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Verlag derGießener Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei^

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberhestens

Expedition: Selters weg 85.

(HauS Brüder Schmidt.)

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die 44 mm breite J n s era tenzvi l c. Stellen­gesuche und Familien an zeigen 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im R e k l a m e t c i l 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grütze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deSZahlungs- Zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBcrbindlichleit.

Verlag derGietzener Zeitung" (ö. m. b. H.

Nr. 136.

Telephon: Nr. 362.

Dienstag, den 13. Juni 1911.

Telephon: Str. 362.

23. Jahrg.

Die i. Reericbau des-Wabundes/l

Im Berliner Sportpalast trat gestern nachmittag der Hansabund zu seinem ersten allgemeinen deutschen Han­satage zusammen. Aus vielen Städten waren Ertra - Züge abgelassen worden, die der Versammlung eine sehr große Zahl von auswärtigen Delegierten zuführten. Man schätzt die Zahl der Anwesenden aus zirka 4000 Perso­nen. Nach Absendung eines Huldigungstelegramms an den Kaiser begrüßte Geheimrat R i e ß e r, der Präsi­dent des Hansabundes, die Ehrengäste. Der Bund habe als Ausgabe, eine allen Erwerbskreisen, einschließ­lich der Landwirtschaft, in gleicher Weise zugute kom- mende Politik zu treiben, eine Politik, welche die staat­lichen Rechte und Stellen allen, ohne Unterschied ihrer politischen und religiösen Ueberzeugung, garantiere. Da­raus ergriff Reichstagsabg. Kaempf das Wort, um sich über die Tätigkeit des Hansabundes zu verbreiten. Auch er wies den Gedanken zurück, daß der Hansabund ein Feind der Landwirtschaft sei. Reichstagsabgeordne- 1er Dr. Stresemann sprach überHandel und In­dustrie und der Hansabund" und führte aus, daß seit dem Uebergang Deutschlands vom Agrar- zum Indu­striestaat mehr als bisher aus die Interessen der werk­tätigen Stände, die im Hansabund vertreten seien, Rück­sicht genommen werden mühte. Albert Stur m-Wies- baden sprach über die werbende Kraft des Hansabundes in Hessen-Nassau, wo der Bund feste Wurzeln geschla­gen habe. Nach einigen weiteren Rednern verbreitete sich Obermeister R a h a r d t überMittelstand und Han­sabund", wobei er rühmend der Arbeit des Hansabun­des zugunsten des Handwerks gedachte. Das Schluß- wort sprach N i e ß e r. Er verwehrte sich energisch ge­gen den Vorwurs dee Liebäugelei mit der Sozialdemo­kratie, einer ertrem sreihändlerischen Richtung und des Hasses gegen die Landwirtschaft.Wir wollen die ab­seits stehenden sozialdemokratischen Kreise zur Mitarbeit heranziehen und in ihnen das Staatsbewußtsein wach- rufen. Wir unterstützen alle Parteien, welche unser Gleichberechtigungsprogramm annehmen, freilich bildet der Kampf gegen die Ueberagrarier die entscheidende Etappe. Die Sammlung gegen die Sozialdemokratie hat sich in eine Sammlung aller rückständigen Elemente ge­gen das Bürgertum verwandelt. Die nächste Zeit wird über die Zukunft des Bürgertums entscheiden. Tue da­her jeder seine Pflicht! Hierauf wurde die Tagung ge­schlossen.

Aus Stadt und Cand.

Gießen, den 13. Juni.

* Ueberlragen wurde dem Schulamtsaspi- ranten Leonhard Grünewald aus Seckmauern, Kr. Erbach, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Climbach und dem Lehrer Wilhelm Kratz zu Rodheim v. d. H., Kr. Friedberg, die dritte Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Hungen.

*

Verkaufstag der Großherzogin.

Viel farbenbunte Schönheit ist seit einigen Tagen über die Straßen und Plätze Gießens gestreut, besonders festlich hat sich heute unsere Stadt gerüstet, um den Ver­kaufstag der Großherzogin würdig zu begehen. Selbst der Himmel hat seine Gunst dem edlen Werke geliehen: der wärmenden Frühlingssonne goldenen Strahlen be­grüßten den dämmernden Morgen und verkündeten einen '^ J^in lieblicher Gedanke, der heute in Stein- Garten zur Verwirklichung kommt, und es steht zu hos- kn daß die Ernte sür die unterstützungsbedürftigen Lun­genkranken eine reiche sein wird. Wer zu bauten hat, nicht bloß sür das tägliche Brot sondern vor al cm sür kraftvolle Gesundheit, der wird gern der Aermsten gedenken und nicht zögern, dem schonen H»tal)Mj, an dessen Spitze sich unsere Landesfurst, n gestellt hat, zu einem klingenden Erfolge zu verhelfen.

* Die diesjährige Staatsprüfung für die mittleren Stellen im Finanzfach hat am 1. ZUM ihren Abschluß erreicht. Nachdem sich 11 Kandidaten der schriftlichen Prüfung, die vom 1. 10- Mac z Darmstadt stattsand, unterzogen hatten «f0^ amanas Juni festgesetzte mündliche Abschlußprüfung die Einberusung von neun Kandidaten von denen sech- beltanden Aus Drehen nahmen drei Herren reu, von denen Zwei bestanden. Boraussetzung zur Zula - für diese Staatsprüfung ist der Nachweis der-reife F bie Prima eines Gymnasiums, Realgymnasiums

I oder einer Oberrealschule, ferner das erfolgreiche Bestehen eines dreijährigen praktischen Vorbereitungsdienstes auf Hauptsteuer- und Finanzämtern, Bezirkskassen und ji li­stigen, vom Gr. Finanzministerium für geeignet erklär­ten Dienststellen, worunter auch die Großh. Verwaltun­gen der hiesigen Univ.-Kliniken fallen.

* Das Bezirkskommando wechselt mit dem 1. April kommenden Jahres sein Quartier und wird von der Westanlage nach dem Landgraf Philipp-Platz verlegt.

* Deutsch-Englisches Verständig- uNgskomi 1 ee. Man schreibt uns: Für das Ziel, die Beziehungen zwischen den beiden führenden Kultur­völkern so freundlich als möglich zu gestalten und die Möglichkeit eines Konsliktes aus dem Wege zu räumen, arbeitet seit 6 Jahren das Deutsch-Englische Verständi' gungskomitee, dem Hunderte bekannter Persönlichkeiten aus den führenden Kreisen unseres Volkes angehören. Es gilt nunmehr, den Bestrebungen des Komitees Un­terstützung in allen Kreisen des Volkes zu verschaffen und das bisher Erreichte auszubauen. Hierzu kann je­der beitragen, indem er seinen Beitritt zum Deutsch-Eng­lischen Verständigungskomitee anmelbet. Der Jahresbei­trag für dasDeutsch-Englische Verständigungskomitee" beträgt für Einzelpersonen Mk. 10, für Körperschaften Firmen 2C. Mk. 50. Beitrittsanmeldungen sind an Herrn Oberbürgermeister Lübke, Homburg v. d. H., Rathaus zu richten.

* D i e zweite Ballonfahrt des neuge­gründeten Luftschiffervereins fand heute vormittag 9% Uf)r statt. Es stiegen zwei Ballons, Marburg und Har­burg, auf. Die Gondeln waren anläßlich des Ver- kaufstages der Großherzogin mit Guirlanden, Fähnchen und Schleifen geschmückt. Die Ballons, die in nord - westlicher Richtung davonslogen, waren je mit 4 Per­sonen bemannt.

- )(- Stiftung. Die Wolf von Todlen- wartsche Stiftung wurde Samstag früh um 5 Uhr nach alter Sitte in der Stadtkirche verteilt. Diese Armenstistung stammt von dem Kanzler Antonio Wolf von Todtenwart, der, aus dem dreißigjährigen Krieg heimgekehrt, erfuhr, daß seine Gattin bereits seit Wochen im Grabe lag. Zum Andenken an sie, die eine durch christliche Mildtätigkeit bekannte Frau war, hat er ein Kapital ausgesetzt, dessen Zinsen alljährlich in der Sterbe­stunde seiner Frau an etwa 50 Arme verteilt werden.

* Denkmalpflege in Hessen-Nassau. Wie in den vorhergehenden Jahren wurde auch im Jahre 1910 die Wiederherstellung alter, geschichtlich merk­würdiger oder für das Ortsbild wichtiger H o l z h ä u- s e r besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist nach Möglichkeit getrachtet worden, den hergestellten Häusern kein allzu aufgefrischtes Aussehen zu geben. Die Beihil­fen zu den meisten Herstellungen sind aus der Bewilli­gung des Landesausschusses bestritten worden. Fertig- gestellt sind Fabrikhäuser in Aßmannshausen, Camberg, Dausenau, Langendernbach, Lorch, Limburg, Oberlahn­stein, Wellmich und die Brödersche Mühle im Dinkolder Tal. Geplant sind Wiederherstellungen in Braubach, Emmershausen, Limburg, Merzhausen, Stadt Nassau, Neuweilnau und Sauertal. Vier der in Denkmalpflege stehenden Fachwerkbaulen sind Rathäuser. In der Pfarr­kirche zu Diez wurde der zertrümmerte Steinsarkophag der Fürstin Anna Amalie durch die Fürsorge des Hist. Vereins zu Diez wiederhergestellt und fand eine seiner geschichtlichen Bedeutung und seinem Kunstwert entspre­chende Ausstellung. Der Sarkophag aus schwarzem Schu- pacher Marmor hat reichen ornamentalen und heraldi­schen Schmuck. Zu den Kosten, die über 3000 Mk. be­trugen, leisteten Staat und Bezirksamt Beihilfe.

* Hauptversammlung des Hessisch. Sparkassenverbandes. Unter dem Vorsitz des Geh. Justizrates Mickel-Darmstadt fand hier die 16. Hauptversammlung des Hess. Sparkassenverbandes statt, zu der Vertreter sämtlicher hessischen Sparkassen erschie­nen waren.

* Eisenbahnverwallung und Bie­nenzucht. Nach einer Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten soll bei der Bepflanzung der Bösch­ungen der Eisenbahndämme nicht nur aus die Förderung der Obstbaumzucht und auf den Schutz der einheimischen Vögel, sondern auch auf die Förderung der Bienenzucht Bedacht genommen werden. Ferner soll das Interesse der Bediensteten der Eisenbahnverwallung für Bienen­zucht durch Belehrung und Verbreitung geeigneter Schrif­ten wachgerufen werden. Nach dem letzten Betriebsbe- richt der vereinigten preußischen und hessischen Staats- eisenbahnen ist der Anregung in weitem Umfange ent­sprochen worden. Mit Aufwendung von 12 200 Mk.

I wurden 218 Bediensteten bei Anschaffung von Bienen Unterstützungen gewährt, 216 Bediensteten wurde Ur laub zum Besuch von Lehrkursen und Ausstellungen ge­geben. Am Ende des Berichtsjahres betrieben 2511 An­gestellte der Eisenbahn Bienenzucht.

* Der O b e r H. Bienenzüchter-Verein und der OberH. Obstbauverein veranstalten am Samstag, den 18. Juni, eine Versammlung in Gro ßen - Linden in derLinde" am Bahnhof. Herr Dr. Hoffman n-Friedberg wird über den ländlichen Garten unter Berücksichtigung der Bie- n e n z u ch 1 sprechen. Alle Freunde des Gartenbaues sowie der Imkerei sind herzlichst willkommen.

* Die Sterblichkeit in Hessen. Die nied­rigste Sterblichkeitsziffer in der totenreichen Berichtswoche hatte Darmstadt. In M a i n z starben 14 Ein wohner, gegenüber 7 in der Vorwoche. In Gießen hat die Totenzahl eine sehr starke Vermehrung gefunden. Statt 13 in der Vorwoche starben 23, so daß sich die Todesfälle, auf 1000 Einwohner und das Jahr ge­rechnet, von 21,6 auf 37,6 erhöhten. Von Interesse ist, daß die Vermehrung/der Sterblichkeit in erster Linie durch die Zunahme der S ä u g l i n g s st e r b l i ch - k e i 1 bedingt wurde.

* 2 6. Mainzer Regatta. Man schreibt uns: An dem Feste, das Samstag, den 17. und Sonntag, den 18. Juni 1911 stattfindet, werden 28 Vereine aus Biebrich, Coblenz, Düsseldorf, Fechenheim, Frankfurt a. M., Gießen, Hanau, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Mannheim, Offenbach a. M., Schweinfurt, Straßburg i. Els., Stuttgart, Wiesbaden, Worms und Mainz mit 110 Booten und 577 Ruderern teilnehmen. Wegen des Umbaues der oberen Eisenbahnbrücke mußte die Renn­strecke diesmal verlegt werden; sie befindet sich aus der rechten Rheinseite zwischen Straßen- und Kaiserbrücke.

- n- Laubach, 12. Juni. Ein uralter Brauch, das A u s s ch u ß s! e st, wurde am Sonntag unter Beteili­gung des gräflichen Hauses und der ganzen Stadt ge­feiert. Der Festzug begab sich nach dem Schloßhose und holte den gräflichen Preis, einen mächtigen Hammel, der alsbald mit Eichenlaub geschmückt nach dem Fest platze, der historisch denkwürdigenHelle", gebracht und ausgeschossen wurde.

* Wetzlar, 12. Juni. Die 24jährige Tochter des Oekonomen W. Luy, Dora, hat durch eine bedauerliche Verwechselung den Tod gefunden. Sie ergriff anstatt Magentropfen ein Fläschchen mit Salzsäure. Sie zog sich schwere innere Verletzungen zu, denen sie am Sams­tag abend erlag.

- )(- Herborn, 13. Juni. Die verflossenen kalten Nächte haben in unserer Gegend in Garten und Feld vielfach Schaden angerichtet. In nicht geschützten Lagen sind Bohnen, Kartoffeln und Gurken erfroren und müs­sen stellenweise nachgelegt werden.

* Marburg, 12. Juni. Der 25jährige Sohn des Gastwirts Rösser im nahen Dorfe Goßfelden er­kletterte infolge einer Wette eine hohe Pappel. Als er beinahe in der Krone war, -brach ein Ast und der junge Mann stürzte zum Entsetzen der Zuschauer in die Tiefe auf einen spitzen Lattenzaun. Der Schwerverletzte ist in der hiesigen Klinik gestorben.

* Frankfurt a. M., 13. Juni. Fürst Solms- Braunfels begab sich am Freitag abend im Haupt- bahnhose in den Waschraum für Unbemittelte. Er zog beimj Waschen seinen Brillantring vom Finger und legte ihn beiseite. Als er fortging, vergaß er den Ring und kam später zurück; er fand aber das Kleinod nicht mehr vor.

Citerarifcbes.

Griebens Reiseführer.

Band 21:Paris undUmgebun g." 13. Auf­lage. (Mk. 3.50.)

Band 34:O st e n d e, Blankenbergh e, Hey st und die anderen belgischen See- b ä d e r." 5. Auslage. (Mk. 1.)

Band 66:Bayrisches Hochland, Salz­burg, Salzkammergut". Neu bearbeitete 27. Auflage. (3 Mk.)

Band 86:New-York und Umgebung." 5. Auflage. (Mk. 4.)

Band 114:Genfer S e e u n d^E h a m o n 11.

Zweite neubearbeitete Auflage. (Mk. 1.50.)

Die vorbezeichneten Handbüchlein aus dem Verlage von Albert Goldschmidt, Berlin W. 35, zeichnen sich sowohl durch umfassende wie praktische Darstellung aus, sodaß wir die handlichen Führer jedermann bestens empfehlen können.