Hretzener Beituna
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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
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Expedition: 5eltersweg83.
lHaus Brüder Schmidt.)
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Nr. 238. Telephon: Nr. 362.
Dienslag, den 19. Dezember 1911.
Telephon: Nr. 362. 23. HühlA.
Reichstagswahlen 1912.
— Offenbach. Als nationalliberaler Kandidat für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg wurde der frühere Oberbürgermeister von Offenbach, Brink, aufqe- stellt.
— Im Reichstagswahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schot- ten hat die Wirtsch. Bereinigung den seitherigen Vertreter des Wahlkreises, Bindewald, wieder als Kandidaten ausgestellt.
— Mainz. Wie verlautet, beabsichtigen die hiesigen Nationalliberalen, nachdem sich die Kandidatur Dr Bamberger zerschlagen hat, Herrn B a s s e r m a n n als Kandidaten aufzustellen.
“ Main z. Die Fortschrittliche Volkspartei be= schloß, mit der nationalliberalen Partei keinen gemeinschaftlichen Kandidaten aufzustellen, sondern bei der Neichstagswahl mit einem eigenen Kandidaten vorzugehen.
— Mai nz. Die Nationalliberalen stellten als Kandidaten Herrn Oberlehrer Dr. Otto K e l l e r-Ovven - heim auf.
— Im Wahlkreis W e tzlar-Altenkirchen ist zwischen den Christlich-Sozialen, der Fortschrittlichen Volkspartei unb den Konservativen vereinbart worden, die öffentliche Wahlagitation in der Zeit vom 23. bis 28. Dezember sowie am 31. Dezember und 1. Januar ruhen zu lassen. Die Zentrumspartei stellt ihre Wahlagitation für dieselbe Zeit ein mit Ausnahme des 1. Januar, an welchem sie eine Vertrauensmännerver - sammlung und daran anschließend eine öffentliche Versammlung abhalten will. -Die Sozialdemokratie will ihre öffentliche Agitation ruhen lassen vom 22. bis 26. Dezember. Von den in Frage kommenden Parteien haben nur die Nationalliberalen die Anregung, einen „Waffenstillstand" für die Feiertage zu vereinbaren, ablehnend beantwortet.
— Limburg. Bürgermeister Neu^-Selters, der vom Zentrum als Reichstagskandidat aufgestellt wurde, hat auch die Unterstützung des Bundes der Landwirte.
— Köln. Die Nationalliberalen werden als Kandidaten den Führer der Jungliberalen, Rechtsanwalt F a l k aufstellen, der auch von der Fortschritt!. Volkspartei unterstützt wird. Die Konservativen verhandeln mit den Christlich-Sozialen wegen Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten, als welcher der christliche Arbeiterführer Behrens in Betracht kommt.
— Wiesbaden. Die deutsch-nationale Partei hat einstimmig beschlossen, für die Kandidatur Bartling einzutreten.
— Hanau. Das Zentrum hat die Ausstellung einer eigenen Kandidatur für den Wahlkreis Hanau— Gelnhausen^—Orb beschlossen und als Kandidaten den Redakteur G e i s-Aschaffenburg bestimmt.
— Breslau. In einer in Maltsch im Reichs- tagswahikreis Breslau-Land veranstalteten liberalen Wählerversammlung wurde einer der Führer der konservativen Partei, Amtsvorsteher Töpffer während seiner Rede von einem Schlaganfall betroffen und war sofort tot.
— Kreuznach. Chefredakteur Dr. O e r 1 e l (B.
d. L.) soll seinen Rücktritt von der Kandidatur im Reichstagswahlkreise Kreuznach-Simmern erklärt haben.
— Bei früheren Reichstagswahlen ist es in einzelnen Fällen vorgekommen, daß Personen unter falschem Namen oder mehrfach in verschiedenen Wahlbezirken gewählt haben. Eine solche Handlungsweise ist strafbar und wird mit Gefängnis bis zu 2 Jahren bestraft. Auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte anerkannt werden. Jeder Wähler darf nur in einem Wahlbezirke und bei der Haupt- und Stichwahl nur in dem gleichen Wahlbezirke wählen.
Nur Stadt und Land.
Giehen, 19. Dezember 1911.
n G i e h e N. Der Eroßherzog empfing am Samstag den Spezialarzt Dr. Klein und den Architekten Müller von hier in Audienz.
n G i e ß e n. Die Hauptversammlung des landw. Provinzialvereins für Oberhessen findet nächsten Donnerstag im Lenzschen Felsenkeller statt. Es steht ein Antrag des Kreisvereins Alsfeld auf Auflösung des Provinzialvereins zur Beratung.
* Der Oekonom Holzmann vom Landeszuchthaus M a r i e n f ch l o ß ist als Aktuariatsaffistent nach Groß- Gerau an die Stelle des inzwischen aus Herbstein verschwundenen Mtuariatsassistenten Gabelmann versetzt worden. Die mit nahezu 4000 Mk. dotierte Stelle Holz- manjns wird nicht mehr besetzt, sondern durch einen Rechner mitverwaltet.
n Gießen. Eisenbahnpersonalien. Gütervorsteher Scholz wurde von Gießen nach Frankfurt a. M., der Gütervorsteher Krautwurst und der Bahnhofsvorsteher Langkheinz von Darmstadt nach Gießen, und der Gütervorsteher Knapp von Bebra nach Gießen versetzt.
n G i e h e n. Ein 18jähriger Bursche aus Klein- Linden fiel dieser Tage Werbern der französischen Fremdenlegion in die Hände, denen es bereits gelungen war, ihn zum Mitgehen zu bewegen. Glücklicherweise kamen die Eltern des betreffenden jungen Mannes noch rechtzeitig hinter sein Vorhaben und ließen ihn gerade, als er abreisen wollte, durch die Polizei auf dem Bahnhof von den seinen fremden Herren trennen.
n G i e h e n. Bei dem am 13. Januar 1912 im Stadttheater geplanten Wohltätigkeitssest zum Besten des Gießener Säuglingsheims, bei dem nunmehr die Lokalfrage eine befriedigende Lösung gesunden hat, hat das Großherzogspaar seinen Besuch in Aussicht gestellt.
n Gießen. Der frühere Streckenarbeiter Ludwig 6p lief zu Gießen erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit". — Zum Schaffner ernannt wurde Luh 2. in Gießen. — Versetzt wurde der Gütervorsteher R. Ploch von Gießen nach Darm - stadt. — Vahnmeisteraspirant Hintze in Gießen bestand die Prüfung zum Bahnmeister.
n G i e ß e n. Der Skiklub Wintersport Gießen wird diesen Winter erneut Schneeschuhwettläuse auf den, Ho- herodskopf veranstalten. Am Samstag, den 27. Jan., findet der große Dauerlaus über 10 Kilometer statt. Der Hauptrenntag ist der 28. Januar.
n Gießen. Unter der Schriftleitung von Pfarrer Vechtolsheimer wird vom 1. Januar 1912 ab ein eige- nes Gemeindeblatt für die evangelische Gemeinde, das deren kirchliche Interessen vertreten soll, erscheinen. Das Organ wird vorerst wöchentlich verausgabt.
n Gießen. Das neue Adreßbuch ist sertiggestellt und wird von jetzt ab zur Ausgabe gelangen.
o Lauterbach. Das Gesamtvermögen unserer Stadt beträgt nach den neuesten Feststellungen 1 110 600 Mark. Da 802 000 Mark an Schulden vorhanden sind, so beträgt das Reinvermögen 308 600 Mark.
o Oberursel. Das Drama in der Familie Sauer hat nunmehr ein drittes Opfer gefordert. Auch der 7jährige Adolf ist im Homburger Krankenhause seinen Verletzungen erlegen.
s O s f e n b a ch. Der städtische Kartoffeloerkaus hat einen Umsatz von zirka 21 000 Zentnern im Großver - kauf und außerdem einen solchen von 7 Waggons im Kleinverkauf erreicht.
s Offenbach. Die Sammlung für die Weihnachtsbescherung an bedürftige und würdige Kinder unserer Volksschulen ergab neben vielen Kleidungsstücken, die als Geschenke gestiftet wurden, den Betrag von Mk. 3691,80.
5 D a r m st a d t. Die größten Städte Hessens sind ihren Beamten dahin entgegengekommen, daß m der Zukunft die monatlichen Gehalte im voraus ausgezahlt werden und zwar im Monat Dezember schon längstens am 23. Dezember.
s Darmstadt. Die Landwirtschaftskammer ist bei der Regierung vorstellig geworden, es möchten in einem von Maul- und Klauenseuche betroffenen Gebiete unverzüglich Versuche mit Eugosorm angestellt werden.
s Darm st ad t. Der 35jährige praktische Arzt Günther in Ober-Roden wurde wegen Sittlichkeitsver- brechen während der Sprechstunde an teilweise noch schulpflichtigen Mädchen begangen, zu einem Jahr und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
!) Nieder-Ingelheim, 19. Dez. Gestern wurde hier von der evangelischen Gemeinde ein neuer Pfarrer gewählt. Sämtliche Stimmen sielen auf Pfarrer Korrell- Königstätten.
! Bingen. Der älteste Kriegsveteran Bingens und des ganzen Großherzogtums, Adam Werner, ist hier im Älter von 85 Jahren verschieden.
r W e tz l a r. In der Sitzung des Vorschuß- und Kredit-Vereins wurde beschlossen, daß der alte Vorstand und Aufsichtsrat zur Zahlung von 25 000 Mark anzuhalten sei, ferner zur Tragung der Kosten. Die Beklagten sollen sich mit diesem Vorschlag binnen 8 Tagen einverstanden erklären, andernfalls der Prozeß fortgesetzt werden soll.
r Wetzlar. Bein, Geschäftsgang aus dem Weihnachtsmarkle hat eine Anzahl von Finnen einen starken Rückgang bei der Landkundschast betreffs des Umsatzes seststellen müssen, während die Zahl der Käufer gegen früher nicht gesunken ist. Man führt diese Erscheinungen aus die Schädigungen der Landwirtschaft durch die Maul- und Klauenseuche zurück.
r W e tz l a r. Die Buderusschen Eisenwerke verteilten bei gleichen Abschreibungen wie im Vorjahre eine Dividende von 6 Prozent aus das durch die Verschnrel zung mit der Zeche Massen erhöhte Aktienkapital von 22 000 000 Mk.
r Wetzlar. Die Ehefrau des Zimmermeisters H. S. von Steindorf erhielt vom Schöffengericht eine Slrose von 1 Mark, weil sie dem zustänvigen Schornsteinfeger den Zutritt nicht gestattete.
):( Braunfels. Fürst Georg Friedrich hat dem Solmser Stift 1000 Mk. überwiesen und dem Turnverein Braunfels den Turn- und Spiecolatz geschenkt.
):( Vom Westerwald. Der Versand der Christbäume, der von hier hauptsächlich nach den Städten am Rhein geht, hat jetzt wieder begonnen. Viele Besitzer von wertlosem Trieschland, das sonst keinen Ertrag brachte, haben dieses in den letzten 10 bis 15 Jahren mit Tannenbäumchen bepflanzt, die nun als Christbäume ein hübsches Stück Geld einbringen.
):( Marburg. Verhaftet wurde ein Schuldiener der hiesigen höheren Mädchenschule, der sich unsittliche Verfehlungen soll zuschulden kommen haben lassen.
yrr Marburg. Als besten Platz für das Kreiskriegerdenkmal hat Professor August Gaul den Marktplatz vor dem Rathause erklärt, allerdings müßte der Marktbrunnen dann verschwinden.
):( Marburg. In der Nacht zum Samstag hat sich ein junges Mädchen an der Schützenpfuhlbrücke in die hochgehende Lahn gestürzt und ist ertrunken.
Geschäftliches.
)( Das Wich 1 igste beim Backen ist ohne Zweifel das Triebmittel. Ist dieses gut, dann wird auch das Gebäck gut, ist dieses aber schlecht, dann wird auch das Gebäck schlecht. Das sollte jede Hausfrau bei der Herstellung ihres Weihnachtsgebäckes doppelt bedenken und deshalb in der Wahl des Triebmittels ganz besonders vorsichtig sein. Als ein unbedingt zuverlässiges und sicheres Triebmittel hat sich immer das echte „Hansa-Backpulver" erwiesen, das auch in diesem Jahre die beste Garantie für ein prachtvolles Gelingen des Weihnachtsgebäckes bietet.
titerarisches.
? Ein Ereignis auf dem weiten Gebiete des deutschen Iugendschriftenmarktes bedeutet das jedesmalige Erscheinen eines neuen Jahrgangs der mehrfach preisgekrönten Iugendschrist: „3 m For st hause Falkenhorst". Erzählungen und Schilderungen aus dem Leben im Bergforsthause und im Bergwalde von Albert Kleinschmidt. (Preis jedes Jahrganges gebunden Mk. 4.-.) Verlag von Emil Roth in Gießen.) In prächtigem Leinenband mit reicher Gold- unb Farbenpressung präsentiert sich der neue soeben erschienene 5. Jahrgang mit 4 feinen Farbendruckbildern und zahlreichen Tertillustrationen als eine der vornehmsten diesjährigen Weihnachtsgaben für Knaben und Mädchen im Alter von 10-16 Jahren. Än- ziehend, ja spannend und dramatisch bewegt, führen die Erzählungen den Leser ganz unvermerkt mitten in das Leben der Natur hinein, eine Fülle naturgeschichtticher Kenntnisse vermittelnd. Bunte farbenprächtige Bilder sind es, die an seinem Auge vorüberziehen, Iagdszenen voll packender Anschaulichkeit, doch ohne romanhafte Uebertreibung, idyllische Stilleben im Wald und auf der Wiese, im Tierpark, Wanderungen in der freien Natur, gemütliche Plauderstündchen beim Onkel Oberförster, Entdeckungsreisen im Forstrevier usw. Immer und überall spricht aus den Werken eine feine und reiche Beobachtungsgabe und eine tiefe leidenschaftliche Liebe zur Natur, besonders zur Tierwelt, ein großes Verständnis für ihre Schönheiten, wie für ihre Bedürfnisse. So kann es nicht wundernehmen, daß die Lektüre eines dieser Bände — jeder ist für sich abgeschlossen und einzeln käuflich - auch Verlangen nach den anderen Bänden zeitigt Eine ganz erquisite Festgabe bilden die 5 Bände zusammen im Futteral, worauf ganz besonders hingewiesen sei, da sie auf einmal bezogen, sowohl direkt vom Verlag wie durch jede Buchhandlung, statt für Mk. 20.- für nur Mk. 16.— geliefert werden.