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Lebenzmittelnot in London.

Eine Folge des Hafenarbeiter ftrelkes.

Noch schwerer als die sommerliche ^^e lastet auf Ler englischen Hauptstadt die immer bedrohlicher wer­bende Gefahr einer Hungersnot, die die Folac

e des

chr einer Hungersnot, die die SoL rasch anschwellenden Hasen- und Dockarbe st r e i k s ist. Das meerumschlunaene England erkennt somit wieder einmal von neuem die Stelle, wo es ver­wundbar ist: die Kehrseite der politisch so vorteilhaften isolierten Lge. London muß in 8 bis 10 Tagen

vor der Hungersnot

stehen, wenn bis dahin nicht neue Lebensmittel einge- ührt werden können. Fleisch muß bereits mit dem dreifachen Preis bezahlt werden als zur normalen «Bett Gemüse ist nur noch schwer zu erhalten, selbst wenn man dafür die geforderten hohen Preise zahlen will. Früchte sind schon selten geworben. 70 000 Kisten und Körbe europäischen Obstes. 5000 Kisten Züchte aus Kalifornien, 24 oOO aus Australien und 15 000 Körbe mit Südfrüchten lagern seit Tagen in den Hasenhallen oder Schiffsräumen und können nicht befördert werden. Größtenteils sind die Früchte schon in Fäulnis über- gegangem so daß ihre Vernichtung angeordnet werden mußte. &er den Händlern dadurch erwachsene schaden beläuft sich aus viele Hunderttausende. Milch und But­ter sind äußerst knapp. Bei der gegenwart gen Hitze und der in der heißen Jahreszeit an und für sich ge­ringen Milchproduttion langen die aus Holland und Dänemark eingeführten Milchs Butter- und Kafemen- gen kaum für den Bedarf. Jetzt muß ein großer Teil von ihnen verderben, weil die Händler ihn nicht in die Häuser der Kunden befördern können. Die Butter läuft aufgelöst aus ihren Behältern. Besonders

der Milchmangel in Krankenhäusern und bet der Ernährung der Kinder macht sich schwer sühlbar. Bet der gewaltigen Agitation, die unter den Eisenbahnern, den Güterarbettern der Bahnhöfe und den Droschkenkutschern eingesetzt hat, sind die Folgen, die der Ausstand zeitigen kann, noch gar nicht abzu- sehen. Im Laufe des ganzen Tages haben Banden von Ausständigen in den Straßen diejenigen Rollkutscher angegriffen, die bisher die Arbeit nicht verlaßen ha­ben. Die Polizei war trotz aller Anstrengungen nickt in der Lage, der Freiheit der Arbeit zu ihrem Rechte zu verhelfen. In der Umgebung der Markthalle von Smithfield, wo .Konservenfleisch aus Australien und Neuseeland zum Verkauf sammt, kam es zu unaufhör- ltchen Zusammenstößen zwischen der den Ausständigen feindlichen Menge, einem bedeutenden Aufgebot von Polizisten sowie Ausständigen, die den Verkauf ver­hindert! wollten. Nur einige Automobile konnten gestern bis zu den Markthallen durchdringen, in denen täglich 40 000 Rinderviertel verkauft werden. Nicht ein einziger Wagen erhält die Erlaubnis, sich zu den Kats am Hafen zu begeben. London war gestern bei der un­geheuren Hitze

ohne Eis, denn die Versorgung der Hauptstadt mit Eis geschieht von Norwegen aus, und in London selbst sind nur we­nige Eisfabriken. Die Benzin- und Petroleumlager leeren sich bedenklich. Wenn der Streik sich noch ver­längert, so ist zu befürchten, daß die Londoner Kraft­omnibusse nicht mehr verkehren können. Infolge des Mangels von Benzin und Petroleum mußte gestern schon der dritte Teil der Wagen in den Depots zurück- gebalten werden. Stroh und Heu beginnen zu mangeln, und man befürchtet schon, daß die Pferde vor Hunger sterben müssen. Gestern früh wurden Anstrengungen gemacht, alle Güter, die aus der Zentralstation ausge- häuft sind, abzuladen. Dies ist auch gelungen, aber erst nach angestrengten

Bemühungen der Polizei, die unausgesetzt von ihren Knüppeln Gebrauch machen mußte, so daß sie sich schließlich erschöpft zurückzog und durch Berittene ersetzt wurde. 100 Pvltzcibeamte, die von Birmingham angekommen waren, wurden von der Menge unter Hohngelächter mit allen möglichen Wurf­geschossen empfangen. Diese Hieb auf die Helme einiger Offiziere ein und jagte wild hinter den Polizeibeamten her, als diese sich nach der Hauptpolizetsiatlon begaben. Die gesamte Kavallerie und Infanterie von Aldershot haben Befehl erhalten, sich sofort zum Abmarsch nach London bereit zu halten.

Rundschau vom tagt

Politisches.

Der Kaiser und seine Ratgeber. DieKölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Von verschiedenen Seiten wird andauernd der Versuch gemacht, die Ansicht zu verbreiten, als ob zwischen dem Kaiser und seinen ver-

Iugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach.

10) (Nachdruck verboten.)'

Zwölftes Kapitel.

S t r a n d h o f.

»Mutter, ich gebe mit Nicolai an den Strand," sagte Frau Uchatscheff, indem sie auS der Villa Petersburg hinaustrat.

»Gut, mein Kind, aber vorher mußt Du mir einen Augenblick Gehör schenken," entgegnete Frau Haideck, Waldeuberg bat mir beute geschrieben und fragt, ob er Herkommen darf?"

Gewiß, liebe Mutter, warum sollte er uns nicht besuchen?"

ES lag etwas Hartes in der Stimme, Karlas kleiner Fuß klopfte ungeduldig den Kies.

Hast Du es Dir Überlegt, daß dieses Entgegen­kommen Waldeuberg zu Hoffnungen berechtigt? Er liebt Dich, Karla."

Kaun ich dafür, Mutter? Den ganzen Winter waren wir in Meran zusammen, ick hielt ihn für zu krank, um gefährlich zu werden!"

Ist er es Dir geworden, liebes Kind?"

Quäle mich nicht, Mutter!" rief Frau Uchatscheff ungeduldig.

Er schreibt, daß er ganz bergestellt ist."

So lade ibn ein, ick glaube, Du täuschest Dick, Waldeuberg denkt nicht an mich."

Hier ist ein Brief von Tante Thekla, nimm ibn mit; Alfred siedelt von Petersburg nach Berlin über als Leiter einer Nervenklinik."

So, und schreibt seine Mutter nicktS von seiner Verlobung?"

Mit wem?" fragte Frau Haideck erstaunt.

antwortlichen Ratgebern über die Behandlung der Ma­rokkofrage Meinungsverschiedenheiten bestanden hätten. Insbesondere suchte man die Lage so darzustellen, als ob der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter zuerst sehr wettgehende Forderungen an Frankreich gestellt und sie dann infolge deS kaiserlichen Eingreifens habe stark herabsetzen müssen. Derartig willkürlich erfundene An­gaben sind unpatriotisch, da sie die Aufgaben der deut­schen Unterhändler erschweren und ihre Stellung dem Auslande gegenüber schwächen. Tas Gleiche gilt von den fortgesetzten Versuchen, gewtste lärmend geltend gemachte Forderungen politischer Hitzköpfe als Forde­rungen hinzustellen, welche die deutsche Regierung an­fangs selbst erhoben, dann aber unter fremdem Truck wieder zurückgezogen habe.

Prttrzxegent Luitpold von Bayern leidet, der Augsb. Postztg." zufolge, an einer weit vorgeschritte­nen Arterienverkalkung. Prinz Ludwig und der Kli­niker für innere Medizin, Professor v. Bauer, weilen in Hohenschwangau am Hoflager. Auch die Tochter deS Regenten, Prinzessin Therese, die auf Reisen im Kau­kasus begriffen war, ist zurückgekehrt und hat sich sofort nach Hohenschwangau begeben.

1100 Reichstagskandidaten werben biS jetzt gezählt. Ten Rekord macht die Sozialdemokratie, die überall ihre Kandidaten aufgestellt hat. Die Fortschrittliche Volkspartet bat 190 herausgebracht, die Nationullibe- ralen 159, die Konservativen 126, das Zentrum biS fetzt nur 96, die Wirtschaftliche Vereinigung 89, die Rcichs- partei 37, die Polen 15, die Welfen 9, die Elsässer und Lütauer 2 und die Tönen 1.

Betrifft Reichstagswahlen Januar 1912." Das Rätselraten der letzten Wochen über den definitiven Termin für die Wahlen zum Reichstag kann jetzt neben den inspirierten Erklärungen der Regierung, baß die­ser Termin noch der höchsten Entscheidung bedürfe, als beendet gelten, denn der Entwurf einer Zuschrift an die preußischen Regierungspräsidenten, der der Fixie­rung und Versendung harrt, trägt, wie verlautet, den amtlichen Vermerk:Betrifft Reichstagswahlen Januar 1912"

Ueber die Festlegung des Osterfestes wird, wie der Schles. Volksztg." auS Berlin berichtet wird, vom Reichskanzler im Winter mit Rom verhandelt werden. Das Blatt schreibt:Man rechnet damit, daß der Papst, der manche Feiertage abgeschafft habe, auch diesem Wun­sche freundlich gcgenttbertreten werbe."

Der Teutsche Katholikentag in Mainz ist am Don­nerstag geschloßen worden. Vormittags fand unter dem Vorsitz des Grafen Galen die vierte und letzte geschlos­sene Generalversammlung statt. Auf der Tagesord­nung stand zunächst eine Reihe von Anträgen, die die Mäßigkeitsfrage, die Schundliteratur usw. betrafen. Die Anträge gelangten einstimmig zur Annahme. Zum Schluß der Versammlung wurde das Zentralkomitee neu organisiert. An Stelle des ausscheidenden Reichs­tags- und Landtagsabgeordneten Herold wurde Graf Galen und an Stelle des Prälaten Hüskamp (Münster) Graf Schönburg-Glauchau-Weisenburg gewählt.

Die feldgraue Farbe beim preußischen Heere. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, geht die preußische Armeeverwaltung noch einen Schritt weiter, um alles der einheitlichen feldgrauen Farbe anzupassen. Es wird nun auch bas graubraune Segeltuch ber Biwak- zelte durch einen feldgrauen Stoff ersetzt werden. Diese Maßnahme ist insofern von großer Wichtigkeit, als ge­rade die dunkle Farbe der Zelte ein gutes Zielobjekt bot.

Scharfe Maßnahmen deS französischen Kriegsmi­nisters. Infolge des jüngsten krtegsministeriellen Rundschreibens, wonach alle höheren französischen Of­fiziere, namentlich die von zweifelhafter körperlicher Eignung, an den bevorstehenden großen Manövern teil­nehmen sollen, fühlte sich eine größere Anzahl Generale veranlaßt, Urlaub einzureichen oder sonstige Gründe geltend zu machen, um von den Manövern fernbleiben zu können. Die Gesuche wurden durchweg abgelehnt. Der Minister ist entschlossen, alle höheren Offiziere an den Manövern tetlnehmen zu lasse«, um ste auf ihre Tauglichkeit zu untersuchen.

Tie englische VerfaffnngSkrists ist beendet. Im Oberhause erklärte sich gestern Lord Roseberry .tm letz­ten Augenblick bereit, die Regierung zu unterstützen. Das Oberhaus hat dte ParlameutSbill mit 131 gegen 114 Stimmen angenommen. Durch diese Schwenkung der Lords ist der Verfaffungökonflikt betgelegt.

Ach so, Du weißt eS nicht, Evchen schrieb mir, baß er in Petersburg oft im Hause Herrn von Rappö sei unb baß dessen Tochter ein reizendes Mädchen ist, der Alfred den Hof macht."

Ich habe nichts davon gehört, Karla."

Frau Uchatscheff steckte den Brief in die Tasche und entfernte sich mit ihrem Knaben. Seit zwei Jahren war Karla Witive, ihr unglücklicher Mann wurde frit- her als man glaubte, von seinem Leiden erlöst; eine Brnstsellentzttndung trat hinzu und machte seinem Le­ben ein Ende. Seine Frau reiste nach Petersburg zur Beerdigung, sie konnte Gott nur danken, baß er es so anäbin gewendet hatte. Alles Trübe auS ihrer Ebe war wie wcggcwtscht, sie erinnerte sich nur noch der liebten Stunden; was sie oft für Ausbrüche von Laune und Heftigkeit gehalten hatte, war schon der Anfang der Krankheit gewesen. Der Tod sühnt und gleicht auS, Karla fühlte aufrichtige Trauer, sie wurde aber gemil­dert durch die Freundschaft und Fürsorge besten, der ibr in dem letzten Jahr zur Seite gestanden, der nicht allein als Arzt, weit mehr als treuergebener Mensch, auf den sie sich in ihrem Leibe stützte, und ber ihr mit Rat unb Tat biente.

Der Briefwechsel zwischen Alfred Grotenbach und Karla Uchatscheff wurde noch eine zeitlang fortgesetzt, dann stockte er unb.hörte schließlich auf. Jetzt, wo Karla frei war, wollte sie nicht mehr dem jungen Arzt schrei­ben; ein Gefühl scheuer Zurückhaltung machte eS ibr unmöglich, als eckteS Weib bebte sie davor, allzusehr eutgegenzukommeu.

Sie braucht mich nicht mehr/ dachte Grotenbach bitter,darum zieht sie eine Schrmrke zwischen unb. Fürchtet sie, daß ich mich ihr mttbrängen könnte?"

Sein Stolz bäumte sich gegen diesen Gedanken, er litt namenlos darunter. Was er sich nickt eingestehen wollte, als Ucbatsckeff lebte und von ihm behandelt wurde, regte sich jetzt im Herzen des pflichttreuen, crn-

Kleine fiaärldHen.

Dieustrevoloer für die Berlttrer Sckvfsteute. D^r- Polizeipräfidium in Berlin hat der Rheinischen Metall. Warenfabrik einen Auftrag von Lieferung von fünftau* I send Dienstrevolvern gegeben. Der Auftrag ist durch die Abteilung Sömmerda bereUö angeführt worden.

Ueber die Krankheit des Papstes melden römische Blätter: Tie Urinuntersuchung ergab, daß her Papst nicht nur an Gicht, sondern auch an den Nieren leibet Ter Puls ist sehr schwach. Bei dem hohen Alter bei Patienten ist der Vatikan in ernster Sorge.

Dreitausend Elektromonteore von Groß - VerliM, die im deutschen Mctaüarbeiterverband organisiert sind, haben beschlosten, in eine Lohnbewegung einz«. treten.

Ans einer Stndienfahrt durch Teuttckland trafen die Bürgermeister ungarischer Städte, etwa 120 Per­sonen, zum Besuch der HngiencauSstelluna und ver­schiedener kommunaler Einrichtungen in Dresden ein.

Beim Ererzieren vom Htßschlag betroffen wurde in Minden ein zur Uebung bei der 6. Kompanie beb dortigen Infanterieregiments eingezogener Gefreiter, der Lehrer Witte. Er starb bald darauf.

Gegen die drohende Futternot werden in Bauern bereits Maßnahncen getroffen. DaS bäuerische Mini­sterium beb Innern hat den landwirtschaftlichen KreiS- aubüftünen Mittel zur Verfügung gestellt, um bedürf. Haen Landwirten Zuschüsse zum Ankauf von Saatgut für Grünfutterpflanzen zu gewähren.

Diebe auf einem Truppenübunasplatz. Auf dem Truppciiübungbpiao bei Itzehoe wurden einer größeren Anzahl EUIttcrea aub den CfftMerbbaracfen die Offi- zicrarmeegläser, darunter solche im Werte von über 1000 Mark, gestohlen. Von den Dieben fehlt noch jede Spur.

Ein Tiroler Torf niebergebrannt. Lusern in Süd- tirol, das letzte deutsche Torf auf der Vtelaercutu Hochebene ist bet starkem Winde gänzlich niederge- bräunt. DaS Feuer brach am Nachmittag aub und äscherte 700 Häuser ein, darunter auch die deutsche Erfül­le, das Postamt, beide Gasthäuser und dte Spitzenklöp- pelschule. Das Elend ist groß.

Hus den Öerkbtssäkn.

Brandstiftung durch ein Spielzeug. Wegen fahr- lässiger Brandstiftung hatte sich kürzlich ein Lehrer in der Provinz Posen zu verantworten, der zurBelebruna und Belustigung seiner Schüler einen kleinen Luft­ballon hatte auhtctaen lasten, an dem unten brennende Watte befestigt war. Während des Versuchs sprang der Wind plötzlich um und trieb den Ballon auf ein Stroh­dach. Es brannten fünf Gebäude ab. Sowohl das Schöffengericht als auch die Strafkammer erkannten auf Freisprechung des Angeklagten, da erdie im Verkehr übliche Sorgfalt" angewandt habe. Er konnte nämlich zum Glück beweisen, daß er vorher die Windrichtung geprüft habe und mit dem Versuche vertraut gewesen fet, der ihm schon verschiedcntltch gelungen. Da in ähnlichen Fällen auch sehr leicht einSchuldig" aub- sprochen werden kann, wirb es sich empfehlen, dieses weitverbreitete Spielzeug in der angegebenen Weise lieber doch nicht zu benutzen, denn auch in unbewohnten Gegenden kann ein Brand in Wäldern u. dgl. verur­sacht werden.

Uermischtes.

Unentgeltliche Feuerbestattung. Die erste deutsche Gemeinde, welche die Feuerbestattung unentgeltlich ge. währt, ist Offenback. Der FriedbofSansscknß beb dor­tigen StadtverordnetenkollcgiumS beschloß einstimmig, auf Ersuchen der Einheimischen Feuerbestattungen in dem dortigen Krematorium unentgeltlich oorAunchmcn. Vorbedingung ist nur, daß ein Normatsarg beschafft wird, der etwa 30 Mark kostetet. Zugleich wurde be­schlossen, einen noch billigeren Normalsarg zur Feuerbe­stattung znzulassen. Auch in anderen Gemeinden, die ein Krematorium besitzen, gebt man mit dem Plane um, der ärmeren Einwohnerschaft freie Feuerbestattung zu gewähren.

In den Htßetagcn beinahe erfroren Ein Fleisckcr- meister in Paderborn schickte seinen Gesellen abends ziemlich spät in das städtische Kühlhaus, um Maren von dort zu holen. Die Anwesenheit deb Gesellen muß dem Personal unbekannt geblieben sein, denn dab KttblbauS wurde geschlossen und der ganz leicht gekleidete junge Mensch blieb darin zurück. Erst alS er nachts nicht heimkehrte, kam man auf den Gedanken, daß er sich im Kühlraum befinde und befreite ibn. Er war vor Kälte schon halb erstarrt und wäre erfroren, hätte seine Ge­fangenschaft noch länger gedauert.

Ein großer Brand auf Helgoland wütete gestern morgen zwischen 3 und 4 Uhr auf dem dortigen Unter« lande. Dem Feuer fielen die Bäckerei von EilerS und das danebenliegende HotelBerliner Hof" zum Ovier. DaS Feuer brach in einem alten Backofen der Bäckerei auS und griff auf daS Hauptgebände der Bäcferei, in ft eit ManneS; er wußte, baß sie frei war und daß er mit einem höheren Gefühl als dem der Freundschaft an sie dachte. Gerade ihre kühle Zurückhaltung tm ersten Jahre ihrer Witwenschast hatte eS ihm klar gemacht.

Nun wohl, Grotenbach wollte seine Liebe überwin­den, niemand durfte darum wissen; er band sich noch für längere Zeit in Petersburg und suchte in ange­strengter Arbeit zu vergeßen.

KarlaS Kind war jetzt ein gesunder, blühender Junge geworden; sie selbst sah frisch und wohl auS, ihre Schönheit wurde dadurch noch gehoben; daS ernste, edle Gesicht mit den sinnenden, braunen Augen war anziehender als je. Jetzt fehlen ihr die Vergangenheit so weit, so weit, aber ein belleS Licht lag über den duns­ten Tagen, das Bild deS Mannes, der ihr einst Stütze und Freund gewesen, ließ sich nicht verwischen. Trotzig warf Karla den stolzen Kopf in den Nacken.Ich muh vergessen," dachte sie,bald ist er mit Fräulein von Rapp verlobt. Da Eva eS auch zu glauben scheint, muß eS wohl wahr sein."

Karla schritt unter den weit überhängenden Bucken am Strande von Saßnitz weiter und weiter, ihr Söhn­chen lief voran.

Mutter, hier sind so hübsche, bunte Steinchen!" rief Nicolai,hier wollen wir bleiben."

ß5nt, mein Junge, spiele nur, ich setze mich so lange auf die Bank." Der Tag war sonnenlos; grau und still log hab Meer da, etwas unendlich Schwermütiges hielt alles gefangen; Karla war so eigen zumute, so weich und sehnsüchtig, so bolfnungsfoS Wenn man erst Mitte der Zwanzig ist, fällt es schwer, an das ganze, lange Leben zu denken und sich zu sagen:

"Mein Frühling ging zur Rüste, Ich weiß wohl warum, Die Lippe, die mich küßte, Ist worden falt und stumm."