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liegetter Jeitung

Sezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1^)0 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh. DieHumoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: SelterSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin SUcin & Otto Fischer.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

sowie vieler anderer ^M) Behörden Gberhessens Expedition: Selters weg 83

(Haus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auSwärtS 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 5O°/o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahlungs­zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschnften ohneBerbindlichteit.

Gcsamtleitung: Albin Klein.

Nr 13.

Telephon: Nr. 362.

Montag den 16. Januar 1911

T elephon: Sèr. 362.

23. Jahrg.

Zur kommenden Relcbstagswabl.

Im Reichstagswahlkreis Hofgeismar haben die nationalliberalen Vertrauensmänner die Kandidatur als Abgeordneter für den Reichstag Herrn Professor He­bel-Kassel angeboten, der sich zur Annahme bereit er­klärt hat. Die Freisinnigen treten, laut Abkommen, für Professor Hebel ein.

Lokal Dacbrkbten.

G.ietzen, den 16. Januar.

'N- Ueber die Festsetzung der von den Trägern der staatlichen Unfallversicherung zu gewäh­renden Entschädigungen herrschen in den Kreisen der Versicherungsnehmer vielfach noch irrige Ansichten, zu denen der Vorstand der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Großherzogtum Hessen zu Darmstadt uns das Nachstehende mitteilt. Die Höhe einer Rente wird in jedem Fall unter Berücksichtigung der körperlichen Verhältnisse eines Verletzten sestgestellt. Eine Rente soll kein Schmerzensgeld darstellen, vielmehr nur einen Ausgleich für den Verlust an Erwerbsfähig­keit bilden. Schönheitsfehler oder geringfügige Verletz­ungen, die einen wirtschaftlich meßbaren Schaden nicht zur Folge haben, können nach den Entscheidungendes Reichsversicherungsamtes zur Gewährung einer Rente nicht führen. Dahin gehören alle Verletzungen, welche die Erwerbsfähigkeit um weniger als 10 Prozent schä- bigen. Durch den Verlust einzelner Fingerglieder wird die Erwerbsfähigkeit in der Regel nach Abheilung der Wunde und Eintritt der Gewöhnung nicht gemindert, ebenso nicht durch eine geringe Herabsetzung des Seh­vermögens auf einem Auge oder durch geringe Steifig­keit einer Hand oder eines Fußes. Damit die Erwerbs­beschränkung auf 10 Prozent eingeschätzt werden kann, muß die Arbeitsfähigkeit eines Verletzten wegen der Un­fallfolgen gegen diejenige eines gesunden Arbeiters im Jahre ungefähr um 30 volle Arbeitstage zurück - stehen. Dementsprechend hat das Reichsversicherungs - amt erkannt, daß die Behinderung bei einzelnen Arbei­ten, wie z. B. Säen oder Melken, wegen Versteifung oder Fehlens einiger Fingerglieder nicht als wesentlich beeinträchtigt anzusehen ist. Was den Jahresarbeitsver- dienst, nach welchem eine Rente zu berechnen ist, angeht, so bleibt derselbe ost hinter dem tatsächlichen Verdienst des Verletzten zurück, weil der Jahresarbeitsverdienst, wie er der Rentenberechnung zugrunde gelegt wird, ein durchschnittlicher ist, indem bei seiner Festsetzung auch die Erwerbsverhältnisse älterer und jüngerer Arbeiter mit­berücksichtigt werden müssen.

* Eine interessante M ä u s e v e r g i f t - u n g. Der Provinzialausschuß für Oberhessen der Hess. Landwirtschastskammer versuchte, die Mäuse aus den Feldern mit Hilse eines Mäusebazillus auszurotten. Der Erfolg war jedoch mäßig. Assistent Dr. Schmidt vom Veterinärpathologischen Institut der Universität Gießen riet nun zum Versuche einer direkten Impfung lebender Mäuse auf dem Felde selbst und erklärte sich bereit, diese Impfungen auszuführen. So impfte er 150 Mäuse, die dann aus dem 27 Morgen großen Grundstück überall ausgesetzt wurden. Wenige Tage nach dem Impfen waren die geimpften Mäuse, die man kurze Zeit sich noch mühsam auf dem Felde herum­schleppen sah, verschwunden und nach Verlaus von acht Tagen war das ganze Feld mit verendeten Mäusen be­deckt. Die Mäuse waren fast sämtlich vernichtet. Nach diesen Erfahrungen ist also das Verfahren der direkten Impfung von Mäusen mit dem Typhusbazillus auf dem Felde entschieden dem alten Verfahren des Aus­legens infizierter Brotwürfel, dessen Erfolg von zahl­reichen äußeren Einflüssen abhängig ist, vorzuziehen. Die Schwierigkeit der Ausführung besteht einzig darin, daß eine direkte Impfung lebender Mäuse nur durch den Tierarzt ausgesührt werden kann.

*

( *) Gießen, 16. Jan. Die noch lebenden M i t- kämpfer von Briare (Dezember 1870 und 1871), zum damaligen Detachement von Rantzau gehörig, wa­ren gestern Mittag 12 Uhr zu einem Appell auf dem Trieb angetreten. In derLiebigshöhe" blieben die alten verdienstvollen Veteranen dann noch lange in ka­meradschaftlichster Weise beisammen. Oberst z. D. W e i- m e r-Nidda war mit anwesend. Manche stille Träne wurde der vor 40 Jahren überstandenen Gefahren ge­weint. Die Reihen werden wohl lichter unter unseren alten Kriegern, aber die Treue halten sie untereinander umsomehr. Möge man allen ihr Verdienst um die Einigung Deutschlands nie verkümmern.

* Gießen. Heute Montag abend findet im Hör­saale des physikalischen Instituts die Generalversamm - lung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und

Heilkunde als gemeinschaftliche Sitzung beider Ab­teilungen statt.

* Gießen. In der letzten Mitgliederversammlung des E e w e r b e v e r e i n s stellte Stadtv. Petri den neuen Vorsitzenden Pros. Dr. K r a u s m ü l l e r vor, der in längerer Rede des verdienstvollen Vorgängers in seinem Amte, Kommerzienrats Heyligenstädt, gedachte.

Zur Beerdigjung Philipp Köhler- Langsdorf sei noch nachträglich berichtet, daß auch die Landtagsabgeordneten Bach, Bähr, Brauer, Brei­denbach, Erk, Hauck, Korell, Leun, Pennrich, Senßfel- der, Stöpler, Dr. Weber und Lutz, zahlreiche Beamte, Gelehrte und Freunde, darunter Professor Dr. Gis e- v i u s-Gießen dem Dahingegangenen das letzte Geleite gegeben haben. Abg. Bähr bezeichnete in bewegten Worten diese Stunde als die schwerste seines Lebens, die ihm den treuesten Freund, mit dem er lange Jahre gestritten und gekämpft, dahingeführt habe. Er pries Köhler besonders als den Vater der Landwirtschafts - kammer. Abg. Brauer sprach unter Widmung eines Kranzes für die Fraktion des Hess. Bauernbundes, der er zwar zuletzt nicht mehr angehört, deren Bestrebungen zur Hebung des Bauernstandes er aber alle Zeit unter­stützt habe. Weiter sprachen noch Landwirt Hensel- Dortelweil für den Bund der Landwirte, Landwirt Fenchel- Ober-Hörgern für den Wahlkreisvorstand des Bundes der Landwirte, Redakteur H i r s ch e l für die Aktien-GesellschaftNeue Tageszeitung" in Friedberg, deren Mitbegründer Köhler war, Postassistenlen R ö h- r i g-Gießen für die Reichspost- und Telegraphenbeam­ten; ferner ließen u. a. Kränze niederlegen noich der Bezirkslehrerverein Lich und Hungen, Langsdorf, der Ziegenzuchtverein Langsdorf, der Bauernverein Großen- Linden, und die Gemeinde Bettenhausen.

-n- Gioßsn.. Die gestrige Feier zum Gedächtnis an die 40jährige Wiederkehr der Errichtung des Deutschen Reiches hat einen glanzvollen wür­digen Verlauf genommen. Der Festakt vormittags 11 Uhr im Neuen Stadttheater war sehr eindrucksvoll. Die beiden Lieder des Akademischen Gesangvereins und bes: Kronbauer'schen Quartettvereins unter Professor Trautmanns Leitung waren treffend, die Festansprache des Professor Roloff tief durchdacht. Der F e st - sommers am Abend in Steins Saalbau zeigte, daß der Deutsche seine idealen Güter doch zu schätzen weiß. Die Stadt hatte reich geflaggt und auch das darf lo­bend erwähnt werden.

* Darmstadt. Der Zentralvorstand des Rhein- Main-Gastwirteverbandes hat eine Denkschrift über die jetzige Lage des Wirtegewerbes veröffentlicht. Darin heißt es:Wesentlich mit zur Proletarisierung des Gewerbes trägt auch der Staat durch die dem Gewer­be ausgedrungene schwere steuerliche Belastung bei. Es darf hier in erster Linie auf den Konzessions- st e m p e l hingewiesen werden. Unangenehm empfunden wird es heute noch, daß bei Wechsel eines Lokales oder bei Uebergang auf Witwe oder Kinder die Hälfte des Konzeffionsstempels neu bezahlt werden muß. Ebenso unangenehm empfunden wird aber auch, wenn bei der geringsten Vergrößerung von bestehenden Wirtschaften gleich bis zu 200 Mark Konzessionsstempel neu bezahlt werden soll." Angeregt wird, bei den Verhandlungen über Konzessionsgesuche vor den Verwaltungsbehörden den Gastwirtevereinen das Recht zuzugestehen, in die öffentliche Verhandlung einen Vertreter zu entsenden, wie in Baden. Ferner möge die steuerliche Belastung in ge­rechtere Bahnen geleitet und eine wesentliche Erleichter­ung bezüglich des Konzessionsstempels herbeigeführt wer­den. Schließlich wird die amtliche Vertretung des Ge­werbes durch Errichtung von Gastwirtekam- m e r n gefordert.

* Die G r o ß H. Zentrale für M. und S. in Hessen hat bekanntlich sämtliche Aerzte Hessens und die Aerztlichen Kreisvereine um ihre tätige Mitarbeit gebeten. Dieses Ersuchen wird offenbar sehr freundlich ausgenommen. Die Aerztlichen Kreisvereine, die zu der Frage bereits Stellung genommen haben, billigen die vorgeschlagene Regelung, die den Aerzten eine ausschlaggebende Stellung in der Organisation ein- räumt.

-r- Hungen, 15. Jan. Beigeordneter Chr. I o - k e l, Zementwaren-Fabrikant, ist heute 58 Jahre alt g e st o r b e n.

§ Ober-Mörlen, 15. Jan. Im Alter von 71 Jahren verschied in der Nacht von Freitag auf Sams­tag Freiherr Viktor Nordeck zu Rabenau, ehe­mals hessischer Standesherr in Ober-Mörlen. Der Ver­storbene, ein noch äußerst rüstiger Mann, war nur we­nige Tage krank. Er hatte den 66er Feldzug rfnitgemad)t, trat dann nach Beendigung desselben in den Ruhestand und wurde vom Erohherzog Ludwig 4., welchem er persönlich sehr nahe stand, zum Rittmeister a la suite

! beim 1. Leibgarde Dragoner-Regiment Nr. 23 gestellt.

Seinen Wohnsitz hatte Herr v. Rabenau vor einigen Jahren in Gießen, bis ihn Verhältnisse zwangen, in sein inzwischen von Frau von Fechenbach in Dieburg (eine Schwester des Geschiedenen) erworbenes Stamm­schloß hier überzusiedeln.

§ Bad-Nauheim, 15. Jan. Neben den dies­jährigen Land- und Reichstagswahlen haben wir in diesem Sommer auch das Vergnügen, Ergänz­ungswahlen zum Stadtverordneten-Kollegium vor­zunehmen. Bei Einführung der Städteordnung 1903 wurde die Zahl der Stadtverordneten von 12 auf 15, die Zahl der Beigeordneten von 1 auf 2 erhöht. Von diesen scheiden nun in diesem Jahre 5 aus, eine Ersatz­wahl für den Beigeordneten Lentz muß stattsinden, so­daß jetzt 6 Stadtverordnete zu wählen sind. Bei der politischen Verschiebung, welche in den letzten Jahren hier stattgefunden hat, ist es nicht ausgeschlossen, daß mehrere Sozialisten in das Stadtparlament einziehen. Bis jetzt hat man Parteistellungen auf dem Nauheimer Rathause noch nicht gekannt.

§ Bad-Nauheim. Gastwirt und Fuhrhalter Georg Lampert, welcher am Samstag vor 8 Tagen in Nieder-Mörlen auf einer Geschäftsreise durch das Aus­reißen der Pferde aus dem Schlitten geschleudert und schwer verletzt wurde, sogar in verschiedenen auswärti­gen Zeitungen schon für tot erklärt wurde, befindet sich auf dem Wege der Besserung. Doch dürfte es noch Wo­chen dauern, bis er wieder arbeitsfähig wird.

§ Dutenhofen, 16. Jan. Die gestern hier statt­gefundene Behrens- Versammlung hat einen famo­sen Verlauf genommen. Der große Saal desJagd- schlößchen" war dicht vollbesetzt; zahlreiche zu spät ge­kommene Zuhörer mußten stehen. Das Referat unseres Neichstagsabgeordneten Behrens zeigte, wie ein­gehend er die tatsächlichen Vorkommnisse in den Ver­handlungen der Reichssinanzresorm geprüft hat und je­der Partei sachlich ihre Verdienste zugestand. Ebenso eindrucksvoll war das zweite Referat des Stadtverord­neten Rippel-Hagen, der im Wahlkreis Erbach - Bensheim kandidiert. Die drei Diskussionsredner, der Sozialdemokrat Habich t-Frankfurt, der freisinnige P f e i f f e r-Wetzlar und der nationalliberale Rechtsan­walt Dorman n-Wetzlar konnten tatsächlich nichts für sich Gewinnendes ansühren. Wir berichten morgen ein­gehend über den Verlaus der Versammlung.

* Wetzlar. Die Geschäftsräume der hiesigen Gü­terabfertigung befinden sich von heute ab in dem neu errichteten Abfertigungsgebäude.

* Wetzlar. Infolge Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im hessischen Kreis Friedberg wird, laut Verfügung des R e g i e r u n g s p r ä s i d e n 1 e n, we­gen der großen Gefahr der Einschleppung dieser Seuche in den Kreis Wetzlar, die Abhaltung von Klauenvieh­märkten im Kreise Wetzlar bis auf weiteres untersagt.

* Wetzlar. Landwirt Johannes K r i l l zu Groß- Rechtenbach ist zum Gemeindevorsteher für die Gemeinde Groß-Rechtenbach auf die gesetzliche 6jährige Amtsdauer bestätigt worden.

* Weilburg. Die Großherzogin-Regenttn von Luremburg, Herzogin zu Nassau, hat dem Verleger des Kreisblattes", Vuchdruckereibesitzer A. Cramer dahier, den TitelGroßherzoglich Luremburgischer Hoflieferant" verliehen.

* Weilburg. Vorläufiges Ergebnis der Volks­zählung im Kreise Oberlahn am 1. Dez. 1910: 40 904 Personen, d. i. gegen 1905 mehr 674.

* Aus dem Obertaunuskreis. Nach der vorläufigen Feststellung der Volkszählung vom 1. Dez. 1910 beträgt die Einwohnerzahl 54 020 gegen 49 108 der letzten Volkszählung.

* Höchst. Nach der letzten Volkszählung zählte unser Kreis 76 806 Einwohner. Zunahme 11 174 Per­sonen.

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