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Verlag der „Gießener Zeitnug" G. «. b. H.
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Verlag der ,,Viesr«»er Zeitung" V. m. d. H.
Nr. 196
Telephon: Nr. 362.
Dienstag, den 12. September 1911.
Telcphsn: Nr. 362.
23. Jahrg..
Die RekbmHkberunasordnund. I sionsmanöver der beiden Divisionen unseres Armeekorps | ’ “ 1 begonnen und zwar die der hessischen Divisionbei Stal
Was bringt die Neichsversicherungsordnung?
Sie bringt folgende Erweiterungen und Verbesserungen:
1. Zu den 13,4 Millionen werden weitere 7 Millionen Personen (4,8 Millionen landwirtsch. Beschäftigte, 1,1 Millionen Dienstboten, 356 000 unständig Beschäftigte, 40 000 im Wandergewerbe Beschäftigte, 295 000 Hausgewerbetreibende und Heimarbeiterinnen und 259 000 Angestellte und sonstige Personen) der Krankenversicherung unterstellt.
2. Der Kreis der Unfallversicherten (23,7 Millionen) wird um 80 000 Personen erweitert.
3. Mit der 15,4 Millionen Personen umsassenden Invaliden- und Altersversicherung wird ein ganz neuer Versicherungszweig, die Hinterbliebenenversicherung (Witwen- und Waisenversicherung) verbunden. Sie erstreckt sich auf weitere 15 Millionen Personen.
Die Reichsversicherungsordnung ist in sechs Bücher eingeteilt.
Das erste Buch enthält die gemeinsamen Vorschriften für alle Versicherungsacken. Es bringt u. a. folgende Fortschritte:
1. Obligatorisches Verhältniswahlrecht für alle Ar- beiterveckreterwahlen nach diesem Gesetz, sowohl bei den Versicherungsträgern als auch bei den Versicherungsbehörden.
2. Die Wählbarkeit der Frauen zu den Versicher- ungsträgern.
3. Die Ermächtigung zu Gegenseitigkeitsveckrägen mit ausländischen Staaten auf das ganze Gebiet der Reichsversicherungsordnung.
4. Einheitliche, zweckmäßigere Gestaltung der Versicherungsbehörden durch einen sehr einfachen, groß angelegten Aufbau: Versicherungsamt (einen Land- oder Stadtkreis umfassend), Oberversicherungsamt (einen Regierungsbezirk umfassend), Reichsversicherungsamt (in Berlin, das ganze Reichsgebiet umfassend). In allen Aemtern sind aus Wahl hervorgehende Vertreter der Arbeiter und Arbeitgeber in gleicher Zahl mit tätig. Diese drei Instanzen üben sämtltche aus dem Arbeiter- versicherungswesen sich ergebende Aufsichts-, Beschluh- und Spruchbefugnisse aus. Anstelle der Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung treten die Oberversicherungsäm- 1er. Für die größeren Bundesstaaten sind Landes-Ver- sicherungsämler zugelassen. Für Bergbaü und Staats- betckebe sind besondere Oberversicherungsämter aus Zweckmäßigkeitsgründen vorgesehen.
Uns Stadt und Land.
Gießen, den 12. September 1911.
* Die kommenden Landtagswahlen. Im 1. oberhessischen Landtagswahlkreis Rodheim- Oberrosbach haben die Sozialdemokraten den Redakteur der Frankfurter „Volksstimme" Wittrich-Ofsenbach aufgestellt.
-)(- Eine Sitzung des Provinzial-Aus- s ch u s s e s findet Samstag, den 16. September, vormittags 8.45 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Weilburg gegen den Ortsarmenverband Butzbach wegen Unterstützung des Karl Wambold. 2. Gesuch des Karl Reichmann von Ober-Ofleiden um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft in Nieder-Ofleiden. 3. Klage des Ortsarmenverba, ides Gießen gegen den Ocksarmenverband Frischborn wegen Ersatz von Pslegekosten für Macke Dechert. 4. Klage des Ortsarmenverbandes Hanau gegen die Ockskrankenkasse Assenheim und Umgegend wegen Ersatz von Pslegekosten für W. Rabeneck. 5. Faselhaltung in der Gemeinde Ulfa.
* Die am 1. O k t o b e r fälligen Zinsen der m das Hessische Staatss!chuldbuch eingetragenen Forderungen werden bei allen in Betracht kommenden Hessischen Kassen und bei den Reichsbankanstalten vom 17. September ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab wird die Staatsschuldenkasse die durch die Post oder durch Gutschrift auf Reichsbank-Girokonto zu berichtigenden Schuldbuchzinsen überweisen.
-f- Geflügelausstellung inSprend- l i n g e n a. Rh. Die mit der landw. Ausstellung verbundene Geflügelschau verspricht sehr groß zu werden. Der Leitung stehen 1000 Mk. für Gegenstände zu Ehrenpreisen zur Verfügung. Anmeldeschluß ist Donnerstag, den 14. September. Auch bietet sich Gelegenheit, zu der stacken Lotterie Stämme zu verkaufen.
* Vom Manöver. Gestern haben die Dwi-
zenelnbogen, die der 21. Division bei Idstein. Die allgemeine Kriegslage für die jetzt beginnenden Manöver ist folgende: Eine blaue Armee befindet sich im Vormarsch aus der Eifel gegen den Rhein, Mainz ist blaue Festung. Rote Truppen werden an der Eisenbahn Mar- burg-Gießen-Butzbach versammelt, auch bei Hanau haben Ausladungen stattgeftlnden. Es finden drei Biwaks statt, 11., 12. und 15. September.
* Die Hauptversammlung des Bienenzüchter-Vereins für den Regierungsbezirk Wiesbaden findet in Lorch a. Rh. am 20. September statt. Die Tagesordnung enthält u. a. einen Vortrag von Dr. E. Weygandt (Wiesbaden) über „Wie züchten wir eine Kuliurrasse heran?" Ferner Bericht des Vorsitzenden über die Wanderversammlung in Konstanz, sowie praktische Arbeiten an einem lebenden Bieneiwolke. Mit der Versammlung ist eine Ausstellung verbunden. Ausstellungsgegenstände sind an Lehrer Labonte in Lorch einzusenden.
* Mehrere st a r k e Gewitter, welche den langersehnten Regen brachten, gingen Samstag abend und nachmittag in unserer Gegend nieder. In Ober- Seibertenrod schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Lier, ohne jedoch zu zünden. In Rein- h a r d s h a i n wurde die Hofreite des Landwirts Spränget voni Blitz getroffen und vom Feuer vernichtet. Sämtliches Heu, Stroh, Grummet und einige fast neue landwirtschaftliche Maschinen sind mitverbrannt. Auch aus G e l n h a r und Kefenrod werden Blitzschäden gemeldet. In Gelnhar konnte das Feuer wegen starken Wassermangels nicht energisch bekämpft werden. Der vorbeifließende Vach war fast trocken, nur zwei Brunnen in der Nähe gaben Wasser. Zwei kleinere Gebäude mußten niedergerissen werden, damit das Feuer nicht aus die Nachbarhofreiten übergreifen konnte. Das Vieh wurde gerettet.
* K i r ch g ö n s, 11. Sep. Weil er trotz des bestehenden Verbots eine Kuh aus dem Grotzherzogtum Hessen in das Königreich Preutzen eingeführt hatte, wurde der Handelsmann M. von dem Schöffengericht in Wetzlar mit 3 Mk. Geldstrafe eventl. 1 Tag Hast belegt.
- g- Langsdorf, 9. Sept. Mit dem Bau der hiesigen Wasserleitung wurde dieser Tage begonnen. Das Quellengebiet befindet sich in nächster Nähe des Ortes, wo gegenwärtig Bohrungen vorgenommen werden. Von hier aus soll das Wasser auf eine Anhöhe geleitet werden, um den nötigen Druck zu erhalten.
- )(- Butzbach, 11. Sep. Gestern hielt der hessische Hauptverein des evangelischen Bundes seine diesjährige Hauptversammlung ab. Nach dem Festgottes - dienst, in dem Pfarrer Rückeck-Darmstadt die Festpredigt hielt, fand nachmittags um 3 Uhr in der zur Festhalle umgewandelten Markthalle eine imposante Volks-Versammlung statt. Nach Begrützungsworten des Pfarrers Loos von Butzbach und des Vorsitzenden des Landesverbandes Pfarrer D. Waitz-Darmstadt, sprach Divisionspfarrer Dr. Greeven-Mainz über das Thema: „Deutsch und evangelisch in den Ostmacken". Psarrer Palmer-Offenbach behandelte das Thema: „Evangelisch und deutsch in unseren Kolonien". Pfarrer Spanuth - Leoben sprach über: „Deutsch und evangelisch in Oesterreich". An den Grotzherzog wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt und eine Kundgebung angenommen, in der alle Evangelischen des Landes aufgesordert werden, die evangelischen Bestrebungen in der Ostmark, in Oesterreich und den deutschen Kolonien zu unterstützen.
* ) Bad-Nauheim, 10. Sep. Unter dem Vorsitz des Notars Stahl-Bad-Nauheim tagte heute hier der Verband der Hess. Verkehrsvereine. 15 hessische Städte waren durch ihre Delegierten vertreten. Den Verhandlungen wohnten autzerdem Reichsrat Schliephake, Kurdirektor von Frankenberg und Bürgermeister Dr. Kayser bei. Die Beratungen über den Bilderschmuck in Eisenbahnwagen endeten mit Annahme eines Antrages Bad-Nauheim, nach dem die Beseitigung den einzelnen Vereinen überlassen bleibt. Im nächsten Jahre soll die in diesem Jahre in Berlin stattsin- dende Dioramen-Ausstellung in Bad-Nauheim zur Ausstellung kommen. — Das in voriger Woche im hiesigen Konzerthause abgehaltene Konzert zum Besten der Wohlfahrtsanstalten für die Musiker Deutschlands erzielte einen Reinertrag von 2400 Mark. Der deutsche Orchesterbund erhielt 2000 Mk. und die Unterstützungskasse des Win- derstein-Orchesters 400 Mack.
o- Groß-Karben, 10. Sep. Im Hause des Kaufmanns Taschner erplodicrte ein Petroleumfaß. Die Erplosion wurde durch die Lötlampe eines Spenglers, der das Faß reparieren wollte, hervorgerufen. Kauf« mann Taschner wurde von dem brennenden Petroleum übergossen: er sprang mit brennenden Kleidern vom Hof aus die Straße, wo ihm Hilse zuteil wurde. 70 Hühner, die in der Nähe eingesperck waren, verbrannten mit.
L a u t e r b a ch, 12. Sept. Samstag nachmittag zog über die hiesigen Fluren ein schweres Unwetter, das mit einem orkanartigen Sturm einsetzte und von starken ckektrischen Entladungen begleitet war. Der nach dem Sturm niedergegangene Regen fiel aber nur sehr spärlich und erst die folgende Nacht, in der noch verschiedene schwere Gewitter aufzogen, brachte den trockenen Fluren wieder einen erquickenden Regen. Der Schaden an den Obstbäumen ist beträchtlich. Durch den Blitz wurde an den elektrischen Leitungen verschiedener Schaden verursacht.
-m- Villmar, 8. Sep. In dem Marinorwerk wurde ein Anstreicher von einer Transmission ersaßt und fortwährend um die Welle herumgeschlcudert, wo bei er jedesmal mit voller Wucht gegen die Wand ge worfen wurde. Obwohl der Körper des Stengel voll ständig zerschlagen war, starb er erst kurz nach seiner Ueberführung in die Gießener Klinik.
* Homburg v. d. H., 12. Sep. Der Kreistag nahm den Antrag des Kreisausschusses bezüglich der elektrischen Taunusbahn an.
Literarisches.
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