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Hreßener Jeititng

Yezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 W., vvraudzahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh. DieHumoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: SeUerStvcg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein & Ctto Fischer.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

des Großherzoglichen

UPolizei-Amtes

sowie vieler anderer <^^> Behörden Gberhessens Expedition: Seltersweg 85.

(Haus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auSwärtS 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im R eklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50° o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht unb Gröhe berechnet. Nabatt kommt bei Neberschreitung deSZahlungs­zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Playvorschriften ohne Verbindlichkeit.

GkfaniHcihiug : Albin Klein.

Nr. 12

(L Blatt)

Samstag den 14. Januar 1911

T eleph on: Nr. 362.

23. Jährt,

IW Seiten umfaßt die heutige Nummer, außerdem liegt die N=fertigeIllustrierte Welt-Rundschau" zutn 1. Male bei. Wir bitten um Weiterempfehlung.

Redaktion und Verlag.

Zur Keicbsiagserfatzwabl für Giessen.

Die Wählerschaft des ersten hessischen Wahlkreises sieht sich nun durch den Tod Köhlers vor die Notwen- oigleit versetzt, wenige Monate vor den allgemeinen Reichstagswahlen noch eine Ersatzwahl vornehmen zu müssen. Es wird sich um das Reichstagsmandat aller Voraussicht nach ein scharfer Kamps entspinnen. Das Gießener Reichstagsmandat ist ein heiß umstrittenes. Der Aufmarsch der Parteien zum Wahlkampfe dürfte sich bald vollziehen zur Stunde ist allerdings über die K a n d i d a t e n f r a g e bei keiner Partei Bestimm­tes bekannt. Die Sozialdemokraten sollten- allerdings für die Hauptwahlen ihren alten Kandidaten Krumm wieder aufgestellt haben, doch wird berichtet, daß man für die Nachwahl eine Kandidatur des Offenbacher Rechtsanwalts Dr. Katz ins Auge gefaßt habe, der aus Gießen stammt. Die von freisinniger Seite für die Hauptwahlen ins Auge gefaßte Kandidatur des Mar­burger Professors Rade ist wieder zurückgezogen wor­den und auch die von nationalliberaler Seite geplante Aufstellung des Professors für Landwirtschaftslehre an der Universität Gießen, Dr. G i s e v i u s, ist noch nicht definitiv, ebensowenig natürlich, wer von deutsch- und christlich-sozialer Seite aufgestellt werden soll, da ja Köhler wieder für die Hauptwahlen kandidieren wollte. Gelingt es nicht, in Gießen die liberalen Stimmen auf einen Kandidaten der mittleren Linie zu vereinen, dann wird die Sozialdemokratie die lachende Dritte sein. Sie bekundet ja jetzt schon einen verdächtigen Eiser zu , guten Ratschlägen", indem z. B. dieFrankf. Volksstimme" die Freisinnigen auf diegünstige Gelegenheit" zu einer Rache für die Stellung des nationalliberalen Landes­ausschusses" aufmerksam macht eineRache", deren Früchte natürlich denGenossen" zugute kämen.' Wir wollen bis auf weiteres annehmen, daß die Gießener Linksliberalen trotz ihres eigenartigen Verhaltens bei der Stadtverordnetenwahl etwas andere Gesichtspunkte -"'für ihre Haltung maßgebend sein lassen. Soviel wir wissen, schweben in Gießen noch Verhandlungen zwischen den beiden liberalen Parteien vielleicht kommt man un­ter dem Eindruck der drängenden Ereignisse rascher zu einem praktischen Ergebnis, als dies angesichts einer erst in Monaten zu erwartenden Wahl der Fall wäre.

Man schreibt uns noch zu diesem demFranks. Ge- neralanz." entnommenen Zeilen folgendes:

Am besten organisiert aus bürgerlicher Seite ist zwei­fellos der Bund der Landwirte und die Deutsch- s o z i a l e n mit den E h r i st l i ch - s o z i a l e n. Im Jahre 1907 erhielt Köhler, der für Bund der Land - wirte, die Christlich-sozialen und die Deutsch-sozialen kan­didierte, 9017 Stimmen, Er hatte damit die größte Stimmenzahl unter allen drei Kandidaten erreicht. Bei der bevorstehenden Ersatzwahl werden die drei Gruppen wohl wieder gemeinsame Sache machen, nach­dem sie für die Hauptwahlen bereits ein Zusammen - wirken vereinbart und Köhler als Kandidaten in Aus­sicht genommen hatten. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt, man spricht allerdings von Land­wirt Wilhelm Fenchel in Oberhörgern, der Wahlkreisvorsitzender des Bundes der Landwirte und Mitglied der deutsch-sozialen Partei ist. Die Sozialde­mokratie brachte für ihren Kandidaten, Stadtverordneten Krumm-Gießen, 6396 Stimmen aus. Der Kandidat der Sozialdemokraten ist Krarrkenkassenbeamter Beckmann.

Nach einer neueren Blätternachricht soll auch der christlich-soziale Oberbibliothekar Dr. Heuser als Kan­didat für den Reichstagswahlkreis Gießen-Grünberg- Nidda in Frage kommen. Andere schlagen den Stadt­verordneten Troß- Gießen vor. Auch der Landtags­abgeordnete Lutz- Elpenrod wird genannt.

Qaurrkunägebung für t JM Köbler.

-r- Langsdorf, 13. Ian. 1911.

Heute sind die sterblichen Ueberreste des Reichstags­und Landtagsabgeordneten Köhler der Erde übergeben worden. Die Aufbahrung der Leiche war im Arbeits­zimmer Köhlers erfolgt, woselbst er auch gestorben ist. Zahlreiche Kränze und Blumenarrangements waren im

Zimmer ausgelegt. Unter den zahlreichen telegraphischen Beileidskundgebungen seien hervorgehoben-

Staatsminister Dr. Ewald:Bei dem Heimgänge Ihres um die Landwirtschaft hochverdienten Gatten bitte lch meiner herzlichen Teilnahme versichert zu sein " Landtagspräsident Korell:Von schmerckichem Be­dauern erfüllt die Zweite Kammer die soeben einaetrof- sS~ä4ää bas ©co^ercoglum Hchen scheib, giul'aniafe S °»L? SS sprechen. Der Dahingeschiedene war ein eifriger ^ör- h tV^ Ischen Landwirtschaft und wird der der ni6t^M schmerzliche Verlust nidjt allem in den Kreisen der Landwirtschastskamnier en Ä h^ '", d°" weitesten landwirtschaftlichen «rci Ln leLA^aoeti1 Hert«0- Dem Heimgegangenen wird tuahm?^6 Landwirtschaft ein dankbares Andenken be- A u «7ck ^ Landwirtschaft-kammer- r SJ $ & traf ein ebenso herzlich gehaltenes Schrei- hmV « -TT°u berr hessischen Vereinigung f. Volks- tagsabg. Uebel und Dr. Osann (aus dem Reichstag), Kreisveterinärarzt Dr. Knell in Eie- tzen Eèwerberat Gerhard in Gießen, Abg. W o l f- Äâde^n nnd noch eine große Anzahl sonstiger schrist- luyer Beileidskundgebungen.

Langsdorf hat noch nie eine solch großartige Trau- ^ "udgebung erlebt. Mit den Mittagszüden trafen aus der Richtung Hungen und Lich die Leidtragenden aus der näheren und weiteren Umgebung, sowie die Ver­tretungen der verschiedenen Körperschaften ein. Die mei­sten der letzteren und die auswärtigen Freunde Köhlers begaben sich noch zu der im Sterbezimmer aufgebahrten Leiche um von dem Entschlafenen den letzten Abschied zu nehmen. Eine große Anzahl Kollegen des Reichs- und besonders Landtages waren erschienen, Provinzial­direktor Usinger, Oekonomierat L e i t h i g e r es mögen über 150 Repräsentanten und Vertreter derjeni­gen Körperschaften, die Köhler nahe standen, im Geleite gewesen sein. Am Grabe sang der Gesangverein ein Grablied, darauf hielt der Geistliche eine kurze Andacht und segnete die der Erde übergebene Leiche ein. Hier­auf fanden zahlreiche Kranzniederlegungen statt unter von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden An­sprachen, und zwar legten Kränze nieder: Reichstagsab- geordneter Bruhn, Abg. Korell im Auftrag der Zweiten Kammer, Abg. Bähr im Auftrag der Land- wirlschaftskammer, ein Vertreter der Fraktion des Hess. Bauernbundes, Oberlehrer Werner für die Wirtschaft­liche Vereinigung des Reichstages, ein Vertreter des Bundes der Landwirte, Lehrer Kling- Gießen für die deutsch-soziale und christlich-soziale Partei, ein Vertreter des Wahlkreisvorstandes des Bezirks Gießen-Grünberg- Nidda, Direktor Hirschel für die Aktiengesellschaft Neue Tageszeitung", Bürgermeister Leu n-Großen-Lin- den für die Bürgermeister-Konferenz des Kreises Gießen, Direktor M a e n n e l für den Aufsichtsrat der Oberhess. Hauptgenossenschast, ein Gießener Vertreter der Reichs- post- und Telegraphenbeamten, Lehrer Sommer- Jnheiden für die Bezirkslehrervereine Lich und Hungen, die Gemeinde Langsdorf durch den Bürger - meister, die Gemeinde Bettenhausen durch den Polizei­diener. Viele Blumenspenden waren übersandt worden. Die Trauerversammlung begab sich hieraus zur ei­gentlichen Leichenfeier in das mitten im Dorfe liegende Gotteshaus. Der Name Köhler-Langsdorf, dem die Presse aller Parteien warme Nachrufe widmete, wird unauslöschlich in der Geschichte Hessens verzeichnet sein.

Zur kommenden RekbstagswabL

(*) Friedberg. Der Bund der Landwirte be­absichtigt hier wieder den Rechtsanwalt Dr. v. Helmott als Reichstagskandidaten aufzustellen.

Marburg. Der Bauernbund wird im hiesigen Wahlkreis die Kandidaturen v. Gerlachs und des deutsch-sozialen Rupp bekämpfen.

Kassel. Als Parteisekretär für den kurhessischen Bezirksverband der Fortschrittlichen Volkspartei (Sitz in

Kassel) ist Redakteur Iulius Beeser, bisher in Stuttgart, angestellt worden.

Lokal-Nachrichten.

Giehen, den 14. Januar.

)( Gießen. In der nichtöffentlichen Stadtverord- neten-Sitzung am vergangenen Donnerstag wurde der nationalliberale Kommerzienrat Emmelius als un­besoldeter Beigeordneter gewählt.

_ ® ießen. Zu der morgen hier stattfindenden Rerchsgrundungsfeier hält Professor Dr. Ro­loff bie Gedächtnisansprache. Der Akademische Gesang­verein und der Kronbauer'sche Quartettverein singen un­ter Professor Trautmanns Leitung zwei Chöre mit Or­chesterbegleitung beim Festakt. Die Gesangvereine Har­monie, Bauer'scher Gesangverein, Bürgergesellschaft, Sän­gerchor, Heiterkeit, Liederkranz, Maschinenbauer-Gesang- Verein, Gemütlichkeit und Sängerabteilung des Turn- Vereins haben sich zu einem Gesamtchor vereinigt und singen unter Leitung von Fr. Bauer am Abend beim Festkommers Massenchöre.

( *) Gießen. Geheimrat Professor Dr. Walde- Darmstadt hält am 16. Januar, abends 8% Uhr, in der Aula der Universität seinen ersten Vortrag überDie Landeskirchen Oberhessens" mit Lichtbildern. Gäste sind dazu willkommen.

( * ) V e l l e r s h e i m. Von einem bis vor kurzem hier ständig in Bellersheim wohnhaft gewesenen 72jährigen Greis ein Veteran von 1860 und 1870 welcher vor zirka 30 Jahren seine aus zwei unmün­digen Kindern von 7 und 9 Jahren und ihrer Mutter bestehende Familie verlassen und seitdem nichts mehr von ihr gehört hat, (die'Kinder wurden nach dem Tod der Mutter bei fremden Leuten untergebracht) wurden jetzt durch zufällige Vermittelung eines Soldaten wäh­rend der letzten Einquartierung den Kindern der Auf­enthaltsort ihres Vaters bekannt. Am letzten Sonntag weilte eine Tochter, eine junge Frau aus Ockersdorf bei Herborn, in Bellersheim, um den alten Vater nach 30- jähriger Trennung in die Heimat zurückzuholen.

* Heppenheim, 12. Jan. Die Steinbruchbe- sitzer und Arbeiter haben sich geeinigt. Es wurde ver­einbart: Der jetzt giltige Tarif wird bis 1913 verlän­gert. Eingestellt werden vorläufig zwei Drittel der seit­her beschäftigten Arbeiter.

* Worms. Der bei dem Eisenbahnunfall aus der Strecke WormsGundheim im vergangenen Sommer durch ausströmenden Dampf verunglückte Lokomotiv - führer Wenzel ist jetzt irrsinnig geworden und in die Anstalt nach Alzey gebracht worden.

* Mücke, 12. Jan. Von schweren Schicksals­schlägen wurde seit Jahren die Familie eines Land­wirtes in Stockhausen verfolgt, sein Sohn kam in eine Irrenanstalt und vor kurzem starb seine Frau. Aus Schwermut hat sich der Mann erhängt.

-u- Nieder-Ohmen, 14. Jan. Gestern Abend wurde hier ein Turnverein gegründet, dem 45 Mitglie­der beigetreten sind.

8- Dutenhofen (Kr. Wetzlar). Morgen Sonn­tag werden zahlreiche Männer, die es ernst meinen mit der Politik, hier zusammenkommen, um des Reichs­tagsabgeordneten Behrens Referat im Jagd­schlößchen zu hören. Behrens gilt ja weit und breit als einer der fleißigsten, befähigsten und sachlichsten Parla­mentarier, dem selbst seine schärfsten Gegner in seinem umsichtigen Walten für seinen Kreis Wetzlar Hochacht­ung entgegenbringen. Er spricht nachmittags 2% Uhr.

-vv- Marienberg (Westerw.). Hier liegt hoher Schnee. Natürlich gibt es dadurch gute Rodelbahnen. Der Verkehrsverein veranstaltet am 22. Januar *ein Preis-Rodeln.

* D er neue Truppenübungsplatz in Ohrdruf für das 11. Armeekorps kostet 73 Millio­nen Mark. Die Forderung wird im Etat damit be­gründet, daß auch Schießübungen der Feldartillerie ab­gehalten werden sollen.

(ß) Frankenau. Die Conünenlal-Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft zu Berlin plant den Bau einet Vabn von Bad-Wildungen nach Frankenau zum An­schluß an die Bahn Zimmersrode-Frankenberg mit Un­terstützung der interessierten Gemeinden Frankenau Fre­bershausen, Gellershausen, Kleinern, Albertshausen, Rem- Hardtshausen und Bad-Wildungen.

( * ) Im Wohrathale will man eine elek­trische^ Ueberland-Zentrale und später ein G r Up­pen w a s s e r w e r k errichten. .

* Dierdorf, 12. Jan. Die diesjährige General- Versammlung des deutschen Viehhändler v e r - eins findet morgen Sonntag, 15. Januar, nan)mma(i 2 Uhr, in Limburg im Lokal des Herrn Dillmann, HotelZur Stadt Wiesbaden", statt.