Hretzener Jettung
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Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei'? sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei-Amtes Behörden Gberhestens
Expedition: Selters weg 83.
jHaus Brüder Schmidt.)
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Nr. 135.
Tele phon: Nr. 362.
Montag, den 12. Juni 1911.
Telephon: Nr. 362.
23..Jahrg.
Jubiläum der Fortschrittspartei
Zur Feier der Gründung der deutschen Fortschritts- partei vor 50 Jahren versammelten sich am Freitag abend im Krollschen Etablissement in Berlin mehr als 1000 Personen. Um 9 Uhr fand im großen Theater- saal ein Festakt statt, den Abg. Kopsch eröffnete und der namens der Berliner Parteiorganisation den Versammelten ein Willkommen zurief, insbesondere den beiden Senioren der Partei Abg. Träger und Pros. Günther-München. Sodann hielt Geh. Justizrat Träger die Festrede, in der er einen historischen Rückblick auf die letzten 50 Jahre warf. Er ging auf die verschiedenen politischen Fragen, insbesondere auf das preußische Wahlrecht ein und forderte aus: „Mit Mut, Rücksichtslosigkeit und Ausdauer den alten Idealen nachzujagen". Sodann sprach Pros. Dr. Günther mit jugendlichem Feuer. Er gedachte der schweren Kämpfe der Partei und der alten Kämpfer. Abg. Kämpf beleuchtete sodann die Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte und forderte zum Kampfe gegen das Hochagrariertum auf und zum Selbstvertrauen und Mut für den Wahlkampf. Geh. Justiz- rat Dove mahnte, die individuellen Interessen zurückzusetzen. Abg. Justizrat Gyßling-Königsberg wies darauf hin, daß die Wiege der Fortschrittspartei in Ostpreußen gestanden habe. Der neue Wahlkampf müsse zur Zurückeroberung der alten Heimat dienen. Als letzter Redner betonte der Führer der Fortschrittlichen Reichstags- fraktion Abg. Dr. Wiemer, die Partei sei stolz daraus, als erste die deutsche Fahne entfaltet zu haben. Die Partei werde den Fürsten Bülow nicht vergessen, daß er versucht habe, als konstitutioneller Staatsmann zu regieren. Abg. Kopsch überreichte sodann als Gabe der Partei Geheimrat Träger eine Plakette mit dem Bildnis des Geehrten in Gold und verlas sodann die zahlreich eingelaufenen Glückwunschtelegramme. Um 11.30 Uhr begann in den beiden Nebensälen der Ko/nmers unter Leitung des Abg. Struve und des Prof. Dr. Orth.
In Hagen i. W. wurde am 50. Gründungstage der Deutschen Fortschrittspartei, der Grundstein zum E u - gen Richter-Turm gelegt in Anwesenheit der Abgeordneten Cuno und Müller und des Landtagsabgeordneten Bilstein, sowie von Vertretungen der Bezirksverbände Rheinland und Westfalen und der Kreiswahlkomitees. Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses, Lö- senbeck, hielt die Weiherede. Der Eugen Richter-Turm wird sich auf einem 285 Meter hohen Berge dicht vor der Stadt Hagen gegenüber dem mit einem Bismarck- Turm geschmückten Goldberg erheben. Bismarck und Eugen Richter werden sich, wie so ost im Leben, hier gegenüberstehen. Die Höhe des Eugen Richter-Turmes wird bis zur Plattform 20 Meter, von da bis zur Kuppel 6,5 Meter, die Breite des viereckigen Turmes 12,7 Meter betragen. Für eine im Erdgeschoß des Turnes unterzubringende Gedenkhalle ist eine Größe von 4,8 Meter mal 4,8 Meter bestimmt. In dieser wird eine Bronzebüste Eugen Richters Aufstellung finden.
Der Deutsche Rundtlug.
Gestern srüh um 5 Uhr nahm der große deutsche Rundflug, für den über 400 000 Mark an Preisen zur Verjüaung stehen, in Johannistal seinen Ansang. Wenige Minuten nach 5 Uhr hob sich L i n d p a i n t n e r mit Passagier elegant aus seinem Farman-Zwerdecler m die Lüste. Dann kam Vollmöller mtl bet „2aube und ebenfalls einem Passagier. B ü ch n e r s Appmat sina Feuer. An seine Stelle trat der Wnghtslreger Ro- bert v M ° ßner. In kurzen Zwischenräumen folgten ohne Passagier Reichardt, Karl Muller und R. The le TL Kurz vor 7 Uhr mußte wegen der heftigen Böen eine Pause eintreten. Um 7% Uhr ging ine frohe Kunde ein, daß Lindpaintner glüdlid) in Magdeburg gelandet sei. Vollmöller flog bis Potsdam und ging am Hasenuser wegen eines Motordesektes weder, et will heute weiter fliegen. Reichardt unternahm eine Zwischenlandung bei Güsen hinter Burg wegen böigen Sud -
Apparat beschädigt wurde. ^n Johannisthal s nachmittag noch aufgeftiegen: Tannin, Buchner, Wil- lenstem und Lailsch.
Aus Stadt und Land.
Giehen, den 12. Juni.
* Parlamentarisches. In dieser Woche werden wieder zwei Ausschüsse der Z w e i t e n Kammer Beratungen abhalteu. Morgen kommt der dritte ! Ausschuß zusammen, der sich u. a. mit der Vorstellung ; der Privatarchitekten inbetreff der Vergebung der Pri- vatarbeiten, ferner mit der Vorstellung von Landwirten in Ulrichstein, inbetreff der Aufforstungen daselbst, und mit der Ersatzwahl für die Provinzialhauptstadt Gie - ß e n beschäftigen wird. — Der erste (Finanz-)Aus- schuß kommt am Mittwoch zusammen und wird sich u. a. mit der Vorstellung der staatlichen Unterbeamten, betreffend die Gewährung einer Teuerungszulage, den Anträgen Bach, betreffend die Reliktenversorgung der Volks- schullehrer und die Pensionierung von Staatsbeamten, ferner mit dem Antrag Dr. Osann, betreffend Wasserschaden und den Anträgen der Abgeordneten Molthan, Reh und Ulrich, betreffend den Eisenbahn-Gemeinschaftsvertrag, beschäftigen.
* Der Zweiten Ständekammer sind u. a. folgende Drucksachen zugegangen: 1. Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung des Stadtvor- standes zu Alsfeld, betr. die Linienführung der Bahn Alsfeld—Niederaula und die Erbauung einer Bahn Als- feld^— Loshausen; 2. Bericht des Zweiten Ausschusses über den Antrag des Abg. Dr. Eläffing, betr. Vereinfachung von Meßbriefarbeiten; 3. Bericht des Vierten Ausschusses über die Vorstellung der deutschen konzessionierten Abdeckereibesitzer, betr. Aenderung des Entwurfes zum Erlaß eines Gesetzes die Beseitigung von Tierkadavern.
* Fortbildungsschulzwang für weibliche kaufmä n m ische A n g e st e l l t e. Der hiesige Verein weiblicher kaufmännischer Angestellter hat bei der Erohh. Bürgermeisterei die Einführung des Fort- bildungsschulzwanges für die hm Handelsgewerbe tätigen weiblichen Angestellten beantragt. Von der Großherzoglichen Bürgermeisterei über diesen Antrag zu einer gutachtlichen Aeußerung ausgesordert, erhebt die Handelskammer nach einem ausführlichen Referat des Syndikus die nachstehende Erklärung zum Beschlusse: Die Handelskammer erkennt die Notwendigkeit einer besseren Aus- und Fortbildung für die im Handelsgewerbe tätigen weiblichen Angestellten im Interesse des gesamten Kaufmannsstandes an. Sie ist der Ansicht, daß dieses Ziel in wirksamer Weise durch Einführung des Fortbildungsschulzwangs Erreicht werden kann. Unter ausführlicher Begründung soll im Sinne dieses Beschlusses an die Grohh. Bürgermeisterei berichtet werden.
* Das 2 8. Deutsche Radfahrer Bunde s f e st. Die größte sportliche Korporation der Radfahrer der Welt, der Deutsche Radfahrerbund, so schreibt uns unser Frankfurter Spezial-Korrespondent, hat für sein diesjähriges 28. Bundessest die alte Kaiserstadt Frankfurt a. M. bestimmt. Das Programm für das Fest liegt nun vor und wird dasselbe nicht, wie es sonst bei den Radsahrerbundessesten üblich ist, sich aus einige Tage erstrecken, sondern über eine ganze Woche. Es wird wohl manchem unserer Leser interessant sein, das genaue Programm für die kommenden Frankfurter Festtage zu erfahren, und wir werden dasselbe deshalb sofort, nachdem es endgiltig feststeht, bekanntgeben.
-l- Die gestern hier bei günstigem Wetter auf der Lahn stattgefundene 16. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes war von 9 Vereinen aus Frankfurt a. M., Offenbach, Mainz, Limburg, Kastel und Gießen mit 33 Booten und 157 Ruderern belegt. Aus den einzelnen Rennen sind folgende Vereine als Sieger hervorgegangen: 1. Begrüßungs-Vierer: Ruderklub ^,Germania"-Kastel, 2. Junior-Einer: Ruderklub Haffia"-Gießen, 3. Anfänger-Vierer: Rudersportverein "Amici1ia"-Frankfur1 a. M., 4. Senior-Vierer: Ruderklub „Hassia"-Gießen (Ehrenpreis der Stadt Gieyen, Wanderpreis); 5. Junior-Vierer: Ruderklub von 190< in Limburg; 6. Senior-Vierer, wobei der Verbands - Wanderpreis zum 1. Male ausgefahren wurde: Ruder- sportverein „Amicilia" in Frankfurt a. M.; 8. Ewer (Lahnpokal, „Hassia"-Heraussorderungspreis): Ruderklub „Haffia"-Gießen; 9. Senior-Vierer: Nudâb „Haf- sia"-Gießen; 10. Ermunterungs-Vierer: Ruderklub von 1907 in Limburg (wurde in schöner Form gewonnen); 11 Trost-Vierer: Mainzer Ruderklub; 12. Achter (Ehrenpreis des Prinzen Heinrich von Preußen) wurde mit drei Längen und schönem Ruderschlag vom Ruderklub ^'asi. D-, »-.--«» verein unternahm gestern einen Staffettenlauf
| vom Taufstein über Schotten, Laubach nach dem ^ochlotzgarten zu Lich. Die 40,2 Kilometer wurden von i Mitgliedern des Turnvereins, von Soldaten des Regiments Nr. 116 und Schülern in der sehr guten Zeit von 1 S 1 u' nde, 36 Minuten, 6 Sekunden : gelaufen. Es beteiligten sich 151 Läufer. Der zu be fördernde Eichenzweig wurde dem G r o tz h e r z o g überreicht, der ihn mit großer Freude entgegen nahm.
-l- U n g l ü ck s f a l l. Gestern abend gegen 10 I Uhr wurde in der Rodheimerstraße ein Schriftsetzer von der Biebertalbahn der eine Unterfdicntcl abgefahren. Der Verunglückte wurde durch die Sanitätsabteilung nach der Klinik verbracht, wo er heute vormittag seinen schweren Verletzungen erlegen ist.
* Ronneburgfest. Auf der zwischen Hanau und Büdingen auf einem Bergkegel malerisch gelegenen und' weithin sichtbaren Ronneburg veranstalten die Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs Frankfurt a. M., Offenbach, Hanau, Büdingen und Eellchauseil am 25. Juni d. I. ein B u r g s e st. Es kommt dabei ein historisches Festspiel zur Aufführung, versaßt von E. Steininger, Mitglied des Franksurter V. H. C., bei welchem 115 Personen, alles Mitglieder der genannten Zweigvereine, austreten. Der jetzige Besitzer der Burg, Se. Durchl. der Fürst Friedrich Wilhelm von Pseuburg und Büdingen zu Wächtersbach, hat hierfür die Burg zur Verfügung gestellt und den Ehrenvorsitz für das Festspiel, zu dem auch die übrigen Linien des ?)fem burgischen Hauses eingeladen sind, übernommen. Das Stück führt den Titel „Im Glauben stark, in Treue fest" und spielt in der ersten Zeit des 30jährigen Krieges. Die Aufführung findet nachmittags 3 Uhr im inneren Burghof statt und währt etwa 2 Stunden. Im äußeren Burghof ist Konzert, Landskneck)tlager unb Volksfest. Bei eintretender Dunkelheit ^Beleuchtung der Burg.
-)(- Bad-Nauheim, 12. Juni. Zwei Damen bestiegen in der Terassenstraße einen Üanbauer. Der Kutscher wollte beim Türschließer: behilflich sein, als sich in demselben Augenblick die Pferde in Bewegung setzten. Der Fensterflügel der Kutschentüre kam einem Baumast zu nahe, wurde aus den Angeln gehoben und fiel klirrend zu Boden. Durch das Gerältsch erschreckt, gingen die Pferde durch. Zwei Droschken wurden angerannt und schwer beschädigt. Der Kutscher der einen Droschke kam unter seinem Wagen zu liegen, ohne jedoch Schaden zu nehmen. Kurz vor dem eisernen Tor der Terrasse kamen die scheu gewordenen Pferde zu Fall. Abgesehen von dem Sachschaden kamen alle Beteiligten mit dem Schrecken davon.
* Darmstad 1, 12. Juni. Seit Anfang März war der verheiratete Kasernenwärter Fell in der Nacht spurlos verschwunden, nur mit Hemd und Hose bekleidet. Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, eine Spur zu finden. In der vergangenen Woche wurde nun seine schon stark in Verwesung übergegangene Leiche bei einer Kanalreinigung unter dem zirka einen Zentner schweren Kanaldeckel in dem Kanal entdeckt.
♦ Marburg, 12. Juni. Bierbrauereibesitzer Bopp, der 10 000 Mark zur Unterstützung seiner Arbeiter und ihrer Angehörigen gestiftet hat, hat weitere 20 000 Mark der Stadt Marburg für eine Stiftung überwiesen, deren Zinsen zum Ankauf von Altertümern, insbesondere auch alten Marburger Bürgertrachten, Verwendung finden sollen.
-n- Weilburg, 12. Juni. Unser romantisch gelegenes Lahnstädtchen wird von Jahr zu Jahr immer mehr als Sommerfrische ausgesucht; auch Touristen, Automobil- und Radfahrer sind tägliche Gäste in unserer Stadt. Das alte Schloß des Stammhauses Nassau mit Schloßgarten, welch letzterer vom Grafen Johann Ernst in den Jahren von 1703—1713 angelegt wurde, macht mit seinen herrlichen Anlagen, den Denkmälern des Grafen Johann Ernst und des letzten regierenden Herzogs von Nassau, sowie den alten seltenen Bäumen und Gewächsen einen schönen Eindruck. Sehenswert ist auch die evangelische Kirche, in welcher sich die Gruft der nassauischen Familie befindet.
• ) Herborn, 12. Juni. Etwa 50 Feuerwehrleute von hier und den umliegenden Ortschaften wurde das Abzeichen und Diplom für 25jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr überreicht.
* Worms, 12. Juni. Eine Dame mit riesengroßem Hut verletzte auf dem Marlinsplatz mit den lanzenarligen Nadeln des Hutes einen vorbeigehenden Mann erheblich im Gesicht. Der Mann riß daraus, in rasender Wut, der Dame den Hut vom Kopf und zertrat ihn zu einer unförmlichen Masse.