hunde gewogen, und stellt sich dabei heraus, daß das Tier an Gewicht zugenommen hat, so wird die Nahrung ver­kleinert und zeitweilig überhaupt entzogen. Das rohe Fleisch befördert die Produktion von Magensäften, aber da die Nahrung nicht ausreicht, schädigen diese Säfte die Ma- geuwände, die Folge ist ein chronischer Katarrh. So ist das so anmutige und graziöse kleine Tierchen nichts wei­ter als ein Kranker, ein Invalide, der Hunger leidet, in den Nächten nicht schläft und bei der geringsten Erkältung dazu verurteilt ist, an einer eitrigen Lungenentzündung qualvoll zu Grunde zugehen oder zu erblinden.

Historische Büffel. Die Büffel, die in nahezu vollstän­diger Freiheit und halbwild in der römischen Campagna her­umstreichen, sind die letzten überlebenden Tiere der großen Büffelscharen, die zur Zeit der Völkerwanderung die barba­rischen Volksstämme von den Hochebenen Mittelasiens durch die endlosen Steppen bis nach Nom begleitet haben. Also behauptet Arnoldo Cervesato in einem in der „Illustrazione" veröffentlichten Artikel, worin charakteristische Episoden aus dem rauhen und wilden Leben des Agro Romano geschil­dert werden. Nächst der Operation der „Brandmarkung" der Büffel — man brennt ihnen mit einer glühend gemach­ten eisernen Stange ein Eigentumszeichen auf das Fell — ist die charakteristische Arbeit der Büffelhirten in den großen stallartigen Gebäuden des Agro das Melken, das oen römi­schen Milchhändlern täglich Hunderte von Hektolitern Milch verschafft. Man sondert die Büffelkühe von den kleinen Büffelkälbern und treibt dann Kühe und Kälber in zwei verschiedene Remisen. Zwischen den beiden Stallabteilen stehen die Büffelhirten mit den Melkeimern. Die Kühe werden angekettet, damit sie sich nicht bewegen: der Sicher­heit wegen stellt man neben die Tiere noch Hirtenjungen, die den Auftrag haben, mit einem Stocke loszuschlaqen, so­bald das Tier unruhig wird und sich zu rühren beginnt. Der berittene Sirte ruft die Kuh, die gemelkt werden soll, mit Namen auf In diesem Augenblick beginnt das zu der Kuh gehörige Büffelkalb, das den Namen der Mutter ge­nau kennt, zu muhen und sich an den Holzzaun des Kuh­stalles zu drängen. Der Hirt öffnet ihm die Tür, und das Kälbchen eilt zur Mutter und beginnt zu saugen. Kaum hat aber die Kuh angefangen, Milch zu geben, so wird das Kalb durch einen Stockhieb auf die Schnauze davongeiagt, worauf der Melker das von dem Kälbchen begonnene Melk­geschäft fortsetzt.

Koreanische Steinkämpfe. Ueber einen interessanten Svort, der kein Seitenstück in einem anderen Lande hat. berichtet die „Deutsche Japan-Post" aus Korea. Schon seit alter Zeit ist der Steinkampf in Korea beliebt, und von einem König der Koryu-Dynastic wird berichtet, daß er Menschen irp Palast anbinden ließ, um sich an ihnen als Zielscheibe zu üben. Das Spiel wird im Anfang des Jah­res gespielt, wenn die Felder leer sind und das Volk nichts weiter zu tun hat, und bietet Ersatz für Schauspiel und Oper. Früher war es Sitte, daß einer, der am Boden lag. nicht weiter getroffen werden durfte, heute ist man schon etwas roher geworden und gibt keinen Pardon mehr. Im Bezirk Pyenyang gibt es die besten Steinwerfer, die in wei­ten Entfernungen von einander stehen und werfen, im Be­zirk Songdo benutzt man große, im Bezirk Seoul kleinere

Keulen. Ganze Ortschaften verbinden sich und schicken sich gegenseitig Herausforderungen zum Steinkampf. Ueber Nacht richtet man Keulen, Schutzhelme aus Stroh, und Pol­ster für die Schultern her, und am Morgen spielen die Kna­ben eine Art Pantomime, während die Aelteren sich zum Streite rüsten. Ain Nachmittag sind die Hügel ringsum mit Tausenden von Zuschauern besetzt, die durch Zurufe die Kämpfer anspornen, bis sie wild gegeneinander anrennen und sich mit Würfen vor- und znrücktreibcn Dann treten wieder Zwischenpausen ein, in denen Zweikämpfe stattfin­den, und hier gibt es manchmal blutige Opfer. Die Kämpfe werden am heftigsten gegen Einbruch der Nacht, weil jeder der Gegner in der Nacht das Schlachtfeld behaupten will. Dann wogt der Kampf mit den Keulen auch manchmal in die Zuschauermenge hinein. Die einzelnen Orte sind ebenso stolz auf ihre besten Kämpfer wie europäische und ameritani- sche Städte stuf ihre besten Turner, Boxer oder Läufer usw. Mancher reiche Mann aus einem Orte sucht auch den besten Kämpfer aus dem nächsten Orte durch reiche Geldspenden zu bewegen, für seinen eigenen Ort zu kämpfen. Wenn das herauskommt, bietet die Gegenseite auch Geld, und cs beißt, daß solch ein guter Kämpfer elf Monate im Jahre bequem leben könne, wenn er seinen Kopf im letzten Monat ris- kieren wolle. Seine Tapferkeit hat also baren Geldwert.

Einen staatlich organisierten Massenkampf gegen die Mücken, die sich in einzelnen Teilen Süddeutschlands sehr lästig machen, hat die badische Negierung in die Wege ge­leitet. Die Schnaken sind besonders im oberen Rheintale und hier wieder speziell auf der badischen Seite zu einer wahren Landplage geworden. Auch Straßburg. Worms, Ludwigshafen und die vberelsässischen Rbeinorte klagen von Jahr zu Jahr mehr über das Ungeziefer, dessen Schlupf- winkel im Sommer die vom Nheinstrom verlassenen Krüm- mungen mit ihren sumpfigen Rückständen bilden, meiOrenb sie sich im Winter in die Städte zurückiehen und hier in den Kellern überwintern. Diele überwinternden Tiere sind fast ohne Ausnahme befruchteten Weibchen, die im Frühjahr sofort mit dem Eierlegen beginnen. Da jede einzelne Schnake jährlich sieben Millionen Nachkommen haben kann, so ist es einleuchtend, daß, wenn die Winterschnaken nicht in ausgiebigem Umfange vernichtet werden, eine noch viel größere Schnatenplage für das neue Jahr zu erwarten ist. Schon im vorigen Jahre haben die Bewohner der Rhein- orte -ganz auffällige, geradezu beängstigende Erlebnisse mit Schnaken gehabt. An feuchtwarmen Sommerabenden stie­gen ungeheure Schwärme in die Fnft, so daß die wolken- ähnlichen Gebilde zuweilen den Himmel förmlich verfin­sterten. lieber Mannheim erschienen an einem Abend im Verlauf weniger Stunden über 40 solcher Schwärme, die in die Häuser eindrangen, sich auf Menschen und Tiere nccdcrließcn und alles in der jämmerlichsten Weise zer­stachen.' In Städten mit einem zahlreichen Fremdenverkehr bedeutet unter diesen Umständen die Schnakenplage gerade­zu eine Kalamität. Aus diesen Gründen hat die badische Regierung angeordnet, daß durch die Hausbesitzer allgemein die Keller ansgeräuchert oder mit einem in Spiritus ge­tränkten brennenben Wattebausch gründlich abgeflammt werden. Die getroffenen Maßnahmen versprechen Erfolg, wenn sie allgemein durchgeführt werden. Im Elsaß ist man ebenfalls auf behördliches Anraten zu einem Abflammen der Kellerwände übergegangen.

Pos Gesänanig der Generale.

Die Stadt Kiew kann sich, wie der „Tgl. Rdsch." aus Petersburg geschrieben wird, eines eigenartigen Vorzuges rühmen. Sic verfügt über ein Gefängnis, das im Gegen­satz zu anderen mit einer sehr vornehmen Gesellschaft ge­füllt ist. Der geringste Mann, der hier eingesperrt ist, ist Major. Es befinden sich aber auch viele Generale und An­gehörige des hohen Adels bis hinauf zu den Fürstenge- schlechteru dort. Die Annahme, daß man hier gleichsam ein Svudcrgefängnis für höher gestellte Kreise ganz Rußlands geschaffen hätte, ist aber falsch, es handelt sich vielmehr nur um solche Insassen, die bei der großen Senatorenrevision, besonders bei der Revision des Senators Garin, ertappt worden sino. Um solche also, die bei den Intendanturen, bei Kriegslieferungen und bei ähnlichen militärischen Ein­richtungen Millionen „verdient" d. h. unterschlagen haben.

Da findet sich ein Major, der zwar aus Feigheit ein Duett verweigerte um nicht in den Krieg ziehen zu müssen, der aber trotzdem als Intendant noch angestettt wurde und es verstand, die Heeresverwaltung erheblich zu erleichtern. Er war einer der großartigsten Organisatoren des Schwin­dels . Atte Militärlieferanten lernten bei ihm das Betrü­gen. Es ist Der Major Rajnowski. Da ist ferner der Ge­neral Warinow, der früher in der Krim seine Meisterstreiche verübte. Ein wahrhaft „teurer" Offizier, denn er kostete dem russischen Staat nicht weniger als sieben Millionen Rubel, die er während der Kriegszeiten verdient hatte. Da sind ferner Generale aus Moskau, aus Odessa, aus dem Priar- murgebiet, aus dem Kaukasus, zwei Obersten von Leibre­gimentern, hohe Perwaltungsbeamte, Staatsräte und aller­lei andere hohe Tiere, die jetzt in Beschaulichkeit und Muße über die Art, wie man sich Reichtümer erwirbt, nachoenken können. Zwei Generale ferner stammen aus den alten fürstlichen Familien Barussow und Sarkoi. Es sind echte „Knjäse", die es mit ihrer fürstlichen Würde für vereinbar hielten, in Kriegs- und Friedenszeiten alles Bewegliche zu stehlen. Naturgemäß führen diese Herren ein heiteres und fröhliches Leben Man hört ganz im Gegensatz zu anderen russischen Gefängnissen, wo Jammern, Stöhnen und Peit­schenhiebe an der Tagesordnung sind, Pfeifen und Lachen, und man erzählt sich, oaß Kartenspiel an der Tages- und Nachtordnung ist, daß ein großer Saal sogar zum Kasino der Nutersuchungsgefangenen „umgearbeitet" worden ist, und daß der Gefängnisdirektor sehr beglückt ist, wenn einer der Delinquenten ihn einer Ansprache würdigt. Es kom­men in letzter Zeit auch merkwürdig viel Bahnsendungen an, große Kisten, auf denen ein Glas aufgemalt ist, und die Inschrift steht: „Vorsicht! Zerbrechlich!"

Wan kann daraus ersehen, mit welcher Sorgfalt das Mütterchen Rußland auch für seine Gefangenen sorgen kann, wenn es will. Ein „Gefängnis der Generale" ist und bleibt aber für alle Zeiten eine russische Errungenschaft.

Die Katastrophen auf Unterseebooten.

203 Menschenopfer.

Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hat das Unter- seebvotwescn schon eine ungeheure Anzahl von Menschen­opfern gefordert, an denen alle großen Nationen, die Unter­seeboote in ihrer Kriegsmarine haben, beteiligt sind. Die erste Katastrophe ereignete sich im Jahre 1903, wo an Bord des englischen Unterseebootes „A I" eine Gasolinexplosion 7 Menschenopfer forderte. Während bei dieser Katastrophe die Besatzung nur schwere Verwundungen erlitt, büßte im nächsten Jahre am 18. März 1904 die Besatzung desselben Unterseebootes bei einet Katastrophe ihr Leben ein. Das Unterseeboot wurde von einem Postdampfer zum Sinken gbrächt wobei 11 Menschen umkamen. Am 16. Februar des nächsten Jahres ereignete sich wiederum auf einem eng­lischen Unterseeboote „A 5" eine Gasolinexplosion, die 14 - Opfer hatte, 6 Menschen wurden nämlich getötet und 8 schwer verwundet. Die., englische Marine wurde noch im selben Jahre von einer anderen Unterseebootskatastrophe betroffen. Am 8. Juni 1905 sank nämlich das Unterseeboot „A 8" im Hafen von Plymouth, wobei 15 Menschen ihr Leben verloren. Drei Wochen später am 6. Juli 1905 sank das französische Unterseeboot „Farfaledt" im Hafen von Bi- serta, wobei 14 Menschen getötet wurden. Einen viel grö­ßeren Verlust brachte dasselbe Jahr der russischen Marine,

wo das Unterseeboot „Delphin" bei Kronstadt sank und 26 Menschen in das nasse Grab zog.

Das Jahr 1906 hatte nur eine Untcrseebootskatastrophö an verzeichnen. Am 16. Oktober ging nämlich das franzö­sische Unterseeboot „Luttien" unter. 15 Menschen wurden getötet. Das Jahr 1907 brachte wieder der englischen Ma­rine durch eine Gasolinexplofion auf dem Unterseeboot „C 8" am 13. Juli einen Verlust von einem Offizier und 2 Matrosen. Das Jahr 1908 war der Marine günstig. Im Jahre 1909 sank das englische Unterseeboot „C 11" in der Nordsee und verursachte den Tod von 13 Mann der Be­satzung- Rußland verlor im selben Jahre durch den Unter­gang des Unterseebootes „Kambala" im Schwarzen Meere 17 Menschen. Auch Italien hatte in diesem Jahre einen Verlust durch eine llnterseebootskatastrophe zu verzeichnen. Am 26. April 1909 kamen nämlich durch eine Gasolinerplo- fion auf dem Unterseeboot „Foca" 13 Menschen ums Leben. Einige Monate später kam das russische Unterseeboot „Dra­kon" durch eine Explosion in Brand, bei dem 17 Menschen schmor verwundet wurden.

Im Jahre 1910 hatte Japan in der Bucht von Hiro- chima durch den Verlust des Unterseebootes Nr. 6 16 Men­schenopfer zu verzeichnen. Die schwerste Tragödie ereignete sich am 26. Mai 1910 bei dem Untergang des französischen Unterseebootes „Pluviose", das durch den Dampfer „Pas de Calais" gerammt wurde und untersank. Dabei kamen 27-Menschen ums Leben. Aus dieser Uebersicht geht her­vor, daß Deutschland bisher von Unterseebootskatastrophcu verschont worden ist. Am schwersten litt England, luo durch die Unterseeboote bisher 63 Opfer zu beklagen sind. Miifc laud hatte bisher 60 Opfer zu beklagen, Frankreich 56, Ita­lien 13 und Japan 16.

Einer der Geretteten des U 3 schildert die Katastrophe folgenderumßen: Wir waren im Begriff, gerade unter Wasser zu gehen, als wir morsten, daß das Boot außer Manövrierfähigkeit gesetzt war. Zu gleicher Zeit drang Wasser in die inneren MbtcUungeu ein. Trotzdem wir versuchten, den Schwebekiel los zu machen, gelang es uns nicht, wieder nach oben zu kommen. Die Mannschaften versammelten sich sofort in der vorderen Ab­teilung an dem vorgcfchricbcncn Zufluchtsort. Mit dem Turm, in dem Kapitänleutnant Fischer, Leutnant zur See Kalbe und 9hibcrgaft Nieter befanden, konnten wir keine Verbindung mehr aufrecht erhalten. Die Telephoubvje, die wir answarfen, funktionierte zuerst ausgezeichnet, scheint aber später durch das Versehen eines der Matrosen be­schädigt worden zu sein. Später erhielten mir fortgesetzt von oben her Notluft, sodaß einigermaßen ein Wechsel der Luft eintreten konnte. Sonst hätten mir cs unmöglich so­lange ausgehalten. Wir wurden durch ein Tau das mau uns durch eines der Torpedo-Lancierrohrc zusteckte, mit der 9tnßenwelt in Verbindung gebracht. Dann wurde einer nach dem andern von uns durch ein Torpedo-Lancierrohr an die frische Luft befördert. Wir haben gestern noch alle unsere Angehörigen selbst davon benachrichtigt, daß wir heil davon gekommen sind.

Wie opfermutig die Turminsasseu ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um das ihrer Kameraden zu retten, ver­anschaulicht folgender Bericht. Der Unfall ist nach Auskunft der Warineftatton der Ostsee dadurch entstanden, daß das Hinterschiff irgend eine Lecktage erhalten hat, und zwar ist wahrscheinlich ein Ventilationsschieber undicht geworden. Als das Wasser einströmte, ging die Besatzung immer weiter nach vorn und schloß die jeweils verlassene Abteilung hinter sich ab. Als der Komucaudant die Größe der Gefahr er­kannte, brachte er das Boot in die Schräglage, und zwar so, daß das Vorderschiff hoch aus dem Wasser ragte. Damit schnitt er aber sich und dem bei ihm weilenden Leutnant den eigenen Rückzug ins Boot und den Weg zur Rettung ab. Mit der Marine betrauert das ganze deutsche Volk den Tod der drei Männer.

Drahtnachrichten und neuestes.

Reileidskttndgcbnngcn des Auslandes.

Berlin, 19. Januar. Aus Anlaß des Unglücks des Unterseebootes II 3 haben Präsident Fallieres und Mini­ster Pichon den französischen Botschafter in Berlin beauf­tragt, der deutschen Negierung das Beileid der französischen Negierung und ihr eigenes Beileid auszusprechen. Der Marineminister beauftragte den französischen Marineatta- chee in Berlin, dem Staatssekretär des Neichsmarineamts das Beileid der französischen Marine zum Ausdruck zu bringen. Auch die italienische und die dänische Regierung haben ihr Beileid ausdrücken lassen.

Origineller Streit in einer Stadtverwaltung.

Berlin, 19. Januar. Zwischen dem Magistrat von Wil­mersdorf und dem dortigen Stadtverordnetenvorsteher Pro­fessor Leidig ist ein Konflikt ausgebrochen, wie er in der kommunalpolitischen Geschichte Großberlins einzig dasteht. Der Magistrat hat gegen Dr. Leidig bei der Staatsanwalt­schaft Strafantrag wegen Beleidigung des Magistrats ge­stellt. Die Beleidigung bestand darin, daß Leidig die Aeuße­rung getan haben soll, die Erklärung der Magistratskom­mission sei wie ein Geschnatter von Gänsen gewesen.

Mordanschlag im Berliner Grunewald.

Berlin, 19. Januar. Im Grunewald wurde gestern auf einen sich besuchsweise in Berlin aufhaltenden jungen Kaufmann namens Schwenke ein Mordanschlag verübt. Zwei in knieender Stellung befindliche junge Leute gaben, als er sich ihnen näherte, Schüsse auf ihn ab, durch die er an der Stirn und unterhalb des Herzens getroffen wurde. Er blieb bewußtlos eine Zeit lang liegen. Als er erwachte, entdeckte er, daß er völlig ausgeraubt war.

Zusammenstöße zwischen Förstern und Wilderern.

Eöln, 19. Januar. In der Nähe von Cöln kam es in den letzte» Tagen mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Wilddieben und Förstern. In einem Falle wurden von mehreren Wilddieben Schüsse auf einen Förster abgefeuert, worauf dieser sich zur Wehr setzte und einen Wilddieb schwer verwundete. In einem anderen Falle wurde ein berüch­tigter Wilddieb von einem Förster erschossen.

Aus Unvorsichtigkeit erschossen.

e-£ Straßburg i. E, 19. Januar. Gestern vormittag erschoß sich auf den Schießständen der Hauptmann Finger­hut von der 3. Batterie des 10. Fußartillerieregiments. Der Hauptmann war beobachtet morden, wie er mit der Pistole. spielte, wobei anscheinend die Waffe unversehens losgegan­gen ist.

Gefährlicher Grubenbrand.

&■* Kattowitz, 19. Januar. Auf der Grube Casimir bei Sosnowice entstand gestern ein großer Grubenbrand, dessen Entstehungsursache unbekannt ist. Vier Bergleute fanden den Tod durch Ersticken, da sie sich aus dem Bereich der giftigen Gase nicht mehr retten konnten. Die gleiche Ge­fahr bestand für 400 Bergleute, die sich beim Ausbruch des Brandes in der Grube befanden. Es gelang ihnen jedoch, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringeu.

Die Pestepidemie in der Mandschurei.

Petersburg, 19. Januar. In allen Städten der Mandschurei sind viele Pestfälle zu verzeichne«. Ganze Dör­fer sind ausgestorben. Die Europäer verlassen die Städte. Handel und Verkehr stocken. Die Seuche nimmt zu. Ist einigen Orten sterben täglich mehrere Hundert Leute.

Aus der Umgebung Abdul Hamids.

Saloniki, 19. Januar. Die erste Favoritin des Ex­sultans Abdul Hamid ist gestern infolge Zuckerkrankheit und eines Herzleidens verschieden. Ihr Begräbnis gab Anlaß zu dem Gerücht, Abdul Hamid selbst sei gestorben, weshalb der Korpskommandant sofort ein Rundschreiben er= ließ, das den Sachverhalt klarstellte. Abdul Hamid war sehr niedergeschlagen und begleitete den Sarg bis zum Tor seiner.Villa.