flerer eines Postamts in Nürnberg. Er erfreute sich LeS größten Vertrauens seitens seiner Vorgesetzten und Kollegen. Und doch hat er seit dem Jahre 1904 aus der Kaste etwa 40 000 Mark entwendet, und zwar geschah dies trotz der Revisionen in einer ebenso dreisten wie verhältnismäßig einfachen Weise. Kämmerer hatte die vereinnahmten Gelder in das Postkassabuch einzutragen und ebenso den Giroverkehr der Post mit der Hauptbank zu erledigen. Am 10., 20. und letzten Tag jeden Monats mußte er Kassensturz machen und die Kastenbücher abschließen. Die Nachweise über den Kassensturz mußten der Oberpostoirektion samt den Kassenbüchern vorgelegt werden. Nun manipulierte der Angeklagte in folgender Weise. Er setzte stets den Barbestand der Kasse um so viel höher ein, als der durch die Unterschlagungen entstandene Fehlbetrag ausmachte. Kam der Nevisionsbcamte, so trug Kämmerer einen entsprechenden Betrag als Vorschuß an die Postanweisungsauszahlstelle in die Ausgabe ein, und somit stimmte der Kassenbestand mit dem Kasseusoll. Während der Revisor weiter revidierte, was ungefähr eine Stunde Zeit in Anspruch nahm, entnahm Kämmerer hinter dem Rücken des Beamten den eingetragenen Vorschuß der Kaste und händigte ihn dem Schalterbeamteu gegen Quittung aus. Bei der daraus folgenden Kontrolle des Schalters durch den Nevisionsbeamten ergab sich dann natürlich, daß der verbuchte Vorschuß auch wirklich geleistet war. Damit die Unterschleife nicht entdeckt wurden, hatte Kämmerer seit dem Jahre 1904 keinen Urlaub mehr genommen. Im Oktober 1910 wurde er veranlaßt, das doch endlich einmal zu tun. Am 24. Oktober sollte er früh morgens die Kasse seinem Stellvertreter übergeben. Er erschien aber nicht auf dem Postamt sondern stellte sich freiwillig der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte gab an, daß er für seine Person wenig gebraucht, daß ihn aber seine Familie viel gekostet habe. Die Geschworenen erkannten den Angeklagten schuldig der Amtsunterschlagung, billigten ihm aber mildernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf zwei Jahre, zwei Monate Gefängnis. ______________________________________
vermischtet.
Kaiserliche Auszeichnung eines zwölfjährigen Knaben.
Eine ganz besondere Auszeichnung durch den Kaiser ist dem zwölfjährigen Sohne Fritz des Polizeibeamten Deb- litz in Tilsit zureil geworden. 3ni April v. J. geriet der sechsjährige Sohn des Bauhofwächters Mäding beim Spielen am fiskalischen Hafen in die Gefahr des Ertrinkens. Der Kleine war i ndas Wasser gefallen, aber zahlreiche am Ufer stehende erwachsene Personen taten nichts für die Rettung. Da eilte der Schüler herbei, sprang mit voller Kleidung in das Wasser und brachte den mit den Wellen kämpfenden Jungen mit eigener großer Lebensgefahr glücklich aufs Trockene. Im Hinblick darauf, daß sich die Erwachsenen untätig verhielten und sich durch einen Schulknaben beschämen ließen, hat der Kaiser dem jugendlichen Lebensretter die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr verliehen. Die Dekoration wurde ihm in der Schule in Gegenwart des Lehrers und des Rektors überreicht. Bei Erreichung des 18. Lebensjahres wird die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande nachfolgen.
Täglich 1000 Mark Steuern zahlt der Höchstbesteuerte der Berliner Bürger. Er verfügt über ein jährliches Einkommen von 3.6 Mill, und ist mit 144,200 Mr. zur Staatseinkommensteuer veranlagt. Dieser Zensit zahlt einschließlich der Gemeindeeinkommensteuer, Ergänzungssteuer und anderen Steuern in Berlin an Steuern täglich das erwähnte Sümmchen von 1000 Mark. Der Zweithöchstbesteu- erte mit 2.8 Mill. Mark Einkommen zahlt 112,400 Mark Staatseinkommensteuer, der Dritte mit 2.6 Mill. Mk muß 103,800 Mk. Staatseinkommensteuer entrichten, der Vierte mit 2 Mill. Mark kommt mit 80,800 Mark Staalseinkom- mensteuer davon, der Fünfte hat noch 69,000 Mark, der Sechste 68,800 Mk., der Siebente 67,400 Mk., der Achte 66,400 Mk., der Neunte 66,200 Mk. und der Zehnte 58,800 Mk. Staatseinkommensteuer für 1,470,000 Mark Einkommen zu zahlen.
Umgangssprache Lateinisch. Auch in Oesterreich sandte man jüngst Boten aus, um die Häupter der Staatsangehörigen zu zählen. An einem der letzten Tage waren nun die Revisoren in Wien an der Arbeit, um die zum Teil mangelhaft oder unrichtig ausgefüllten Anzeigebogen für die Volkszählung durch mündliche Vernehmung der Parteien zu ergänzen und zu berichtigen. Auf einem Anzeigebogen war als Umgangssprache „Lateinisch" angegeben. Der Revisor ließ die Partei, einen kleinen Schneidermeister, holen. Revisor: „Sie haben da Lateinisch als Umgangssprache angegeben? Was soll das heißen?" — Partei : „Ale, bitt' ich Ihnen, ist doch richtig. Beim „Umgang" (Prozession), was alle Jahr durch unsere Gassen geht, wird doch Lateinisch geredet." Natürlich brachten solche Spässe in die harte Arbeit der Revisoren etwas Heiterkeit.
Im Alter von 102 Jahren vor Schreck zu sterben, ist gewiß ein eigen-, wenn nicht gar einzigartiges Schicksal. Vor einigen Tagen brach in einem Pariser Greisenasyl ein Brand aus, so daß die gebrechlichen Insassen in aller Eile anderweitig hin überführt werden mußten. Der Schreck wirkte bei vielen von diesen alten Leuten gewaltig nach und die, wenn der Ausdruck erlaubt ist, Nestorin unter ihnen, die Mutter Duc, die am 18. Februar 1809 das Licht der Welt erblickt hatte, konnte sich nicht wieder erholen und ist am Sonntag gestorben. Wie weit hätte sie es wohl ohne diese erschütternde Katastrophe bringen können?
Ein rätselhafter Mord wurde Dienstag früh in dem Hause Bessunger Straße 86 in Darmstadt entdeckt. Die etwa 9 Jahre alte Tochter Susanna der Eheleute Traub, die seit Montag nachmittag vermißt wurde, fand man tot in einen Sack eingenäht auf dem Boden des Hauses unter Seegras uub Stroh versteckt vor. Das Kind war Montag nachmittag zur Schule gegangen, war aber dort nicht eingetroffen. Es liegt vorläufig kein Anhaltspunkt über die Tat vor. Die Eltern sind tagsüber auf Arbeit, und nur die Mutter kommt zum Mittagessen nach Hause. Es ist noch ein zweites, Hjähriges Mädchen vorhanden, das seine Schwester gegen 2 Uhr in der Nähe des Hauses gesehen hat. Nach den bisherigen Ermittelungen kann die Tat nur eine mit den Verhältnissen des Hauses wohlvertraute Person verübt haben. Ein Sittlichkeitsverbre- chen liegt nicht vor. Die Sektion der Leiche erfolgt am Mittwoch vormittag.
Das Tclegraphiedeukmal in Bern. Bei dem Wettbewerb für die Errichtung eines Denkmals in Bern, das die Gründung der Internationalen Telegraphie-Union verewigen soll, hat bei der Prüfung im vergangenen Sommer keiner der eingereichten Entwürfe den Beifall der internationalen Juru gefunden. Die Schweizer Regierung hat nunmehr das Programm zu einem neuen Wettbewerb ausgearbeitet. Die Teilnahme an der Konkurrenz steht den Künstlern aller Nationen offen, die Entscheidung liegt in den Händen eines Preisgerichts, das sich aus Künstlern aller Großstaaten zusammenseht. Dem Künstler, dessen Entwurf die Stimmeu- mehrheit erringt wird auch die Ausführung des Denkmals
übertragen: dazu werden ihm 170 000 Fres. zur Verfügung gestellt, mit denen alle Kosten bestritten werden müssen, ausgenommen die Transportkosten, die Zölle und die Ausgaben für die Terrainregulierung, die die Schweizer Regierung trägt. Der Jury sind 20 000 Frcs. zur Verfügung gestellt zur Gewährung von Trostpreisen an jene Künstler, die an der Konkurrenz teilgenommen haben.
Eine Namensänderung der Fran Hofrichter. Frau Hofrichter, die Gattin des bekannten Oberleutnants Hofrichter, der durch Gistbriefe einige Generalstabsoffiziere aus dem Weg schaffen wollte, hat jetzt Schritte unternommen, um eine Aenderung ihres Namens herbeizuführen. So lange Frau Hofrichter an die Unschuld ihres Gatten glauben konnte, lehnte sie es entschieden ab, ans der Beschuldigung daß Hofrichter der Absender der Gistbriefe fei, irgend welche Konseauenzcn zu ziehen. Nach dem Urteil war sie auch nicht von der Schuld ihres Gatten fest überzeugt, da der Indizienbeweis ihr nicht schlüssig genug war Es müssen aber jetzt neue Momente hinzugekommen sein, durch die sie eine volle Ueberzeugung von der Schuld-Hofrichters erhielt. Während sie früher alle Belästigungen und Anfeindungen, die ihr aus ihrem Namen erwuchsen, mit großer und unerschütterlicher Geduld trug, ist sie jetzt, wie sie sagt, völlig zusammengebrochen und am Ende ihrer Kraft. Es läßt sich leicht denken, wie viel Unannehmlichkeiten ihr in jeder Lebenslage aus der Führung ihres Namens entstehen In dem Garnisonort ihres Gatten konnte und wollte sie nicht länger bleiben, da sie alles an ihr Unglück erinnerte. Aber auch in Wien, wo jedes Kind den Namen Hofrichter und die damit verbundenen Verbrechen kennt, kann ihr die Wetterführung dieses Namens nicht angenehm sein. Wer die Menschen kennt, weiß, oaß der Name ihr gleichsam wie ein Makel anhaften muß an dem sie doch völlig unschuldig ist. Es summt dazu, daß die Nervosität der Frau Hofrichter noch viel dazu beitragen wird, in jedem Blicke einen Vorwurf oder Spott zu sehen, der vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Frauen in ihrer Lage wollen am liebsten unbekannt im Getriebe der Welt untertauchen- Dies ist ihr aber nur durch die Aenderung ihres Namens möglich. Sie will ihren Familiennamen wieder annehmen. Es ist zu erwarten, oaß
Die Gabe der Marien. Ein originelles Geschenk soll der Königin von England gelegentlich der Krönungsfeier überreicht werden. Ein Komitee hat soeben alle Namensschwestern der Königin im ganzen britischen Reich aufgefordert, sich auf demSubskriptionsweg an einerGabe für dieKönigin zu beteiligen. Damit auch Oie ärmsten unter den unzähligen „Mary" und „May" an dieser Festgabe teilnehmen können, hat man das Minimum der Beitragssumme auf 1 Penuy und das Maximum auf ein Pfund Sterling festgesetzt. Im Juni wird dann mit dem Geschenk eine Liste der Geberinnen der Königin überreicht werden.
Das Grab des „Hildebrandt".
Die Arbeiten zur Bergung des Ballons „Hildebrandt", die Dienstag vormittag begannen, waren durch das noch immer dünne Eis sehr erschwert. Um 2 Uhr konnte die Leiche des Ballonführers, Rechtsanwalts Kohrs, an Land gebracht werden. Zuerst, als die Gondel von starken Hän- öen der Wasseroberfläche nähergebracht worden war, glaubten, nachdem die Leiche des Rechtsanwalts Kohrs geborgen war, alle ,die hineinblickten, einen zweiten Körper über dem Rand der Gondel zu sehen. Die Leiche Kohrs hatte sich in dem eiskalten Wasser vollkommen konserviert. Man hätte glauben können, einen schlafenden Menschen vor sich zu sehen, nur daß die Arme rechts und links weit vom Körper- gestreckt waren, so wie er die Seile getrennt gehalten hatte- Und nun wuroe auch das Rätsel, wie der Unfall überhaupt möglich gewesen war, einigermaßen gelöst. Die Beine des Verunglückten waren vollständig in den Stricken der Gondel verwickelt so daß es Schwierigkeiten 3; ceitete, den Körver davon zu befreien. Es unterliegt wohl jetzt keinem Zweifel, daß Rechtsanwalt Kohrs dadurch verhindert war, sich zu retten. Nachdem die Leiche gehoben war, wurde sie auf das Eis gelegt, zugedcckt und nun die Gondel geborgen- Und dann kam ein tragischer Augenblick: Negierungsbaumeister Keidel, der die Arbeiten mit fliegender Hast geleitet hatte, um vor allen Dingen die Leiche seines Bruders, des Prokuristen Keidel, zu bergen, ehe das Eis nachgab, mußte die betrübende Entdeckung machen, daß der Gesuchte sich nicht in der Gondel befand. Man glaubte bestimmt noch einige Minuten zuvor, die Leiche gesehen zu haben, und war der Meinung, daß sie bei den Bergungsarbeiten über Bord geglitten sei. Die Gondel wurde vollkommen intakt ans Land gezogen. Der ins Wasser gefallene Gegenstand war eine Wolldecke, die jetzt aus dem See herausgefischt wurde. Man neigt nun zu der Annahme, daß Keidel schon während der Fahrt aus der Gondel gestürzt ist. Die Uhr des Rechtsanwalts Kohrs war um 7^ Uhr stehen geblieben. Danach haben die Insassen wahrscheinlich schon nach zweistündiger Fahrt am 29. Dezember, dem Tage des Aufstiegs, einen Landungsversuch unternommen.
Nach der Meinung des Dr. Vröckelmann, des Vorsitzenden des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, der die Bergungsarbeiten leitete, sind die Luftschiffer bald nach dem Aufstieg ins Schneetreiben geraten, das den Ballon so beschwerte, daß sie niederzugehen beschlossen. In oer dunklen Nacht habe sich ihnen eine Lichtung im Walde als geeignet erscheinender Landungsplatz gezeigt. Es war der See. Aus der Stellung, in der die Leiche des Rechtsanwalts Kohrs gesunden wurde, schließt man, daß er an den Tauen an die Oberfläche klettern wollte, ein Unternehmen, das mißglücken mußte, weil die halbentleerte Hülle des Ballons noch über der Unfallstelle lagerte- Ter Rest des Gases wurde erst gestern durch Ausschneiden der Hülle zum Entweichen gebracht. Zweifellos erscheint jetzt, daß eine Landung beabsichtigt war, da die Reißleine in der ganzen Länge aufgerissen ist.
Ein deutscher Unterseeboot gesunken.
Von einem schweren Unfall, dessen Folgen noch nicht abzu sehen sind, ist am Dienstag die oeutsche Marine in ihrem jüngsten Zweige, dem Unterseebootswesen, betroffen worden. Das Unterseeboot „U 3" ist im Kieler Kriegshafen unweit des Badeortes Heikendorf auf ziemlich flachem Wasser gesunken. Von feiten der Marine wurden die Bergungsarbeiten sofort eingeleitet. Der Unfall ereignete sich vormittags gegen 11 Uhr. Das Hinterschiff ist voll Wasser und liegt unter der Wasseroberfläche. Offenbar hat der Führer des Bootes nach einem Unfall das Boot am Strand zu setzen versucht. Sobald der Unfall bekannt wurde, schickten die Kriegsschiffe Pinassen und Boote zur Hilseleistung ab. Gegen 12 Uhr kam die Telephonboje des gesunkenen Unterseebootes an die Wasseroberfläche zum Zeichen dafür, daß dieBcsatzung noch lebt und daß sie sich mit den Rettungsmannschaften verständigen wollte. Von der Werft wurde sofort der größte Schwimmkran abgesandt und das Hebeschiss „Vulkan" nach der Unsallstelle gebracht. Die aus 30 Mann bestehende Bootsbesatzung wurde i m Laufe des Nachmittags gerettet bis auf drei Mann, die auf dem Schiff geblieben waren.
Weitere aus Kiel eingetroffene Meldungen besagen über den Unfall: Das gesunkene Unterseeboot „U 3" hängt im Schwimmkrahn der kaiserlichen Werft schräg mit dem Bug nach oben und ist soweit gehoben, daß 27 Mann der Besatzung das Boot durch das im Bug befindliche Torpedo- Lanzierrohr haben verlassen können. Im Kommandoturm des Bootes befinden sich noch drei Mann, nämlich der Kommandant, der Wachtosfizier und der Rudergänger, die
noch nicht geborgen werden konnten, da der mittschiffs befindliche Kommandotnrm sich durch die schräge Lage deS Bootes noch unter Wasser befindet. Das Unterseeboot ist durch Den Schwimmkran gehoben worden.
Eine weitere Meldung aus Kiel lautet: Der Kommandant des Bootes, Kapitänleutnant Ludwig Fischer, und zwei Mann befinden sich noch im Turm . Um diesen über Wasser zu bringen, ist ein zweiter Schwimmkrahn zur Stelle gebracht worden. Die Rettungsarbeiten werden energisch fortgesetzt. Prinz Heinrich von Preußen ist unausgesetzt an der Unfallstelle, die von den Scheinwerfern zweier Kreuzer beleuchtet wird, anwesend.
Die neuesten Meldungen lauten rech' betrübend. Danach ist es zwar gelungen, das gesunkene Boot zu heben, die drei noch aus ihm befindlichen Personen wurden leider lcbloâ vorgefunden:
r-> Kiel, 18. Januar. Das Unterseeboot „U 3" ist heute morgen vier Uhr von dem Hebeschiff Vulkan geborgen morde u Die im Turm befindlichen Kapitänleutnant Fischer, Leutnant znr See Kalbe und Matrose Ricsser wurden leblos vorgcsunden. Die Wiederbelebungsversuche sind bisher erfolglos geblieben.
^ Kiel, 18. Januar. Die Wiederbelebungsversuche an den heute morgen auS dem Unterseeboot geborgenen beiden Offizieren und dem Matrosen sind leider ohne Erfolg geblieben. Dagegen befinden sich die bereits gestern geretteten Mannschaften sämtlich wohl. Das Unterseeboot wird nach der kaiserlichen Werft geschleppt werden. Alle im Hafen liegenden Schisse haben halbmast geflaggt.
Drabtnaebricbk« und Neuestes.
Der Reichskanzler Ritter des Schwarzen Adlerordens.
&-^ Berlin, 18. Januar. Bei dem heutigen Feste des Schwarzeir Adler-Ordens wurden der Reichskanzler von Bethmann Hollweg und General von Deines investiert. Der Kaiser hing den vor dem Thron Knieenden die Ordenskette um.
Den eigenen Bruder ans Unvorsichtigkeit erschoßen.
^ Augsburg, 18. Januar. Der 17jährige Sohn der Postauctsgehilfenivitmc Berger hat beim Hantieren mit einem Gewehr seinen 18iübrigen Bruder erschossen.
Verschwundener Bürgermeister.
^ Eötn, 18. Januar. Seit dem 7. Januar ist der Bürgermeister von Meppen namens Ionen, verschwunden. Er hat an dem genannten Tag einen dreitägigen Urlaub angetreten, von dem er nicht mehr zurückgekehrt ist. Man bringt seine Abwesenheit mit den Gerüchten über nttßliche Vermögensverhältnisse in Zusammenhang. Ionen hat allerhand Wechselgeschäfte gemacht, die nicht einwandfrei gewesen sein sollen.
Erwischte Einbrecher.
Eöln, 18. Januar. In der Rhonstraße wurden gestern Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Als ein Schutzmann und ein Passant die Verfolgung der Fliehenden aufnah- men, feuerte einer auf seine Verfolger. Der Schutzmann wurde schwer verletzt. Die Eiubrecher entkamen. — In einem anderen Falle überraschte die Polizei in einer Mansardenwohnung in der Lütticherstraße zwei Einbrecher, die fchon eine Reihe von Einbrüchen verübt hatten. Als die Beamten ins Zimmer traten, griffen die Diebe zu ihren Revolvern und legten auf die Polizisten an. Doch gelang es diesen, ehe ein Schuß abaefenert war, oic Burschen zu fesseln und zu verhaften. Zahlreiche Einbrecherwerkzeuge und ein ganzes Warenlager gestohlener Sachen wurden beschlagnahmt.
Zigarren schmuggel an der holländischen Grenze.
Eöln, 18. Januar. In Emmerich an der holläuoischen Grenze sind umfangreiche Zigarrenschmuggeleien entdeckt worden, durch die der preußische Fiskccs um über 25 000 Mark Zollgebühren benachteiligt wurde. Der Schmuggel ist drei Jahre lang von holländischen Zugbeamten ausgeführt worden. Die Beteiligten sind größtenteils verhaftet.
Winzer, die Weinvorräte verschütten.
Eperuay, 18. Januar. In Damery hat gestern eine große Anzahl von Winzern den Weinkeller eines Cham- pagnerhändlers vollständig ausgeplündert. Die Winzer zerbrachen 70 000 Flaschen Champagner. Auch ein Rollwagen mit einer Ladung von 2500 Flaschen Champagner wurde geplündert und der Wein in die Marne gegossen.
Die Bekämpsnng der Pest.
Petersburg 18. Januar. Ter Ministerrat hatte heute eine Besprechung über die Pestgefahr in der Mandschurei. Das Finanzministerium wurde angewiesen, alle Maßregeln zur Bekämpfung der Epidemie zu ergreifen. Der Minister des Aeußern wurde beauftragt, China wie die übrigen interessierten Mächte zu ersuchen, zur wissenschaftlichen Erforschung der Krankheit eine Expedition nach der Mandschurei zu entsenden.
c-^ Frankfurt a. M. 18. Januar. Der „Frankf. Ztg." wird aus Petersburg gemeldet: Infolge der Lässigkeit der chinesischen Regierung hat die Pest in Fudjadun, dem Vororte von Charbin, einen enormen Umfang erreicht. Täglich sterben 150 Personen. Die Pest grassiert auch in anderen Orten in der Umgebung von Charbin. Heute findet eine Sitzung des Ministerrats statt. Man beabsichtigt, die Pekinger Regierung aufzufordern, Fudjadun russischen Aerzten zu unterstellen. Im Gebiete von Akmolinsk wütet unter den Ansiedlern Skocbut und Hungertyphus.
Anszcichnttng eines amerikanischen Universitätsprofesiors.
o-^ Neuyork, 18. Januar. Dem Professor Learned von der Pennsylvania-Universität wurde vom Kaiser der Rote Adlerorden 3. Klasse verliehen.
Folgenschwere Kesiclervlosion auf einem amerikanischen Schlachtschiffe.
Neuyork, 18. Januar. Bei einer Kesselexplosion auf dem Schlachtschiff „Delaware" an der virginischen Küste wurden acht Mann zu Tode verbrüht, mehrere andere schwer verletzt.
s-p Washington, 18. Januar. Die Meldung von einer Kesselexplosion an Bord des Schlachtschiffes Delaware bestätigt sich. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Von neun im Kesselraum befindlichen Personen wurden acht getötet und der neunte erlag balo nach dem Unglück seinen schweren Brandwunden.
fiedel ima OwW.
Frankfurt, 16. Januar. Preise für 1 Zentner: Rinder:' Ochsen 1) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt 91—93 X 2) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 83—89 X 3) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 74—79 X 4) gering genährte jeden Alters —,— X Bullen: 1) vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes 71—75 X 2) vollfleischige jüngere 61—68 X 3) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere —,— X Färsen und Kühe: 1) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 74—81 X 2. vollsleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 74—81 X 3) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 63—74 X 4) mäßig genährte Kühe und Färsen 62—72 X Kälber: 1) Doppellender feiner Mast — X 2) feinste Mast (Vollmilch- Ma st) und beste Saugkälber 93—100 X 3) mittlere Mast- und gute Saugkälber 88—93 Ji, 4) geringere Saugkälber 85—86 Mark. Schafe: 1) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 80—00 X 2) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 78—00 Ji, 3) mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz- schafe) 00—00 .//, 4) Marschschafe oder Niederungsschafe 00 bis 00 X Schweine: 1) Fettschweine über 3 Zentner 65 bis 68 X 2) vollfleischige Schweine über 250 Pfd. 64—67 X 3) vollfleischige Schweine über 250 Pfd. 64—67 Jt, 3) vollfleischige Schweine über 2 Zentner 51—54 Ä