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der Großherzoglichen J

Bürgermeisterei V

sowie vieler anderer ^^^

des Großherzoglichen

Polizei-Amte«

»t. 224

Telephon: Nr. 362.

Freilag, dm 17. November 1911.

Telephon: Str. 368. 23. Jllhtg.

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melden, n^ Urkunde ersi ie Notar 6. Septei en sind, in

Die fortschrittliche Uolkspartei

alle gestern, am Vorabend der Stichwahl- chlacht, noch eine Wählerversammlung in -ins Garten einberufen, die sich gleich den vorhergeh- n, zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Nach eini- einleitenden Worten der Vorsitzenden, Justizrat

t^ und des bekannten Rittergutsbesitzers Becker- Hmannshagen, ergriff der freisinnige Kandidat Pro­tt U r st a d 1 das Wort. Er schilderte die politische .u }c im Reich und wies daraus hin, daß im Reichs- ^erner.daj^ cjn gemeinsames Vorgehen der beiden liberalen ten MâUchPackeim zustande gekommen sei. Die Ursachen, welche mell und er ein gleiches Verhältnis in Hessen bisher verhindert ha- StS?fl,i seien in der Struktur der Nationalliberalen Partei

gebraucht

Hb Leutè~^ ^en. Diese habe mehr darnach getrachtet, ihre Itnbate zu erhalten als sich ihre liberalen Prinzipien enjiabw^ ^wahren. Um ihre Zahl an Mandaten zu sichern, eweises bediltifc? sie, als ihr dies nicht mehr aus eigener Kraft ge- die Hilfe der reaktionären Parteien angenommen, nicht ubertit'k (jarQU5 erwachsenden Verpflichtungen gegen rechts 1 'n ^0 ^m ^aufe der Zeit die nationalliberale Partei ian inionär verseucht. Sie müsse sich erst aus eigener W daran heilen, um für die Fortschrittliche Volks- ei bündnisfähig zu werden. Vorläufig könne man ben Nationalliberalen nicht erwarten, daß sie wei- rcaftionären Bestrebungen der 1. Kammer einen !.r^m <^cn Widerstand entgegensetze als in der vergangenen geschweige denn mit aller Kraft für chweislich sok ic:crobcrung des an die Reaktion verlorenen Terrains

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nFällengebrariguftn werden. Redner kam dann auf die Sozialde- , " s' * atie zu sprechen, tadelte den Versuch, diese als Bür- ^'. ^l^ .H* Klasse und als vaterlandslose, gefährliche Ge- ' betrachten und zu behandeln. Er betonte, daß eltanschauungen der Sozialdemokratie zwar von t bw Freisinns grundverschieden sei, daß aber die- o/ni tj^fe große Kamps der Geister noch weit im Felde Erst müsse die Reaktion niedergeworfen werden

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1 tzilse der Sozialdemokratie. In dem dann folgen- POStkartt Rumpf gegen die Weltanschauung der Sozialdemo- UinSOnSl^ l<i ihm um das Geschick der freisinnigen Weltan- ------------ und ihrer Ideale nicht bange. Wer aber diese n rlin Tilling bringen wolle, den fordere er auf, ihm oer u tot Stimme zu geben.

Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Kan- - p it ii, worauf Rittergutsbesitzer Becker das Redner- VISDC^1 ^^t und bald die Zuhörer in seinen Bann ge- 1 H hatte. Er wies zunächst auf einige imGießener kostenlos crieijtr' erschienene Wahlaufrufe voneinem Arbeiter" 2) ,sieben Wählern" hin, die den Sozialdemokraten

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äicr Stimmenabgabe für Professor Urstadt abrie- 1'Hebiier wies aus seinen eigenen Erfahrungen nach, iokbe Mittel jedes Mal ohne Erfolg in den drei W mitgemachten Wahlen mit gleicher Parteigrup- ig wie hier versucht worden seien, aber auch noch crr. Dies zu beweisen, sei er in seinem Prozeß ver- C5t worden, obgleich seine Zeugen vor der Tür ge- öKi hätten. Dafür wolle er die Sache hier, wie er nch schon an einigen anderen Stellen gemacht habe, U7ch vorbringen. Redner beschuldigt nun unter na- .AVj^i Nennung die in der Angelegenheit handeln- r wichtigeren Personen, die konservative Partei, daß ein Pommern im Wahlkreis Greifswald-Grimm die 'iâmokraten mit zwei braunen Lappen und die Mimgen mit einem für Stimmenenthaltung zu ge- xnsir versucht hat. Ferner versprach ein dritter Äb- 5n2t« einem Arbeiter 1 Mk. für jede nicht abgegebene pl'icmofratitoe Stimme. Redner kam dann aus Hinderung des Wahlaufrufes der Nationalliberalen p^echenman solle einen unabhängigen Kandidaten lei und führte aus, wenn es wirklich in Hessen I Null sei, daß ein Beamter politisch nicht unabhängig IMe, so müsse man gerade deshalb Urstadt wüh­ln darin Aenderung zu schaffen. Sehr interessant likn sich die Ausführungen Beckers über die kon- itiw Partei in Preußen. Der Kampf mit ihr sei

11b beschwerlich, doch habe er den Vorteil, daß der iSin vollem Umfange Farbe bekenne. Redner be= de den bei der Finanzreform so berühmt geworde-

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Familiensinn" an der Hand eines Antrages der Dativen betreffend Fideikommisse. Dort wird klipp Mir ausgeführt, diese Einrichtung bezwecke die Er- Ms und Erhaltung des Glanzes einiger Hervorra-

'M Familien aus Kosten der anderen. Zur Begrün- , her Ablehnung eines geheimen, direkten Wahl-

, u« ^vtepnung eines y^ciniviM, ^^^"-«

^ftr Elsaß-Lothringen und Preußen werde von preussischen Junkern diepreußische Eigenart" ms gèjührt, die es mit sich bringe, daß der Preuße («h wählen könne. Redner entwickelte eine andere

| Auffassung von der preußischen Eigenart. Er schUdert mit packenden Worten die Tage Friedrichs des Großen i vor Leuthen gegenüber dem dreimal so starken Feind Messieurs, dort steht der Feind, wir werden ihn an­greisen, Pardon wird nicht gegeben !" Diese Worte zeu­gen von schlichter Heldengröße, von wahrerpreußischer Eigenart". Aber diesepreußische Eigenart" sei nicht ge­storben, sie sei aus den Feldern der großen deutschen Kriege zurpreußisch-deutschen Eigenart" geworden. Sie offenbare sich auch nicht nur aus den Schlachtseldern. Der Gelehrte in seiner Stube, der in treuer Wachsam­keit und angespannter Ausmerksamkeil für das Wohl und Wehe hunderter sorgender Führer an den Hebeln der dahinrasenden Maschine, der Matrose im schwanken­den Mastkorbe, der fleißige Arbeiter an seinen Geräten, sie alle seien Träger derpreußisch-deutschen Eigenart". Diesem Tlmstand aber hätten wir es zu verdanken, daß unserer Reich einen so überwältigenden, riesenhaften Auf­schwung genommen. Man habe nicht mit Unrecht ge­sagt, wir hätten unsere Siege durch den deutschen Schul­meister gewonnen. Dem könne man hinzufügen, daß auch in den Schlachten des Weltmarktes die deutschen Siege mit Hilse des deutschen Schulmeisters gewonnen seien. Darum müsse man mit Freuden dem Manne die Stimme geben, der mit aller Kraft dafür eintreten werde, dem deutschen Schulmeister seine freie, unabhän­gige Stellung zu bewahren oder zu erkämpfen. Der Redner kommt dann ebenfalls auf die Sozialdemokra­tie zu sprechen und hebt auch hervor, daß eine Nieder­werfung der Reaktion ohne Mitwirkung der äußersten Linken, ohne den Großblock unmöglich sei. Die Natio­nalliberalen würden sich an diesen Gedanken gewöhnen müssen. Redner habe überall in letzter Zeit einen eigen­artigen Zug im deutschen Volke bemerkt: es wolle nicht mehr so weiter regiert werden. Der verstorbene König Eduard 7. von England habe seinen neuen Premier, der als solcher in einem Wahlkreis gewählt sein muß, mit den Worten empfangen:Sie haben das Vertrauen des Volkes, also auch meines". In England, das nicht auf einer so breiten Basis der allgemeinen Volksbildung ruhe wie Deutschland, habe man die freisinnigen Ideen im Kampf mit der Reaktion zur Geltung gebracht. Auch in Deutschland sei dieses möglich. Der Liberalismus müsse in dem großen Wahlkampfe von dem furor teu- tonicus ergriffen werden, dann könne er die Reaktion niederringen. Redner wies dann zum Schluß ebenfalls darauf hin, daß diefür Urstadt" abgegebenen Stimmen nicht der Person gelte, sondern gegen ein ganzes reak­tionäres System, das niedergestimmt werden müsse von dem Liberalismus, der für Freiheit und Fort­schritt kämpft. Jeder müsse sich klar werden, ob er dieser Weltanschauung zum Siege verhelfen wolle. Dann sei die Losung gegen die Reaktion und alle, die sich nicht reinlich von ihr scheiden:Dort steht der Feind. Wir müssen ihn angreisen. Pardon wird nicht gegeben!"

Minutenlanger Beifall folgte den zündenden Wor­ten des Redners. Nach einer kleinen Pause wurde in die Diskussion eingetreten, in der nur zwei Mitglieder der sozialdemokratischen Partei das Wort ergriffen. Der erstere von ihnen befürwortete nach einigen kurzen Wor­ten die Stimmabgabe für Professor Urstadt. Der andere Redner, Beckmann, betonte in etwas längeren^Aus- führungen die Notwendigkeit, sich der politischen Situa­tion anzupassen und mit der Fortschrittlichen Volkspar­tei gegen die Reaktion und ihre Begünstiger Front zu machen. Seine Partei stehe den erwähnten Ausrufen im Gieß. Anz." der7 Wähler" usw. fern. Er fordere alle Parteigenossen auf, Mann für Mann für Professor Urstadt zu stimmen.

In seinem Schlußwort spann Justizrat Metz die Schlachtlosung des alten Fritz noch etwas weiter aus im Sinne der Fortsetzung:Das Kavallerie-Regiment, das nicht sofort einhaut ..." Er sei der Ansicht, daß viele Freisinnigen aus Gründen persönlicher Rücksicht­nahme in der Hauptwahl der Urne fern geblieben seien. Dieses Verhalten sei tadelnswert. Er hoffe, daß dies­mal alle ihren Mann stehen würden und die Fort­schrittliche Volkspartei zeige, daß sie sich auch aus eige­ner Kraft durchsetzen könne.______________________________

Hus Stadt und Land.

Gietzen, 17. November 1911.

Teuerungszulagen bei der Eisen- bahnverwaltung. Infolge der zunehmenden Verteuerung aller Nahrungsmittel hat die preußische Eisenbahnverwaltung beschlossen, sämtlichen unteren

i Bahnbeamten bis aus weiteres eine tägliche Zulage von

| 20 Pfg. zu gewähren. Die Bahnarbeiter sollen eine I 4prozentige Lohnerhöhung erhalten.

* Um Kartoffeln beim Ankauf für den Haus­halt auf ihre Güte zu prüfen, wird folgendes ein­fache Verfahren empfohlen: Man zerschneide eine Knolle und reibe beide Stücke auseinander; wenn dieselbe gut und mehlig ist, so kleben die beiden Stücke zusammen und es zeigt sich an den Rändern und an der Ober­fläche ein leichter Schaum. Wasser darf selbst beim Dnid kein Tropfen ausfliehen. Wo dies der Fall ist, kochen sie sich wässerig und schmecken schlecht. In der Farbe soll das Fleisch weiß sein und etwas in das Gelbliche spielen. Von ganz gelbem Fleisch behauptet man, daß sich die Knollen meistens nicht gut kochen.

* Neue Jnvalidenmarken. Mit der am 1. Januar 1912 in Kraft tretenden Hinterbliebenenver­sicherung, die der bestehenden Invalidenversicherung an- gegliedert ist, werden neue Jnvalidenmarken herausge­geben. Ein besonderer Beitrag wird für diesen neuen Versicherungstzweig nicht erhoben, sondern die bisheri­gen Beiträge für die Invalidenversicherung sind ent­sprechend erhöht, so daß sich die Sätze wie folgt stellen werden: Lohnklasse 1 16 Pfg. (zurzeit 14 Pfg.), Klasse 2 24 Pfg. (20 Pfg.), Klasse 3 32 Pfg. (24 Pfennig), Klasse 4 40 Pfg. (30 Pfg.), Klasse 5 48 Pfg. (36 Pfg.). Die neuen Marken sollen schon im Dezember zur Aus­gabe gelangen. Die nicht verwandten Bestände der al­ten Marken werden von den Versicherungsanstalten ge­gen bar zurückgenommen. Versicherungspflichtig ist je­der vom vollendeten 16t Lebensjahre gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Arbeiter, Lehrling, Geselle, Dienst­bote, Handlungsgehilfe, Betriebsbeamte, Werkmeister rc., sofern ihr Jahresarbettsverdienst den Betrag von 2000 Mark nicht übersteigt. Für nur freien Unterhalt Be­schäftigte sind versicher^ngssrei.

n Die Nachricht, daß die vermißte Marie W. von Liederbach, die hier die Aliceschule besuchte, als Leiche aus der Lahn geländet sei, hat sich als irrtümlich her- ausgestellt und beruht auf einer Verwechselung. Die Vermißte ist bis heute nicht ausgesunden.

o Langen. Dem hiesigen sozialdemokratischen Wahlausschuß wurde ein Teil der Wahttasse im Be­trage von 136 Mark in der Nacht entwendet. Einen noch größeren Betrag, der am gleichen Orte ausbewahrt wurde, ließ der Dieb sonderbarer Weise liegen.

o Friedberg. Unsere Eewerbeakademie feiert am 17., 18. und 19. d. Mts. ihr 10jähriges Bestehen.

o Alsfeld. Das Projekt einer Eisenbahn von Alsfeld nach Niederaula mit Abzweigung nach Schlitz dürfte seiner Verwirklichung bald näher rücken. Die end­gültige Entscheidung des preußischen Eisenbahnministers über die Linienführung Alsseld-Eisa und damit auch über den eigentlichen Beginn der Arbeiten ist in Kürze zu erwarten.

* Aus dem Rheingau. Ein Weingutsbe- sitzer in Winkel ließ alle vom Heu- und Sauerwurm be­fallenen Trauben sammeln und tat sie in eine Bütte

Es wird Zeit,

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