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für die Kreise AlSseld, Gründers, und Schotter».
Nr. 88. Telephon: 9tr. 362.
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der „Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen auszugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürsten.
Deutschlands Robftoifbedari und ferne Kolonien.
Die Deckung des deutschen Bedarfes an R o h st o s s e n ist eine der wichtigsten Ausgaben und wird mit dem Anwachsen der deutschen Bevölkerungs - zahl immer wichtiger, da der Bevölkerungszuschuß zum größten Teil in den Städten zusammenströmt und in der Industrie sein Brot verdient. Die Industrie bedarf aber der Rohstoffe, von ihrer Lieferung in guter Beschaffenheit und zu angemessenen Preisen hängt das wirtschaftliche Gedeihen einiger Millionen deutscher Arbeiter mit ihren Familien ab. Mit dem Bezüge dieser Rohstoffe ist Deutschland, das nur einen geringen Teil davon selbst hervorbringt ursprünglich fast vollständig vom Auslande abhängig gewesen, das diese Abhängigkeit durch Preistreibereien zu seinen Gunsten ausgebeutet hat. Eine Aenderung in dieser Hinsicht schien möglich, als Deutschland durch den Erwerb eigener Kolonien in die Reihe der Kolonialmächte trat. Aber ein Jahrzehnt nach dem andern verging, ohne daß diese Hoffnungen sich verwirklichten. Eine Besserung trat erst ein, nachdem man in Deutschland an eine wirkliche kolonisatorische Arbeit in großem Umfange und unter Bereitstellung bedeutender Mittel hervorgegangen ist. In erster Linie ist hier der Ausbau unseres k o l o n i a l e n E i - senbahnnetzes zu nennen, das gegenwärtig rund 4000 Kilometer umfaßt und die notwendige Grundlage für einen ertragreichen Plantagenbau darstellt.
Diese hauptsächlich aus das letzte Jahrzehnt entfallenden Erschließungsarbetten haben bereits ihre Früchte getragen. So werden von Deutschland K a k a o b e - darf in der Höhe von rund 440 000 Zentner bereits 30 000 Zentner, also etwa 7 v. H., in den deutschen Kolonien selbst erzeugt, von denen allerdings nur etwa 12 000 Zentner, also etwa 2% v. H., ihren Weg nach Deutschland gefunden haben. Wesentlich bedeutender ist schon der Anteil der deutschen Kolonien an unserem Kautschukbedarf. Von der Gesamteinfuhr von Kautschuk im Jahre 1910 in der Höhe von über 185 000 Doppelzentner entstammten unseren Kolonien bereits über 30 000 Doppelzentner, also fast ein Sechstel, während im Vorjahre der Anteil unserer Kolonien mit 16 000 Doppelzentner nur etwas mehr als ein Zehntel des rund 155 000 Doppelzentner betragenden Bedarfs ausmachte. An der wichtigen Erzeugung von Sisalhanf sind die deutschen Kolonien sogar bereits mit rund einem Viertel beteiligt. Der Gesamtbedarf Deutschlands daran betrug im letzten Jahre 75 000 Doppel - zentner, von denen aus den Kolonien 19 000, im Vorjahre 17 000 Doppelzentner bezogen wurden. Sehr beträchtlich ist auch bereits die Produktion unserer Kolonien an Kopra (getrockneten Kokosnußkernen), Palmöl und Palmkernen, von denen das Deutsche Reich im Jahre 1909 rund 4 Millionen Doppelzentner einsührle. Bereits im Jahre 1909 wurden aus unseren westafrikanischen Kolonien rund 55 000 Doppelzentner Palmöl ausgeführt. Ferner führten in demselben Jahre unsere gesamten Schutzgebiete etwa eine Viertelmillion Doppelzentner gedörrte Kokosnußschnitzel aus rund ein Sechstel des deutschen Bedarfes, und 215 000 Doppelzentner Patmkerne, weit über ein Zehntel unseres Bedarfes.
Bedeutungsvoll für unseren heimischen Bedarf ist auch die Produktion an e d e l n Hölzern, wofür besonders Kamerun in Bedacht kommt, das von 36 000 Doppelzentner der deutschen Einfuhr rund 8000, also fast ^ geliefert hat. während Ostafrika in demselben ^ahre 14 000 Doppelzentner Gerb-Rinde lieferte, die allerdings nur etwa 3 v. H. unseres über 400 000 Dop- velzentner betragenden Jahresbedarfs ausmachen. Außerdem führte Östafrika noch etwa 1700 Doppelzentner Wachs aus und trug dadurch nicht unerheblich zur Deckung unseres sich auf rund 20 000 Doppelzentner belaufenden Jahresbedarfs bei. __....
Dagegen läßt sich nicht leugnen, daß der Anteil der deutschen Kolonien und der Erzeugung unserer wich
Donnerstag Den 13. April 1911
tigsten Rohstoffe, nämlich der Baumwolle und der Wolle, noch sehr unbefriedigend ist. Allerdings ist die Baumwollproduktion in Togo von 1909 auf 1910 von 3000 Doppelzentnern auf 5400 Doppel- zentner und die Baumwollproduktion von Deutschost - asrika von 2600 auf 3000 Doppelzentner gestiegen. Doch kommen diese 5—8000 Doppelzentner so gut wie gar nicht in Betracht gegenüber unserem Jahresbe- darse von mindestens 4 Millionen Doppelzentner. Die Frage ist aber um so ernsthafter, als der Baumwollbedars in der ganzen Welt außer - ordentlich steigt und die für den Anbau der Baumwolle geeignete Fläche beschränkt ist. Noch geringer ist die Wollproduktion unserer Kolonien, die im Jahre 1909 kaum 3000 Doppelzentner betrug, was für unseren Bedarf kaum in Betracht kommt, trotzdem gerade in Deutsch- südwestafrika weite Gebiete für die Schafhaltung außerordentlich geeignet sind.
Reicbstagswabivorbereitungen.
* Frankenthal. Der Landesausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei der Pfalz beschloß die Kandidatur für den Wahlkreis Kaiserslautern-Kirchheimbolanden dem Landtagsabgeordneten Professor Hermann Hummel in Karlsruhe anzutragen. Der Wahlkreis Kaiserslautern ist jetzt durch den Bündler Dr. Rösicke vertreten. In der Hauptwahl 1907 erhielt er mit Unterstützung der Nationalliberalen 10 979 Stimmen, der Sozialdemokrat 7629, der Zentrumsmann 4413 und der Volksparteiler 4072. In der Stichwahl siegte dann Rösicke mit 14 727 Stimmen über den Sozialdemokraten, der 13 689 erhielt.
Bus Stadt und Cand.
Gießen, den 13. April 1911.
* Gießen, 10. April. Nach den vom Ministerium des Innern genehmigten Beschlüssen der hessischen kirchlichen Behörden sollen im Rechnungsjahr 1911 zur Bestreitung der Bedürfnisse der Gesamtheit der evangelischen Kirche 12 Prozent, der Gesamtheit der katholischen Kirche 5% Prozent Zuschlag zu den direkten Staatssteuern erhoben werden.
* ) Gießen, 13. April. Der Vorstand des Hauptausschusses für den Blumentag, Frau Dr. Usinger, erläßt einen Ausruf an junge Frauen und Mädchen (über 15 Jahre), die sich als Verkäuferinnen bei dem Blumentag betätigen wollen. Näheres siehe Inserat.
* Gießen. Die neue Tagesverbindung von Koblenz über Ems, Nassau, Limburg und Wetzlar nach Berlin wird am 1. Mai mit der Einführung des neuen Fahrplans eingerichtet. Sie kommt durch die neuen deutschen Bäderzüge zustande, von denen wir berichtet haben. Von diesem Bäderzuge verläßt ein Teil morgens 9 Uhr 8 Min. Wiesbaden und 9 Uhr 59 Frankfurt a. M., um in Bad-Nauheim vereinigt zu werden und 7 Uhr 33 Min. abends am Potsdamer Bahnhof in Berlin wieder einzutreffen. An diesen schließt eine besondere Verbindung von Koblenz an. Von hier fährt man 8 Uhr 47 Min. früh ab. Der Bäderzug, wie der Anschluß von der Mosel wird als D-Zug mit allen drei Klassen ausgestattet. Der neue Zug verkehrt vorläufig bis zum 30. September. Im nächsten Jahre soll er aber schon am 1. März wieder ausgenommen werden.
— Gießen. Das hessische Kreisamt Dieburg erließ neuerdings an die Bürgermeistereien eine sehr zeitgemäße Warnung.vor den umherziehenden Altertums-Händlern und -Privatsammlern, die nur aus Gewinnsucht den Leuten die Altertümer gegen ein geringes Entgelt abschwätzen. Erinnerungen aus früheren Zeiten und die mit einem Baue verbundenen Altertümer sollten überhaupt nicht abgegeben werden. Der einzelne Besitzer, wie auch die ganze Gemeinde sollten ihre Ehre darein setzen, alle Wahrzeichen der engeren Heimat an Ort und Stelle zu erhalten. Altertümer in Gestalt beweglicher Gegenstände sollten vor ihrer Weggabe oder vor ihrer beabsichtigten Beseitigung einem unserer Heimatmuseen angeboten werden.
♦ Butzbach. Das Joutz'sche Geschäftshaus und Hofreite an dem Marktplatz wurde zum Preise von 49 000 Mark an die Gräfl. Görtz'sche Brauerei in Schlitz, Inhaber Gras Görtz-Schlitz, verkauft. Verkaufskosten trägt der Käufer. In dem Hause soll eine Wirtschaft nebst Logierhaus eröffnet werden.
_ Wetzlar. Die Stadtverordneten gaben in ihrer letzten Sitzung die Zustimmung für den Ankauf des Amtsgerichtsgebäudes für 60 000 Mk. und des Gefängnisses für 14 000 Mk. von dem Fiskus.
Teleph on: Nr. 362.
23. Jahrg.
— Wetzlar. Die Bilanz des Vorschuß- und Kre- ditvereins schließt mit Mk. 213 924 in Aktiva und Passiva ab. Die Haftsumme der 456 Mitglieder beträgt I 228 000 Mark.
— Wetzlar. In einer mehrtägigen Sitzung des i Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen sprach man sich für Zwangsversicherung d e r V i e h- I Besitzer gegen Maul- und Klauenseuche aus und bezeichnete die gegenwärtigen Fleischpreise als in großem Mißverhältnis zu den Viehpreisen stehend, die verhältnismäßig gering seien. Der Vorstand beschloß, auf die Presse einzuwirken, daß regelmäßige Veröffentlichungen der Vieh- und Fleischpreise erfolgen.
- l- N i e d e r - R a m st a d t, 10. April. Die epileptischen Schuljungen des Männerhauses hatten den Groß- Herzog in einem originellen selbstverfaßten Brief um fein Bild gebeten. Sie wollten einen Rahmen aus Naturholz dazu verfertigen, und dann sollte das Bild ihren an Wandschmuck noch armen Stationsraum zieren helfen. Der Großherzog ist nun in der freundlichsten Weise auf diese Kinderbitte eingegangen und hat ein schönes Bild mit seiner eigenhändigen Namensunlerschrist gesandt.
- r- Eichelsachsen, 7. April. Zur Abschiedsfeier des Lehrers Braun, welcher 5 Jahre hier amtierte, hatte sich gestern abend eine größere Anzahl Personen bei dem Gastwirt Schröder eingefunden. Lehrer Br. siedelt nach Rudingshain über, während Lehrer Schaaf von Rudingshain nach hier kommt.
— Mainz. Die Holzarbeiter und. Holzbildhauer haben für den 1. Mai den seit 1906 bestehenden T a - risvertrag gekündigt. Sie verlangen außer einem vierjährigen Tarifvertrag Lohnaufbesserung und kürzere Arbeitszeit. Aussicht aus eine friedliche Einigung ist vorhanden. — Ein hiesiger Jäger hatte vor einigen Tagen das seltene Glück, bei Mombach einen Adler zu erlegen. Das erlegte Tier hat eine Länge von 65 Zentimeter und eine Flügelspannung von 1,60 Meter.
* Braunfels. Mühlenbesitzer Schäfer in dem Nachbardorfe Philippstein beabsichtigt seine Mühle in ein Elektrizitätswerk umzuwandeln u. Philippstein, Bermbach und Altenkirchen mit elektrischem Licht zu versehen.
* Weilmünster, 12. April. Dr. med. Becker von der hiesigen Landes-Heil- und Pslegeanstalt wurde zum Oberarzt ernannt.
* Diez. Zu der vom 13. Mai ab stattsindenden Orantensteiner Ausstellung sind schon über 200 Gegenstände angemelbet. Am letzten Tage der Ausstellung findet ein Blumentag statt.
* Kassel. Der Exerzierplatz der Garnison Kassel soll auf das linke Fuldaufer, aus ein zu dem Rittergute Freienhagen und den Gemeinden Niederzwehren und Rangershausen gehörenden Grundstücke verlegt werden. Das Gelände des Exerzierplatzes bei Waldau ist Eigentum der Stadt.
* Frankfurt a. M. Der bisherige Botschafter in Tokio, Freiherr Mumm von Schwarzenstein, ist wieder in seiner Vaterstadt Frankfurt eingetroffen.
-r- Stuttgart. Am Vlumentag zur Feier der silbernen Hochzeit des geliebten württembergischen Königspaares, der bekanntlich am 8. d. Mts. abgehalten wurde, haben die Stuttgarter Sozialdemokraten sich nicht beteiligt. Dies wurde begründet mit der Erklärung, daß diese Veranstaltung „eine Demonstration der bürgerlichen Parteien für die monarchische Staatsform“ sei. Die Veranstaltung selbst wurde als Mißbrauch des Wohltätig- keitssinnes der Bevölkerung zu politischen Zwecken bezeichnet. Zu einer derartigen Zergliederung dieser Veranstaltung kann doch nur Phanatismus führen. Das ganze Ergebnis des Blümentages kommt in erster Linie den Armen und Bedrängten zugute. Unter diesen werden sich doch wohl sehr viele befinden, die sozialdemokratischer Gesinnung sind. Warum dann diesen Miß- ton in die freudige Stimmung der Einwohnerschaft Stuttgarts und des 'ganzen Landes, durch solche gänzlich deplacierte Parolen? Deutlicher kann der Haß gegen die Monarchie nicht mehr zum Ausdruck gebracht werden.
Cittrarikhes.
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