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Augenblick, als 300 Arbeiter sich auf einem Holzgerüst auf­gestellt hatten, um photographiert zu werden, stürzte das Gerüst ein. Aus den Trümmern wurden 14 Arbeiter schwerverwundet hervorgezogen,- eine größere Anzahl wurde leicht verletzt.

200 Häuser abgebrannt Im Flecken Desin lGouver- nement Lublin) an der russischen Grenze sind 200 Häuser abgebrannt. Acht Personen verbrannten im Hospital. 300 Personen sind obdachlos.

Eine ganze Familie vergiftet. Eine Bäuerin in einem Dorfe bei Krackau vergiftete das Mittagessen, von dem sie, ihr Mann und die beiden Stiefkinder aßen. Die ganze ^Familie ist gestorben.

Hus den (knebtssäkn.

Zwei Todesurteile. Das oberfränkische Schwurgericht in Bayreuth verurteilte den Schwellenhaucr Dremel aus Lauf wegen Raubmordes er ermordete am 81. Mai 1910 den Mühlenbesitzer Neubauer in Rothenkirchen zum Tode. Wegen Lustmordes, begangen an dem neunjähri­gen Töchterchen eines Schrcinermeisters in Lindau am Bo­densee, verurteilte das Schwurgericht in Augsburg den le> digen, 88 Jahre alten Dachdecker Kappelsberger, aus Oester­reich gebürtig, zum Tode. Der Unmensch hat das Kind zu­nächst erwürgt und hierauf den Leib ausgeschnitten, und die Leber herausgenommen, und zwar hat er das getan, da er nach einem alten Verbrecherglauben nunmehr vor der Entdeckung weiterer Straftaten angeblich bewahrt bleiben sollte.

Der Kwilecki-Prozeß endgültig entschieden. Das Reichs­gericht hat am Sonnabend das Urteil des Oberlandesgerichts Posen, wonach der kleine Graf Kwilecki der Bahnwärters­ehefrau Meyer zugesprochen wurde, aufgehoben und den Anspruch der Frau Meyer für unbegründet erklärt und ab­gewiesen. Das Reichsgericht hat das Verfahre« damit be­endet, und der kleine Graf bleibt nunmehr definitiv Graf Kwilecki. Majoratsherr auf Wroblewo ist zurzeit Graf Zbigniew Kwilecki, der Gatte der verstorbenen Gräfin Isa* bella. Nach seinem Tode wäre das Gut, da nur Töchter vor­handen waren, an eine andere Linie, den Grafen Mieizlam Kwilecki oder dessen Sohn Grafen Hektor gefallen, wenn nicht die Gräfin Isabella im Jahre 1897 nach 16jähriger Pause einem Sohne das Leben gegeben hätte. Die Gräfin war damals 51 Jahre, ihr Gatte 57 Jahre alt. Gräfin Isa­bella wurde nun der Kindesnnterschicbung beschuldigt und mit ihrem Gatten, einer Hebamme und zwei Dienerinnen angeklagt, vom Schwurgricht Berlin J jedoch im Jahre 1903 nach dreiwöchentlicher Verhandlung freigesprochen. Die Bahnwärtersehefrau Cäcilie Meyer in einer Ortschaft Mährens, die mit der Behauptung hervorgetreten war, sie habe das Kind unehelich geboren und an die Gräfin ver­kauft, strengte darauf einen Zivilprozetz an, den sie in er­ster Instanz verlor, in zweiter Instanz gewann. Jetzt hat das Reichsgericht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesprochen.

Uermiscbles.

Das große Los. Bittere Enttäuschung ist durch die Scharen der preußischen Lotteriespieler gegangen. In der Sonnabendvormittagsziehung wurde, wie gemeldet, das große Los in Höhe von 500 000 Mark gezogen, das auf die Nummer 12 332 fiel . Nun ist, schon am 7. Tage dergro­ßen" Ziehung, der Hauptreiz dahin, während man in den letzten Lotterien meist wochenlang zwischen Furcht und Hoffnung schweben konnte. Immerhin bleibt den Lotterie­spielern noch die Aussicht auf die 300 000-Mark-Prämie des letzten Ziehungstages, und auch außer der Prämie ist noch eine ganze Anzahl recht ansehnlicher Eewinnr im Glücksrade, so daß Fortuna denen, die sie beglücken will, immer noch lächeln kann. Das Gewinnlos wird in Ach­teln bei Kollekteuren in Berlin und Duisburg gespielt; die glücklichen Gewinner sind meist Kaufleute und Ge­werbetreibende.

Ohr und Nasenspitze abgebisien. In Spandau gerieten ein 19 Jahre alter Dreher und der Sohn eines Re­staurateurs in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Letz­terer sprang dabei auf den Dreher zu und biß ihm zunächst die Nasenspitze und dann den einen Ohrlappen ab. Der Verstümmelte mußte nach dem Krankenhause gebracht wer­den. Später wurde am Tatort der Ohrlappen gefunden. Die Nasenspitze hat der Wüterich anscheinend verschluckt.

In der Angelegenheit der Osteroder Primaner, die relegiert wurden, weil sie in Verspottung der Schüler­selbstmorde eine Puppe mit einer Primanermütze auf dem Kopf am Aste eines Baumes aufgehängt hatten, ist jetzt, wie dasB. T." hört, ein neuer Beschluß gefaßt worden. Nachdem eine abermalige Prüfung der Affäre stattgefun­den und auch das Provinzialschulkollegium sich mit der Sache beschäftigt hat, hat der Direktor des Osteroder Gym­nasiums die Strafe in den beiden Fällen, wo sie verhängt worden war, in das Consilium abeundi umgewandelt. In der Begründung heißt es, daß die Geständnisse der beiden Primaner als mildernde Umstände anzusehen seien. Beide sind jetzt in anderen Anstalen ausgenommen worden. Auch einigen Schülern des Osteroder Gymnasiums, die zu Kar- zerstrafen verurteilt worden waren und ihre Strafe schon verbüßt haben, ist jetzt eröffnet worden, daß ihnen diese Strafe in milderer Form angerechnet werden würde.

Irrfahrten eines Liebespaares. Mit einem Ver­brechen in Leipzig und einer Verhaftung in Berlin hat ein Liebesroman geendet, der in Erfurt begonnen. Der 23 Jahre alte Kaufmann Rudolf Kambhenkel war in Erfurt mit der gleichaltrigen Verkäuferin Elise Kott in einem Geschäft tätig und verliebte sich in sie . Mit einer Erb­schaft von 3000 Mark, die dem Mädchen zufiel, beschloß vas Paar, ein Geschäft zu kaufen. Zum Unglück aber fie­len beide einem Schwindler in die Hände; sie wurden ihr Geld los, ohne ein Geschäft zu bekommen. Das Mädchen war unterdessen Mutter geworden. Das Paar ließ das Kind in Erfurt zurück und fuhr nach Leipzig, um, da die Mittel erschöpft waren, dort Stellung zu suchen. Jetzt kam die Versuchung. Kambhenkel sah in einer Wohnung, in der er eine Schlafstelle mieten wollte, Silberzeug stehen. Er paßte die Zeit ab, da das Dienstmädchen allein zu Hause war, und nahm für 900 Mark Silbersachen mit. In Dresden machte das Paar einen Tsil der Beute zu Geld. Dann fuhren beide nach Berlin, um hier den Rest zu verkaufen oder zu versetzen. Als Kambhenkel einen Teil der Beute einem Trödler vorlegte, wurde er von einem kontrollierenden Kriminalbeamten, der nach seinem Ver­zeichnis die in Leipzig gestohlenen Sachen erkannte, mit seiner Braut verhaftet. Die noch nicht veräußerten Sil­bersachen wurden aus dem Bahnhof in dem Gepäck des Paares gefunden und beschlagnahmt. .

Der Rächer seiner Tochter. In Philadelphia wurde dieser Tuge ein des Mordes Ueberführter vom Gericht frei­gesprochen. Frank Mac Mahon, ein Mann in kleinbür­gerlichen Verhältnissen, hatte vor einiger Zeit den Mil­lionär George Leary äuf offener Straße niedergeschossen, weil er die achtzehnjährige Tochter des Mac Mahon ver­führt hatte. Leary war 58 Jahre alt und verheiratet. Als während der Gerichtsverhandlung die rührenden Briefe des Mädchens an seinen ÄersüHrer vorgelesen wurdet!, bra­

chen einige Geschworenen in Tränen aus. Der Vater wur­de freigesprochen, weil er in berechtigter Notwehr gehan­delt habe. Eine tausendköpfige Menge geleitete ihn unter Sympathiebezeigungen aus dem Gerichtsgebäude.

Ein geheimnisvoller Uebcrfall. Aus Rybnik (Ober- ichlesicn) wird gemeldet: Am Freitag früh ging ein junges Ehepaar aus Rybnik nach Schwallowitz, als plötzlich drei Männer aus den städtischen Anlagen hervordiangen und sich auf das Ehepaar stürmen. Der eine hielt die Frau fest, die beiden anderen schlugen und stachen auf den Mann so lange ein, bis er schwer verletzt zusammenbrach. Dann ergriffen die Unholde die Frau und schleppten sie in den Wald. Sie ist seitdem verschwunden. Die Polizei stellte sofort Ermittelungen an, tonnte jedoch bisher nichts Ge­naueres feststellen.

Ein Dallonwettfliegen mit Hindernissen. Der vom Kölner Klub für Luftschiffahrt und dem Niederrheinischen Verein für Luftschiffahrt am Sonntag bei Köln veranstal­tete Vallonwettflug stellte sich eine ganze Reihe von Un­fällen entgegen. Zunächst sollte der Aufstieg um 11 Uhr vormittags erfolgen .mußte aber infolge Eewilterstimmung auf 4 Uhr nachmittags verschoben werden. Der Ballon Prinz Adolf erhielt einen Riß und entleerte sich schnell. Beim Ballon Neuß rissen inolfge böigen Windes die Ver­bindungsseile, wodurch der Ballon gleichfalls aufgerissen wurde. Beim Ballon Elouth V verstrickte sich die Ventil­leine kurz vor der Abfahrt, wodurch sich das Ventil öffnete und das Gas rasch ausströmte. Kurz vor 6 Uhr begann endlich der Aufstieg von 7 Ballons.

Am Totenbett des Gatten freiwillig verbrannt. Trotz des Verbotes der Witwenverbrennung, hat sich die Witwe eines vornehmen Indiers namens Saibilini verbrannt, noch ehe ihr sterbender Gatte die Augen geschlossen hatte. Wie aus Kalkutta telegraphiert wird, war der Dame ge­sagt worden, ihr Gatte könne nur noch einige Stunden le­ben. Da zog sie ihre kostbarsten Gewänder an, bemalte Gesicht und Füße mit roter Farbe und lieh sich neben dem Lager ihres Gatten auf einem Haufen brennbaren, mit Petroleum getränkten Materials, ein heiliges Buch in der Hand, nieder. Alsbald entzündete sie denScheiterhau­fen", und ehe jemand zu Hilfe kommen konnte, war die Frau eine Leiche. Der Mann starb 15 Minuten später.

Vom eigenen Vater getötet. Im Orte Bojaro in der Provinz Avellino (Kalabrien) ist eine furchtbare Bluttat aufgedeckt worden. Ein junger Landmann war bei einem Getreidehausen als verkohlter Leichnam ausgefunden wor­den. Anfangs glaubte man, dah ein Unglücksfall vorliege. Jetzt ist jedoch eine junge Schwester des Toten vor der Staatsanwaltschaft erschienen und hat ausgesagt, daß ihr Bruder ermordet wurde. Der Vater duldete, daß seine älteste Tochter mit einem jungen Landarbeiter eine Lieb­schaft unterhielt. Der älteste Sohn verlangte, daß die bei­den sich heiraten oder sich trennen sollten. Es kam zum Kampf zwischen dem Sohn und dem Vater, woran sich auch der Geliebte der älteren Tochter beteiligte. Dabei erhielt der Sohn einen tödlichen Hieb auf den Kopf. Um die Tat zu verbergen, wurde die Leiche zu einem Getceidehaufen geschleppt und dieser in Brand gesteckt. Der Vater und seine älteste Tochter sind verhaftet worden; ihr Geliebter ist flüchtig.

Welche Vorrechte hat der König von England? Die bevorstehende Krönung des Königs Georg V. von England gibt Veranlassung zur Untersuchung der Frage, welche Vor­rechte, nicht im politischen Sinne, aber im alltäglichen Le­ben der Beherrscher des britischen Weltreiches genießt. Sie sind von mannigfacher Art und von kleiner und großer Be­deutung. Der König von England bezahlt weder Steuern noch Zollgebühren, denn in seinem Namen werden die Steuern und Zollgebühren ja erhoben. Er kann nie ge­richtlich verfolgt werden. Daß er aber seine Gegner aber selbst vor Gericht laden kann, hat König Georg V. in der kurzen Zeit seiner bisherigen Regierung dadurch bewiesen, daß er einen Zeitungsherausgeber, der die Verleumdung verbreitet hatte, der König lebe in Bigamie, zu einer em­pfindlichen Strafe verurteilen ließ. Der König von Eng­land schreibt keine Briefe, außer an seine Verwandten und Freunde. Der gewöhnliche Sterbliche, der sich brieflich an ihn wendet, erhält, so wichtig sein Begehr auch sein mag, nur von einem der Sekretäre und Adjutanten des Königs eine Antwort. Der König wird von niemand eingeladen, er ladet sich selbst zu East. Und dann muß ihm das Verzeichnis all derer, mit denen er während ein paar Stunden oder eines Tages weilen wird, vorgelegt werden; nach freiem Belieben streicht er Namen aus und fügt an­dere hinzu. Der König nimmt keine Geschenke an, es sei denn von seiner Familie oder fremden Staatsoberhäup­tern. Kein Buch darf ihm ohne seine Einwilligung gewidmet werden. Der König legt bei seiner Thronbe­steigung die Mitgliedschaft aller Klubs, zu denen er zählte, nieder. Und nicht unwichtig ist es in unserem Zeitalter des Verkehrs, daß das Automobil des Königs das einzige in England ist, das keine weithin sichtbare Nummer zu tragen braucht.

Aus dem Reiche der Technik.

Brückenbau ohne Störung der Schiffahrt. An der neuen Eifenbahnbrücke der rheinischen Strecke Oberhausen-Hohen­budberg bei Haus Knipp wird gegenwärtig eine hochinte­ressante Arbeit ausgeführt. Die beiden Seitenbogen sind fast fertig montiert, und es fehlt nur noch der große Mittel­bogen, der den Strom in einer Breite von 120 Metern Überspannen soll. Um nun die Schiffahrt, die in diesem Teil des Rheins besonders lebhaft ist, nicht zu behindern, wird der Mittelhogen an einer anderen Stelle des Stro­mes zusammengesetzt. Zu diesem Zweck hat die Bauleitung einige Kilometer unterhalb der Brückenbaustelle ein schwe­res Holzgerüst im Strome auf der rechten Uferseite errich­ten lassen. Auf diesem Gerüst wird der Bogen zusammen­gesetzt, sodaß er nur noch in die fertige Brücke einmontiert zu werden braucht. Nach Fertigstellung werden dann unter dem Gerüst vier starke Kähne verankert, das Gerüst lang­sam so weit abgebrochen, bis sich der Bogen auf die Kähne herabsenkt, und diese bann an die Brückenbaustelle ge­schleppt, nachdem sie voll Wasser gepumpt wurden, sodaß sie eben noch über dem Wasserspiegel hervorragen. Zwischen den beiden stehenden Strompseilern werden die Schiffe ver> gnkert und allmählich leer gepumpt, so daß sich der darauf ruhende Bogen hebt und in die Oeffnung verpaßt werden kann. Hierauf wird der Bogen in kürzester Frist einmon­tiert. Es würde berechnet, daß bei diesem Verfahren die Mittelöffnung nur einen Tag, vielleicht nur einen Halbtag für die Schiffahrt gesperrt zu werden braucht. Die Brücke muß am 1. Oktober fertiggestellt sein.

Die Abenteuer eines Globetrotters.

Berlin hat dieser Tage einen merkwürdigen Gast be­herbergt, Professor Alfredo Battelli, der im Jahre 1908 von Neuyork aus eine Fußreise um die Welt angetreten hat. Battelli der Redakteur eines italienischen Blattes ist, vn­

fernem feine Wanderung mit drei BerufSgenossen auiam* inen, aber wie eS scheint. ist er der einzige, der sie auch nicht völlig beendet hat. Die Schwierigkeiten, auf die die vier Wanderer stießen, die zuerst gemeinsam wanderten, waren ungeheuer. Am 7. Oktober 1908 erfolgte der Ab­marsch von Neuyork, und die vier Gefährten wanderten nach Philadelphia, nach Baltimore und nach Washington, wo Präsident Roosevelt sie empfing. Hier trennte man sich, Battelli wanderte zunächst nach der Küste des Stillen Weltmeers, schiffte sich nach Japan ein, durchwanderte ganz Mitteljapan, fuhr nach China und geriet in das Pestgebiet, schließlich aber fand er über Mukden und Charbiu' durch Sibirien hindurch den Weg nach Moskau und Petersburg. Hier war er am Ende seiner Kräfte angelangt, außerdem aber hatte seine Gesundheit so gelitten, daß an eine Fort­setzung der Fußwanderung nicht zu denken war. So bestieg er die Eisenbahn, um nach Berlin zu fahren. Hier ist er nun vor kurzem ohne einen Pfennig Geld angc'laugt, aber er hat ein paar hilfsbereite Landsleute gefunden, die ihm weiter geholfen haben. Einer von diesen hat einige seiner Abenteuer einem großen Turiner Blatte brieflich mit­geteilt.

In Pennsylvanien, wo die vier Gelehrten noch zusam­men waren, wurden sie plötzlich von einer großen Schar Bewaffneter gefangen genommen und weggeschleppt. Aus den drohenden Ausrufen: Da haben wir die verfluchten Räuber! war zu schließen, daß die vier harmlosen Fuß­wanderer Opfer einer Verwechslung geworden seien, aber erst nach schwierigen Verhandlungen klärte sich die Sachlage auf, und als die vier Wanderer gar schriftlich Nachweisen sonnten, daß Roosevelt sie empfangen hatte, wurden sie au­ßerordentlich freundlich behandelt. Beinahe wäre Battelli in den Wassern des Mississippi ertrunken. Er überschritt den Strom auf einer EisenbahubrUckc, als er plötzlich das Pfeifen eines herannahendcu Zuges hörte. Wollte er sich nicht von den Rädern übersahen lassen, so blieb ihm keine andere Wahl, als ins Wasser zu springen. Im letzten Augenblick aber verfiel er darauf, sich über den Rand zu schwingen nnd sich dort, mit den Händen fcstklammcrnd, hängend den Zug vorbei fahren zu lassen.

Die liebenswürdigsten Menschen, die der Wanderer ge­troffen, sind seinem Urteile nach die Indianer. Eine gastfreiere Aufnahme als ihm bei den Rothäuten zuteil wurde, kann man sich, wie er meint, kaum denken. Sie be­wirteten und bekleideten ihn aufs freigiebigste, außerdem aber begleiteten sie ihn lange Strecken des Weges. Aus Japan weiß Battelli ein recht drolliges Erlebnis zu be­richten.In einer kleinen Stadt im Binnenlande," so er­zählt er,trugen Männer, Frauen und Kinder alle die gleiche Kleidung, nämlich gar nichts. Bei meiner Ankunft aber flohen sie alle in ihre Käufer und ließen sich nicht se­hen, bis ich aus den menschenleeren Straßen verschwunden war." In China hat Battelli mehrmals Todesgefahr aus- gestanden und mußte in mancherlei Verkleidungen fliehen, besonders machten ihm die Bettler zu schaffen, sobald er als Weißer erkannt war.

Das Raiserpaar in England.

Der deutsche Kaiser und die Kaiserin mit der Prin^ zessin Viktoria Luise sind Sonntag nachmittag 514 Uhr vor Port Victoria eingetroffen. Die Ueberfahrt erfolgte an Bord der Hohenzollern von Vlissingen ans. Den ganzen Tag über bis kurz vor der Ankunft der Hohenzollern hatte es geregnet und dichte Nebelschleier lagen über dem Was­ser, als die Kaiserjacht mit der Eskorte eintraf. Während die Hohenzollern ihrem Ankerplatz znstrebte, ließen die Mannschaften der britischen Kriegsschiffe Hochrufe ertönen, die von den deutschen Matrosen erwidert wurden. Nach­dem die Hohenzollern festgeucacht worden war, wurde sie mit Port Victoria in telegraphische Verbindung gebracht. Kurz nach der Ankunft der Hohenzollern begab sich der Oberkommandierende der Marinestation, Admiral Drury, in Begleitung des Vizeadmirals Prinzen von Battenberg an Bord der Kaiserjacht, wo sie vom Kaiser mit Hände­druck empfangen und der Kaiserin und der Prinzssin Vik­toria Luise vorgestellt wurden. Die Herren blieben zuur Diner an Bord, ebenso der decltsche Botschafter Graf Wolff- Mettrnich.

Der Kaiser soll, wie es heißt, mehrfach Gelegenheit genommen haben, zn erklären, daß sein Besuch ein rein privater fei. Es verlautet deshalb weiter, daß er wäh­rend der ganzen Festlichkeiten, die bis Sonnabend dauern sollen, in Zivil zu erscheinen gedenke. Ein oft gut unter­richtetes Blatt kündigt aber gleichzeitig an, daß dies den Kaiser nicht hindern wird, sich mit mehreren bedeutenden Männern zu unterhalten, wenn auch die Namen dieser Männer wahrscheinlich nicht in der Presse bekannt gegeben werden würden. Das Blatt fügt etwas geheimnisvoll hin­zu, daß diesen Unterredungen vielleicht größere Bedeutung zukomme, als anderen, die der .Kaiser in dieser Woche ha­ben wird.

&-£ Lon dort, 15. Mai. Die Blätter bringen aus Anlaß des Besuches des deutschen Kaisers herzliche Vegrüßungs- artikel. Sie erklären, daß der Besuch trotz seines privaten Charakters eine große internationale politische Bedeutung haben werde.

Drahtnachrichten nnd Neuester.

Tödlicher Sturz eines Berliner Professors aus dem Fenster.

O-£ Berlin, 15. Mai. Der Professor Michaelis, der im Alter von 70 Jahren steht und an Arterienverkalkung leidet, wurde in seiner Wohnung in der Rankestraße in Charlottenburg von einem heftigen Unwohlsein befallen. Er erhob sich aus dem Bette, eilte an ein Fenster, verlor an der niedrigen Fensterbrüstung das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf den Bürgersteig hinab, wo er mit zer­schmettertem Schädel tot liegen blieb.

Verheerendes Großfeuer.

G-£ Saalfeld, 15. Mai. Gestern mittag brach in Teusch­nitz kurz nach Beendigung des Gottesdienstes in einer Scheune Feuer aus, das infolge des starken Windes sehr schnell um sich griff. Bis gegen 4 Uhr nachmittags waren' 30 Wohnhäuser mit sämtlichen Scheunen und Nebenge­bäuden niedergebrannt. ''

Vom Blitz erschlagen.

test Gera, 15. Mai. In der Umgegend gingen gestern schwere Gewitter nieder. In Noettersdorf wurde ein Ar­beiter und in Mühlsdorf eine Frau vom Blitz erschlagen.

Eine Bootsfahrt mit traurigem Ausgang.

te-^ Elbing, 15. Mai. Infolge Kenterns eines Bootes auf dem Elbing-Fluß ertranken gestern bei einer Spazier­fahrt ein junger Mann und ein junges Mädchen.

Gefährliche Nerfolgnng eines Zechprellers.

O-£ Stuttgart, 15. Mai. Als heute nacht die Polizei einen aus einer Wirtschaft entwichenen Zechpreller ver­folgte, feuerte dieser auf die Polizeibeamten sechs Schüsse ab, ohne glücklicherweise zu treffen. Die Schutzleute ver­wundeten den Flüchtling und nahmen ihn fest.

Vom Zuge überfahrene Bahnarbeiter.

6-5= München-Gladbach, 15. Mai. Der Antwerpener Schnellzug fuhr hier in eine Rotte Vahnarbeiter hinein. Einer wurde leicht verletzt, zwei schwer, davon ist einer im Krankenhaus gestorben.

Untergang eines französischen Kriegsfahrzeuges.

te«£ Paris, 15. Mai. Aus Jean in Neufundland wird gemeldet, daß der französische Kriegsschoner Viktoria mit 22 Mann Besatzung untergegangen ist. Ein Fischdampfer kenterte infolge Zusammenstoßes mit einer Barke, wobei 32 Personen, 11 Mann der Besatzung und 21 Passagiere umkamen. -