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Gießener Jeitnng

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Verlag derGießener Zeitung" GL m. b. H.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer <

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

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Expedition: Zelters weg 83

(HauS Brüder Schmidt.)

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Verlag derGfeftener Zeitung" V. in. I. H.

Nr. 225. (1. Blatt) Samstag, den 18. November 1911. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg.

Stichwahlen zum hexischen Landtag

am (7. November M.

Wahlkreis

Kandidaten

Gewählt wurden:

Name

Partei

Erhaltene Stimmen

Hauptw. ^Stichwahl

Name

Partei

Erhaltene Stimmen

Hauptw. Stichwahl

Oberheffen:

Gießen-Wieseck

Klingspor, Fabrikant

natl.

1362

1669

Urstadt, Professor

5. V.

1256

2413

Urstadt

F. V.

Rodheim-Oberrosbach

Dr. v. Helmolt, R.-A.

B.d. L.

1844

2410

Wittrich, Redakteur

Soz.

1338

1166

Dr. v. Helmolt, B. d. L.

Büdingen

Bähr, Landwirt

re

1657

2046

Schaub

ff

1117

1850

Bähr

ff

Vilbel

Will, Lehrer

natl.

1250

2212

Busold, Arbeit.-Sekr.

ff

2172

2448

Busold

Soz.

Starkenburg:

Darmstadt

Henrich, Staats­schuldenbuchführer

Kredel, Bürgermeister

F. V.

3374

6893

Koblauch, Redakteur

Soz.

3783

4391

Henrich

F. V.

Beerfelden-Wimpfen

natl.

952

1821

Hafenzahl, Parteisekr.

Soz.

1099

1788

Kredel

Natl.

Höchst i. O.

Fleckenstein, Straßenmeister

Chr. Soz.

1399

1546

Hartmann, Landwirt

ff

1506

1955

Hartmann

Soz.

Fürth-Reichelsheim

Siefert, Gutsbesitzer

B. d. L.

1562

2053

Mergell, Postsekr.

natl.

1127

2099

Mergell

Natl.

Bensheim-Zwingenberg

Auler, Fabrikant

natl.

1221

2555

Neumann, Kranknk.-B.

Soz.

1525

2551

Auler

f/

Gernsheim-Pfungstadt

Friedrich, Landwirt

B. d.'L.

1467

3345

Raab, Parteisekr.

ff

2080

2930

Friedrich

B. d. L.

Rheinhessen:

Wöllstein

Schott, Bürgermeister

natl.

1055

2053

Eibach, Bürgermeister

F. D.

1492

2064

Eibach

F. D.

Nierstein

Wolf VI, Gutsbesitzer

Bauernb

1124

2129

Schätzel, Gutsbesitzer

natl.

924

2076

Wolf VI.

B. d. L.

Es sind ins

Gesamtergebnis.

gesamt bei den Haupt­

und Stich-

wahlen nunmehr als Landtagsabgeordnete hervorgegangen im Wahlbezirk:

Darmstadt: Staatsschuldbuchhalter Henrich (fr. V.) 6893 Stimmen.

Gießen: Professor 11 r ft a b t (fr. V.) 2413 Stimmen.

Mainz : Stadtverordnete Heerdt (bürgert Sammelkandidat, f. B.) 6803 Stimmen.

Offenbach: Beigeordneter Eißnert (Soz.). 5795 Stimmen.

WormS: Justizrat Dr. Stephan (natlib.) 2797 Stimmen.

In den ländlichen Wahlkreisen haben insgesamt 28 Neu­wahlen stattaefunden, und zwar 11 in Starkenburg, 9 in Ober­hessen und 8 in Rheinhessen.

Provinz Starkenburg:

Beerfelden, Hirschhorn, Wimpfen: Kredel-Airlenbach (natlib.) 1821 Stimmen.

Höchst König: Hartmann (Soz.) 1955 Stimmen.

Fürth-Reichelsheim: Postverwalter Mergell-Reichelsheun (ntlib.) * 2099 Stimmen.

Dieburg: Uebel (Ztr.) 2803 Stimmen.

Heppenheim Viernheim (früher Lorsch-Zwingenberg): Post­meister Wiegand (Ztr.) 2846 Stimmen.

Bensheim - Zwingenberg: Fabrikbesitzer Abg. Loms Auler, Bensheim (natlib.) 2555 Stimmen.

Gernsheim-Pfungstadt (früher Darmstadt-GernSheim-Zwingen- berg): Landwirt Friedrtch-Groß-Rohrheim (Bbd.) 3345 Slim.

Eberstadt-Grießheim (früher Darmstadt-Land): Raab (Soz.) 3632 Stimmen. x m ,

Bischofsheim Rüsselsheim (früher Groß-Gerau-Langen): Buch­händler Berthold (Soz.) 3274 Stimmen.

Langen Neu Isenburg (früher Langen-Offenbach): Abg. Dr. Fulda (Soz ) 3736 Stimmen. ,

Seligenstadt: Bürgermeister Singer-Seligenstadt (Zentrum) 3040 Stimmen.

Provinz Oberhessen:

Rodheim -Ober- Rosbach : Rechtsanwalt Dr. v. Helmolt- Friedberg (Bbd.) 2410 Stimmen.

Echzell-Reichelsheim: Gutsbesitzer Breidenbach-Dorhenn (Bbd.) 2616 Stimmen.

Lich: Abg. Fenchel (Bbd.), 2898 Stimmen.

Großen - Linden - Heuchelheim: Abg. Bürgermeister Leun, <Bbd und D.-soz.) 2804 Stimmen.

Homberg : Abg. Mühlenbesitzer Brauer (Bbd.), 2142 Summen. Alsfeld-Land: Abg. Oekonomierat Korell (Bbd.), 2890 Summen. Nidda Landwirt W. Dorsch-Wölfersheim (Bbd.) 1945 Stimmen. Büdingen : Abg Bähr-Herrnhag (wild und Bbd.), 2046 Stimmen.

Vilbel: Abg. Busolt (Soz.) 2448 Stimmen.

Provinz Rheinhessen:

2. Wahlkreis, ^Alzey : Abg. Bürgermeister Diehl (natlib.) 2327 Stimmen.

3. Wahlkreis, Wöllstein: Abg. Bürgermeister Elbach (fr. B.) *2064 Stimmen.

4. Wahlkreis, Osthofen: Abg. Gutsbesitzer Franz Beft (natlib.) 1953 Stimmen. . r ,

5. Wahlkreis, Wörrstadt: Pfarrer Korell-Kömgstadten (fr. B.)

7. ^Wahlkreis, Gonsenheim-Nieder-Olm: Abg. Miolthan (Ztr.)

8 WMh^^ Nierstein: Abg. Landwirt Wolf- Stadecken (B. d. L.) 2129 Stinmen.

9. Wahlkreis, Kostheim-Weisenau (früher Mainz-Nleder-Olm): Abg. Dr. Zuckmayer (Ztr.) 1979 Stiumlen.

11. Wahlkreis, Bingen-Land (früher Bmgen-Ober-Jngelheun): Abg. v. Brentano-Offenbach (Ztr.) 2112 Stimmen.

Rückblick und Ausblick.

Die Wahlen ergaben also für die einzelnen Parteien folgende Resultate: Es erhielten:

Bündl. Zentrum Nationallib. Freis. Soz.

Hauptwahl 6 6 3 3 3

Stichwahl 4 3 3 2

Sa. 10 6 6 6 5

Während also in der Hauptwahl die beiden Par­teien der Rechten 3 Mandate mehr als die beiden libe­ralen und die sozialdemokratische Partei erringen konn­ten, gelang es diesen, in der Stichwahl den Vorsprung einzuholen und ihrerseits einen Vorsprung von einem Mandat zu erzielen. Bemerkenswert ist das überrasch­end schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten in den Stichwahlen. Von 7 Mandaten konnten sie nur 2 er­ringen, trotz voller Unterstützung durch die Freisinnigen. Charakteristisch ist in allen diesen Fällen ein außeror­dentliches Anschwellen der bürgerlichen Stimmen weit über die Zahlen der Hauptwahl hinaus, z. B. Bens­heim ca. 1300 Stimmen, Gernsheim-Pfungstadt 700 Stimmen. Dadurch verloren die Sozialdemokraten einige Wahlschlachten mit sehr günstigen Aussichten wie in Büdingen, Beerfelden, Bensheim, Gernsheim-Pfung­stadt. In Beerfelden konnten die Bürger mit knappen 40, in Bensheim gar mit ganzen 4 Stimmen den So­zialdemokraten aus dem Felde schlagen. In Höchst-- nig hatten sich die Nationalliberalen nicht an die Par­teiparole gehalten, sodaß der Sozialdemokrat mit 165 Stimmen über den von Christlich-Sozialen und Zen­trum unterstützten Bündler triumphieren konnte. Eine große Überraschung brachte der Sieg des Freisinnigen Eibach über den vom Bund und Zentrum unterstützten Nationalliberalen Schott. In Nierstein glückte es den Nechts-Nationalliberalen dem Bündler Wolf gegen den Links-Nationalliberalen Schätzel zum Siege zu verhelfen. Die Verschiebungen im Landtag sind nur Verhältnis - mäßig geringer Natur, wie nachfolgende Aufstellung Zeigt:

Bündl. Ientr. Natl. Freis. Soz. wild alter Stand 12 8 18 5 5 2 neuer 15 9 16 10 7 1

Wenn man den Bund mit seinen Anhängern und das Zentrum als Rechte auffaßt, andererseits Freisinn und Sozialdemokraten als Linke und schließlich die Na- tionalliberalen alsKompromißpartei", als vermittelnde Mitte, so erhalten wir folgendes Bild:

Rechte alter Stand 20

neuer 24

Die Linke, besonders die deutende Stärkung erfahren. Zuwachs in erster Linie dem

Mitte Linke wild 18 10 2

16 17 1

Freisinnigen, hat eine be- Die Rechte verdankt ihren Frontmachen der Bürger­

lichen mit Ausnahme der Volkspartei gegen die Sozial­demokratie in der Stichwahl. Ohne diesen Umstand wäre die Linke auf Kosten der Rechten wohl gleich stark wie diese geworden. Die Mitte hat etwas eingebüßt. Jedenfalls dürfte auch in der neuen Periode die Hal­tung der Nationalliberalen für die Färbung der Politik des Landtages ausschlaggebend sein.

Parteipolitisches.

Reichstagswahlen 1912

Das Zentrum soll beabsichtigen, im Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen, in dem es über 7000 Stimmen verfügt, keinen eigenen Kandidaten auszustel­len, sondern die Kandidatur des christlich-sozialen Beh­rens zu unterstützen.

Bus Stadt und Cand.

Gießen, 18. November 1911.

* Die Ernte in Hessen 1910 und 1 9 11. Eine amtliche Statistik über die Ernte im Grotzherzog' tum Hessen in den Jahren 1910 und 1911 ergibt, daß Rheinhessen 1910 durchweg die höchsten Er­träge erbrach,e. Die Durchschnittszahlen für 1911 er­geben die interessante Tatsache, daß die Getreideerträge keine geringeren waren wie 1910; in Rheinhessen war die Getreideernte durchgängig besser wie im Jahre 1910. Ein erheblicher Ernteausfall ist bei den Kartoffeln zu be­obachten, doch war derselbe nicht gleichmäßig verteilt. Ein Teil der Provinz Oberhessen hat sogar dieses Jahr eine bessere Kartoffelernte gemacht wie voriges Jahr. Das Gegenteil ist in Rheinhessen der Fall. So hat z. B. der ganze Kreis Bingen nur die halbe Ernte. Der Kartoffelertrag bleibt 1911 30 Prozent unter dem zehnjährigen Mittel, der Ausfall aus den Hettar beträgt 56 Zentner, mithin ist die Kartoffelernte 1911 in Hessen um rund 4 Millionen Zentner geringer wie 1910. Da vielen Landwirten im nächsten Frühjahre die Saat- kartoffeln fehlen und nicht alle die Beträge für das Saat­gut aufbringen können, ist zu befürchten, daß die An­baufläche für Kartoffeln 1912 eine Einschränkung erfährt.

n Die Revision des Raubmörders Erbe, der am 28. Veptember vor dem hiesigen Schwurgericht we­gen des Raubmordes an der Frau des Ziegeleiarbei­ters Walther zum Tode verurteilt wurde, ist vom Reichsgericht verworfen worden.

n Ein Erdbeben ist Donnerstag Nacht kurz vor 11 Uhr hier in Gießen stark gespürt worden. Hausgeräte wurden ganz tüchtig gegeneinander gerüttelt und viele Bewohner haben das Bewegen des Erdbo­dens bemerkt. . .....