Deutscher Reichstag.
Die Verhandlung über die Bestimmungen für die Auappschafiskasien nahm am Dienstag bei der Weiterberatung der Reichsvcrsicheruugsordnung den ersten Teil der Sitzung in Anspruch. Nach einem Zusatz der Kommission sollen, soweit nichts anderes in der Reichsversicherungsord- nung vorgesehen die landesgesetzlichen bergrechtlichen Bestimmungen unberührt bleiben. Die Debatte spitzte sich zu einer parteipolemischen Auseinandersetzung zwischen den Führern der sozialdemokratisch und denen der christlich organisierten Bergarbeiter zu. Die Sozialdemokraten hatten Anträge auf Sicherung des Wahlgeheimnisses und auf Gewährung des uneingeschränkten Wahlrechts an die Berg- invaliden gestellt und schon der erste Begründer dieser An- träge, Abg. Huc, nahm sie zur Grundlage heftiger Ausführungen. Die Abgg. Becker-Arnsberg (3-), Behrens lw. Bgg.) und Schirmer (3.) erwiderten ihm wie dem Abg. Sachse iSoz.). Abg. Gothein (f. Vp.) ergänzte die sozialdemokratischen Anträge, für die sich auch der Pole Korfanty erklärte. Dazwischen rechtfertigte in längerer Debatte der Abg. Semler (nl.) das Verhalten der Mehrheitsparteien, die sich mit Rücksicht auf zweistündige Reden der Sozialdemokraten bei einem Gesetz von mehr als 1700 Paragraphen notgedrungen in Schweigen halten müssen. Nachdem diese polemischen Auseinandersetzungen lange hin und her gegangen waren, folgten eine Reihe von Abstimmungen, da^ runter namentliche. Das Ergebnis war die Annahme eines Antrages Schultz und Genossen, wonach in die Gene- ralversammlung und den Vorstand einer Knappschaftlichen Krankenkasse auch Knappschaftsiuvaliden gewählt werden können, sofern sie Mitgliederbeiträge an die Kasse zahlen. Beim letzten Abschnitt des Buches Krankenversicherung, „Ersatzkassen", wurde die bedingte Wciterzulassuug der leistungsfähigen freien Hilfskassen von mehreren Rednern begrübt. Der oldenburgische Buudesratsbevollmächttgte, der zugleich Lippe vertritt, nahm dabei besonders auf die Lip- pescheu Verhältnisse Bezug, für die Heine Hilfskassen eine Notwendigkeit darstellen. Im übrigen sprachen auch hier im wesentlichen nur Sozialdemokraten. Das Buch Kran- kenversicherung wurde erledigt und dann das Dritte Buch „Unfallversicherung" (§§ 560 bis 1211) in Angriff genommen. Die hierzu gestellteu sozialdemokratischen Anträge, die den Kreis der Nersicherungspflichtigen auf alle der Krankenvcrsichcrungspflicht unterworfenen Personen erweitern wollten, wurden abgelehnt und die ersten zehn Paragraphen nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. Zwischendurch machte der Präsident unter lebhaft'M Beifall Mitteilung von einer Einladung der städtischen Behörden in Dresden zu einem Besuche der Hygieneausstel- lnng. Am Mittwoch geht die Beratung bei dem Abschnitt über den Umfang der Gewerbennsallversicherung weiter.
Vie Uronprinzenreiss nach Petersburg.
Der deutsche Kronprinz ist mit seiner Gemahlin in der russischen Hauptstadt eingetroffen, um einige Tage als Ga t am russischen Kaiserhofe zu verbringen. Mit seiner Reise verbindet Kronprinz Wilhelm zugleich eine hohe pol tische Mission. Man kann es nur begrüßen, daß dem Kronprinzen in letzter Zeit mehr und mehr Gelegenheit geboten worden ist, sich auf seinen künftigen Herrscherberuf vorzubereiten.
Eine praktische politische Tätigkeit im engeren Sinne konnte natürlich nicht in Frage kommen. Richt in Berlin, am Brennpunkt der deutschen Politik, sondern draußen in der Welt, in fernen Ländern soll der deutsche Kronprinz lernen was uns not tut. Diesem Zwecke diente die Refte durch Indien, deren Bedeutung nicht dadurch abgeschwächt werden kann, daß der Kronprinz dabei auch seinen sportlichen Neigungen lebte. Die Eindrücke, die der Kronprinz auf dieser Reise empfing, waren so nachhaltig, daß man mit Bestimmtheit darauf rechnen kann, daß auch der abgebrochene Teil der Reise, sobald es die Verhältnisse erlauben, zur Ausführung gelangt. Dem gleichen Zweck wie diese Studienreise dient auch die stärkere Heranziehung des Kronprinzen zu repräsentativen Verpflichtungen. Eigeihtlich kann man zwischen beiden kaum einenUnterschied machen: Auch die Indienreise legte dem Kronprinzen starke repräsentative Verpflichtungen auf, r.nb gerade dadurch wurde ihre Bedeutung noch wesentlich erhöht. Umgekehrt aber können und sollen auch die mehr repräsentativen Reisen des Kronprinzen zu Studienreisen werden. Dies gilt auch von der jetzigen Reise an den Petersburger Hof. Gewiß trägt sie vorwiegend repräsentativen Charakter; sie ist eine Aufmerksamkeit zum Geburtstage des Zaren. Andrerseits aber gibt sie doch auch dem Kronprinzen Gelegenheit, mancherlei zu lernen, was für den künftigen Herrscher von Wichtigkeit ist.
Natürlich hat der Petersburger Besuch auch eine gewisse politische Bedeutung. Er zeigt, daß die deutsch-russischen Beziehungen andauernd freundschaftlich sind. Zugleich kann er aber auch zur Befestigung des Einverneh
Zwei Kirben an einem Stengel.
Roman von A. von L1 l 1 e n c r o n,
ß) (Nachdruck verboten.)
Die Schlußbemerkung, das Cousinchen sei in höchst eigener Person ein Vergißmeinnicht, ging bei ihr in ein Ohr hinein und aus dem anderen heraus, aber daß er die Tasse gelobt, das freute sie.
So waren sie alle in bester Stimmung; eine Waldpromenade folgte, und als der Vetter dabei eine Wassermühle entdeckte, an die sich eine kleine Restauration anschloß, lud er die Damen dort zum Abendessen ein. Solch ein romantisches Plätzchen sei wie geschaffen, um dort im engen Kreise gemütlich ein gutes Abendbrot einzunehmen.
Mit der Qualität dieser Magengenüsse haperte es fre lich, trotz des vielsagenden Wunsches: es muß alles vom Besten sein; aber die Großstädter wollten sich die Laune nicht verderben lassen und machten gute Miene dazu. Schwester Iettchen war glücklich über die Freundlichkeit ihres Röschens, und 'Katyi genoß dieses seltene Vergnügen, auswärts zu Abend zu esten, mit ungeteilter Freude.
Es war auch gar so wunderschön, hier unter der geschützten Veranda zu sitzen; die Luft war mild und am
und rau'
Himmel stand der Mond, der sich in dem stillen Mühlteiche spiegelte, während bei der Schleuse das Wasser schäumte lschte. Kathi sah ganz verträumt in das Dunkel ldes hinein, und dabei hörte sie aufmerksam zu,
des $Bal— v------- ---------Om,
was der Vetter erzählte. Lustige Geschichten waren es und blendende Schilderungen von dem Leben und den Ver
gnügungen der Stadt. Einmal beugte er sich ganz nahe ju ihr und fragte: „Cousinchen, woran denkst Du?"
Cie fuhr ordentlich zusammen, als er sie anredete sah ihn groß, wie aus einem Traume erwachend, an und sagte dann langsam: „Es muß doch ganz wunderschin sin bi euch!"
»Versteht sich, Cousinchen, das ist es auch, und Du
mens dienen; denn in oen Beziehungen der Völker zu einander spielen Sympathien und Antipathien eine große Rolle. Das .frische offene Wesen des Kronprinzen dürfte ihm aber in Petersburg so gut wie in Indien und Rom die Sympathien der Bevölkerung eintragen.
^iindsc^u vvm Cage.
Politisches.
Ueber die Geschäftslage des Reichstags ist den Parteien vertraulich mitgeteilt worden, daß die Regierung bereit sei, die Session mit Eintritt der Pfingstferien zu vertagen, wenn bis dahin die Reichsversicherungsordnung, die elsaß-lothringische Verfassung und der schwedische Handelsvertrag erledigt seien. Für diesen Fall würde eine Session zur Erledigung der weiteren Aufgaben im Herbst stattfinden. In den Fraktionen haben vertrauliche Besprechungen darüber stattgefunden.
Die Etatsstärke des Marinepersonals hat sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt. Sie betrug im Jahre 1901 31038 Mann, war dann im Jahre 1906 auf 43 474 Mann gestiegen und beläuft sich jetzt auf 60 580 Mann. Auf die einzelnen Chargen verteilt, beträgt die Zahl der Seeoffiziere jetzt 1968, Ingenieure 437, Aerzte 286, Deckoffiziere 2575, Unteroffiziere 12 288, Gemeine 41126 und Schiffsjungen 1650.
Die Wünsche der preußisch-hessischen Lokomotivführer. In Berlin tagt der Verband der preußischen und hessischen Lokomotivführer zur Beratung organisatorischer Aufgaben und wichtiger Standesfragen. Als Vertreter der Regierung nimmt an ihr ein Oberregierungsrat vom Eisenbahnministerium teil. Aus den Verhandlungen sei die Mitteilung über die Verleihung der Achselstücke der Bahnmeister und Assistenten an die Lokomotivführer bervorge- hoben. Hierdurch sowie durch die im Januar erfolgte Festlegung des Lokomotivführerranges»als das eines mittleren Beamten finden die wichtigsten ideellen Wünsche dieser Beamten Befriedigung. In der Versammlung herrschte wegen dieser Auszeichnung eine begeisterte Stimmung, die in Telegrammen an den Kaiser und den Eisenbahnminister zum Ausdruck gelangte. Von den Beratungsgegenständen seien ferner erwähnt der Wunsch nach einer reichsgesetzlichen Regelung der Dienst- und Ruhezeiten, das Verlangen nach einer getrennten Dienstanweisung für Lokomotivführer und -Heizer sowie der Bericht über die erfolgreiche Tätigkeit der vom Ministerium berufenen Signalkommission zur Verhütung von Unfällen.
Das neue russische Flottenprogramm wird zu seiner Durchführung 1% Milliarden Rubel fordern. Der russische Marineminister beabsichtigt, die deutschen und englischen Werften aufzufordern, den Bau von Kriegsschiffen auf russischen Werften zu übernehmen.
Mulay Hafid ermordet? Der Londoner „Standard" veröffentlicht folgende Meldung seines Berichterstatters aus Tanger: In gut unterrichteten marokkanischen Kreisen ;eht das Gerücht, daß Mulay Hafid in Fez ermordet wollen ist, weil bekannt wurde, daß er die Hilfe der franzö- ischen Truppen verlangt hat. Ich gebe diese Nachricht unter allem Vorbehalt, aber sie wäre gut zu erklären aus dem fanatischen Haß, den die nationalistische Partei in Marokko gegen jede beabsichtigte fremde Einmischung hat. — Der Unwille gegen die französische Einmischung wächst unter den Eingeborenen ständig.
Ueber die Revolution in Mexiko wird aus Neuyork gemeldet: Die Aufständischen nahmen den 60 Meilen nordöstlich von Mexiko gelegenen Ort Pachuca, der in einem der reichsten Bergwerksdistrikte liegt, ohne Widerstand. Der Gouverneur ist geflüchtet. Eine Telephonistin machte diese Mitteilung nach der Hauptstadt und fügte hinzu, die Aufständischen hätten die Negierungsgebäude mit Dynamit in die Luft gesprengt; die Gefangenen seien aus dem Gefängnis befreit worden; die Geschäftshäuser seien nicht geplündert, nur zwei Banken seien beraubt worden. — Ein Berichterstatter des „Newyork World" in Torreon kabelt: Ich war Augenzeuge eines furchtbaren Gemetzels in Sombre- rete. 1700 Aufständische stürmten Sombrerete, aufgebracht über die Grausamkeiten, die die Bundessoldaten an Landbewohnern begangen haben, und metzelten 500 Bundessoldaten und Einwohner nieder, die sich weigerten, Hochrufe auf Madero auszubringen.
Kleine natbriebten.
Der Stapettauf des kleinen Kreuzers „Breslau" hat am Dienstag auf der Werft „Vulkan" in Stettin stattgefunden. Die Taufrede, die mit einem Katserhoch schloß, hielt Oberbürgermeister Vender-Vreslan. Das Schiff erhielt den Namen „Breslau".
mußt das alles kennen lernen," antwortete er ihr, „ich gebe nicht Ruhe, bis Du einmal zu uns kommst; gefallen wird es Dir schon bei uns, da wette ich Kopf und Kragen drum."
Sie sagte nichts darauf, aber er hatte die Genugtuung, daß er ihre Augen hell aufleuchten sah.
in.
Strahlenden Sonnenschein, fröhliches Kirmeswetter aab es den andern Tag. Im Witwenhäuschen stand man früh auf, und auch heute waren Mutter und Tochter schon zeitig bei Wege. Die Großstädter hatten „das Frühstück im Gasthaus einnehmen wollen", da Frau Rosa erklärte, „das gehöre sich so". Die Tante hatte den Kirchgang abgelehnt unter dem Vorwande, daß sie das zu sehr an- ariffe, sie wolle, wenn sie ausgeschlafen habe, zu Iettchen kommen und mit ihr das Leinenzeug durchsehen, das noch von den Eltern stamme.
Julius hatte Kathi gestern für den heutigen Vormittag eine Waldpromenade vorgeschlagen, sie hatte aber dazu den Kopf geschüttelt und in ihrer bestimmten Meise erklärt: „Ich geh zur Kirch!"
„Dannn wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als Dich dahin zu begleiten," war seine etwas seufzende Antwort gewesen.
„Wannst ausgeschlafe häst!" hatte sie dazu gelacht.
Nun waren Mutter und Tochter mit ihrem Kaffeetrinken fertig, und Kathi stand, nachdem sie alles weggeräumt, in ihrem Sonntagsstaate vor der Tür. Sie schien auf irgend jemand oder irgend etwas zu warten. Der Vetter war's nicht, denn ihr Kopf drehte sich nicht nach dem Dorfe. Es fehlte noch eine halbe Stunde bis zur Kirchzeit, langsam wandte sie sich dem Walde zu.
Die. grüne Dämmerung hatte sie kaum umfangen, da tarn ihr auch schon ein rascher Schritt auf dem Fußsteig entgegen.
Sie blieb stehen. Richtig, er war's, der Erwartete.
Acht Millionen Mark soll der Kaufpreis des Gelände-, eines fiskalischen Forstes, betragen, auf dem die Siemens- Schuckert-Werke beabsichtigen, ein großes Werk für 8 6i& 4000 Arbeiter anzulegen. Das Gelände liegt in der Nähe von Halle.
Das Befinden des Papstes. Nach der Tribuna leidet der Papst an einem leichten Gichtanfall, doch hütet er nicht das Bett. Das Allgemeinbefinden ist gut.
Die österreichische Alpcnautomobilfahrt hat gestern nachmittag mit der Etappe Klagensurt-Wten ihr Ende get funden. Von 51 gestarteten Wagen sind 6 auf der Strecke geblieben.
Ein großer Wasierrohrbruch in Charlottenburg. Dienst tag mittag brach plötzlich das Hauptwasserrohr des Charlois tenburger Wasserwerks. Es gab eine große Ueberschwem- mung und die Inhaber der Wasserleitungsanschlüsse waren fast eine Stunde lang ohne jegliches Wasser.
Anschlag auf eine Personenzug in Schlesien. Auf der Eisenbahnstrccke Goldberg-Hermsdorf wurde von bis jetzt nicht ermittelten Tätern versucht, einen Personenzug dadurch zum Entgleisen zu bringen, daß ein Pflugrad auf die Geleise gelegt wurde. Glücklicherweise bemerkte der Lokomotivführer das Hindernis und brachte den Zug zum Halten.
Verzweiflungstat eines verlassenen Ehemanns. Ein Milchhändler in der Cölner Vorstadt Nippes durchschnitt seinem einjährigen Kinde den Hals und nahm sich dann selbst durch Gift das Leben. Die Frau des Milchhändlers hatte ihren Mann vor einigen Wochen böswillig verlassen.
Ein sonderbarer Automobilunfall ereignete sich kürzlich in Nürnberg. Als ein Automobil stadteinwärts fuhr, sprang plötzlich ein Rehbock aus dem Walde heraus, der vom Wagen erfaßt und getötet wurde. Das Automobil glitt seitwärts und geriet in den dort 1 % Meter tiefen Straßengraben. Sämtliche drei Insassen wurden heraus- geschleudcrt, erlitten aber nur leichte Verletzungen.
Einen grauenhaften Selbstmord verübte am Dienstag der 89jährige Kaufmann Johann Sprott in Mannheim. Er begoß sich mit Petroleum, zündete sich an und verbrannte. Die Ursache des Selbstmordes ist ein unheilbares Leiden. Sprott hinterläßt Frau und Kind.
Einen schaurigen Fund machte ein Waldaufseher in einer Unterstandshütte bei Lohr in Unterfranken. Dort lagen aufgebahrt mit Blumen geschmückt die Leichen eines drei- und eines fünfjährigen Knaben. Sie wurden als die Kinder des Schneiders Georg Faeth rekognosziert. Der eigene Vater hatte sie erwürgt. Er ist jetzt flüchtig. Faeth war nervenleidend und schon längere Zeit arbeitslos.
Uermisebtes.
Ein Bruch zwischen dem Grafen Zeppelin und Professor Hergesell Professor Hergesell wird nicht mehr nach Friedrichshafen zurückkehren, sondern von Teneriffa, wo er zur Kur weilte, nach Berlin reisen und dort Aufenthalt nehmen. Die langjährige Freundschaft zwischen Graf Zeppelin und Professor Hergesell war schon seit der unglückseligen Katastrophe von Echteröingen sichtlich erkaltet, und Graf Zeppelin hatte alle Mühe, die Anordnungen Hergesells gegen seine anderen Mitarbeiter auf der Werft in Schutz zu nehmen. Auch die Polar-Vorexpedition, von der Graf Zeppelin nicht viel wissen wollte, für die aber Professor Hergesell den Kaiser und den Prinzen Hinrich inte- ressiert hatte, fällt auf das Konto Hergesells.
Geständnis eines Bombensenders. Der Fleischergeselle Franz Müller in Königsberg t. Pr., der unter cm Verdacht verhaftet wurde, ein Paket mit zwei Bomben n die Familie Schwandtner in Schirwindt GOfLpr.) geschi« 't zu haben, hat angesichts des Belastungsmaterials eingestanden, die Höllenmaschine angefertigt und abgesandt zu haben. Die Familie Schwandtner sei ihm unbekannt, er habe aber auf Grund verschiedener Briefe seiner Mutter, sie über das Verhalten der Familie Schwandtner klagte, einen Haß gegen diese gefaßt und sie erschrecken und ein- schüchtern wollen.
Wellmans Nachfolger Vaniman, der Erbauer des Luftschiffs „Amerika", das im vergangenen Jahre den Versuch gemacht hat, den Ozean zu kreuzen, bereitet eine neue Luftfahrt über den Ozean vor. Wellman wird nicht daran teilnehmen. Vaniman glaubt inzwischen alle Mängel, auf die das Fehlschlägen der letzten Luftfahrt zurückgeführt wurde, beseitigt zu haben. Gegen das Recht, dem neuen Luftschiff den Namen zu geben, hat sich ein reicher Amerikaner bereit gefunden, die Kosten der Expedition zu tragen. Auch diesmal ist Atlantic City der Ausgangspunkt. Die „Neuyork World" hat Vaniman einen Preis von 80 000 .^ versprochen, wenn er mit seinem neuen Luftschiff in einem Tag die Reise von von Atlantic City nach Neuyork und zurück mache, eine Aufgabe, die keineswegs unmöglich ist, da doch die ganze Entfernung nur 200 Meilen beträgt. DaS Levensrettungsboot der „Amferika" und die berühmte Glückskatze sind noch immer „auf der Tour" in Amerika und werden in den Warenhäusern aller großen Städte ansgestellt gegen ein Entgelt von 800 .7/ wöchentlich.
Der „Kaiser der Sahara" vor Gericht. Iacgues L, der, wie man sich noch erinnern wird, vor acht Jahren mit dem Schiff „Frasguita" atlszog, um die Wüste Sahara für sich als Kaiserreich zu erobern, wird jetzt allen Ernstes ob seiner Schulden vor Gericht zitiert. Die Matrosen, die da-
„Hast gedacht, daß ich kumme würd?" fragte der junge Bursche, der ihr innig in die lieben Braunaugen blickte.
„Na freilich doch! Mußt mi ja das Kirchensträußle bringe!" Sie streckte die Hand danach aus und er zog unter seiner Jacke ein kleines Heidebüschel hervor.
„Just dieselbe Blümels, die Du mir bracht hast," meinte er. „Schau, ich trag sie am Sonntagshut. Isis so recht, Mädel? Zwei Kirschen an einem Stengel, die müsse doch auch dieselbe Blümle habe!"
Sie nickte seelenvergnügt und nahm den Strauß.
„Heute abend wirst tüchtig mit mi tanze," fuhr er fort, „oder hast alleweil schon de Vetter us de Glaskutsch den ersten Tanz verspräche?"
„Beileibe nit," wehrte sie, „der gehört Di, aber wißt/ so gar übel seien die Eroßstadtleute nit. Sie Habens allweil viel feiner als unsereiner, aber gefalle tuts ihnen ok bi uns."
Die Kirchglocken tönten vom Dorf her. „Nun wirds Zeit," unterbrach sich das Mädchen, drückte ihrem Hans die Hand und eilte auf dem Wege, den sie gekommen, nach ihrem Haus.
„Auf Wiedersehen in de Kirch und hüt abend bin Fest," ries er ihr nach.
Vom Vetter war noch nichts zu erblicken, und das war der Kathi gerade recht, warum, wußte sie selbst nicht zu sagen. Sie holte sich das Gesangbuch, legte das saubere Nastüchle und den Strauß darauf, und mit diesen ihr zum Kirchgang unentbehrlich dünkenden Sachen in der Hand machte sie sich auf den Weg.
In der Dorfstraße hörte sie jemand hinter sich her hasten und rufen. Sie drehte sich um.
Etwas atemlos, aber auf das schönste frisiert und pomadisiert, mit keck aufgesetztem Bärtchen, stiefelte Vetter Julius hinter ihr her und telegraphierte eifrig mit den Händen. Das sollte nun wohl heißen, daß sie auf ihn warten solle. Wohl oder übel mußte sie sich dazu entschließen (Fortsetzung folgt.) ;