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Gießener Jeiinng

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Verlag derGießener Zeitung" G. m. b. H.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei^ sowie vieler anderer Expedition

des Großherzoglichen

ssPolizei-Amtes W Behörden Gberhessens Selters weg 83

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IG

Nr. 210. (1. Blatt )

Samstag, den 14. Oktober 1911.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Parteipolitisch«.

Hessische Landtagswahlen 1911

§ In Gießen beschlossen die rechtsstehenden Par­teien die Unterstützung des nationalliberalen Kandida­ten Kling spor, um den freisinnigen Kandidaten aus dec Stichwahl zu verdrängen.

§ Im Wahlkreis Rodheim - Oberrosbach unterstützt die nationalliberale Partei den bündlerischen Kandidaten Dr. von Helmold t, die gleiche Taktik wird auch im Wahlkreise Echzell-Reichelsheim befolgt, wo der Bündler Breitenbach Dorheim nominiert ist. In beiden Kreisen stehen sich demnach nur Bund der Landwirte und Sozialdemokraten gegenüber.

8 Im Wahlkreise Vilbel-Altenstadt haben sich sämtliche bürgerlichen Parteien auf die Kandidatur Will-Rendel (freisinnig) geeinigt. Es stehen sich also auch hier Bürgertum und Sozialdemokraten geschlossen gegenüber.

§ Die neuerdings zwischen den Nationallibe­ralen und der Fortschrittlichen Volkspartei angeknüpften vertraulichen Verhandlungen über eine Ver­ständigung zwischen den beiden Parteien in der Richtung, daß die Nationalliberalen in Darmstadt für den frei­sinnigen Kandidaten eintreten, während die Freisinnigen in G i e ß e n für den nationalliberalen Kandidaten votieren würden, sind abermals gescheitert. Die National­liberalen in Darmstadt haben entgiltig Regierungsrat Bastian, Direktor der hessischen Landeshypothekenbank als ihren Kandidaten aufgestellt. Die Einigungsverhand­lungen sind aus dem Grunde gescheitert, weil die Frei­sinnigen unter allen Umständen an der Person des von ihnen vorgeschlagenen Kandidaten, Hauptstaatskassenbuch­halter Henrich, festhalten zu wollen erklärten, dessen Kandidatur namentlich in den Kreisen des Darmstädter Mittelstandes als unannehmbar bezeichnet wird.

§ Das Organ des hessischen Landeslehrervereins der Schulbote für Hessen" nimmt in seiner letzten Nummer Stellung zur Landtagswahl.Wer an die Umgestaltung des Schulgesetzes denkt und was damit auf dem Spiele steht, der wählt am 3. November nach der Parole, die ihm Volksschule und Lehrerstand diktieren. Wir stehen nicht im Dienste einer Partei. Wir wählen diesmal unter keinen Umständen einen Kandidaten, von dem wir an= nehmen müssen, daß er uns bei der Reform des Schul­gesetzes im Stiche läßt". Wie wir erfahren, will die Zentrumspartei ein Mitglied des katholischen Lehrerver­eins als Kandidaten in einem der Zentrumspartei sicheren Wahlkreise aufstellen und zwar ist hier die Kandidatur Lehrer Schorn in Mainz ausersehen.

Um Stadt und £and.

Gi etze^n, 14. Oktober 1911.

* Laut Mitteilung Gr. Kreisamts Worms ist die Maul- und Klauenseuche in Mörstadt und Pfedders­heim (Kr. Worms) erloschen.

* Die Maul- und Klauenseuche ist ausgebro­chen im Diehhofe zu Köln am 9. Oktober, ferner im Diehhofe zu Mannheim am 10. Oktober.

* Bauernregeln vom Oktober. Durch Oktobermücken laß dich nicht berücken. Sankt Gallen (16.) läßt den Schnee fallen. Oktoberhimmel voller Sterne hat warme Ofen gerne. Sitzt das Laub nod) fest am Ast, wird der Winter ein schlimmer Gast. Simon und Judä hängt an die Stauden Schnee. Wenn im Moor viel Irrlicht stehn, bleibt das Wetter lange schön. Ist im Herbst das Wetter hell, so bringt er Wind und Winter schnell.

n Die Zahl der Landtagswähler im Kreis Gießen, soweit er in diesem Jahre an dec Wahl betei­ligt ist, beträgt 13 434. Hiervon sind 486 4 Wähler über 50 Jahre alt und haben sonach die Berechtigung, zwei Stimmen abzugeben. Von den 3602 Wählern dec Stadt Gießen haben 1192 zwei Stimmen.

n Die Lehrer-Konferenzen finden für den Bezirk Gießln am 23. Oktober in Klein Lind n, jt Grünberg am 26. Oktober, Lich am 27. Oktob r in Langödolf statt.

n Die Stadtverordeten-Versammlung be­willigte zur Erbauung einer Schlachthalle den Betrag von 315 000 Mark.

n Ihr 100jähriges Bestehen feiert am 15. Ok­tober die Firma I. B. Noll hier.

n Am Sonntag tagten in Gießen die Wasserkraft­besitzer aus dem Großherzogtum Hessen. Redakteur Koch- Duderstadt vom Verband mitteldeutscher Wasser­kraftbesitzer sprach überZiele und Aufgaben des Ver­

bandes", indem er die verschiedenen von dem Verbände im Interesse des Wasserkraftwesens vertretenen Programm- Punkte erläuterte. Die Anwesenden erklärten daraufhin ihren Beitritt zum Verband mitteldeutscher Wasserkraftbe­sitzer unter gleichzeitiger Bildung eines Iweigvereins des Verbandes für das Großherzogtum Hessen.

o In aller Stille ist am letzten Donnerstag das große Wasserwerk bei Inh ei den in Betrieb genommen worden, das dazu bestimmt ist. für die Stadt Frank­furt a. M auf mindestens 50 Jahre hinaus täglich 20 000 Kbm. vorzüglichen Quellwassers zu liefern. Die Zuleitung von Quellwassec aus dem neuen Werke nach Frankfurt a. M. wird in einer 43,7 Km. langen Leitung von 700 mm Durchmesser nach dem Hochbehälter am Heiligenstock gefördert. Das Jnheidenec Quellwossec soll besonders zur V.rsorgung der hochgelegenen rechts- mainischen Stadtteile, dec sogenannten Bergzonen, ver­wendet werden, zu denen alle über 120 Meter N R. liegenden Stadtgebiete gehören. Die Qmllwassec- liefecung von Inheiden beginnt jetzt zunächst mit 10000 Kbm. täglich, sie wird dann staffelweise nach und nach gesteigert. Am 1 Apcil 1912 wird dann die Eröffnung des Vollbetriebes mit der gesamten ver­tragsmäßigen Qaellwassecinenge von 20000 Kbm. tag- lich stattfindfn.

o Friedberg In Dorheim haben die Gräfinnen Anna und Berta zu Solms Rödelheim und Ass n- heim in dem restaurierten Schlosse wieder dauernden Wohnsitz genommen. Man plant hier den Bau einer elektrischen Bahn von Friedberg nach Ranstadt. Sie soll die Main-Weser- mit der Oberhessischen Bahn verbinden.

o Bad-Nauheim. Das Kommando des 18. Armeekorps hat an die Stadt das Ersuchen gerichtet, ob sie bereit sei, ein Militär-Kurhaus zu bauen. Es wurde beschlossen, dem Gesuch zu willfahren. Das Ge­bäude soll 100 Mannschaften und mehrere Offiziere auf­nehmen können, es soll vertragsmäßig aus 30 Jahre der Militärverwaltung verpachtet werden.

):( Nassau. Auf Einwirkung des Landrats und des Konkursverwalters war seinerzeit in bcni Konkurs über das Vermögtn des hiesigen Vorschuß- und Kredit- vereins in einer Mitgliederversammlung beschlossen wo.den, den Konkurs durch einen Zw rngSvecglUch zu e ledigen, inLm jeder, der den Verein in Anspruch ge nomnen hatte, 35 Mk. freiwilligen Beitrag zur Auf blingung dis Defizits von 50 000 Mk. zeichnen sollte. Infolge einer Gegenaktion bhute der größte Teil dcc Mitglieder es ob<r ab, diesem Beschluß nachzukommen. Der Zwangöver leich kam zum Scheitern. In dec letzten Sitzung hrt nun der Gläubigerausschuß be­schlossen, gegen bhienigen, deren Mitgliedschaft ein wandfrei zu beweisen ist, und die zahlungsfähig sind etwa 100 Personen zur Deckung des Defizits die Klage auf Zahlung von 600 Mk. zu erheben und rück sichtsloS durchzuführen. Weniger Bemittelte sollen von der Klage ausgeschlossen bleiben. Was also mit 35 Mk. zu erreichen gewesen wäre, muß jetzt mit 600 Mk. ge­sühnt werden

o Vom Vogelsberg. Ein Lauterbacher Bürger stiftete dem Vogelsberger Höhen-Klub Lauter­bach den Betrag von 500 Mark mit der Bestimmung, daß er zur Verminderung dec Hainigturm-Schulden dienen sollte.

s Darm [tabt. Der Geschäftsleiter des Offiziers- Kasinos des Artillerieregiments, Dizewachtmeister Hermann Bade, wurde wegen Unterschlagungen im Gesamtbeträge von 9000 Mark, Notenfälschung und Betrugs vom Kriegs­gericht unter Degradatton zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt.

s Darmstadt, 13. Okt. Gestern wurden zwei n ue Schulen cingcweiht, nämlich die neue höhere Mädchenschule, die ben NamenEleonocenschule", und eine neue Volksschule, die den NamenPestalozzischule" rrh'elt. Letztere ist eine Hilfsschule für schwach begabte Kinder. Dec Einweihung dec Elronocenschule wohnte dcc Gros Herzog und die Großherzogin bei.

! Mainz. Infolge des Anwachsens der Zahl frei­religiöser Kinder wird jetzt auf Grund des hessischen Schulgesetzes ein freireligiöser Volksschullehrer hier ange­stellt.

! Mainz. Die kürzlich verstorbene Witwe Emma Schreiber hat der Stadt ein Vermächtnis von 50000 Mark zum Besten der Annen gemacht Um den Folgen der Teuerung der Lebensmitteln zu steuern, wurden 20 000 Mark bewilligt. Weiter wurden 10 000 Mark ge­nehmigt, für die speziell den Annen wöchentlich ein hal­ber Zentner Kohlen mehr als seither geliefert werden , soll. I

):( Frankfurt. Die Stadt hat an den Flugma- sch nenbauer Aug. Euler, der seine Werkstätten bisher auf dem Exerzierplatz bei Darmstadt hatte, ein Gelände auf dem nahen Hofe Goldstein verpachtet, das einen Flä­cheninhalt von mehr als 15 Hektar umfatzt.

):( Frankfurt, 13. Okt. Mordversuch und Selbstmord. Hcute morgen gegen V*7 Uhr gab dec 27jährige Ofensetzer August Klinneck aus Nteßvaschin zwei Schüsse auf die b6jähctge Frau Hopfeld, Roßdorfec- straße 40, ab und verletzte sie lebensgefährlich. Dann tötete er sich selbst durch einen Schuß in den Mund. Klinneck wohnte bis Pfingsten d. Js. bei dcc verwit­weten Hopfeld und stellte deren 27jäh.tgen, von ihrem Manne getrennt lebenden Tochter Elise Schumann fort­gesetzt Liebesanträge.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde in Gießen.

Sonntag, den 15. Oktober, 18. nach Trinitatis.

Erntedankfe st.

Kollekte für die Armen.

Gottesdienst

In der Stadtkirche.

Vorm. 9% Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus-Ge­meinde. Pfarrer D. Schlosser.

Nachm. 5 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.

Dienstag, den 17. Oktober, nachm. 4 Uhr im Mat­thäussaal: Frauenmissionsverein, wozu außer den bisheri­gen Mitgliedern auch neue herzlich willkommen sind.

Dienstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr: Ver­sammlung des Frauenvereins der Markusgemeinde.

Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8 Uhr: Ver­einigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Mar­kusgemeinde.

Donnerstag, den 19. Oktober, abends 8 Uhr im Matthäussaal: Bibelstunde (Bilder aus der Apostelgeschichte).

Pfarrer D. Schlosser.

In der Iohanneskirche.

Vorm. 9% Uhr: Pfarrer Vechtolsheimer.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.

Pfarrer Vechtolsheimer.

Nachm. 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Nachmittags beginnen wieder die Versammlungen des Sonntagsvereins für Mädchens in den Sälen der Klein­kinderschule Diezstraße 15.

Abends 7% Uhr: Versammlung der konfirmierten männ­lichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde.

Mittwoch, den 18. Okt., abends 8 Uhr: Bibelstunde im Lukassaal. Pfr. Vechtolsheimer.

Freitag, den 20. Okt., nachm. 5.30 Uhr: Versamm­lung der konfirmierten weiblichen Jugend der Iohannes­gemeinde.

Katholische Gemeinde in Gießen

Samstag, den 14. Oktober.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge­legenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 15. Oktober.

Vorm, von 6% Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

Vorm, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Militärgottes­dienst.

Nachm. 6 Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranzandacht mit Segen.

Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag: abends um 6% Uhr ist Rosenkranzandacht mit Segen.

Noch ist cs Zeit, den Herbstsaaten, die vor d.er Bestellung entweder nur Stallmist oder vielleicht gar keine Düngung erhiel­ten, eine Thomasmehlkopfdüngung zu verabreichen, damit die Saaten kräftig entwickelt in teil Winter kommen und nicht so leicht auswintèrn. Bei mangelhaft gedingten Wintersaaten kann nie und nimmer auf befriedigende Körnerernten gerechnet werden.

Laboda-Drag^es

gu3 Taunevduft und Mcvthol, der Licblin-» aller Redner, Geist iche«, Easger und Sävgeriuu»'«. Die Stimme wird babWid) klar, die Müdigkeit der Stimme und Trockenheit dcs Kanmcas verschwinde«. Zugleich Vorbesguugsmittel gegen Influenza und Katarrh Laboda-DragèeS sind zu Mk. l50 in Apotheken erhältlich. Haupt'Depot: Gagel- Apotheke, Frankfurt a/M.