SalS seine „Marinesoldaten" bildeten, verlangen von ihm ntschädigung für die ihnen erwachsenen Mühen und die ihnen entgangene Kriegsbeute, und haben einen Pariser Advokaten beauftragt, den geringen Nest von Lebaudys einst bedeutendem Vermögen mit Beschlag zu belegen. Lebaudy selbst befindet sich in Amerika: er hat nicht einmal das Geld zur Rückreise, und es wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich von den französischen Gerichten zur Zahlung verurteilen zu lassen.
Der größte Geldschrank der Welt. Die Staatsdruckerei in Washington wird bald im Besitze der drei größten Eeldschränke der Welt sein. Die Schränke sind für die Aufbewahrung von Papiergeld, von Druckstöcken und Post- und Stempelmarken bestimmt. Ein jeder wird 30 Fuß lang, 12 Fuß hoch und 30 Fuß breit sein; die einzelnen Türen sind 3 Fuß stark und die einzelnen Stahllagen bestehen abwechselnd aus Chromstahl und Bessemer Stahl, eine Verbindung, die als die wiederstandsfähiaste betrachtet wird. Um den Stahl für die neuen Schränke nach Washington zu transportieren, werden 300 Frachtwagen notwendig sein. Der Bau der Eeldschränke nimmt etwa drei Jahre in Anspruch und die Kosten werden auf 28 Millionen Mark geschätzt.
Ein kostspieliges Teeservice. Eine amüsante Anekdote von dem Pariser Baron Rothschild wird in einem rheinischen Blatte erzählt. Vor einer Reihe von Jahren erbte ein junger Schauspieler nach dem Tode seiner Mutter ein schönes Teeservice in Meißner Porzellan, das von einem Antikenhändler auf 50 000 Francs geschätzt wurde. „Nur der Baron Rothschild wird ein solches Wunderwerk kaufen wollen," sagte der Händler. Darauf setzte sich der Schauspieler eine Perücke auf und schminkte sich, daß er wie ein Achtzigjähriger aussah und begab sich mit dem kostbaren Service zu dem Bankier. „Ich will Ihnen 45 000 Francs dafür geben," meinte Rothschild, nachdem er es eingehend geprüft hatte. „Wollen wir nicht eine Leibrente ausmachen?" erwiderte der Verkäufer; „ich lasse Ihnen das Porzellan, und Sie geben mir 4000 Fr. jährlich auf Lebenszeit." „Na, schön," sagte der Baron, „gehen Sie zur Kasse." Nach fünf Jahren hörte Rothschild, daß der Mann mit der Leibrente noch immer alljährlich erschien und seine 4000 Fr. abholte. Das erschien ihm merkwürdig, er ließ ihn kommen und sagte zu ihm: „Hören Sie, mein Lieber, Eie haben aber eine sehr kräftige Natur." „Es geht, Herr Baron," sagte der andere, der wieder in demselben Auszug vor ihm erschienen war. „Wie alt sind Sie denn eigentlich?" Darauf nahm der Schauspieler Me Perücke und den Bart ab und Jagte: „Fast 28 Jahre." Rothschild lachte und fand den Scherz augenscheinlich gut, so daß die Rente weiter gezahlt wurde. So ist das berühmte Teeservice in Meißener Porzellan mittlerweile schon recht teuer geworden: es kostet bis heute 80 000 Franken.
In der Jnstruktionsstunde — so wird der Münchener Jugend geschrieben — wird ber Unterschied zwischen den Uniformen erklärt und hierbei auch betont, daß der General einen Busch aus Hahnenfedern hat, und einen rot ausgeschlagenen Mantel. Reiter Meier soll nun den Unterschied zwischen seiner Uniform und der eines Generals erklären. Er beginnt: „Die Herr'n Generäl' haben einen roten Ausschlag auf der Brust, und da, wo mir Haare haben, haben sie Federn."
Wie groß ist ein Amelsenstaat? So mancher, der dem Gewimmel der Ameisen zusah, hat sich gefragt, wieviel solcher winzigen Geschöpfe ein Ameisenhaufen beherbergen mag. Dieses Problem versuchte der Genfer Professor E. Pemg zu lösen. Zunächst untersuchte er einen 60 Zentimeter hohen Haufen der roten Waldameise, indem er Schwefelkohlenstoffdämpfe einsttömen, den Haufen abtragen, in einen Sack packen und die getöteten Ameisen in einer Scheune auszählen ließ. Es zeigte sich, daß in diesem Falle dem menschlichen Wissensdurst 22 580 Ameisen und 13 500 Larven zum Opfer gefallen waren. Diese Methode der Zählung ward jedoch nicht beibehalten, denn sie berücksichtigte ja nicht die große Schar der Arbeiterinnen, die auf der Nahrungssuche gewesen waren, während über die Zurückgebliebenen die Katastrophe hereinbrach. Darum wandte man sich einem anderen Verfahren zu. Man brachte einen Holzspaten von 10 Quadratzentimeter Fläche an den Ameisenhaufen heran, und im Nu bedeckte sich das Holz mit Ameisen, die man sofort mit einer feinen Bürste in ein mit Spiritus gefülltes Gefäß hineinfegte. So verfuhr man mehrere Tage hintereinander, jedesmal ungefähr zwei Stunden lang, bis der Haufen völlig entvölkert war. Auf diese Weise untersuchte Yemg im Hochsommer fünf Ameisenhaufen. Die „Einwohnerzahlen" waren — in runden Ziffern ausgedrückt — die folgenden: 20 000, 48 000, 53 000, 67 500 und einmal sogar 93 700 Individuen (die Larven kommen hierbei nicht in Betracht.) Keiner der untersuchten Haufen überschritt die Höhe von 70 Zentimetern. Für Ameisenhaufen dieser Höhe dürfte man also vielleicht die Zahl von 100 000 Einwohnern als Maximum annehmen.
Die filtrierte Zigarette. Die Furcht vor dem Tabak ist zwar längst nicht so stark und weit verbreitet wie die Furcht vor dem Alkohol. Dennoch wird unablässig darüber ge- sprochen und geschrieben, welche Gefahren das Tabakrauchen mit sich bringt, und wie sie am besten ahzuwenöen wären. Nicht nur die Wissenschaft sondern auch daS Erfindertalent hat dauernde Gelegenheit, sich in dieser Richtung zu betätigen. Wenn man einmal die Patentanmeldungen der letzten Jahrzehnte daraufhin durchsehen wollte, wie viele Erfindungen zur hygienischen Verbesserung allein von Tabakspfeifen gemacht worden sind, so würde man auf eine stattliche Ziffer gelangen. Die Tabakspfeife müßte eigentlich die gesündeste Vorrichtung für den Tabaksgenuß sein, weil in ihr der Rauch eine stärkere Filtrierung erfährt als bei der Zigarre oder gar bei der Zigarette. Diesem Schluß steht aber die Erfahrung entgegen, daß selbst ein starker Zi- -arrenraucher eine gewisse Anwandlung von nebelreit zu erfahren pflegt, wenn er zum ersten Male oder nach langer Unterbrechung eine Pfeife raucht. Der Grund liegt wohl darin, daß die Pfeife zwar die schädlichen Bestandteile des TabakraucheS gut 'zurückhält und zu diesem Zweck auch leicht durch kleine Hilfsmittel verbessert werden kann, diese Tugend aber nur bewahrt, wenn sie häufig einer sorgsamen Reinigung unterworfen wird, was den meisten Leuten zu umständlich ist . Bei der Zigarre erfolgt eine Art von Filtrierung durch den Tabak hindurch, während davon bei der Zigarette kaum die Rede sein kann. Die Zigarette gilt daher auch für die ungesundeste Form des „Rauchgeschirrs", hetzt ist jemand auf den Einfall gekommen, auch den Ziga- tettenrauch zu filtrieren, was durch Anbringung eines kleinen Siebs im Mundstück erzielt werden soll. Wenn auf tiefe Weise Staubteilchen und schädliche Oele zurückgehalten werden ,so würde die Nützlichkeit der Neuerung nur anzu- erkennen sein.
Das arbeitende Berlin bei Nacht.
In den Abendstunden, wenn in den Fabriken die grell- tSnenden Pfeifen den Schluß der Arbeit künden, wenn in -er inneren Stadt die Büros geschlossen werden und Hun- -erttausende auf den Straßen, in Droschken, Omnibussen.
Straßenbahnen, mit der Hoch, Stadt- und Ringbahn ihren Wohnungen Zuströmen, meint man wohl, nun müsse die Arbeit in der Riesenstadt Berlin ganz still stehen. Doch Berlin ist nie ruhig, Arbeit und Verkehr ruhen nie, and) nicht während der Nacht. Soll der gewaltige Mechanismus deS Groststadtverkehrs stets richtig funktionieren, und sollen die riesigen Massen der Arbeiter auS allen Industriezweigen am frühen Morgen ohne Störung ihre Beschäftigung wieder aufnehmen können, außerdem aber, wenn all die Bedürfnisse befriedigt werden sollen, die sich in einer Millionenstadt auch während der Nacht geltend machen, so darf auch in der Nacht die Arbeit nie ganz ruhen. Und nicht etwa wenige hundert sind es, die in der Nacht beschäftigt wer- den, sondern viele tausende, ein ganzes Heer von Arbeitern, das sich aus allen Erwersgruppen zusammensetzt. Von den Verwaltungsbehörden des Reiches und des Staates stellen besonders die Reichspost und die Eisenbahnverwaltung einen großen Teil Nachtarbeiter. Die städtischen Gasanstalten müssen ununterbrochen in Betrieb gehalten werden, um die Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung in tausenden von Lokalen, die zur Nacht geöffnet sind, zu ermöglichen. Ein großer Park von Wagen und Kehrmaschinen unb eine nach hunderten zählende Schar von Straßenfegern muß Dienst tun, damit die Straßen am Morgen wieder einen reinlichen Anblick haben. Die städtischen Wasserwerke dürfen nie stillstehen, und draußen an der äußersten Grenze des Nordostens, im Asyl in der Fröbelstraße, müssen stets Beamte im Dienst sein, um jene Unglücklichen auf- zunehmen, denen selbst das Notwendigste fehlt, ein Obdach. Größer aber noch und viel mannigfaltiger sind alle die Nachtarbeiten, die in der Privatindustrie und in allen den Geschäftszweigen geleistet werden, in denen die in der Nacht entstehenden Bedürfnisse gedeckt werden müssen. Eine große Anzahl von Kellnern, Köchen, Hausdienern und sonstigem Aufwarte- und Hanspersonal muß in Hotels, Gasthöfen, Kaffeehäusern und Nachtkneipen aller Art tätig sein, um die Ansprüche der Gäste zu befriedigen. Ein ganzes Heer von Privatwächtern ist angestellt, um in Fabriken, in großen Geschäftspalästen und bei den Juwelieren über die Sicherheit manchmal ganz fabelhafter Werte zu wachen. Das Pflaster verkehrsreicher Straßen wird fast immer nur in der Nacht ausgebessert und auch das Einsetzen neuer Schienen im Straßenbahngeleise und ähnliche Arbeiten sind zum größten Teil Nachtarbeit. Auch die Buchdrucker und alles, was mit der Herstellung der Tageszeitungen zusammenhängt, stellen zur Nachtzeit ein großes Kontingent, da die Morgcnzcitungen während der Nacht hergestellt werden. Es gibt aber auch noch andere „Nachtarbeiten", die der Spitzbuben und Verbrecher, zu deren Ueberwachung wiederum viele Schutzleute und Kriminalbeamte Nachtdienst tun müssen.
Die Denkmalsweihe in London.
Dei Enthüllung des Denkmals der Königin Vikipria in London hat am Dienstag in überaus feierlicher Weise ftattgefunöen. Kurz vor 12 Uhr mittags verließen bei schönem Wetter der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin von England mit der königlichen Familie, geleitet vom Hofstaat, den Buckinghampalast und begaben sich zu Fuß zu dem Baldachin gegenüber dem Denkmal der Königin Viktoria. Die Truppen erwiesen die Ehrenbezugung. Als die Majestäten und ihr Gefolge unter dem Baldachin Platz genommen hatten, überreichte der Vorsitzende des Denkmalsausschusses den Bericht und die Adresse. Darauf
hielt König Georg eine Ansprache,
in der er zunächst auf König Eduards Anteil an der heutigen Gedenkfeier hinwies, des Königs, der heute mehr als se in dem liebenden Gedächtnis der Engländer lebe. Dann fuhr der König fort: Es ist für mich und meine Familie eine große, tiefe Befriedigung, daß mein lieber Vetter ,ber Deutsche Kaiser, begleitet von der Kaiserin, bei dieser historischen Feier anwesend ist. Seine Kaiserliche Majestät ist der älteste Enkel der Königin Viktoria, die er immer mit natürlicher Zuneigung und Liebe verehrt hat, und seine Anwesenheit und die Sympathien, die er uns in den letzten Tagen ihres Lebens und später entgegengebracht hat, werden von mir und meinem Volke niemals vergessen werden. Starke und lebendige Bande der Verwandschaft und Freundschaft vereinigen unsere Throne und Personen, und mein Volk freut sich mit mir darüber, daß er heute hier ist, um an der Enthüllung dieses Dentmals teilzunehmen. Ich bitte Gott, daß dieses Denkmal in London immerdar den Ruhm der Regierung der Königin Viktoria künden und den zukünftigen Geschlechtern die Liebe und Verehrung bartun möge, die das Volk für sie und ihr Andenken hegt. Der König schloß, indem er mit warmen Worten der Hingebung gedachte, die Königin Viktoria ihren öffentlichen Pflichten gewidmet hat.
Nach der Ansprache des Erzbischofs von Canterbury fiel unter Geschützdonner die Hülle des Denkmals.
Bei der Denkmalsenthüllnng
trug der Kaiser ebenso wie der König englische Feldmarschalluniform mit dem Bande des Hosenbandordens. Der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin standen während der ganzen Feier auf der großen Plattform des Denkmals nebeneinander. Nach der Enthüllung legte der Kaiser am Denkmal einen schönen Lorbeerkranz nieder, ebenso die Abordnung des Gardebragonerregiments Königin Viktoria von Großbritannien und Irland. Nach der Enthüllung formierten sich die Truppen zum Vorbeimärsche und defilierten vor dem Kaiser und dem König. Nach dem Vorbeimarsch nahmen die Truppen an dem Wege Aufstellung, auf dem der Kaiser und der König nach dem Palaste zurückkehrten.
Der König ernannte den deutschen Kronprinzen zum Chef deß 11. Husarenregiments. Am Abend fand große Galatafel statt. Die Schönheit deS Denkmals sowie die bewundernswerte Art und Weise, wie alle Veranstaltungen auSgeführt wurden, haben einen tiefen Eindruck auf den Kaiser gemacht.
Die Londoner und das deutsche Kaiserpaar.
Der Empfang der deutschen Kaiserfamilie seitens der Londoner Bevölkerung ist diesmal herzlicher als früher, insbesondere wird die Prinzessin Viktoria Luise überall sympathisch begrüßt. Ueber das Aeußere des Kai- lers, der Kaiserin und der Prinzessin finden sich in verschiedenen englischen Zeitungen folgende Bemerkungen: „Der Kaiser sah älter aus, aber noch kräftiger und imponierender als früher. Helläugig und ernst, und doch gütig. Jeder seiner Gefichtszüge trägt den Stempel der Charakterstärke, jede Bewegung läßt Festigkeit des Willens und Entschiedenheit erkennen." Ueber die Kaiserin sagt das Blatt: „Sie trug ein Kleid von Mauvefarbe, und ihr schönes, graues Haar war von einem großen Hute, der mit Straußenfedern geziert war, bedeckt. Die hohe Frau schien bester Laune zu sein und freute sich offenbar sehr über die herzliche und begeisterte Begrüßung seitens des Publikums." Ueber die Prinzessin Viktoria Luise se- sen wir: „Die Erscheinung der Prinzessin erregte großes Interesse, da eS ihr erster Besuch in London ist. Sie war einfach, aber reizend gekleidet, in ein weißes Kostüm. Der große Hut war mit Aigretten geschmückt, und in der Hand hielt sie einen weißen Sonnenschirm. Sie machte auf alle, die sie sahen, den Eindruck einer sehr hübschen, liebenswürdigen jungen Dame; sie fand sich offenbar sehr schnell in die heite Umgebung hinein und schien sich sehr zu amüsieren. Sehr schnell freundete sie sich mit der Tochter unseres Königspaares an, mit der sie sich eifrig unterhielt. Die beiden Prinzessinnen find von derselben Größe. Viktoria Luise sieht ihrem Vater, dem Kaiser, sehr ähnlich?
Die „Yentschland" ein Wrack.
Zur Katastrophe deS Zcppeltn-LuftschiffeS „Deutschland", baß, wie gemeldet, am DienStag beim Auslaufen auS der Düsseldorfer Halle schwere Havarie erlitt, erklärt der Führer Dr. Eckener folgendes:
Um D8/, Uhr war baß Luftschiff zur Abfahrt bereit, und die Bedienungsmannschaften und die Fcucr- wehr zogen baß Luftschiff zur Halle heraus, nach- dem man sich vorher überzeugt hatte, daß die augcu- blickliche Windstärke 3—4 Sekundenmeter betrug und die Windrichtung im Längsschnitt der Halle verlief. Schon war das Luftschiff ganz auS der Halle herausgebracht und hatte mit seiner Spitze die Hälfte der «rfjiiCmanb erreicht, da faßte plötzlich eine heftige Scitenböc baß Luftschiff. DaS anwesende zahlreiche Publikum eilte sofort herzu und etiva 120—150 Personen versuchten das Luftschiff au halten. Trotzdem wurde cs gegen die Wand getrieben unb erlitt in der Nähe der hinteren Gondel einen leichten Knick In demselben Augenblick wurde die Spitze des Schiffes, die sich inzwischen emporgehoben hatte, gegen die Kante des Daches geschleudert, geknickt und legte sich über das Dach selbst. So war daS Luftschiff ein Wrack. Man war nun in erster Linie auf die Rettung der acht Passagiere bedacht. Die in oer Halle befindliche Leiter der Feuerwehr wurde hervor- gczogen, um die Passagiere aus der Gondel, die sich in chua 15—20 Meter Höhe befand, aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien. Die Bergung bot große Schwierigkeiten, aber infolge der umsichtigen Leitung gelang es, die Passagiere ohne die geringsten Verletzungen in Sicherheit zu bringen. Inzwischen war auch Militär, daS von der Uebung zurückgekehrt war, zur Hilfe geeilt und beteiligte sich mit Eiser am Rettungswerk. Der Schaden ist so groß, daß das Luftschiff vollständig betriebßunfäbig ist, seine einzelnen Teile zum Neubau nicht mehr zu verwenden sind. Das Ung! üct ist auf höhere Gewalt zurückzuführen, und eß hätte nicht etutreten können, wenn man auf der Golzheimer Heide, wo die Halle steht, nicht mit ganz anormalen Windverhältnissen zu rechnen hätte Die unversehrten BallonetS, die Gondel und die Maschinen werden nach Friedrichshafen geschafft, gleichfalls die Aluminiumteile, die dort ctngeschmol- zen werden sollen. Graf Zeppelin ist sofort von dem Unglück benachrichtigt worden.
Der Zeppelin-Luftkreuzer „Deutschland" ist aus den Trümmern des bei einer Iourualistenfahrt am 28. Juni 1010 im Teutoburger Walde gescheiterten Luftschiffes gleichen Namens hervorgegangen, wies jedoch einige Aenderungen gegen dieses auf. Die „Deutschland" war bei einem Gasinhalt von 19 000 Kubikmetern 148 Meter lang und hatte einen größten Durchmesser von dreizehn Metern. Die Motorenstärke betrug 3ß0 PS. Die Passagiergondel, die mit allem Komfort ausgestattet war, bot 24 Personen Platz. Erst vor Monatsfrist war der Ballon von Friedrichshafen nach Stuttgart und dann nach seinem Standpunkt in Düsseldorf geflogen, wobei sich das Schiff lehr gut bewährte. Wenige Tage nach seinem Eintreffen in Düsseldorf stieß der „Deutschland" ein Unfall zu, der aber wenig Schaden verursachte. Das Schiff stieß beim Herausbringen aus der Halle gegen die Wand, und ein Propeller und die Steue- rnngsvorrichtungen wurden beschädigt. Nach einigen Tagen war die Reparatur beendet, und die „Deutschland" nahm ihre Passagierfahrten auf, die sie in die weitere Um» Hebung von Düsseldorf führten und regen Zuspruch fanden. Nun hat das stolze Schiff, wie seine Vorgänger, nach kurzer Lebensdauer seinen Untergang gefunden.
X Düsseldorf, 17. Mai Graf Zeppelin, der heute früh hier eingetroffen ist, besichtigte gegen 8 Uhr die Trümmer des Luftschiffes. Er äußerte sich über den Unfall dahin, daß es angebracht sei, einen zweiten Ausgang an der Halle anzubringen.
Drahtnachrichten und neuestes.
Zum Besuche des Kronprinzenpaares in Petersburg.
X Petersburg, 17. Mai. Anläßlich der bevorstehenden Ankunft des deutschen Kronprinzen und der Kronprinzessin in Petersburg veröffentlichen die Zeitungen Bilder des Paares und bringen sehr herzliche Vegrüßungsartikel. Das Kronprinzenpaar hat gestern abend 10 Uhr die russische Grenze bei Wirballen passiert, wo es von dem russischen Ehrendienst begrüßt wurde.
Große Unterschlagungen eines Gcmcindckassierers.
X Cöln, 17. Mai. In Fraulautern im Rheinland wurde während einer Erkrankung des Einnehmers in der Gemeindekasse eine Revision abgehalten. Dabei entdeckte man jahrelang zurückliegende Unterschlagungen. Vorläufig ist ein F-ehlbetrag von 50 000 .^ festgestellt.
Gehaltsforderungen der französischen Post- nnb Tclcgraphenbcamten
X Paris, 17. Mai. Die Post- und Telegraphenbeamten hielten gestern abend eine Versammlung ab, in der sie eine 20prozen1ige Erhöhung des Gehaltes forderten für alle Beamte, die weniger als 0000 Francs jährlich beziehen.
Randel und Oerkehr.
Frankfurt, 15. Mai. Viehmarktpreise vom 15. Mai. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht) 49—54 Ji, (Schlachtgewicht) 89—93 Ji, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete (Lebendgewicht) 44—48 JI, (Schlachtgewicht) 80—87 Ji, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgewicht) 41 —43 X (Schlachtgewicht) 75—79 JL B. Bullen, a) voll- fleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes (Lebendgewicht) 4.3—47 Jt, (Schlachtgewicht) 71—78 Ji. b) vollfleischige jüngere (Lebendgewicht) 40—42 Jt, (Schlachtgewicht) 66—70 Jt, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgewicht) 37—38 Jt, (Schlachtgewicht 67—69 Jt. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgewicht) 45—47 X (Schlachtgewicht) 81—84 Jt, b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachfwertes bis zu 7 Jahren (Lebendgewicht) 43—46 Jt, (Schlachtgewicht) 80—83 Jt, c) 1. wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgewicht) 40—42 Jt, (Schlachtgewicht) 77—81 Jt, do. 2. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgewicht) 35—40 Jt, (Schlachtgewicht) 65 bis 74 Jt, d) mäßig genährte Kühe und Färsen (Lebendgewicht) 30—34 Jt, (Schlachtgewicht) 60—68 X e) gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 20—27 Jt, (Schlachtgewicht) 46—52 Jt. D. Kälber: a) Doppellenoer feinste Mast (Lebendgewicht) 00—00 Jt, (Schlachtgewicht) 00-00 Jt, b) feinste Mast- (Vollmilch-Mast) und beste Saugkälber (Lebendgewicht) 00-00 Jt, (Schlachtgewicht) 00-00 Jt, c) mittl. Mast- und gute Saugkälber (Lebendgewicht) 50—55 Jt, (Schlachtgewicht) 85—93 Jt, b) geringe Saugkälber (Lebendgewicht) 44—48 Jt, (Schlachtgewicht) 75—81 Jt. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgewicht) 43—45 JZ, (Schlachtgewicht) 88—90 Jt, b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht) —,— X (Schlachtgewicht) —,— X Schweine a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogramm Lebendgewicht (Lebendgewicht) 45—47 Jt, (Schlachtgewicht) 58—60 . tt, b) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht (Lebendgewicht) 44 8—47 Jt, (Schlachtgewicht) 57—60 Jt, c) vollflcischige Schweine von 100 biß 120 Kilogramm Lebendgewicht (Lebendgewicht) 45—47 Jt, (Schlachtgewicht) 56—59 Jt, d) vollfleischige Schweine von 120 bis 160 Kilogramm Lebendgewicht (Lebendgewicht) 45—47 Jt, (Schlachtgewicht) 56-59 Jt.