Einzelbild herunterladen
 

Deutscher Reichstag.

Am Montag begann im Reichstage die zweite Lesung öeS Etats, zunächst desjenigen der Marineverwaltnng. Eine längere Geschäftsordnungsdebatte verzögerte den Beginn der eigentlichen Beratungen trotz des späteren Sitzungsan­fanges noch um etwa eine Stunde. Der Zentrumsredner Abg. Erzberger übte eine durchweg günstige Kritik am Etat und ant der Politik der Marineverwaltnng. Er bezeichnete das Jahr 1911 als einen Wende- und Höhepunkt der Ent­wicklung unserer maritimen Streitkräfte, indem es den Ab- schlutz der Neubauten nach dem Flottengesetz bringe und nun die Zeit der inneren Ausgestaltung und der Ersatzbau- ten gekommen sei. Das Anleihebedürfnis sei, da seit 1900 die Armierungskosten nicht mehr auf Anleihe, sondern aus den laufenden Neichseinnahmen bestritten würden, ständig berabgcgangenl und würbe 1917 ganz aufhören. Die Kosten für die Landesverteidigung seien auf den Kopf der Bevöl­kerung geringer als in Frankreich und England. Letztere bemühten sich, ein dem Deutschen gleiches Flottengesetz zu schaffen, einer der besten Beweise für die Richtigkeit der deutschen Flottenpolitik. Für die Konservativen sprach der Abg. Dröscher im gleichen Sinne. Er verwies besonders da­rauf, daß die Kommission von Reichstagsmitgliedern, die im Sommer den Werftbetrieb praktisch studiert haben, von des­sen Zweckmäßigkeit und davon sich haben überzeugen kön­nen, daß cs sich bei den Kieler Werftvorgämgen um Aus­nahmefälle gehandelt habe. Der sparsamen Wirtschaft der Marineverwaltnng, die trotz Lohn- und Preissteigerungen das Flottenprogramm ohne lleberschreitung innegehalten hat, wurde uneingeschränktes Lob zuteil. Dann nahm Staatssekretär v. Tirpitz das Wort. Er ist dafür dankbar, daß das Vorgehen der Marineverwaltung als richtig be­zeichnet wurde, und kann bestätigen, daß unserFlottenausbau von Beginn ant niemals einen aggressiven Zweck gehabt hat. Tas sei für jeden Deutschen so selbstverständlich, daß ein weiterer Beweis nicht notwendig sei. In der Begründung des Gesetzes sei es klar ausgesprochen, die Flotte solle zum Schutz unseres Handels und der Kolonien zur Sicherung unseres Friedens mit Ehren dienen. Dazu brauche die Flotte nicht so groß zu sein wie die Englands. Ihre Be­stimmung als Verteidigungsmittel sei damit klar ausge­sprochen:. Die Einzelheiten über daL Unglück mit dem Un­terseeboot „U 8" würden besser in der Kommission bespro­chen. Der Bericht des Stationschefs an Den Kaiser habe be­stätigt, daß auf dem Boote und auch bei der Rettung der Mannschaft vollkommen richtig verfahren worden sei. Die kaufmännische Organisation auf den Werften lasse stch nicht ohne weiteres einführen. Man werde deshalb die Organisation allmählich zu verbessern suchen. Der Abg. Ledebour (Soz.) betonte zunächst, daß die Anerkennung der Disziplin der Seeleute auf dem Unterseeboot U 3 im Hause allgemein sei. Die Streichung der Zulagen für die Heizer hält Redner für ungerechtfertigt. Dann sagte er weiter: Großadmiral Prinz Heinrich hat neulich eine Wahlrede ge­halten. Läßt der Dienst ihm Zeit dazu? Wir verlangen, daß kein diensttuender Admiral solche Reden hält, ohne daß der Staatssekretär im Interesse des Dienstes dagegen einschreitet. (Lärm rechts. Beifall bei den Sozialdemokra­ten.) Staatssekretär v. Tirpitz protestierte entschieden gegen die Art und Weise, mit der Abg. Ledebour über den Prinzen Heinrich gesprochen hatte. In dessen Rede sei nichts enthalten, was er nicht hätte sagen können. Es sei eine An­sprache im engsten kameradschaftlichen Kreise von früheren Regimentskameraden gewesen. Prinz Heinrich erhalte we­der Pension noch Gehalt von der Marine und die Darstell­ung des Abg. Ledebour sei vollkommen unrichtig. Darauf vertagte das Haus die Weiterberatung auf Dienstag.

Der erste Uundschafterflug.

Znr Sicherung der Grenze gegen ein Uebergreifen der mexikanischen Revolution hat, wie gemeldet, die amerikani­sche Regierung in der Nähe der von den Insurgenten be­drohten Stadt Inarez einige Flugzeuge ausgerüstet. Ueber die Erfolge eines Erkundigungsfluges über die Grenze berichten nun Londoner Zeitungen nach amerika­nischen Depeschen:

Der Flieger Charles Hamilton hatte von dem Führer der Insurgenten die Versicherung erhalten, er werde seinen Leuten verbieten, ans ihn zu schießen, aber es war fraglich, wie sich die Regierungstruppen in der belagerten Stadt benehmen würden. In einer Höhe von 1000 Fuß (etwa 300 Meter) näherte sich Hamilton dem Ring der Belagerer, deren Bajonette er schon auf weite Entfernung in der Sonne glänzen sah; er hörte die Kommandos der Offiziere und Zurufe, konnte sie aber wegen des Geräusches, das seine Maschine machte, nicht verstehen. Ein kleines Vor- postengcfecht wurde bei seiner Annäherung plötzlich abge­brochen. Voller Staunen blickten Freund und Feind zu dem kühnen Flieger auf. Dicht vor der Stadt glitzerte et­was im Grün der üppigen Vegetation, das wie riesiges Spinnengewebe anssah. Mit dem Fernglas erkannte Ha­milton, daß es Stacheldrahthindernisse waren, hinter denen sich die Verschanzungen erstreckten, die jedoch leer waren. Auf den Dächern der Kirchen, auf dem Theater, der Stier- kampf-Arena und anderen öffentlichen Gebäuden waren Wachtposten aufgestellt, aber sie bemerkten die' Flugmaschine erst, als sie fast über der Stadt dahinflog.

Der KamMeMmuS der Vakuljefft.

Kriminalroman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.

32) (Nachdruck verboten.)

Ihr Mann trat zu ihr. „Darling " sagte er besorgt, „übertreibe das Vergnügen nicht. Du weißt, daß Du Dich schonen mußt."

„Ach, Fred, ich fühle mich so wohl!" rief die junge Frau, „gönne mir doch das Vergnügen."

Und wieder flog sie in schnellem Tanz davon.

Das Souper bildete eine Pause des Balles. White führte Miß Lionel. Sie saßen neben Amy und ihrem Tischherrn, einem jungen Diplomaten, mit dem sie sich lebhaft unterhielt. Plötzlich fühlte sie wieder jenen Stich in der Brust. Sie trank schnell ihr Elas Champagner aus; danach verschwand das beängstigende Gefühl. „Fred darf es nicht wissen; er würde mir sonst das Tanzen ver­bietest," dachte Mrs. Brook mit dem Eigensinn eines ver­wohnten Kindes.

- Die lockenden Töne eines feurigen Galopps riefen die Tafelnden in den Ballsaal zurück. Der Tischnachbar Amys bot ritterlich der jungen Frau seinen Arm; durch den ge­nossenen Wein erregt, stürmte er im schnellsten Tempo über das Parkett. Da. — mit einem Male fühlte er, daß der elastische Körper seiner Tänzerin schwerer und schwe­rer wurde. Ein leiser Wehlaut drang über ihre Lippen — sie sank zu Boden.

Die Musik schwieg. Eine große Bestürzung hatte sich aller Anwesenden bemächtigt; alles drängte herzu.

Neben seiner Frau kniete Fred Brook; er hielt die Sterbende umfangen. Aus Amys Mund sickerte ein feiner roter Streifen. Er floß über das Perlenkollier und den reißen Hals und färbte das Kleid mit Purpurflecken.

Eine Arzt — eine berühmte Autorität — war als Gast auf dem Vallfest; er beugte sich über die junge Frau. «Sie ist gestorben", sagte er leise, „ein Blutsturz hat ih-

„Im Nu waren alle Dächer leer," erzählte Hamilton, Soldaten und Bürger flohen eiligst in die Hänfer. Ich ging auf 4Q0 Fuß herab und begann die Stadt nochmals zu umkreisen. Jetzt merkten sie wohl, daß ich kein Feind war, denn die Soldaten kamen wieder aus ihren Schlupf­winkeln hervor, und die Bewohner strömten auf die Gas­sen. Eine Gruppe von Ossizieren auf einem Dache rief mir etwas zu, aber ich konnte wegen des Geräusches, das mein Motor machte, nichts verstehen. Leicht hätte ich Bom­ben auf die Stadt herabwerfen können; ich glaube indes nicht, daß man mich von unten mit einer Kugel hätte tref­fen können. Auf der Rückfahrt gewahrte Hamilton einen amerikanischen Wachtposten «Der Mann mußte wohl ge­schlafen haben. Als er erwachte und die riesige Maschine gewahrte ,flog das Gewehr an seine Backe. Hamilton kam aus einer Höhe von 1000 Fuß direkt auf den Soldaten zu, dem plötzlich so angst zumute wurde, daß er einen lautem Schrei ausstieß und in den Strom sprang. Andere Flie­ger haben weniger zu berichten, weil, wie sie selbst be­kennen, sie so sehr mit ihren Maschinen beschäftigt waren, daß sie keine Zeit zur Beobachtung hatten.

Es bestätigt dieser Bericht, daß nur unter ganz gün­stigen Umständen ein Flieger außer der Bedienung seiner Maschine auch noch beobachten kann. Die „Bomben des Herrn Hamilton sind wohl Flumkerei. Klugerweise hatte er keine bei sich.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ueber das Befinden des Kaisers sind ungünstige Nachrichten in Umlauf gesetzt worden. Man hat gesagt, der Monarch fühle sich „entkräftet", und auch von einer Veränderung seiner Neisedispositionen gesprochen. Wie eine Berliner Nachrichtenstelle durch Erkundigung an zu­verlässiger Stelle erfährt, entbehren diese Gerüchte jeg­licher Begründung. Der Kaiser hat eine Erkäl­tung dadurch überwunden, daß er sich sofort, wie er es in solchen Fällen zu tun pflegt, zu Bett legte, und hütet zu seiner vollständigen Erholung noch einige Tage das Zim­mer. Von einer „Entkräftung" ist gar keine Rede, und was die Reisedispositionen betrifft, so bleibt es dabei, daß Kaiser Wilhelm Ende dieses Monats oder Anfang März die Fahrt nach Korfu antritt.

Neue Unruhen in Südwestafrika? Aus Deutsch-Süd­westafrika wird amtlich gemeldet, daß nach einer Mittei­lung der englischen Grenzpolizei ein Teil der Simon Kop- perleute bei Pella und Namansdrift die deutsche Grenze zu überschreiten suchte. Der Polizeiposten in Namansdrift hörte am Abend des 7. Februar Gewehrfeuer. Da auch auf deutschem Gebiet eine bewaffnete Bande festgestellt worden ist und sämtliche Eingeborenen und Viehwächter in der Gegend von Steinkopf verschwunden sind, ist das Kommando des Südbezirks angewiesen worden, die Bande energisch zu verfolgen und die Bondels zu überwachen. Eine Verbindung zwischen den Simon Kopperleuten und den Bondels bei Steinkopf erschint nicht als ausgeschlossen.

Gegen den verstorbenen Führer der nationalliberalen Partei Rudolf von Bennigsen soll nach Zeitungsberichten der frühere preußische Landwirtschaftsminister von Ham­merstein in einer in Badbergen gehaltenen Rede den Vor- witrf erhoben haben, daß er seine amtliche Stellung dazu benutzte, das ihm unterstellte Veamtenheer für seine Par­tei dienstbar zu machen. Dieser Vorwurft so schreibt dazu die parteiamtliche „Ratl. Korr", der allem widerspricht, was bisher über Rudolf v. Bennigsens amtliche Tätigkeit bekannt war, hat den Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses unserer Partei veranlaßt, sich sofort schriftlich an Freiherrn von Hammerstein mit der Bitte zu wenden, ihm zu bestätigen, ob die fragliche Aeußerung wirklich ge­fallen sei und ihm eventuell mitzuteilen, auf welche Tat­sachen sie sich eventuell stütze. Staatsminister v. Hammer­stein hat bem Vorsitzenden des geschäftsführenden Aus­schusses darauf schriftlich eine Unterredung behufs Aufklä­rung des Sachverhalts in Aussicht gestellt.

Eine nationalliberale Arbeiterkandidatur im Indu­striegebiet. Die nationalliberale Partei hat im Reichs- tagswahllreise Bochum-Gelsenkirchen den Bergmann Karl Heckmann in Bochum als Kandidaten für die kommende Reichstagswahl aufgestellt. Heckmann ist Mitglied einer christlichen Gewerkschaft und gehört seit einiger Zeit dem Bochumer Stadiuerordnetenkollegium an.

Im Hinblick auf die bevorstehende Handwerker-Kon­ferenz im Neicksamt des Innern sind die Ergebnisse einer Untersuchung über die Abgrenzung zwischen Fabrik und Handwerk von den beiden Hannoverschen Praktikern Schütze und Wienbeck von besonderem Werte. Diese gi­pfeln in folgenden Leitsätzen; „1. Die Entscheidung der Frage „Fabrik oder Handwerk" kann sich nur darauf be­ziehen, ob der strittige Betrieb handwerksmäßig ist oder nicht. 2. Die Entscheidung ist durch eine lokale Gutachter- »«»»^»«I! Ull lfcBMJatüWWH,VI

rem Leben ein Ende gemacht; ein Gefäß scheint infolge des Tanzens gesprungen zu sein."

Er drückte die gebrochenen, eben noch so lebenslusti­gen Augen der Mrs. Brooks zu.

Durch den Ballsaal klang ein Ton, der alle packte, der auch den kältesten Menschen ergreifen muhte. Fred Brook weinte um sein verlorenes Lebensglück.

In einiger Entfernung stand Robert White. Er stützte die zitternde Mabel, die Freundin der Toten.

„Der Familienschmuck der Grafen Wallutjeff", dachte der Detektiv, und ein geheimes Grausen schüttelte ihn; „die alte Sage hat asigefangen, sich zu erfüllen."

VIII.

Baron Sarner hatte es denn doch für besser befunden, sein Quartier zu wechseln. Jetzt, wo er im Klub verkehrte, nahm er in einem in der Nähe liegenden Hotel Wohnung. Den ganzen Morgen verschloß er sein Zimmer und ließ niemanden ein. Welcher geheimnisvollen Beschäftigung mochte er wohl obliegen? Briefe erhielt er nie, er mußte ganz allein dastehen. Am Nachmittag besuchten ihn einige Bekannte. Auch Mbite kam oft, und der Baron schien eine ganz besondere Vorliebe für ihn zu hegen. Man sah sie fast alle Tage zusammen. Entweder fuhren sie spa­zieren, oder sie besuchten die Vari6t6theater und ähnliche Vergnügungslokale, für die Sarner eine ausgesprochene Vorliebe zeigte. White war dadurch angewioert, aber er überwand sich. Es lag ihm daran, das Vertrauen des Mannes zu gewinnen, den er in tiefster Seele verachtete, und dessen wahres Gesicht er allein kannte. Einige Nächte in der Woche verlebte der Varon immer am Spieltisch. Gr gewann meistenteils große Summen, die Verluste wa­ren geringfügig. Es schien, als Habe der Spielteufel sich Roberts ben ächtigt, er verspielte große Summen, die Sarner einheimste. Dadurch war der Baron eifrig be- Nlüht, sich die „Freundschaft" des reichen Engländers, wo­für er White hielt, zu erhalten.

„Ich möchte gern mein Kapital sicher nnlegen," sagte

kommission einzuleiten. 3. Für die Entscheidung werden als allgemeine brauchbare Merkmale in erster Linie em­pfohlen: die Art der Betriebsentwicklung und Richtung und Form des Warenabsatzes. 4. Die obigen Vorschläge schließen die Aufstellung von Vranchemerkmalen und eine spätere gesetzliche Regelung nicht aus. "

Eine bemerkenswerte Einrichtung wird der Oberbay. erische Kreisverein des Zentralverbandes bayerischer Ee- meindebeamten demnächst einführen. Es handelt sich um die Aufstellung von Familienbeiräten, die den Witwen und Waisen verstorbener Gemeindebeamten mit Rat und Tat bei der Geltendmachung von Ansprüchen (Lebens-, Kram ken-, Unfallversicherung), bei der Regelung von Vermö­gensauseinandersetzungen, bei Verlasienschaftsverhandlum gen, bei der Bestellung eines tüchtigen Vormundes usro^ an die Hand gehen sollen.

Der Vorstand der Pensionskasse für die Arbeiter der preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft, die dem König- lichen Eisenbahnzentralamt in Berlin angegliedert ist, hat beschlossen, für 1912 wiederum drei Millionen Mark zum Bau gesunder Wohnungen zu niedrigem Zins­sätze bereit zu stellen. Für das laufende Jahr hatte die Kâsse gemeinnützigen Baugenossenschaften 2,900,000 Ji für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.

Die österreichische Sozialdemokratie gegen die Militär- forderungen. Wie aus Ofen-Pest gemeldet wird, veran­staltete die sozialdemokratische Partei am Sonntag eine große Volksversammlung als Einspruch gegen die Regie­rungspolitik. Der Redner, Reichstagsabgeordneter Ellen­bogen, führte aus, daß sich die ungarische und österreichische Sozialdemokratie im Kampf gegen die Militärforderungew die Hände reichen müßten. Die geradezu unerhörten Rü­stungen seien eine Folge der Annexion Bosniens. So- oann betonte Ellenbogen die Notwendigkeit der Ginfü^ rung des allgemeinen Wahlrechts, das für Ungarn eine Existenzfrage sei. Am Schluß der Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, die gegen die Militär­forderungen der Regierung Einspruch erhebt und der Op­position die weitgehendste Unterstützung der Sozialdemo­kratie zusichert.

Gegen die allgemeine Wehrpflicht für England hat sich der englische Kriegsminister Haldane ausgesprochen. Der Minister sagte: „Wenn ich Franzose, Deutscher oder Schweizer wäre, würde ich allerdings für dieses System eintreten. Allein England, das in erster Linie eine groß­artige Verteidigung zur See und Truppen in seinen Ko­lonien besitzt, hat eine von den übrigen Ländern ver- schidene geographische Lage und bedarf deshalb der allge­meinen Wehrpflicht keineswegs." Der englische Eeneral- feldmarschall Lord Roberts dagegen gehört bekanntlich zu den Anhängern der allgemeinen Wehrpflicht.

Kleine nachrkhtew.

Der Haushaltsetat der Stadt Berlin für 1911 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 313 485 000 Mark ab. Die Kämmerei, Grundeigentum umd Berechtigungen bringen eine Mehreinnahme von 12 377 000 Mark, die Werke 8 618 000 Mark und verschiedene Einnahmen 2 449 000 Mark. Durch Steuern werden gedeckt 93 478 000 Mark.

Ueber die Goldfnnde in der Eifel wird gemeldet: Bei Iveldingen wird zurzeit auf dem Gebiete der Gewerkschaft „August" gebohrt, um die Gesteinsproben nach Gold unter­suchen zu lassen. Auf zwölf verschiedenen Stellen ist man bis jetzt auf 15 Meter Tiefe gekommen. Sachkundige sagen für das nächste Frühjahr einem außerordentlich regen Be­trieb voraus. Die Bohrversuche werden noch Monate hin­durch fortgesetzt.

Reiche Vermächtnisie sind der Stadt Halle zugefallen. Der in der vorigen Woche verstorbene Geheimrat Ludwig Vethcke hinterließ der Stadt Halle l^ Millionen Mark, sowie zwei schuldenfreie Grundstücke im Werte von 250 000 Mark. Auf den Grundstücken sollen Kinderbewahranstaltcm und Knaben- und Maochenhorte errichtet werden, und von den Zinsen des Kapitals sollen begabten Kindern Beihilfen zur Ausbildung auf höheren Schulen nnd Universitäten geleistet werden.

12 Millionen für wohltätige Stiftungen. Wiener Blät­ter melden, daß der verstorbene Baron Albert Rothschild testamentarisch 12 Millionen Kronen für wohltätige Stif­tungen vermacht hat, wodurch sich die Spenden, die er schort bei Lebzeiten für ähnliche Zwecke hergegeben hat, auf 50 Millionen Kronen erhöhen.

Der Plan einer Pariser Weltausstellung im Jahre 1920 ist von dem meisten französischen Handelskammern verwor­fen worden. Unter solchen Umständen wird die französische Regierung schwerlich geneigt sein, ihn weiter zu fördern.

Achtjährige Gauner. Zwei achtjährige Knaben in Ber­lin spekulierten auf das Mitleid der Menschen. Sie hatten sich ein Schreiben angefertigt folgenden Inhalts: „Gute Leute helft mir, ich bin Witwe und leide mit acht Kindern große Not. Mein Mann ist im Krankenhaus, meine armen Kinder müssen hungern." Mit Hilfe dieses Schreibens ver- der Spieler eines Tages zu White. „Wozu raten Sie mir, lieber Freund?"

„Legen Sie Ihr Geld bei uns an," entgegnete White, „die Gesellschaft Eouitable ist bombensicher und zahlt hohe Zinsen. Ich reise in einigen Wochen nach London zurück und kann Ihnen versprechen, daß Sie, sobald ich dort Chef derselben Gesellschaft bin, noch höhere Prozente beziehen werden, als sonst irgendwo." — Sarner spitzte die Ohren, er ging erfreut auf den Vorschlag ein.

„Du Schuft", dacht White, als er das Geschäft zum Abschluß gebracht hatte,,, nicht einen Heller bekommst Du wieder. Es ist das Eigentum des Grafen Wallutjeff, das Vlutgeld für den Schmuck, deu Du gestohlen hast."

Miß Lionel war tief betrübt über den jähen Tod' ihrer Freundin; sie folgte dem Sarge, und auch der Ge­heimpolizist fehlte nicht bei der Trauerfeier. Brook war ganz gebrochen.

Fred will das Perlenkollier wieder an Hunter u. Co. verkaufen", erzählte Mabel. „Finden Sie es nicht auch begreiflich, Mr. White? Es knüpfen sich zu traurige Er­innerungen daran."

„Ja, ich finde es natürlich" entgegnete Robert ge­laßen, aber innerlich jubelnd. Er war entschlossen, das verhängnisvolle Halsband um jeden Preis zu erstehen^ Aber nicht er durfte es tun. Jim bekam den Auftrag, als er sich wieder einmal mit ihm in der Gravensireet verabredete.

„Ich dachte schon, daß Sie mit mir unzufrieden seien, Mr. Wbite," sagte der junge Geheimpolizist, „weil Sie das verabredete Zeichen, das mich hierher bcschied, lauge nicht einrücken ließen."

„Nein, Jim, hören Sie, was ich Ihnen zu sagen habe." Und White teilte ihm das Nötige mit.

„Wird alles pünktlich besorgt werden", versprach Knight, „morgen abend können Sie das Kollier bekom­men." Korts, folgt.)