Hießener Jeitung
Bezugspreis 40 pfg. monatlich
oterreljährlich 1,20 Mk., vorauszahlbar, frei insHaus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabesteÜen vierteljährlich SO Pfg — Erscheint Dienstags, Donnerstags, LawStags. — Redaktion. Seltersweg 83. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Gieheucr Zeitung" (S. m. b. H.
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei^ sowie vieler anderer 4c
Expedition
des Großhel-zoglichen UPolizei - Amtes Behörden ©betreffens 8 e11 er § weg 83.
lHauS Bruder S^mibt.)
Ünjeigenprei; 15 Psg.
die 44 mm breite Inseratenteile. Stelten Nesuche und & a m i l i c n a n t e i fl e ii 10 Psg. — Die SO mm breite Zeile iin Reklametcil 60 Psg. — Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt summt bei Überschreitung des Zahlung», ziclcü (30 laße), bei gerichtlicher Beitreibung über bei SenkurS in WegsaU. Platzvorschriften vtzne Berbindlichkeit.
Verlag der „Gtckcuer Zeitung" G. m. b. H
Nr 183. Telephon: Nr. 362.
Probenummern
der „Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen auszugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürsten.
Aus Stadl und Cand,
Gießen, den 12. August 1911.
* Mit Rücksicht aus den Stand der Ernte und der Weinberge ist das Ende derHegzeitder Feldhühner und Wachteln im Großherzogtum mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten auf den 16. August fld. Js., für die genannten Kreise auf den 23. August lfd. I. festgesetzt.
♦ Erkältungen infolge der Hitze. Daß man sich bei 30 Grad im Schatten erkälten sann, klingt wie ein vollkommene Widerspruch, ist aber Tatsache. Gerade die hohe Temperatur rückt die Gefahr der Erkältung besonders nahe, denn wir sind nur allzusehr geneigt, wenn uns warm wird, eine unvermittelte Abkühlung aufzusuchen. Gewöhn ich sind dann Kehlkopf-Katarrhe und Mandelentzündungen die Folge, wenn's nicht noch schlimmer wird. Manch einer hat sich schon den Tod infolge Schlaganfalles geholt, wenn er in erhitztem Zustande inS kühle Bad stürzte. Und daß man sich mit kaltem Trinkwasser oder Eis gehörig den Magen verderben kann, dürfte auch genügend bekannt sein. Im allgemeinen führt große Hitze viel leichter eine Herabminderung unseres Wohlbefindens herbei, als große Kälte. Gegen letztere kann man sich schützen, gegen Hitze ist aller Kampf nutzlos. Auch unsere Kaiserin hat sich bekanntlich infolge dec Hitze eine Erkältung zugezogen, die eine lästige, wenn auch völlig ungefährliche Mandelanschwellung im Gefolge hatte.
* Antiqua oder Fraktur? Die „Pariser Zeitung-, die einzige deutsche Zeitung in Frankreich, hat zur Be« urteilung dieser Streitfrage einen schätzenswerten Beitrag geliefert. Vor einigen Wochen forderte sie ihre Leser, Deutsche und Franzosen, darüber zu einer Aeußerung auf. Das Ergebnis ist nun in Nr. 484 mitgeteilt: 81 v. H. aller Antworten wünschen Beibehaltung der deutschen Buchstaben, und zwar 88 v. H. der deutschen Einsender, 70 v. H. dec französischen. Von den Franzosen behaupten viele, der deutsche Druck sei schöner als der lateinische, er stimme besser zur Eigenart der deutschen Sprache, und die Mühe, ihn lesen zu lernen, sei nicht dec Rede wert. Die deutschen Beantworter betonen großenteils, die deutsche Schrift sei ein wertvolles Wahrzeichen unseres Volkstums, und die darin enthaltene Mahnung: „Gedenke, daß du ein Deutscher bist!" tue uns sehr not. Besondere Beachtung verdient, daß Kaufleute und Techniker sich ebenfalls überwiegend für deutsche Schrift entschieden haben (78 v. H.); gerade diesen Leuten wird man die Fähigkeit, die Sachlage nüchtern zu betrachten, nicht abstreiten können.
* Schulkinder und Automobile. Das Kultusministerium hat auf Ersuchen des Kaiserlichen Automobilklubs und anderer automobilistischer Vereinigungen ein Rundschreiben an sämtliche Regierungen ergehen lassen- in dem die zuständigen Kreisschulinspektionen aufgefordert werden, für die Sicherheit der Automobi- sten gegen den Uebermut von Schulkindern durch strickte Verbote jeder Ungehörigkeit Sm.ge zu tragen.
* Der Zucker wird teurer. Die durch anhaltende Trockenheit der Rübenfelder verursachten Schädigungen machen sich bereits auf dem Zuckermarkt geltend, denn die Zuckerfabriken haben den Preis für Zucker langsam bis um 6 Mark für den Doppelzentner erhöht. Es steht daher zu erwarten, daß auch im Kleinhandel der Zucker in der nächsten Zeit um 3 5 Pfg. pro Pfund in die Höhe gehen wird.
Tas Turnwesen in den Säulen.
In sämtlichen preußischen Regierungsbezirken werden seit einer Reihe von Jahren staatliche Kurse zur Fortbildung im Turnen und in der Erteilung von Turn
Sam^iag, bat 12. August 1911
unterricht sowie zur Ausbildung von Lehrpersonen in | der Leitung von Volks- und Iugendspielen veranstaltet. Hieran haben sich bisher insgesamt 47 507 Per- I sonen beteiligt. Um die Einheitlichkeit der Anleitung, soweit nötig, sicher zu stellen, werden neuerdings für die Leiter dieser Fortbildungskurse sowie für Schulaus sichtsbeamte besondere Lehrgänge an der Laudesturnau stalt abgehalten. Die Ausbildung wirksamer und an regender Methoden für das Turnen hat die Unterrichtsverwaltung besondere Fürsorge zugewandt. Sie hat zu diesem Zwecke auch die Einrichtungen des Auslandes, namentlich Schwedens und Englands, studieren laffem Das Ergebnis dieser Studien und anschließender Versuche an der Landesturnanstalt ist einerseits die 1909 erschienene „Anleitung für das Knabenturnen", die an allen Schulen für die männliche Jugend in Gebrauch genommen worden ist. Anderseits ist eine neue Weise für das Mädchenturnen erprobt worden. Ihre Eigen - art besteht im wesentlichen darin, daß dem Bewährten der bisherigen Ausbildungsweise Uebungen Hinzuge - fügt worden sind, die besonders geeignet erscheinen, die wichtigsten Organe durch planmäßige Erhöhung ihrer Tätigkeit in Licht und Lust nachhaltig zu kräftigen. Es kommen hier insbesondere Spiele im Freien, volkstümliche Uebungen, ferner zweckentsprechende Frei- und Handgeräteübungen in Betracht. Die Ausarbeitung eines bisher noch fehlenden amtlichen Leitfadens für das Mädchenturnen ist dem Abschluß nahe. Auch für die Abhaltung orthopädischer Turnkurse sind Anregungen gegeben worden. Versuche in Schulen aller Art, mit besonders ausgewählten täglichen Leibesübungen der Schädigung der Jugend durch anhaltendes Sitzen entgegenzuarbeiten und gewisse lebenswichtige Organe zu kräftigen, sind fast durchweg so günstig ausgefallen, daß 1910 die Einführung dieser Uebungen für das tägliche Turnen, soweit nicht an manchen Schulen persönliche, räumliche oder sonstige Schwierigkeiten dies zurzeit noch verhindern, in die Wege geleitet werden konnte. Die verbindliche Turnzeit umsaßt jetzt für die meisten Schulen wöchentlich drei Stunden, nachdem im Jahre 1910 zugunsten der volkstümlichen Uebungen und Spiele auch für die Volksschulen grundsätzlich eine dritte Wochenstunde eingeführt ist. Dazu kommen die Uebungen, die an den Tagen 5—10 Minuten lang vorgenommen werden, an denen Turnunterricht oder Turnspiele nicht stattfinden.
* Gegen d i e Arbeiter-Turnvereine wendet sich ein Erlaß des preußischen Ministers des Innern. Der Erlaß stützt sich auf ein Urteil des Ober- oerwaltungsgerichts vom 7. März d. Js., das den Arbeiterturnverein „Freie Turnerschaft" in Königsberg i. Pr. als politischen Verein erklärt hat. Der Erlaß des Ministers fordert die Polizeibehörden auf, zu prüfen, ob die in ihren Amtsbezirken auf dem Gebiete der turnerischen Bestrebungen der Sozialdemokratie bestehenden Verhältnisse ein polizeiliches Einschreiten erforderlich machen. Der Minister begründet diese Forderung, wie folgt: Viele Arbeiterturnvereine zählen Personen unter 18 Jahren zu ihren Mitgliedern. Damit verstoßen sie, wenn ihr politischer Charakter nachweisbar ist, gegen das Gesetz, und es ist die Pflicht der Polizeibehörden, sowohl hiergegen, wie auch zum Zweck der Durchführung der für politische Vereine sonst bestehenden Vorschriften einzuschreiten.
** Dem 1. Assistenzarzt an der chirurg. Universitätsklinik Privatdozenten Dr. Anton Thies wurde der Titel „Oberarzt an der chirurgischen Universitätsklinik verliehen.
-a- Reue Wohlfahrtspostkarten des Patronats der Großh. Zentrale f. M. u. S. in Hessen sind erschienen und in allen größeren Postkartengeschästen und Papierhandlungen zu haben.
* Die Anlage-Musik findet Sonntag 1 J2 Uhr mit folgendem Programm statt: 1. Ambrosianischer Lobgesang, 2. Ouvertüre z. Op. „Tell" v. Rossini, 3. Rational-Lieder v. P. Tschaikowsky, 4. Armeemarsch Rr. 27 (Coburger).
* Unser Regiment kekrte gestern abend 818 von der Mainzer Truppenschau zurück.
- n- Grünberg, 12. Äug. Von den 5 Kandidaten, die bei der hier stattgefundenen Bürgernreisterwahl aufgestellt waren, erhielt der Stadtverordnete K. Ranft 160, Beigeordneter Fuldat 109 Stimmen. Es findet Sttchwahl statt zwischen beiden.
- n- Grünberg, 11. Aug. Der hiesige Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, die
Telephon: Nr. 363.
23. Iahrg
Stadt der elektrischen U e b e r l a n dz entra l e in Wölfersheim anzuschließen.
- )(- Nieder-Mörlen, 12. Aug. Die Schwurgerichts« Verhandlung gegen die Rieder-Mörlener Mörder findet am 25. September in Gießen statt. Die Anklage lautet gegen Erbe und Wolf Raubmord, gegen Wolfs Schwester auf Beihilfe zu dem Verbrechen.
Mainz, 11. Aug. Der Kaiser traf, von Wilhelms« höhe kommend, Leute früh um 6 Uhr Wärterbude 39 der Strecke Mainz-Alzey ein. Es hatten sich eingefunden, der Großher^og und die Großherzogin von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die Kronprinzessin von Griechenland und die jüngeren Prinzen, ferner der kommandierende General v. Eichhorn, der japanische Feldmarschall Rogi und Provinzialdirektor Geh.- Rat Dr. Breidert. Der Kaiser trug die Uniform seines 116. Regiments, die Großherzogin und die Prinzessin Friedrich Karl die Uniform ihrer Regimenter. Der Kaiser begrüßte, nachdem er zu Pferde gestiegen war, den Großherzog und seine hohen Verwandten auf das herzlichste und sprengte dem großen Sand zu, um einer Truppenübung der 25. (Großherzoglich ^hessischen) Division und anderer Truppenteile veizuwohnen. Das Wetter war schön und heiß. Die Uebungen begannen mit einem Exerzieren des Magdeburgischen Dragoner-Regiments Rr. 6. Hieran schloß sich eine Gefechtsübung unter Leitung des Generalleutnants v. Plueskow, an welcher teilnahmen die 59. Infanterie-Brigade, das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelin Rr. 116, die 6. Dragoner und zwei Abteilungen des Feldartillerie-Regiments Rr. 63. Aus Mainz und der ganzen Umgegend waren zahlreiche Schaulustige herbeigeströmt, welche den Kaiser und die Fürstlichkeiten freudig begrüßten. Die Gefechtsübung war um 7’ z Uhr beendet. Der Kaiser hielt Kritik ab. Rach 8 Uhr begann die Parade. Der Kaiser verlieh eine große Anzahl Ordensauszeichnungen.
Offenbach, 11. Aug. Gestern morgen brach in den Lederwerken vorm. PH. I. Spicharz Großfeuer aus, durch das die Speisehalle, der Ankleideraum der Arbeiter, zwei Fabrikationsräume vollständig zerstört und das Gebäude der Sattlerei stark beschädigt wurde. Der Materialschaden, besonders auch an Werkzeugmaschinen, ist bedeutend, jedoch durch Versicherung gedeckt. Ein Arbeiter erlitt Brandwunden.
- mr- Herborn, 12. Aug. Morgen Sonntag und Montag feiert der Hauptverein Wiesbaden-Frankfurt des Evangelischen Bundes sein 21. Iahresfest.
- t- Diez, 12. Aug. Hier grassiert gegenwärtig unter den Kindern der Keuchhusten in besorgniserregender Weise.
* Marburg, 12. Aug. Das historische Spiel« werk an der restaurierten Rathausuhr ist nunmehr, so gut es ging, wieder in Betrieb gesetzt worden. Der neue Hahn hebt bei jedem Glockenschlag seine Flügel, leider hat er das Krähen trotz aller Bemühungen nur wenig oder gar nicht gelernt. Um so kräftiger tutet der Wächter in sein Horn, während der Tod nur jedesmal von Stunde zu Stunde seine Sandbüchse streut und die Weltkugel alle zwölf Stunden ihre Umdrehung macht. Für die Instandsetzung hatten die städtischen Körperschaften 1600 Mark bewilligt.
* Marburg, 12. Aug. Dec Bau der hiesigen elektrischen Straßenbahn wurde den Siemens und Sckuckectwerken für 115000 Mack übertragen.
Wollen Sie etwas feines rauchen dann empfehlen wir Jhnen:
aretten.
Etwas für Jie?
F Salem Aleikum
Ggareite des Feinschmeckers!
N? 3'/â 5, 6 8,10
Preis: 3^â 5, 6, 8,10 Pfg.cLSt
0 HentTab. u.Cigaretten-Fabrikyemdze Jnh. Hugo Zietz, Dresden.