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Redaktion

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Nr. 164

Zweites Blatt

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Exotische Musik.

£ie Erfindung des Phonographen hat die Entstehung einer ganz neuen Wissenschaft zur Folge gehabt: die der vergleichenden Mu­sikwissenschaft. Erst durch phonographische Auf­nahmen wurde das Material zur wissenschaftlichen Be­arbeitung der musikalischen Aeußerungen primitiver und erotischer Völker zugänglich. Die ersten Phonogramme von erotischer Musik lieferte Dr. W. Fewkes, der im Jahre 1890 Gesänge der nordamerikanischen Zuni-Jn- dianer aufnahm; das Verdienst aber, die Erforschung der erotischen Musik zu einer selbständigen Wissenschaft gemacht zu haben, gebührt dem berühmten Berliner Philosophen und Psychologen Carl Stumpf, der zusam­men mit Dr. O. Abraham und Dr. E. M. v. Horn­bostel das Berliner Phonogrammarchiv gründete, dessen Bestand während der letzten Jahrzehnte von 30 aus 300 Walzen gestiegen ist. An der Hand dieses neu gewon­nenen Materials ist nun die vergleichende Musikwissen­schaft zu völlig neuen und sehr bemerkenswerten Er­gebnissen gelangt. Das wichtigste Ergebnis der bisherigen Untersuchungen besteht in der Feststellung, datz auch die Melodien der primitivsten Musik, die der Phonograph bis heute ausgezeichnet hat, eine gewisse Struktur besitzen. Völlig aufgegeben ist die in früheren Reiseberichten oft auftretende Behauptung, daß die Ge­sänge der Naturvölker in einem durchaus regellosen Ge­heule bestehen. Selbst auf den niedrigsten, bisher be­kannt gewordenen Stufen musikalischer Sinnst ist ein musikalischer Bau, ein System erkennbar. Vor 25 Jah­ren noch galt die immer noch weit verbreitete Annahme, datz unser Tonsystem das einzig mögliche, das natur- notwendig entstandene sei, alles selbstverständliche Tat­sache; es ist Aler 1. Ellis gewesen, der im Jahre 1885 durch äußerst sorgfältige Tonmessungen an fremdländi­schen Instrumenten nachwies, daß die Siamesen die Ok­tave in sieben Stufen einteilen aber nicht in Halb- und Ganztöne, wie wir, sondern in Töne von stets glei­chem Abstande. Ein Hauptunterschied zwischen unserer und der erotischen Musik liegt darin, daß unsere Musik sich unter Entartung des rhytmischen Momentes immer ausschließlicher aus harmonische Grundlage stellt, wäh­rend in der erotischen Musik der Rhythmus in den mei­sten Fällen einen außerordentlichen Entwickelungsgrad erreicht hat. Besonders, wenn die Trommel mit im Spiele ist, treten häufig rhythmische Gebilde auf, die aufzufassen wir vollkommen außerstande sind. Afrika hat es darin anscheinend am weitesten gebracht. In West­afrika gibt es eine wahre Polyphonie des Rhythmus, drei oder mehr Trommeln tragen zu gleicher Zeit ver-

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täglichen Atemübungen in den preußischen I Schulen.

Die täglichen Atemübungen können ihren an und für guten Zweck nur erfüllen, wenn sie a) richtig in der Ehrung und Bewegung (Spannbeuge), b) mit 1ur- (hcr Strammheit und c) vollständig, d. h. in der Michriebenen Zahl und Menge geübt werden.

razu ist es aber notwendig, a) daß sie nur von Irern (Turnlehrern), welche der Sache das nötige Jn- Hc entgegenbringen, und welche die technischen Fein- Vn beherrschen, geleitet werden, b) daß sie von klei- h Schülergruppen (einzelnen Massen) ausgesührt Pen, c) daß sie während der Zeitdauer von Minde­ns 10 Minuten geturnt werden.

Diesen unbedingt notwendigen Forderungen stellen I aber natürliche Hinternisse entgegen:

a) Weil die Turnlehrer nicht immer verfügbar sind, ân Zahl für diesen Zweck bei weitem nicht aus- |cii, müssen diese Uebungen nicht selten von Nicht- Ittn geleitet werden, b) Größere Abteilungen, in de- dtl einzelne Schüler, besonders der träge und un- Gerle leichter verschwinden kann, müssen leider zu- menturnen.

9 Besonders beim Kurzstundenplan sieht man sich »Mangel an Zeit gezwungen, die Uebungsfolgen D unwesentlich, mitunter aus 5 Minuten abzukürzen.

Nu daraus entspringenden Mißständen ergeben sich: ^as schädliche Hasten und Drängen im heutigen d)iilbctriebc wird noch vermehrt, b) ein unvermeidliches leit und Drängen der Schüler auf dem Wege zum Mgsplatz, was besonders bei engen und glatten Moren und Treppen unheilvoll werden kann, c) K fortgesetzte Störung des Unterrichts, d) eine meist jenügenbe Durcharbeitung des Körpers der Ueben- I und damit eine gewisse Einseitigkeit in der Ausbil- te der so wichtigen Atemtechnik, e) durch die fortge- D unkorrekte und wenig angespannte Ausführung der äiingcn, besonders von feiten derjenigen Schüler, wei­dlich gerntreiben" lassen, eine Unterbrechung der auf Guenter Gewöhnung>basierenden turnerischen Stramm- ß und damit eine schädliche Beeinflussung der turneri- ^i Haltung und Disziplin.

' Wie gesagt, soll der betreffende ministerielle Erlaß r vollem Erfolge und Segen führen, so muß hierin H erheblich Wandel geschaffen werden. Weiner.

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schicdene Rhythmen vor, und zwar als Begleitung zu einem Gesang, der wieder seinen ganz besonderen Takt und Rhythmus haben kann. Wenn man ein solches Musikstück in der Weise phonographisch sestlcgi, daß man jede Trommel mit einem besonderen Apparat aus nimmt, diese einzelnenStimmen" dann transkribiert und in einer Partitur mit dem Gesang vereinigt, wird man die merkwürdigsten Formen und Wechselbeziehungen und überall eine strenge Regelmäßigkeit finden. Daß bei allcir Regern das Auffassungsvermögen für komplizierte rhythmische Gefüge außerordentlich geschult ist, zeigt sich auch in der sogenannten Trommelsprache. Diese bildet eine Art drahtloser Telegraphie: bei vielen Stämmen West- und Mittelasrikas besitzt jedes Dorf eine Trom-

sen, falls es erforderlich ist, weitergegeben' werden Da die Hellen Töne dieser Holztrommeln besonders wäh­rend der diacht auf sehr weite Strecken vernehmbar sind bildet dieses Meldesystem einen äußerst wichtigen Fak­tor im Leben zahlreicher asrikanischer Negervölker. Es findet sich übrigens auch in der Südsee und in Süd­amerika. Von einem eigentlichen Tonsystem kann bei den primitiveren Völkern nicht gesprochen werden. Die Leute kennen die Töne nur innerhalb ihrer Melodien. Wenn man einen afrikanischen Musiker auffordert, die Ton­leiter zu singen, wird er nie begreifen können, was man üün ihm will. Dagegen besitzen die erotischen Natur - Völker, wie die Siamesen und Japaner, allerdings ihre eigenen,^ sehr beachtenswerten Tonsysteme. Aber noch weit befremdender, als das Tonsystem der Siamesen mutet uns ihre Art des gemeinsamen Musizierens an. In ihrem Orchester spielt nämlich jedes Instrument eine Variation des Themas, und zwar seiner Beschaffenheit gemäß: die Flöte z. V. gleicht vor allem Triller und kleine rasche Schmuckpassagen in die melodische Linie ein, während die tonalen Schlaginstrumente (Xylophon und Metallophon) ihren besonderen Charakter durch akzentuierte Läufe und zahlreiche Tremolos zum Aus­drucke bringen. Es ist also viel eher ein nebeneinander als ein Zusammenmusizieren; Stumpf nennt es Hele-

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